Auf die Einladung

zu einer Kirchenbaufeier auf dem »Ölberg« in M. (1900.)

Am Ölberg sein, um Blut zu schwitzen,

Da blieb' ich allwegs lieber fern,

Doch in Bethanien Festwein blitzen

Am Ostertag, das tät ich gern.

Indessen, wollen wir nicht warten,

Eh' aus dem Hals der Stoppel springt,

Bis auf des Ölbergs hehrem Garten

Vom Turm die erste Glocke klingt?

Zwar tät es not, daß wir uns laben

Zu dieser kampfesheißen Frist.

Doch Feste wollen wir erst haben,

Wenn unser Werk vollendet ist.

An T. Sch.

1900.

Zu dir bin ihs gonga,

Zu dir hots mih gfreit,

Zu dir geh ihs öfter,

Koa Weg is ma z weit.

Koa Weg is ma z weit

Und koa Steg is ma z krum,

Koa Glos is ma z tiaf

Und koa Gspoaß is ma z dum.

Koa Gspoaß is ma z dum

Und koa Red is ma z gscheit,

Mei Toni, ba dir

Hots mih ollemol noh gfreut.

Schlaraffia.

1901.

Schlaraffenbrüder, lu lu!

Ich bring' euch den Humpen, ehe!

Ihr merkt es schon, Sassen, aha!

Ich möchte ins Reich Uhu

Und kann nicht zu euch, oho!

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Willst du, Freund, der Weisheit viel erfahren,

Geh' zu Seiner Majestät, dem Narren.

Was dich lehrt bombastisch der Lektor,

Das =lebt= der =Narr= dir lachend vor.

Dem Verein der Künstler in Wiesbaden auf eine Sendung.

O heiliger Becher goldenen Weins!

Bist du nicht zwei, so bist du mir Eins.

Nun sei auch mein flinker Pegasus,

Der froh überbringt den Dankesgruß

Bis nah den Gestaden von Mainz.

Dort lasse dich nieder auf Wiesbadens Flur,

Und biet einen Bruderkuß dar von der Mur

Den Männern des Künstlervereins --

O Tropfen, der mich erquickt und beglückt,

O Flamme, die mich berückt und entzückt,

Im seligen Taumel des Seins.

Kein Trunk hat mich jemals so lodernd entfacht,

Als du, mich den Göttern so nahe gebracht,

Voll wonnig olympischen Scheins.

-- Ich trinke euch zu, ich jauchze euch zu!

Ich preise dich, feurige Labe du,

Allheitere Seele des Rheins!

Der Tischgesellschaft.

1901.

Ach wie wär's im Kruge lustig,

Doch zu Hause bleiben mußt' ich,

Hab's ein bißchen auf der Brust ich.

Traun, die halben Nächte pfauch' ich

Und die andern halben hust' ich.

Abschied vom Krug.

Es war einmal 'ne schöne Zeit,

Da saßen wir zu zehnt, zu zweit

In Kleinoscheggers Weinlokal.

Es war einmal.

Nun bin ich traun ein Patient

Und fürcht', der Krug, der hat ein End',

Er ging zum Brunnen sonder Zahl.

Er war einmal.

»Es war einmal« wird immer neu,

Was wir erlebt, das bleibt uns treu

In dichtender Erinnerung

Damit genung.

Einem mit dem Verdienstkreuz Ausgezeichneten.

1901.

Wer oft und treu das schwere Kreuz

Mit andern hat getragen,

Den muß man an der Ehre Kreuz

Mit goldnen Nägeln schlagen.

An einer Wiege.

1902.

Die alten Zeiten

Kehren wieder,

Wo mir erklungen

Die süßen Lieder.

Ein kleines Kindlein

Tat ich liegen,

Nun schläft ein anderes

In dieser Wiegen.

Ich seh's im Traume

Lieblich lachen,

O möcht' es nimmer

Daraus erwachen!

Wegen einer Vorlesung.

1902.

Wenn ich schon lesen soll,

Les' ich am Sonntag.

Wann wär' ich gänzlich wohl?

Wann hätt ich Schontag?

Husten und schnaufen ist

Jetzt mein Beruf,

Hoff', daß es besser wird,

Freund Toni Schruf.

Sollt sich's verschlimmern, so

Schreibt dir der Peter,

Dann geh zum Tischl du

Als sein Vertreter[E].

[E] Entgegnung.

So sei denn vom Himmel die

Gnade erbeten:

Es mög' mein' Gesundheit

Dein Kranksein vertreten.

Vertreten in dir, du

Mein Herzherzensdichter,

Man hört nicht gern mir zu,

Wenn's heißt: Heute spricht er.

Und nun kömmt die Hauptsach'

(Die soll auch dabei sein):

Man hört mich wohl an, doch,

Der »Eintritt« muß »frei« sein!

Dein Toni.

Sehnsucht nach Bayreuth.

1902.

Die sitzen jetzt beim Göttermahle

Und atmen Liebe hehr und rein,

Wie möcht' ich dort im Speisesaale

Beim großen Tor -- der größte sein.

Der größte Tor, der größte Weise,

Der heilige Weltbesieger Christ,

Deß' Herzenskraft und Seelenspeise

Die Einfalt und die Liebe ist.

Zur Urkunde im Schlußstein des Veitscher Schulhauses.

1903.

Wir bauen dies Haus in stürmischer Zeit,

Die Geister gären und liegen im Streit.

Die Seelen sinken und suchen nach Licht,

Durchwühlen den Erdball und finden es nicht.

Wir weihen dies Haus dem göttlichen Geist,

Der wieder die Menschheit gen Himmel weist.

Widmung in ein Buch.

1903.

Ein neues Buch. Doch brauchst du's nicht zu lesen.

Man kann auch so zur Weltweisheit genesen.

Man sagt dem edeln Spender besten Dank!

Und stellt's, statt in den Kopf, bloß in den Schrank.

An Ferdinand v. Saar.

1903.

Im irdischen Tal

Sind wir uns begegnet

Ein einziges Mal,

Doch das war gesegnet.

Seither entschwunden

Bist du mir nimmer,

Und jene Stunden

Währen noch immer.

Einzig nur trennen uns

(Läßt sich's ereilen?)

Zehen der Jahre,

Zwanzig der Meilen.

Der Königin Elisabeth.

1906.

Gütige Frau und Fürstin,

Wie müßte die Krone dich drücken,

Läg' drunter der Lorbeerkranz nicht

Auf der glühenden Stirn.

Der Urania in Wien.

Das Nützliche weihet mit Schönheit,

Die Schönheit mit Würde,

So gründet auf Erden ihr kühn

Der Urania Reich.

Auf Einladung zu einer Scheffelfeier.

1903.

Ich ehre den Dichter nach meiner Art,

Und das ist die schönste Scheffelfeier.

Weißt du, worin sie besteht, mein Treuer?

Ich lese zu Hause den »Ekkehardt«.

Einem Sprachvereinsfeste.

Nun schärfet den Spaten

Und furchet sein wacker

Den siechenden Acker

Der kahlköpfig glatten

Vertrockneten Sprache.

Und streut in die Brache

Papierner Mache

Die kräftigen Saaten

Lebendiger Mundart.

So wie sie uns kund ward

Von ackernden Alten,

So sollen sie erndende

Enkel erhalten!

Widmung ins »Sünderglöckel«.

1903.

Wenn das Sünderglöcklein läutet,

Brauchst du, Freund, nicht zu erschrecken,

Zwar, die Schelme soll es necken;

Arme Sünder soll es wecken;

Aber keinen soll's verletzen,

Und die Guten soll's ergötzen.

Einem Künstler.

Die Natur ist des Stoffes gefesselte Sklavin,

Sie muß wahr sein, auf Kosten der Schönheit.

Die Kunst ist des Himmels freiwaltende Tochter,

Sie darf schön sein auf Kosten der Wahrheit.

An Martinelli zum 70. Geburtstag.

1904.

Du grüßtest mich zu Sechzig,

Denn was sich liebt, das neckt sich.

Ich grüße dich zu Siebzig,

Denn was sich neckt, das liebt sich.

An Fräulein E. B.

1905.

Dein Hans ist ernannt nun zum Doktor der Rechte.

Und ist er für dich auch der Doktor, der rechte,

So reicht euch, wie's recht ist, fürs Leben die Rechte.

An die »Kritik der Kritik«.

1905.

Die Kritik kritisieren?

Den Löwen beißen?

Dummes Schaf, er wird dich zerreißen.

Nichts ist so wütig, so impertinent,

Als ein kritisierter Rezensent.

Richard und Luise.

Zum »hölzernen« 10. Hochzeitstag 1905.

Die diamantne Hochzeit ist die beschwerlichste,

Weil sie so hoch in den Jahren hängt,

Die goldne Hochzeit ist die herrlichste,

Weil in dem Gold noch die Myrte prängt.

Die silberne Hochzeit ist die entbehrlichste,

Weil noch die Liebe zusammenzwängt,

Die eiserne Hochzeit ist die begehrlichste,

Weil noch das Blut in den Adern drängt.

Die =hölzerne= Hochzeit ist die gefährlichste,

Weil sie am leichtesten Feuer fängt.

Hochzeitsgruß.

Ich seh' die lieben jungen Leut'

Mit seligsüßem Blick lachen,

Man kann aus kurzer Seligkeit

Ein lebenlanges Glück machen.

Die Lieb' allein ist nicht genug,

Man muß es mit Geschick machen.

Und seid ihr liebevoll und klug,

So wird euch Gott die Brück' machen.

Habt Nachsicht mit Roseggers Gruß,

Er kann kein schöneres Stück machen.

Tafelgruß zu einer Vermählung.

So steht's geschrieben denn:

Heil sei den Liebenden,

Die heut im siebenten

Himmel frohlocken.

Lasset nun diese Zwei

Im Paradiese frei

Wundersam süße Mai-

Blümlein brocken.

Doch ist's leicht selig sein,

Wenn uns den Himmel ein

Andrer gebaut.

Denk' ich dein, lobesams

Stammhaus des Bräutigams,

Denk' ich dein, Stammhaus

Der lieblichen Braut.

Segle nun frohgemut,

Schifflein, auf hoher Flut,

Unter den Sternen der Liebe und Treu.

Ich will zu dieser Stund'

Preisen der Eltern Bund,

Leuchtendes Vorbild der glücklichen Zwei

Preise, mein Weihgesang,

Waldsängers Treugesang,

Preise den Schöpfer

Der künftigen Welt.

Was einst in Fleiß und Recht

Erntet ein neu Geschlecht,

Haben weitschauende

Ahnen bestellt. --

Grenzstein der neuen Zeit

Und der Vergangenheit

Ist der zur Trauung

Geschmückte Altar.

Wenn ich des Rheines Reb'

Urdeutschen Wein erheb',

Grüß ich dich, junges,

Dich, älterlich Paar.

Heil sei den Preislichen,

Die hier am häuslichen

Herde warm hocken!

Heil sei den Liebenden,

Die heut im siebenten

Himmel frohlocken!

Euch eint, ihr Ziehenden,

Der mit dem glühenden

Hammer des Herzschlags

Geschmiedete Ring.

Haltet den Talisman,

Der euch das Glück gewann,

Nimmer den goldnen

Hüter gering.

Segle nun, frohgemut,

Schifflein, auf hoher Flut,

Segle ins wogende

Leben hinaus.

Unsere Liebe zieht,

Paar, als dein Engel mit

Ein in dein alpen-

Umfriedetes Haus.

Einem dramatischen Volksführer.

1905.

Das Volk bringst leicht du

Zum Lachen und Weinen,

Zum Jubeln und Greinen;

Zum launigen Spiele,

Es hüpft und es kriecht.

Froh dorthin, o Dichter,

=Wo= du es haben willst,

=Wo= du es retten kannst,

Bringst du es nicht.

Flüchtiges.

Eine kurze Zeit wohl möcht' ich leben

Auf der Erde und dann selig sein.

Ohne Leid zu kennen, dürfte eben

Wahre Lust mir nicht recht stellig sein.

Auch der Himmel braucht vom Gegensatze,

Will er uns so ganz gefällig sein.

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Das Heute war gestern: morgen,

Und morgen ist es schon: gestern.

Es lohnt sich nicht, um zu sorgen,

Nicht, um zu loben, zu lästern.

Die Freude an gestern, die Sorge um morgen,

Sind zwei müßige Schwestern.

Sylvester.

Wie? Zur mitternächtigen Stunde

Hör' ich laute Kreise tagen?

Sylvestergläser klingen,

Sylvesteruhren schlagen.

Essen, trinken, spielen, scherzen!

Ohne Sorge, ohne Reue

Taumeln sie von Jahr zu Jahre,

Und vom alten in das neue.

Ob auch ich dabei bin? -- Nein.

Lasset mich mit mir allein.

Einsam in der Scheidestunde

Will ich Glücks und Leids gedenken,

Muß ich doch ein Stück von meinem

Leben in die Grube senken,

Muß ich doch mein wundes Herze

In die fremde Zukunft tragen.

Ist's denn möglich, daß man scherze,

Wenn verhüllte Zeiten tagen? --

Diese Weihestund' ist mein.

Lasset mich mit mir allein.

Nagelprobe.

Die irdene Schale ist nun leer.

Ich hab' mich restlos euch gegeben.

Ich legte mich in euer Leben,

Dem Tode bleibt nichts übrig mehr.

Mein Lied · 第 20 / 21 题