besteigt von Wiesenthal wiederum den Fichtelberg, wendet sich aber
dann (am besten mit Führer) dem »Reitsteig« zu, den man von dem
Aussichtsthurm, mit der Richtung nach Grünhain hin, in ungefähr 10
Minuten erreicht. Auf dem Reitsteig geht man rechts fort, bis ein
(in ¼ St.) breiterer Weg fast senkrecht auf ihn stösst. Dies ist der
Hirschfalzer Weg, den man gleichfalls rechts verfolgt, um auf die alte
Joachimsthaler Fahrstrasse zu kommen. Nunmehr geht es links auf der
gewonnenen Strasse, immer im Holze, gegen 2 Stunden dahin. Prächtige
Waldwanderung: viele Nebenwege und Schneissen, welche zu benachbarten
Revieren, wie »Katzenstein«, »Erbisleite« und »Thalerhaid« führen,
kreuzen die Strasse, beirren aber nicht. Bei der ersten Lichtung kann
man links in das schöne Mittweidathal hinabsteigen, wir aber bleiben
auf unserer Strasse, bis ein Wegweiser rechts nach den Crottendorfer
Marmorbrüchen zeigt. Diese Brüche, zu Christian des I. und August
des Starken Zeit so geschätzt, sind jetzt ziemlich vernachlässigt
und werden erst wieder in Schwung kommen, wenn die Eisenbahn an
sie heranreicht. Von den Marmorbrüchen begeben wir uns nach dem im
Mittweidathal gelegenen Nitzschhammer und von diesem nach Markersbach,
wo wir die Chaussee gewinnen, welche von Annaberg nach Schwarzenberg
führt.
XXVI. Route: Von =Schwarzenberg= über =Johanngeorgenstadt= nach
=Wildenthal=.
Der Weg von Schwarzenberg nach Johanngeorgenstadt geht durch
das hochromantische Schwarzwasserthal und lässt sich mit Post,
genussreicher aber zu Fuss zurücklegen. Zunächst kommt man nach
+Erla+, wo sich grossartige Schmelzhütten mit Giesserei und Walzwerk
befinden. Darnach berührt man +Antonshütte+ und +Breitenhof+. Bald nach
letzterem Ort macht das Wasser eine scharfe Wendung und lässt so die
Reize des Thales vortheilhaft hervortreten. Später erweitert sich das
Thal, worauf man rechts nach +Johanngeorgenstadt+ hinaufsteigt, während
die Strasse im Grunde weiter, am Schiesshaus vorüber, nach Wittigsthal
führt. Nachdem man Stadt und Umgegend betrachtet hat, begiebt man sich
über Steinbach nach der sog. Sauschwemme, um von da, auf angenehmer
Waldstrasse, dem majestätischen +Auersberg+ (3134´), dem dritthöchsten
Berge Sachsens, einen Besuch zu machen. Auf dem Gipfel ein dem früheren
Oberforstmeister v. Lindenau errichtetes Denkmal. Von dem vorhandenen
Aussichtsthurm ein prächtiger Blick auf Böhmen, das Voigtland, die
Muldengegend und das sächsische Niederland. Man sieht den Fichtel-
und Keilberg mit den umliegenden Genossen, den Rochlitzer Berg, den
Petersberg bei Halle, den Kuhberg bei Rothenkirchen, die Schnarrtanner
Höhe, den Hirschberg bei Karlsfeld und den Spitzberg bei Friebus, sowie
dazwischen viele Dörfer und Städte. In der Nähe dichtes Fichtengrün,
allseitig Berg und Hang bedeckend. -- Vom Auersberg geht man hinab nach
Wildenthal (517 E.) und hat damit das Tagesziel erreicht.
+Johanngeorgenstadt+, Stadt am Fastenberge, ob der Vereinigung des
Breitenbaches und Schwarzwassers, 2267´ ü. M., mit 2402 E. Verdankt
seine Entstehung evangelischer Glaubenstreue und ist, die jüngste
Stadt Sachsens, von böhmischen Exulanten (namentlich aus Platten und
Gottesgabe) 1654 erbaut worden. Hatte früher viel Bergbau; treibt aber
neuerer Zeit besonders Handschuhmacherei, Bandzäckchenfabrikation
und Kunsttischlerei. In der Nähe interessante Felspartien, so die
»Teufelskanzel«, der »Schneiderfels« und die »Hefenklöse«. Die Stadt
wurde 1867 durch eine grosse Feuersbrunst betroffen, hat sich aber
seitdem so ziemlich wieder emporgearbeitet.
XXVII. Route: Von =Wildenthal= über =Graslitz= und =Markneukirchen=
nach =Bad Elster=. (2 Tage.)
Von Wildenthal geht man südlich auf der Strasse nach
+Weitersglashütte+, betrachtet daselbst die wohleingerichtete
Glasfabrik und wendet sich dann, die ursprüngliche Richtung
beibehaltend, nach dem böhmischen Orte +Sauersack+, der wegen der öden
Lage und Armseligkeit seiner Häuser einen traurigen Eindruck macht.
Bald kommt man jedoch wieder in angenehmere Gegend. Von Sauersack
steigt man nämlich westlich in ein prächtiges Thal hinab -- eine darin
gelegene Försterei erinnert so recht an Wald und Waldeseinsamkeit
-- und geht dann, in erquicklicher Landschaft, einem munteren Bach
entlang, über Nancy und Silberbach nach +Graslitz+, um daselbst
Nachtquartier zu nehmen. -- Am andern Morgen begiebt man sich über
Lauterbach nach Kirchberg, besteigt den in der Nähe liegenden »hohen
Stein«, welcher eine gute Aussicht darbietet, und wendet sich, nach
Sachsen wieder hineinwandernd, durch Eubabrunn (1111 E.) und Erlbach
(202 E.) nach +Markneukirchen+, dem Hauptort der erzgebirgischen
Instrumentenfabrikation. Von hier fährt man mit Post (Fahrgeld 4 Ngr.)
nach +Adorf+, von wo Bad +Elster+ in einem Stündchen erreicht wird.
+Graslitz+, Stadt, an der Vereinigung des Schwader- und Silberbaches
mit der Zwota, 1506´ ü. M. mit 6000 E. Hat viel Industrie: Woll- und
Baumwollenweberei, Kattundruckerei, Kammgarnspinnerei und besonders
Fabrikation musikalischer Instrumente (Holzblasinstrumente). Schöne
Pfarrkirche mit interessantem Hochaltar. Einen Besuch verdient der
benachbarte Hausberg, wo sich noch Spuren eines alten Bergschlosses
befinden.
+Markneukirchen+, Stadt an der grossen Elster, 1575´ ü. M. mit 4000 E.
Fabrikationsort für einfache und übersponnene Darmsaiten[17], für alle
Sorten Streich- und Blasinstrumente und für Mund- und Ziehharmonika's.
-- Engelhardt sagt: »Nach den Klängen Markneukirchner Instrumente
marschiren die Regimenter aller Staaten, tanzen die Balldamen aller
Erdtheile, und wie sie vielen Kindern als ohrzerreissendes Spielwerk
dienen, so ist andererseits kein Concert ohne sie denkbar.« Von
Markneukirchen hat sich die Instrumentenfabrikation auf die umliegenden
Ortschaften, wie Adorf, Schöneck, Klingenthal, Zwota und Erlbach
verbreitet. -- In der Umgebung Markneukirchen's zeichnet sich der
Galgenberg durch eine gute Aussicht aus.
+Adorf+, Stadt an der Vereinigung der kleinen und grossen Elster,
1460´ ü. M. mit 3164 E. Hat zur Hebung der Instrumentenfabrikation
eine besondere Musikschule. -- In der Nähe die Dörfer +Marienei+ und
+Würschnitz+; in jenen ist 1803 der Dichter J. Mosen geboren worden und
in diesem hat Ende des 17. Jahrhunderts ein Zimmergesell (Hans Wolf
Löw-Kummer) die ersten Kartoffeln angebaut.
Bad +Elster+: s. R. XXIII. S. 120.
XXVIII. Route: Von =Wildenthal= nach =Karlsfeld=, =Klingenthal=,
=Schöneck= und =Falkenstein=. (2 Tage.)
Von Wildenthal geht man, den Brückenberg rechts lassend, nach
+Karlsfeld+ und gelangt so in den Mittelpunkt des »sächsischen
Sibiriens«, welches aber nicht so rauh und kalt ist, als angenommen
wird. Ausser der kuppelartig gebauten Kirche, welche leicht in die
Augen fällt, betrachtet man in Karlsfeld die Glas- und Uhrenfabrikation
und wendet sich dann über die Wilzschhäuser, an einem netten Forsthause
vorbei, nach Rautenkranz (347 E.), wo sich bedeutende Eisenwerke
und eine Musterbretmühle befinden. In Rautenkrauz hat man die obere
Muldengegend erreicht, welche wegen ihres Quellenreichthums und
ihres trefflichen Tannenbestandes gern besucht wird. Von Rautenkranz
wandert man über Tannebergsthal (341 E.), an den Lattermann'schen
Eisenwerken und den Teichhäusern vorüber, nach Steindöbra (330 E.),
wobei man zur Rechten den +Schneckenstein+ (2690´) sieht, der als
Fundort für weingelbe Topase bekannt ist. Von Steindöbra führt der Weg,
eine gute Ansicht des originell und zerstreut liegenden Sachsenberg
(2313 E.) gestattend, über Brundöbra (1739 E.) nach +Klingenthal+,
dem diesmaligen Stationsorte. -- Am nächsten Morgen nimmt man in
Klingenthal die Instrumentenfabrikation in Augenschein und geht dann
über Hammerwerk Zwotenthal nach Kottenheide (46 E.), um von da einen
Ausflug nach dem Muldenteich zu machen, der als Ursprungsort der
(weissen) Mulde Interesse hat. Darnach begiebt man sich, immer durch
trefflichen Forst wandernd, über Tannenhaus nach +Schöneck+, wo mitten
in der Stadt ein Fels (»der Stein«) steht, der eine gute Aussicht auf
das Voigtland, sowie nach den reussischen Landen, nach Baiern und
Böhmen gewährt. Nachmittags fährt man mit Post, fast ununterbrochen
durch Nadelwald, über Hofmeister, Neudörfel und Poppengrün nach
+Falkenstein+, womit das Tagesziel gewonnen ist.
+Karlsfeld+, Flecken an der Wilzsch, mit 1153 E. Der Ort ist dadurch
entstanden, dass der Grubenherr +Schnorr+ aus Schneeberg 1678 in
der damaligen Waldwildniss -- wahrscheinlich billiger Kohlen wegen
-- Eisenwerke anlegte und dadurch Ansiedler herbeizog. Die Kirche,
für welche die Peterskirche als eine Art Muster gedient haben mag,
ist 1688, gleichfalls von Schnorr, erbaut worden. Weil 1823 die
Eisenwerke zum Erliegen kamen, so führte man 1830 die Schwarzwälder
Uhrenfabrikation ein, die bis heute schwungvoll als Hausindustrie
betrieben wird. Ausserdem treibt man Tischlerei, Nähterei und etwas
Glasfabrikation. -- Von Karlsfeld hat die Familie Schnorr von
Carolsfeld ihren Namen.
+Klingenthal+, Flecken an der Zwota, mit 2318 E. Fertigt besonders
Conzertino's, Zieh- und Mundharmonika's und hat zur Vervollkommnung der
Instrumentenfabrikation eine Musikschule.
+Schöneck+, Stadt, 2176´ ü. M. mit 2895 E. War sonst ein Freistädtchen,
weil es im Jahre 1370 von Karl IV. allerlei Begnadigungen erhalten
hatte, wofür es dem Landesherrn bei jeweiligem Besuch 5 ℔ schwäbischer
Heller überreichen musste. 1569 kam Schöneck mit dem Voigtlande an
Kursachsen. Nach Einführung der sächsischen Konstitution sind die
Vorrechte des Orts beseitigt worden. Schöneck lebt besonders von
Instrumentenfabrikation, Fabrikation Plauenscher Waaren (Eingelesenes
und Gemodeltes), Waldarbeit und Viehzucht. Im Jahre 1856 brannte der
Ort fast völlig ab.
+Falkenstein+, Stadt an der Göltzsch, 1751´ ü. M., mit 4881 E. --
Hauptort für die Fabrikation »brochirter« Gardinen. -- In der Nähe der
Löcherstein, durch welchen man zweimal den Himmel sieht.
XXIX. Route: Von =Schwarzenberg= nach =Eibenstock=.
1. +Ueber Jägerhaus und Sosa.+ -- Man steigt von Schwarzenberg auf der
Eibenstocker Strasse aus dem Schwarzwasserthale hinaus und gelangt,
Bermsgrün links lassend, nach dem sogenannten Jägerhaus, bei welchem
sich unsere Strasse mit der Schneeberg-Johanngeorgenstädter Strasse
kreuzt. Vom Jägerhaus, das in der Nähe des Ochsenkopfes gelegen
ist, geht es anfangs allmälig, dann rascher abwärts nach dem Dorfe
+Sosa+ (1780 E.), wo sich Fusssteig und Fahrstrasse nach Eibenstock
von einander trennen. Während die Chaussee über Unterblauenthal
(286 E.) nach genannter Stadt führt, leitet der Fussweg hinab zum
»Zimmersacher«, einem an der Bockau gelegenen Weiler, und von diesem
eine sehr steile Anhöhe, »die Kniebreche«, hinaus, um dann fast eben
Eibenstock erreichen zu lassen.
+Eibenstock+, Stadt auf einem wellenförmigen Plateau, 1975´ ü. M.,
mit 6362 E. Ist Hauptsitz des Tambourirens, d. h. des Stickens mit
der Häkelnadel, welches +Clara Angermann+ vor ungefähr hundert Jahren
(1775) daselbst eingeführt hat. Bei dieser Art zu sticken wird das
zu verzierende Gewebe (Tüll, Mull oder Musselin) auf einfachem,
sägebockartigem Gestelle ausgespannt und von geschickter Frauenhand
mit Fäden so durchflochten, dass diese Sterne, Blumen, Ranken u. s.
w. in Weiss oder Bunt darstellen. Kinder werden sodann gebraucht, den
überflüssigen Maschengrund hinwegzuschneiden. -- Um Eibenstock herum,
sowie in dem westlich sich anschliessenden Voigtlande regiert überhaupt
der Stickrahmen, wie in anderen erzgebirgischen Orten der Klöppelsack.
-- Von dem grossen Brandunglück des Jahres 1856 hat sich die Stadt
völlig erholt und fehlt ihr zu weiterem Aufschwung nichts, als dass
bis in ihre Nähe endlich die von den Einwohnern schon längst begehrte
Eisenbahn geführt werde.[18]
2. +Ueber Aue und Bockau.+ -- Von Schwarzenberg fährt man mit dem
Dampfwagen an den Dörfern +Sachsenfeld+ (600 E.) und +Lauter+ (2684
E.) und dem Blaufarbenwerke +Nieder-Pfannenstiel+ vorüber nach dem
Städtchen +Aue+, welches an der Vereinigung des Schwarzwasser- und
Muldenthales reizend gelegen ist. In der Stadt wollen mehrere wichtige
Etablissements in Augenschein genommen sein und in der Umgebung
verdienen einen Besuch das Dorf Zelle (979 E.) mit Klösterlein, dessen
Namen von dem früheren Augustinerkloster Neuzelle (im Gegensatz zu
Altzelle bei Nossen) herstammt, und die Zeche »Andreas«, welche bis vor
Kurzem die Masse zu dem Meissner Porzellan geliefert hat, nunmehr aber
erschöpft ist. Wenn man diesen Ansprüchen genügt hat, beginnt man die
Wanderung nach +Bockau+. Der Weg führt in dem romantischen Muldenthale
aufwärts, berührt die Argentanfabrik und Schmelzhütte, geht an der
Hirschteufe und dem Teufelswehr vorüber, mitten durch den Wald, immer
am Flusse hinauf und stösst zuletzt auf die bedeckte Muldenbrücke,
welche -- rechts unten erblickt man das Schindler'sche Blaufarbenwerk
-- nach dem links gelegenen Bockau hinüber leitet. Von Bockau begiebt
man sich über Unterblauenthal nach +Eibenstock+.
+Aue+, Stadt an der Mündung des Schwarzwassers in die Mulde, 1062´ ü.
M., mit 2040 E. Die berühmte Tausend-Gülden-Stube ist 1859 durch Feuer
leider zerstört worden. Im Auerhammer hat Dr. Geitner zur Herstellung
des von ihm erfundenen Argentans eine besondere Fabrik errichtet.
+Bockau+, grösstes Arzneidorf Sachsens, mit 1894 E. Hatte früher
viel Laboranten, welche Räucher- und Zahnpulver, Pflaster, Pillen,
Tropfen, Liquor, »Stockdumm«, Karmelitergeist, Universalbalsam und
namentlich Schneeberger Schnupftabak fabrizirten und durch Hausirer
mit sogen. Buckelapotheken im Lande vertreiben liessen. Seit
Verschärfung der Medizinalpolizei ist das eigentliche Arzneigeschäft
in Verfall gekommen, doch baut der Ort noch allerlei Heilpflanzen,
wie Angelikawurzel (jährlich 1000 Centner), Baldrian, Rhabarber und
Huflattich, auch bereitet er noch manche von der Polizei nicht
beanstandete Mittel, wie allein 20,000 Schachteln Schneeberger
Schnupftabak.
3. +Ueber Niederschlema und Schneeberg.+ -- Von Schwarzenberg mit
der Eisenbahn über Lauter und Aue nach +Niederschlema+, um die
daneben gelegenen Blaufarbenwerke, die bedeutendsten Sachsens, ja
Deutschlands, in Augenschein zu nehmen. Genannte Werke fertigen aus
dem Kobalt eine prächtige blaue Farbe, welche je nach der Nuancirung
Smalte, Zaffer, Safflor oder Eschel genannt wird. Die Bereitung dieses
Farbestoffs -- anfangs hiess er das blaue Wunder -- soll zu Anfang
des 16. Jahrhunderts durch den Franken +Weydenhammer+ aufgebracht
und einige Jahrzehnte darnach durch den böhmischen Glasmacher
+Schürer+ verbessert worden sein. Ehe der Kobalt zur Farbengewinnung
gebraucht werden konnte, war er wegen seiner üblen Eigenschaften
bei den Hüttenleuten als »Silberräuber« und als Berggeist »Kobel«
verrufen und wurde als nutzlos auf die Halden gestürzt. -- Von Schlema
bringt uns der Dampfwagen in wenig Minuten nach der angesehenen
Bergstadt +Schneeberg+, deren Umgebung, Marktplatz und Kirche
Beachtung verdienen. Später fahren wir mit Post über das benachbarte
+Neustädtel+, über Zschorlau, Burkhardtsgrün und Sachsengut nach
+Eibenstock+.
+Schneeberg+, Stadt, 1456´ ü. M. mit 8000 E. Verdankt seine Gründung
-- sie geschah 1477 -- dem Bergbau, da man 1471 nicht weit von
der jetzigen Hauptkirche mächtige Silberadern erschürft hatte. Am
ergiebigsten war die Georgenzeche, in welcher Herzog Albrecht der
Beherzte (April 1477) an einer über 400 Centner schweren Erzstufe
gespeist haben soll. Auch heute wird noch etwas Bergbau getrieben
und erhalten die Gruben nach wie vor ihr Aufschlagwasser aus dem bei
Neustädtel gelegenen Filzteiche. Dieser sprengte 1783 die Dämme und
richtete dadurch in Zschorlau und Auerhammer grosses Unheil an. --
Hauptbeschäftigung in Schneeberg ist dermalen Spitzenklöppelei und
Weissstickerei, wobei indess letztere das Uebergewicht zu erlangen
scheint. -- Die Stadtkirche, die grösste protestantische Kirche
Sachsens, ist im gothischen Style erbaut und enthält am Altar das
umfangreichste Gemälde von Kranach dem Aelteren. Auf dem Thurme
befindet sich eine 159 Centner schwere Glocke, die sog. Donnerglocke.
-- Einen Besuch verdient wegen der schönen Aussicht »Herders Ruhe« am
Glössberge.
XXX. Route: Von =Eibenstock= über =Schönhaide= und =Auerbach= nach
=Lengenfeld=.
Von Eibenstock geht man zunächst nach dem an der Mulde gelegenen
Schönhaider Hammer und von da nach +Schönhaide+ (4704 E.), dem grössten
Dorfe des westlichen Erzgebirges. Der Ort ist über eine Stunde lang und
wird, da er sich eine Berglehne hinanzieht, weithin gesehen. Neben der
Weissstickerei trifft man hier noch zwei eigenartige Erwerbszweige:
nämlich Bürstenbinderei und Blechwaarenfabrikation. -- Der Weitermarsch
führt über +Schnarrtanne+ (593 E.) und die +Schnarrtanner Höhe+, welche
eine prächtige Aussicht auf das Voigtland gewährt, nach +Auerbach+. Bei
Auerbach befindet man sich im Bezirke des Pech- und Russhandels, für
welchen besonders zwei Walddörfer, Beerheide und Brunn, das Material
liefern. Von Auerbach geht man über +Rodewisch+ (3386 E.), wo sich
Sachsens einziges Messingwerk befindet, nach +Lengenfeld+ und hat damit
das Tagesziel erreicht.
+Schönhaide+, stadtähnliches Dorf mit 4704 E. Sitz der
Pleinfabrikation, d. h. der Tambourirstickerei nach fortlaufenden,
nicht abgezählten Mustern. Ferner wird die Verfertigung von Bürsten
und Pinseln schwunghaft betrieben, so dass manche Geschäfte 100 Sorten
Pinsel, Bürsten, Borstwische und Borstbesen führen. Endlich liefern
Blecharbeiter allerlei Küchengeräthe, dann Ofenröhren, Giesskannen,
Kuchenbleche u. s. w. -- Die Schönhaider Bürstenbinder gelten für das
lustigste Völkchen des ganzen Erzgebirges.
+Auerbach+, Stadt an der Göltzsch, 1417´ ü. M. mit 4477 E. Beschäftigt
sich mit Weberei und Fertigung genadelter Mulls und gestickter
baumwollener Waaren.
+Lengenfeld+, Stadt an der Göltzsch, 1220´ ü. M. mit 4716 E. Hat
Fabrikation von Tuchen und dichten Baumwollenstoffen.
XXXI. Route: Von =Elster= über =Oelsnitz=, =Falkenstein=, =Auerbach=,
=Lengenfeld=, =Treuen=, =Herlasgrün=, =Netzschkau= und =Reichenbach=
nach =Zwickau=.
(+Eisenbahnroute.+)
Man geht von Elster nach Mühlhausen und fährt von da mit dem Dampfwagen
bis +Oelsnitz+, um diese Stadt in Augenschein zu nehmen. Sie hat
eine herrliche Lage, besitzt aber ausser dem neuen Rathhause und der
alterthümlichen Stadtkirche keine hervorragenden Gebäude. Berühmt
ist sie indess als Hauptsitz der Perlenfischerei, welche seit
Jahrhunderten in der Elster und deren Nebenbächen betrieben wird.
Die Elsterperlen wurden früher sehr theuer bezahlt, sind aber nach
und nach im Preise so gefallen, dass für die jährliche Ausbeute nur
noch einige hundert Thaler gelöst werden. -- Von Oelsnitz kann man
mit der Eger-Reichenbacher Bahn leicht die Städte +Falkenstein+,
+Auerbach+, +Lengenfeld+ und +Treuen+ besuchen, wir aber fahren noch
über +Herlasgrün+ hinaus bis +Netzschkau+, um von da einen Abstecher
nach der berühmten Göltzschthalbrücke zu machen. Dieselbe ist in ¼ St.
erreicht und gewährt, besonders von der tiefsten Stelle des Thales aus
gesehen, einen grossartigen Anblick. Ihre Höhe beträgt 139 Ellen, ihre
Länge 1018 Ellen; die Spannweite des mittleren grossen Bogens misst
154 Ellen. Diese Riesenbrücke, zu der allein zwanzig Millionen Ziegel
erforderlich waren, ist würdig der römischen Viadukte und wird für alle
Zeiten den kühnsten Bauwerken der Welt beigezählt werden. -- Nunmehr
geht es an der Göltzsch aufwärts bis +Mylau+ und dann links ab, auf gut
gebahntem Wege, nach +Reichenbach+, einer bedeutenden Industriestadt.
Nachdem man sich hier umgesehen, fährt man mit dem Dampfwagen über
Neumark, wo die Greizer Bahn einmündet, nach der Kreishauptstadt
+Zwickau+, welche viel Interessantes darbietet.
+Oelsnitz+, Stadt a. d. Elster, 1144´ ü. M., mit 5728 E. Sitz der
Voigtländischen Halbwollweberei. Seit dem Brande von 1859 fast ganz neu
erbaut. ¼ St. von der Stadt liegt das Schloss +Voigtsberg+, in welchem
sich eine Zweiganstalt des Zwickauer Arbeitshauses befindet.
+Falkenstein+, s. R. XXVIII. S. 132; +Auerbach+ und +Lengenfeld+, s. R.
XXIX, S. 137.
+Treuen+, Stadt a. d. Trieb, 1264´ ü. M., mit 5238 E. Beschäftigt sich
mit Spinnerei, Weberei und Bleicherei.
+Netzschkau+, Stadt, 1109´ ü. M., mit 3170 E. Hat eine regsame
Weberbevölkerung, die bereits Maschinenstühle anwendet und besonders
Kattun und Futtermusselin liefert.
+Mylau+, Stadt a. d. Göltzsch, 937´ ü. M., mit 3170 E. Besitzt mehrere
Kammgarn- und Streichgarnspinnereien und ein grosses Alaunwerk. Das
Schloss, von 1212--1459 böhmisch, war einst ein Lieblingsaufenthalt
Kaiser Karls IV., weshalb der hintere Hof noch jetzt +Kaiserhof+
genannt wird.
+Reichenbach+, Stadt, 1034´ ü. M., mit 11,713 E. Des Ortes blühende
Industrie umfasst drei Branchen: Wollkämmerei, Spinnerei und Weberei.
Gefertigt werden besonders Merino's, Thibet's, Circassien's und wollene
Tücher. Die Peterpaulkirche, vormals dem deutschen Orden gehörig,
enthält eine vortreffliche Silbermann'sche Orgel. -- Reichenbach ist
Geburtsort der Schauspielerin Karoline Neuber.
+Zwickau+, Stadt a. d. nach ihr benannten Mulde, 800´ ü. M., mit 27,395
E. Liegt in einem ziemlich weiten, von sanften Höhen umschlossenen
Becken, dem sogenannten »Schwanfelde«, welches in seinem Innern
12--14 abbauwürdige Kohlenflöze birgt, die in neuer Zeit einen
unberechenbaren Werth erlangt haben. -- Ausser mehreren altertümlichen
Gebäuden, wie dem Anker und dem Rathhause, wenden wir unsere
Aufmerksamkeit den beiden gothischen Kirchen, der +Marienkirche+ und
der +Katharinenkirche+, zu. Letztere enthält ein gutes Altarbild von
Kranach. Erstere ein mit kunstvoller Schnitzarbeit versehenes heiliges
Grab, die berühmte Kindersegnung von Kranach, ein grosses Altarwerk von
M. Wohlgemuth und eine ausgezeichnet konstruirte Doppelwendeltreppe.
An der Katharinenkirche war +Thomas Münzer+ von 1520--22 als Pfarrer
angestellt, und Luther selbst musste nach Zwickau kommen, um gegen
diesen »Schwarmgeist« zu predigen. -- Das Gymnasium, im 15. Jahrhundert
wegen seiner Strenge nur die »Zwickauer Schleifmühle« genannt, besitzt
eine bedeutende Bibliothek mit werthvollen Handschriften. -- Im
Schlosse Osterstein befindet sich seit 1833 die Arbeitsanstalt für
Sträflinge. -- Zwickau ist die Geburtsstadt des Komponisten R. Schumann.
Reizende Vergnügungsorte sind: Das Schwanenschlösschen, der Bergkeller
und das Dorf Eckersbach mit dem »Trillergut«; weite Aussichten gewähren
die Oberhohndorfer und Kainsdorfer Höhen; sehr lehrreich sind Besuche
der Kohlenwerke in +Schedewitz+, +Bockwa+[19] und +Planitz+.
Während in Zwickau die altväterischen Gebäude und die gothischen
Kirchen an das Mittelalter erinnern, deuten die zahlreichen Neubauten,
die Fabrikanlagen in und neben der Stadt, die Dampfessen bei den
Kohlenschächten und der Bahnhof mit seinem kolossalen Verkehr
zugleich darauf hin, dass man sich in einem Bezirke der modernsten
industriellen Thätigkeit befindet. Diese Thätigkeit beruht zumeist
auf dem vorhandenen Kohlenreichthum. Denn wie früher die Flüsse mit
ihrer Triebkraft und die Wälder mit ihrem Heizstoff die Magnete für
die Fabrikanten waren, so sind es jetzt die Kohlenfelder mit ihrem
billigen Brennmaterial geworden. Und so hat Zwickau -- dank seinen
unterirdischen Schätzen -- in neuerer Zeit viel Industrie bekommen und
in den letzten vierzig Jahren seine Bevölkerung mehr als vervierfacht
(1834: 6127, heute: 27,395 E.) und damit ein Wachsthum gezeigt, das
sich nur dem junger Städte in Nordamerika vergleichen lässt.