unheimliche Leiden+, indem sich’s wie +Nebelflor auf die Augen+
legt. Bei manchem spukt es in den +Augenecken+, bei anderen wird
das +Augenlicht selbst+ ganz +gestört+, und es ist ihnen, als ob
verschiedene Figuren vor den Augen tanzten.
Migräne kommt gerne nach +Krankheiten+, wenn die Natur sich noch nicht
vollständig erholt hat und die Tätigkeit der Organe keine ganz normale
ist. Migräne kann auch ein +Erbteil+ sein. Leute, die oft an Migräne
leiden, erzählen dann, wie schon die Mutter oder der Vater daran
gelitten.
Besagtes Kopfleiden ist unschwer zu heilen. Rührt die +Migräne von
Gasen her+, -- und diese sind nach meiner Ansicht die Hauptursache,
-- so kann es ausreichen, wenn man 2-3 +Tage nacheinander täglich
zwei- bis viermal den Unterleib mit recht kaltem Wasser kräftig
wäscht+. Nicht nur die Gase werden durch diese einfache Anwendung oft
vollständig ausgeleitet, sondern diese wirkt sogar auf den Stuhlgang
und bringt nicht selten +allein+ alles in Ordnung. Kräftiger noch ist
die Wirkung, wenn ins Wasser, das man zur Waschung benützt, etwas
+Essig+ oder +Salz+ gemischt wird.
Sollte diese Anwendung nicht ausreichen, dann können +innerhalb+
einer Woche 2-3 +Halbbäder+ genommen werden. Diese sollten genügen.
Nebenzu mag der Patient +Tee+ verwenden, der die Gase aufzehrt oder
löst. +Kümmel+ oder +Fenchel+, als Tee bereitet und getrunken, wirkt
vortrefflich. Auch +kleine Hausmittel+ sind nicht zu verachten. Jeden
Morgen und Nachmittag 5 +Tropfen Spicköl+ auf Zucker tut denselben
Dienst. 6-8 +Wacholderbeeren+, im Tage nacheinander zu verschiedenen
Zeiten gekaut, haben schon manchem geholfen.
+Brausepulver+ halten viele für ein Radikalmittel gegen dieses
Leiden. Dieselben leiten vielfach Gase aus, das gebe ich zu; aber man
übertreibe nicht. +Radikalmittel sind sie nicht.+ Derlei Leute erinnern
mich mit ihren Anpreisungen immer an jenes amüsante Geschichtchen,
worin einer mit einer Rakete einen Hasen totschießt. Als das
Nonplusultra für Migräne gilt heutzutage der +Migränestift+, ein feines
und fein gearbeitetes Holz, in dem die Wundereichel steckt, die stark
nach Kampfer riecht. Kein Gebildeter und keine feine Dame gehen mehr
aus ohne dieses kleine Vademekum. Die Wurzel des Übels (der Migräne)
sitzt, wie wir gesehen, zumeist und hauptsächlich im Unterleib. Mit dem
Stifte braucht man aber nur eine gewisse Anzahl Striche auf die Stirne
(glaube ich) zu machen, und gut ist’s. Helfe, was helfen mag! Ich will
mir darüber kein weiteres Urteil erlauben; aber ich müßte lächeln, wenn
ein Patient, dem Klistier verordnet ist, statt dieses zu nehmen, sich
in das Ohr spritzen ließe.
Nasenbluten
siehe oben Seite 189.
Nervenerschöpfung.
Ein Pfarrer gab an, er habe zeitweilig fast unausstehliches Kopfweh,
und wenn dieses sich bessere, solche Halsbeschwerden, daß er vor
Müdigkeit und Schmerzen kaum reden könne. Auch im Rücken bestehe oft
schmerzhaftes Zusammenziehen und Mattigkeit. Nach dem mitgebrachten
Zeugnisse seines Arztes leide er an „ausgebildeter Nervenerschöpfung,
und es sei nahe daran, daß Gehirn und Rückenmark angegriffen würden“.
-- Außerdem waren hochgradige Reizbarkeit und Angstgefühle vorhanden.
+Anwendungen+: Täglich ein schwacher Oberguß in der Frühe und
nachmittags; täglich einmal im nassen Grase und auf nassen Steinen
4 Minuten lang gehen; so 5 Tage lang. Darnach täglich ein stärkerer
Oberguß, ein Knieguß und zweimal im Wasser gehen; so 5 Tage lang.
Dazwischen Sitzbäder.
Die weiteren Anwendungen waren: Täglich ein Rückenguß, ein Halbbad, ein
Oberguß und Wassergehen. Diese Anwendungen beseitigten alle Leiden, und
gesund und heiter ging der Geheilte wieder an sein Berufsleben.
Nervenleiden.
Ein +Geistlicher+ berichtet also:
„Infolge gewaltiger Aufregung, Angst und Schrecken bekam ich Ende
Juli 1884 ein Leiden, welches sich anfangs durch häufiges, sehr
beängstigendes Herzklopfen und beständige Atmungsbeschwerden mit
allgemeiner Schwäche äußerte. Das Herzklopfen hörte nach einigen
Monaten wieder auf. Aber nun erschienen andere Übel: mitunter sehr
heftige beängstigende Anfälle von Asthma, häufiges Drücken mit
Schmerzen und Spannen bis in den Unterleib hinab. Hauptsächlich spürte
ich den Druck in der ganzen Rippengegend, zuweilen auch im Rückenmark.
Oftmals fühlte ich sehr große Mattigkeit und Abgeschlagenheit in
allen Gliedern mit Schmerzen in den Gelenken. Nebenher quälten
Verstopfungen mit Blähungen stets den Unterleib. Die Stimme war ganz
geschwächt, so daß mir oft schon das einfache Sprechen Schmerzen,
Beklemmungen und Asthma verursachte; ein anhaltender, starker
Gebrauch der Stimme war ganz unmöglich geworden. Während der ganzen
Zeit habe ich auch Beschwerden im Kopfe, nämlich Schwindel, starke
Eingenommenheit, zu Zeiten heftige Kopfschmerzen, so daß ich manchmal
kaum zu denken imstande und zu jeder geistigen Anstrengung unfähig
bin. Jede Kleinigkeit regt mich ungemein auf und steigert nicht
selten die Beschwerden in Brust und Kopf aufs äußerste. Dazu hat eine
unsägliche Melancholie meinen Geist eingenommen, manchmal ist’s fast
zum Verzweifeln. Die Ärzte erklärten mein Leiden für ein Nervenleiden.
Zwei derselben, ein Allopath und ein Homöopath, beide berühmte Männer,
verschrieben mir Mittel (Duschebäder, Diät, Bromkali, ~Zincum oxydat.~,
~Natr. phosph.~ u. a.), die aber sämtlich ganz erfolglos blieben, ja
das Übel zuweilen noch ärger machten. Am ehesten schien noch zu wirken,
was ein dritter Arzt anriet: kalte Vollbäder und fleißige Bewegung in
der Luft. Das dauerte so ein halbes Jahr, bis ich endlich ganz zum
Wasser meine Zuflucht nahm.“
Soweit der Kranke. Schauen wir ihn selbst näher an! Sein Aussehen
ist ungewöhnlich gerötet, die Augenränder sind etwas gelb, Ohren und
Lippen hochrot, mit blau untermischt. Die Haare sind dem jungen Herrn,
der kaum mehr als 30 Jahre zählt, bis auf einen kleinen Rest gänzlich
ausgefallen. +Worauf lassen diese Anzeichen schließen?+ Gewiß auf
+allzu heftigen Drang des Blutes gegen Kopf und Brust+. Der Schmerz auf
der Stirne zeigt die Heftigkeit des Blutandranges zum Kopfe an, und
das zu viele Blut im Kopfe bewirkt eine Ausdehnung der Adern. +Kann da
geheilt werden und wie? Die zwei hauptsächlichsten Leidensstellen, Kopf
und Brust+, sind vor allem ins Auge zu fassen. Beide werden gleichsam
erdrückt unter der Überfülle des Blutes. Dieses muß allererst +gegen
die Extremitäten abgeleitet werden+. Dann kann ich an die Auflösung
alles Abnormalen (Anstauungen, Erweiterungen der Adern, Ausbuchtungen
nach innen usw.) an Kopf und Brust gehen und zuletzt allgemein auf den
ganzen Körper einwirken.
Als +Anwendungen+ werden sich der Reihe nach am besten eignen:
+Fußdampf+, +Kopfdampf+, +kurzer Wickel+, +spanischer Mantel+, +auf
nassen Steinen gehen+, +Ober- und Untergüsse+, spanischer Mantel,
Barfußgehen, zur Winterszeit am besten im frischgefallenen Schnee.
Innerhalb 3 Wochen hatte sich der Zustand bedeutend gebessert. Bis
zur vollen Erholung indessen dürften bei so fortgeschrittenem und
tiefgewurzeltem Leiden noch Monate vergehen.
Aus der mehr oder minder guten Wirkung jeder einzelnen Anwendung lernt
der Patient selbst am sichersten urteilen, welche derselben von den
besten Folgen begleitet ist und deshalb öfters wiederholt werden soll.
Nur lasse man sich ja nie und nimmer verleiten, den Willen stets
nur auf diese besondere Anwendung hinzurichten. +Mit den besonderen
Anwendungen+ sind +jederzeit+, um den Einklang und den gesunden,
reellen Fortschritt in der Heilung nicht zu stören, +die gemeinsamen+,
d. i. die auf den ganzen Organismus wirkenden, +pünktlich zu verbinden+.
Ein Priester aus Böhmen berichtet:
„Vor 8 Monaten trat bei mir infolge von Überanstrengung heftiges
Herzklopfen ein sowie auch Schlaflosigkeit, späterhin starkes
Aufstoßen, Auftreibung des Unterleibes, auch Atmungsbeschwerden. Es
bestanden zuweilen perverse Empfindungen, Schmerzen in Händen und
Füßen, Unruhe, später auch Zittern in denselben, dabei hochgradige
Abspannung und Müdigkeit. Appetit fehlte zuletzt auch, ebenso Stuhl.“
Bei seiner Ankunft schien Patient sehr erschöpft und zeigte eine
blaßgelbe Gesichtsfarbe. Nach siebenwöchentlicher Kur war er wieder
frisch, gesund und munter. Auch der Schlaf hatte sich langsam wieder
eingestellt.
Die Wasseranwendungen bestanden in folgendem: In den ersten drei
Wochen: 1) nachts vom Bett aus ein Halbbad; 2) vormittags Oberguß und
Wassergehen; 3) nachmittags Rückenguß und Halbbad; 4) täglich fleißig
Grasgehen. Späterhin: Oberguß mit Knieguß, auch Halbbäder, zweimal
Fußdampf. Zum Einnehmen täglich 8-10 Wacholderbeeren, auch Tee von
Wermut und Salbei.
Nervenüberreizung.
Zwei Studierende kamen in die Osterferien und erzählten: „Wir
haben Kopfleiden, Blutandrang nach dem Kopf, schlechten Schlaf und
große Müdigkeit, mangelhaften Appetit, und wir sind somit unfähig,
weiter fortzumachen. Könnten wir nicht die Vakanz benützen zur
Wiederherstellung unserer Gesundheit durch die Wasserkur?“
Ich gab den Rat, sie sollten, weil es Frühling, der Boden feucht und
es noch ziemlich kalt war, diese Vakanztage wo möglich im Freien, im
Walde, auf den Wiesen barfußgehend zubringen und rasche Bewegungen
machen, wenn sie sich kalt fühlten; auch von Zeit zu Zeit in einen mit
Wasser gefüllten Graben 2-3 Minuten stehen und darin hin- und hergehen.
Ebenso mußten sie täglich zwei- bis dreimal ihre Arme ganz ins Wasser
halten. Diese Anwendungen behagten den jungen Leuten sehr; es kam
ihnen Mut und Freude; sie gingen wieder neugestärkt an ihre Studien,
konnten ihre Aufgabe gut lösen und freuten sich auf die Herbstferien,
um ihren Körper aufs neue abzuhärten und zu kräftigen.
Bemerkt jedoch sei hier, daß beim Gehen auf naßkalter Wiese und beim
Stehen im Wasser jedesmal nach Bekleidung der Füße so viel Bewegung
gemacht werden muß, daß die Naturwärme bald wieder eintritt; diese wird
bei jungen Leuten unschwer durch rasches Gehen bewirkt.
Ein ähnliches Beispiel traf bei einem Alumnus zu, welcher mit folgenden
Klagen hieher kam: „Ich habe einen solchen Druck im Kopf, daß ich oft
kaum mehr weiß, wo ich weile, und was ich tue; ferner habe ich oft
erheblichen Schwindel, bin unfähig zu geistiger Tätigkeit; ich mußte
die Anstalt 3 Monate vor Erreichung meines Zieles verlassen.“
Es war warme Augustzeit, und dieser Kandidat brachte während 10 Tagen
die meiste Zeit in Gärten und Wäldern zu, barfußgehend vom Morgen
früh bis Abend spät. Zudem bekam er täglich 2-4 Obergüsse. Innerhalb
12 Tagen waren seine Krankheitserscheinungen gehoben; er fühlte sich
heiter und gekräftigt und brauchte bloß noch zur weiteren Kräftigung
seine Herbstferien ebenso durchzumachen.
Nervenzerrüttung.
Ein Herr von Stand hatte durch ungewöhnlich viele Berufspflichten Geist
und Körper so zugerichtet, daß nicht zu beurteilen war, ob Geist oder
Körper mehr zerrüttet sei.
Man hatte Grund, zu fürchten, die Geisteszerrüttung könnte mit den
traurigsten Folgen ein erbarmungswürdiges Ende nehmen. Monate hindurch
hatte er weder Schlaf noch Ruhe, die peinlichsten Leiden und Schmerzen
am ganzen Körper; alle ärztlichen Mittel waren wirkungslos. Das Wasser
sollte hier noch Rettung bringen, und wirklich war der Unglückliche
nach dreizehn Wochen in der Lage, in seinem Berufe frisch und gesund
wieder aufs neue zu beginnen.
Ein solcher Zustand kann nur durch die einfachsten Anwendungen
behandelt werden. Erster Tag: Den oberen Körper vormittags mit Wasser
und Essig ganz waschen. Auf diese Waschung folgt ein Knieguß (eine
Minute lang). Die zweite Anwendung am Nachmittage wie die erste.
Zweiter Tag: Eine Gießung auf den Oberkörper mit einem halben Gießer
voll Wasser; gleich darauf auf nassen Steinen Bewegung machen und
nebenzu einen Gießer voll Wasser auf die Knie, nachmittags dasselbe.
Dritter Tag: Oberguß (1 Gießer voll) und Knieguß, nachmittags: Oberguß
(1 Gießer voll), daraufhin ins Wasser stehen (3 Minuten lang). Diese
Anwendung war so schmerzlich, daß dem Patienten Tränen in die Augen
kamen. So wird ungefähr eine Woche hindurch fortgefahren. Die zweite
Woche waren Obergüsse jeden Tag mit verstärktem Knieguß im Wechsel mit
Wasserstehen, soweit es die empfindlichen Füße zuließen, verordnet;
diese Obergüsse steigerten sich während der Woche von 1-3 Gießer.
Auch das ins Wasserstehen wurde verstärkt bis an die Knie, aber immer
nur 2, höchstens 3 Minuten. In der dritten Woche wurden Obergüsse
mit Knieguß und Wasserstehen weiter gesteigert und jeden zweiten Tag
ein Sitzbad genommen, gewöhnlich nachmittags. In der vierten Woche:
Oberguß mit Wasserstehen, je vormittags, nachmittags ein Halbbad. In
der fünften Woche am Morgen ein Rückenguß mit Wasserstehen oder mit
Knieguß, nachmittags Oberguß. So wurde fortgefahren, jeden halben Tag
eine Anwendung: ~a~) Oberguß mit Knieguß, ~b~) ein Halbbad,
~c~) Rückenguß bis zur vollständigen Heilung.
Innerlich wurde gegeben: ~a~) weißes Pulver, täglich eine
Messerspitze voll, im Wechsel mit ~b~) Wacholderbeeren, täglich
6-8 Beeren, und ~c~) Tee von Wermut und Salbei.
Nervöses Leiden.
Ein Kandidat im Alter von 34 Jahren berichtet: „Vor 11 Jahren fing
durch übertriebene Beschaulichkeit, körperliche Strenge und jahrelange
furchtbare Skrupeln der Kopf an, an Kongestionen, heftigem Schmerz und
Schwerfälligkeit zu leiden. Da ich fortfuhr, für einen, ja oft für zwei
Gesunde geistig und körperlich zu arbeiten, wurden die Nerven total
irritiert und schließlich der Kopf vor zwei Jahren ganz unfähig zu
geistiger Anstrengung, selbst nur einen Rosenkranz z. B. auf einen Zug
zu beten. In Wörishofen blieb es acht Tage beim alten trotz Schenkel-,
Ober- und Rückenguß und Barfußlaufen; dann bekam ich Malefiz-Öl
und mußte dabei die Wasseranwendungen noch 3 Tage fortmachen, aber
das Übel wurde nur schlimmer; dann durfte ich für 3-4 Tage keine
Wasseranwendungen vornehmen; das Malefiz-Öl wirkte; der Kopf wurde
plötzlich frei, klar und stark, und dabei blieb es bis heute.“
Diesem Berichte muß ich hinzufügen, daß der betreffende Herr schon
geraume Zeit, ehe er zu mir kam, nach meinem Buche selbst sich
zu helfen gesucht hatte und durch eine glückliche oder vielmehr
vernünftige Auswahl des für ihn Passenden sowie auch durch sehr
pünktliche und genaue Befolgung des Vorgeschriebenen der bei mir
gemachten Kur schon bedeutend vorgearbeitet hatte. Als er ankam,
war er in einem noch elenden und trostlosen Zustande und um so
beklagenswerter, als wegen seines äußern, scheinbar guten Aussehens nur
ein gründlicher Kenner von seinem Leiden wissen konnte. Gott sei es
gedankt, daß er jetzt wieder mit freudigem Mute seinen höheren Studien
obliegen kann.
Nierenleiden.
Ein Bauer erzählt: „So stark und korpulent ich aussehe, geradeso elend
bin ich. Ich kann nicht mehr arbeiten, bin beständig aufgedunsen;
die Atemnot wird oft so groß, daß ich glaube, ich müsse ersticken.
Ich wälze mich in der Nacht im Bett umher, ohne schlafen zu können.
Mein Urin ist meistens recht dick und mit Blut vermischt. Ich habe
oft ein sehr heftiges Brennen in der Blase; Ärzte habe ich mehrere
gehabt. Einer sagte, ich sei leberleidend und habe Gallensteine.
Ein anderer hat behauptet, es fehle mir in den Nieren, und es werde
Nierenvereiterung eintreten. Ein dritter glaubte, mein Magen verdaue
nicht, und deshalb sei ich immer verschleimt, weil im Munde immer
sehr viel zäher Schleim vorhanden ist.“ Dem fast Trostlosen wurden
Anwendungen geraten: 1) In der Woche zwei warme Bäder von gesottenem
Haberstroh mit dreimaligem Wechsel, 30-32 Grad. (10 Minuten im warmen,
1 Minute im kalten Wasser.) 2) In der Woche zwei kurze Wickel,
ebenfalls von Haberstrohwasser, eineinhalb Stunden lang. 3) Täglich 2
Tassen Tee von Zinnkraut und Wacholderbeeren trinken, 10 Minuten lang
gesotten. In 6 Wochen war der Mann vollständig gesund. Sein Körper ist
normal, der große Bauch ist verschwunden, das braungelbe Aussehen ist
entfernt, und wie die Farbe frisch und gesund ist, so ist auch seine
Kraft wiedergekehrt.
Ein armer Arbeiter schreibt: „Ich erkrankte an einem Nierenleiden
ungefähr im November 1887, arbeitete aber dabei bis Mitte Januar 1888.
Meine Kraft war indessen so herabgesunken, daß ich nunmehr 11 Wochen
das Bett hüten mußte. Der Arzt, welcher mich behandelte, erklärte mir,
das Leiden komme nur von Erkältungen und zurückgeschlagenem Schweiße
her und sei eine langwierige Sache. Im Urin war stets ein großer,
rötlich-brauner Satz. Man ließ nun den Urin in der Apotheke chemisch
untersuchen, und es stellte sich heraus, daß dieser Satz in Blut
bestehe. Durch diesen immerwährenden Blutverlust kam ich so herunter,
daß der Arzt eine Wassersucht befürchtete. Er untersuchte deshalb Tag
für Tag die Füße und das Herz; es zeigte sich aber nirgends etwas von
Wassersucht. Als ich mich nach einiger Zeit besser fühlte, ging ich
wieder an die Arbeit, mußte aber, als das Leiden nach 20 Wochen wieder
eintrat, die Arbeit abermals einstellen. Da ich nun schon so viel
mediziniert und allerlei eingenommen hatte ohne anhaltenden Erfolg,
so entschloß ich mich auf Anraten einiger Bekannten, nach Wörishofen
zu gehen. Ich wandte nun die Kaltwasserkur an, die mir vortrefflich
behagte.“
Durch folgende Anwendungen wurde dem Manne geholfen:
1. den einen Tag Oberguß und Knieguß vormittags, Halbbad eine halbe
Minute lang nachmittags;
2. den andern Tag des nachts Ganzwaschung vom Bett aus in der
Frühe, dann Wassergehen, nachmittags Oberguß und Knieguß;
3. Oberguß, später Schenkelguß vormittags, Rückenguß und
Wassertreten nachmittags; so abwechselnd drei Wochen lang; ferner
4. täglich eine Tasse Tee von 10 zerstoßenen Wacholderbeeren und
etwas Zinnkraut, morgens und abends in je zwei Portionen trinken.
Ohrenkrankheit.
Wer möchte die vielen Ursachen aufzählen, durch die ein Körper krank
werden kann, und wie Krankheiten auf einzelne Organe so einwirken
können, daß sie krank bleiben, wenn auch die ursprüngliche Krankheit
entfernt ist? Und je edler ein Organ ist, um so nachteiliger wirkt
auch eine Krankheit, und um so härter ist sie zu heilen. Einer der
edelsten Teile am menschlichen Körper ist das Ohr, und sehr häufig kann
das Gehör verloren gehen durch eine Krankheit oder auch durch eine
unglückliche Lebensweise.
So kommt eine Mutter und erzählt: „Meine Tochter hat das
Scharlachfieber gehabt, von dem sie wohl ganz geheilt wurde. Seit
dieser Zeit ist sie nie mehr ganz wohl. Bald klagt sie über dieses,
bald über ein anderes Leiden; aber das härteste ist, daß sie das Gehör
fast ganz verloren hat. Alles, was angewendet worden ist, hat nichts
geholfen.“
Dieses Mädchen ist mithin nicht ausgeheilt, und müßte es an anderen
Teilen hören, so würde man auch dort noch Reste der Krankheit bemerken.
Wird das Mädchen von allen nachteiligen Folgen des Scharlachfiebers
geheilt, dann wird auch das Gehör wieder eintreten. Es muß somit, wie
aufs Gehör, so auch auf den ganzen Körper eingewirkt werden.
Folgende Anwendungen werden die beste Wirkung hervorbringen: 1) Ein
nasses Hemd anziehen, eineinhalb Stunden lang. 2) Einen Schal umlegen,
eineinhalb Stunden lang, und denselben nach drei Viertelstunden nochmal
frisch eintauchen. Während dieser eineinhalb Stunden um jeden Fuß vom
Knöchel an bis über die Waden ein Handtuch umwinden, in warmes Wasser
getaucht, also Fußwickel, eineinhalb Stunden lang. 3) Vom Bett aus
ganz waschen und, ohne abzutrocknen, gleich wieder ins Bett, besonders
den Hinterkopf und die Ohren gut waschen. 4) Über die Ohren und deren
Umgebung einen Lappen binden, in warmes Wasser getaucht, zwei Stunden
lang; nach jeder halben Stunde wieder frisch eintauchen. 5) Einen
Kopfwickel nehmen (siehe Wickel).
Diese fünf Anwendungen sollen durch längere Zeit vorgenommen werden,
jeden Tag wenigstens eine Anwendung. Recht gut wird noch wirken in der
Woche ein warmes Haberstrohbad, 25 Minuten lang, 28-30° ~R.~,
gleich darauf mit kaltem Wasser schnell abwaschen, daß die Natur durchs
warme Wasser nicht zu empfindlich wird. Diese Anwendungen werden die
Natur in den besten Zustand bringen; dann kann noch länger fortgefahren
werden mit warmen Umschlägen über die Ohren.
Ohrensausen.
Eine Person hat sehr oft heftiges Ohrensausen, schwache Nerven, oft
Zittern an den Händen und Füßen, blasse Gesichtsfarbe, eingefallene
Augen. Diese Person hat mehrere Ärzte gehabt. Der eine sagte, das
Ohrensausen rühre von den Nerven her, der andere, es komme von einem
zurückgegangenen Schnupfen her, ein dritter, das Trommelfell sei etwas
eingegangen usw.
+Anwendungen+: 1) Täglich im Wasser gehen, 2-4 Minuten, darauf
Bewegung im warmen Zimmer oder, wenn nicht zu kalt, im Freien. 2) Jede
zweite Nacht vom Bett aus ganz waschen mit Wasser und Essig. 3) Zweimal
in der Woche einen Schal umlegen, eine Stunde lang. So 14 Tage bis 3
Wochen fortmachen. Wenn noch weiter etwas notwendig ist, jeden zweiten
Tag im Wasser gehen und in der Woche einmal waschen.
Rheumatische Zustände.
Wer möchte es versuchen, all die verschiedenen rheumatischen Zustände
aufzuzählen, über die man klagen hört! Den einen quält der Schmerz
im Kopfe, den anderen in den Zehen, diesen im Arme, jenen in den
Beinen, sie auf dem Rücken, ihn auf der Brust usw. Der Rheumatismus ist
wahrlich der ewige Jude unter den Krankheiten.
Der arbeitsame Bauer, der Holzhacker, alle diejenigen, die recht
angestrengt arbeiten, wissen weniger, an manchen Orten nichts von
dieser Krankheit, nach meinem Dafürhalten deshalb, weil diese Leute oft
in der einen Stunde Rheumatismus bekommen, in der andern ihn bereits
wieder vertrieben haben. Es zeigen sich vielleicht die Anfänge am
Morgen, nachmittags dagegen arbeiten sie dieselben wieder hinaus.
Letztere Beobachtung gibt uns +klare Winke+, wie Rheumatismus
geheilt werden kann und soll.
Ein +Tierarzt+ jammerte mir einst vor, er sei unfähig, seinem
Berufe weiter vorzustehen; ein abscheulicher Rheumatismus habe sich wie
eine Katze in sein rechtes Schulterblatt eingekrallt. Schwitzend sei er
unklugerweise in die Kälte gekommen, und er wisse recht gut, er werde,
wie jedesmal, die lästige Katze 6 Wochen lang zu tragen haben.
„Wenn Sie wollen, Herr Tierarzt,“ entgegnete ich ihm, „so sind Sie
in 24 Stunden frei; ich werde meinen Hund auf Ihre Katze hetzen.“ Er
lachte, und es gab eine kleine Wette. Mit Manneswort und Handschlag
versprach er indessen, genau zu tun, wie der gestrenge Herr befehle.
Er ging heim und ließ sich von seiner Frau den Rücken zuerst kräftig
trocken reiben, dann einen +kalten Oberguß+ applizieren. Nach
ungefähr 8 Stunden nahm er einen +Kopfdampf+ mit darauffolgendem
Guß. Die 24. Stunde hatte noch lange nicht geschlagen, die Katze war
längst über alle Berge, und die Wette war gewonnen. -- +Von trockenem
Reiben+ wurde diesmal gesprochen, was doch sonst nie vorkommt!
Ja, und der +Grund ist folgender+: