Die verschiedenen Gruppenbilder, in denen van Dyck die Kinder des

Königs malte, gehören zu dem Anziehendsten, was der Meister während

seines Aufenthaltes in England schuf. Während man manchen anderen

Gemälden seiner letzten Zeit die Eilfertigkeit der Entstehung ansieht,

sind die Kinder immer mit voller künstlerischer Liebe gemalt. Bei den

Kinderbildnissen läßt sich auch die Entstehungszeit näher bestimmen,

da das Alter der Dargestellten einen sicheren Anhalt gibt, während bei

den Bildnissen des Königs und der Königin meistens die Anhaltspunkte

zur Ermittelung des Jahres, in welchem sie gemalt wurden, fehlen. Auch

von diesen Kindergruppen gibt es eine ganze Menge. Das entzückendste

Juwel darunter befindet sich im Museum zu Turin. Es muß im Jahre 1635,

bald nach der Rückkehr des Meisters nach England, entstanden sein.

Es zeigt die drei ältesten Kinder des Königs, den Prinzen von Wales

(geboren 1630, nachmals König Karl II.), die Prinzessin Maria (geboren

1631, nachmals Gemahlin des Prinzen Wilhelm II. von Oranien) und den

Herzog von York (geboren 1633, nachmals König Jakob II.). Der letztere

kann eben allein stehen, und auch der Prinz von Wales trägt noch

Röckchen und Häubchen. Die drei Kinder stehen ohne inneren Zusammenhang

nebeneinander; der älteste, der schon eine gewisse gesetzte Miene zur

Schau trägt, streichelt den Kopf eines langhaarigen Hundes. Der Reiz

des Bildes liegt neben der liebenswürdigen Auffassung des Kindlichen

hauptsächlich in seiner wunderbaren Farbe. Im Hintergrund sieht man

auf blühende Rosen, und die hübschen Kinder in ihren hellfarbigen

Seidenkleidern wirken selbst wie liebliche Blumen. Um ein Jahr älter

sehen wir die nämlichen drei Kinder in dem köstlichen Bilde der

Dresdener Gemäldegalerie (Abb. 54). Hier stehen die drei farbigen

Lichtgestalten -- der Prinz von Wales schon in Knabenkleidung --

vor einem ruhigeren dunklen Hintergrund. Zwei niedliche gefleckte

Wachtelhündchen von jener Rasse, die am Hofe Karls I. so beliebt war,

daß sie heute noch davon den Namen führt, sitzen neben den Kindern; wie

die Tierchen angebracht sind, sind sie sowohl für das Zusammenwirken

der Farbe, wie für den Linienaufbau der Komposition von Bedeutung.

Ein mit dem Dresdener Bilde übereinstimmendes Gemälde befindet

sich im königlichen Schloß zu Windsor, und ein weiteres Exemplar

derselben Darstellung besitzt Herr Schmetz in Aachen. Es scheint,

daß der König in seiner Freude über die wohlgelungene Kindergruppe

eine zweimalige Wiederholung derselben befahl, damit jedes der Kinder

später ein solches Bild bekäme. Durch die Revolution, der Karl I.

zum Opfer fiel, wurde bekanntlich sein Kunstbesitz in die weite Welt

geschleudert. -- Größer ist die Gruppe der Kinder und reicher die

Komposition in dem im Schlosse Windsor befindlichen Gemälde von 1637,

wovon das Berliner Museum eine in dem nämlichen Jahr angefertigte

Wiederholung besitzt (Abb. 53). Zu den drei ältesten Kindern kommen

hier die kleinen Prinzessinnen Elisabeth und Anna hinzu. Ein Ausblick

in den Park und in die lichte Luft, den ein zur Seite gezogener

dunkelgrüner Vorhang frei läßt, und ein mit mattroter Decke belegter

Tisch, auf dem sich Früchte und glänzende Gefäße befinden, bringen ein

lebhaftes Farbenspiel in den Hintergrund, das mit dem Reiz der hellen

Kinderanzüge und den rosigen Gesichtchen entzückend zusammenklingt. Die

Prinzessin Maria ist ganz in Weiß gekleidet; der Herzog von York, der

noch Röckchen und Häubchen trägt, hat über dem weißen Kleid ein rotes,

gelb schillerndes Jäckchen an; der Prinz von Wales, der als Hauptfigur

in der Mitte des Bildes steht, trägt einen hellroten Anzug mit weißem

Futter in den Ärmelschlitzen und weiße Schuhe mit roten Rosetten;

seine linke Hand ruht auf dem Kopf einer mächtigen Dogge, deren gelbes

Fell einen prächtigen Ergänzungston abgibt zu den stärksten Farben

des Gemäldes: dem Rot des Prinzen von Wales und dem Hellblau, welches

die Farbe des Kleidchens der Prinzessin Elisabeth ist. Die jüngste

Prinzessin sitzt, von dem Schwesterchen gehalten, im Hemdchen auf

einem Stuhl, auf dem über einem dunklen Sammetkissen ein blaßrotes

Tuch liegt; vor den beiden Kleinen liegt ein winziges, weiß und braun

geflecktes Wachtelhündchen.

[Illustration: Abb. 58. +Lords John und Bernard Stuart.+ Im Besitz des

Count Darnley, Abham-House. (Zu Seite 83.)]

Von dem Maße der Inanspruchnahme von van Dycks Tätigkeit durch den

König kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man erfährt, daß

eine erhaltene Rechnung, welche Karl I. im Jahre 1638 begleichen ließ,

nachdem er die von dem Künstler angesetzten Preise zum Teil nicht

unerheblich herabgemindert hatte, dreiundzwanzig bis dahin unbezahlte

Gemälde aufführt, darunter allein zwölf Bildnisse der Königin und

fünf des Königs. Daneben aber malte van Dyck eine unglaublich große

Anzahl von Bildnissen anderer Personen. Von dem gesamten am englischen

Hofe verkehrenden Adel wurde er mit Bestellungen überhäuft, und er

wußte alle seine Auftraggeber durch Meisterwerke zu befriedigen. Ganz

besonders bewunderungswürdige Porträts von Damen finden wir unter den

Arbeiten dieser seiner letzten Zeit. Die Halbfigur der Gräfin von

Oxford, einer munter blickenden Brünette, deren warmfarbige Haut durch

das schwarze Seidenkleid und den aus einer graubraunen Felsenwand und

einem Stück blauer, weißbewölkter Luft zusammengesetzten Hintergrund

zu blendender Wirkung hervorgehoben wird (Abb. 55), und das stattliche

Bild in ganzer Figur der Prinzessin von Cantecroix, die in reicher

Gesellschaftskleidung die Schwelle ihres Hauses beschreitet, auf

der sie ein Hündchen begrüßt (Abb. 56), mögen als bezeichnende

Beispiele dienen. Ein paar vorzügliche Beispiele vornehmer englischer

Herrenporträts aus der Zeit von 1635 bis 1640 bieten das Brustbild

eines später durch schriftstellerische Arbeiten bekannt gewordenen

jüngeren Bruder des Ahnherren der Herzöge von Devonshire (Abb. 57) und

das stolze Doppelbild zweier Jünglinge aus dem Hause Stuart (Abb. 58).

Es sollen sich im ganzen etwa dreihundert van Dyckscher Porträts in

England befinden, der Mehrzahl nach in den Schlössern des Adels, noch

im Besitze der Nachkommen der abgemalten Personen.

Van Dyck würde unmöglich imstande gewesen sein, die Fülle der an ihn

herantretenden Aufgaben zu bewältigen, wenn er nicht mehrere begabte

Schüler sich zu brauchbaren Gehilfen herangezogen hätte; Johann de

Reyn aus Dünkirchen, den er aus Antwerpen mitgebracht hatte, der wegen

seiner Schnelligkeit im Malen angestaunte David Beeck aus Arnheim und

Jakob Gandy, der auch als selbständiger Bildnismaler hoch geschätzt

wurde und später in Irland lebte, werden genannt. Namentlich wird der

Meister die Hilfe der Schüler in den vielen Fällen in ausgiebiger Weise

in Anspruch genommen haben, wo es sich um Wiederholungen handelte;

solche wurden häufig verlangt, zum Zwecke der Verwendung als wertvolle

Geschenke bei Hochzeiten oder sonstigen festlichen Veranlassungen

innerhalb des Verwandten- und Bekanntenkreises der betreffenden

Herrschaften. Über die Art und Weise, wie van Dyck arbeitete, haben wir

ausführliche Nachrichten, die durchaus glaubwürdig sind, da sie sich

auf die Aussagen eines Mannes stützen, welcher dem Künstler persönlich

nahe stand. Der Kunstschriftsteller de Piles erzählt in seinem 1708

zu Paris erschienenen Lehrbuch der Malerei: „Der berühmte, allen

Freunden der schönen Künste wohlbekannte Jabach (aus Köln), der mit

van Dyck befreundet war und sich dreimal von ihm hatte abmalen lassen,

hat mir erzählt, daß er eines Tages zu jenem Maler von der Kürze der

Zeit, die derselbe zu seinen Bildnissen gebrauchte, sprach, worauf

jener erwiderte, er habe sich anfangs stark angestrengt und sich mit

seinen Bildern sehr viel Mühe gegeben um seines Rufes willen und um

zu lernen, dieselben schnell zu machen, in einer Zeit, wo er für das

tägliche Brot arbeitete. Folgendes hat er mir dann über van Dycks

gewöhnliches Verfahren mitgeteilt. Derselbe bestimmte den Personen,

welche er malen sollte, Tag und Stunde und arbeitete nicht länger als

eine Stunde auf einmal an jedem Porträt, sei es beim Anlegen, sei es

beim Fertigmachen; sobald seine Uhr ihm die Stunde anzeigte, erhob er

sich und machte der Person seine Verbeugung, um damit zu sagen, daß

es für diesen Tag genug sei, und verabredete mit ihr einen anderen

Tag und eine andere Stunde; darauf kam sein Kammerdiener, um ihm die

Pinsel zu reinigen und eine frische Palette zurecht zu machen, während

er eine andere Person empfing, der er diese Stunde bestimmt hatte. Er

arbeitete so an mehreren Bildnissen an dem nämlichen Tag, und zwar mit

einer außerordentlichen Geschwindigkeit. Nachdem er ein Porträt leicht

angelegt hatte, ließ er die Person die Stellung einnehmen, welche er

sich vorher ausgedacht hatte, und zeichnete auf grauem Papier mit

schwarzer und weißer Kreide die Gestalt und die Kleider auf, die er

groß und mit auserlesenem Geschmack anordnete. Diese Zeichnung gab er

danach geschickten Leuten, welche er bei sich hatte, um dieselbe nach

den Kleidern selbst, welche auf van Dycks Bitten ihm zu diesem Zweck

zugesandt wurden, auf das Bild zu übertragen. Wenn die Schüler die

Gewandungen, soweit sie konnten, nach der Natur ausgeführt hatten,

ging er leicht darüber und brachte in sehr kurzer Zeit durch seine

Kenntnisse die Kunst und die Wahrheit hinein, die wir daran bewundern.

Für die Hände hatte er gemietete Personen beiderlei Geschlechts, die

ihm als Modelle dienten.“ -- Es ist klar, daß dieser Bericht sich auf

die spätere Zeit des vielbeschäftigten Bildnismalers bezieht. In seinen

früheren Bildnissen hat van Dyck unverkennbar nicht allein das Nackte,

sondern auch die Kleidung und alles Beiwerk durchaus eigenhändig

ausgeführt. Was die Hände betrifft, so zeigen dieselben allerdings

schon auf den Porträts in Genua durchgehends eine gleichmäßige

Zierlichkeit, die mit der sprechenden individuellen Kennzeichnung der

Gesichter nicht übereinstimmt. Doch gibt es auch manche Bildnisse von

ihm, in denen der Charakter der Hände ebenso geistreich und treffend

aufgefaßt ist wie derjenige des Gesichts; besonders ist dies bei den

Künstlerbildnissen immer der Fall.

[Illustration: Abb. 59. +Englische Wappenherolde.+

Zeichnung in der Albertina zu Wien.

Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i.

E. und Paris. (Zu Seite 86.)]

[Illustration: Abb. 60. +Maria Ruthven, die Gattin des Meisters.+

In der königl. Pinakothek zu München.

Nach einer Originalphotographie von Franz Hanfstaengl in München. (Zu

Seite 86.)]

Weiter wird berichtet, daß van Dyck es liebte, nach Schluß des

Tagewerks die Personen, welche er malte, zu sich zu Tisch zu bitten,

und daß bei diesen Mahlzeiten ein Aufwand entfaltet wurde, der

demjenigen der höchsten englischen Aristokratie in nichts nachstand.

Nach getaner Arbeit lebte van Dyck vollständig wie ein Fürst. Seine

Einnahmen waren ungeheuer groß, und er gab mit vollen Händen aus. Es

wird erzählt, daß einst Karl I. während einer Porträtsitzung mit dem

Grafen Arundel über den schlechten Stand seiner Finanzen gesprochen und

dabei scherzweise die Frage an den Maler gerichtet habe, ob er auch

wohl wisse, was eine Geldverlegenheit bedeute. „Ja, Sire,“ soll van

Dyck dem König geantwortet haben, „wenn man offenen Tisch für seine

Freunde und offene Taschen für seine Freundinnen hält, findet man

leicht den Grund seiner Kasse.“

Mit diesem Wort ist die größte Schwäche des großen Malers berührt.

Weiblicher Liebenswürdigkeit und Schönheit brachte van Dyck allzu

sehr ein empfängliches Herz und empfängliche Sinne entgegen. Es

scheint, daß der König selbst darauf bedacht war, der schrankenlosen

Leichtlebigkeit des Künstlers durch eine passende Verheiratung ein

Ende zu machen. Damit bot sich zugleich eine Gelegenheit, einer

zum Hofstaat der Königin gehörigen jungen Dame aus altangesehenem,

aber mittellos gewordenem Geschlecht eine glänzende Versorgung zu

verschaffen. Dieses Mädchen hieß Mary Ruthven. Ihr Vater war Patrick

Ruthven, Graf von Gowrie, der unter der vorangegangenen Regierung in

den Verdacht des Hochverrats gekommen war und lange Zeit im Tower

gesessen hatte; darüber hatte er den Rest seines Familienbesitzes

verloren, und seine Tochter war, ungeachtet ihrer nahen Verwandtschaft

mit einigen der höchsten Familien des Landes, sogar mit den Stuarts

selbst, zu standesgemäßem Lebensunterhalt auf die Hilfe angewiesen,

welche das königliche Haus ihr zuwendete. -- Möglich ist es immerhin,

daß van Dyck mehr als durch äußere Vermittelung durch wirkliche Neigung

zu der hübschen, noch sehr jugendlichen Dame hingezogen wurde. Er

vermählte sich mit Mary Ruthven im Jahre 1639. Daß er seine Gattin

wiederholt im Bilde verewigte, versteht sich von selbst. Ein Kniestück

in der Münchener Pinakothek zeigt uns die anmutige Erscheinung der

jungen Frau, deren feines und regelmäßiges Gesicht eine auffallend

blasse Farbe hat (Abb. 60). Dieselbe ist auf diesem Gemälde mit einem

Violoncell beschäftigt. In der Liebe zur Musik begegnete sie sich mit

ihrem Gatten, der bei den glänzenden Gesellschaften, die er in seinem

Hause um sich zu versammeln liebte, es an musikalischer Unterhaltung

nicht fehlen ließ.

Man glaubt in den Bildnissen, welche van Dyck nach dem Jahr 1635 malte,

eine Abnahme seines künstlerischen Vermögens wahrnehmen zu können. Es

ist ja möglich, daß bei manchen derselben die große Schnelligkeit der

Herstellung und die Mitwirkung der Gehilfen allzu sehr sichtbar werden.

Jedenfalls aber hat der Meister bis an sein Ende in seinen Bildnissen

eine Eigentümlichkeit bewahrt, die er schon bei den in seinen

Jünglingsjahren gemalten genuesischen Porträts entfaltete: das ist der

unvergleichliche Adel der Auffassung, der aus den Gesichtern und aus

jeder Form, wie aus der ganzen Stimmung der Gemälde spricht. Ganz gewiß

besaßen nicht alle die hochstehenden Persönlichkeiten, welche van Dyck

malte, jene innerliche Vornehmheit und jene vornehme Liebenswürdigkeit,

durch die sie im Bilde so anziehend erscheinen. Aber was van Dyck von

den Seelen seiner Modelle in deren Zügen hervorschimmern sah, waren

eben nur die gewinnenden Eigenschaften adeligen Wesens; nicht nur

alles Gemeine, sondern jede ausgeprägte Spur von Leidenschaft lag

außerhalb seines künstlerischen Gesichtskreises. So erfüllte er seine

Bildnisgestalten mit einer vornehmen harmonischen Ruhe der Seele, für

welche die vornehme und ruhige Schönheit der Farbenstimmung -- an sich

ein Wunderwerk der Kunst -- nur als der naturgemäße malerische Ausdruck

erscheint. Daß dabei diese Gestalten in so sprechend naturwahrer und

glaubhafter Bildung, gleichsam lebendig vor uns stehen, dadurch kommen

jene Eigenschaften mit um so größerer Wirksamkeit zur Geltung. Es

liegt ein ganz eigener Reiz in einem van Dyckschen Bildnis. Man hat

vor demselben stets das Gefühl, sich in sehr guter Gesellschaft zu

befinden, und man bekommt die Vorstellung, daß es ein Genuß sein müßte,

sich mit dieser Persönlichkeit zu unterhalten. Daher sieht man sich an

einem solchen Bilde nie müde, mag auch die dargestellte Persönlichkeit

einem ganz unbekannt sein.

Merkwürdig ist es -- wenn auch nicht ohne mancherlei

Ähnlichkeitsbeispiele --, daß van Dyck sich von seiner Tätigkeit als

Bildnismaler, durch die er so unvergänglichen Ruhm erworben hat,

nicht dauernd befriedigt fühlte, sondern im Schaffen großartiger

Historienbilder seinen eigentlichen, nur durch die Umstände verfehlten

Beruf erblicken zu müssen glaubte. Je vollständiger die Menge der zu

malenden Bildnisse seine Zeit in Anspruch nahm, um so heißer entflammte

sich sein Verlangen nach solchen großen Taten. Er suchte Karl I.

zu einem Unternehmen zu gewinnen, welches ihm zur Stillung dieses

Verlangens die ausgiebigste Gelegenheit geboten haben würde. Sein

Vorschlag ging dahin, die Wände des großen Festsaals in Withehall,

dessen Decke im Jahre 1635 den Schmuck Rubensscher Gemälde empfangen

hatte, mit Darstellungen aus der Geschichte des Hosenbandordens zu

bekleiden. Van Dyck soll die Ansicht ausgesprochen haben, daß es am

schönsten wäre, seine bezüglichen Kompositionen nicht in Malerei,

sondern in Gestalt von Gobelins, die in der Teppichfabrik zu Mortlake

gewirkt werden sollten, auf die Wand zu bringen. Der König war dem

Plan nicht abgeneigt. Es entstanden auch einige darauf bezügliche

Entwürfe und Studien -- die kostbare Zeichnung zweier Wappenherolde

des Königreichs Großbritannien in der Albertina (Abb. 59) gehört

hierhin. Aber das Unternehmen scheiterte am Geldpunkt. Wenn man auch

die Angabe eines Schriftstellers, daß van Dyck die Kosten dieser

Wandausschmückung auf 80000 Pfund Sterling -- was nach den damaligen

Wertverhältnissen des Geldes heute einer Summe von nahezu vier

Millionen Mark gleichkommen würde -- veranschlagt habe, für übertrieben

halten mag: der König war jedenfalls nicht mehr in der Lage, hohe

Summen für künstlerische Unternehmungen zu verausgaben. Im Jahre 1640

begannen ja für Karl I. die Wirren und Bedrängnisse, die erst mit

seinem Gang zum Blutgerüst ein Ende nehmen sollten.

Nachdem van Dyck die Hoffnung aufgegeben hatte, für den König von

England ein großes Monumentalwerk der Malerei schaffen zu dürfen,

wollte er sein Glück am französischen Hof versuchen. Er verließ mit

seiner jungen Gattin London im September 1640 und begab sich zunächst

nach Holland, dann nach Antwerpen und von dort nach Paris. Er hoffte,

daß es ihm durch persönliche Vorstellung gelingen würde, den Auftrag

zur Ausführung der von Ludwig XIII. geplanten Ausschmückung der großen

Galerie des Louvre mit geschichtlichen Gemälden zu erhalten. Aber

auch hier wurden seine Erwartungen getäuscht. Ludwig XIII. hatte jene

Arbeit bereits dem Nicolas Poussin zuerteilt, der dieselbe dann später

doch wieder einem anderen, dem Günstling der Königin, Simon Vouet,

überlassen mußte.

In Paris erkrankte van Dyck. Am 16. November 1641 bat er in einem

Briefe, dessen Urschrift noch in einer englischen Autographensammlung

vorhanden ist, um Ausstellung eines Passes für sich und fünf Diener,

seinen Reisewagen und vier Mägde. Da es ihm von Tag zu Tag schlechter

ginge, schrieb er, verlange es ihn mit aller Macht nach seinem Heim

in England; wenn er, wie er hoffe, seine Gesundheit wiedererlange,

so würde er nach Paris zurückkommen, um die Bestellungen, welche der

Kardinal Richelieu ihm zugedacht, entgegenzunehmen.

Seine Frau, die ihrer Entbindung entgegensah, muß bereits vorher nach

England zurückgereist sein. Kurz nach der Heimkehr van Dycks in sein

Haus zu Blackfriars, am 1. Dezember, gab sie einem Töchterchen das

Leben.

Das Befinden van Dycks war inzwischen hoffnungslos geworden. Am 4.

Dezember fühlte er das Nahen des Todes und machte sein Testament.

Fünf Tage später, am 9. Dezember 1641, verschied er. Es wird erzählt,

Karl I. habe seinem Leibarzt eine Belohnung von 300 Pfund Sterling

versprochen, wenn es ihm gelänge, van Dyck am Leben zu erhalten. Im

Tode wurde der Maler durch die Bestattung seiner Hülle im Chor der St.

Pauls-Kirche geehrt. Der Brand dieser Kirche im Jahre 1665 hat die

Gruft vernichtet.

Van Dyck hinterließ trotz des großen Aufwandes, mit dem er gelebt

hatte, ein sehr ansehnliches Vermögen, das zwischen seiner Witwe und

seinen in Antwerpen lebenden nächsten Verwandten verteilt wurde.

Die junge Witwe schloß später eine zweite Ehe mit dem Baronet Richard

Pryse von Gogerddan.

Van Dycks Tochter Justiniana, das einzige Kind seiner Ehe, vermählte

sich mit dem Baronet Johann Stepney von Prendergast. König Karl II.

bewilligte ihr, um die Beträge auszugleichen, welche Karl I. ihrem

Vater schuldig geblieben war, eine Leibrente von 200 Pfund Sterling.

In dieser Familie Stepney lebte die Nachkommenschaft van Dycks bis

zum Jahre 1825 fort. -- Der holländische Maler Philipp van Dyck, der

in der ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts eine umfangreiche, aber

nicht sehr künstlerische Tätigkeit im Bildnisfach entfaltete, steht mit

seinem großen Namensverwandten in keinem Familienzusammenhang.

A. van Dyck · 第 5 / 5 段