Eisenbahn nach +Pirna+ (II. Kl. 10 Ngr.; III. Kl. 7 Ngr). Zu Fuss
zur Zehistaer Strasse; links ab in den +Rottwernsdorfer Grund+, wo
in anliegenden Steinmetzhütten Cottaer und Naundorfer Sandstein
zugerichtet wird. Von Rottwernsdorf verfolgt man einen sandigen
Fahrweg und wendet sich dann links zur +Cottaer+ Kirche. Besteigung
des Cottaer +Spitzberges+, welcher eine schöne Aussicht bietet. Man
sieht den Sattelberg bei Schönwalde, das Mückenthürmchen, den Geising,
den Kahlenberg, die Tellkoppe, den Luchberg, den Wilisch, die goldene
Höhe, Dresden, die Berge der sächsischen Schweiz und das ganze
Elbsandsteingebirge. Zur Kirche zurückgekehrt, hält man sich links,
gelangt zur Fahrstrasse von Pirna und auf dieser nach +Berggieshübel+,
von wo man noch über +Giessenstein+ nach +Gottleuba+ geht, um daselbst
Nachtquartier zu nehmen. -- Die Tour +Pirna-Gottleuba+ kann auch mit
Post zurückgelegt werden. Fahrzeit 2 St. 15 M.; Preis 9 Ngr. -- Am
nächsten Morgen über Hellendorf zur böhmischen Landesgrenze, welche
man kurz vor dem Dorfe +Peterswalde+ überschreitet. Man geht durch den
langen Ort hindurch und wendet sich links über +Jungferndorf+ nach der
»+Nollendorfer Höhe+« (bekannt aus dem Jahre 1813), wo sich dem Auge
eine prachtvolle Aussicht darbietet. Im Osten erblickt man die Spitzen
des Elbsandsteingebirges, des Lausitzer- und Isergebirges; im Süden
das Mittelgebirge mit dem kleinen und grossen Milleschauer; während
nach anderen Richtungen hin das nahe Gebirge die Aussicht versperrt.
-- Von Jungferndorf zurück nach +Schönwalde+, um den Spitz- oder
Sattelberg zu besteigen. An der nördlichen Seite ist dieser Basaltkegel
am zugänglichsten; sein Gipfel, auf welchem ein Crucifix mit starkem
Postamente steht, gewährt die Aussicht auf das Mückenthürmchen, den
Geising, den Luchberg, den Wilisch und andere Höhen des anliegenden
Erzgebirges. Nun geht es über +Streckenwalde+ und +Ebersdorf+ nach
dem +Mückenthürmchen+, womit das Ziel des Tages erreicht ist. --
Nachtquartier in dem gut eingerichteten Gasthause.
Das Mückenthürmchen gehört zu den lohnendsten Aussichtspunkten des
Erzgebirges. Am Abhange liegt in enger Schlucht das Bergstädtchen
Graupen mit den Trümmern der Rosenburg, tief unten im Thale breiten
sich Teplitz und zahlreiche Ortschaften aus und dahinter erheben sich
die stattlichen Kegel des Mittelgebirges; auch schweifen die Blicke
über das Mittelgebirge hinweg, hin zu dem im Blau des Himmels sich
verlierenden Bergen der Lausitz und der Umgegend von Prag.
+Pirna+, Stadt an der Mündung der Gottleube in die Elbe, 350 Fuss über
d. Meeresspiegel, mit 8410 Einwohnern. Treibt Elbhandel und Schiffsbau
und liefert Siderolith- und Töpferwaaren. Am bekanntesten ist es durch
den »Pirnaer« Sandstein, welcher bei Posta, Copitz und Postelwitz und
andern benachbarten Orten gebrochen wird. Aus diesem Sandstein sind
beispielsweise der Magdeburger Dom und das Berliner Schauspielhaus
gebaut. Hart über der Stadt erhebt sich der +Sonnenstein+, welcher in
früherer Zeit zur Vertheidigung des Elbpasses diente. Während er im
15. Jahrhundert den Hussiten widerstand, wurde er (1639) im 30jähr.
Kriege von den Schweden (Baner) erstürmt; die angerichtete Verwüstung
war so arg, dass seit jener Zeit »Pirnaisches Elend« sprichwörtlich
geworden ist. Seit 1811 befindet sich auf dem Sonnensteine eine Heil-
und Verpflegungsanstalt für Geisteskranke. -- In Pirna sind die
Vorverhandlungen für den 1635 geschlossenen +Prager Frieden+ gewesen.
Der Ablasskrämer +Tetzel+ stammte aus Pirna.
+Grosscotta+ und +Kleincotta+, Dörfer; jenes mit 434 und dieses mit
286 E. Liefern Sandstein, welcher sich trefflich zu Bildhauerarbeiten
eignet. -- Cottaer Spitzberg.
+Berggiesshübel+, Stadt an der +Gottleube+, 953 F. ü. M., mit 1007
Einwohnern. Verdankt seinen Namen uralten Giesshütten und hat noch
jetzt zwei grosse Eisenwerke. Das mit schönen Anlagen versehene Bad
(Johanngeorgenbad) wird nur wenig besucht; vormals haben die Dichter
+Gellert+ und +Rabener+ hier öfters geweilt; der Weg, auf dem sie zu
lustwandeln pflegten, heisst noch der Poetengang, und über einer Bank
liest man die Worte:
Der Sänger frommen Lied's, der heit're Fabeldichter,
Und Deutschlands Juvenal, der feine Sittenrichter,
Sie pflegten hier zu ruh'n, nach Zwiesprach ernst und traut.
Lohnende Ausflüge sind: Grosshorn oder die Panoramahöhe; Zwieselgrund
und Zwieselmühle; Gersdorf mit Ruine und der Napoleonstein, so genannt,
weil Napoleon I. bei den häufigen Gefechten in jener Gegend ihn
wiederholt besucht hat.
+Gottleuba+, Stadt an der Einmündung der Fuhde in die Gottleube, 1414
F. ü. M., mit 812 E. Prächtig gelegen im tiefen Thal, zwischen hohen
Felsen. -- Unfern Gottleuba bildet der +Langhennersdorfer Bach+ einen
ansehnlichen Wasserfall.
Bei dem böhmischen Dorfe +Peterswalde+ fanden die Vorkämpfe zur
Schlacht bei Kulm (29. u. 30. August 1813) statt. Der russische General
Ostermann hatte einen Sturm auf die Peterswalder Höhen befohlen, um
die Franzosen vom Egerthal fern zu halten. Aber Vandamme trieb die
Angreifer zurück und folgte ihnen, voll Ungestüms, über Nollendorf
hinab in den Thalkessel. Er erobert Kulm; die Russen (8000 Mann)
können nur durch mörderischen Kampf (dem General Ostermann riss eine
Kanonenkugel die linke Hand weg) ihre Stellung behaupten. Unterdessen
hatte sich der preussische General Kleist genähert, um dem Feinde den
Rückzug abzuschneiden. Am nächsten Tag erneuert sich die Schlacht: die
Russen und ein zu ihnen gestossener österreichischer Heerhaufen leisten
den tapfersten Widerstand; Kleist zieht nach Nollendorf, fällt dem
französischen Korps in den Rücken und zwingt es, sich zu ergeben.
2. +Ueber Mügeln+, +Glashütte+, +Lauenstein+. (2 Tage). -- Von Dresden
mit Eisenbahn bis +Mügeln+ (II. Kl. 6 Ngr., III. Kl. 4½ Ngr.) Zu Fuss
nach +Dohna+, durch den +Sürsener Grund+ nach +Maxen+, herab nach
+Mühlbach+; nun das schöne Müglitzthal hinauf: über +Schlottwitz+
nach +Glashütte+ und weiter durch +Bärenhecke+ und +Bärenstein+ nach
+Lauenstein+, wo man übernachtet. Wer die Strasse nicht liebt, kann
eine Stunde oberhalb Schlottwitz links den Fussweg über Dittersdorf und
Börnchen nach Lauenstein einschlagen. -- Die Post fährt von Mügeln bis
Lauenstein 4 St. 25 M.
Am folgenden Tag begiebt man sich über +Löwenhain+, +Fürstenau+
und +Voigtsdorf+ auf das Mückenthürmchen, wo man wegen des sich
darbietenden Naturgenusses Station macht.
+Mügeln+, Dorf mit 444 E., unfern des Einflusses der Müglitz in die
Elbe. -- Zwischen Mügeln und Pirna +Gross-Sedlitz+, königliches Schloss
mit schönem Garten.
+Dohna+, Stadt an der Müglitz, 544 F. ü. M., mit 1683 E. War einst der
Sitz mächtiger Burggrafen, die aber wegen ihrer Befehdungen zu Anfang
des 15. Jahrhunderts vertrieben wurden. -- Im Mittelalter hatte der
Ort einen berühmten Schöppenstuhl, +Dohnaisches Mal+ u. +Ritterding+
genannt.
+Maxen+, Dorf mit 694 E., hat grosse Kalk- und Marmorbrüche. Hier lebte
der Stifter der Schillerlotterie, Major von Serre. In der Nähe fand
1759 der Finkenfang d. i. die Gefangennahme des preussischen Generals
Fink v. Finkenstein mit 10,000 Mann durch die Oesterreicher statt.
+Glashütte+, Stadt am Einflusse des Briesnitzbaches in die Müglitz,
1003 F. ü. M., mit 1573 E. Verdankt Entstehung und Namen dem Bergbau
auf Glaserz, welches auch verhüttet wurde. Seit dem 30jährigen Kriege
ist der Bergbau zum Erliegen gekommen. Jetzt blüht im Orte die
Fabrikation von Taschenuhren. Die Kirche enthält einige werthvolle
Glas- und Oelgemälde. Vor der Stadt zeigt man eine Felsenhöhle, in
welcher im 15. Jahrhundert der Räuber Wittich hauste, bis er vom Ritter
Weinhold von Bärenstein erschlagen wurde.
+Bärenstein+, kleinste Stadt Sachsens, mit 551 E.
+Lauenstein+, Stadt, 1634 F. ü. M., mit 819 E. Enthält ein altes
Schloss mit Rittersaal, Rüstkammer und Burgverliess. In der Kirche
werthvolles Denkmal ihres Erbauers, des +Günther von Bünau+. Zwischen
Bärenstein und Lauenstein nimmt die Müglitz das Altenberger Wasser
auf und wird dadurch ziegelroth gefärbt. Die rothe Farbe rührt von
den Eisentheilen her, welche in den Pochwerken aus den Zinnerzen mit
fortgespült werden.
+Fürstenau+, Dorf, mit 481 E. In der protestantischen Kirche ein
Marienbild, zu welchem viele Katholiken aus Böhmen ungestört
wallfahrten.
3. +Ueber Mügeln+, +Liebstadt+, +Schönwalde+. (2 Tage) -- Wieder mit
Dampfwagen von Dresden bis Mügeln (II. Kl. 6 Ngr., III. Kl. 4½ Ngr.).
Zu Fuss über +Dohna+ und +Weesenstein+ nach Burkhardtswalde; dann links
ab über Nenntmannsdorf nach +Liebstadt+, von wo man über +Börnersdorf+
nach Breitenau gelangt, was sich zum Nachtquartier eignet. -- Nach
Liebstadt kann man von Pirna aus auch in 2 St. p. Post gelangen. --
Nächsten Morgen begiebt man sich durch den +Oelsengrund+ auf den
+Sattelberg+ und schliesst sich bis zum Mückenthürmchen an die S. 64
angegebene Route an.
+Mügeln+ und +Dohna+ s. S. 67.
+Weesenstein+, Dorf an der Müglitz, mit 311 E. Das Schloss
Privateigenthum des Königs von Sachsen. Ein Saal enthält sämmtliche
Portraits der königlichen Familie seit August dem Starken.
+Liebstadt+, Stadt in einem Seitenthale der Gottleube, 1480 F. ü. M.,
mit 881 E. Hat wie die ganze Umgegend viel Strohflechterei.
Das +Strohflechten+ wird von Altenberg bis über Dohna hinaus und
von Gottleuba bis in die Gegend von Dippoldiswalde getrieben und
beschäftigt gegen 20,000 Menschen. Man gebraucht dazu Weizenstroh,
welches in der gewünschten Art auf dortigem Boden wächst. Das Getreide
wird sorgfältig eingeerntet und namentlich vor Nässe geschützt. Dann
trennt man die Aehren ab und zerschneidet die Halme so, dass die Knoten
herausfallen. Nunmehr wird das Stroh geschwefelt und zum Mürbewerden
in's Wasser gelegt. Nachdem man noch die erweichten Halme mittelst
eines scharfen Instrumentes in schmale Streifen gespalten hat, beginnt
endlich das Flechten. Es ist eine höchst mühsame Arbeit, bei welcher
jedoch die geschmeidigen Finger der Kinder oft ebensoviel, als die
geübten Hände der Erwachsenen leisten.
II. Route: Von =Dresden= nach =Dippoldiswalde=.
1. Von +Dresden+ mit Eisenbahn durch den Plaueschen Grund (II. Kl. 8
Ngr., III. Kl. 6 Ngr.) nach Tharandt. In Tharandt wird ausgestiegen, um
die Sehenswürdigkeiten der Stadt und Umgebung in Augenschein zu nehmen;
dann geht man an der wilden Weisseritz herab bis zur +Hainsberger+
Mühle und lässt sich in der Nähe derselben von einem Wegweiser auf
den Fusspfad »Nach der Rabenauer Mühle« und damit in das Thal der
rothen Weisseritz leiten. Der Fluss tost in steinigem Bette dahin, auf
der einen Seite jähe Felsen, auf der anderen schönbewaldete Abhänge
bespülend. Der Weg bleibt auf letzterer Seite und führt zur Rabenauer
Mühle, welche von prächtigen Felspartien umgeben ist. Da das Thal nur
noch eine kurze Strecke begangen werden kann, so verlässt man hier
dasselbe und wendet sich links nach +Rabenau+; und von da über +Klein-+
und +Grossölsa+ nach +Wendisch-Carsdorf+, um auf der Dresdener Strasse
+Dippoldiswalde+ zu erreichen.
Der +Plauesche Grund+ ist berühmt durch seine Naturschönheit[7], durch
seinen Kohlenreichthum und seine vielen gewerblichen Etablissements,
von denen besonders die Gussstahlfabrik zu Döhlen, die einzige
Sachsens, zu nennen ist.
+Tharandt+, Stadt am Vereinigungspunkte zweier Seitenthäler mit dem
Thale der wilden Weisseritz, 752 F. ü. M., mit 2384 E. Liebliche
Lage. Der Bergvorsprung zwischen den drei Thälern trägt die Trümmer
einer Burg, welche 1568 vom Blitze getroffen und seitdem dem Verfalle
überlassen worden ist. Ausser dieser +Ruine+ sind sehenswerth: Der
+Forstgarten+ mit Cotta's Grab und die »+heiligen Hallen+« d. h. grosse
von majestätischen Buchen gebildete Laubgewölbe. -- Tharandt ist der
Sitz der 1816 errichteten Forstakademie; hat auch ein Bad.
+Rabenau+, Stadt am Oelsenbache, mit 1151 E. Sitz der Stuhlbauerei; man
fertigt allda jährlich 5--6000 Dutzend Stuhlgestelle.
+Dippoldiswalde+, Stadt an der rothen Weisseritz, 1094 F. ü. M.,
mit 2994 E. Sehenswerth: Pfarr- und Friedhofkirche (Nikolaikirche),
Schloss. Spaziergänge: nach der im Walde gelegenen Ruine der
Barbarakapelle und dem nicht weit davon entfernten Einsiedlerbrunnen;
nach den Sandsteinbrüchen am Rabenauer Wege und nach dem ohnweit der
Stadt befindlichen Tartarengrab, d. h. dem Grabmal eines im 7jährigen
Kriege gefallenen Uhlanenofficiers.
2. Von Dresden zu Fuss über +Räcknitz+, (Denkmal des Generals Moreau!)
+goldene Höhe+ und +Possendorf+ nach +Wendisch-Carsdorf+; hier links
ab nach +Hermsdorf+, um den basaltischen +Wilisch+ zu besteigen. Nach
genossener Aussicht auf das Elbthal, die Sächsische Schweiz und die
Altenberger und Frauensteiner Höhen zurück nach Hermsdorf; dann über
Reinberg (Riemrig) und Oberhäslich nach +Dippoldiswalde+.
III. Route: Von =Dippoldiswalde= nach dem =Mückenthürmchen=.
Von Dippoldiswalde bis +Schmiedeberg+ auf der Strasse; bei der Mühle
über dem Hohofen den Langengrund hinaus zur prächtig gelegenen
Oberförsterei +Bärenburg+; von hier mit Führer auf die +Tellkoppe+ und
dann Wanderung auf der Strasse nach +Altenberg+. Weil die Aussicht
auf dem +Geising+ durch Bäume zu sehr versperrt ist, besteigt man den
+Kahlenberg+ und wendet sich über +Hinter-+ und +Vorderzinnwald+ nach
dem +Mückenthürmchen+. -- Wer will, kann von Zinnwald mit Führer noch
den +Lugstein+ besuchen; Aussicht ähnlich wie vom Mückenthürmchen (s.
S. 64--65.)
Von +Bärenburg+ (2252 F. ü. M.) aus soll der König von Sachsen seiner
Gemahlin in Pillnitz »Gute Nacht« gewünscht haben. Er liess bei
eintretender Dunkelheit auf der Tellkoppe eine Rakete steigen; eine
andere von Pillnitz antwortete: es war Gruss und Gegengruss!
+Schmiedeberg+, Flecken am Einfluss des Pöbelbaches in die rothe
Weisseritz, mit 525 E. -- Ausser Hohofen auch Eisenhammer. In früherer
Zeit waren die Bergknappen gute Sänger und mussten oft bei Hoffesten
erscheinen.
+Altenberg+, Stadt am südwestlichen Abhange des Geisingberges, 2298 F.
ü. M., mit 2366 E. -- Die Stadt verdankt ihre Entstehung dem Bergbau.
Im Jahre 1458 wurde in dortiger Gegend Zinn fündig, auf welches man
heute noch baut; freilich ist die dermalige Ausbeute kaum die Hälfte
der früheren (2248 Centner gegen 5000).
Die Erze kommen hier nicht gangförmig, sondern in umfänglichen
Massen, d. i. bergmännisch ausgedrückt, in »Stockwerken« vor. Diese
werden ausgehauen, und so erhält man grosse Weitungen, welche durch
stehenbleibende Gesteinswände (Bergvesten) gestützt werden. Bisweilen
erweisen sich aber die Wände für die darauf ruhende Last als zu schwach
und es entstehen Einsenkungen, sogenannte Tagesbrüche oder +Bingen+.
Der bedeutendste Einsturz fand im Jahre 1624 statt: ein Stockwerk von
450 Ellen Tiefe und 900 Schritten Umfang -- der Schauplatz war die
+grosse+ Binge -- brach in sich zusammen; die Wucht des herabfallenden
Gesteins war so furchtbar, dass die Bodenerschütterung bis Dresden
hin verspürt wurde! -- Die meisten Zinngruben gehören jetzt der
Gewerkschaft +Vereinigt Feld im Zwitterstock+; dieselbe hat allein
20 Wäschen und Pochwerke, welche theils durch Wasser-, theils durch
Dampfkraft getrieben werden.
Ausser Bergbau hat Altenberg +Strohflechterei+, für welche es sogar
Hauptort ist. -- Im Galgenteiche bei Altenberg entspringt die +rothe+
Weisseritz; die +wilde+ Weisseritz hat ihre Quelle hinter Zaunhaus auf
böhmischer Seite.
Fast östlich von Altenberg liegen +Alt-+ und +Neugeising+, mit 1336 E.
Beide Orte treiben wie Altenberg Bergbau und Strohflechterei.
IV. Route: Von =Dippoldiswalde= nach =Sayda=.
1. Von Dippoldiswalde über Ober-Carsdorf, Sadisdorf und Hennersdorf
nach +Frauenstein+; mit Post über Bienmühle und Clausnitz nach +Sayda+
(Passagiergeld: 14 Ngr.)
2. Ein anderer Weg ist: von Dippoldiswalde nach Schmiedeberg und
dem reizenden Bärenburg, dann nach Schellerhau, (Besteigung des
Pöbelknochens) und über Dorf Sayda, Schönfeld und Reichenau nach
+Frauenstein+; von hier mit Post nach (Stadt) +Sayda+.
+Frauenstein+, Stadt zwischen der Gimlitz und Bobritzsch, 2018 F. ü.
M., mit 1435 E. -- 1869 durch grossen Brand heimgesucht. -- Hohe,
freie Lage mit umfassender Aussicht. Grossartig ist die Ruine der
+alten+ Burg, dicht hinter dem jetzigen Schlosse. Auf dem Thurm des
Burgverliesses, der »dicke Märten« genannt, hält man Umschau. Man sieht
den ganzen Tharandter Wald, die Stadt Freiberg, die Augustusburg, den
Greifenstein, den Fichtelberg, den Kamm des östlichen Erzgebirges,
die sächsische Schweiz, das Elbthal, die Pulsnitzer Berge, und
zwischen all' diesen Hauptpunkten viele Thäler und Gründe, Abhänge und
Höhen, Dörfer und Flecken. -- Frauenstein war eine uralte Grenzburg
gegen Böhmen. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts kam es in Besitz
der Burggrafen zu Meissen und 1428 ging es als meissnisches Lehen
an Heinrich von Plauen über. Da dieser sich aber ungehorsam gegen
Friedrich den Sanftmüthigen erwies, so wurde die Stadt und Burg erobert
und das Lehen eingezogen. Im Jahre 1473 verkauften die Brüder Ernst und
Albert Frauenstein an die Herren von Schönberg, die es nun besassen,
bis 1647 der Rückkauf durch das Kurhaus erfolgte.
Aus dem Dorfe +Kleinbobritzsch+ bei Frauenstein stammt der berühmte
Orgelbauer +Silbermann+. Er war der Sohn eines Zimmermanns und sollte
Buchbinder werden; dazu hatte er aber keine Lust und so begab er sich
nach Strassburg, um von einem dort wohnenden Vetter die Orgelbaukunst
zu erlernen. Später kehrte er nach Sachsen zurück. 47 noch vorhandene
Orgelwerke verkündigen seinen Ruhm; seine bedeutendste Schöpfung mag
die Orgel im Strassburger Münster sein.
Die Strasse, welche von Frauenstein nach Dresden führt, heisst die
+Butterstrasse+, weil auf ihr die erzgebirgischen Bauern ihre Butter
nach der sächs. Hauptstadt zu bringen pflegen. -- Die Gegend hat ausser
guter Viehzucht trefflichen Flachsbau, weshalb auch zu Oberbobritzsch,
Mulda und Lichtenberg Flachsbereitungsanstalten eingerichtet worden
sind.
+Sayda+, Stadt, 2092 F. ü. M., mit 1639 E. -- 1842 bis auf wenige
Häuser niedergebrannt, doch seitdem sauber wieder aufgebaut. -- Im
Mittelalter war Sayda ein wichtiger Speditionsort für Waaren, welche
von Leipzig nach Böhmen gingen. Zu jener Zeit wurde es von vielen
Juden, die ein besonderes Viertel, die sogenannte Judenstadt, inne
hatten, bewohnt. Die damaligen Festungswerke sind längst verschwunden.
-- Auf einer Höhe vor der Stadt gute Aussicht in das Obergebirge.
V. Route: Vom =Mückenthürmchen= nach =Teplitz=.
Vom Mückenthürmchen nicht auf der bequemen Chaussee, sondern auf
steilem Fusswege, welcher die Halden von Zinnbergwerken berührt, hinab
nach +Obergraupen+, dem Abbilde eines ächten Gebirgsdorfes, und dann
nach der Stadt +Graupen+, welche in einem malerischen Engpass gelegen
ist. Die Bergstadt Graupen ist eine der lohnendsten Partien im ganzen
Erzgebirge und bietet prächtige Aussichtspunkte dar. Von der Ruine
+Rosenburg+ hat man einen überraschend schönen Blick auf Graupen,
Mariaschein, Kulm, Teplitz, das Mittelgebirge und die Thalwände des
westlichen Erzgebirges. Aehnlich, immerhin aber etwas verändert, wird
man die Rundschau auf +Wilhelmshöhe+ (Andenken an die öfteren Besuche
Friedrich Wilhelm des III.) und +Heinrichsruhe+ finden. Nur 10 Minuten
unterhalb Graupen liegt die stattliche und berühmte Wallfahrtskirche
+Mariaschein+.
Man kann über Mariaschein nach dem gleichnamigen Bahnhof gehen und mit
dem Dampfwagen (in ¼ St.) nach +Teplitz+ fahren; genussreicher aber ist
es, in Graupen den Tollysteig zu erfragen und sich durch den Probstauer
Garten und den Turner Park nach +Teplitz+ zu begeben.
+Graupen+, Stadt 980 F. ü. M., mit 1600 E. Alterthümliche Bauart; die
Bewohner treiben Bergbau und Strumpfwirkerei. -- An die Rosenburg
knüpft sich eine Erzählung von der Gräfin Dohna und dem Ritter Gotsche
(Schaf-Gotsche).
+Mariaschein+, Dorf mit Jesuitenkloster und Seminar. Die im
Renaissancestyle erbaute Kirche enthält ein wunderthätiges Marienbild,
zu welchem jährlich Tausende aus Böhmen, Schlesien und der Lausitz
wallfahrten.
+Teplitz+, Stadt an der Saubach, 643 F. ü. M., mit 8000 E. Im breiten
fruchtbaren Bielathale, welches das Mittelgebirge vom Erzgebirge
scheidet, am Fusse des Wachholderberges reizend gelegen. Die Nähe
trefflicher Parkanlagen, die Anwesenheit aussichtsvoller Höhenpunkte
und der Anblick mehrerer Gipfel des Erz- und des Mittelgebirges machen
die Gegend äusserst angenehm. -- Die heissen Quellen[8], (21--38½ °R.),
schon um 762 entdeckt, werden fast nur zum Baden benutzt und mit
besonderem Erfolg gegen Rheumatismus, Gicht und Lähmung angewandt. Als
Bäder sind zu nennen: das Stadtbad, das Fürstenbad, das Sophien- oder
Judenbad, das Stephansbad, das Steinbad und das Sand-(Militair-)Bad,
wozu in dem angrenzenden Dorfe +Schönau+ noch das Schlagenbad und
Neubad kommen. An schönen Gartenanlagen und aussichtsvollen Punkten
ist Teplitz, wie schon erwähnt, sehr reich. Man besuche daher den
Schlossgarten (Besitzer: Fürst von Clary-Aldringen), wo sich Mittags
zum Concert die Badewelt zu versammeln pflegt, das Schiesshaus und
die Schlackenburg, mit origineller künstlicher Ruine, ferner die
Königshöhe, den Hügel bei der protestantischen Kirche und den Mont de
Ligne und endlich den Schlossberg (1221´) mit den umfassenden Trümmern
der Burg Daubrawskahora, welche einst dem Grafen Kinsky, dem Schwager
Wallensteins, gehörte. -- Als weiterer Ausflug ist besonders ein
Besuch des Milleschauers (2600´) zu empfehlen. -- In Teplitz noch
sehenswerth: der Gottesacker mit dem Grabe J. G. Seume's († 1810).
VI. Route: Vom =Mückenthürmchen= nach =Stift Osseg=.
Vom Mückenthürmchen über +Obergraupen+ nach +Graupen+; Besuch
der Rosenburg und Wilhelmshöhe (Siehe Route V., S. 76); nach
+Mariaschein+ und dann am Fusse des Gebirges hin über Judendorf,
Dreihunken, Wistritz, Zuckmantel, Tischau, Doppelburg u. +Kosten+ nach
+Klostergrab+; von hier über Grünsdorf nach Stift +Osseg+.
+Obergraupen+, +Graupen+ u. +Mariaschein+ s. R. V., S. 76.
Die Jagdschlösser +Doppelburg+ und +Kosten+ werden wegen ihrer tiefen
Waldeinsamkeit häufig von Teplitzer Badegästen besucht. Doppelburg,
in der Form eines Sternes gebaut, gewährt in angebrachten Durchhauen
angenehme Fernsichten nach dem Borzen (bei Bilin), dem Milleschauer und
dem Schlossberge; bei Kosten sehenswerther Thiergarten. -- Weiter oben
an der Strasse nach Altenberg liegt +Eichwald+ (mit dem Schweissjäger),
eine echte Sommerfrische.
+Klostergrab+, Bergstädtchen, 1087 F. ü. M. mit 1000 E. Hinter
dem Rathhause noch Reste jener protestantischen Kirche, deren vom
Prager Bischof Lohelius anbefohlene Niederreissung zum Ausbruche des
30jährigen Krieges beitrug.
Stift +Osseg+, (der Name kommt von osekati d. i. abhauen), grosse
Cisterzienserabtei, hatte in den Hussitenkriegen arg zu leiden und
zeigt darum neuere Gebäude. Die an Gemälden sehr reiche Kirche ist
von italienischen Meistern erbaut. Bildergalerie, Bibliothek. -- Gute
Aussichtspunkte sind: Riesenburg (s. Route VII.) u. Salesiushöhe.
VII. Route: Von =Altenberg= nach =Oberleitensdorf=.
Von Altenberg über Neu- und Altgeorgenfeld nach Zaunhaus und von da
über die Jägerhäuser auf den +Glöselsberg+, welcher eine prächtige,
wenn auch nach Norden hin etwas beschränkte, Aussicht darbietet. Nach
+Niklasberg+; über die Grundmühle nach +Klostergrab+; dann nach +Osseg+
und über Bruch nach +Oberleitensdorf+.
+Altenberg+ s. R. III., S. 72.
+Niklasberg+, Städtchen 1819 F. ü. M., mit 745 E. Bergbau auf Silber
und mühsame Feldwirthschaft.
+Klostergrab+ und +Osseg+ s. R. VI., S. 78.
+Oberleitensdorf+, Flecken mit 4580 E. -- Tuch- und Casimirfabrikation.
VIII. Route: Von =Stift Osseg= nach =Sayda=.