+Zwei Tage+ hindurch wurde die Kranke derart gewaschen. Gegessen hat

sie gar nicht, um so fleißiger getrunken. +Der Hals+ brennt fort und

fort schrecklich. Fleckenweise steht der Scharlach ab (verschwindet,

Häute und Krusten bildend). Der Durst läßt etwas nach. Noch 2-4 Tage

lang soll die Kranke täglich zwei- und, wenn die Hitze noch nicht

nachgelassen hat, dreimal gewaschen werden.

Nach weiteren 3 Tagen war Maria vom Scharlach befreit.

+Johann+, ein Knabe von 13 Jahren, hat seit einigen Tagen kein Leben

und keine Liebe mehr zur Arbeit, die sonstige Fröhlichkeit ist

geschwunden. Da fängt auf einmal der ganze Leib an zu schwellen; Kopf

und Füße werden dick, den Unterleib bläht es in ganz unheimlicher Weise

auf. Das Kind bekommt die +Wassersucht+. Woher das? Johann ist +vor

kaum sechs Wochen vom Scharlach aufgestanden+, und dieser war nicht zur

rechten Entwicklung gekommen.

Der Kranke hat +sechsmal+ innerhalb 8 Tagen +ein Hemd+, das in +warmes

Salzwasser+ eingetaucht wurde, angezogen und sich jedesmal gut in

eine wollene Decke einwickeln lassen. Nach 10 Tagen war er wieder

munter, frisch und gesund. Bei dieser Gelegenheit sei gesagt: +Wenn der

Scharlach nicht ganz ausheilt und kranker Stoff im Körper zurückbleibt,

so tritt gern die Wassersucht+ ein. Auf die angegebene Weise ist sie

aber auch jedesmal zu heilen.

+Kreszentia+, eine Frau von 65 Jahren, liegt bereits zwei Tage zu Bett.

Sie klagt über gewaltiges Stechen auf dem Rücken, über Brennen und

Stechen auf der Brust. Weil sie so schrecklich gefroren habe, sagt sie,

habe sie sich ins Bett gelegt und fühle sich jetzt ganz heiß. Essen

kann sie nichts. Durst leidet sie viel. „+Waschet+,“ so lautete mein

Rezept an den Fragesteller, „der Kranken +einen Tag lang alle Stunden

den Rücken mit kaltem Wasser+; +Brust+ und +Unterleib+ kann sie +selbst

jede Stunde waschen+. Am +zweiten Tag+ braucht sie dieses nur noch

+viermal+ zu tun, am +dritten Tag+ werden +zwei Waschungen+ genügen.“

Die Kranke befolgte meine Weisung. Am vierten Tage war die Frau

bedeutend besser und, nachdem sie innerhalb dreier weiterer Tage noch

ein paarmal die Prozedur wiederholt hatte, gesund wie früher. Getrunken

hat sie Wasser und geronnene Milch, gegessen sehr wenig.

+Ein Mädchen+, ungefähr 24 Jahre alt, bisher recht gesund, frisch

und ziemlich stark, bekommt einen Ausschlag, den Scharlach. Der

Ausschlag steigerte sich innerhalb 8 Tagen in einer Weise, wie nur

wenige Fälle werden aufgewiesen werden können. Die Kranke verlangte

als Heilmittel sofort das Wasser, auf das sie alles Vertrauen setzte,

hauptsächlich weil ihre Schwester durch Wasser von einer bedenklichen

Krankheit geheilt worden war. Der Hilfesuchenden wurde geraten,

+Rücken+, +Brust+, +Unterleib+, sodann +Arme+ und +Beine+ (Füße)

+allstündlich+ entweder selbst sich zu waschen oder waschen zu lassen.

Der Zwischenraum von einer Stunde war ihr zu groß. +Die Hitze steigerte

sich dermaßen+, daß mehr als +fünf Tage lang+ nie über eine halbe

Stunde das Waschen ausgesetzt werden durfte. Gegessen hat das Mädchen

fast gar nichts, getrunken nur wenig in kleinen Portionen. Erst nach

10 Tagen, bei dem gewissenhaftesten Gebrauche des Wassers brach die

Hitze; der Ausschlag ließ fleckenweise ganz nach, bis er am 14ten Tage

gänzlich entfernt und das Mädchen vollständig gesund war.

Ich +frage+: Wie wäre es dem armen Wesen ergangen, wenn bei solcher

Glühhitze, bei einer derartigen förmlichen Feuersbrunst im Körper

nichts angewendet worden wäre als löffelweise kleine Gaben nach innen

zur Kühlung? Jeder gebe sich die Antwort selbst und erwäge noch,

daß bei solchem Fieber der innere Organismus ganz und gar untätig

ist! Von dieser Heilung eines der höchsten Grade von Scharlach kann

man schließen auf geringere Grade desselben. Das Wasser, richtig

angewendet, hilft sicher und leicht.

Schlaflosigkeit.

+Ein Pfarrer+ litt seit 9 Wochen an Schlaflosigkeit. Seine Kräfte

nahmen täglich ab, und der Geist wurde zur Denkarbeit mehr und mehr

unfähig. Gedrücktheit, Müdigkeit, Mutlosigkeit traten an Stelle des

früheren Fleißes und der gewohnten Berufsfreudigkeit.

Große Anstrengung und widrige Verdrießlichkeiten hatten den guten

Herrn in heftige Aufregung, das Gemüt in große Bitterkeit versetzt.

So etwas rächt sich immer. Der Arme befand sich beständig wie in einem

hitzigen Fieber. Das gehetzte Blut wollte wie ein verfolgtes Reh

in wilder Flucht davonrennen. Man brachte dasselbe zur vollen Ruhe

durch den +Kopfdampf+, den +spanischen Mantel+, den +Oberguß+ mit

dem +Knieguß+, den +Fußdampf+, den +kurzen Wickel+, den +Ober-+ und

+Unteraufschläger+, welche Übungen man 12 Tage hindurch in täglich

zwei, öfters drei Anwendungen wirken ließ. Schon am dritten Tage

schlief der Herr drei Stunden. Heute noch lebt er unter uns als einer

der Gesündesten.

Die +Schlaflosigkeit+, diese aufsässige Verfolgerin vieler, kann in

+mancherlei Ursachen ihren Grund+ haben: in Störungen des Blutumlaufes,

in unterdrückter oder mangelhafter Transpiration, in Gasen, welche

Magen und Unterleib quälen, usw.

+Sie belästigt mit Vorzug+ solche Menschen, welche oft den lieben

langen Tag mit angestrengter Kopfarbeit zubringen und hierin des Guten

zu viel tun.

Die zuerst angeführten Ursachen sind an anderer Stelle zur Genüge

behandelt worden.

Ob wohl auch für die letzteren, die +Kopfarbeiter+, ein Kräutchen

wächst oder ein Wässerchen fließt, das als Schlaftrunk dienen kann?

Ich kenne einen +vornehmen Herrn+, dessen Körper wenig, dessen Geist

sehr viel Arbeit tut. Am liebsten hätte er gar keinen Magen und keinen

Leib und keine Füße. Solchen Herren ist oft der Kopf nicht gut, nicht

leicht zurechtzusetzen. In unserem Falle ging es. Der Mann gönnte dem

armen Genossen der Seele, dem verkümmerten Leibe, wenigstens einige

Brosamen. Er machte es sich zur Gewohnheit, +wöchentlich ein- bis

zweimal den spanischen Mantel+ anzuziehen. Die Schlaflosigkeit ließ

bald nach, auch all die kleinen Übel, gleichsam die Störenfriede, die

sie verursacht hatten.

+Ein anderer Herr+ ließ jeden Abend in sein Schlafzimmer ein Gefäß mit

frischem Wasser bringen. Dieses stellte er auf einen Stuhl neben das

Bett. Kam in einer halben Stunde oder in einer Stunde der ersehnte

Freund noch nicht, dann +wusch er sich den ganzen Körper+ und stieg,

ohne je sich abzutrocknen, wieder ins Bett. Er nickte ein. Die nächste

Stunde fand ihn vielleicht wieder wach. Sofort griff er neuerdings zum

Wasser und dieses ein drittes Mal, wenn er zu frühe aufwachte. Ich habe

den Herrn später über Schlaflosigkeit nie mehr klagen hören.

+Kinder+ können oft nur mit großer Mühe in Schlaf gebracht werden

und erwachen bald wieder. Man hat ihnen zu viel Nahrung gegeben; der

kleine Körper seufzt unter der Last, und die Blähungen lassen mit dem

Leibe auch das Köpflein nicht zur Ruhe kommen. Man nehme +ein kleines

Handtuch+ und lege es naß in Form eines +kurzen Wickels+ um. Das Kleine

wird bald schlummern.

+Landleute+ hört man oft sagen: +ein warmes Fußbad+ schließt die Augen,

wenn Anstrengung und Müdigkeit nicht einschlafen lassen. +Bei geistiger

Ermüdung+ wird jenes kaum ausreichen.

+Wer von letzterer betroffen ist+, ebenso allen jenen, welche +wegen

Hämorrhoiden, eingebannten Gasen und anderen Unterleibsbeschwerden

nicht zum Schlafe kommen+, rate ich +kalte Sitzbäder+, 1-2 in einer

Nacht, von je 1-2 Minuten Dauer.

+Eine letzte Ursache der Schlaflosigkeit+ kann sein die +ungleiche

Erwärmung des Körpers+, rühre dieselbe von was immer her. Im Kopf und

auf der Brust hat man zu viel Blut, deshalb Hitze, in den Extremitäten

zu wenig, deshalb Blutarmut und kalte Hände und Füße. Wie diesem

Übelstande abzuhelfen sei, wurde schon an verschiedenen Stellen gesagt.

+Niemandem rate ich, zu künstlichen, betäubenden Schlafmitteln

zu greifen.+ Sie gelten mir, um es mit einem Worte zu sagen, als

unnatürlich, und was unnatürlich ist, kann der Natur niemals förderlich

sein.

Schlaganfälle.

+Paulus+ hat der Schlag gerührt. Die rechte Seite ist zur Hälfte

gelähmt, der Mund schrecklich verzogen, das rechte Auge eingefallen,

der Augendeckel gelähmt, mit der gebrochenen Sprache auch aller Mut

gebrochen. Der rasch gerufene Arzt erklärte, es lasse sich vorläufig

nichts machen, man müsse abwarten, ob nicht ein zweiter Schlag folge;

indessen könne der Kranke täglich etwas Bitterwasser trinken. Mit

dieser Antwort gab sich der Patient nicht zufrieden; sofort machte er

Versuche mit dem Wasser, und in 12 Tagen war er wieder hergestellt.

Dieses geschah vor 13 Jahren, und der rüstige, wenn auch ältere Herr

hielt noch manches Jahr seine Vorlesungen.

+Wie kam die Heilung zustande?+ Wird das in Eintracht zusammenwirkende

Räderwerk einer Uhr durch was immer, durch Fall, Schlag oder Stoß

verschoben und in seiner Ordnung gestört, so tritt ein Stillstand ein.

Alle Rädchen bis zum kleinsten mögen unverletzt sein; aber es ist

vielleicht etwas dazwischen gekommen, oder sie spannen und drücken sich

gegenseitig, und so kann es nun einmal nicht weitergehen. Man muß sie

neu zurechtrichten oder den Störenfried herausnehmen, dann werden alle

Teile in gewohnter Untertänigkeit dem Ganzen dienen. Geradeso kann es

gehen mit dem lebendigen Uhrwerk des menschlichen Körpers. Ein innerer

Störenfried, vielleicht +eine jener Anstauungen+, wie sie im Alter,

in welchem die Räder, d. i. die Organe, ohnedies fast von selbst aus

den Fugen gehen wollen, so leicht vorkommen, hat den Mund, das Auge,

die Zunge usw., diese feinen Rädchen, zwar nicht verletzt, aber aus

ihrem ordentlichen und angewiesenen Platze weggetrieben. Entferne den

Friedensstörer, und alles wird wieder in Ordnung und Frieden kommen.

Ich will mithelfen.

Ein +Kopfdampf+ mit folgendem Guß wird in den oberen Partien des

Körpers auflösend wirken, ein +Fußdampf+ in den unteren Partien. Der

Kranke nehme alsdann ein +warmes Bad+ im Wechsel mit kaltem Bade oder

kalter Abwaschung. Auch diese Anwendung wird lösend wirken und den

Blutandrang zum Gehirn vermindern. Sind so die Anstauungen gehoben

und der Blutlauf geordnet, dann öle man die ganze Maschine durch eine

+kräftige, nahrhafte Kost+ -- ja nie zu viel auf einmal --, +vermeide+

aber sorgfältig +alles Reizende+, wie starke Weine, Spirituosen,

Gewürze usw. Auch +alle geistigen Reizmittel+ (Anstrengungen,

Aufregungen) sollen weislich vermieden werden.

+Ein Pfarrer+ wurde vom Schlage getroffen. Eine Hand, ein Fuß, die eine

Seite waren total gelähmt, die Sprache und alle Besinnung geschwunden.

Mehrere Tage hindurch wurden ärztliche Mittel angewendet ohne Erfolg.

Der Arzt erklärte zuletzt, die eine Seite sei lahm und bleibe lahm, die

andere Seite werde durch einen zweiten Schlag auch gelähmt werden und

damit das Leben zu Ende sein. Ein Versuch mit Wasser, dachte ich, kann

also auf keinen Fall etwas schaden. Gedacht, getan! +Der kalte Fuß+ und

der +kalte Arm+ wurden kräftig mit +kaltem Wasser gewaschen+; +zwei

warme Fußbäder+ mit kräftigen +Waschungen der Füße und vier Waschungen

des Oberkörpers+ waren die Anwendungen des zweiten Tages. Am dritten

Tage schon konnte man bemerken, daß in beiden gelähmten Gliedern noch

Gefühl und Leben sei. Das gab Mut. Dem +unbehilflichen Körper+ legten

wir am vierten Tage mit Mühe +einen Unterwickel+ um auf eine Stunde und

stellten die +halbtoten Füße zweimal in ein warmes Fußbad+ mit Asche

und Salz. So ging es 14 Tage fort. Nach 14 Tagen unterstützte uns der

Kranke durch die wieder brauchbare gesunde Hand und den gesunden Fuß,

und mit Freude zeigte er, wie er auch die gelähmte Hand schon etwas

in die Höhe zu heben imstande war. Es folgten nun +Ganzwaschungen+ im

Wechsel mit +Kopf- und Fußdampf+, wöchentlich je einer der Dämpfe, und

täglich eine Waschung des Ober- und Unterkörpers. So drei Wochen. Neue

Kraft erfüllte den niedergeschmetterten Lebensbaum, der Appetit wuchs.

+Warmbäder+ im Wechsel mit kalten, in der Woche eins, wöchentlich

ein +Kopfdampf+, ein +Fußdampf+ und drei Halbbäder mit Waschung des

Oberkörpers (eine Minute lang) füllten die folgenden drei Wochen aus.

Den +Schluß des Heilverfahrens+ bildeten +Ober-+ und +Untergüsse im

Wechsel mit dem spanischen Mantel+. Freilich war’s eine langwierige,

schwere und recht anstrengende Arbeit; aber der Herr erholte sich

insoweit, daß er täglich die heilige Messe lesen, die Kranken besuchen,

Ämter halten, alle Schreibereien besorgen konnte. Das Einzige, was ihm

nie wieder gegeben wurde, war das Predigen. Die Zunge hatte zu stark

gelitten und konnte manche Worte nur mehr recht schwer aussprechen.

Ein Mann, 45 Jahre alt, wurde plötzlich vom Schlage getroffen. Die

rechte Hand und der rechte Fuß waren ganz lahm und ohne alles Gefühl;

der Appetit fehlte gänzlich. Dem Kranken wurden täglich der Oberkörper

und die Füße mit halb Wasser und halb Essig ganz warm gewaschen.

Dreimal täglich nahm der Kranke 30 Tropfen von Wermut, Salbei und

Bitterklee. Nach 14 Tagen hatten Hand und Fuß wieder die gehörige

Wärme und das rechte Gefühl; auch war der Mann wieder imstande, im

Zimmer zu gehen. Der Appetit nahm zu, die gelähmte Seite bekam wieder

nach und nach Kräfte, und nach einigen Tagen war der Körper wieder in

Ordnung. Bemerkt sei hier, daß dieser Kranke viel Schnaps getrunken

hatte und daher sein Übel gekommen war. Zur vollständigen Heilung und

Kräftigung gehören noch 8-10 Bäder von gesottenem Haberstroh oder auch

von gesottenen Fichtenreisern. Die Wärme betrage 30° ~R.~ 10-15

Minuten lang; darauf folge eine kräftige kalte Abwaschung oder kaltes

Halbbad mit Waschung des Oberkörpers.

Eine +allgemeine Bemerkung+ könnte vielleicht manchem einmal

dienen. +Wird jemand vom Schlage gerührt+, ist +teilweise Lähmung+

eingetreten, so nehme man +ungesäumt+ und +zuerst+ kräftige +kalte

Waschungen+ vor auf +Rücken+, +Brust+ und +Unterleib+, täglich zwei-,

drei- bis viermal. In das Wasser kann etwas +Salz+ oder +Essig+

gemischt werden. -- +Ebenso wasche man die Füße und Arme+, damit das

Blut allseitig und gleichmäßig sich verteile, die Körperwärme eine

allgemeine werde. +Sämtliche Waschungen+ (ich kann dieses nicht streng

genug einschärfen) geschehen +so schnell wie möglich; keine dauere über

eine Minute+.

Ist die +Lähmung nur eine kleine+, und vermag der Kranke zu sitzen,

so ist +ein Kopfdampf+ von 20 Minuten mit nachfolgender kräftiger

Abwaschung des Oberkörpers die erste, trefflichste Anwendung. Nach

ungefähr 4-6 Stunden geschehe +die zweite: Fußdampf+, gleichfalls von

20 Minuten mit folgender Abwaschung oder Unterguß. Diesen können sodann

die oben angegebenen Waschungen folgen.

+Man hüte+ sich besonders +anfangs+ vor +ganzen Wickeln+; die

Naturwärme ist zu schwach und kann nicht ersetzt werden. Mir ist ein

Fall bekannt, in welchem ein Arzt den Kranken durch Einwickelungen

retten und heilen wollte. Der erste Wickel tat gut. Beim zweiten Wickel

blieb der Kranke kalt, und der ganze Körper wurde blau. Nur durch

Wärmezufuhr konnte er wiederum zurechtgebracht werden.

Ein Mann wird vom Schlage getroffen. Eine Seite ist ganz gelähmt,

ebenso die Zunge. Derselbe ist im bewußtlosen Zustande. So blieb er

10 Tage -- behandelt von einem Arzt; der erklärte, es lasse sich

nichts mehr machen, ein zweiter Schlaganfall werde nicht mehr lange

ausbleiben. -- Auf dringendes Bitten machte ich den Versuch und ließ

allererst einen Kopfdampf anwenden. Der Kranke lag im Bett; auf einem

Schemel wurde ein mit strudelndem Wasser (ein paar Hände voll Heublumen

daran) halb gefülltes Gefäß aufgestellt, der Oberkörper an den Rand

des Bettes gebracht und mit einer Decke zugedeckt, so daß der Dampf

unter der Decke auf den Oberkörper und Kopf drang. Der Kranke kam in 10

Minuten in Schweiß und schwitzte so ungefähr 15-20 Minuten am ganzen

oberen Körper, daß das Wasser tropfenweise hinunterlief. Gleich darauf

wurde der Oberkörper und Kopf mit frischem Wasser und Essig daran

kräftig gewaschen und der Patient zum Ruhen ins Bett hineingebracht.

Am selben Tage wurde die Waschung ohne Dampf nochmals vorgenommen.

Am zweiten Tage wurde ein Fußdampf angewendet (25 Minuten lang) im

bewußtlosen Zustande. Der ganze Körper kam in den größten Schweiß und

wurde daraufhin wieder gewaschen. Am dritten Tag folgte Kopfdampf, am

vierten Fußdampf; am fünften Tage kam wieder Bewußtsein und Leben in

die Seite, der gelähmte Arm und Fuß konnte wieder bewegt werden. An

den nächsten drei Tagen wurde er täglich zweimal mit Wasser und Essig

gewaschen am ganzen Körper. Jetzt kehrte auch die Sprache teilweise

zurück; bis zur vollkommenen Wiedererlangung derselben gingen drei

Wochen vorbei. Von da an wurden dreierlei Anwendungen vorgenommen:

~a~) Ganzwaschungen, ~b~) Ober- und ~c~) Unteraufschläger abwechselnd

vormittags und nachmittags. In wenigen Tagen hatte sich der Kranke

so erholt, daß jeden Morgen ein Knieguß und nachmittags ein Oberguß

vorgenommen werden konnte. Neben diesen Anwendungen wurde gewechselt

mit einer Ganzwaschung. Als der Kranke zum Gehen gekommen, wurden

Halbbäder und Oberguß mit Knieguß -- im Wechsel jeden halben Tag --

genommen.

Die Heilung war so glücklich, daß der Herr jetzt volle 17 Jahre seit

dem erlittenen Schlaganfalle noch rüstig seinen Beruf versieht.

+Anmerkung.+ „Bei jedem Schlaganfalle soll sobald als möglich

ein mit der Wasserkur schon gut vertrauter Mann (am besten Arzt)

gerufen werden. Nur ein Erfahrener kann für den Fall das Rechte

treffen. Bis zum Eintreffen solcher Hilfe kann und soll ohne

+Ausnahme, ohne Bedenken die Waschung des Rückens, der Brust, des

Unterleibes+, der Füße und der Hände der Reihe nach kalt und kurz

vorgenommen werden. Diese Teilwaschungen sollen in 2-3 Stunden

wiederholt werden.“

Schleimfieber.

Dürfte ich den Katarrh mit einem kleinen Kinde vergleichen, so wäre das

Schleimfieber das ausgewachsene Kind. +Schleimfieber entsteht+

regelmäßig aus Katarrhen, und aus beiden kann alles werden, wie

an anderer Stelle gesagt ist. Die +Heilung+, also auch die

Anwendungen sind bei beiden Übeln dieselben. Wer Katarrh schnell und

leicht kurieren will, der lege sich ins Bett, wasche sich selbst alle

Stunden Brust und Unterleib, den Rücken lasse er sich von einem andern

kräftig abwaschen. Drei bis vier solcher Waschungen in einer Nacht

heilen einen erst begonnenen Katarrh. Macht der Katarrh Fortschritte,

d. h. entzünden sich Teile im Halse, im Kopfe, in der Brust, so haben

wir das ausgebildete Schleimfieber, welches demnach nichts anderes

ist als ein den ganzen Körper quälender Katarrh. Dabei bleiben jene

Stellen, an denen der Katarrh begonnen, sei es die Rachenhöhle,

sei es die Brust, bis zu eingetretener völliger Heilung stets die

empfindlichsten.

Schweiß.

„Ja, das ist ein Kreuz, dieser Fußschweiß, der sich nun schon so lange

an meine Sohlen heftet und mich überallhin auf der Ferse verfolgt!“ So

klagen manche, ja sehr viele. „Was ist doch das?“ fragen sie, „häufig

ganz kalte Füße, dann wieder ein Brennen und Stechen, und -- dieser

Geruch!“

Wahr ist’s; aber noch größeres Kreuz, +die traurigsten Folgen+

bringt nicht selten, sogar meistens +vertriebener Fußschweiß+.

Mir ist ein Herr bekannt, dem geraten wurde, er solle täglich ein

paarmal die Füße mit kaltem Wasser waschen; der Schweiß werde schon

nachlassen. Freilich der Fußschweiß ließ nach, er hörte zuletzt ganz

auf. Die Folgen? Die letzten Dinge wurden ärger als die ersten; eine

lästige und gefährliche Krankheit rächte den vertriebenen Fußschweiß.

Jeden Vernünftigen frage ich: Ist’s denn auch anders möglich? Wer

den Fuchs aus seinem Erdverstecke treiben will, darf die Höhle, das

Fuchsloch doch nicht zustopfen. Einen solchen Jäger würden die Spatzen

auspfeifen, und die Hasen würden ihm zum Spott Männchen machen.

+Der Fußschweiß besteht+ in nichts anderem als in +faulen Säften+,

welche auch die Gefäße, die sie anfüllen und verpesten, halbfaul

machen. Dieses +die Ursache des schrecklichen Geruches+, der Menschen,

selbst Tiere aus dem Hause treibt, den Fußschwitzern zur großen Plage

gereicht und sie zu gemiedenen Menschen macht.

+Was ist da zu tun?+ Ein Kleid, das in Teer gefallen ist und weithin

üblen Geruch verbreitet, wird niemand zu reinigen suchen, indem er von

Zeit zu Zeit es mit einem Schwamme abwischt. Die Wäscherin wird eine

gute Lauge machen, das schmutzige Stück einbeizen und so den harzigen

Teer ausziehen. Ein guter Wäscher des Fußschweißes wird sein, wer alle

faulen und faulenden Säfte, so tief dieselben dringen mögen, auflöst

und aus- und abwäscht resp. ausleitet. Nebenbei muß er die Haut und die

Gefäße, soweit sie durch Fäulnis gelitten haben, heilen und kräftigen.

Am besten und sichersten werden +beide Füße ganz eingewickelt in

Tücher+, die in +Heublumenabsud+ oder in +Absud von Fichtenreisern+

getaucht sind. Diese Umschläge saugen die faulen Stoffe auf, und die

beiden Kräuter haben zugleich kräftigende und heilende Wirkung. Man

nehme 5-6 solcher Wickel innerhalb zehn Tagen; hernach vierzehn Tage

lang täglich ein +warmes Fußbad+ (das bis an die Waden hinausreicht)

von je zehn Minuten mit dreimaligem Wechsel und jedesmaliger kalter

Abwaschung (höchstens eine Minute dauernd). Schließlich wird ausreichen

+in der Woche+ ein obenbeschriebener +Fußwickel+ oder ein +solches

Fußbad+. +Nach gestillten Fußschweißen+ ist’s vortrefflich, zuweilen

eine Viertelstunde +im nassen Grase barfuß+ zu gehen. Wer das nicht

kann, gehe vor dem Schlafengehen einige Minuten +in seinem Zimmer

barfuß+ auf und ab. Man sollte nicht glauben, wie vorteilhaft, wie

+erfrischend+, kräftigend und abhärtend die frische Luft auf so

entblößte, dem Wollstrumpfzwange entrissene und einige Minuten der

goldenen Freiheit sich freuende Füße wirkt. ~Probatum est!~ d. i. Übung

macht den Meister!

Körperschweiß, ungesunder.

+Nicht bloß Fußschweiße gibt es+, es gibt auch ungesunde

+Körperschweiße+. Ein Herr von Stand schwitzte jede Nacht so, daß am

Morgen die ganze Matratze durchnäßt war und das Kopfkissen und das

Oberbett trieften, ein nächtliches schweres Kreuz, das ihn immer mit

Angst vor dem Schlafengehen erfüllte.

Zu dieser Last gesellte sich noch eine zweite, nicht geringe

Unannehmlichkeit. Bei der größten Sorgfalt und der sorgfältigsten

Einhüllung und Vermummung nämlich konnte der Herr im Winter des

+ewigen Katarrhs+ nie los werden. Dazu das stete Schwitzen; man

roch die Kleider selbst schon von weitem. Ein lästiges Übel in der Tat!

Und nun das Mittel aus der Apotheke?

Meine Wasser-Kur Durch mehr als 40 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit · 第 30 / 36 段