In Osseg wendet man sich den Bergen zu und geht beim Forsthause rechts

den schönen Waldgrund hinauf. Man kommt nach Dorf Riesenberg und von

da, an der Kapelle vorbei, auf die grossartige Ruine. Einer der vier

vorhandenen Thürme ist zur Warte vorgerichtet und bietet eine reizende

Aussicht auf das gesegnete Biliner Thal, auf das Mittelgebirge und auf

nahe trefflich bewaldete Höhen. Nach genossener Umschau leitet ein

steiler aber schattiger Weg hinauf nach +Langewiese+. Von hier mit

Führer auf den +Wieselstein+ (2944´), dessen Spitze geebnet ist und

eine Aussicht gewährt, wie kaum ein anderer Punkt des Erzgebirges. Im

Südosten erblicken wir das Mittelgebirge mit dem Milleschauer, vor

ihm Schwaaz u. Dux; weiter rechts Bilin und den Borzen; noch weiter

rechts Brüx und die Holtschitzer Höhen und vor diesen Georgenthal,

neben welchem nach Westen hin das Eisenberger Schloss aus dem waldigen

Saume des Erzgebirges hervorleuchtet. Ueber Brüx hinaus schweift der

Blick ins mittlere Egerthal, d. h. in die Gegend von Postelberg u.

Saatz; über Eisenberg her winken die Höhen von Karlsbad und daneben aus

blauer Ferne die Spitzen des Fichtelgebirges; etwas mehr rechts, aber

nicht so weit, sieht man das Reckenpaar, den Fichtel- und Keilberg;

und davor den Hassberg; dann folgen der Pöhlberg, die Gegend von

Marienberg, Freiberg und Tharandt, worauf die Tellkoppe, der Kahleberg,

der Luchstein und die Nollendorfer Höhe nebst dem in weiter Ferne

schimmernden Iserkamm den Kreis vollenden. Beim Heruntersteigen lassen

wir uns den Weg nach dem Forsthause +Georgenhöhe+ zeigen, und wenn wir

dieses erreicht haben, (hier noch einmal nach dem richtigen Weg zu

fragen, ist gut!) schreiten wir auf einem breiten Holzwege (Schneisse)

dem in stiller Einsamkeit gelegenen Jagdschlosse +Lichtenwaldstein+

zu. Von hier wenden wir uns nach Böhmisch- und Deutsch-Georgenthal und

gehen dann über Kämmerswalde nach Sayda.

+Langewiese+, Dorf mit 380 Einwohnern. -- Hutung und Waldarbeit.

+Sayda+, s. R. 4. S. 75.

IX. Route: Von =Oberleitensdorf= nach =Olbernhau=.

Von Oberleitensdorf über Hammergrund hinauf nach Kreutzweg und von da

nach Böhmisch-Einsiedel, wo man sich für das lange Emporsteigen durch

eine herrliche Rückschau auf das Böhmerland belohnt sehen wird. Nun

geht es über Deutsch-Einsiedel, Heidelberg (mit Bad) und Heidelbach,

an dem Abhange des Schwartenberges hin, nach Schloss +Purschenstein+,

bei welchem man das Flöhathal erreicht. Von Neuhausen, welches neben

Purschenstein liegt, führt der Weg über Dittersbach und Mörtelgrund

nach Niederseifenbach, dann im anmuthigen Flöhathal hin, an der

Einmündung der Schweinitz vorbei, in das Brandauer (Kohlen-) Becken,

welches einerseits von der Flöha und andrerseits von der +Natschung+

bespült wird. Man wendet sich beim Eintritt in das Becken etwas rechts

und gelangt über Oberneuschönberg und Hammerwerk +Grünthal+ nach

+Olbernhau+.

Die Dörfer +Heidelbach+ (136 E.), +Heidelberg+ (1945 E.), +Neuhausen+

(1337 E.) und +Niederseifenbach+ (553 E.) gehören zu dem Bezirke der

Holzspielwaarenfabrikation, für welche das benachbarte Seifen (1483

E.) Hauptort ist. Man kann behaupten, dass ⅚ der dortigen Bevölkerung

von diesem Industriezweige leben. Alt und Jung, Männer und Frauen,

Knaben und Mädchen sind bei Herstellung von Knöpfen, Puppengeschirr,

Feder- und Nadelbüchsen, Pfeifen, Brummkreiseln, Holzsoldaten, Jagden,

Schäfereien, Noahkästen, Kinderflinten u. s. w. u. s. w. -- in den

Handlungsbüchern giebt es 2000 Nummern Spielzeug -- beschäftigt.

Was wird da gedrechselt, geschnitzt, geleimt und gemalt! Die

Arbeitstheilung ist streng durchgeführt: es giebt Drechsler, Schnitzer,

Maler und Packer; und jeder macht Jahr aus Jahr ein ein und dieselbe

Arbeit. Die schwierigste Aufgabe fällt dem Drechsler zu, weil er auf

der Drehbank sogenannte Kränze oder Reifen herzustellen hat, welche

durch Zerspalten sofort ein Schock Pferde, Kühe oder andere Thiere

liefern.

Schloss +Purschenstein+ gehört den Herren von Schönberg; im Park ein

rein gothisches Grabmal.

Im Hammerwerk +Grünthal+ (165 E.) wurde früher »gesaigert« d. h.

Schwarzkupfer von dem noch darin befindlichen Silber befreit; jetzt

sind daselbst nur Walzwerke. -- In Grünthal befindet sich ein

Schwefelbad.

+Olbernhau+, Flecken a. d. Flöha, 1362 F. ü. M., mit 3257 E. --

Reizende Lage. Strumpfstuhlbauerei, bedeutender Handel in Spielwaaren.

X. Route: Von =Teplitz= nach =Rothenhaus=.

Von Teplitz mit Eisenbahn nach +Dux+ (II. Kl. 41 Xr., III.

Kl. 27 Xr.), Besichtigung des Schlosses; mit Bahn weiter über

+Ratschitz-Oberleitensdorf+ und +Brüx+ nach +Holtschitz-Seestadtl+

(II. Kl. 84 Xr., III. Kl. 55 Xr.). Wir gehen durch Seestadtl hindurch

und steigen zu dem auf halber Bergeshöhe malerisch gelegenen Schlosse

+Eisenberg+ empor. Auch hier herrliche Aussicht auf das Mittelgebirge,

das Bielathal, die Abhänge des Erzgebirges, die Karlsbader Höhen, sowie

die reich mit Weilern, Dörfern und Städten besäete Saatzer Ebene.

Nachdem wir den Park, den Thiergarten und das Gewächshaus besucht

haben, wenden wir uns unten rechts und wandern am Fusse des Erzgebirges

hin nach Schloss +Rothenhaus+, welches fast gleichen Genuss wie

Eisenberg darbietet.

+Dux+, Flecken mit 1348 E. -- Das Schloss gehört dem Grafen Waldstein,

welcher von einem Nebenzweige des Herzogs von Friedland abstammt. Es

enthält eine Gemäldegalerie, mit dem berühmten Bildnisse Wallensteins

von van Dyck, einen Waffensaal, worin man den Halskragen, welchen

Wallenstein am Tage seiner Ermordung trug, und die Partisane zeigt,

mit welcher Deveroux den Todesstoss vollführte, und eine Bibliothek

von 24,000 Bänden, deren einstiger Verwalter der Abenteurer Casanova

war. Das Bassin im Schlosshofe hat der Friedländer aus eroberten

schwedischen Kanonen giessen lassen. -- Die Stadt hat mehrere

gewerbliche Anstalten, als eine Zuckerfabrik und Glashütte. --

Südlich von Dux liegt die Stadt +Bilin+ mit 3100 E. Das daselbst

befindliche Lobkowitz'sche Schloss enthält eine äusserst werthvolle

Mineraliensammlung. Bei Bilin ein berühmter Sauerbrunnen, von welchem

jährlich über 100,000 Flaschen versandt werden. Der schon mehrfach

genannte Biliner Stein (Borzen) ist schwer zugänglich, bietet aber eine

Aussicht dar, welche A. v. Humboldt für eine der schönsten der Welt

erklärt haben soll.

+Brüx+, Stadt mit 4000 E. -- Viel Fabrikthätigkeit. Schönes Rathhaus.

-- In der Nähe Püllna mit berühmtem Bitterwasser.

+Oberleitensdorf+, s. S. 79.

+Seestadtl+, 800 E.; in der Nähe lag ehemals der grosse, nunmehr aber

ausgetrocknete Kummerer See.

Die mit herrlichen Parkanlagen umgebenen Schlösser +Eisenberg+ und

+Rothenhaus+ sind beide in neuester Zeit restaurirt worden; jenes

gehört dem Fürsten Lobkowitz, dieses der Gräfin Trautmannsdorf.

XI. Route: Von =Rothenhaus= nach =Klösterle=.

Von Rothenhaus durch die gewerbreiche Stadt +Görkau+ nach dem Bahnhofe

+Udwitz+, um mit nach +Kommotau+ zu fahren. Wem die Abfahrtszeit nicht

passt, der wandere von Görkau, wo man hinter dem Gottesacker weggeht,

über die Alaunhütten nach Kommotau. In letzterer Stadt besuche man

den Marktplatz, den Felsenkeller und das Schiesshaus. Nun geht es

(Eisenbahnbenutzung bis Priesen empfiehlt sich nicht) über Czernowitz

und Kralup nach dem unter vielen Obstbäumen gelegenen +Brunnersdorf+.

Hier theilt sich die Strasse. Man kann rechts über Niklasdorf

direct nach +Klösterle+ gehen; gerathener aber ist es, links nach

dem alterthümlichen +Kaaden+ zu wandern und sich von da durch einen

angenehmen Fussweg, dicht an der Eger hin, nach Klösterle führen zu

lassen. -- Die Route ist angenehm und voller Abwechslung. Allerwärts

hat man prächtige Garten- und Obstanlagen und rechts immer zur Seite

die wallartig sich abdachenden, aber schön geformten Abhänge des

Erzgebirges. Bei Brunnersdorf schaut von der Rückwand eines Waldthales

die Ruine +Hassenstein+ hervor und darüber auf dem Gebirgskamme thront

die stattliche neue Kirche von +Sonnenberg+. Und wenn man der Stadt

Klösterle sich nähert, sieht man das Egerthal von gut bewaldeten

Bergkegeln umsäumt, von denen einige mit Burgen gekrönt sind. Links

erscheint die Ruine Leskau und rechts die Ruine Schönburg. -- Für die

bald zu eröffnende Eisenbahn +Kommotau-Karlsbad+ werden Kaaden und

Klösterle Stationsorte.

+Görkau+, Stadt an der Biela, mit 2000 Einwohnern. -- Ackerbau

und Gewerbthätigkeit. -- Die dasigen Baumwollspinnereien sind von

sächsischen Unternehmern gegründet. -- Protestantische Kirche.

+Kommotau+, Stadt mit 7200 E. -- Getreidehandel; Obst- und Gartenbau;

Maschinenfabrikation, Braunkohlenbergbau. -- In der Dechanteikirche

das merkwürdige Ziskabild, welches die Verheerung der Stadt durch

die Hussiten darstellt. -- Die Stadt als Knotenpunkt der Eisenbahnen

Annaberg-Kommotau, Kommotau-Karlsbad, Kommotau-Teplitz und

Kommotau-(Priesen)-Prag in entschiedenem Aufschwung begriffen.

+Kaaden+, Stadt an der Eger mit 5000 E. -- Zählt zu den ältesten

Städten des Egerthals. Bemerkenswerth: Das altertümliche Stadtthor, das

Rathhaus (aus dem 15. Jahrh.), das Franziskanerkloster und das Kloster

der Urselinerinnen.

+Klösterle+, Stadt an der Eger mit 2250 E. -- Grosse gräflich Thun'sche

Porzellanfabrik. -- Am Marktbrunnen neben katholischen Heiligen

mehrere mythologische Figuren. Das gräfl. Thun'sche Schloss, 1856

durch Feuer zerstört, ist vollständig wieder aufgebaut.

XII. Route. Von =Klösterle= nach =Hauenstein=.

Von Klösterle folgt man westwärts der rechts von der Eger sich

hinziehenden Chaussee und gelangt so nach +Pirschstein+ (400 E.) und

+Mühlengrund+. Nach Durchschreitung des letzten Ortes führt ein, an

den Telegraphenstangen kenntlicher Weg über eine Anhöhe, welche einen

prächtigen Rückblick auf die bewaldeten Berge und die Ruinen bei

Klösterle, sowie auf die fruchtbare Ebene bei Saatz gestattet. Auf

demselben Wege gelangt man bergab nach +Wotsch+ (250 E.) und dann auf

der Strasse nach +Wartha+, von wo in nicht grosser Ferne rechts ein

angenehmes Seitenthal zu einem Besuche von +Hauenstein+ einladet.

+Hauenstein+, zur Herrschaft Pressnitz gehörig, stellt ein wahres

Idyll dar. In der Mitte des Oertchens befindet sich eine hochgelegene

Kapelle, rings um dasselbe ziehen sich reizende Anlagen hin, die

sich bis zum Eichelberg erstrecken. Auf dem Rücken dieses Berges

geniesst man die Aussicht auf die fernen Bergketten des Fichtel- und

die nahen des Erzgebirges, dann auf die Burgen Engelhaus, Himmelstein

und Schönburg und auf das zwischen bewaldeten Höhen sich hinziehende

Egerthal. Wer in Hauenstein übernachten will -- die Morgen sind hier

besonders schön -- muss ziemlich zeitig eintreffen, weil daselbst

(beim herrschaftlichen Gärtner) nur wenige Fremde logiren können.

Bemerkenswerth ist, dass ein Dachshund sehr geschickt den Führer nach

den Hauptpunkten (Parapluie, Koppe, Eichelberg) der Umgebung macht.

XIII. Route. Von =Sayda= nach =Zschopau=.

Von Sayda (s. S. 75) folgt man der Chaussee über Pillsdorf (137

E.) nach +Dörrnthal+ (1283 E.) und zwar bis zum Gasthof »Zum

Feldschlösschen« an der Sayda-Freiberger Strasse. Bei diesem

Gasthause hat man eine herrliche Aussicht über einen Theil des oberen

Erzgebirges, indem man in südöstlicher Richtung den Fichtel- und

Keilberg, den Pöhlberg, den Hassberg, den Bärenstein, den Scheibenberg

und den Auersberg erblickt. Noch schöner ist die Aussicht, wenn man

vom Feldschlösschen, 10 Minuten weit in der Richtung nach Voigtsdorf,

auf die Dörnthaler Höhe geht. Es öffnet sich dann noch eine Fernsicht

nach Nord und Nordost, so dass man in ersterer Richtung Freiberg und

in letzterer Frauenstein sammt den im Hintergrunde liegenden Höhen

bei Pulsnitz sieht. Bei hellem Wetter kann auch deutlich der Kolmberg

bei Oschatz erkannt werden. -- Vom Feldschlösschen führt der Dorfweg

durch Dörnthal nach dem an letzteres sich anschliessenden Haselbach

(701 E.) und von hier ein Fusspfad so nach Forchheim (1448 E.), dass

man vom Gasthofe »Stadt Karlsbad«, am Schlosse des Freiherrn v.

Biedermann vorüber, auf die Strasse nach Lengefeld gelangt, welche vor

Erreichung dieses Ortes noch Görsdorf (515 E.) im anmuthigen Flöhathal

und jenseits der Flöha den Gasthof »Zum Marterbüschel« berührt. Von

+Lengefeld+ geht die Strasse zunächst nach Wünschendorf (768 E.).

Rechts des Weges erhebt sich malerisch über dem linken Ufer der Flöha,

auf hoch gelegenem Felsen, die kleine Burg Rauenstein, zu welcher von

unten aus ein überwölbter Zugang führt. Weiterhin geht der Weg durch

Wald nach Börnchen, von wo man sich entweder über +Krummhermersdorf+

(2280 E.) oder über +Waldkirchen+ nach Zschopenthal (199 E.) und

+Zschopau+ wendet.

+Lengefeld+, Stadt, unfern der Flöha, 1507´ ü. M., mit 3288 E. Viel

Weberei (400 Meister).

+Waldkirchen+, Dorf, 1556´ ü. M., mit 1635 E., Fabrikation von

Holzwaaren, besonders von Haus- und Küchengeräthen.

+Zschopau+, Stadt am gleichnamigen Flusse, 1204´ ü. M., mit 7821 E.

Treibt Wollen- und Baumwollenweberei; in der Nähe viele Spinnmühlen.

Das Schloss »Wildeck«, dessen runder Thurm noch aus den Zeiten

Heinrichs I. herrühren soll, ist jetzt Sitz des Gerichts- und des

Forstamtes. Zu der Martinskirche führt von der Vorstadt eine 70 Stufen

enthaltende Felsentreppe. Prächtiges Seminargebäude. Am Schiesshause

köstliche Aussicht.

XIV. Route: Von =Olbernhau= nach =Rothenhaus= und =Eisenberg=.

1. Von Olbernhau (s. S. 82.) folgt man südöstlich der Chaussee bis

+Grünthal+, geht in diesem Orte über die Flöhabrücke und wendet

sich auf einem Wiesenpfade, welcher unmittelbar hinter dem Walzwerk

hinführt, dem Dorfe +Rothenthal+ (737 E., Holzdrechselei) zu. Am

Ende dieses Dorfes überschreitet man die wildschäumende Natschung

und gelangt so an den, auf österreichischem Gebiet gelegenen Eingang

in das Natschungthal, welches, weil weiter oben der Teltschbach

in die Natschung mündet, meist Teltschthal genannt wird. Neben der

Einsamkeit und würzigen Waldluft gefällt die Bildung des Thales. Die

Thalsohle ist oft so schmal, dass sie kaum Raum hat für den Fluss

und die daneben angelegte Strasse; die Thalwände werden häufig von

schroffen Felsen unterbrochen, so dass man an hohem bastionsähnlichen

Gemäuer vorüberzugehen meint; das Thal selbst macht die vielfachen

Windungen der Natschung mit und bietet so von Strecke zu Strecke

veränderte Ansichten dar. Naturfreunde behaupten daher mit Recht, dass

sich das Teltschthal wohl mit dem berühmten Schwarzathal in Thüringen

vergleichen lasse. -- Nach einer Wanderung von 1½ Stunden, wobei man

an einer im Schweizerstyle erbauten Gartenwirthschaft vorüber gekommen

ist, macht man mit dem Teltschbach eine Biegung nach links und erreicht

bald darauf ein Eisenwerk, welches nach der früheren Besitzerin, der

Gräfin Gabriele v. Boucquoi auf Rothenhaus, +Gabrielahütte+ genannt

wird. Von hier führt eine gut gebaute Strasse -- nur muss man beim

Verlassen des Waldes rechts gehen -- nach dem Dorfe +Kallich+ (850 E.),

wo sich noch grössere, ebenfalls zur Herrschaft Rothenhaus gehörige

Eisenwerke befinden. Während +Kallich+ auf einem Hochplateau ziemlich

kahl und reizlos gelegen ist, bietet der nicht weit hinter diesem

Dorfe beginnende südliche Abhang des Gebirges um so mehr Abwechslung

und Genuss dar. Von hier führt die Strasse fast immer im Tannenwalde

bergab nach dem 1½ St. entfernten +Göttersdorf+ (460 E.), senkt sich

dann in einem Buchenhaine noch weiter hinunter und mündet zuletzt am

Fusse des Gebirges in eine der schönsten und gesegnetsten Gegenden von

ganz Böhmen. Dicht vor uns liegt auf einem Bergvorsprunge das Schloss

+Rothenhaus+ mit seinen Garten- und Parkanlagen und dahinter breiten

sich die fruchtbaren Gefilde des Biela- und Egerthales aus.

Nachdem man in Rothenhaus den Park, das Schloss und den Schlossgarten

-- hier vergesse man den Gartensalon mit dem interessanten Fremdenbuch

nicht! -- besucht hat, begiebt man sich über +Hohnofen+ (¾ Std.) und

Dorf +Eisenberg+ (¼ Std.) nach Schloss +Eisenberg+, welches durch seine

malerische Lage, seine trefflichen Gemächer und seine reichhaltigen

Treibhäuser berühmt ist.

2. Man kann auch zuerst Schloss Eisenberg besuchen. Dann wendet man

sich, sobald man von Gabrielenhütte den Wald passirt hat, nicht rechts

nach Kallich, sondern links hinauf nach +Katharinenberg+. Von dieser

Bergstadt (1700 E., Feldwirthschaft, Bergbau, Strumpfwirkerei) geht man

auf dem Plateau hin nach +Nickelsdorf+, dann aber steigt man (am besten

mit Führer) auf steilem, doch schattigem Waldpfade hinab nach Schloss

Eisenberg. -- Der Weg von Eisenberg nach Rothenhaus über Hohnofen ist

nicht zu verfehlen.

3. Wem ein Ausflug von Olbernhau nach Rothenhaus oder Eisenberg

zu weit ist, der besuche wenigstens die Basaltfelsen zwischen dem

Schweinitz- und Natschungsthale, welche früher das »+Steinerlt+«

hiessen, neuerdings aber die »+Luisensteine+« genannt werden. Man geht

zu dem Zwecke in dem Dorfe +Brandau+ bis zur Kirche und wendet sich da

rechts auf einen Fahrweg, welcher sanft ansteigend in den Wald und dann

ziemlich steil, unter stämmigen Fichten hin, auf den Bergrücken führt.

Nach Ueberschreitung einer Waldblösse sehen wir die »Luisensteine,«

zwei nur einige hundert Schritt von einander entfernte Felsgruppen, vor

uns stehen. Wir besteigen die höhere, indem wir uns ihr von rückwärts

nähern, und geniessen eine wundervolle Aussicht. Zu unseren Füssen

liegt das grüne Schweinitzthal, umsäumt von bewaldeten Abhängen und

schön geformten Bergkuppen. Gegenüber bemerken wir den Schwartenberg,

mit den an seiner Böschung sich hinziehenden Häusern von +Heidelbach+

und +Heidelberg+, und mehr zurück zeigen sich Stadt +Sayda+, Burg

+Frauenstein+ und Schloss +Lichtenwaldstein+. Weiter rechts sehen wir

hinab auf die Dächer und Strassen von Katharinenberg und darüber hinaus

auf das gesegnete Böhmerland mit dem Milleschauer, dem Borzen und

anderen Spitzen des Mittelgebirges. Und auf der entgegengesetzten Seite

erscheint das Flöhathal, das Städtchen +Lengefeld+, die +Augustusburg+

und weit im Hintergrunde der Rochlitzer Berg.

XV. Route: Von =Zschopau= über den =Greifenstein= nach =Geyer=.

Man geht in Zschopau (s. S. 88.) über die steinerne Brücke und wendet

sich, am Bahnhofe vorbei, dem Wege zu, welcher, den Fluss rechts

lassend, thalaufwärts führt. Hinter der Bodemer'schen Fabrik treten

die meist bewaldeten Thalwände nahe an den Fluss heran: der Weg steigt

empor und leitet fast in der Mitte des Abhanges dahin. Links vom Wege

trifft man eine Ruhebank, und dabei eine Tafel mit der Inschrift:

»Heinrich Cotta, geboren den 30. Oktober 1763«. Gegenüber, am andern

Gelände, sieht man von frischem, wohlbeschnittenen Tannengebüsch die

Buchstaben »H. C.« gebildet, welche gleichfalls auf den berühmten

Forstmann hindeuten. Die hohe Felsenecke, welche später an unserer

Linken erscheint, heisst die Kanzel und gewährt eine prächtige

Rückschau auf das Zschopauthal. Nach 1½stündiger Wanderung folgen wir

einem steilen Pfade hinab nach dem Dorfe +Scharfenstein+[9] (748 E.),

in welchem sofort das alte Schloss die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Dieses liegt auf einem sich weit hervorstreckenden Felsenrücken, der

auf 3 Seiten von der Zschopau umflossen und quer von der Eisenbahn

durchschnitten wird. Auch ein Stollen führt unter dem Felsen hin,

um das Flusswasser mit recht viel Fall zu der Fiedler-Lechla'schen

Spinnerei zu leiten. Auf dem Schlossberg hat man eine gute Aussicht.

Von der Burg interessiren am meisten der Wartthurm und die tief in den

Felsen eingearbeiteten Keller und Gefängnisse. Das Schloss gehört seit

1427 denen von Einsiedel, und hat in dem Bauern- und in dem 30jährigen

Kriege mehrfache Gefahren zu bestehen gehabt.

In Scharfenstein überschreitet man auf der »Kuhbrücke« die Zschopau,

geht fast bis zur Griesmühle (Griessbachmühle) und wendet sich dann

links lehnan in einen angenehmen Wiesengrund. Bei der Gabelung

des Baches geht man geradeaus und kommt so nach +Venusberg+ (1164

E.), von wo ein Weg durch das Rittergut hindurch, bei einem Göpel

vorbei, in ¾ Std. nach +Herold+ (850 E.), führt. Man ist hier auf

der Weissbach-Annaberger Chaussee und diese verfolgt man, bis sich

der Grund etwas erweitert; dann geht man rechts, überschreitet

auf schwankem Stege (bei einem Wehre) den Wiltschbach, erreicht

Stadt +Thum+ und steigt von da, hinter dem Rathskeller weg, zu dem

Greifenstein empor. -- Man kann auch auf der Weissbach-Annaberger

Strasse bis +Ehrenfriedersdorf+ gehen und von hier aus (am besten mit

Führer) den Greifenstein besteigen; doch ist der Weg etwas weiter.

Der +Greifenstein+, 2234´ ü. M., im Ehrenfriedersdorfer Freiwalde

gelegen, ist eine merkwürdig-groteske, auch von der Sage vielfach

umwobene Felsbildung. Auf einem Sockel von Gneis sind 7 freistehende,

30--50 Ellen hohe Granitmassen aus lauter über einander gelagerten

Platten aufgethürmt, so dass man Cyklopenmauern oder die Reste einer

grossen Burg vor sich zu sehen meint. Die eine Gruppe ist besteigbar

und gewährt -- in der benachbarten Restauration erhält man ein gutes

Fernrohr -- eine glänzende Umschau. Südwärts liegt der ganze Kamm

des Erzgebirges vor uns und lässt die wichtigsten Höhepunkte, als

Auersberg, Fichtel- und Keilberg, Scheibenberg, Pöhlberg, Bärenstein,

Hassberg pp. deutlich erkennen; im Westen und Osten schliessen sich

die wellenförmig gestalteten, von Thälern und Einschnitten reichlich

durchsetzten Abhänge des Erzgebirges an und im Norden sieht man den

Kolmberg, die Rochlitzer Berge und selbst den Petersberg bei Halle.

Dazwischen begegnet das Auge in allen Richtungen den Wohnplätzen

der Menschen. Man erblickt die Schlösser Frauenstein, Augustusburg

und Sachsenburg, die Städte Thum, Geyer, Schlettau, Scheibenberg,

Annaberg, Sayda, Frauenstein, Schellenberg, Mittweida, Hohenstein,

Altenburg, Leipzig pp. und eine Menge von Höfen und Dörfern.

Vom Greifenstein gelangt man auf angenehmem Waldweg nach der nur ½

Stunde entfernten Bergstadt +Geyer+.

+Thum+, Stadt, 1579´ ü. M., mit 2625 E., treibt Feldwirthschaft,

Bergbau, Strumpfwirkerei und Posamentirerei. In der Nähe kommt ein

besonderes Mineral, der Thumer Stein, vor. Bei Thum hat am 15.

Januar 1648 ein Gefecht, des 30jährigen Krieges letzter Kampf in

Sachsen, statt gefunden, weshalb vom Annaberger Zweigverein der

Gustav-Adolph-Stiftung 1848 allda ein Denkstein errichtet worden ist.

+Ehrenfriedersdorf+, Stadt, 1676´ ü. M., mit 3026 E. Gleiche

Erwerbsquellen wie Thum. Ringsherum und besonders am Sauberge

bedeutende Berghalden von früheren Zinn- und Silbergruben. (An eine

der Gruben knüpft sich auch eine merkwürdige Erzählung: »Die lange

Schicht«). Für Mineralien ist die Gegend von Ehrenfriedersdorf ein

reicher Fundort. -- Zwischen Ehrenfriedersdorf und Thum standen früher

Arsenikwerke (»Gifthütten«) in deren Nähe von den ausströmenden Dämpfen

alle Vegetation erstickt wurde. Die also verödete Gegend hat davon den

Namen »Elend« bekommen.

+Geyer+, Stadt, 1856´ ü. M. mit 4260 E. hatte ehemals blühenden

Bergbau, auf welchen die am 11. Mai 1802 entstandene, gegen 70 Ellen

tiefe Binge deutlich hinweist; jetzt ist derselbe erloschen; dafür

treibt man Posamentiererei und Strumpfwirkerei. -- Durch heftiges

Sturmläuten beim sächsischen Prinzenraube sprang (1455) in Geyer die

grosse Glocke und wurde darnach auf kurfürstliche Kosten umgegossen.

-- In der Nähe von Geyer liegt +Siebenhöfen+; bekannt, weil der um die

sächsische Baumwollenspinnerei sehr verdiente +Eli Evans+ sich daselbst

1812 eine eigne Spinnmühle errichtete.

XVI. Route: Von =Olbernhau= über =Zöblitz= nach =Marienberg=.

Wegweiser durch das sächsisch-böhmische Erzgebirge · 第 4 / 10 段