uns darüber unterrichten. Ich bin eine Stunde weit stets in ziemlich
starkem Tempo gegangen. Es ist draußen „hübsch frisch“, wie der
Bauer die Hände reibend sagt; es hat gegen 12 Grad Kälte. Ich komme
ohne Vermittlung in ein Zimmer von 14 Grad Wärme. Dieser plötzliche
Temperaturwechsel von 26 Grad kann ja nicht ungerächt sich vollziehen,
er muß Gefahr bringen. Am besten hätte ich getan, ich wäre die letzten
5-20 Minuten obiger Stunde um ein Weniges langsamer gegangen und dann
noch einige Minuten in dem kühlen Hausflur geblieben, stets in einiger
Bewegung. So hätte die durch das rasche Gehen erhöhte Wärme etwas
abnehmen und der Schweiß sich verlieren können. Der Wechsel der Luft
wäre so vermittelt und, wenn ich auch im Innern des Zimmers noch einige
Zeit auf- und abgegangen wäre, völlig gefahrlos gewesen.
+Spürst du die Folgen deiner Unvorsichtigkeit+, den kleinen Knödel
im Halse, wohlan, gehe nochmals ins Freie und mache dir eine leichte
Bewegung in der frischen Luft! Diese wird in einer halben Stunde alles
Überflüssige im Halse auflösen und entfernen.
Die +Heiserkeit+ ist nichts anderes als die Ausdehnung des Katarrhs
in den Sprechorganen. Das silberne Glöcklein gibt, wenn unterbunden,
keinen Klang, die herrlichste Stimme bei durch Geschwulst belasteten
Sprechorganen keinen Ton. Man hebe den Katarrh, und seine Gefährtin,
die Heiserkeit, wird ihm ohne Säumen folgen![42]
+Folgende Bemerkung+ noch dürfte manchem einen Dienst erweisen. Es
gibt Leute, die Anlage haben, +viel zu hüsteln+. Jede Kleinigkeit, z.
B. ein Kitzel der frischen Luft, ruft dieses Bellen hervor; es tut
nicht wohl und tut nicht weh. Solche Menschen husten Jahre lang ohne
den geringsten Schmerz. Gewöhnlich ist ein derartiger Zustand von den
Eltern +geerbt+ und dann schwer zu entfernen. Er hat indessen gar
keine Bedeutung, rühre nun das Hüsteln aus dem Halse, rühre es von
tiefer gelegenen Organen her. Solche Leute mag das Sprichwort trösten:
Wer lang hustet, lebt lang. +Andere Erbteile+ dagegen sind nicht so
unschuldig, oft recht ernst und bedenklich und aller Beachtung wert.
Dahin gehören z. B. die in irgend einer Familie oder Verwandtschaft
herrschende Abzehrung, Schwindsucht usw.
Da gilt der Grundsatz: ~Principiis obsta!~ +Gleich den ersten Anfängen
entschieden und wirksam entgegentreten+ mit aller Umsicht und
Vorsicht! Sonst kostet es Opfer früher oder später, leider oft recht
früh. Ein kleiner vernachlässigter Katarrh kann, wo es sich in einer
Familie um Schwindsucht handelt, der Borkenkäfer werden, der die
stärkste Tanne, den kräftigsten Körper ruiniert und stürzt, ins Grab
bringt. Vorsicht also! Durch kluges Verfahren können selbst ererbte
Leiden ohne weitere schwere Folgen recht in die Länge gezogen werden.
Knieschwulst.
Ein Mädchen, 30 Jahre alt, bekam eine starke Geschwulst von oberhalb
der Knöcheln bis über das Knie hinauf. Die Geschwulst war zeitweilig
sehr schmerzlich, ganz fest und heiß. Die Kranke gebrauchte ein halbes
Jahr ärztliche Mittel, unter anderem einen Gypsverband zwölf Wochen
lang und einen zweiten acht Wochen lang. Der Zustand verschlimmerte
sich so, daß der Fuß den Boden gar nicht mehr berühren durfte;
besonders schmerzte das Kniegelenk. Weil alles nichts geholfen, wurden
versuchsweise +angeschwellte Heublumen+ aufgebunden, und zwar von
oberhalb der Knöchel bis zur Mitte der Oberschenkel. Die Schmerzen
ließen bald nach, und die Schwellung nahm ab; als die Geschwulst zur
Hälfte verschwunden war, wurden auch Gießungen auf den leidenden Fuß
vorgenommen (jeden zweiten Tag). Nach ungefähr acht Wochen war der
ganze Fuß zum Gehen brauchbar, und nach einiger Zeit konnte das Mädchen
wieder an seine sehr strenge Arbeit gehen.
Knochengeschwüre.
Oft treten +rings um die Knochen harte Geschwülste+ auf, besonders
gerne unten am +Kinnbacken+, an den +Knöcheln+, am +Knie+, auch an
anderen +Knochenstellen+. Man könnte fast meinen, der Knochen sei
selbst gewachsen. Daß die Sache nicht ohne Bedeutung sei, zeigt der
meistens fiebernde Körper an und die Langwierigkeit der Heilung (oft
14 Tage bis drei Wochen). In der Tat erheischen solche Geschwülste
stets große Vorsicht in der Behandlung und schnelles Eingreifen. Bei
Vernachlässigung tritt gerne Knochenfraß ein, und dann ist die Hilfe
nicht mehr leicht, oftmals unmöglich.
Die +kräftigsten+ und +schnellsten Heilmittel+ bestehen in einem
+zwei-, drei- bis vierfachen Wechsel mit Umschlägen+ an der
geschwollenen Stelle. Am +erprobtesten+ gelten mir +Umschläge mit Absud
von Heublumen, von Haberstroh+, ferner Umschläge mit +abgekochtem
~foenum graecum~+ und mit +Topfenkäs+.
Bei einer +Fußknöchelgeschwulst+ wird ein +Unter-+ oder ein +kurzer
Wickel+ gute Dienste tun und die Heilung beschleunigen, bei einer
+Kinngeschwulst+ ein +Schal+ oder +Halswickel+, auch der +kurze
Wickel+, bei einer +Kniegeschwulst ein Wickel des ganzen Fußes+. Es
genügt täglich eine der genannten Anwendungen.
Kolik.
Kolik +mit Abweichen+ oder +mit Erbrechen+ tritt oft plötzlich auf. Man
kennt keinen Grund und keine Veranlassung. Es kann eine +Erkältung+,
eine +Erhitzung+ vorangegangen sein, oder irgend eine +Speise+, ein
+Trank+ hat der Natur den Spuk gespielt. Man bringe einen derartigen
Kranken +ungesäumt+ ins Bett, lege ihm ein warmes Tuch (vielleicht auch
eine Bettflasche)[43] auf den Leib und decke ihn gut zu (ja nicht zu
peinigend), so daß keine Luft zudringen kann. Als +Linderungsmittel+
reiche man ihm einen Schoppen Milch, in der Fenchel oder Kümmel
gesotten wurde. Das einfache Hausmittel wird genügen.
Was die +Speise+ und das +Getränk+ betrifft, solange der Zustand
dauert, so wähle man recht einfache, wenig gesalzene, wenig gewürzte,
leicht verdauliche Speisen. Wem als Getränk Wasser oder Milch
ausreicht, den lobe ich mir. Wasser mit etwas Wein kann ich auch nur
empfehlen.
Kopfflechten.
Eine Bauerstochter erzählte: „Ich habe schon ungefähr zwei Jahre stets
Kopfausschlag, auch im ganzen Gesichte, bald stärker, bald schwächer;
unter den Haaren bilden sich viele größere und kleinere Geschwüre, aus
denen hitzige Flüssigkeit kommt. Ich habe häufig ein starkes Beißen
am Körper, im Innern merke ich beständige Hitze; ich habe schon viel
eingenommen, besonders Abführmittel, geheilt wurde ich nicht.
Die Wasserkur hat mich in sechs Wochen ganz hergestellt. Ich mußte
folgende Anwendungen 3 Wochen hindurch gebrauchen: 1) In der Woche
dreimal in der Nacht vom Bett aus ganz waschen und gleich wieder ins
Bett; 2) in jeder Woche zweimal ein nasses Hemd anziehen, in Salzwasser
getaucht; 3) in der Woche einen Kopfdampf nehmen. Zur vollständigen
Ausheilung und Kräftigung weitere drei Wochen: einmal in der Woche ein
nasses Hemd anziehen und ein- oder zweimal in der Woche ganz waschen.
Zum Einnehmen täglich zweimal jedesmal 20 Tropfen Ginster-Extrakt in
einem Glas Wasser.“
=Kopfleiden= (eigener Art).
+Ein Herr von hohem Stande+ hatte ein Kopfleiden ganz eigener Art. Es
begann regelmäßig morgens 7 Uhr, dauerte bis abends zum Sonnenuntergang
und war derart schmerzlich, daß der Herr nicht einmal leichte Sachen
lesen, viel weniger die Schreibereien seines Berufes besorgen konnte.
Zur Nachtzeit fühlte er keine Spur von diesem Schmerz; dieser war wie
weggeblasen, vorausgesetzt, daß er nicht geistig sich angestrengt
hatte. Die Schmerzstelle befand sich an der Stirne links und hatte den
Umfang ungefähr eines silbernen Fünfmarkstückes. Die Schmerzen griffen
nicht den Kopf allein, sondern auch den ganzen Körper dergestalt an,
daß der Herr zusehends abnahm; mit dem frischen Aussehen wich auch
die Kraft. Die berühmtesten Ärzte wurden um Rat gefragt, auch eine
Wasserheilanstalt war schon besucht worden, aber ohne sichtlichen
Erfolg. Da sandten die Ärzte den Patienten zum letzten Versuch nach
+Meran+, und von da kehrte derselbe, wie es schien, glücklich geheilt
in die heimatliche Großstadt zurück. Seine Angehörigen begrüßten ihn
mit Jubel und freuten sich innig seiner Genesung. Doch am andern Morgen
Punkt 7 Uhr kehrte der alte unheimliche Gast wieder und faßte Posto
an der früheren Leidensstelle. Ein Ach und Weh war im ganzen Hause,
und guter Rat war teuer. Bekannte erinnerten den Herrn noch einmal ans
Wasser, und zuletzt entschloß man sich zu einem Versuche. Der hohe
Herr sah recht krank aus und war ziemlich abgemagert. Nachdem er sein
Leiden geschildert, bemerkte er noch, er sei +selten ohne Katarrh+ und
besitze +auffallend wenig Naturwärme+. Man wolle all dieses einem viele
Jahre früher erlittenen Unfalle zuschreiben. Sei dem, wie ihm wolle, so
schloß er ab, ich kenne jetzt seinen Zustand und solle ihn heilen.
Das üble Aussehen, die schwache Naturwärme, die daraus folgende
Empfindsamkeit gegen den Wechsel der Atmosphäre, das Abmagern, alle
diese Symptome traten als ebenso viele vollgültige Zeugen auf, welche
nicht den schmerzenden Fleck am Kopfe, sondern +die ganze kranke
Natur, den ganzen entkräfteten Körper+ anklagten. Darnach richtete
ich mein Verfahren ein. Auf den +Gesamtorganismus+ wurde eingewirkt
und das lokale Kopfleiden +nicht einer Anwendung gewürdigt+. Die
+einfachen Abhärtungsmittel mit einigen Waschungen+, wie sie im ersten
Teil aufgezählt werden, bewirkten die Heilung, d. i. die gleichmäßige
Transpiration der Haut, die richtige Zirkulation des Blutes, gute
Verdauung und damit die Hebung der Naturwärme, besseres Aussehen,
völlige Gesundung. Immer die alte Geschichte, und doch kann man sie nie
genug von neuem erzählen!
Wie richtig mein Urteil bezüglich des Kopfleidens war, bewies der
Erfolg. In zirka sechs Wochen erfreute sich der ganze Körper des besten
Wohlseins. Auch das gefürchtete Stirnleiden brachte die 7 Uhr-Stunde
nie wieder. Dessen Heilung hat das Wasser (wie gesagt, ohne jede
Anwendung auf diese Stelle) bei Heilung des Gesamtkörpers umsonst
obendrein gegeben.
Kopfleiden.
„Seit 6-7 Jahren,“ so berichtet ein Herr, „leide ich mehrere Wochen
an einem Kopfweh, das mir die Erfüllung meines Berufes recht hart
und oft unmöglich macht. Es verschwand mir oft aller Mut und alle
Lebensfreude. Ich habe einen Druck in dem Kopf und das Gefühl, als ob
etwas in einer Flüssigkeit umherschwämme. Jeder feste Fußtritt bewirkt
neue Schmerzen im Kopf. Wenn ich durch Gehen oder Arbeiten warm werde,
ist’s mir ungefähr, wie es einem recht Betrunkenen sein mag. Achtmal
hatte ich schon Nierensteinkolik. Zwölf Ärzte, die ich wegen meiner
Rückenschmerzen zu verschiedenen Zeiten konsultierte, haben das Übel
nicht erkannt. Nur ein einziger hat mir etwas Hilfe bringen können.
Nierenschmerzen bekomme ich, wenn ich etwas Saures esse, oder wenn sich
zu viel Gase anhäufen; wenn ich länger gehe und warm werde, wenn ich
länger sitze oder stehe, spüre ich das Übel gleich. Bald fühle ich eine
Feuerhitze im ganzen Körper, und bald darauf bin ich durch und durch
voll Frost. Der Sommer ist mir immer härter als der Winter. Früher habe
ich viel an Schlafsucht gelitten. Gesund war ich, sehr kräftig, stark
und gut gebaut. Ich glaube, daß man kaum noch elender sein kann, als
ich zwanzig Jahre hindurch gewesen bin. Ich war auch schon einmal in
Königstein in der Heilanstalt, bekam wohl Erleichterung, aber nicht
Heilung.“
Die Anwendungen waren: 1) Täglich zweimal Oberguß, 2) Täglich im
Wasser gehen und Knieguß. In der Woche drei- bis fünfmal Rückenguß,
öfter Sitzbad, besonders fleißig die Abhärtungsmittel: im Gras und auf
Steinen gehen, Tee trinken von Wacholderbeeren, Hagebutten, Zinnkraut,
aber nur zeitweilig, täglich zwei Tassen.
Innerhalb vier Wochen war er gesund, und jetzt nach einem halben Jahre
kann man sagen, er besitze die volle Gesundheit und auch die vollste
Kraft, geistig und körperlich.
Ein Mann erzählt: „Ich bin 35 Jahre alt, habe beständig Kopfweh und
manchmal eine solche Schwäche, daß ich es fast gar nicht aushalten
kann. Auf der Brust habe ich meistens Schmerzen, gerade so auf dem
Rücken. Am schmerzlichsten ist mir das Genick, wo ein beständiges
krampfhaftes Zusammenziehen ist. Ganz auffallend ist, daß mir die Haare
massenhaft vom Kopfe fallen; wenn es noch ein halbes Jahr so fortgeht,
dann habe ich kein Haar mehr auf dem Kopfe. Füße und Hände sind
meistens ganz kalt. Appetit habe ich gar keinen.“
Anwendungen: 1) Dreimal in der Woche ein nasses Hemd anziehen, in
Salzwasser getaucht. 2) Dreimal in der Woche während der Nacht den
ganzen Körper waschen. 3) Täglich eine Messerspitze voll weißes Pulver
einnehmen.
Nach zwei Monaten zeigte sich dieser Mann und erklärte, daß er jetzt
vollständig gesund sei; er verspüre nur da noch Nachwehen, wo er die
ärgsten Leiden gehabt habe. Sein Körpergewicht hatte um 10 Pfund
zugenommen.
+Zwei Herren+, Musiker von Beruf, erzählen folgendes: „Wir haben beide
+ein+ Leiden: Kopfweh beständig, manchmal fast unausstehlich, Schlaf
ganz wenig und unruhig. Kongestionen und Schwindel belästigen uns fast
zum Verzweifeln. Füße und Hände sind ganz kalt. Wir sind fast unfähig
zu unserm Berufe.“ Beide waren über fünfzig Jahre alt.
Zwölf Tage hindurch gebrauchten diese beiden Leidensgefährten
folgendes: Durch 6 Tage täglich zweimal Oberguß und zweimal Knieguß;
die folgenden 6 Tage abwechselnd den einen Tag ein Halbbad, den andern
Tag einen Rückenguß; außerdem einmal wöchentlich je einen Kopfdampf.
Nach diesen 12 Tagen waren beide hergestellt und übernahmen wieder
ihren Beruf.
Um die Gesundheit zu bewahren und an Kräften zu gewinnen, war weiter
nichts mehr notwendig als täglich eine Anwendung zur Abhärtung
und zweimal wöchentlich ein Halbbad. Zufolge neuerdings gegebenen
Nachrichten hielt die Besserung vollkommen an.
+Ein Herr+ aus +Ungarn+ kommt mit folgenden Angaben: „Mehr als ein
Jahr bin ich in meinem Berufe unfähig wegen heftiger Kopfschmerzen und
starken Schwindels. Am ganzen Körper habe ich intensives Beißen und
Brennen, das mir oft den Schlaf raubt. Infolge des Leidens bin ich
teilweise schmermütig und recht ängstlich.“
Nach wenigen Wochen trat vollkommene Genesung ein unter Gebrauch
folgender Wasserkur: 1) Oberguß, gleich darauf Wassergehen; 2) Halbbad
täglich; in der zweiten und dritten Woche dreimal ein Halbbad, täglich
Oberguß und Knieguß; 3) späterhin Vollbäder und Oberguß mit Wassergehen.
Kopfleiden, nervöses.
Zwei Studenten mußten die Anstalt verlassen, ehe das Schuljahr zu
Ende war. Sie hatten beide so viel Kopfleiden und Blutandrang in den
Kopf, daß sie nicht mehr studieren, selbst nur mehr einige Minuten
lesen konnten. Beide haben durch alle angewendeten Mittel keine Hilfe
gefunden. Ich gab diesen armen Studierenden den einfachen Rat, sie
sollen die meiste Zeit des Tages mit Barfußgehen, besonders im Tau
zubringen; sie sollen wo möglich im Wald oder in irgend einem Bächlein
jede Stunde einige Minuten hineinstehen, dazu noch täglich zwei, bei
warmer Witterung sich drei Obergüsse geben lassen.
Die beiden Jungen befolgten diesen Rat, taten noch mehr, als verlangt
wurde. Das sichtliche Besserwerden machte ihnen Mut, und sie gingen am
Schluß der Vakanz gesund und freudig wieder in ihre Lehranstalt.
Wenn doch in den Anstalten, wo so viel geturnt wird, auch ähnliche
Turnübungen vorgenommen würden, bei denen die Natur nicht erhitzt und
aufgeregt, sondern beruhiget wird! Es ist unglaublich, welche Wirkung
das Barfußgehen auf nasser Wiese oder im Tau ausübt.
Ein Mann von 45 Jahren kommt klagend zu mir und beginnt: „Die Ärzte
erklären mein Leiden für nervöses Kopfleiden. Ohne Kopfbinde bin ich
gar nie; ich habe manchmal einen unausstehlichen Druck am Hinterkopfe,
bald rechts, bald links. Kommt das Leiden auf den Rücken, dann bekomme
ich starkes Herzklopfen, oft mehrere Stunden lang. Der Appetit vergeht
oft ganz; ich habe einen solchen Schwindel, daß ich nicht mehr allein
gehen kann; deshalb mußte meine Frau mitreisen. Über alle diese Leiden
aber geht mein Gemütsleiden. Ich habe eine solche trostlose Schwermut,
daß ich mir schon oft den Tod gewünscht habe.“ Der Herr war ziemlich
beleibt, die Gesichtsfarbe gelblich und abgestanden, der Leib stark
gefüllt.
In 13 Tagen war der ganze Zustand wieder in Ordnung. Das Körpergewicht
hatte viel abgenommen; Kopfweh und Schwindel waren verschwunden;
statt dessen aber waren heitere Stimmung, guter Schlaf und Appetit
zurückgekehrt.
Die Anwendungen waren folgende:
1. den einen Tag ein Oberguß und Knieguß vormittags, Rückenguß und
Wassergehen nachmittags;
2. den andern Tag vormittags Rückenguß, später Wassertreten,
nachmittags wieder Rückenguß und später Knieguß;
3. am dritten Tage vormittags ein Oberguß und Knieguß, nachmittags
Ganzguß, später Halbbad.
Der Patient, weil kräftig und stark, erhielt täglich vier Anwendungen.
Krämpfe.
Ich wurde zu einer Kranken gerufen; diese zitterte am ganzen Körper,
und es warf sie im Bette bald in die Höhe, bald rechts, bald links; die
Kranke selber konnte nicht reden; ihre Mutter erzählte:
„Meine Tochter hat stets schreckliche Kopfschmerzen, ein arges Drücken
auf der Brust und in der Magengegend; Hände und Füße sind stets
eiskalt und naß von einem schmierigen Schweiß; meine Tochter ist drei
Vierteljahre verheiratet; zehn Wochen lang war sie ganz gesund; dann
haben diese Zustände im kleinen begonnen und sich bis auf diese Höhe
gesteigert; essen kann sie nichts oder höchstens einige Löffel voll
leere Fleischsuppe oder Kaffee. Alles, was sie von Ärzten eingenommen,
und auch Einspritzungen, und was man zu einem gezwungenen Schlaf
angewendet, hat den Zustand nur noch mehr verschlimmert.“
Dieser Kranken gab ich folgenden Rat:
Täglich zweimal die Füße ins kalte Wasser bis über die Waden und
nebenzu die Füße abwaschen mit Schwamm oder Handtuch; gleich darauf die
Hände ins kalte Wasser bis an die Achseln eine Minute lang, und nebenzu
auch die Hände waschen; Hände und Füße sollen dann unter die warme
Bettdecke kommen; jeden Morgen und jeden Nachmittag soll die Kranke
ungefähr zwölf Kamillen-Tropfen (siehe Apotheke) in 6-8 Löffel voll
warmen Wassers einnehmen. Als Nahrung soll sie von Zeit zu Zeit 3-4
Löffel voll Milch essen oder Malzkaffee trinken; besonders empfiehlt es
sich, mit Milch und Malzkaffee zu wechseln.
Nach 12 Tagen war die Person so weit voran, daß sich der Appetit zur
gewöhnlichen Hausmannskost einstellte; die Krämpfe waren verschwunden,
und der drückende Schmerz auf Brust und Magengegend hatte aufgehört;
das Kopfweh war weg, Hände und Füße warm.
Die weiteren Anwendungen waren: jeden zweiten Tag die Füße ins kalte
Wasser wie oben; zweimal in der Woche ein warmes Fußbad mit Asche
und Salz, 14 Minuten lang, und einmal in der Woche vom Bett aus ganz
waschen und gleich wieder ins Bett. Statt Kamillentropfen hat sie
Wermut- und Salbeitropfen genommen, jedesmal 10-12 Tropfen im warmen
Wasser; die Kranke war so weit hergestellt, daß sie wieder in die
Kirche gehen und ihre Hausarbeit verrichten konnte, und braucht sich,
um vollständig gesund und kräftig zu werden, nur zweimal in der Woche
kalt zu waschen; Halbbäder würden noch kräftigere Dienste tun.
Krätze.
Das verabscheute Übel der Krätze kann am und noch mehr im Körper
viel Unheil anrichten. +Am meisten zu beklagen ist+, daß man,
um (es sei das triviale Wort gestattet) diese Laus aus dem Pelz zu
treiben, vielfach seine +Zuflucht+ zu Mitteln nimmt, welche,
statt zu heilen, grenzenlos schaden und den mißhandelten Körper ins
größte Elend bringen können. Wer kennt alle die fettigen Salben mit
Schwefel-, Branntwein- und, wer weiß, mit welch anderen Beimischungen?
Eines tun diese ekelhaften Schmierarzneien: Sie verschließen gründlich
die Poren der Haut, verbarrikadieren der zum Wohlbefinden des Körpers
absolut notwendigen Transpiration durch fettige Krusten gründlich ihre
Luft- und Wasserkanäle, treiben Schweiß und Ausdünstung in den Körper
zurück, vergiften so Blut und Säfte und bereiten schwere Krankheiten
vor, manchem die Todeskrankheit. Das ist nicht übertrieben, aber sehr
betrübend, wenn man weiß, wie leicht und schnell und ungefährlich die
Krätze zu heilen ist.
Bei mir suchte einmal ein 28jähriger, gutgewachsener Mensch Hilfe,
dessen Aussehen mich sofort an ein durch und durch wurmstichiges Brett
erinnerte. Nirgends fand er Rat; man wußte eigentlich nicht, was ihm
fehle. Ich fragte ihn: „Haben Sie in der Jugend vielleicht einmal die
Krätze gehabt?“ Er bejahte meine vorwitzige Frage, indes mit dem Aber:
„Sie ist in drei Tagen geheilt worden.“ -- So will ich nicht heilen.
Gott bewahre!
Gerade bei derlei ekelhaften Krankheiten, die deutlicher als alles
andere auf Giftiges schließen lassen, muß +bei der Heilung
obenanstehend der Grundsatz+ gelten: Was drinnen ist im Körper
und nicht hinein gehört, das +muß+ hinausgetrieben werden. Das
Gegenteil praktizieren wollen hieße etwa ebensoviel als Ungeziefer in
die Kleider und Haare, Erdkrebse in die Mistbeete, Mäuse in den Acker
einpflanzen. +Nach dem Grundsatze richten sich die Anwendungen+,
die das Ungesunde, Giftige hervorlocken, ausziehen, entfernen, nebenbei
den ganzen Organismus zu kräftiger Mithilfe stärken müssen.
Erst nahm unser Kranker +drei Tage nacheinander je ein warmes Bad+
(33° ~R.~) mit +Absud aus Fichtenreisern+[44] mit dreimaligem
Wechsel. Eine +Seife+ tat ihm vortreffliche Dienste, die Poren
allseitig zu öffnen und den Schmutz zu entfernen. Man muß einmal die
Dinge mit ihrem Namen nennen, -- ich kann nicht dafür, -- wenn es auch
manche Nerven etwas unangenehm affiziert. Nach den Bädern folgten als
+stärkende Anwendungen+ noch in der ersten Woche +nächtliche
Ganzwaschungen+ vom Bette aus und +ein viertes warmes Bad+
mit kalter Abwaschung; in der zweiten Woche ein +warmes Bad+
mit kalter Waschung und ein +kaltes Halbbad+ mit Waschung des
Oberkörpers; in der dritten Woche ein +kaltes Ganzbad+; in
der Folge je innerhalb eines oder zweier Monate ein +paar warme
Bäder+. Sollte die Heilung sich in die Länge ziehen, so kann mit
den zwei letztgenannten Anwendungen fortgefahren werden. +Selbst ein
warmes Bad wöchentlich+ könnte nur gute Wirkungen haben.
In 6 Wochen war unser recht armseliger Patient geheilt und konnte sich
endlich einen Beruf wählen. Bis heute dauert seine kräftige Gesundheit
an; von dem früheren lästigen Übel hat er nie mehr das geringste
verspürt.
Also behandelt man die +nach innen gedrungene Krätze+.
+Wird jemand äußerlich von der Krätze befallen+, so nehme auch er
ein +warmes Bad+ von 33-34° ~R.~ und reibe sich mit scharfer
Seife, am wirksamsten mit „grüner Seife“, die er in jeder Apotheke
bestellen kann, kräftig ein. Nach ¼stündigem Bade wasche er sich mit
reinem Wasser (kalt oder warm) und mit anderer, gewöhnlicher Hautseife
ab. +Trefflich würde es wirken+, wenn der Kranke sofort in ein
zweites derartiges Bad, jedoch mit erneuertem warmen Wasser steigen
könnte (am Schlusse ebenfalls kalte oder warme Abwaschung).
Da die Krätze in sehr vielen Fällen durch +Kleidungsstücke+,
+Bettwäsche+ usw. ansteckt und vererbt wird, so ist es eine
+Hauptsache+, nach den Bädern sowohl die Leibwäsche und Kleidung
als auch die Bettwäsche gründlich zu wechseln. Alle Anwendungen würden
sonst nichts nützen.
In 3-4 Tagen kann auf diese Art die Krätze geheilt werden.
Krebs.
Eine gar häufige Krankheit unserer Zeit sind die verschiedenartigsten
Krebse. Es ist wohl kaum ein Teil des Körpers, der nicht vom Krebs
oder krebsartigen Schäden zerstört werden könnte. Hat dieses Übel
einmal weiter um sich gegriffen, so wage ich mit Wasser nichts mehr
anzufangen; Blut und Säfte sind schon zu verdorben.
Die Krebskrankheit ist erblich, zumal wenn bei einem Individuum Blut
und Säfte bereits zu einer derartigen Zersetzung hinneigen.