+Ein Herr von Stand+ erzählt: „Ich war nie fest und erfreute mich zu

keiner Zeit einer solchen Gesundheit, wie sie manchem das ganze Leben

hindurch geschenkt ist. Gleichwohl konnte ich meine Studien glücklich

beenden, auch meinem Berufe bislang gut vorstehen. Seit ein paar Jahren

ist dieses anders geworden. Wo ich hinkomme, werde ich von jedermann

bedenklich angeschaut, und oft schon drang zu meinem Ohr das leise

Flüstern der Freunde: Der lebt auch nicht mehr lang. Der Gedanke an den

Tod ist mir selbst kein fremder Gast mehr, ich müßte ja blind sein für

all die Anzeichen. Wie die frische Gesichtsfarbe, so sind die Kräfte

geschwunden. Der Appetit, dieser beste Uhrenzeiger, deutet zur Genüge

an, daß im Körper die Feder, die Lebenskraft ausgegangen, am Springen

ist. Schon peinigt der recht schwere Atem, mehr noch ein Husten, der

selbst andere schreckt, sichere Boten in die ewige Heimat. Die Ärzte

erklären, +ich sei schwindsüchtig+. Sie haben mich seit einiger Zeit

aufgegeben, raten mir aber noch, nach Meran zu reisen in ein milderes

Klima. (Armer Schelm, dachte und fühlte ich, nicht einmal zu Hause, in

der Fremde sollst du sterben!) +Auf der Reise nach Meran+ hörte ich von

den Wirkungen des Wassers, und ich erkundigte mich, ob dasselbe auch

für meine gebrechliche Natur etwa noch Heilkraft hätte. ‚Sie können

es versuchen,‘ lautete die Antwort. Der Anfang war nicht leicht. Ich

trug sehr warme Kleidung, und doch fror mich noch immer. Nun hieß es

auf einmal: Das wollene Hemd, das Sie auf dem bloßen Leib tragen, der

wollene Halsbund, doppelt geschlungen, müssen nach und nach wegfallen.

Es beschlichen mich ganz eigenartige Gedanken. Wie wird’s mir gehen mit

einer Kleidung, die mehr kühlend als wärmend ist? Dazu machte mich das

kalte Wasser erschauern. Und es war schon so nahe. +Vorsichtig+ und

+überaus maßvoll begannen die Übungen+, ganz anders, als man es sich

denkt und davon sprechen hört. Und merkwürdig! Nach zwei Tagen schon

konnte ich ein Wollkleid ablegen, ohne nachteilige Folgen zu verspüren;

nach 5 Tagen opferte ich mein zweites. Nach 6-7 Tagen war der wollene

Halsbund auch schon gefallen. Durch die Wasseranwendungen bekam ich

eine sehr angenehme Naturwärme, die sich von Tag zu Tag steigerte. Mit

der zunehmenden Naturwärme nahm das schwere Atmen ab, der Husten ließ

nach. Wie die Besserung, so nahm zu die freudige Stimmung der Seele.

Hörte ich früher sagen: ‚Wie lange wird der noch leben?‘ so jetzt:

‚Aber der gedeiht!‘ Sechs Wochen dauerte die Behandlung. Wider Erwarten

und zum Staunen aller, die mich früher gesehen hatten, trat ich nicht

den Weg zur ewigen Ruhe, sondern mit neuem Leben den alten Berufsweg

wieder an. Ich dankte Gott, meinem Schöpfer, für meine Heilung und

auch dafür, daß er uns im Wasser ein so kräftiges und naheliegendes

Heilmittel gegeben. Allen Menschen möchte ich zurufen: Lernet das

Wasser und seine Wirkungen kennen und schätzen, ihr werdet vielem

Ungemach auf eurer Wanderung durchs Leben entgehen und viel glücklicher

und zufriedener euere Berufsaufgabe lösen. Und nach dieser Aussaat im

Berufe richtet sich ja die Ernte drüben im Jenseits.“

„Du bist +begierig+, lieber Leser, +zu hören, wie das Wasser bei mir

angewendet wurde+? Wie ein Hirtenknabe oft unter den Regen kommt,

manchen Tag Guß auf Guß aushalten muß und dadurch abgehärtet wird,

so bekam mein Oberkörper täglich +zwei Güsse+ (Obergüsse). +Anfangs+

spielte der Wasserstrahl +nur eine halbe Minute, nach einiger Zeit

eine Minute lang+. Täglich mußte ich sodann im +nassen Grase gehen+

oder +auf nassen Steinen+. Nach allgemeinem Vorurteile meinte auch ich

mir dadurch alle möglichen Beschwerden zuzuziehen. Recht bald indessen

fühlte ich das größte Behagen, und ich wäre am liebsten Barfüßler

geworden. Es nahte der Spätherbst, es fiel Schnee. Ich ging eine Minute

lang im frischgefallenen Schnee. Das hört sich schauerlich an. Auch

mich durchfuhr ein schauerliches Rieseln, da ich langsam Schuhe und

Strümpfe ablegte. „Mutig voran!“ rief ich mir selbst zu. Und einmal

gewagt war ganz (nicht halb) gewonnen. Ich überzeugte mich von der

wohltätigsten Wirkung, welche ich nie erwartete. Ich durfte auf mein

Begehren dieses öfter wiederholen und kann jedem Wasserscheuen hoch

und teuer versichern, daß ich in meinem Leben nie solche Naturwärme

empfunden habe wie nach diesen Schneepartieen. Es brennen die Füße

zwei, höchstens drei Minuten von der Schneekälte; dann aber entwickelt

sich eine Wärme, die den Schnee nicht mehr achten läßt. In wenigen

Tagen brachte ich es dahin, daß ich nicht mehr eine, sondern 10

Minuten bis eine Viertelstunde den Schneelauf fortsetzte. Gerade das

+Schneegehen+ brachte eine außerordentliche Zunahme der Kräfte und

Verminderung des harten Atems. Von Katarrh zeigte sich keine Spur.

Hätte man mir so etwas früher erzählt, ich hätte es für Torheit, ja

Wahnsinn, für den Ruin der Gesundheit gehalten. Während 14 Tagen

verfuhr ich also. Dann hörte das Barfußgehen auf, und es blieben

nur die +Ober-+ und +Untergüsse+ in stärkerer Form ein- bis zweimal

täglich. +Nach ungefähr drei Wochen+ war der Organismus in Ordnung. Bis

zu völliger Erstarkung vergingen wieder drei Wochen. Statt nach Meran

zu gehen und dort zu sterben, kehrte ich zurück in die liebe Heimat, um

dort von neuem tüchtig in meinem Berufe zu arbeiten.“

Es kommt ein Mann und erzählt: „Mir fehlt es im Hals und in der Brust.

Anfangs hatte ich einen recht starken Katarrh; dann habe ich meine

Stimme fast ganz verloren, hatte Wochen hindurch ein heftiges Brennen

im Hals und in der Brust, zudem häufig Fieber. Habe mehrere Ärzte

gehabt, mußte vielerlei und viel inhalieren. Kleine Linderung habe ich

bekommen, aber keine Hilfe. Jetzt bin ich ganz abgemagert und kann

schon lange nichts mehr tun; doch Gehen paßt mir noch am besten. Meine

Füße sind immer kalt, Appetit besser als früher.“

Anwendungen: 1) Täglich zweimal einen Knieguß oder im Wasser gehen. 2)

Täglich am Morgen und Nachmittag einen Oberguß. 3) Täglich zwei kleine

Tassen Tee trinken von ~Foenum graecum~. 4) Jeden zweiten Tag ein

kaltes Sitzbad, eine Minute lang. So drei Wochen fortmachen.

Star

siehe oben S. 172 unter „Augen-Star“.

Steinleiden.

Ein Herr K. in D. schreibt: „Ich war bereits sechs Monate sehr krank

und wurde behandelt an Stein- und Nierenleiden, auch war ich stark mit

Hämorrhoiden geplagt. Drei Ärzte gebrauchte ich; allein keiner konnte

mir helfen. Da ich absolut keinen Dienst mehr machen konnte, stellte

ich mir einen Stellvertreter ein auf ein halbes Jahr. Nun erfuhr ich

indirekt, daß der Arzt sich geäußert habe, daß mein Leiden nicht zu

kurieren sei. Ein anderer Arzt gab mir den Rat, ich solle mich in

Heidelberg operieren lassen an Stein; allein ich dachte, lieber zu

Hause sterben als in einer fremden Stadt. Ich tat also nichts; mein

Leiden wurde immer ärger, und ich sage Ew. Hochwürden, daß ich statt

Wasser mindestens vier Schoppen Blut uriniert habe. Ich sah ganz

getrost meinem Ende entgegen und fügte mich in das schwere Schicksal.

Zu Ehren der Mutter Gottes ließ ich hl. Messen lesen und dachte oft,

wenn in der Nacht arge Schmerzen mich nicht schlafen ließen: Ach,

wann werde ich wohl von meinem Leiden erlöst werden? Endlich hat mich

der liebe Gott erhört, nachdem ich für 113 Mark 30 Pfg. Medizin und

Mineralwasser schon getrunken usw. Ich hörte an meinem Krankenbette von

Ihrem Buche, ließ mir dasselbe kommen, begann sofort mit der Kur -- in

acht Tagen spürte ich keine Schmerzen mehr, mein Urin wurde so klar wie

ein Brunnenwasser (vorher war er so trüb wie ein verdorbenes Bier),

und heute, nach 4 Wochen, bin ich trotz meines Alters von 60 Jahren so

gesund und munter wie ein 18jähriger Bursche; ja, wenn es keine Schande

wäre, so würde ich auf Fastnacht tanzen. Trotzdem der Arzt nicht mehr

an meine Genesung glaubte, bin ich jetzt vollständig gesund. Wäre mir

Ihr Buch nicht in die Hände gefallen, ich wäre wohl schon im Grabe.“

Stimme, Verlust derselben.

So wichtig ist für uns Menschen die Stimme, daß wir schon etwas

ausführlicher von ihr reden dürfen.

Es kommt im Leben +häufig vor+, daß die +Stimme teilweise oder ganz

verloren+ geht. Man weiß oft keine Ursache. Manche können noch heiser

sprechen, manche aber müssen die Zuflucht zur Feder oder zum Griffel

nehmen.

So kam vor 17 Jahren +ein Priester+ zu mir, der lange Zeit Papier und

Blei mit sich tragen mußte, um zu notieren, was er anderen mitteilen

wollte. Er war ganz und gar unfähig, seinem Berufe als Priester

nachzukommen. Überall, wohin man ihm geraten, hatte er Hilfe gesucht.

Er bekam Gurgelwasser, er wurde magnetisiert, elektrisiert, man setzte

Schröpfköpfe an, vierzehnmal brannte man mit Höllenstein den Hals aus,

so daß ein Arzt erklärte, er werde die Sprache nie wieder bekommen;

solches Unheil, Narben usf. hatte der Höllenstein angerichtet. Als

nichts mehr helfen und kein Arzt Heilung bringen konnte, da wurde

das kalte Wasser das Heilmittel, dem der Priester nächst Gott seine

Hilfe verdankte. Dieser Priester schien ganz gesund zu sein. Die

Gesichtsfarbe indessen war nicht frisch, vielmehr trübe und krankhaft.

Schmerzen fühlte er im ganzen Körper keine besonderen; er meinte, ihm

fehle nichts außer der Stimme. +Wie kann ein Sprachorgan zum Sprechen

unbrauchbar sein, wenn es weder verletzt ist, noch irgendwelcher

Schmerz empfunden wird?+ Wenn ich einem ein Tuch über den Mund binde,

so ist kein Sprachorgan verletzt, und doch kann der Betreffende nicht

mehr reden. Torheit wäre es, suchte ich das Übel im Halse. Ich muß das

Tuch wegnehmen, und die Rede hat wieder ihren Fluß. Die Sprachorgane

können ganz gesund sein, aber +verschiedene Einwirkungen, gleichsam

Über- und Unterbindungen derselben, hindern zu sprechen. Was sind das

für Einwirkungen?+

Wenn ein Bächlein durch ein Tälchen läuft, und werfen die losen

Hirtenbuben Steine in sein Bett und verstopfen den Lauf mit Schlamm

und Erde, so ist das Wasser gehindert, seinen geregelten Lauf

fortzusetzen; es muß nach rechts und links aus dem Bette weichen,

Auswege suchen, Vertiefungen, in denen es weiter fließt oder sich

aufhält. Gerade so geht es oft im menschlichen Organismus. Könnte man

hineinschauen in dieses vieladrige Stromgebiet, so würde man sehen,

daß dem Blutlaufe oft gerade solche Hindernisse gelegt werden. Die

Folgen sind Blutstauungen, Schleimhautschwellungen. Wer hat noch nie

ein sogenanntes Überbein an einer Hand, am Fuße gesehen? Denke dir nun

eine solche Anschwellung, oder was immer sie sei, nach innen gebildet,

wie sie drückt. Muß das gedrückte Organ nicht in seiner Tätigkeit

beeinträchtigt, gestört werden? Hänge der klangvollsten Glocke einen

Quersack an, aller Ton ist dahin. Und da hilft kein Brennen und kein

Hämmern. -- Doch zurück zu unserem stummen Herrn! Der erste +Oberguß+

ließ mich die gewaltigsten Anstauungen, fast schon Geschwulstbildungen,

erkennen. Das waren die Missetäter, die mit ebenso vielen Fesseln

die Sprachorgane, die Stimmbänder, gefangenhielten und an ihrer

Tätigkeit hinderten. Wurden jene entfernt, so waren diese gelöst. Die

Entfernung der Anstauungen geschah durch auflösende und ableitende

Wasseranwendungen. Als auflösende Anwendung steht in erster Linie der

+Kopfdampf+. Dieser erzeugt Schweiß über den ganzen Oberkörper hin.

Ein kalter Abguß unmittelbar darauf wird das Aufgelöste wegschwemmen

und die Natur kräftigen. Da der Patient ziemlich beleibt ist und

bei solchen Personen gewöhnlich Blutandrang nach oben stattfindet,

so leite man das Blut mehr nach unten durch einen +Fußdampf+ mit

folgendem kalten Abguß. Diese zwei Anwendungen (die in unserem Falle

zusammengehören) können +in jeder Woche einmal+, wenn die Korpulenz

ziemlich stark ist, +auch zweimal+ genommen werden.

Eine +zweite Anwendung+, die in ähnlicher Weise im ganzen Körper

auflösend wirkt, ist der +spanische Mantel+. Dazu kommen +kalte Bäder+

(1-2 in der Woche, höchstens eine Minute lang), +Halbbäder+ (bis an die

Magengegend) mit kräftigen Waschungen des Oberkörpers; ein +Ober-+ und

+Unterguß+ statt des Bades tun ähnliche Dienste. Diese Anwendungen,

pünktlich vollzogen und verbunden mit einer geregelten Lebensweise

-- nicht viel zu sitzen, Bewegung im Freien, kleine Handarbeiten --

machten alles gut. Die ganze Maschine kam wieder in den richtigen

Gang, und das Rädchen der Stimme lief ohne Pinseln und Brennen und

Elektrisieren von selbst mit in der alten trefflichen Weise. Niemand

hatte geglaubt, daß dieser Priester je seine Stimme wieder erhalte.

In sechs Wochen war er vollkommen hergestellt, und heute noch, nach

17 Jahren, hat seine Stimme einen Wohlklang und eine Kraft, die jeden

erfreut, der sie zu hören bekommt.

+Ein Priester+ im Queistale hatte seine Stimme dermaßen eingebüßt,

daß er zur Pastoration seiner Gemeinde fünf Jahre hindurch einen

Hilfspriester halten mußte. Innerhalb dieser fünf Jahre suchte er

die berühmtesten Ärzte auf. Er inhalierte viel, die Mandeln wurden

ihm ausgeschnitten, alles vergebens. Man suchte das Leiden natürlich

nur stets im Halse, bis endlich der letzte Arzt, der ihm den Hals

untersuchte, erklärte, er finde im Halse absolut kein Übel, wisse

aber auch nicht, warum er nicht reden könne. Erst auf diese Erklärung

hin nahm der Patient die Zuflucht zu der immer so gescheuten und

gefürchteten Wasserkur. Er bekam die Stimme, noch bevor ein halbes Jahr

vorüber war, und eine so starke Stimme, wie er sie früher nicht stärker

hatte; er meinte, eine halb so starke würde auch ausgereicht haben.

Auch bei diesem Herrn +fehlte in den Sprachorganen nicht das

Geringste+. Dagegen fand ich den Hals, wenn auch nicht in besonderer

Weise, doch stärker als normal, den Oberkörper aber unverhältnismäßig

stark im Vergleiche zu den ziemlich abgemagerten Händen und Füßen.

Früher hatte der Herr, wie er erzählte, öfters die Kolik, die

regelmäßig nicht lange dauerte. Die Natur suchte auf diese Weise sich

immer selbst zu helfen; doch konnte sie die krankhaften Stoffe nie

gänzlich auswerfen. Die Koliken hörten später auf, und der Kranke

fühlte bloß von Zeit zu Zeit Beengungen auf der Brust, die aber nicht

besonders lästig waren. Es erging da, wie es in manchem Haushalte zu

gehen pflegt. Wenn vom untern Stock des Hauses einer in den obern

Stock zu einer andern Familie einzieht, dann gibt es Einschränkungen;

die beiden Hausherren finden sich nicht mehr zurecht. Da hilft kein

Inhalieren, auch kein Ausschneiden der Mandeln, nicht einmal das

Abschneiden des Zäpfchens, -- da hilft allein das Ausziehen. Hat man

den gesamten Organismus in Ordnung gebracht, dann wird die Stimme auch

wieder kommen.

Dieser Kranke mußte +in der Woche einmal oben+ und +unten kräftig

schwitzen+ (+Kopf-+ und +Fußdampf+) und +gerade so kräftig gießen+

(+Ober-+ und +Unterguß+). Damit sodann die aufgedunsenen Körperteile

durch die Kälte zusammengezogen würden, stieg +er jede Woche viermal

ins kalte Wasser+ bis unter die Arme, so kurz als möglich, nie mehr

als eine Minute; dabei wusch er den Oberkörper kräftig ab. Dazu kam

zuletzt ein +spanischer Mantel+. Nach +vier Wochen+ genügte +die Hälfte

der Anwendungen+, +d. i. in der Woche ein Ober-+ und +Unterguß+ und

ein +Halbbad+ mit Waschung des Oberkörpers. +Später+ durfte er nicht

plötzlich aussetzen; er mußte +längere Zeit hindurch die eine oder

andere Anwendung+ noch vornehmen, und zwar der Reihe nach, wie er sie

bei der Heilung selbst vorgenommen hatte. +Dazu bedarf es meist keiner

besonderen Anregung.+

Mit dem Gefühle der Kraftsteigerung wächst das Verlangen nach der

Wasseranwendung und das Vertrauen zu derselben. Man staunt nur mehr

über die wasserscheuen, empfindsamen Mitmenschen, die wohl Gesicht und

Hände waschen, aber einen Höllenlärm anschlagen, wenn aufs Wasser die

Rede kommt. ~Habeant sibi!~ Sie mögen es selbst büßen.

Bei unserm Herrn kam die Stimme wieder, wie sie besser nie gewesen. Das

alte Übel kehrte nie wieder. Seit der Heilung sind heute mehr als 16

Jahre verstrichen.

+Ein Studienrektor+ in den schönsten Jahren konnte drei Vierteljahre

seinem Berufe als Lehrer nicht mehr vorstehen; es fehlte ihm die

Stimme. Er suchte bei den nächsten Ärzten Hilfe; dann wandte er sich

an namhafte Spezialärzte. Nach wochenlangem Inhalieren, Elektrisieren

usw. wurde ihm erklärt, die Stimmbänder hätten ihre Elastizität

gänzlich verloren. Und weil alle Einwirkung umsonst gewesen, so könne

man vorläufig nichts tun als abwarten, wie sich die Sache weiter

gestalte; er solle wenigstens ein Jahr frei von aller Tätigkeit sein

und sein Sprachorgan ruhen lassen. Dieses war dem Herrn zu arg, und

er nahm die Zuflucht zur Wasserkur. In sechs Tagen hatte er seine

Stimme wieder, in sechs Wochen war sie so klangvoll und stark wie in

den besten früheren Zeiten. Dieses geschah vor 4½ Jahren, und der

Herr darf keine Sorge haben; seine Stimme wird ihm bleiben. -- +Die

Antwort auf die Frage: „Was hat da gefehlt?“+ will ich nicht schuldig

bleiben. Das Aussehen des Patienten war wohl etwas welk, aber im ganzen

nicht krankhaft. Eines hätte etwas auffallend sein können, daß nämlich

der sonst gut gewachsene Herr den Kopf etwas vorwärts geneigt hielt.

Er hatte den besten Appetit, besaß die volle Naturkraft; einzig und

allein die Stimmbänder sollten von der Mutter Natur so stiefmütterlich

behandelt worden sein, daß sie jetzt so elendiglich verkümmerten und

alle Elastizität verloren? Das ist nicht denkbar. Meine Behauptung, es

fehle den Sprachorganen gar nichts, verletzte den Herrn nicht wenig,

und meine Praxis, nach welcher ich kein einziges Mal in seinen Hals

schaute, in dem allein doch er sein Hauptgebrechen vermutete, brachte

ihn fast außer Fassung und wollte ihm alles Vertrauen rauben. Ich

dagegen wollte dem Herrn beweisen, daß dem Halse gar nichts fehle,

daß deshalb auch kein Mittel für den Hals anzuwenden sei, wie auch

faktisch keines angewendet wurde. +Wo lag die Wurzel des Übels?+ Auf

der +oberen Seite der Schulterblätter+, quer über dem oberen Rücken,

zu beiden Seiten des siebenten Halswirbels hatte der Herr ganz kleine

Erhöhungen wie kleine Pölsterlein. Wer aber nicht gesucht hätte, hätte

sie auch nicht gefunden. Sie drangen etwas einwärts und drückten so

auf die Sprachorgane. Der noch junge Mann wurde +kräftig begossen+; er

bekam den +Schal+, +Halbbäder+ und den +spanischen Mantel+. +Zuletzt+

reichten +Halbbäder+ mit Waschungen des Oberkörpers aus. Die Scheu

vor Wasser verwandelte sich später in ein fast zur zweiten Natur

gewordenes Bedürfnis nach Wasser. Keine Woche verging mehr ohne einige

Anwendungen, die frisch und wohl erhielten. Wie oft kann ich die

Bekräftigung hören: Jetzt weiß ich selber, daß die Anwendungen mir gut

tun; ich werde sie im Leben nie mehr aufgeben.

+Gräfin N.+, 15 Jahre alt, erzählt: „Ich hatte vor zwei Jahren

Diphtheritis, wie der Arzt sagte, im höchsten Grade. Auf diese

Krankheit bekam ich Kopfleiden zum Verzweifeln. Nach einigen Wochen

verlor ich nach einem heißen Bade die Stimme, so daß ich keinen Laut

mehr geben konnte und jede Mitteilung durch Aufschreiben machen mußte.

Meine Eltern suchten mir die ersten Ärzte. Ich mußte Monate hindurch

inhalieren, verschiedene mineralische Stoffe einnehmen; ich wurde

elektrisiert, mehrere Wochen hindurch alle Tage; mir wurden Blutegel

an den Hals gesetzt, daß ich öfters in Ohnmacht fiel. Am Halse herum

wurde schrecklich operiert. Mit Grausen denke ich an die Einzelheiten.

Was ich alles eingenommen, will ich nicht schildern. So ging es fort

über zwei Jahre, und schließlich erklärten einige Ärzte, ich werde

an Schwindsucht sterben. Darin kamen alle überein, die Stimme könne

und werde ich nie und nimmer erhalten. +Wie ich fühle und was ich

leide?+ Ich habe das ganze Jahr nicht eine Stunde warme Füße,

eiskalt sind meine Hände, eiskalt mein Kopf. Ich weiß seit Monaten kein

Mittel, weder im warmen Zimmer, noch mit wärmenden Kleidern, mich zu

erwärmen. Ich mag nicht essen und kann nicht essen. Was ich genieße,

peinigt mich; ich möchte oft verzweifeln. Ich bin erst 15 Jahre alt,

kenne aber kein so unglückliches Geschöpf wie +mich+.“

Daß dieses arme Kind das kalte Wasser scheute, läßt sich denken. Auch

die Eltern mochten nicht für das Wasser eintreten, wohl um das frostige

Kind nicht auch noch damit zu quälen. Nur +eine+ Seele nahm

sich des bemitleidenswerten Geschöpfes an, und sie suchte Hilfe beim

Wasser. Ich konnte ihr solche in Aussicht stellen -- wenn auch nicht

in nächster Zeit, bei maßvollem Gebrauche und pünktlicher Anwendung,

und zugleich mit Sicherheit erklären, daß den Sprachorganen nicht das

Mindeste fehle. Hier gelte es vor allem, den übermäßig geschwächten

Körper, der nur mehr eine Ruine sei, neu zu beleben und zu kräftigen.

Sobald die Normalkraft zurückkehrt, werde die Sprache nicht lange mehr

auf sich warten lassen.

Das Mädchen ist im höchsten Grade blutarm; dieses beweist die Kälte am

ganzen Körper; nur auf der Brust allein fühlte es noch eine gewisse

Wärme. +Es muß eingewickelt werden, daß Blutbildung+ und richtige

+Zirkulation eintritt+. Die Kranke soll bei einfacher Kost +täglich

zwei- bis dreimal die Hände bis an die Ellenbogen, die Füße bis über

die Knöchel ins Wasser+ halten oder, noch besser, +im nassen Grase+

oder +auf nassen Steinen+ barfuß gehen. So widersinnig es manchem

scheinen mag, es sind dieses vortreffliche Mittel, wieder Wärme in die

kalte, halbabgestorbene Natur, besonders in die blutarmen Extremitäten,

die Hände und die Füße zu bringen. +Geradeso+ muß +am Körper Wärme+

erzeugt und neue Tätigkeit angebahnt werden. Es soll deshalb die Kranke

+täglich ein- bis zweimal Rücken+, +Brust+ und +Unterleib+ kräftig

mit kaltem Wasser waschen. Die ersten Versuche kosteten Überwindung;

mit dem Erwachen der Wärme kam neuer Mut; es war gleichsam ein

Frühlingswehen, das dem armseligen Körper nochmals ein Wiedererstehen

ankündigte. Die Kranke tat einen Schritt weiter, sie rückte mit den

Füßen tiefer ins Wasser und hielt die Arme längere Zeit in das nasse

Element. Aus einer halben Minute wurde eine ganze. Diese Übungen

währten zirka 9-10 Tage. Ihnen folgten +gelinde Knie-+ und +Obergüsse+,

+je einer+ jeden zweiten oder vierten Tag, der eine vormittags,

der andere nachmittags. Mit diesen Anwendungen wurde zirka 14 Tage

fortgefahren. Dann kamen +täglich ein Halbbad+ (bis an die Magengegend)

eine Minute lang und +ein Oberguß+. Die Verteilung, welche Anwendung

vormittags, welche nachmittags genommen wurde, blieb sich gleich.

Bezüglich der Kost mußten leichtverdauliche, für Blut- und Säftebildung

günstige Nährstoffe gewählt werden: +einfache, unverfälschte+, durch

scharfe Gewürze usf. nicht verdorbene +Hausmannskost+. +Das beste

Getränk+ bildet +Milch+, wenig Bier; Hitziges sollte gar nicht genommen

werden. +Kraft+ und +Stimme kamen+ bei unserer Patientin +wieder+. Um

die Gesundheit und die Kräfte zu befestigen, sollen obige Übungen noch

längere Zeit fortgesetzt werden. Sie können indessen nach und nach

wegfallen, je nachdem die Kräfte langsamer oder schneller wiederkehren.

Ein +Mädchen+ von 16 Jahren verlor ohne jede Veranlassung seine Stimme

und konnte bei seiner Heiserkeit nur mit der größten Anstrengung sich

verständlich machen. Es befragte Ärzte; diese verordneten Mittel,

aber selbe wirkten nicht. Das Mädchen sah bei gutem Appetite blühend

aus, der Kopf war voll und rund, der ganze kurze Hals ziemlich, fast

zu stark gefüllt. Man merkte, daß das Atmen etwas schwer ging. Die

Füße waren immer kalt. In sechs Wochen war das Mädchen vollständig

geheilt. +Durch welche Anwendungen?+ Die blühende Farbe, der volle und

heiße Kopf, sowie die kalten Füße zeigten klar an, daß der Blutandrang

allzu stark nach oben zielte. Daher die stärkere Ausbildung der oberen

Körperteile, vielleicht auch Anstauungen von Blut. Bei der Heilung

mußte allererst gesorgt werden, daß eine +gleichmäßige Naturwärme+ im

ganzen Körper eintrete, nicht am Kopfe Hitze herrsche und an den Füßen

Kälte. Das Mädchen nahm +täglich zwei- bis dreimal ein kaltes Fußbad+,

höchstens eine Minute lang, mit darauffolgender Bewegung im Freien.

Dazu ging es recht fleißig +barfuß+ in dem durch Tau oder Regen

+genäßten Grase+ oder +auf nassen Steinen+. Leiteten diese Anwendungen

das Blut und damit die Wärme nach den unteren Extremitäten, so mußte

durch neue Wassermittel alles Angestaute und Aufgedunsene am Kopf, Hals

und Oberkörper aufgelöst und abgeleitet werden. Dazu taugt am besten

und während der ersten Woche +täglich ein spanischer Mantel+, der in

der zweiten und dritten Woche nur jeden zweiten oder dritten Tag, noch

später jede Woche nur einmal appliziert wurde. Nach ca. vierzehn Tagen

wurde zur Stärkung und Kräftigung +wöchentlich ein Halbbad+ genommen,

höchstens eine Minute lang dauernd, mit Waschung des Oberkörpers.

Statt des Halbbades und der Waschung ließe sich mit gleichem Erfolge

ein +Ober-+ und +Unterguß+ anwenden. Bildung der Wärme war somit der

erste, Auflösung und Ausleitung aller überflüssigen Stoffe der zweite,

Kräftigung der Natur der dritte Teil des Heilverfahrens. Der Körper

nahm zu an Kraft, die Stimme wurde reiner und klangvoller, als sie

früher gewesen, für den Gesang, worin das Mädchen sich in besonderer

Weise übte, geradezu ausgezeichnet.

Typhus und seine Folgen.

Wie bei der Blatternkrankheit die Blattern, die Geschwüre nach außen

dringen, +so bilden sich beim Typhus Geschwüre+ nach innen. Je

nach dem Sitze dieser Krankheit spricht man von +Kopftyphus+

und von +Unterleibstyphus+. In manchen Erkrankungsfällen setzen

sich zwar Geschwüre an; sie kommen aber nicht zur Entwicklung, wie es

ja auch z. B. Blutgeschwüre gibt, welche eine zeitweilige Entzündung

zeigen, dann aber wieder gänzlich verschwinden. Diese Art Typhus hat

einen eigenen Namen, auf den bei Landleuten aber nicht viel ankommt.

Ich lasse ihn deshalb weg.

Was die +Heilung+ betrifft, so hat man vor allem ein

+Dreifaches+ zu merken:

+fürs erste, daß man die Fieberhitze nicht zu weit kommen lasse+,

es könnte sonst alle Kraft und aller Saft des Körpers elendiglich

verbrannt werden;

+fürs zweite+, daß die +Geschwüre+, wenn schon solche

vorhanden sind, ich sage am besten aufgelöst werden, oder daß, +wenn

sich noch keine Geschwüre+ gebildet haben, +der Bildung derselben

vorgebeugt+ werde, mit anderen Worten, daß der die Geschwüre

füllende Giftstoff ausgeleitet werde;

+fürs dritte, daß dieser Giftstoff möglichst schnell+ seinen

Abschied aus dem Körper erhalte.

Meine Wasser-Kur Durch mehr als 40 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit · 第 32 / 36 段