bei einer Elementarkatastrophe in Steiermark.
Hört ihr den Ruf erschallen?
Der Charitas Gesang.
Seht ihr die Menschen wallen
Die Straßen froh entlang?
Sie ziehen, traun, dem Rufe nach,
Durch Täler, über Berg und Bach,
Dem Weihesang zu lauschen.
Die Tannenwälder rauschen --
Es wogt der blaue See,
Und Minnelaute tauschen
Das Böcklein und das Reh.
Es schwillt und knospet Trieb um Trieb,
Es blüht die heilige Bruderlieb'
Im schönen Lande Steier.
Wie ernst ist unsere Feier! --
Des Schicksals dunkle Hand
Senkt nieder grause Schleier
Mit Sturm und Blitzesbrand.
Des Landmanns Haus und Feldeshab'
Verwandelt sich zum Wüstengrab. --
Gehört das auch zum Feste?
Ihr hochgeschätzten Gäste,
Ein wohlerwogner Rat:
Der Heimatsehren beste
Ist eine gute Tat.
Hißt auf die Fahnen weiß und grün,
Und laßt das Alphorn schallen hin,
Die Brüder all zu rufen.
Und zu des Altars Stufen,
Die wir der Styria
In heißer Liebe schufen,
Kommt her aus Fern und Nah.
Der Mund für Sang und Bechersrand,
Das Aug' dem Licht, die offne Hand
Den armen Landsgenossen.
Aus Zeiten, längst verflossen,
Ist uns der Väter Art
Ins warme Herz gegossen,
Daß sie die Scholle wart'.
So danken wir in Tat und Spiel,
Daß dieses Land vom Himmel fiel
Und unser Heim geworden.
Und daß nicht durch die Pforten
Zieh' fremder Geist herein,
Der Ahnen Kraft zu morden,
Die Brüder zu entzwein --
Des laßt in Einigkeit uns stark
Der heißgeliebten Steiermark,
Der heiligen Heimat walten.
Und damit nicht erkalten
Die Heimatliebe mag,
Soll nunmehr sich gestalten
Ein froher Steirertag,
Zu zeigen, daß in Glück und Not,
Und wenn den Brüdern Unheil droht,
Wir treu zusammenhalten.
Festgruß.
Geweiht dem Wiener Sängerbunde zu seinem fünfzigjährigen Jubiläum.
Ein Herold im freien Alpenland
Naht brüderlich deutschen Söhnen,
Zu grüßen als Sänger mit schlichtem Wort
Die Sänger mit klingenden Tönen.
Grüß Gott! Grüß Gott! erschall aufs neu
Des Vaterlandes Ehr' und Treu!
Es grüßt euch, Sänger, die blühende Stadt
Mit frohem Festesrauschen,
Bereit, der Menschheit hohem Lied
Von eurem Mund zu lauschen.
In ernster Zeit aus Mannesbrust
Ein froher Sang ist Trost und Lust.
Das Jauchzen des Glücks, das Drohen des Zorns,
Das Gelöbnis zum Bruderbunde,
Es klinge hinaus im dreifachen Lied
Der hehren Weihestunde;
Es wecke Freude, Mut und Kraft
Und dämpfe rohe Leidenschaft.
Den ersten Sang, o singet ihn froh
Im seligen Ahnen und Sehnen,
Er gilt dem Geiste der Ewigkeit,
Er gilt dem Guten und Schönen.
Die Guten und Schönen auch unserer Wahl,
Begrüßet sie minnig im Liedesschall!
Den zweiten Sang, o singet ihn laut,
Er braus' von Geschlecht zu Geschlechte,
Das Schwert in der Hand, so weihet ihn, traun,
Für heilige Menschheitsrechte.
Der Unschuld Schutz, der Freiheit Wehr,
Der Falschheit Trutz, der Wahrheit Ehr'!
Den dritten Sang, Walkürenruf,
Die Schilder kühn geschwungen!
Des Vaterlandes Hochgesang
Erschall von allen Zungen.
Dem deutschen Volk in Fried' und Streit
Mit Herz und Hand in Ewigkeit.
Der Gott, der Eisen wachsen ließ,
Erschuf auch klingende Kehlen,
Und manches, was das Schwert zerriß,
Das Lied kann's wieder vermählen.
Der Schönheit Band, der Freude Gruß
Die Menschen brüderlich einen muß.
Zum Kongreß der Schwachsinnigenfürsorge in Graz.
1908.
Auf dem Wege zum Licht lasset keinen zurück.
Führet jeden mit euch, der vergessen vom Glück.
Dem die Ampel verlosch, dem die Glut nie gebrannt,
Das Kind, das den leitenden Stern nie gekannt,
Sie taumeln in Nacht und Verlassenheit. --
Ihr begnadeten Pilger der Ewigkeit,
Führt alle mit euch in Liebe und Pflicht.
Lasset keinen zurück auf dem Wege zum Licht!
Gruß den Touristen.
Den schönsten Blick in das Weltenrund
Hat man -- ich ward es inne --
Vom tiefen, kühlen Kellersgrund
Und von der Alpenzinne.
Das Leben kann vertieft, erhöht
Den Erdenpilger beseelen,
Gott schütz uns gnädig vor flacher Öd'
Und flachen Alltagsgesellen!
Des Menschen Geist gleich der Blume sprießt
Aus dunkler Tiefe nach oben,
Und unsere Jakobsleiter ist
Aus Fels und Gletschern gewoben.
Die Bergesspitze, sie sei jedoch
Als Endziel nicht unser Eigen,
Wohl ungeahnte Höhen noch
Die Menschheit hat zu ersteigen.
Ihr wandert gehobenen Herzens zu Fuß
Auf himmelansteigenden Wegen.
Ich reite auf hinkendem Pegasus
Dem leuchtenden Ziele entgegen.
Und dort auf der Höhe, wo herrschen zumal
Der Menschlichkeit Taten und Lieder
Im reinen göttlichen Sonnenstrahl,
Dort oben sehn wir uns wieder.
Dichter der Heimat.
Gottfried Ritter von Leitner.
(Zum 90. Geburtstag.)
Der teueren Steiermark hast du dein reiches Leben
In Rat und Tat, in Sag' und Sang gegeben,
Darum der Landesfarbenschmuck in hohen Jahren,
Der grüne Lorbeer auf den weißen Haaren.
Robert Hamerling.
Das höchste Ideal, die glühend heiße Phantasie,
Die größte Lust, den tiefsten, unbegrenzten Schmerz,
Schon eins zu schwer für schwache Erdenpilger,
Gott' legt sie alle in dies Dichterherz.
Ludwig Anzengruber.
(Redakteur des »Figaro«.)
Der größte Tragiker unserer Zeit,
Der muß ein Witzblatt machen,
Ein tragischer Witz, bei meiner Seel',
Man möchte Tränen lachen!
Karl Morre.
Ungezählt und ungewogen
Gab dir Gott mit voller Hand,
Ungezählt und ungewogen
Streust du Schätze in den Sand,
Doch gezählt und wohlgewogen
Wird dein Name sein im Land.
Dichtergassen.
Bauet ihr den Dichtern Gassen,
Baut sie nicht an Häusermassen,
Nicht in staubdurchqualmter Enge,
Wo nach Mammon hetzt die Menge.
Bauet sie durch grüne Auen,
Wo die kühlen Wälder tauen,
Bauet sie nach Bergesspitzen,
Wo beim Mahl die Götter sitzen.
Und wenn euch in Niederungen
Fast ersticken Herz und Lungen,
Laßt den Plunder liegen, stehen,
Folgt den Dichtern zu den Höhen! --
Wer dies Märchen nicht kann fassen,
Der soll alles Dichtergassen-,
Dichterstraßentaufen lassen.
Musiksegen.
(An meinen Sohn.)
Die Musik, sie ist dein Heiland,
Sie ist ein Heiland auch mir,
Wenn sie als treuer Engel
Dich führend bleibt bei dir.
Wenn sie, mein Kind, dich behütet
Vor Lastern, den gemeinen,
Wenn sie dich hebt und leitet
Zu Freuden, zu den reinen.
Zieh unterm Lorbeerzweige
Auf klingendem, seligem Eiland,
Voll Dornen zwar sind die Steige,
Und ein Kreuz trägt jeder Heiland.
Dem Tiere zu Schutz und dem Menschen zu Nutz.
*
Ich hör eine alte Satzung lehren:
O Mensch, du sollst deine Eltern ehren!
Und ein neues Gesetz die Weisung gab:
O Mensch, du stammst vom Tiere ab!
Die Moral davon, die liegt nicht weit,
Du sollst achten die Tiere zu aller Zeit.
Und erkennst du sie schon als Stammeltern nicht,
So ist es als Mensch deine heilige Pflicht,
Den Tieren, die dir ihr Dasein weihn,
Ein gütiger, milder Schutzherr zu sein.
Das Tier hat ein fühlendes Herz wie du,
Das Tier hat Freude und Schmerz wie du.
Das Tier hat einen Hang zum Streben wie du,
Das Tier hat ein Recht zum Leben wie du.
Nicht viel sind dir, Mensch, der Tage gegeben,
Doch kürzer noch ist des Tieres Leben.
Und muß es dein armer Sklave schon sein,
In dunkler Nacht wie im Sonnenschein,
Und opfert es dir seine Kraft und Ruh'
Und wendet dir all seine Neigung zu,
Oder flieht es dich angstvoll, weil es ihm scheint
Du seiest sein allergrößter Feind:
O sei sein Schutzherr! Es kann nicht klagen
Den Schmerz, kann dir seinen Dank nicht sagen.
O sieh sein flehendes Auge an,
Es blickt dich eine verwunschene Seele an.
Schon vor vieltausend Jahren die Alten
Haben deutsam an dem Glauben gehalten:
Die Menschenseele müsse wandern,
Von Tier zu Tier, von einem zum andern.
's ist Wahres dran; der Mensch ist geschaffen
Aus ähnlichem Stoff wie Vögel und Affen.
Die Tierexistenz und das Menschenleben
Ist einem und demselben Geschick untergeben;
Wir haben mit jedem Wurm gemein
Das Kämpfen und Ringen ums irdische Sein,
Und wenn wir auch manches Hohe erwerben,
Wir haben mit jedem Tiere gemein:
Das Leiden und Sterben! Das Leiden und Sterben!
O glaubt mir doch, es nimmt besseren Lauf,
Der Mensch hebt das Tier zu sich hinauf,
Als, er stiege durch Roheit und unreine Taten
Zum niedrigsten Tiere hinab in den Schatten.
Zwei Millionen!
(Gelegentlich der Nationalsammlung[C]).
2000 Kronen = zwei Millionen!
Die Rechnung ergrimmt sie?
Wenn in deutschen Landen auch Deutsche wohnen,
Dann stimmt sie.
2000 Kronen = zwei Millionen!
Darf man das sagen?
Die Deutschen haben das Spiel gewonnen,
Wenn sie es wagen.
2000 Kronen = zwei Millionen!
Die Rechnung ist richtig.
Ich kann auch die Reichen nicht ganz verschonen,
Die Sache ist wichtig.
Zwei Millionen! Öffnet die Börsen
Mutig und heiter!
Sonst dichte ich in diesen erhabenen Versen
Erschrecklich weiter.
[C] Aufforderung, vermögende Deutsche möchten sich verpflichten, dem
deutschen Schulverein in Wien zur Gründung deutscher Schulen an den
bedrängten Sprachgrenzen je 2000 Kronen zu spenden, für den Fall als
1000 solcher Spender sich melden. -- Innerhalb zweier Jahre waren fast
3 Millionen Kronen gezeichnet.
Gruß-Sprüche und Allotrias[D].
[D] Für diese Abteilung würde der Verfasser sich besonders zu
entschuldigen haben. Er wollte aber mit dem Büchlein nichts
Literarisches machen, wollte sich in demselben nur geben wie er ist,
auch im Alltag.
Auf den Wunsch, Neujahrsgratulationen zu dichten.
Die Dichter sollen, traun, mit ihren Lichtern
Dem Volk zum neuen Jahre gratulieren?
O lausche, deutsches Volk, den deutschen Lyren,
Dann gratulier dir selbst zu deinen Dichtern.
Der Meisterschütz.
1889.
Einen Schuß in Ehren
Kann mir niemand verwehren,
Etwas treff' ich immer.
Treff' ich schon die Scheibe nimmer,
Schieß' ich halt der Luft ein Loch,
Etwas treff' ich doch. --
Böcke schieß' ich mir zum Preis,
Fällt der Bock nicht, fällt die Geiß,
Oder gar ein junges Kitz,
Treffen, treffen tu ich immer,
Denn ich bin der Meisterschütz'.
An Alexander Girardi.
1899.
Ich gratulier' zum kleinen Bubn,
Ist Glück nicht süßer noch als Ruhm?
Buchwidmung an die Schwiegermutter.
1899.
In diesem Buch man finden kann,
Wie der Schwiegersohn schön dichten kann.
Er dichtet früh, er dichtet spat,
Und wenn er just Courage hat,
So dichtet er, der tapfre Mann,
Sogar -- die Schwiegermutter an.
Die Schwieger --? Wie? Gemach, gemach,
Sie ist danach.
Nachhall.
1899.
In deiner schönen Heimatstadt
Da blieb ich über Nacht,
Und als das Mühlrad rauschend ging,
Und als mich milder Traum umfing,
Da hab' ich deiner gedacht.
In deiner schönen Heimatstadt
Da gab es einst fröhliche Zeit,
Die Jugend hat uns angelacht,
Die erste Liebe war erwacht,
O selige Tage -- wie weit!
In deiner schönen Heimatstadt
Es ewigen Frühling gibt,
Und was, o Freund, einst unser war,
Genießt heut eine junge Schar
Und lebt und lacht und liebt.
Zum 28. August 1900.
Du dünkst dich alt, so klagst du mir,
Und ist doch so viele Jugend in dir.
Das Klagen, das magst du sparen!
Eine vierzigjährige junge Frau,
Die gibt -- ich rechne ganz genau --
Zwei Mädchen von zwanzig Jahren.