Was van Dyck damals nach Brüssel geführt hatte, war vielleicht die

Anfertigung eines Bildnisses des Höchstkommandierenden der spanischen

Truppen in den Niederlanden, Franz von Mancada, Marquis von Aylona.

Van Dyck hat diesen hohen Herrn, der während seines Aufenthaltes

in Flandern nach und nach vom Gesandten bis zum Stellvertreter des

Statthalters aufrückte, wiederholt gemalt. In jener Zeit gerade, oder

kurz vorher, mag das stolze Reiterbildnis fertig geworden sein, welches

sich jetzt im Louvre befindet und als das schönste von des Meisters

Reiterbildern gepriesen zu werden pflegt. Auf diesem Bilde sehen wir

Mancada in Kriegsrüstung, aber ohne Helm, mit der roten spanischen

Schärpe und einem großen weißen Kragen über dem Harnisch, mit dem

Feldherrnstab in der Hand; er biegt auf einem mächtigen Schimmel in

scharfer Gangart um eine Ecke des Weges, so daß er sich gerade dem

Beschauer zuwendet. Roß und Reiter heben sich kräftig und farbig ab von

einem zum Teil aus bräunlichem, bewachsenem Gelände, zum Teil aus blau

und gelb bewölkter Luft bestehenden Hintergrund. Die landschaftliche

Ferne ist hier, wie immer bei van Dyck, nur Hintergrund; aufs feinste

abgestimmt zu der Figur, aber ohne die leiseste Absicht, irgendwie dem

natürlichen Tonverhältnis zwischen Figur und Landschaft, wie es sich in

der Wirklichkeit zeigt, Rechnung tragen zu wollen. Dies ist ein Punkt,

durch den sich van Dycks Reiterbilder in scharf sprechender Weise von

denjenigen seines spanischen Zeitgenossen Velazquez unterscheiden, der

gerade durch die naturalistische Stimmung von Landschaft und Figuren

seinen Bildnissen im Freien eine so großartige und den heutigen

Beschauer so besonders wohltuend berührende Wirkung zu geben gewußt hat.

[Illustration: Abb. 42. +Van Dycks Selbstporträt mit der Sonnenblume.+

Im herzogl. Museum zu Gotha.

Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i.

E. und Paris. (Zu Seite 63.)]

[Illustration: Abb. 43. +König Karl I. von England.+ In der königl.

Gemäldegalerie zu Dresden.

Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i.

E. und Paris. (Zu Seite 64.)]

[Illustration: Abb. 44. +Henriette Marie, Königin von England.+ In der

königl. Gemäldegalerie zu Dresden.

Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i.

E. und Paris. (Zu Seite 64.)]

Anfang April 1632 befand sich van Dyck in London, und sofort wurde er

von Karl I. in Dienste genommen. Der König gewährte dem Maler

die Mittel zu einer wahrhaft glänzenden Lebensweise. Er wies ihm

eine Stadtwohnung in Blackfriars und einen Landsitz zu Eltham in der

Grafschaft Kent an und gab ihm ein sehr ansehnliches Einkommen, das,

ganz unabhängig von den Bezahlungen für jedes einzelne Gemälde, zuerst

tageweise, dann als Jahresgehalt bemessen wurde. Nach wenigen Monaten,

am 5. Juli 1642, gab er ihm die höchste Anerkennung dadurch, daß er ihn

zum Ritter schlug, wobei er ihm als besondere Auszeichnung eine goldene

Kette mit seinem in Diamanten gefaßten Porträt gab.

[Illustration: Abb. 45. +Anton van Dyck und Sir Endymion Porter.+

Im Pradomuseum zu Madrid.

Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i.

E. und Paris. (Zu Seite 70.)]

Man kann es wohl verstehen, wenn van Dyck sich durch solche

Ehrenbezeugungen, in denen er eine alle Erwartungen übertreffende

Erfüllung tiefinnerster Wünsche finden mochte, sich hochbeglückt

fühlte. Dennoch befremdet uns eine an die Adresse der Neider und

der Verspötter des „~pittore cavalieresco~“ gerichtete Bekundung

dieses Glücksgefühles, die wir im Museum zu Gotha finden. Es ist ein

sinnbildlich umkleidetes Bildnis van Dycks. Der schöne Künstler blickt

mit einem Ausdruck hohen Selbstgefühls den Beschauer über die Schulter

an, und die Finger seiner Linken spielen mit der goldenen Königskette;

mit der Rechten aber weist er auf eine sich ihm zuwendende Sonnenblume

hin, so daß er sich selbst gleichsam als Sonne darstellt (Abb. 42).

Es liegt ein so hohes Maß von Eitelkeit in dieser Bildersprache, daß

man gern denken möchte, van Dyck sei gar nicht der Urheber, sondern

einer seiner Gegner habe ihm dieses „Selbstbildnis“ untergeschoben,

um ihn wegen seiner Eitelkeit lächerlich zu machen. Andererseits aber

ist das Bild zu gut gemalt, und zu sehr in van Dycks eigener Art, als

daß man es ohne weiteres für das Ergebnis eines solchen böswilligen

Scherzes halten könnte; auch ist es, wie der Vergleich mit den in

verschiedenen Galerien befindlichen, annähernd dieser Zeit angehörigen

Selbstbildnissen van Dycks lehrt, sehr ähnlich. Die Stellung mit dem

Blick über die Achsel, wie sie das Sonnenblumenbild zeigt, war eine

Stellung, die ihm bei seinen Selbstbildnissen besonders zusagte. Das

bekannteste unter diesen, das im „Saal der Maler“ der Uffiziengalerie

zu Florenz befindliche, ist freilich nicht das beste, wenigstens nicht

das besterhaltene; Auffrischungen und Nachbesserungen von unbefugter

Hand haben ihm einen großen Teil seines ursprünglichen Reizes geraubt

(siehe das Titelbild).

[Illustration: Abb. 46. +Der Kardinal-Infant Don Ferdinand von

Österreich.+

Im Pradomuseum zu Madrid.

Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i.

E. und Paris. (Zu Seite 73.)]

Van Dycks vornehmste Aufgabe am englischen Hofe war es, den König

selbst und die Königin, die französische Prinzessin Henriette Marie, zu

malen. Die Zahl seiner Bildnisse des englischen Königspaares ist groß;

außer in England befinden sich auch in den festländischen Sammlungen

mehrere Exemplare (Abb. 43 und 44). Ein Bildnis der Königin nimmt eine

besondere Stellung ein dadurch, daß es in kleinem Maßstabe, aber dabei

nicht etwa als Skizze, sondern in allersorgfältigster Ausführung gemalt

ist. Es befindet sich in der weiteren Kreisen nur wenig bekannten, an

sehr bemerkenswerten Schätzen reichen Sammlung des Herrn Schmetz zu

Aachen. Die Königin ist in etwa Viertellebensgröße in ganzer Figur,

stehend, dargestellt; sie trägt ein hellgelbes Seidenkleid, und

das ganze Bild ist in wunderbarem Farbenreiz zusammengestimmt. Die

Kleinheit befremdet, so daß man sich beim Anblick dieses Meisterwerkes

zunächst fragt, ob denn wohl ein anderer niederländischer Maler, einer

der sogenannten Kabinettmaler, Gelegenheit gehabt haben könnte, die

Königin Henriette Marie zu porträtieren. Aber van Dyck wurde ja in

seiner Jugend gepriesen wegen seiner Befähigung zu feiner, sauberer

Malerei in kleinem Maßstab; und schwerlich hätte ein anderer diese

vornehme, echt van Dycksche Auffassung gefunden, die dem prächtigen

kleinen Bilde eigen ist.

[Illustration: Abb. 47. +Allegorisches Bildnis der Lady Venetia Digby.+

In der königl. Gemäldegalerie im Schloß Windsor.

Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i.

E. und Paris. (Zu Seite 70.)]

[Illustration: Abb. 48. +Beweinung Christi.+ In der königl. Pinakothek

zu München.

Nach einer Originalphotographie von Franz Hanfstaengl in München. (Zu

Seite 74.)]

Van Dyck, der bewunderungswürdige Maler und liebenswürdige Mensch,

erfreute sich vom Anbeginne seines Aufenthalts in England an der

höchsten persönlichen Gunst des Königs. Häufig fuhr Karl I., wenn er

der Last der Staatsgeschäfte entfliehen wollte, von seiner Residenz

Whitehall über die Themse nach Blackfriars, um in zwangloser und

anregender Unterhaltung mit seinem Maler Erholung zu suchen.

[Illustration: Abb. 49. +Christus am Kreuz.+ In der königl. Pinakothek

zu München.

Nach einer Originalphotographie von Franz Hanfstaengl in München. (Zu

S. 31 u. 74.)]

[Illustration: Abb. 50. +Die Anbetung der Hirten.+ Zeichnung in der

Albertina zu Wien.

Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i.

E. und Paris. (Zu Seite 77.)]

Es konnte nicht fehlen, daß die am Hofe verkehrenden Großen des Reiches

miteinander wetteiferten, dem vom Herrscher so hochgeschätzten Künstler

ihre Gunst zu bezeugen.

Es hat wohl niemals und nirgendwo ein Bildnismaler so zahlreiche

Aufträge gehabt, wie van Dyck in England. Von vielen Personen mußte

er eine ganze Anzahl von Bildnissen malen. So werden neun von ihm

ausgeführte Porträts des Grafen Strafford, des damals mächtigsten

Ratgebers des Königs, der in jenem Jahre 1632 als Statthalter nach

Irland ging und der neun Jahre später als erstes Opfer der beginnenden

Revolution sein Haupt auf das Blutgerüst legte, aufgezählt. Zu den

ersten Bildnissen, welche van Dyck neben denjenigen des Königspaares

malte, werden wohl diejenigen seiner besonderen Gönner, der

begeisterten Kunstfreunde, die für seine Berufung nach England gewirkt

hatten, gehören. Den vornehmsten Platz unter diesen nimmt der Graf

Arundel ein, den er siebenmal porträtierte. Mit Endymion Porter, dem

er die ersten Beziehungen zu Karl I. verdankte, hat van Dyck sich

selbst in einem Bilde vereinigt gemalt. Dieses Doppelbildnis befindet

sich jetzt im Pradomuseum zu Madrid im Verein mit einer Reihe van

Dyckscher Bildnisse, unter denen diejenigen des Malers David Rykaert

und eines unbekannten Musikers als vorzüglich schöne Werke aus seiner

Antwerpener Zeit noch hervorgehoben seien. Es ist ein Gemälde von

sehr vornehmer Wirkung. Van Dyck ist schwarz gekleidet, Porter weiß;

lebhafte, aber immer noch durch den weichen allgemeinen Ton gedämpfte

Farben, gelb und blau, schimmern in der Luft, die neben einem dunklen

Vorhang den Hintergrund bildet. Ein wirksamer Gegensatz liegt auch in

den Charakteren der beiden Persönlichkeiten: van Dyck schlank, zierlich

und lebhaft, der Engländer fleischig und unbeweglich (Abb. 45). Van

Dyck hat sich hier eine Stellung gegeben, die ganz besonders stark an

diejenige des Sonnenblumenbildes erinnert. Das Madrider Doppel-Bildnis

führt im dortigen Katalog die Bezeichnung: „Van Dyck und der Graf von

Bristol.“ Es wird daher meistens so genannt, obgleich die Irrigkeit

der Bezeichnung durch den Vergleich mit anderen Bildnissen von Bristol

und Porter erwiesen ist. Aber der Graf von Bristol, Sir Kenelm Digby,

zählte ebenfalls zu den engeren Freunden des Malers. Van Dyck nahm

dessen Bildnis als das eines Kunstliebhabers in die Ikonographie auf.

Das gemalte Porträt desselben, in welchem er in reicher Kleidung an

einem Tische, auf dem ein Himmelsglobus steht, sitzend dargestellt

ist, befindet sich in der Sammlung des Königs von England im Schloß

Windsor. Die Gattin des Grafen, Lady Venetia Digby, malte van Dyck

nicht weniger als viermal binnen Jahresfrist. In einem dieser Bilder,

das sich ebenfalls im Schloß Windsor befindet, hat er dem Porträt

eine allegorische Einkleidung gegeben. Da sitzt die Dame, in die

Falten idealer Gewänder gehüllt, zwischen einer Menge von Sinnbildern.

Hinter ihr liegt ein gefesselter Unhold mit zwei Gesichtern, der die

Verleumdung bedeuten soll; sie streichelt eine Taube, das Sinnbild der

Unschuld; ein Amorettenpaar liegt unter ihren Füßen, und Englein halten

über ihrem Kopfe einen Kranz (Abb. 47). Van Dyck malte dieses Bild, so

erzählte man, um dadurch Verwahrung einzulegen gegen das Gerücht, daß

er in seiner Zuneigung für die schöne Frau die Grenze des Erlaubten

überschritten habe. Es scheint, daß die englischen Damen an solchen

allegorischen Bildnissen Gefallen fanden. Van Dyck hat später noch

mehrere derartige gemalt. Lady Venetia Digby malte er zum letztenmal

nach ihrem am 1. Mai 1633 erfolgten frühen Tode, als Leiche mit dem

Ausdruck einer Schlummernden, mit einer entblätterten Rose zur Seite.

[Illustration: Abb. 51. +König Karl I. von England.+ In der

Gemäldesammlung des Louvre in Paris.

Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i.

E. und Paris. (Zu Seite 78.)]

Im Frühjahr 1634 ließ sich van Dyck für einige Zeit nach den

Niederlanden beurlauben, wo er bis in das folgende Jahr hinein blieb.

Den größten Teil dieser Zeit muß er in Brüssel verbracht haben. In

seiner Heimatstadt Antwerpen finden wir ihn im Herbst 1634. Was er

dort an Besitz zurückgelassen hatte, verwaltete seine Schwester

Susanna; deren Pflege und Erziehung war auch eine Tochter, die er

hatte, Namens Maria Theresia, anvertraut. Am 18. Oktober ernannte ihn

die Antwerpener St. Lukas-Gilde zu ihrem Dekan. -- In Brüssel finden

wir van Dyck so emsig bei der Arbeit, wie er es immer war. Von hohen

Personen malte er den Herzog Gaston von Orleans, Bruder des Königs

Ludwig XIII., dessen Gemahlin Margarete und deren Schwester Henriette

von Lothringen, verwitwete Prinzessin von Pfalzburg; ferner den Prinzen

Thomas Franz von Savoyen-Carignan, der nach dem Tode des Marquis von

Aylona die Regierung der spanischen Niederlande bis zur Ankunft des

Bruders Philipps IV., des „Kardinal-Infanten“ Don Ferdinand, leitete.

Den Prinzen Carignan malte er gleich mehreremal; eines dieser Bilder

besitzt das Berliner Museum. Kaum war der Kardinal-Infant in Brüssel

eingetroffen, so wurde van Dyck auch mit der Anfertigung von dessen

Bildnis beauftragt. Dieses Porträt befindet sich jetzt im Pradomuseum

zu Madrid; es zeigt den Infanten in halber Figur, in der Prunkkleidung,

welche er bei dem feierlichen Einzug in Brüssel am 4. November 1634

trug (Abb. 46). Als die Stadt Antwerpen sich rüstete, diesem von

Belgien mit so vielen freudigen Hoffnungen erwarteten Fürsten einen

Empfang von unerhörter Pracht zu bereiten, schickte van Dyck auf Wunsch

der Stadt eine Kopie seines Bildnisses des Kardinal-Infanten dorthin,

„zur Verwendung bei den Triumphbögen und Schaustellungen“. Als dann

aber auch ein Porträt der Infantin Isabella zu dem gleichen Zweck von

ihm verlangt wurde, stellte der durch die englischen Preise verwöhnte

Künstler derartig hohe Forderungen an seine Vaterstadt, daß dieselbe

sich genötigt sah, die Verhandlungen abzubrechen.

Nach der Angabe eines niederländischen Geschichtsschreibers soll jenes

früher erwähnte Gruppenbild, in welchem van Dyck die Stadtobrigkeit von

Brüssel in dreiundzwanzig Figuren abmalte, auch in diesem Jahre 1634

entstanden sein.

Ein Meisterwerk seiner Bildniskunst schuf van Dyck damals in dem Bilde

des Rechtsanwaltes des Rates und Pensionärs der Stadt Brüssel, Justus

van Meerstraeten. Die Gemäldegalerie zu Kassel besitzt dieses in

halber Figur ausgeführte Porträt. Der ältliche, aber sehr rüstig und

entschieden aussehende Herr steht in schwarzseidener Staatskleidung

neben einem Tisch, auf dem sich mehrere große Bücher und eine antike

Büste befinden; seine Hand greift in einen Band des Corpus juris.

Dieses Bild ist in einem wunderbar klaren Lichtton gehalten; das

schwarze Gewand hebt sich hell ab von dem braunen Schattenton der Wand

des Hintergrundes; die bräunlich-weißen Töne der Lederbände und der

Büste auf der grünen Decke des Tisches und in der entgegengesetzten

Ecke des Bildes ein kühl-farbiger Ausblick auf die bewölkte Luft

ergänzen den fein gestimmten Zusammenklang der Farben. Auch das Bildnis

der Gattin des Justus van Meerstraeten, Isabella van Aßche, einer

freundlich aufgefaßten hübschen Brünette, das ebenfalls damals in

Brüssel entstanden sein wird, befindet sich in der Kasseler Galerie.

Eine Vorliebe für einen kühlen Ton, für den die schwarze Farbe die

Grundstimmung angibt, gilt im Gegensatz zu der aus einem warmen

Dunkelbraun heraus entwickelten Stimmung seiner früheren Werke als

bezeichnend für van Dycks spätere Zeit. Hiernach gelten auch noch

einige religiöse Bilder als Arbeiten, deren Entstehung in die Zeit

dieses vorübergehenden Aufenthaltes in den Niederlanden fallen könnte.

Zwei Gemälde der Münchener Pinakothek gehören in diese Zahl: ein

Christus am Kreuz und eine Beweinung des heiligen Leichnams, also

Behandlungen jener beiden Darstellungsstoffe, die ihm auch in früherer

Zeit so häufig als Gegenstand gedient hatten. Das Kreuzigungsbild,

in nur ein drittel Lebensgröße ausgeführt, zeigt den Heiland nach

seinem Verscheiden. Vor einem düster schwarzgrauen Himmel ragt das

Kreuz empor. Undeutlich sieht man in der Finsternis die Masse des

abziehenden Volkes. Der Tote am Kreuze, dessen Haupt vornüber gesunken

ist und den ein helles, auf dem Oberkörper am stärksten gesammeltes

Licht hervorhebt, bleibt einsam zurück. Der Wind spielt mit dem

Aufschriftzettel am Kreuz und mit dem Zipfel des Lendentuches (Abb.

49). Bei der Klage um den Leichnam Christi ist die Farbe vielleicht

noch mehr auf den Ausdruck von Schmerz und Trauer gestimmt, als bei

irgend einer der früheren Darstellungen dieses Gegenstandes. Die dunkle

Felsenwand bildet den alleinigen Hintergrund für die drei Gestalten,

die sich mit dem Toten beschäftigen. Die Unbehilflichkeit der Last

eines noch nicht erstarrten Toten ist stark betont. Das Haupt Christi

ist in äußerster Biegung des Nackens mit dem Gesicht auf den Schoß

der Mutter gesunken. Diese blickt mit einer Frage des Schmerzes zum

Himmel empor; Magdalena ringt die Hände und blickt auf den Toten herab;

Johannes bricht in lautes Weinen aus (Abb. 48).

[Illustration: Abb. 52. +König Karl I. von England und sein

Stallmeister Sir Thomas Morton.+

In der königl. Galerie des Buckinghampalastes.

Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i.

E. und Paris. (Zu Seite 78.)]

[Illustration: Abb. 53. +Die Kinder Karls I. von England: Prinzessin

Maria, Prinz Jakob, Prinz Karl, Prinzessin Elisabeth und Prinzessin

Anna.+ Im königl. Museum zu Berlin.

Nach einer Originalphotographie von Franz Hanfstaengl in München. (Zu

Seite 80.)]

Mit ziemlicher Sicherheit kann man die Entstehung eines an dem

ursprünglichen Platz seiner Bestimmung verbliebenen Altargemäldes

in die Zeit von 1634 bis 1635 setzen. Es ist die Darstellung

der Geburt Christi, welche van Dyck für die Liebfrauenkirche zu

Dendermonde -- die nämliche Kirche, in welcher jetzt auch das für die

dortige Kapuzinerkirche gemalte Kreuzigungsbild aufgestellt ist --

malte. Die Zeitbestimmung fußt darauf, daß in den erhaltenen alten

Rechnungsbüchern der Kirche die Auszahlung von fünfhundert Gulden an

Anton van Dyck für die Anfertigung des Altarbildes „die heilige Nacht“

unter den Ausgaben von 1635 vermerkt ist. Dieses Gemälde, in dem Maria

dargestellt ist, wie sie unter dem Gemäuer des Stalles sitzend den

herbeieilenden und niederknienden Hirten das Jesuskind zeigt, während

in der Luft schwebende Engelkinder das ~Gloria in excelsis~ singen,

verdankt seinen besonderen Ruhm der lichten, zarten Farbenstimmung und

dem Reiz der Kinderfiguren. Zu den Vorarbeiten für dasselbe mag die

hübsche Zeichnung in der Albertina zu Wien zu zählen sein, welche den

nämlichen Gegenstand in ähnlicher Komposition zeigt (Abb. 50).

[Illustration: Abb. 54. +Die Kinder Karls I. von England: Karl, Prinz

von Wales; Jakob, Herzog von York; Prinzessin Maria.+ In der königl.

Gemäldegalerie zu Dresden.

Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i.

E. und Paris. (Zu Seite 79.)]

In diesem Gemälde dürfen wir wohl das letzte namhafte Historienbild

van Dycks erblicken. Denn das Wenige, was er später noch an

Bildern religiösen oder mythologischen Inhalts malte, war nur von

untergeordneter Bedeutung. Kenelm Digby wird als der Besteller einer

Anzahl von Gemälden religiösen Inhalts genannt, während König Karl I.

den Meister mit der Anfertigung mehrerer mythologischen Kompositionen

beauftragte.

[Illustration: Abb. 55. +Lady Diana Cecil, Gräfin von Oxford.+ Im

Pradomuseum zu Madrid.

Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i.

E. und Paris. (Zu Seite 83.)]

Wahrscheinlich ziemlich früh im Jahre 1635 kehrte van Dyck nach

England zurück. Karl I. ließ sich und seine Familie immer von neuem

von van Dyck malen. Das berühmteste unter den Bildnissen des Königs

ist dasjenige im Louvre, das ihn im Reitanzuge am Rande eines Waldes

stehend zeigt, als ob er eben abgestiegen wäre von dem ungeduldig

scharrenden Jagdroß, das hinter ihm von einem Diener gehalten wird.

Es ist ein prächtiges Farbenstück. Der König, in weißer Atlasjacke,

roten Beinkleidern und hellgelben Lederstiefeln, mit dem breitkrempigen

schwarzen Hut auf den langen braunen Locken, hebt sich ab von einem

zur Küste abfallenden, buschig bewachsenen Gelände, einem weiten Blick

auf das Meer und einer sonnigen, weißwolkigen Luft. Das Pferd, ein

dunkler Schimmel, setzt sich von dem tiefen Braungrün der Waldbäume

und dem stumpfen Rot der Kleidung des Reitknechtes wirkungsvoll ab.

Neben dem Reitknecht wird noch, von diesem teilweise verdeckt, ein Page

sichtbar, der das hellseidene Mäntelchen des Königs trägt (Abb. 51).

-- Eine Anzahl stolzer Reiterbildnisse zeigt den König in Rüstung,

aber barhäuptig, mit einem Stallmeister, der ihm den vergoldeten Helm

nachträgt, zur Seite. So erscheint er in der Vorderansicht, ein Tor,

das wie ein Triumphbogen wirkt, durchreitend, in einem majestätischen

Bilde zu Windsor. In der Seitenansicht erblicken wir ihn in einem

kleinen Gemälde in der Sammlung des Buckinghampalastes (Abb. 52), das

der Entwurf zu sein scheint zu einem großen Bilde, das sich im Schlosse

des Herzogs von Marlborough befindet. Hier reitet der König ein Pferd

von heller Isabellenfarbe, in dem Bilde zu Windsor einen Grauschimmel.

-- In königlicher Ceremonienkleidung ist Karl I. abgebildet in einem

ebenfalls im Schloß Windsor befindlichen Gemälde. Ein anderes Bild

ebendort zeigt ihn als Familienvater mit der Königin und seinen beiden

Söhnen zusammensitzend.

[Illustration: Abb. 56. +Beatrix von Cusance, Prinzessin von

Cantecroix.+

In der königl. Galerie des Windsorschlosses.

Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i.

E. und Paris. (Zu Seite 83.)]

[Illustration: Abb. 57. +Charles Cavendish.+ Im Besitze des Herzogs von

Devonshire zu London. (Zu Seite 83.)]

A. van Dyck · 第 4 / 5 段