Wärme und umgekehrt, so sind die Schmerzen, die zuweilen nur auf der
Oberfläche der Haut, zuweilen aber auch tief im Innern, ja, wie man
meinen könnte, im Marke der Knochen wurzeln, meist zurückzuführen auf
Störungen in der Zirkulation des Blutes, sei es nun ein langsameres
oder rascheres Tempo des Blutlaufes, seien es Blutstauungen oder kleine
Entzündungen etc. an der betreffenden Stelle. Die dadurch entstandenen
Reibungen, Pressungen usw. verursachen den Schmerz und müssen durch
Auflösung, Ausleitung und Stärkung der leidenden Teile entfernt werden.
Wenn der Taktstock allein die Sänger nicht mehr im richtigen Tempo
halten will, dann fuchtelt der Gesangmeister noch mit der freien
Hand, mit dem Kopfe den Ungelehrigen zu. Wenn die Gans oder Ente sich
in die junge Hühnerfamilie mischt und das „Gehscht weg, du...“ der
Futterbringerin nichts helfen will, dann wirft sie einen Stein nach
der dummen Gans oder Ente. +Wenn der Rheumatismus tief sitzt, schon
länger währt, besonders schmerzt und weit ausgedehnt ist, so rufe
ich zum Wasser noch die Reibung zu Hilfe.+ Sie entwickelt rascher
Wärme und bewirkt eine schnellere Verteilung des Blutes usw. +Wäre
die kranke Stelle etwas kühl, und würde ohne weiteres, ohne vorherige
Erwärmung ein Guß darauf+ kommen, so wiche der Rheumatismus wohl
etwas weiter im, aber nicht aus dem Körper.
Ein +Bauer+ bekam so heftige rheumatische Zustände in beiden
Füßen, daß er nicht mehr gehen konnte; am meisten schmerzten ihn die
Schenkel. Der Mann wußte nicht, wie er zu dem Übel gekommen war.
Der Bauer +wickelte+ sich +täglich zweimal+ von unter
den Armen an ganz in ein Tuch ein (Unterwickel), das in heißen
+Heublumenabsud+ eingetaucht war, und legte sich jedesmal zwei
Stunden ins Bett mit guter Zudecke. Zehn solcher Anwendungen wickelten
den Rheumatismus vollkommen aus und ab.
+Ein anderer Bauer+ konnte vor lauter +Schmerzen in
den Hüften+ gar nicht eingewickelt werden. Er wurde in ein
+Haberstrohbad+ mit 33-35° ~R.~ und mit dreimaligem Wechsel
gesetzt, täglich zweimal, je 25 Minuten lang. In 3 Tagen war er geheilt.
Fälle von +Kopfrheumatismus+ könnte ich eine Unzahl nennen. Sie
wurden am leichtesten dadurch entfernt, daß man +möglichst wenig am
Kopfe selbst+, dagegen +warme Bäder und Dämpfe an den Füßen+
anwandte. Kommt man dem Kopfe mit Kälte, so wird’s ärger; kommt man
mit Wärme, so strömt noch mehr Blut zu. Die +Reihenfolge der besten
Anwendungen+ wäre etwa folgende:
das +warme Fußbad+ (mit Asche und Salz),
die +Überlegung+ eines +Schals+,
der +Fußdampf+,
der +Kopfdampf+ mit kaltem Abguß und wieder
der +Schal+.
Diese Anwendungen, täglich eine derselben, heilen den stärksten
Kopfrheumatismus, der gewöhnlich durch Zugluft, Verkühlung und sehr oft
durch zu raschen Wechsel von Hitze und Kälte entsteht.
+Kein Rheumatismus darf vernachlässigt werden+, ein jeder könnte der
Anfang zu vielen und schweren Krankheiten sein: zu Krankheiten der
Lungen, der Augen, Ohren etc., zu Entzündungen, Blutvergiftung, zu
Geschwüren usw.
+Ein Student+, der ziemlich viel getrunken hatte und in diesem Zustande
in die kalte Luft gekommen war, bekam plötzlich +Rheumatismus auf der
Brust+. Er meinte, seiner Jugend und seiner Tapferkeit könne so etwas
nicht schaden; die „leidige Geschichte“ werde sich von selbst wieder
verlieren. Aber es wurde für die Eltern und deren Angehörige eine
leidvolle Geschichte. Es entstand trockener Husten, der schnell einen
bösartigen Charakter annahm. Nach zwei Monaten war das blühende und
hoffnungsvolle Leben ausgelöscht. Hätte der junge Mann nur +täglich
vier- bis fünfmal Brust+ und +Unterleib+ mit +kaltem Wasser+ kräftig
+abgewaschen+, in 1-2 Tagen wäre die Brust frei und der Arme außer
aller Gefahr gewesen.
+Anna Maria+, die viel und streng arbeiten mußte, erhielt +rings
um das Knie herum eine Geschwulst+. Sie beachtete dieselbe mehrere
Wochen gar nicht und machte später, als sie heftig schmerzte, in ihrem
Unverstande dichte kalte Umschläge. Das Knie wurde nicht besser,
sondern schlimmer, und sie befragte einen Arzt. Dieser gab eine Salbe
zum Einreiben, die indessen ohne Wirkung blieb. Zu allem Unglück bog
sich der Fuß unter dem Knie am Schienbein abwärts. Um die Steifheit zu
verhindern, verordnete der Arzt, während 14 Tagen jeden Tag den Fuß mit
Schweinefett kräftig einzureiben, später mit Karbolsäure zu waschen.
Das Knie wurde immer schlimmer. Zuletzt wandte er einen Gipsverband
an und verhieß der Kranken, nach dessen Wegnahme könne sie sicherlich
gehen. Nach neun Wochen wurde der Gipsverband weggenommen; aber die
arme Magd konnte auf dem Fuße weder stehen noch gehen. Dieser elende
Zustand währte fort bis vor wenigen Wochen.
Derlei +Verhärtungen an und um die Knochen+ können nur aufgelöst
werden durch längere Zeit fortgesetzte +Überschläge+ mit +geschwellten
Heublumen+, die stets ganz warm aufgelegt werden. Ist die Auflösung
geschehen, so wird das Blut auch wieder nach diesen Teilen dringen,
dieselben nähren, und die Kraft wird wiederkehren.
Nach achttägiger Anwendung besagten Umschlages konnte die Kranke
bereits auf dem Fuße stehen. In 8 bis 10 Wochen konnte sie auch wieder
gehen.
Ein Herr von Stand kommt und erzählt: „Ich bin vom Kopf bis zum Fuß
voll von Rheumatismen und Krämpfen, habe beständig Katarrh, bald
schwächer, bald stärker, ich mag im Zimmer oder im Freien sein; ich
weiß mir nicht zu helfen. Ich bin meistens fast ohne Schlaf, ohne
Appetit, und wenn ich nicht besser werde, muß ich in Kürze mein ganzes
Berufsleben einstellen. Ich trage schon lange ein Jägerhemd und ein
Jäger-Unterbeinkleid. Über dieses Jägerhemd trage ich ein zweites
Hemd von Wollbarchent, dem stärksten Stoff, den ich bekommen konnte.
So trage ich auch noch eine zweite Jäger-Unterhose vom stärksten
Wollstoff, dann ein Gilet von Tuch mit dickwollenem Unterfutter, auch
eine Buckskinhose, endlich einen Rock und einen Überwurf. Mein ganzer
Körper ist vorherrschend kalt und wie mit Teer von übelriechendem
Schweiß bedeckt. Es kann kaum noch ein unglücklicheres Geschöpf geben,
als ich bin.“ Nun zur Wasserkur!
Zuerst wurde ein Oberguß genommen und die schmierige Haut abgewaschen,
ebenso ein Knieguß mit Waschungen. So wurde drei Tage täglich zweimal
diese Anwendung vorgenommen. Am dritten Tage wurde das Jägerhemd und
die Jägerhose entfernt und gleich darauf ein Halbbad und eine Stunde
später ein Oberguß genommen. Am fünften Tage wurde die Doppelunterhose
ausgetauscht mit einer leinenen. Am siebenten Tag wurde das Hemd
mit einem leinenen ausgewechselt, und so wurde auch das mit Ärmeln
versehene Gilet entfernt; dann wurden täglich zweimal Oberguß und
Unterguß im Wechsel mit Halbbädern genommen. Nach 14 Tagen war der
ganze Organismus von jedem Rheumatismus und Krampf frei; die Haut
transpirierte wie bei einem Gesunden, Schlaf und Appetit stellten
sich vortrefflich ein, und der gute Herr freute sich, wieder neu
hergestellt, am Schluß der Ferien seine Berufstätigkeit wieder
aufnehmen zu können. Über das Ganze äußerte er sich mit folgenden
Worten: „Hätte ich mein kleines Übel, meinem eigenen Urteil folgend, so
verschlimmert, könnte ich mir nur gram sein. Doch ich tat nichts ohne
Anleitung der berühmtesten Ärzte.“
„Mein ganzer Oberkörper,“ berichtet jemand, „ist voll Rheumatismus; an
der rechten Seite im Oberkörper bin ich gar nie ohne große Schmerzen,
und läßt der Schmerz etwas nach, dann kommt er auf eine oder auf beide
Schultern. Ich werde dann so steif, daß ich die Schultern nicht mehr zu
rühren vermag; kommt aber der ganze Schmerz auf den Magen, dann ist es,
wie wenn sich alles umdrehe; ich kann dann auch gar nichts essen. Am
allerärgsten aber ist der Schmerz am Hinterteil des Kopfes, besonders
auf der linken Seite. Die Füße werden mir gar nicht mehr warm. So
ist mein Leben recht elend, und ich kann meinem Berufe gar nicht
nachkommen. Für das, was ich verbraucht habe an ärztlichen Mitteln und
sonstigen Medikamenten, habe ich eine große Summe aufgewendet; geholfen
hat mir gar nichts. Seit mehr als einem Jahr trage ich auf Befehl eines
Arztes Wollhemden, bin aber dadurch noch viel empfindlicher geworden.“
Die Anwendungen waren: 1) In der Woche dreimal ein grobes Hemd
anziehen, 1½ Stunden lang, in Wasser getaucht, in welchem Heublumen
gesotten wurden. 2) Zweimal in der Woche ein Wickel von unter den Armen
an bis ganz hinunter, das Tuch ebenfalls in warmes Heublumenwasser
getaucht. 3) In der Woche zweimal in der Nacht vom Bett aus ganz
waschen mit kaltem Wasser und, ohne abzutrocknen, gleich wieder ins
Bett. So 14 Tage lang, dann als weitere Anwendungen: 1) Täglich ein
Oberguß und Knieguß. 2) Täglich Wassergehen, 2-4 Minuten lang, dann
Bewegung. 3) Zweimal in der Woche ganz waschen.
Nach 4 Wochen war der Patient von seinem Leiden frei und nimmt jetzt
noch in der Woche zwei Halbbäder.
Ein Vorstand einer öffentlichen Lehranstalt erzählt:
„Ich leide fast Unsägliches an meinen Armen, Schultern und Füßen;
bald bin ich wie in Rheumatismus gewickelt, bald sind wieder einzelne
Stellen um so empfindlicher, wenn der Schmerz von anderen gewichen ist.
Atemnot besteht fast fortwährend, oft so stark, daß ich fürchte zu
ersticken; zudem leide ich auch an Kongestionen und habe so selten eine
frohe Stunde.
Ich wurde magnetisiert, elektrisiert und gebrauchte vieles andere
-- ohne Erfolg. -- Die Wasserkur hat mir in 10 Tagen allen Schmerz
genommen, und von meinem Leiden fühle ich nur noch unbedeutende Spuren.
Ich habe die Überzeugung, eine Fortsetzung von leichteren Anwendungen
wird mir auch den letzten Rest nehmen.“
So der Kranke.
Die Anwendungen waren: Täglich ein Oberguß und zwei Schenkelgüsse,
am zweiten Tag der spanische Mantel; vom vierten Tag an ein Halbbad
täglich statt Oberguß und einmal wöchentlich Kopfdampf.
Ein Mann, 46 Jahre alt, erzählt: „Irgendwo habe ich immer Schmerzen,
entweder auf der rechten Seite oder oben auf der Schulter; es bleibt
der Schmerz nie lange an einer Stelle; kommt aber das Leiden in den
Kopf, dann bin ich voll Schwindel; aus dem rechten Auge läuft viel
Wasser heraus; fährt mir aber der Schmerz in den Fuß hinunter, dann
wird dieser ganz steif; kommt er mir auf die Brust, dann weiß ich kaum
mehr zu atmen. So leide ich schon Jahre hindurch und habe, wenn auch
nur auf kurze Zeit Erleichterung, doch nie Hilfe gefunden.“
Dieser Kranke wurde in fünf Wochen geheilt durch folgende Anwendungen:
1. In der Woche dreimal einen kurzen Wickel, 1½ Stunden lang;
2. viermal in der Woche ganz waschen vom Bett aus;
3. zweimal den Oberguß; so 14 Tage lang. Dann:
1. einmal den kurzen Wickel,
2. zweimal die Ganzwaschung,
3. jeden Tag Oberguß und Knieguß.
So geheilt nahm der Patient als zeitweilige Fortsetzung der Kur, sowie
zur Erhaltung seiner Gesundheit jede Woche ein Halbbad und zweimal
Oberguß und Knieguß.
Rotlauf (Gesichtsrose)
ist ein giftiger Krankheitsstoff, der sich zwischen Haut und
Fleisch sammelt und lagert und an irgend einer Stelle einen Ausgang
sucht. Er kann entstehen an einem +Fuße+, an einem +Arme+, +am
Kopfe oder an jeder anderen Stelle des Körpers+. Wo er sich zeigt,
tritt große Spannung ein, als ob die Haut zu eng sei, als ob sie
auseinanderspringen möchte. Manchmal tritt er lange nicht auf die
Oberfläche, und der davon Befallene leidet oft große Schmerzen.
Beim Ausbruche zeigen sich zuerst einzelne Bläschen mit bräunlicher
Flüssigkeit, nach und nach eine Unzahl derselben, kleinere und größere,
die so giftig sind, daß sie ganze Teile der Haut auffressen. Der
Rotlauf kann +gefährlich+ werden und +leicht den Tod bringen+, wenn er
nicht imstande ist, nach außen sich zu entfalten, wenn er im Inneren
eine Blutvergiftung bewirkt, die sich rasch verbreitet, da nach der
entzündeten Stelle viel Blut hinströmt. +Gar oft+ kommt noch +der Fall+
vor, daß der Rotlauf, wenn er sich nach außen entwickelt, von der
+ursprünglichen Stelle weicht+ und im Inneren an eine Stelle tritt.
Derlei Fälle haben meistens einen tödlichen Ausgang.
Ich kannte einen Knecht; der bekam den Rotlauf am Arme. Er wollte dem
Übel kein Gewicht beilegen; „das sei eine Weiberkrankheit“, meinte er.
Der Rotlauf verschwand, faßte aber nach kurzer Zeit Posto im Gehirn,
und in Bälde war der Kranke unterlegen.
Desgleichen ist mir ein +Priester+ bekannt; diesem setzte sich der
Rotlauf an einen Fuß. Wie er den leidenden Fuß gepflegt hat, weiß ich
nicht. Der Rotlauf verschwand, und der Patient glaubte sich von dem
Unhold befreit. Doch bald zeigte sich der unliebe Gast von neuem, jetzt
am Oberarm. Wiederum verschwand er, aber nur, um sich zuletzt im Kopfe
festzusetzen. Nach 4 Tagen war der Priester eine Leiche.
Jeder, der diese Krankheit aufmerksam beobachtet hat, wird von
einer Reihe von +Todesfällen+ erzählen können, die eintreten +durch
Vernachlässigung des Rotlaufs+.
+Bei der Heilung ist vor allem darauf zu achten+ und +muß dem
vorgebeugt werden, daß der Rotlauf nicht auf Wanderung+ gehe. An der
Stelle, wo er zutage tritt, muß er so bald wie möglich geschwächt und
der Giftstoff ausgeleitet werden. Auch die Zuströmung des Blutes soll
man nach Möglichkeit verhindern, d. h. mindern.
Wer +Rotlauf am Fuße hat+, soll am besten einen +kurzen Wickel nehmen+.
Dieser schneidet der Rotlaufstelle die Zufuhr ab. Nach dem kurzen
Wickel kann er +den Fuß oberhalb der Rotlaufstelle+ gegen den Körper
zu +umwinden+ (Fußwickel). Man kann aber auch den +Rotlauf direkt
angreifen+. Dieses geschieht, indem man ein recht weiches, ausgenütztes
linnenes Tuch in warmes Wasser taucht, damit die brandige Stelle
überlegt und mit einem trockenen Tuche oder mit Wolle jenes nasse
einhüllt. Dieses verteilt und leitet aus.
Bekommt jemand den +Rotlauf am Arm+, so kann er wieder zuerst durch
einen +kurzen Wickel+ die Strömung des Blutes von oben her ableiten.
Dann soll er einen +Schal+ umlegen und diesen öfters erneuern je nach
der Stärke der Hitze. Auch gegen das direkte Einwirken auf die kranke
Stelle läßt sich (wie oben beim Fußrotlauf) nichts einwenden.
Sollte der +Rotlauf am Kopfe+ entstehen, so wird ein +Oberaufschläger+
kräftig nach unten ableiten und ein +Halswickel+ rasch den Rotlaufstoff
vermindern. Sind diese Anwendungen ein paarmal vorausgegangen, so kann
man direkt auf die Rotlaufstelle selbst einwirken, +anfangs mit warmem+
und, wenn ein großer Teil des Krankheitsstoffes abgeleitet ist (was
das Nachlassen der Röte und der Geschwulst angibt), auch mit kaltem
Wasser. Die Anwendungen geschehen stets in Form von Linnen-Auflagen
oder Wickeln, im letzteren Falle in Form des Kopfwickels.
Ein Geistlicher aus M. berichtet: „Vielleicht infolge einer Erkältung
trat ein heftiger Rotlauf (Gesichtsrose) bei mir ein. Die Hitze
des Körpers war groß, der Schweiß heftig, das Gesicht bedeutend
geschwollen. Es wurde mir in diesem Zustande täglich vier- bis fünfmal
die Brust, der Unterleib, der Rücken und die Arme, zuweilen auch die
Beine, aber +nicht+ das Gesicht mit kaltem Wasser abgewaschen und
zwar in vollem Schweiß. Später waren die Waschungen weniger. Dies
hatte den besten Erfolg zur Heilung der Krankheit und war zugleich
sehr wohltuend. Nach 4 Tagen war das Fieber vorüber, und am neunten
Tage konnte ich das Zimmer wieder verlassen. Da noch eine kurze Zeit
hindurch nachts Schweiß sich einstellte, stand ich auf, wusch denselben
mit kaltem Wasser am ganzen Körper ab, zog ein frisches Hemd an und
legte mich wieder zu Bett. Ich habe bereits früher dieselbe Krankheit
gehabt. Bei dem damaligen Heilverfahren dauerte es vier Wochen, bis
ich wieder hergestellt war, jetzt durch Anwendung des Wassers nur neun
Tage.“
Rückgrat.
+Ein hochgestellter Offizier+ hatte sich beim Fahren einen +Wirbel+ des
Rückgrates eingedrückt und, wie die Ärzte behaupteten, das Rückenmark
so verletzt, daß er meistens die gräßlichsten Schmerzen zu dulden hatte
und sein Zustand nur zeitweise erträglich war. Das Leiden wirkte noch
mehr auf das Gemüt, als es Schmerzen verursachte. Kein Arzt konnte
ihm Hilfe bringen, obwohl er die ersten und berühmtesten Ärzte der
Großstadt aufsuchte. Auf die Erklärung des berühmtesten Arztes der
Gegend, daß da keine Heilung mehr eintreten könne, und daß mit der
Zeit die Schwindsucht sich einstellen werde, suchte der Herr seine
Hilfe beim Wasser. -- In 6 Wochen war er hergestellt und erfreut sich
heute noch guter Gesundheit, obgleich die Heilung bereits vor mehr als
25 Jahren stattgefunden hat. Auch das Gemütsleiden verschwand mit dem
körperlichen Leiden vollständig.
+Welche Anwendungen+ in unserem Falle vorgeschrieben waren, weiß ich
genau nicht mehr zu sagen. Aber wenn du, lieber Leser, an genanntem
Übel leiden solltest, so würde ich dir +folgendes+ raten: Laß dir
+dreimal in der Woche+ den +spanischen Mantel+ umlegen; +nimm dreimal
in der Woche ein Halbbad+ mit Waschung des Oberkörpers und +zweimal
einen Ober- und Unterguß+! Dieses setze mehrere Wochen pünktlich fort!
Der ganze Organismus muß sich kräftigen und erstarken, und die von der
verletzten und kranken Stelle ausgegangenen Gebrechen werden eines nach
dem andern schwinden. Auch der eingetriebene Wirbel wird Ruhe geben und
verknöchern, wie wenn nach einem Beinbruch der wunde Teil vernarbt.
Abermals wiederhole ich: Wenn ein Teil am Körper schwer leidend ist,
so kränkelt der ganze Körper. Der ganze Organismus nimmt gleichsam
teil an dem Schmerze des Gliedes oder Gliedchens. Wirf einen Stein ins
Wasser, und die ganze Oberfläche des Baches oder Teiches wird bewegt
und zeigt Wellenkreise. Der Stein ist der eingedrückte Wirbel. Die
Schmerzenskreise durchziehen den ganzen Körper.
Dieses sind treffliche +Winke für das Heilverfahren+. Sonach muß
man beim +Heilen immer auf den ganzen Körper einwirken+, damit er
stark werde, und damit die gesunden Teile des Körpers die kranken
und geschwächten unterstützen, gleichsam hegen und pflegen; die
Organe stehen ja untereinander in innigstem Zusammenhange. Sie sind
die nächsten Glieder einer Familie, die sich nur wohl befinden in
einträchtigem, friedlichem Zusammenwirken.
Ruhr.
Die Ruhr +ist eine Schwester der Cholera+. Beide sehen einander überaus
ähnlich. Diese Krankheit +beginnt in der Regel+ mit gräßlichen Krämpfen
im Unterleib und mit starkem Abweichen. Neben anderem geht viel Blut ab.
Am +schnellsten heilt+ man die Ruhr, indem man ein +doppelt
gefaltetes Tuch in recht warmes Wasser mit Essig+ eintaucht und auf
den Unterleib bindet. Ganz auffallend wirkt nach +innen ein Gläschen
Heidelbeergeist+, den man sich selbst leicht machen kann, und der in
keiner noch so kleinen Hausapotheke fehlen sollte. +Zweimal im Tage+
kann man +zwei Eßlöffel+ dieses Geistes in heißes Wasser gießen; der
Labetrunk wird vortrefflich munden. +Sollte der Zustand+ am zweiten
Tage +nicht wesentlich besser+ sein, +so erneuert+ man die +Auflage+
auf den Unterleib und nimmt nochmals eine Portion Heidelbeergeist.
+Joseph+ krümmte sich im Bett wie ein Wurm. Manchmal drehten ihn die
Krämpfe herum wie eine Kugel. Er schrie vor Schmerz. Im Stuhl war
mehr als ein halbes Liter Blut. +Zwei Löffel+ des oben erwähnten
+Heidelbeergeistes+, am Morgen und am Nachmittag genommen, haben in
kurzem alles wieder gut gemacht.
+Anna+, eine Frau von über 50 Jahren, jammerte in entsetzlichen
Krämpfen. Abweichen mit viel Blut ließ sie befürchten, es sei die
ausgebildete Cholera. +Das Essigtuch am Leibe+, der +Heidelbeergeist
nach innen+ haben die Kranke in einem Tage wieder hergestellt. Sollten
keine Heidelbeeren zu finden sein, so tut Milch, mit Fenchel abgekocht,
gleichfalls recht gute Dienste.
Säuferwahnsinn.
Ein Mann, 36 Jahre alt, hatte viel Bier getrunken, wenig gegessen und
sich so ziemlich vom Bier genährt. Hatte er Bier im Leib, so fühlte er
sich kräftig; war aber der Bierdampf verraucht, so jammerte er über
Entkräftung.
Bei dem armen Manne war bereits der Säuferwahnsinn so stark entwickelt,
daß selbst junge Leute merkten, er sei nicht mehr recht. Dabei klagte
er besonders viel über rheumatische Schmerzen, Krämpfe und zeitweilige
Kopfschmerzen. Ist die Trunksucht auch äußerst schwer heilbar, so hatte
dieser Patient doch guten Willen und wollte auch mit allen Opfern von
seinem Elende frei werden.
Innerhalb drei Wochen haben nachfolgende Anwendungen den Mann
vollständig hergestellt. Jeden Tag bekam er zwei bis drei Anwendungen,
und zwar der Reihe nach, wie sie hier folgen: 1. Tag: ~a~) Oberguß und
Knieguß, ~b~) Wasserstehen, Wassergehen und die Arme ins Wasser, ~c~)
Rückenguß. 2. Tag, ~a~) Halbbad, ~b~) Oberguß mit Knieguß. 3. Tag:
~a~) Sitzbad, ~b~) Oberguß. 4. Tag: ~a~) Halbbad, ~b~) Vollbad. So
wurde fortgefahren bis zur Heilung; alle krankhaften Zustände hörten
auf, das Aussehen hat sich vollständig gebessert, guter Appetit sich
eingestellt, und die Lust zum leidenschaftlichen Trinken hatte ganz
nachgelassen. Besonders muß betont werden, daß während der Kur an den
verschiedensten Stellen des Körpers Ausschläge mit Ausscheidung der
giftigen Stoffe auftraten.
Scharlachfieber.
Der Scharlach tritt meistens ein- oder auch zweimal im Jahre auf und
verlangt nicht selten zahlreiche Opfer. Gewöhnlich trifft er die
Kinder, verschont aber auch die Erwachsenen nicht. Die +Zeichen vor
dem Eintreten+ sind Kopfweh, Drücken auf Magen und Brust, Müdigkeit,
Wechsel von Hitze und Frost. So viele Kinder diese Krankheit wegrafft,
+so leicht ist mit Wasser zu helfen+. Kinder sind meist schon in zwei
Tagen vor Gefahr gesichert; bei Erwachsenen geht es etwas langsamer.
Scharlach kann auf +zweierlei Weise recht leicht geheilt+ werden. Sind
bei einem Kinde, gleichviel ob es noch auf den Armen getragen wird
oder schon in die Schule geht, alle Zeichen dieser Krankheit vorhanden,
so tauche man ein +Hemd in heißes Wasser+, in das man +etwas Salz+
geworfen, winde es aus, so daß es nicht mehr träufelt, und ziehe es
dem Kinde, das im Bette liegt, an. Dann wickle man es gut in eine
Decke ein, so daß jeder Luftzutritt verhindert ist, und lasse es so
eingehüllt eine Stunde liegen. Dann ziehe man das Hemd aus, und der
ganze Körper des Kindes wird übersät sein mit dem Scharlachausschlage.
Sollte die +Hitze übergroß+ werden, +so wasche man das Kind ganz, aber
schnell ab+ und lege es wieder ins Bett. In +schwierigen Fällen+, in
denen die Hitze sich steigert und es dem Kranken bange wird, kann in
einem Tage das Hemd zwei- bis dreimal, seltener auch viermal angelegt
werden müssen. Es kommt lediglich auf die Hitze und Stärke des Fiebers
an. Nimmt die Hitze und das Fieber ab, so kann der Zwischenraum
zwischen den Neueintauchungen des Hemdes verlängert werden. Man merke
sich nur, daß bei diesen späteren Anwendungen +stets kaltes+ Wasser
(mit Essig) gebraucht wird. Zudem sei man recht sorgsam bei der
Umhüllung und dem Zudecken, -- gut, aber nie übermäßig. Nach Entfernung
des nassen Hemdes bekleide man das kranke Kind mit einem sauberen
Hemdchen. Bei solcher Behandlung wird in vier, höchstens in sechs Tagen
der Scharlach völlig geheilt sein.
+Eine Bemerkung+ sei hier beigefügt. +Selten ist Appetit+ vorhanden.
Dränge man dem Kinde ja keine Nahrung auf! (Wie der Ausschlag nach
außen dringt, so ist er auch im Innern.) Der Durst ist gewöhnlich
stark. Das Wasser bleibt das beste Linderungsmittel. Etwas Zucker,
auch ein wenig Wein (roter oder weißer) kann gut beigemischt werden.
Landkinder trinken am liebsten Milch. Als Grundsatz gilt: wenig
trinken, aber öfter. Ich glaube nicht, daß ein Kind, das so behandelt
wird, stirbt.
+Ludwig+, ein Knabe von 10 Jahren, kann vor Hitze kaum mehr reden. Das
Gesicht ist gerötet, und er klagt, alles tue ihm weh. Ludwig wird, weil
die Hitze stark und die Bangigkeit groß ist, +jede Stunde gewaschen+,
und dieses zwei Tage lang. Am dritten Tage fängt der Knabe schon an
zu essen. Das Waschen geschieht nur noch zweimal während des Tages.
Am fünften Tage fühlt sich Ludwig wohl; am sechsten geht er im Zimmer
umher, und bald spielt er wieder im Freien mit anderen Kindern.
+Maria+, 20 Jahre alt, kann nicht mehr gehen, hat heftigen Kopfschmerz,
fühlt sich wie zerschlagen in allen Gliedern; dazu hustet sie immer
ganz trocken, und es drückt sie schrecklich auf der Brust. Sie weiß vor
Bangen nicht, was tun, kann keinen Augenblick aus dem Bette sein. Ekel
quält sie vor jedem Essen, aber sie kann nicht genug trinken. Maria
wird in einem hohen Grade das Scharlachfieber bekommen. Was tun? +Alle
Stunden+ soll ihr der +Rücken+ kräftig mit +kaltem Wasser+, in das
etwas +Salz+ gemischt wurde, gewaschen werden, ebenso die +Brust+ und
der +Unterleib+. Ist sie auf diese Weise gewaschen, was aber so schnell
als möglich geschehen soll, dann decke man sie ordentlich zu, aber ja
nicht zu stark.