erweisen und sicherer +als das Wasser+: es kühlt, es löst auf, es
wäscht aus.
Johann ging zur Beerdigung seines Bruders, der am Typhus gestorben war.
Unvorsichtigerweise zog er ein Kleidungsstück des Verstorbenen an, und
nach wenigen Tagen erfaßte auch ihn der Typhus im höchsten Grade. Groß
war die Hitze, noch größer die Bangigkeit. Neben die Bettlade hatte
sich Johann rasch eine +Wasserkufe+ stellen lassen. Sobald die Hitze
und die Bangigkeit recht fühlbar wurden, ging der Kranke ins Wasser
auf höchstens eine Minute. +Er setzte sich in die Kufe+, so daß das
Wasser bis in die Magengegend reichte, wusch schnell mit einem groben
Handtuche den Oberkörper, zog rasch, ohne abzutrocknen, ein frisches
Hemd an und legte sich wieder ins warme Bett. Drei Tage tat er also,
jeden Tag drei- bis fünf- oder sechsmal. Eine Uhr hatte er zu diesem
Zwecke nicht nötig. Die Fieberhitze war ihm die Badeuhr: den ersten Tag
zeigte sie auf sechs, den zweiten auf drei, zuletzt auf ein einmaliges
Eintauchen. In fünf Tagen war alle Gefahr vorüber. Doch jetzt ergriff
der Typhus die Frau des Genesenden. Sie wandte dieselbe Kufe, welche
der Mann gebraucht hatte, als Badewanne an. In wenigen Tagen war auch
bei ihr das Übel geheilt.
+Das Getränk+ beider Kranken bildete das Wasser, auch gestandene
(geronnene Milch). +Gegessen wurde gar nichts+, bis geweckter Appetit
eintrat. Dann spazierte bei den armen Leutchen auf: +Brotsuppe+,
+Milchsuppe+, +Brennsuppe+, auch ein Kartöffelchen, selbst zwei
schadeten nicht im geringsten. Nach wenigen Tagen erfolgte die Rückkehr
zur gewöhnlichen Kost.
+Max+, ein halber Riese, besuchte den am Typhus erkrankten Schwager
Johann; er glaubte, so eine Krankheit könne ihm nichts anhaben. Nach
acht Tagen indessen bricht die Riesenkraft, und der Heldenmut macht
sich Luft in Jammertönen. „Ich kann nicht mehr gehen, nicht mehr
stehen; mich drückt’s, und nach allen Seiten tut’s mir weh.“ Er hat den
Typhus gefangen.
Eine Badewanne besaß Max nicht, wohl aber ein größeres Holzgefäß. Da
kniete er hinein und wusch sich mit einem rauhen Handtuche und dem
kältesten Wasser (in zirka einer Minute) den ganzen Körper, +so oft die
Hitze einen hohen Grad erreichte+.
+Acht Tage+ setzte er diese Kur fort. Nach sechs Tagen verlangte er
schon nach der Suppe; nach zehn Tagen stand er auf und hatte in kurzer
Zeit die verlorenen Kräfte wieder erlangt. Der Genesene ward später
andern gleichfalls an Typhus Erkrankten ein kundiger Lehrmeister.
Zu einer Zeit, in welcher innerhalb fünf Wochen ungefähr 20 Personen
durch die oben beschriebenen Anwendungen geheilt und gerettet wurden,
erbte auch ein +zweijähriges Kind+ den Typhus. Niemand hatte geglaubt,
daß das zarte Geschöpflein dem Tode entrinnen würde. So oft es recht
jammerte und weinte, tauchte es +die Mutter bald in etwas (durch warmes
Wasser) gemildertes Wasser+ mit folgender Abwaschung, oder sie wickelte
das Kleine in Linnen ein, welches in lauwarmes Wasser getaucht war.
Nach zwölf Tagen war das kleine Wesen wieder frisch.
Solchen Kranken, die leicht ein erstes Erschrecken ganz von dem kalten
Wasser abwendig machen könnte, +gestatte ich sehr gerne gemildertes,
etwas gewärmtes Wasser+ zu den Anwendungen, lediglich aus dem soeben
angegebenen Grunde. Immer bleibt im +allgemeinen das frischeste
Wasser das zur Anwendung beste+, sei es Brunnen-, Bach- oder
Quellwasser.
+Ein Mädchen+ wird aus dem Institute heimgeschickt. Es klagt über
heftiges Kopfweh, raschen Wechsel von Hitze und Kälte und ziemlich
starkes Abweichen. Zum Arbeiten, Gehen ist das Kind unfähig.
Am ersten Tage wusch man der Kranken +dreimal Rücken+, +Brust+ und
+Unterleib+ und band einmal zwei Stunden lang ein +nasses Handtuch
auf den Unterleib+. Den zweiten Tag nahm sie +Halbbäder+ mit Waschung
des Oberkörpers, so oft die Hitze dieses verlangte. Am dritten Tage
genügten bereits zwei, am vierten ein solches Halbbad. Das Kind war
außer Gefahr und schnell wieder frisch.
+Mehr denn ein Dutzend Fälle+ könnte ich aufführen, in denen Kranke,
die nach allopathischen und anderen Methoden behandelt wurden,
+schließlich so armselig+, +so blut-+ und +säftearm+, +so ausgezehrt+
wurden, daß sie sich gar nicht mehr recht erholten. Die fatalen
Betäubungsmittel, das teure Chinin usw. hatten den Magen insbesondere
in den miserabelsten Zustand gebracht.
Solchen +überaus geschwächten Typhus-Rekonvaleszenten+ rate ich
gewöhnlich, sie sollen +drei- bis viermal+ im +Tage eine kleine Tasse
Wermuttee+ trinken, bald werden sich reichliche und gute Magensäfte
bilden; dann mögen sie sich +täglich drei- bis viermal Rücken+, +Brust+
und +Unterleib+ kräftig mit +Wasser+ und +Essig+ waschen lassen.
Freilich gehört eine große Entschlossenheit dazu, besonders wenn
der Herr Patient den sogenannten gebildeten Kreisen angehört, das
allgemein gefürchtete Wasser anzuwenden. Zarten Seelen, welchen diese
mit gewisser Vorliebe sogenannte „Roßkur“ leise Ohnmachtsanfälle
bereiten könnte, gebe ich den Rat, sie mögen +einen Schwamm+ nehmen,
ihn in kaltes Wasser eintauchen und sich damit +Brust+ und +Unterleib+
waschen, wie sie jeden Morgen sich Gesicht und Hände waschen. Tun
sie dieses nur einen Tag lang, sie werden recht bald die wohltuenden
Wirkungen verspüren und mit Mut und Vertrauen auch ihren Rücken und die
anderen Körperteile dem Wasser anbieten.
Wem auch solches zu hart, zu arg und zu mühsam ist, der tue, wie er
wolle. Die Folgen hat der Patient selbst allein zu tragen.
Große Angst befällt die +Vorsteher einer Anstalt+, wenn in einem
Hause oder gar in einem Institute so eine ansteckende Krankheit
aufkommt. Ohne Übertreibung behaupte ich: Wenn in einem Schlafsaale
10 Kinder liegen, und es bekommt eines den Typhus, sicher wird bei
dieser Behandlungsweise mit Wasser kein zweites Kind angesteckt werden.
Die Ansteckung geschieht ja meistens durch die ungesunde Ausdünstung
des Körpers. Nach unserer Methode aber saugen die nassen Tücher
diese ein und ersticken so die Ansteckungsstoffe im Keime. Bei stets
erneuter reiner Luft ist der Atem nicht besonders zu fürchten. Daß die
+Exkremente+ solcher Kranken stets so schnell als möglich entfernt
und, wenn immer tunlich, an separaten Orten ausgeschüttet werden
müssen, versteht sich von selbst.
* * * * *
Ein +Franzose von Stand+ schreibt wörtlich: „Während mehrerer
Jahre litt ich an Rheumatismus und hatte einen sehr starken Nasen- und
Rachenkatarrh, der mir die eustachische Röhre angriff und dadurch das
Gehör beschädigte.
In den Jahren 1877 und 1878 nahm ich während zweier Monate Douchen
von Schwefelwasser in ~Aix-les-Bains~ in Frankreich, aber ohne den
geringsten Erfolg.
Im Jahre 1879 riet man mir, den Lebenswecker von Baunscheidt zu
probieren; ich folgte diesem Rat und unterzog mich 5-6 Wochen
lang einem wahren Martyrium; denn jede Woche setzte man mir diesen
Lebenswecker auf den ganzen Rücken, ins Genick und hinter die Ohren.
Dieses brachte die schöne Wirkung hervor, daß mein nervöser Zustand und
mein Katarrh wenigstens um die Hälfte zunahm!!
Im Juli 1879 ging ich zum besten Ohrenarzt in Straßburg, auch dieser
fand kein Mittel, meinen Nasen- und Rachenkatarrh zu beseitigen. Da
mein Gehör krank war und der Katarrh sich immer mehr fühlbar machte
in der eustachischen Röhre, so suchte ich überall nach einem Arzt,
der mir helfen sollte. Durch eine besondere Gelegenheit kam ich nach
Aachen, wo ~Dr~. Schw. (Kehlkopfarzt) mir angeraten wurde.
Dieser versuchte, binnen 3-4 Wochen mich zu heilen durch Ätzen mit
Höllenstein. In der dritten Woche bekam ich den +Typhus+, wie ich
meine, infolge der allzu großen Nervenreizung, welche das Ätzen des
Höllensteins mir verursachte. Es war der schlimme +Fleckentyphus+,
der mich so heftig angriff, daß ich 41,2 Grad Fieber bekam. Als
Blutungen eintraten, verzweifelte man an meiner Rettung. Von den vielen
Einspritzungen verschiedener Giftmittel will ich hier gar nicht reden.
Nach sechs Wochen kam ich wieder zum Leben zurück, aber eine
vollständige Genesung trat nicht ein. Seit dem Typhus (Spätjahr 1879)
war ich in einem fortwährend leidenden Zustande; Magen und Unterleib
waren sehr angegriffen. Die leichtesten Speisen taten mir wehe, und
Stuhlgang hatte ich nie ohne Klistier. Ich war so reizbar, daß ich mir
bei der geringsten Aufregung nicht zu helfen wußte. Nie konnte ich vor
12 Uhr nachts zur Ruhe kommen. Infolge des Typhus hat auch mein Katarrh
und die Ohrenkrankheit sehr zugenommen. Fast war ich taub geworden.
Im Jahre 1880 ging ich nach Paris zu dem berühmten Ohrenarzt ~Dr.~
D. -- ohne Erfolg. Von Paris ging ich nach Lyon zum Ohrenarzt
~Dr.~ I., alles ohne den geringsten Erfolg.
Alles Inhalieren, alles Ätzen, das ich wieder während 5-6 Wochen
anwandte, half nichts. Im Jahre 1881 brachte ich fünf Monate im Spital
zu Straßburg zu. Der Arzt wollte vor allem den Magen und Unterleib
heilen. Aber man wußte mir schließlich nichts weiter zu verordnen als
eine Milchkur, mit der ich viele Jahre lang erbärmlich durchkommen
mußte.“
Soweit der Kranke, der, als er bei mir ankam, nur noch einer wandelnden
Leiche glich. +Mag wohl das Wasser in solchen verzweifelten+ und
+veralteten Fällen+ noch +Hilfe+, wenigstens +Linderung bringen+?
Wir antworten mit einem kühnen „Ja“. +Die ersten Anwendungen+ müssen
selbstverständlich +auflösender+ Natur sein und besonders +auf Kopf+
und +Füße+ wirken. Nebenbei muß auf Auflösung im Innern eingewirkt
werden. Auch stärkende Anwendungen können dazwischen hineinfallen. Die
+Anwendungen+ waren der Reihe nach ungefähr +folgende+: +Kopfdampf+,
24 Minuten lang, mit darauf folgendem Ober- und Unterguß, +Fußdampf+,
+Ober- und Unterguß+, +kurzer Wickel+, +Kopfdampf+, +Ober- und
Unteraufschläger+, +kurzer Wickel+, +warmes Bad+ mit einem Wechsel ins
+kalte Bad+, +Kopfdampf+, +Ober- und Unteraufschläger+. +Auf jeden Tag+
fiel eine oder (je nach Befinden des Patienten) +zwei Übungen+. So
wurde 3-4 Wochen lang fortgefahren. Darauf folgten einige Zeit hindurch
+wöchentlich+ noch +zwei Ganzwaschungen+, am besten nachts vom Bette
aus, außerdem +jede Woche ein Halbbad+, ein bis zwei Minuten lang.
+Nach innen+ beschleunigten die Heilung zwei bis drei +verschiedene
Tees+, die abwechselnd genommen wurden.
Die Tees bestanden aus Mischungen von Schafgarbe, Salbei,
Johanniskraut, drei bis viermal in der Woche eine Tasse; von
Wacholderbeeren, Spitzwegerich (ebenso genommen).
+Zwei Bemerkungen+ erachte ich an dieser Stelle noch für angebracht.
Bei unserem Falle war besonders auf +reichliche Transpiration+ zu
sehen, da viele der im Krankenbilde erwähnten +Störungen+, wie die
verzerrten Gesichtszüge und die aufgedunsene, schwammige Masse, klar
auf Anstauungen und Verhärtungen schließen ließen, die zum Teil nach
außen sichtbar zu Tage traten, zum Teil versteckt im Innern lagerten.
Bei den Anwendungen findet sich der +Fußdampf nur einmal, der Kopfdampf
öfters. Warum das?+ Der Kopf war aufgedunsen, die Füße der Hünengestalt
spündeldürr. Auf den Kopf durfte der Dampf, ohne Schaden fürchten zu
müssen, wiederholt wirken -- er fand sein Arbeitsfeld. An den Füßen war
nichts zu tun, sie waren schon mager genug, und die verlorene Wärme
an denselben mußte durch andere Mittel wieder hergestellt werden. In
derlei Fällen läßt sich mit den Dämpfen, die stets Vorsicht erheischen,
nicht spassen. Bis zur Schwindsucht haben derlei geschwächte Naturen
ohnedies nur einen Schritt.
Der Herr schied mit großem Danke und in sichtlicher Besserung.
Unterleibsentzündung
siehe oben Seite 210.
Unterleibsverschleimung.
Es kommt ein Herr und erzählt: „Ich habe beständig große Schmerzen in
der Nierengegend; es wird mir oft fast unerträglich. Die Ärzte, deren
ich mehrere hatte, erklären es als Nierenleiden und Anschoppungen im
Unterleibe; ich fühlte auch stets mehr oder weniger starken Drang
nach oben, hatte viel Reiz zum Erbrechen, heftiges Kopfleiden, viel
Schwindel, weiß mich oft kaum recht zu halten, viel Säure im Magen;
es geht sehr wenig Urin ab; ohne Fußschmerz bin ich gar nie, und
stehen kann ich nur ganz kurze Zeit. Ich habe viel Schweiß und große
Müdigkeit; meine Gesichtsfarbe ist stets abgestanden. Ich bin etwa
vierzig Jahre alt.“
Der gute Herr hatte wirklich allen Mut verloren, und weil alle
Medikamente ihm nichts nützten, suchte er Hilfe durchs Wasser.
Die Anwendungen waren folgende: 1) Täglich zwei Obergüsse und zwei
Kniegüsse; späterhin 2) täglich ein Rückenguß und zwei-, auch dreimal
täglich im Wasser gehen, öfter ein bis zwei Stunden lang auch im
nassen Gras. Es war warme Sommerszeit; deshalb konnten die Anwendungen
verdoppelt werden. Es ging außerordentlich viel Urin ab; der Brechreiz
ließ schon am zweiten Tage nach; die Farbe änderte sich, und wie neue
Frische, so trat auch neuer Mut und neues Leben ein. In 14 Tagen war er
vollständig hergestellt. Wäre die Sommerszeit nicht gewesen, hätte die
Kur vielleicht 14 Tage länger gedauert.
Veitstanz.
Ein Vater erzählt: „Ich habe eine Tochter, die jetzt 10 Jahre alt ist,
und die von klein auf nie ganz gesund war. Das Zahnen war für das
Mädchen so hart, daß man glaubte, sie müsse sterben. Zudem wurde ein
Fuß dünner als der andere. Jetzt hat dieses Mädchen den Veitstanz; es
kann nicht essen und nicht schlafen, und es ist schauerlich anzusehen,
wenn die Krämpfe kommen. Ich habe bei vielen Ärzten Hilfe gesucht, aber
der Zustand wurde immer schlimmer.“
„Guter Mann, siedet Grummet eine halbe Stunde lang mit Wasser, nehmt
ziemlich viel, so daß das Wasser recht dick wird, tut etwas Salz daran,
taucht ein grobes Hemd in das Wasser, windet es aus und zieht es so dem
Kinde an; wickelt dann das Kind in eine Wolldecke gut ein und laßt es
eineinhalb Stunden darin liegen; wenn es schläft, bis es aufwacht, auch
wenn die zwei Stunden vorüber sind. Macht es acht Tage hindurch täglich
zweimal so, dann bringt Nachricht!“
Nach acht Tagen kam der Mann und erzählte: „Das Mädchen hat einen
fürchterlichen Ausschlag am ganzen Körper, besonders auf dem Rücken und
auf der Brust, aber es wird ganz heiter, es tut ihm nichts mehr weh,
die Krämpfe sind beseitigt, und das Mädchen kann gut schlafen, bekommt
schon Appetit. Was soll ich jetzt noch weiter tun?“
Antwort: Gebt dem Kinde alle drei Tage das Hemd nochmal an wie bisher;
und noch vierzehn Tage so fortgemacht, wird das Kind gesund sein. Gebt
ihm auch noch diese Tropfen, jeden Tag ungefähr zwanzig Tropfen in
Wasser, wie bisher. (Die Tropfen sind aus Wermut, wie in der „Apotheke“
oben S. 112 angegeben ist.)
Verbrennungen.
Ein Bauernhaus brannte nieder. Der Bauer fiel bei der Rettungsarbeit
ins Feuer und verbrannte sich Gesicht und Hände derart, daß er
jedermann unkenntlich wurde. Der Arzt überlegte die Brandstellen, auch
den total verwüsteten Haarboden mit mehreren Pflastern. Von den Fingern
und dem halben Arm hingen Haut und Fleisch in Fetzen herunter. In
halber Verzweiflung und in rasenden Schmerzen flehte der Unglückliche
um den Tod, daß er doch erlöst würde. Der Arzt erklärte eine Heilung
für ein Ding der Unmöglichkeit.
Der Zustand wollte, daß der zuständige Pfarrer gerade verreist war.
Für ihn übte ich während dreier Tage die Pastoration in der Gemeinde
aus, und dieses führte mich zu dem verunglückten Manne. Ich konnte den
Jammer nicht ertragen, sann hin und her, das überaus traurige Schicksal
zu erleichtern und dem jungen Verunglückten wenigstens insoweit zu
helfen, daß er ruhiger sterben könne. Ich ließ all die kleinen, steif
angepappten Pflästerchen entfernen, rührte rasch mit einer Feder aus
rohem Eiweiß, Leinöl und saurem Rahm einen Brei an und trug, um den
Zutritt der äußeren Luft abzuschließen, diese Salbe möglichst dicht
auf die leidenden Stellen auf. Darüber legte ich abgenutzte, leinene,
deshalb recht weiche, nasse Lappen und als Zudecke obendrauf, ebenfalls
gut aufliegend und anschließend, ein trockenes Tuch. Nach je zwei
Stunden wurde das trockene Tuch sachte weggehoben, mit einem Schwamme
das nasse Tuch von neuem schonend, aber kräftig angefeuchtet, um das
Trocknen und überaus wehtuende Ankleben zu verhindern. Morgens und
abends mußte stets auch der feuchte Lappen entfernt und so schnell wie
möglich zum alten Brei neuer aufgetragen werden. Kaum glaublich ist es,
in welch kurzer Zeit der Verunglückte wieder hergestellt wurde. Die
erste Anwendung schon bot mir viel Trost und ließ den Hoffungsstern von
ferne leuchten; doch behielt ich’s für mich. Nach einer Viertelstunde
nämlich legten sich schon in etwas die fürchterlichen Schmerzen, und
die drohenden Krämpfe, welche jenes bekannte unheimliche Zucken am
ganzen Körper als bevorstehend ankündigte, wurden abgewendet.
+Nach innen+ ließ ich +täglich zweimal einen Löffel kühlendes
Baumöl+ geben. +Salatöl+ hätte dieselben Dienste getan. Unter
der luftdicht abschließenden Decke bildete sich +merkwürdig schnell
eine frische Haut+. +Die streng gehandhabte Reinlichkeit+ --
nach den ersten Leidenstagen schon wurde täglich ein paarmal mit lauem
Wasser aller Eiter sorgfältig entfernt -- half mitarbeiten. In 14 Tagen
war der Bauer fast hergestellt. Der Arzt selbst erklärte, er halte die
Heilung fast für ein Wunder. Nie hätte er an die Möglichkeit geglaubt,
derlei gewaltige Brandschäden zu heilen.
+Einem Dienstboten+ wurde von einer Kamphinflamme die eine
Hälfte des Oberkörpers, wie mit dem Zirkel abgemessen, so entsetzlich
verbrannt, daß ein Arm, die halbe Brust und eine Seite des Kopfes nur
mehr schwarze, mit gelben und roten untermischte Brandflecken zeigten
und die Haut überall weggestreift werden konnte. Der Anblick war
schrecklich, und der Unglückliche litt verzweiflungsvolle Schmerzen.
Genau das Verfahren wie oben rettete ihn und schenkte ihn in 4 Wochen
seinem Berufe und Hausherrn wieder.
+Abschluß der äußeren Luft+, +Feuchterhalten+ der
+aufgelegten Tücher+, +neues Auflegen der kühlenden
Masse+, +große Reinlichkeit+ sind die Haupterfordernisse und
Hauptbedingnisse zu sicherer und schneller Heilung von Brandwunden.
Als +Hausmittelchen+ bei kleineren Brandwunden (für Köche und
Köchinnen ist dieses besonders wichtig) gelten in erster Linie
+Sauerkraut+ und +Krautwasser+. Ersteres wird frisch von der
Krautstande weg auf die verbrannte Stelle gelegt und überbunden. In
letzteres tauche man drei- bis viermal im Tage den überlegten Lappen
und binde denselben gut zu. Sollte reines Krautwasser zu scharf sein
(zu stark beißen, brennen), so verdünne man es mit gewöhnlichem Wasser.
Manche geben +Kartoffeln+, die gerieben aufgebunden werden, manche
dem +Lein-+ oder +anderem Öl+, das einmal aufgetragen und
mit Wollwatte luftdicht abgeschlossen wird, den Vorzug. Alle diese
Mittelchen sind gut.
Eine beim Kochen beschäftigte Person hatte das Unglück, mit siedendem
Wasser und durch das von unten auflodernde Feuer die Hand und den Arm
bis zum Ellenbogen sich zu verbrennen. Ärztliche Hilfe war alsbald
zur Stelle, aber trotz der sorgfältigsten Behandlung konnte nach
vielen Wochen die Wunde nicht geheilt werden. Nun griff die Person zu
den von mir angegebenen Mitteln, welche schon fast nach einem Tage
die Schmerzen stillten und die Heilung einleiteten und allmählich
herbeiführten.
Die Anwendungen waren: 1) Die ganze Brandwunde wurde mit Eierklar
(Eiweiß) und Öl so dick wie möglich aufgetragen und mit einem feuchten
Lappen überbunden; die ersten Tage zweimal frisch wiederholt. 2) Alle
Verbrandung, Säfte und Unrat wurden durch angeschwellte Heublumen
ausgeleitet und aufgelaugt. Es bildeten sich bei der Heilung mehrere
Geschwüre; um diese auszuleiten, wurde gekochtes ~foenum graecum~
angewendet. Mit diesen Mitteln im Wechsel wurde die Hand, die man für
verloren hielt, wieder in den rechten Zustand gebracht.
Vergiftung des Blutes.
+Joseph+ schlachtete eine Kuh und schnitt sich mit dem blutigen
Messer eine tiefe Wunde in den Daumen. Er achtete nicht darauf, bis
sich heftige Schmerzen einstellten und die Hand so anschwoll, daß er
die Finger nur mehr mit großer Mühe bewegen konnte. Die Hitze stieg,
und bald zeigten sich gelbliche und bläuliche Flecken an Finger und
Hand. Ein Arzt gab ihm Mittel zum Waschen und Überschlagen. Allein
die Schmerzen, die schon bis zum Ellenbogen reichten, wurden immer
unausstehlicher, und der Arme fühlte recht gut, daß eine krampfartige
Entzündung im Innern immer weiterfresse wie Feuer.
Man rief mich. Ich riet +Hand-+ und +Armdämpfe+ viermal des
Tages, je eine halbe Stunde lang zu nehmen. Außer dieser Zeit wand er
die Hand bis über die Ellenbogen in angeschwellte Heublumen.[46]
Alle eineinhalb bis zwei Stunden, d. i. jedesmal, so oft der Schmerz
sich in besonders fühlbarer Weise steigerte, wurden die Heublumen
erneuert, d. i. neu angeschwellt und neu aufgelegt. Dieses Verfahren
brachte nicht allein Linderung, sondern gänzliche Heilung. Das
Umsichgreifen des unheilverkündenden Brandes hörte am Abende des
ersten Tages auf. Die ganze Entzündung war nach vier Tagen beseitigt.
+Ein Herr+ schnitt sich ein +Hühnerauge+ aus, das entzündet war, und
ahnte nicht das Geringste. In wenigen Tagen war die Entzündung derart,
daß offenbare Zeichen und Schmerzen einer Blutvergiftung vorhanden
waren. Viele, die Ähnliches mitangesehen, hielten den Armen für
verloren.
Der Patient nahm +täglich zwei Fußbäder+ von +abgebrühten Heublumen+
(dieselben sollen im Fußbade mitgegeben werden), und +täglich+ wurden
die Füße +ein paarmal+, je auf zwei Stunden, +mit Tüchern, in Absud
von Zinnkraut+ getaucht (jede Stunde neu einzutauchen), umwunden. Da
am Körper schon Spuren der Vergiftung offenbar wurden (schlechtes
Aussehen, Appetitlosigkeit), kamen zu obigen Partialanwendungen
+täglich eine Waschung des Oberkörpers+ und +ein Unterwickel+ von
eineinhalb Stunden. In wenigen Tagen war der Herr außer Gefahr, in 10
Tagen gesund. Er trank +täglich zwei Tassen Wermut-+ und +Salbeitee+
(beide Kräuter gemischt).
Auch derlei +kleine Fußgebrechen+ erheischen große Vorsicht. Als
+Vorbeugemittel+ kenne ich keine besseren als +öfteres Barfußgehen+
(wenn es im äußersten Falle auch nur im Zimmer geschähe, z. B. 15-30
Minuten vor Schlafengehen) und häufigere +kalte+, für schwächere
Leute +lauwarme Fußbäder+. Die +Reinlichkeitspflege der Füße+ ist ein
wichtiges Kapitel in der Gesamt-Gesundheitspflege des Körpers.
Ein korpulenter +Pfarrer+ wollte seinen dicken Hals durch Jodsalbe, die
ihm der Arzt verordnet hatte, wieder in die normale Verfassung bringen.
Um schneller zum Ziele zu kommen und dem Kropfe sobald als möglich
zu entrinnen, griff er viel zu tief in den Jodsalbentopf. In kurzer
Zeit magerte der kräftige Herr so ab, daß er kaum mehr die Hälfte
Körpergewicht hatte. Der Arzt erklärte ihn für aufgegeben, weil das Jod
das Blut vergiftet habe.
In solchen Fällen war der „Wasserpfarrer“ dann immer gut genug; ich
sage dieses ohne alle und jede Anzüglichkeit und ohne jede Bitterkeit.
Es soll ein Scherz sein! Der Kranke bekam +warme Bäder mit Absud von
Fichtenreisern+ von 28-30° ~R.~ mit folgender kalter, aber rascher
Abwaschung, +Ober-+ und +Unteraufschläger+, den +Ober-+ und +Unterguß+,
den +Unterwickel+ in Absud von Fichtenreisern getaucht, jeden Tag zwei
Anwendungen in der bezeichneten Reihenfolge. Daneben mußte er +barfuß+
gehen im betauten Grase. +Nach innen+ wirkte gut +täglich eine
Messerspitze Kreidemehl+ oder +gelöschten Kalkes+, in einem Schoppen
Wasser gut ausgelöst, auf zwei bis viermal zu trinken; gleichfalls
täglich +ein bis zwei Löffel Provencer-Öl+, daneben einfache, +kräftige
Hausmannskost+. -- Das Wasser hat auch in diesem Falle seine Dienste
gut getan.
Verstopfung.