(707 E.) und dann auf die Annaberg-Weiperter Chaussee, welche auf dem
Höhenzuge zwischen der Sehma und Pöhla dahinläuft. Man kommt an dem
Kunnersdorfer Chausseehaus und der daneben liegenden Restauration
»Zur Morgensonne« vorüber, überschreitet auf interessant construirter
Brücke den tiefen Einschnitt der Annaberg-Weiperter Eisenbahn und
gelangt von »Becks Gasthof« nach dem Flecken +Bärenstein+ (1612 E.).
Auf dem Marsche sieht man links im Grunde die Mildenauer Kirche
und einige Häuser von Königswalde und auf der Höhe das Jöhstädter
Schiesshaus; rechts im Thale hat man Buchholz, Sehma, Cranzahl
und davor an der Berglehne Kunnersdorf und das Gut Königslust.
Von genanntem Durchstich führt die Eisenbahn nach dem Annaberger
Flossgraben[13], um auf demselben bis an Weipert zu gelangen. In
Bärenstein schickt man sich zur Besteigung des gleichnamigen Berges
(2762´) an. Man geht zu diesem Behufe in der Nähe der Kirche rechts von
der Strasse ab und gewinnt so einen Fusspfad, welcher von südöstlicher
Seite zur Höhe emporführt. Beim Steigen liest man an einer Steinplatte:
»Den 22. August 1858 geruhte Se. Majestät der König Johann von Sachsen
den Bärenstein zu besuchen.« Das Plateau ist gut berast und erlaubt
ein bequemes Umherwandern. An der nördlichen Kante ist die Aussicht am
lohnendsten: Gerade aus sieht man Buchholz und Annaberg, daneben den
Pöhlberg; weiter zurück den Greifenstein, Schönfeld und Augustusburg;
rechts im Grunde erscheint die Mildenauer Kirche, darüber die Höhe
von Marienberg, davor das Pöhlthal mit Königswalde; weiter folgen der
Grumbacher Berg, Jöhstadt, der Hassberg und der Spitzberg; nunmehr
gleitet der Blick am Kamme des Gebirges hin nach dem im Süden liegenden
Keil- und Fichtelberg; rechts draussen erscheint der Auersberg,
westlich davon der Ochsenkopf und die Morgenleite bei Schwarzenberg,
weiter herein der Plesselstein und der Scheibenberg, rechts daran liegt
Schlettau und hinter ihm Hermannsdorf und Geyer, an welches sich der
Greifenstein wieder anschliesst. -- Bei'm Herabsteigen schaut man auf
das anmuthige, an beiden Seiten vielfach mit Häusern besetzte Thal der
Pöhl, welche von hier bis Wiesenthal die Grenze zwischen Sachsen und
Böhmen bildet und darum nur der Grenzbach genannt wird. -- Man geht
nun auf der Chaussee nach +Weipert+, (industrielle Stadt mit 5000 E.)
und wendet sich hier links einem Bergwerke zu, um an demselben vorbei
zum Forsthause zu gelangen, hinter welchem ein geradliniger Waldweg
nach Schmiedeberg (2800 E.) hinüber leitet. Von Schmiedeberg kann
man der Strasse über Oberhals nach Kupferberg folgen; näher aber ist
es, wenn man unterhalb der Kirche links den Berg hinauf geht und den
Waldweg nach dem Kupferhügel (2790´) einschlägt. Auf Letzterem steht
eine Kapelle, bei welcher man eine Aussicht geniesst, die von den
Böhmen selbst zu den schönsten ihres Landes gezählt wird. Nach Sachsen
zu ist zwar der Blick durch bewaldete Höhenzüge und Bergspitzen etwas
beschränkt, nach Böhmen hin aber ist er um so freier. Man überschaut
einen grossen Theil des Elbogener, des Saazer und Leitmeritzer
Kreises, sammt den darinliegenden Schlössern, Dörfern und Städten,
und wird von den Reizen des Egerthales und Mittelgebirges geradezu
überrascht.
Von der Kapelle zu dem Städtchen +Kupferberg+ (870 E.) hinabsteigend,
bemerkt man viele Halden und Bingen, beredte Zeugen des ehemals
lebhaften Bergbaues. Das Städtchen macht einen ärmlichen Eindruck,
wird sich aber durch die Annaberg-Kommotauer Eisenbahn, welche in der
Nähe eine Haltestelle bekommt, sicherlich heben. -- Gleich unterhalb
Kupferberg beginnt die südliche, steile Abdachung des Erzgebirges. Man
besuche hier noch die links von der Chaussee stehenden Felsen, welche
gleichfalls eine gute Ansicht des Böhmerlandes darbieten, und steige
dann auf der sich vielfach windenden Strasse bergab, wende sich aber
bei der letzten grossen Krümmung links auf einem Fusswege nach dem
Dorfe +Kunau+, von welchem man auf einem reizenden Waldthalwege nach
Klösterle (s. R. XI. S. 85) gelangt.
XXI. Route: Von =Annaberg= nach =Carlsbad=. (2 Tage.)
1. +Ueber Weipert+ und +Hauenstein+. -- Von Annaberg nach Weipert
(s. v. R.) und dann auf der Strasse über Wiesenthaler Schlössel nach
Stolzenhain. Bei Beginn des Dorfes wendet man sich links, um an der
Kapelle vorbei den näheren Weg nach dem »Reitförster« einzuschlagen.
Hier frage man genau nach dem Wege oder nehme -- wenigstens durch den
Wald hindurch -- einen Führer mit. Man kommt an den »Wirbelsteinen«
vorbei, die eine prächtige Aussicht darbieten, erreicht ein Forsthaus
und tritt bald darauf aus dem Walde heraus, um die jenseitige
Abdachung hinabzusteigen. Auf einem ziemlich benutzten Fahrwege,
hinter zwei Dörfern (Holzbach und Hanuschgrün?) hinweg, kommt man
nach dem idyllisch gelegenen +Hauenstein+, wo man Nachtquartier
nimmt. -- Am andern Morgen besucht man die reizende Umgebung des
Ortes (s. S. 86) und begiebt sich dann im anmuthigen Egergrund, über
Damitz und Permesgrün, nach +Schlackenwerth+, von wo die Strasse nach
+Karlsbad+ führt. -- Nach Eröffnung der Egerthal-Eisenbahn kann man
auch bis Wickwitz gehen und von hier mit dem Dampfwagen über Neuda
(Schlackenwerth) nach Karlsbad fahren.
+Schlackenwerth+, Stadt, 1170´ ü. M., mit 1800 E., hat ein dem
Grossherzog von Toskana gehöriges schönes Schloss mit Park und
Gewächshaus.
+Karlsbad+, Stadt an der Tepl, 1063´ ü. M., mit 7000 E. In sehr engem
Thale, doch malerisch zwischen reichbewaldeten Bergwänden und Höhen
gelegen, die nach allen Richtungen hin von gut gehaltenen Promenaden
durchzogen werden. In der Stadt sehenswerth: Dechanteikirche,
Marienkapelle, protestantisches Gotteshaus und Standbild Karls
IV., welcher als Begründer des Ortes anzusehen ist. Den grossen,
ja europäischen Ruf verdankt Karlsbad seinen Heilquellen (jährlich
15--20,000 Badegäste). Obenan steht der Sprudel, welcher 59° R.
heiss, fast mannsstark, in kurzen brausenden Stössen 3´ (früher
5--6´) hoch emporwallt. Sein Wasser ähnelt im Geschmacke einer dünnen
Hühnersuppe. Gegenstände, welche längere Zeit im Sprudelwasser liegen,
werden »inkrustirt«, d. h. von einer dünnen Steinrinde (Kalksinter)
überzogen. Andere Quellen (40--50° R.) sind: der Theresienbrunnen,
der Mühl-, Neu- und Bernhardsbrunnen, die Hygiea's-Quelle, der
Schloss-, Markt- und Spitalbrunnen. Die Karlsbader Mineralwässer
scheinen ein- und demselben Heerd zu entströmen; denn sämmtliche
enthalten vorzugsweise +Glaubersalz+ (50%) und daneben kohlensaures
und salzsaures Natron und kohlensauren Kalk; auch beruht die
Verschiedenheit ihrer Wirkungen weniger in den Mischungs- als in den
Temperaturverhältnissen.
Mit grossem Vortheil werden die Karlsbader Quellen gegen Magen-,
Leber-, Nieren- und Blasenleiden angewendet. Als Badegast soll man
streng die vorgeschriebene Diät beobachten; als Wanderer nur vorsichtig
von den Wässern kosten. Morgens von 6--8 Uhr, im Hochsommer schon von
5 Uhr an, ist Kurzeit. Da trinken die Badegäste von den verordneten
Quellen und ergehen sich unter Musik in der Kolonade des Sprudels oder
des Mühlbrunnens. Nachmittags wird auf der »Alten Wiese,« wo sich
elegante Läden befinden, promenirt oder irgend ein Ausflug gemacht.
In der Nähe (¼--¾ St.) liegen: Posthof, Freundschaftssaal, Panorama,
Waldschloss, Dreikreuzberg, König Otto's Höhe und Hirschensprung;
weiter (1--1½ St.) sind: Dorf Dallwitz, der Aberg, Hans Heiling's
Felsen, Engelhaus und Pirkenhammer. -- Göthe hat sich wiederholt in
Karlsbad aufgehalten. -- Karlsbader Beschlüsse 1819. --
Wer Karlsbad und Umgebung recht geniessen will, hat zwei Tage darauf zu
verwenden.
2. +Ueber Oberwiesenthal und Joachimsthal.+ -- Von Annaberg nach
Buchholz und dann im Sehmathale aufwärts durch die sauberen und
netten Ortschaften: Sehma (1380 E.), Cranzahl (1293 E.) und Neudorf
(1995 E.). Bis Cranzahl sieht man sich von der Annaberg-Weiperter
Eisenbahn begleitet, welche hier aber mittelst hohen Viadukts von dem
linken nach dem rechten Thalhang übersetzt, um in weitem Bogen --
unter der Annaberg-Weiperter Strasse hin -- den Flossgraben (s. S.
110) zu erreichen. Am Ende von Neudorf, unmittelbar vor der letzten
Mühle, wendet man sich rechts über die Brücke und gelangt so auf den
+Vierensteig+, welcher über das »rothe Vorwerk« nach Oberwiesenthal
leitet. Nachdem man allda etwas gerastet hat, besucht man den
Jungferngrund mit dem Goldborn und verschreitet dann zur Besteigung des
Fichtelberges. In ¾ Stunden ist der mit einem Thurm gekrönte Gipfel
erreicht. Die Aussicht hat mit der des Bärensteins Aehnlichkeit (s. S.
111), doch ist sie grossartiger und umfassender. Man überschaut das
ganze Erzgebirge und einen grossen Theil des sächsischen Niederlandes
bis zu den Rochlitzer und Hohburger Bergen (bei Wurzen); auch schweift
der Blick nach S. W. in das Egerthal und die Gegend von Waldsassen
und nach O. auf das böhmische Mittelgebirge, den Milleschauer und den
Biliner Borzen, nach S. hin aber wird er durch den anliegenden Keilberg
gehemmt. -- Nach genossener Aussicht schlägt man den auf der Höhe des
Fichtelberges hinlaufenden Weg ein und gelangt nach dem Gasthofe:
»Neuhaus« an der Wiesenthal-Gottesgaber Strasse. Von hier hält man
sich links nach dem bereits sichtbaren »Sonnenwirbel«, nimmt aus den
dort befindlichen Häusern -- sie sind die höchste (3500´) Ansiedelung
im ganzen Erzgebirge -- einen Führer mit und wendet sich nach der
Spitze des Keilberges, welche, zumal wenn der ausgebrannte Thurm
wieder hergestellt ist, eine wundervolle Aussicht auf das Böhmerland
gewährt. -- Vom Keilberg geht man zurück nach +Gottesgabe+ und von da,
die vielfachen Krümmungen der Chaussee auf einem betretenen Fusswege
abschneidend, hinab nach dem an der Südseite des Gebirges gelegenen
+Joachimsthal+, dem diesmaligen Stationsorte. -- Am andern Morgen
besucht man die Merkwürdigkeiten der Stadt und begiebt sich dann über
Ober-Brand u. Schlackenwerth nach +Karlsbad+ (s. S. 113).
+Fichtelberg+ und +Keilberg+ sind die höchsten Gipfel des Erzgebirges;
jener ist 3708´, dieser 3812´ hoch. Am Fichtelberge entspringen vier
Flüsse: das Schwarzwasser (Schwarzenberg), die Mittweida, die Zschopau
und die Sehma. Dem Keilberge, welcher auf böhmisch +Bartum+, d. i.
Bartholomäusberg, heisst, entquillt die an Weipert vorbeirinnende
Pöhl (der Grenzbach). Die Abhänge beider Bergriesen sind meist mit
prächtigen Wäldern bedeckt und bieten dem Botaniker eine reiche
Ausbeute an Moosen und subalpinen Pflanzen.
+Oberwiesenthal+, Stadt, 2777´ ü. M., mit 2022 E. Treibt Klöppelei,
Posamentenfabrikation und Nadlerei. Ist mehrmals, besonders 1851 und
1862, durch Brandunglück betroffen worden. Neue, schöne Kirche. --
An Ober-Wiesenthal stösst Unterwiesenthal mit 870 E., thalabwärts
liegt Hammer-Unterwiesenthal mit 687 E., und nur durch die Pöhl von
Ober-Wiesenthal getrennt ist Böhmisch-Wiesenthal mit 1000 E.
+Gottesgabe+, höchstgelegene (3161´) und rauheste Stadt des Erzgebirges
mit 1600 E. -- Bergbau, Spitzenklöppelei und Tüllnäherei. -- Der Ort
ist von 1459--1547 sächsisch gewesen.
+Joachimsthal+, Stadt, 2218´ ü. M., mit 6000 E. Gehört zur sogenannten
heiligen Familie der Bergstädte, von denen Marienberg und Jöhstadt
nach Christi Eltern, Annaberg und Joachimsthal nach den Grosseltern
benannt sind. -- Beschäftigt sich mit Bergbau, Spitzenklöppelei u.
Handschuhnäherei. -- Sehenswerthe, ursprünglich protestantische
Dekanatskirche mit Bildern -- auf einem Altarblatte auch das Portrait
Luthers -- von Kranach u. Dürer. Um die Stadt herum noch vier Kapellen;
auf dem Schlossberge Trümmer der Burg Freudenstein. -- Zur Zeit der
Reformation haben Matthesius als Pfarrer und Nik. Hermann als Kantor
in Joachimsthal gewirkt. -- Von dem Orte soll der Name »Thaler«
(Joachimsthaler) herstammen.
XXII. Route. Von =Karlsbad= nach =Eger=.
Diese Route wird am vortheilhaftesten mit Dampfwagen zurückgelegt. Die
Eisenbahn geht im Egerthale hinauf, hat interessante Dämme und Viadukte
zu passiren und bietet, ausser auf den Fluss, angenehme Aussichten
auf nahe Wälder und die fernen Höhen des Erzgebirges. Bei +Elbogen+
(2500 E.) unterbricht man die Fahrt, um diese Stadt in Augenschein zu
nehmen. Sie hat altersgraue Mauern, Zinnen und Thürme und ist höchst
malerisch auf einem steilen Felsenvorsprung gelegen, der von der Eger
in elbogenartiger Biegung umflossen wird. Das Schloss steht seit 870.
Auf dem Rathhause zeigt man einen bei der Stadt niedergefallenen
Meteorstein.[14] Sehenswerthe, von 1833--36 erbaute Kettenbrücke: 100´
hoch, 200´ lang mit einem Eisengewichte von 1200 Centnern.
An der nächsten Stadt, an +Falkenau+ (2500 E.), fährt man am besten
vorüber, denn ausser einer schönen Lage, deren schon Göthe gedenkt,
indem er sagt: »es ist der Hopfenbau, der die gestreckten Hügel
hinter der Stadt in stundenlangen Reihen ziert, ein unübersehbarer
Garten in der Nähe, ein weitverbreitetes Buschwerk in der Ferne,«
bietet sie wenig Bemerkenswerthes. Aber die Station +Königsberg+
eignet sich wieder zum Absteigen, da man von hier aus die Probstei
+Maria-Kulm+ (vielbesuchter Wallfahrtsort mit guter Aussicht auf das
Fichtelgebirge und die Gegend von Karlsbad) leicht erreichen kann.
-- In ununterbrochener Fahrt braucht man von Karlsbad bis +Eger+ 2
Stunden. (II. Kl. 1 Fl. 79 Kr. III. Kl. 1 Fl. 8 Kr).
+Eger+, Stadt, am gleichnamigen Flusse, 1305´ ü. M., mit 13,000 E.
Ehedem freie Reichsstadt; bis 1809 starke Festung. Im Stadthause
(früher Pachhäbel'schen Hause) wurde Wallenstein am 25. Febr. 1634
durch den Irländer Deveroux mit einer Partisane erstochen, die
man allda nebst einigen bezüglichen Gemälden noch zeigt. Auf der
kaiserlichen Burg, an der nordwestlichen Seite der Stadt gelegen,
waren kurz vorher die Freunde Wallensteins: Terzky, Illo, Kinsky und
Neumann ermordet worden. Von dem Banketsaale, in welchem die That
geschah, stehen nur noch einige Fensterbogen. Sonst enthält die Burg
eine herrliche Doppelkapelle, welche im unteren Theil romanisch und im
oberen Theile gothisch ausgeführt ist, und den schwarzen Thurm, welcher
mit seinen Lavablöcken aus den Römerzeiten herstammen soll. -- Von der
Burg und von Krämlings Bastei treffliche Aussicht auf das Egerthal und
dessen Umgebung.
XXIII. Route: Von =Eger= über =Franzensbad= nach =Elster=.
Von Eger kann man sich mit Eisenbahn nach +Franzensbad+ begeben, viel
lohnender aber ist es, den Weg dahin (2½ St.) zu Fuss zurückzulegen.
Zu dem Ende geht man vom Ringe (Markte) nach der Kunstmühle, passirt
zwei hintereinander liegende Stadtthore und wendet sich, rechts vom
Egerflusse, einem Promenadenwege zu, der durch den Wald nach dem
Siechenhause (Versorgungsanstalt und Jägerhaus mit Restauration)
führt. Dieses bietet eine gute Aussicht auf die Stadt Eger und die
dahinter liegenden Höhen und wird wegen seiner trefflichen Lage von
den Franzensbader Kurgästen und den Bewohnern Egers viel besucht.
Umfassender ist der Blick von der St. Anna-Kapelle, welche ¼ St. ob
dem Siechenhause, links von der Chaussee nach Wunsiedel, gelegen ist.
Hier sieht man Franzensbad und Mariakulm, sowie den Südabhang des
Erzgebirges, ferner (nach Marienbad hin) die Königswarther Höhen und
den Dillenberg und weiter rechts endlich das Fichtelgebirge mit dem
Ochsenkopf, Schneeberg, Waldstein und der Kösseine. -- Von der Kapelle
zur Chaussee zurückgekehrt, wendet man sich links auf einem Waldpfade
hinab zur Eger und überschreitet dieselbe auf einem Stege. Nun gelangt
man nach dem Dorfe +Stein+ und von diesem auf gut gehaltenem Wege
nach dem +Kammerbühle+, einem erloschenen Vulkane, der sowohl wegen
des Baues seines Kraters, als wegen der Schichtung und Beschaffenheit
seiner Gesteine bei den Geologen (Göthe, Humboldt, Cüvier, Bonpland)
in grossem Ansehen steht. -- Vom Kammerbühl führt ein angenehmer
Promenadenweg nach +Franzensbad+, dessen Sehenswürdigkeiten in wenig
Stunden in Augenschein genommen sind. Endlich fährt man mit dem
Dampfwagen bis Station +Mühlhausen+, von welcher Bad +Elster+ bald
erreicht wird.
+Franzensbad+, auf einer moorigen Hochebene, 1281´ ü. M., mit 90
Häusern, gehört zu den berühmten böhmischen Kurorten, hat aber
wenig Naturschönheiten, für die man indess durch künstliche Anlage
(Park, Loimannscher Park, Neue Anlagen) zu entschädigen gesucht
hat. Seine Heilquellen (Franzensquelle, Salzquelle, Wiesenquelle,
Neuquelle, Luisenquelle, kalter Sprudel) sind sämmtlich eisenhaltige
Glaubersalzwässer mit starkem Gehalt an Kohlensäure und werden
besonders zur Reinigung des Blutes und zur Belebung des Magens und der
Schleimhäute verordnet. Ausgezeichnete Moorbäder. -- Bei Besuch der
Quellen und Wandelbahnen (vor der Franzensquelle und zwischen der Salz-
und Luisenquelle) staunt man über die Pracht der Kaiserstrasse und der
Morgenzeile, namentlich zeigen in Letzterer die Häuser und Läden eine
Eleganz, wie sie wohl kaum in einem anderen Bade wiedergefunden wird.
Im Park das von Schwanthaler modellirte Bronzestandbild des Kaisers
Franz I., des Wohlthäters von Franzensbad.
+Elster+, besuchtester Kurort Sachsens, an der weissen Elster, 1464´ ü.
M. Anmuthige Lage in einem von bewaldeten Höhen umsäumten Thalkessel.
Geschmackvolle Häuser und Parkanlagen. Am Brunnenplatze das königliche
Badegebäude und die durch Verkaufsgewölbe geschmückte Wandelbahn,
welche in ihrer Mitte eine grosse Trinkhalle mit der +Marien-+,
+Königs-+ und +Albertsquelle+ enthält. Hinter der Kolonade führen gut
gehaltene Wege auf den Brunnenberg, während andere Spaziergänge im
Thale fortleiten und auch den tempelartigen Ueberbau berühren, unter
dem die +Salz-+ und +Johannisquelle+ liegen, welche durch eine zweite
Wandelbahn mit der +Moritzquelle+ verbunden sind. Die Quellen des Bades
gehören zu den alkalisch-salinischen Eisenwässern und gleichen in
ihren Wirkungen denen von Franzensbad. -- Zu Ausflügen eignen sich in
der Nähe, ausser Mühlhausen und dem Brunnenberg, das Bergschlösschen,
die Schwedenschanze, Waidmannsruhe, der Friedrichstein, Carolaruh und
Albertshöhe; etwas weiter (½--1 St.) das Dorf Grün mit der Drahtmühle
und den Restaurationen: »Zum grünen Thal« und »Zum weissen Schwan« und
nach Adorf zu die Wirthschaft: »Zur Ziegelei« und die Arnsgrüner Kuppe.
XIV. Route: Von =Annaberg= nach =Schwarzenberg=.
1. +Ueber Scheibenberg+ und +Raschau+. -- Von Annaberg nach +Buchholz+
und hier rechts die alte Schlettauer Strasse hinaus nach +Schlettau+.
Dieser Ort wird auf der Hauptstrasse fast durchschritten, bei der
Kirche aber wendet man sich rechts, um auf einem Feldwege einen Bogen
der Chaussee abzuschneiden und so etwas rascher nach +Scheibenberg+
zu gelangen. Hier gute Gelegenheit zur Besteigung des gleichnamigen
Basaltkegels, der ähnliche Aussicht wie der Bärenstein darbietet.
Von der Stadt Scheibenberg immer auf der Strasse hinab in das
Mittweidathal, in den sogen. Raschauer Grund, und durch die daselbst
liegenden Dörfer und Grünstädtel nach +Schwarzenberg+. Man wandert
hierbei 1½ St. lang zwischen Häusern, da die Ortschaften Oberscheibe,
Unterscheibe, Markersbach, Mittweida und Raschau sich dicht an einander
schliessen. Bei Bad Raschau nimmt die Mittweida die von Rittersgrün
kommende Pöhla auf, während sie selbst bei Schwarzenberg in das
Schwarzwasser fällt. -- Zwischen Annaberg und Schwarzenberg täglich
3mal Postverbindung; Fahrgeld 15 Ngr.
+Buchholz+ (s. R. XX. S. 103.)
+Schlettau+, Stadt an der obern Zschopau, 1754´ ü. M., mit
1231 E. Treibt Posamentirerei und Schuhmacherei und hat eine
Flachsbereitungsanstalt.
+Scheibenberg+, Stadt am gleichnamigen Berg, 2094´ ü. M., mit 2231 E.
Hatte früher viel Bergbau, dem es auch seine Gründung verdankt; treibt
jetzt besonders Posamentenfabrikation u. Klöppelei.
+Schwarzenberg+[15], alte Bergstadt, auf einer Felsenrippe
ob dem Schwarzwasser, 1406´ ü. M., mit 3259 E. Endpunkt der
Obererzgebirgischen Eisenbahn. Hat ein altes, doch vielfach
umgewandeltes Schloss, dessen Verliessthurm aus dem 11. oder 12.
Jahrhundert stammen mag. Einen guten Eindruck macht das vor der Stadt
gelegene Bad +Ottenstein+ (Wasserheilanstalt) mit seinen Felspartien
und Promenaden. Nicht weit davon ist das Rettungshaus »Albert-Stift«.
Die Stadt hat wiederholt, so noch 1824, von grossem Brandunglück zu
leiden gehabt.
Die Gegend von Schwarzenberg ist ein Hauptquartier der sächsischen
Eisenindustrie. Bei Bermsgrün, Erla und Crandorf, sowie bei
Breitenbrunn, Grosspöhla und Rittersgrün treffliche Eisensteinlager und
Verhüttung von Eisenerzen. Die Hohöfen, in denen das Feuer ein halbes
Jahr nicht auszugehen pflegt, sind meist mit Giessereien, Hammer-,
Walz- oder Drahtwerken verbunden. Die geschmolzene Eisenmasse wird
aller 12 Stunden »abgestochen«, d. h. aus dem Hohofen abgelassen,
und fliesst dann einem Feuerstrom gleich in trogartige Sandgräben,
wo sie zu ungefügen Stücken, sogenannten »Gänzen«, erstarrt. Die
Hammerschmiede sind derbe, kräftige Leute -- ihr Körper scheint fest
zu sein, gleich dem Eisen, das sie bearbeiten -- und dabei voller
Treuherzigkeit, wie die vielen über sie umgehenden Redensarten und
Schwänke beweisen.
Durch die Eisenwerke ist eine besondere Industrie, die
+Blechlöffel-Fabrikation+, hervorgerufen worden. Von den Orten
Grünhain, Bernsbach[16], Lauter und namentlich Beierfeld werden
jährlich gegen 300,000 Dutzend Löffel in mehr als 70 Sorten geliefert.
Zunächst fertigt der »Plattenschmied« die Platten, d. h. ebene,
spatelähnliche Eisenstücke, welche kaum im Groben den Umriss eines
Löffels darstellen. Dann teuft der Löffelschmied (»Hohlmacher«)
diese Platten aus, wozu er einen Ambos mit stählernen Modellen und
verschiedene Teufhämmer gebraucht. Endlich werden die so entstandenen
Löffel noch beschnitten, befeilt, gebeizt, gescheuert, verzinnt
und polirt: in Allem hat ein Löffel, wenn er fein sein soll, 23mal
durch die Hand zu gehen. -- Zur Zeit des 7jährigen Krieges war dieser
Industriezweig in der höchsten Blüthe: da wurden jährlich 18--20
Millionen Löffel fabricirt.
2. +Ueber Elterlein und den Fürstenberg.+ -- Von Annaberg nach
+Frohnau+, in dem Dorfe aufwärts und beim Wegweiser rechts hinaus
auf die Fahrstrasse nach +Dörfel+. Nach Ersteigung der vorliegenden
Höhe eine prächtige Rückschau auf Annaberg und die dahinter liegenden
Berge. In Dörfel über die Zschopau und dann durch das langgestreckte
Hermannsdorf nach +Elterlein+. Von hier auf einem Fusssteige, erst
Schwarzbach links und darnach Waschleite rechts lassend, nach dem
Fürstenberge, an welchem den 8. Juli 1455 die Befreiung des Prinzen
Albert stattfand. Zur Erinnerung an diese Begebenheit hat man 1822 über
dem sog. Fürstenbrunnen einen Granitobelisk errichtet. -- Im Walde
brauchbare Marmorblöcke. -- Unten bei dem Dörfchen Haide die Ruinen
der von der Sage umrankten Dudels- -- d. h. St. Oswaldskirche. Dem
Fürstenberge gegenüber der »Graul« mit vielen Berg- und Hüttenwerken.
-- Zuletzt über Wildenau nach Schwarzenberg.
+Elterlein+, Stadt, 1919´ ü. M., mit 2307 E. Wahrscheinlich Geburtsort
der Barbara Uttmann, der Erfinderin des Spitzenklöppelns.
3. +Ueber Grünhain.+ -- Wiederum nach +Elterlein+, von da aber auf den
Ziegenberg und den noch weiter nordwestlich gelegenen Schatzenstein
(2361´) und von diesem über +Grünhain+ und +Beierfeld+ (1245 E.), wo
viele Löffelschmiede wohnen, nach +Schwarzenberg+.
+Grünhain+, Stadt, 1911´ ü. M. mit 1694 E. Von dem früheren, 1238
gestifteten und 1553 säkularisirten Benediktinerkloster stehen noch
einige Mauern. Die Klosterbibliothek ist nach Leipzig und Jena, das
Archiv nach Kadan gebracht worden. 1429 haben die Hussiten, 1525 die
Bauern, 1547 die Kaiserlichen die Stadt geplündert.
XXV. Route: Von =Oberwiesenthal= nach =Schwarzenberg=.
1. +Ueber Rittersgrün.+ -- Man besteigt von Oberwiesenthal, gleich
oberhalb der Stadt auf einem Fusswege, den Fichtelberg, geniesst die
Aussicht und wendet sich dem Gasthause »Neuhaus« zu, um rechts von
Gottesgabe die Fahrstrasse einzuschlagen, welche über +Tellerhäuser+
und +Ehrenzipfel+ nach +Rittersgrün+ führt. Aechte Gebirgswanderung;
oft ringsum Wald und weithin nichts als Wald! Auf der Höhe geht es
durch dichten Tann', sobald der Weg sich senkt, unter schattigen Buchen
hin; eine ziemliche Strecke vor Rittersgrün schäumt immer zur Seite
der Pöhlbach (nicht zu verwechseln mit der Pöhla bei Königswalde), von
Absatz zu Absatz sich stürzend. Das grosse, etwas zerstreut gebaute
Dorf Rittersgrün (2500 E.) wird durchschritten und im Pöhlthal entlang
bis Raschau (2297 E.) gegangen, wo der uns begleitende Bach sich mit
der Mittweida vereinigt. Dabei berührt man das reizend gelegene,
einem Schweizerdorf ähnliche +Klobenstein+ und das durch seine
Eisenindustrie bekannte +Grosspöhla+ (1235 E.). In Raschau trifft man
die Annaberg-Schwarzenberger Chaussee, auf welcher man über Grünstädtel
die Stadt +Schwarzenberg+ in einer Stunde erreicht.