als nerven-, magen- und herzleidend bezeichnet. Das Herz, der Magen
und die Nerven, das sind die Sündenböcke, die für gar vieles herhalten
müssen. Wenn einer 20, 30 Jahre gesund war, wenn er bis dahin, ich
möchte sagen, gar nie fühlte, wo sein Herz liegt, und er fängt zu
kränkeln an, da soll’s auf einmal ein Herzleiden sein, vielleicht gar
noch ein organischer, unheilbarer Herzfehler. Wohlfeile Ausreden!
Meine ganze, bisherige Erfahrung -- es sind mir unzählige solche
Fälle vorgekommen -- strafte die meisten dieser Herzfehler, ob sie
nun an den Adern, an den Klappen oder anderswo liegen sollten, Lügen.
Unter hundert Fällen, in denen die Betreffenden selbst sich entweder
für herzleidend hielten oder dafür gehalten wurden, fanden sich ganz
auffallend wenige mit wirklichen, ausgebildeten Herzleiden behaftete
Patienten vor. Das Herz gehörte mit zu den gesündesten Organen; aber
das ist wahr, es geschahen Einflüsse, Einwirkungen auf das Herz, die es
für den Augenblick leidend machten. Die gesündeste Katze wird schreien,
wenn man sie in den Schwanz kneift. Die beste Uhr wird nicht mehr
gehen, wenn ich die Uhrgewichte aushänge. Torheit wäre es, zu sagen,
die Uhr sei schlecht. Die wundervollste Flöte hat ausgeblasen, wenn ich
die Klappen zubinde oder verrosten lasse. Das gesündeste Herz kann in
seiner Tätigkeit gehemmt, gestört werden, wenn irgend ein Feind, der
im Körper sitzt, ihm sozusagen den Hals zuschnürt. Man suche diesen
Feind, man hebe gewisse Übelstände, und keine Spur eines Herzleidens
wird mehr vorhanden sein. Mich bringt es immer auf, wenn es nur heißt:
Herzleiden, Herzleiden! Man ängstigt ohne Grund die Leute und fügt
Aufregung zu der leider schon in übergenügendem Maße vorhandenen
Aufregung.
+Ein Mann+, in den besten Jahren stehend, klagte mir, er habe nach
Aussage der Ärzte ein Herzleiden; das Herz dehne sich zu sehr aus. Ich
erkundigte mich genau, ob er je krank gewesen sei. Er verneinte dieses,
fügte aber nach einigem Besinnen bei, das müsse er sagen, er habe an
einem Fuß (Bein) unter der Kniebeuge einen +Ausschlag+. Das war
mir genug. Die kräftige Mannesnatur selbst hatte sich in der wunden
Stelle sozusagen den Kanal gegraben, durch welchen sie die ungesunden
Säfte aus dem Körper ausschied. Meine Aufgabe bestand einzig darin,
der sich selbst heilenden Natur Kanal-Reinigungsdienste zu tun, d.
h. mitzuhelfen, daß ja aller kranke Stoff recht rasch und gründlich
hinausgeworfen werde. Auf das Herz geschah nicht die geringste
Einwirkung. Der Kranke bemerkte noch: +so oft der Ausschlag stärker
auftrete+, sei’s ihm um die +Herzgegend herum ganz wohl+;
wenn der Ausschlag aber ganz oder größtenteils verschwinde, dann
stelle sich jedesmal ein +fürchterliches Herzklopfen+ ein. Das
war alles Wasser auf meine Mühle. Der Mann erhielt +in der Woche
zwei kurze Wickel, einen Unterwickel, einen spanischen Mantel und
einen Fußdampf+. Wurde durch den spanischen Mantel auf den ganzen
Körper auflösend und ableitend eingewirkt, so durch den kurzen Wickel
hauptsächlich auf den Unterleib. Der Unterwickel vollendete die Arbeit
des kurzen Wickels, und der Fußdampf zog den etwa noch vorhandenen
Krankheitsstoff mit nachhaltiger Wirkung nach unten. In ungefähr drei
Wochen schied der Körper überaus viel, ich hoffe, alles Ungesunde aus.
Das Herzleiden war spurlos verschwunden. Wenn demnach in früherer Zeit
und auch nach Heilung des kranken Körpers kein Herzleiden da war,
kann und darf ich da nicht mit Fug und Recht behaupten, daß überhaupt
niemals und zu keiner Zeit ein solches vorhanden gewesen ist?
Nachts 10 Uhr wurde ich zu einer +Hausmutter+ gerufen, die
nicht mehr reden konnte des schweren, harten Atems wegen. Der
+Herzschlag+ war so stark, daß man seine Bewegung auf der
Bettdecke ganz gut bemerkte und sein Hämmern selbst in einiger
Entfernung deutlich hörte. Im Gaumen der Kranken schmeckte es ganz
süß; sie selbst fürchtete am Blutsturze zu sterben, woran auch ihre
Mutter in demselben Jahre bereits gestorben war. Der behandelnde
Arzt erklärte, es seien mehrere Leiden vorhanden, +in erster Linie
aber ein Herzleiden+. Die Hände und die Füße waren ganz kalt, und
fortwährend quälte ein Drang zum Husten.
Hände kalt, Füße kalt, ungewöhnlich starker Herzschlag! Was besagt
dieses? Es muß wohl alles Blut von der Ferne (den Extremitäten) seiner
ursprünglichen Heimat, dem Herzen, zugelaufen sein. Und es sucht wieder
einen Ausweg. Daher das Klopfen und Hämmern, als wollte es gleichsam
die Riegel (die Klappen) und die Herztore sprengen. Du hast ja schon
gesehen, was für einen Spektakel es gibt, was für ein Brausen und
Tosen, wenn bei starkem Regen das Wasser an einen Ort zusammenströmt
und keinen Ausweg mehr findet. Mit Gewalt will es sich Bahn brechen.
Der +fürchterliche Herzschlag+ der Frau wurde in fünf Minuten dadurch
bedeutend vermindert, daß ein +doppelt zusammengelegtes nasses Handtuch
auf den Unterleib gelegt+ wurde, wohin das Blut, welches sich, gut
behandelt, wie ein Kind an der Hand führen läßt, bald eine Ableitung
fand. Nach zehn Minuten war der Herzschlag ruhig; dem Herzen, worin
der Hauptfehler steckte, fehlte schon nichts mehr. Die Kranke nahm als
+weitere Anwendungen+ am ersten Tage im Bette zwei +Ganzwaschungen+
vor; am zweiten Tage bekam sie den +spanischen Mantel+, am dritten
einen +Kopfdampf+, am vierten einen +Fußdampf+. In dieser Reihenfolge
setzte sie die Übungen eine Zeitlang fort. Der Unterleib, der am
längsten nicht Vernunft annehmen wollte, war der +Hauptübeltäter+ und
bei dem heftigen Überfalle in der Nacht jedenfalls der Rädelsführer
und Anstifter gewesen. Das Wasser indessen kühlte zuletzt auch ihm das
Mütchen, und alles war wieder gut, sehr gut auch das Herz, dem, so viel
ich weiß, auch später nie mehr etwas gefehlt hat.
+Ein Herr von Stand+ war längere Jahre schon leidend und konnte
nur mit großer Mühe seinem Berufe nachkommen. Eine ungewöhnliche
Ängstlichkeit vermehrte seine Peinen. Das kleinste Vorkommnis brachte
ihm +Herzklopfen+, +Erregtheit+, +Furcht+. Seine Umgebung mußte sehr
vorsichtig sein im Berichterstatten: Freude und Leid bewirkten stets
Störungen im Herzschlag. Zur Sommers- wie Winterszeit mußte geheizt
werden, und es erheischte ein fortwährendes Aufpassen, daß die
Zimmer ja stets ihren bestimmten Wärmegrad hatten. Die berühmtesten
Ärzte wurden zu Rate gezogen; sie kamen bei den Beratungen darüber
überein, der Patient habe, abgesehen von angegriffener Lunge, Leber
und Hämorrhoiden, einen +organischen Herzfehler+, der wohl mit einem
Herzschlage enden werde. Der Herr starb wirklich. Des merkwürdigen
Leidens wegen wurde der Leichnam seziert. Und was stellte sich heraus?
Daß +Lunge+, +Leber+ und +Herz+ mit zu den gesündesten Organen
gehörten, daß sich +nur um das Herz eine Masse von Speck angesetzt+,
desgleichen auf der Brust eine Schichte Speck gebildet hatte. Der
Herr starb also eigentlich an Blutmangel. Das Blut ging aus, da es
durch Muskel- und Speckbildung gänzlich absorbiert, aufgezehrt wurde.
Ein Arzt selbst, der dabei war, hat mir dieses erzählt, und hat
hinzugefügt: „Bei diesem Falle ist die Wissenschaft wieder einmal
gründlich betrogen worden.“
+Ein Mädchen+ klagt: „So oft ich schnell gehe oder über etwas
erschrecke oder etwas fürchte, desgleichen so oft ein Unglück erzählt
wird, fühle ich stets einen argen Druck in der Herzgegend, und das Herz
klopft so heftig, daß ich Furcht bekomme, ich müsse plötzlich sterben.
Dabei werden Hände und Füße kalt, und in das Herz kommt eine große
Hitze. Ich habe eben, wie mir auch von zwei Ärzten gesagt worden ist,
ein +Herzleiden+.“ Ein Herzleiden natürlich, was könnte es denn anders
sein?
Wie klar, wie sonnenklar liegt hier die Sache! Wenn ein Kind unter der
Haustüre sitzt, und es kommt ein großer Hund, da schreit es, springt
auf und flieht erschreckt in das Haus hinein und ruft: „Mutter,
Mutter!“ Und wenn das arme Herz durch besondere Ereignisse erschreckt
wird, dann schreit und springt es gleichsam auf in heftigem Pochen,
und das Blut flieht von den Haustüren, den Ausgängen des Körpers,
den Extremitäten, ins Haus, ins Herz hinein, und dieses klopft dann
noch mehr und schreit, daß man es streckenweit hört. Was ist da
Auffallendes, wo ist da ein Herzleiden? Das Mädchen soll zu +allererst
alle unnützen+ und schädlichen +Einmummungen+ und +Einhüllungen+ usw.
ablegen, dann mit +leichteren Abhärtungsmitteln+ beginnen. Das zarte
Wesen wird dann nicht mehr vor jedem Bellen eines Hundes, vor jedem
Pfiff der Lokomotive scheu werden. +Täglich dreimal je eine Minute ins
kalte Wasser stehen bis über die Waden+, ebenso oft +die ganzen Arme
ins kalte Wasser halten+ -- das sind vortreffliche Stärkungsmittel.
Sollte es zu kalt dünken, so kann das naive Ding ja etwas auf das kalte
Wasser blasen, es wärmend anhauchen. ~Probatum est!~ Diese Übungen
währen eine Woche. Dann kann sich die Kranke +dreimal in der Woche
nachts vom Bette+ aus schnell +mit kaltem Wasser ganz abwaschen und
einmal wöchentlich bis unter die Arme ins frische Wasser gehen+, nur
eine halbe Minute lang, dabei den +Oberkörper+ kräftig +abwaschen+.
Diese Übungen füllen die zweite Woche. In der dritten und vierten
Woche endlich soll die Kranke +täglich zwei Ober-+ und +Untergüsse+
sich geben lassen und darauf durch Bewegung oder Arbeit sich zu
erwärmen trachten. In sechs Wochen war das Mädchen gesund, und alle
Herzübelskrupel waren weggewaschen.
+Ein Fräulein kommt+ und bittet um Hilfe. Es erzählt also: „Ich
habe den Kurs als Musiklehrerin mit der ersten Note bestanden, und
sechs Jahre lang habe ich Musik gelehrt in einem Ordensinstitute. Jetzt
habe ich so viel Kopfleiden, daß ich kaum mehr ein Instrument hören
kann, weder Orgel noch Klavier noch Violine. Selbst die Glöcklein am
Altare geben mir heftige Stiche im Kopfe. Die Ärzte nennen meinen
Zustand ein Nerven- und Herzleiden. Gesund wäre ich ins Kloster
aufgenommen worden; so aber bin ich berufs-, selbst brotlos und
leide unsägliche körperliche und geistige Schmerzen.“ Der Erzählerin
entgegnete ich: „Ihnen kann ich nicht helfen. Sie müssen sich anderswo
Hilfe suchen.“ Auf die Frage, warum ich denn gerade ihr eine so
harte Antwort gebe, sagte ich rundweg: „Sie werden als Stadtfräulein
mit höheren Studien, mit solchen Sprach- und Musikkenntnissen doch
nicht tun, was ich haben will; im übrigen ist Ihr wenn auch tief
beklagenswerter Zustand heilbar.“ Rasch entschlossen erklärte sie: „Um
gesund zu werden, werde ich tun, was immer Sie verlangen.“ Und sie
hat Wort gehalten. Ich schickte sie zehn Tage lang mit den weiblichen
Dienstboten -- es war März -- auf die Wiesen hinaus, dort solle sie
+barfuß+ gehen. Täglich bekam sie zu allmählicher Überleitung
ins Kalte ein +warmes Fußbad+ und einen +Oberguß+. Statt
des warmen Fußbades kniete sie nach sechs Tagen +täglich ins
Wasser+, so daß das Wasser +bis an die Magengegend+ reichte.
Feldarbeit machte sie der Bewegung wegen mit, so weit Übung und Kraft
es erlaubten. Nach zehn Tagen kehrte das Fräulein zu einem Wohltäter
zurück, welcher ihm die Studien ermöglicht und auch die Wasserkur
angeraten hatte. Sie setzte all die Übungen, aber auch mit Lust und
Freude die liebgewonnenen Haus- und Feldarbeiten fort. Statt des
Geigenbogens und der Klavier- und Orgelhefte nahm sie fleißig Spaten,
Rechen und Gabel in die Hand. Je mehr der Körper aufhörte, schwach
und siech zu sein, um so mehr, in demselben Grade schwanden auch das
Nerven- und Herzleiden und alle sie begleitenden Beschwerden. +Nach
vier Monaten+ haben auch die letzteren aufgehört, und die Frische
und die Gesundheit der Kindheit waren wiedergekehrt.
Ein +Studierender der Theologie+ kam und fragte mich, was er
anfangen solle; es gehe bei ihm nicht mehr so recht aufeinander, und
die Ärzte sagten, er habe neben anderem ein +Herzleiden+. So
gerne wäre er Priester geworden, aber bei solchem Kopfweh, bei solchem
Herzklopfen und der damit verbundenen Beengung und Bangigkeit höre
einfach alles auf. Alles, was er sehe und höre, komme ihm nur als
Schein vor.
Ich riet dem Patienten, er solle seinen Körper +vernünftig
abhärten+. Das tue ihm nichts, denn er sei gut gebaut. Später solle
er das Fach wählen, welches ihm gefalle. Nach wenigen Wochen setzte
er seine Studien fort und wurde nach zwei Jahren Priester, und wenige
seiner Kursgenossen werden ihn an Gesundheit und Kraft übertreffen.
+Jeden Morgen+ ging der junge Herr über eine halbe Stunde
+barfuß+ im Morgentau, täglich stieg er ins Wasser bis +an
die Magengegend+ mit Waschung des Oberkörpers. Leichte Arbeiten
ersetzten ihm die Bewegung, wenn ihm der Regen seinen Lieblingswunsch,
die Wälder aufzusuchen, benahm. +Zur Stärkung+ gebrauchte er
später +reichliche Obergüsse+, täglich einen, oft zwei, im
+Wechsel mit Halbbädern+. Kopf- und Herzleiden verschwanden mit
der Zunahme der allgemeinen Körperkraft.
Hexenschuß.
Agatha kommt und erzählt: „Mein Mann hat heute nacht, ich weiß
nicht wie, schreckliche Schmerzen auf dem Rücken zwischen den
Schulterblättern bekommen. Der Schmerz reicht bis an die rechte
Schulter. Er schreit oft vor Schmerzen, wenn er sich bewegen will.
Es ist ihm gar nicht möglich, aufzusitzen. Diesen Hexenschuß hat er
schon öfters bekommen, aber noch nie so stark. Was soll er wohl tun?“
Antwort: Wenn der ganze Rücken alle Stunden mit warmem Wasser und Essig
gewaschen und ordentlich zugedeckt wird, so wird der Schmerz bald
verschwinden. Es könnten auch warme Überschläge gemacht und nach jeder
Stunde gewechselt werden. In drei bis vier Stunden ist gewöhnlich das
Übel der Hauptsache nach gehoben. Man kann noch zweimal mit warmem
Wasser und Essig den Rücken waschen.
Der Hexenschuß ist häufiger auf dem sogenannten Kreuze und verursacht
große Schmerzen. Auch hier hilft wieder am ehesten: auf ein warmes Tuch
sich zu legen, das in heißes, mit Essig vermischtes Wasser getaucht
ist. Es reicht auch hier gewöhnlich aus, die Unterlage zwei- bis
dreimal, nach je einer Stunde frisch einzutauchen.
Hüftnerven-Entzündung (Ischias).
Ein Beamter litt über ein Vierteljahr an heftigen Schmerzen im linken
Schenkel bis hinunter zu den Knöcheln. Er hatte alles Mögliche
angewendet; zuletzt wurde ihm empfohlen: Warmhalten und Ruhe, --
das seien die einzigen Mittel zur Heilung. So suchte der Herr seine
leidenden Stellen möglichst zu erwärmen durch warme Tücher, warme
Platten, und zuletzt nahm er noch ganz warme Bäder, so warm er sie
ertragen konnte.
Die Schmerzen jedoch steigerten sich, die Kräfte nahmen zusehends ab,
das Körpergewicht verringerte sich um mehr als einen halben Zentner,
und er konnte selten eine Stunde schlafen.
Endlich faßte er Mut, das Mittel zu gebrauchen, das er am meisten
gefürchtet hatte: das kalte Wasser.
Täglich bekam er zwei oder drei Anwendungen: 1) einen Rückenguß am
Vormittag, 2) nachmittags Oberguß; am zweiten Tag: am Morgen Oberguß,
nachmittags Rückenguß; jeden zweiten oder dritten Tag ein Halbbad;
mitunter auch Barfußgehen, also Abhärtung.
Gleich nach dem ersten Guß konnte der Patient nachts vier Stunden
schlafen; so gewann er Schlaf, besseres Aussehen, mehr Appetit. In vier
Wochen hatte seine Krankheit kaum noch Bedeutung, und in sechs Wochen
war er vollständig geheilt.
Ein Professor aus Ungarn leidet seit sieben Jahren an
Hüftnervenschmerzen und besuchte deshalb verschiedene Bäder: Ofen,
Teplitz, Heviz u. a., jedoch ohne Erfolg, gebrauchte auch Dampfbäder.
Seit zwei Jahren leidet er an Schlaflosigkeit. Appetit ist gut, Stuhl
stets angehalten, Blähungsbeschwerden, Kopf eingenommen, am meisten
in der Frühe. Besonders klagt der Patient über außerordentliche
Empfindlichkeit gegen Temperaturveränderung und anhaltendes
Kältegefühl am ganzen Körper, obwohl er seit drei Jahren immerwährend
+Jägersche+ Wollkleidung trug. Ferner bestanden talgartige
Ausscheidungen auf der Haut und unangenehme Feuchtigkeit der Hände.
Er bekam hier folgende Anwendungen: Jede Nacht Ganzwaschung; vormittags
Oberguß; nachmittags Rückenguß; alle zwei Tage ein Halbbad; Kniegüsse;
auch Sitzbäder gegen die Verstopfung.
Der Erfolg war ein vortrefflicher innerhalb 24 Tagen. Nach dem
vierten Tage schon trat ruhiger, die ganze Nacht anhaltender Schlaf
ein und blieb seitdem gut. +Das langwierige Ischiasleiden ist
ganz gewichen.+ Die Haut ist auch wieder normal. Der Herr ist
überglücklich.
Über seine jetzige Bekleidung rühmt er: „Ich trage so leichte Kleidung,
auch an kühlen, regnerischen Tagen, als jemand im Hochsommer haben
kann: leinenes Hemd, leichte Socken, und fühle mich dabei so warm und
bin gar nicht mehr empfindlich gegen Witterungseinflüsse; es kommt mir
alles wie ein Wunder vor.“
Hypochondrie.
Mit den Hypochondern wie mit den Skrupulanten habe ich stets +inniges
Mitleid+. „Es ist eben ein Hypochonder, ein Skrupulant!“ Tausendmal
kann man dieses hören. Eine wohlfeile und fade Rede! Und dann lacht
man noch dazu und tut dem Armen in liebloser Weise oft recht wehe.
Gerade diese Kranken verdienen unser größtes Mitleid und unsere regste
Teilnahme. Ich +frage mich immer+: „+War dieser Hypochonder+
(dasselbe tue ich bei Skrupulanten) +einmal ein normaler Mann? Gab
es eine Zeit, wo er vernünftig dachte und wacker arbeitete?+“ Wenn
ich nun bejahende Antwort erhalte, dann wäre es doch von meiner Seite
unvernünftig, zu glauben, diesem Menschen fehle nichts, er treibe
solche Torheiten, solches Selbst- und anderer Martyrium aus reinem
Vergnügen. Ich muß mir vielmehr sagen: Mit diesem guten Mann muß im
Innern, im Körper oder im Geist eine Veränderung vorgegangen sein,
d. h. er muß recht krank sein, daher solche Erscheinungen. Und ich
fahre also fort: Suche man das, was sich geändert hat, zu heilen, den
früheren gesunden Verstand wieder herzustellen; das Hypochonderwesen
hört dann von selbst auf. Gerade die tüchtigsten Leute, die sich durch
Studium viel abmühen, verfallen oft in diese Art Gemütskrankheit. Es
wird ihnen wie eingeblasen. Im bestgebauten Hause kann plötzlich was
ausbrechen.
Nach meiner Ansicht ist bei der Hypochondrie, wie bei jeder Geistes-
und Gemütskrankheit, +die Wurzel des Übels stets im Körper, im
kranken Körper zu suchen+. Nur bei solcher Auffassung wird man
sicher und mit Erfolg heilen. Man suche bei solchen Kranken das
Schlaffe zu wecken, das Geschwächte zu stärken, das Untätige wieder in
bessere Bewegung zu bringen; mit einem Worte: man bringe den Blutlauf
in das richtige Geleise, und der Hypochonder wird geheilt sein.
Ich kannte einen Mann von +herrlichen Geistesgaben+. Viele, viele
Jahre lebte er ganz glücklich in seinem Berufe und tat mit Leichtigkeit
und Begeisterung Arbeit für +Zwei+. Auf einmal ward er Hypochonder
und kam so weit, daß er um seine Berufsarbeiten sich nicht im mindesten
kümmerte, alles scheute und fürchtete, jede Gesellschaft floh.
Statt der Hilfe, der Teilnahme, der er mehr als jeder andere bedurfte,
hörte er täglich und stündlich das verachtende Urteil: „Sie sind eben
Hypochonder, Ihnen kann man nicht helfen!“ Sollte das nicht einen Mann
niederdrücken müssen?
Merkwürdig! Der Herr hatte (ich erfuhr es von ihm selbst) schon zwei
Wasserheilanstalten besucht, sie verschlimmerten den Zustand. Die
Anwendungen waren zu drastisch, zu stark, zu gewaltsam; sie halfen bei
diesem halbzerstörten Bau mit, noch mehr einzureißen, nicht aufzubauen.
Gerade in diesem Falle hatte ich Gelegenheit, wieder aufs deutlichste
zu sehen, wie das Wasser, aufs gelindeste angewendet, die besten und
solidesten Erfolge sichert. Daß so ein Übel nicht in wenigen Tagen
gehoben werden kann, ist klar.
Wer die +gewöhnlichen Regeln für Gesundheits- und Körperpflege+
(vernünftige Nahrung, Kleidung, Lüftung, Erholung, Reinlichkeit)
befolgt, wird diese fatale Laus nie in den Pelz bekommen. Bei etwaigen
Meldungen, gleich im Beginne, kann ihr leicht der Abschied gegeben
werden.
Die geeignetsten Wasseranwendungen bestehen in +Ganz-+ und
+Teilwaschungen+, +in Bädern+ (Halbbädern), besonders dem +Sitzbade+,
in +kurzen Wickeln+, zuletzt in +kalten Ganzbädern+.
+Noch zwei Punkte+, die mich drücken, mögen hier mit einem Worte
stehen. Es ist ein Unglück unserer Zeit, daß man so viel auf +geistige+
Getränke hält, daß selbst junge Leute sich an starke Weine so leicht
gewöhnen. Alle diese scharfen Sachen gießen Öl ins Feuer; Blut und
Säfte unserer jetzigen geschwächten Generation können derlei Zeug nicht
brauchen. Bleibe man doch nüchtern und einfach, und manches Leiden,
das eigentlich erst in der „Neuzeit“ und mit dem „Fortschritt“ auf
die Krankheitsbühne trat, wird allmählich wieder hinter den Kulissen
verschwinden.
Als einen weiteren Übelstand möchte ich es sodann bezeichnen, daß
so viele Menschen sich +fast ausschließlich+ von +Fleisch nähren+
wollen, daß die trefflichen Milch- und Mehlspeisen, welche die besten
Säfte, das beste Blut ohne alle Schärfen liefern, so sehr verachtet und
gemieden werden. Das kann keine gute Folgen haben, ist auch Unnatur.
Den Raubtieren allein hat der Schöpfer Magen und Gebiß nur fürs Fleisch
zugerichtet. Dem Menschen, wegen dessen alles erschaffen ist, hat er
sein Nahrungsgebiet nicht so enge begrenzt. Toren sind -- zu ihrem
eigenen Verderben --, die solches tun.
Vom Impfen und den schlimmen Folgen desselben.
Ein Bauer aus Altbayern erzählt: „Ich habe ein Kind zu Hause, das am
ganzen Körper geschwollen ist. Die Füße sind ganz dick, der Leib ist
doppelt so dick, als er sein sollte, der Kopf wie der Oberkörper, alles
ist angeschwollen. Das Kind ist schon seit drei Vierteljahren nicht
mehr gesund, das Elend steigert sich von Woche zu Woche. Es bekommt
bald da, bald dort kleine Geschwüre, die schnell aufbrechen, jedoch
alsbald wieder zuheilen, und ihnen folgen wieder an anderer Stelle
solche Geschwüre. Ich war in München bei drei Ärzten, habe noch andere
Ärzte gefragt und gesucht, wo ich glaubte, Hilfe zu finden, aber immer
vergebens.“
Dem Bauern riet ich: „+Sieden+ Sie Heublumen, eine halbe Stunde
lang, tauchen in diesen Absud ein leinenes Hemd ein, winden es aus,
legen es dem Kinde an und wickeln dies in eine wollene Decke, lassen
es 1½ Stunden im Wickel und machen es so täglich zweimal. An jedem
dritten Tage lassen Sie das Kind solch ein Heublumenbad nehmen, wobei
möglichst viele Heublumen im Wasser bleiben. Das Wasser sei so warm,
daß das Kind gerne hineingeht und gerne 25-30 Minuten darin verbleibt.“
Nach vierzehn Tagen war das Kind schon ziemlich normal, heiter, bekam
Appetit, und die weiteren Anwendungen waren folgende: Jeden dritten
Tag war das Kind wieder einzuwickeln, eine Stunde lang, am vierten Tag
in ein warmes Bad zu bringen, aber vom warmen Wasser aus recht tüchtig
abzuwaschen.
So wurde zehn bis vierzehn Tage fortgemacht, dann war das Kind ganz
gesund.
Ein Herr erzählt: „Ich war in meinem Leben stets gesund. Vor zehn
Jahren, als die Blattern in meiner Umgebung herrschten, ließ ich mich,
wie viele andere, impfen. Ich bekam keine Blattern; aber es blieb die
Impfstelle am rechten Arm immer etwas gerötet. Dazu kam ein kleiner
Ausschlag um den Impfschnitt. Ich merkte acht Jahre hindurch bloß, daß
die entzündete Stelle sich erweitere, und jetzt, nach zehn Jahren,
habe ich die nassen Flechten so lästig, daß ich ganze Nächte keine Ruhe
finde. Diese Flechten sind bald stärker am einen Arm, bald am andern,
und so ist auch der Wechsel an den Füßen. Angewendet habe ich viel, die
giftigsten Salben auf der Hautfläche; eingenommen habe ich auch viel,
alles ohne Erfolg.“
Anwendungen: Sicher sind hier das Blut und die Säfte verdorben, und
die Flechtenstellen dienen bloß zum Ausfluß der verdorbenen Säfte.
Somit ist notwendig, daß auf den ganzen Körper eingewirkt werde, alles
Krankhafte in Blut und Säften aufzulösen und auszuleiten.
1. In der Woche dreimal in der Nacht den ganzen Körper vom Bette aus
waschen und, ohne abzutrocknen, gleich wieder ins Bett gehen.
2. Die Flechtenstellen mit einem Absud von ~Foenum graecum~ täglich
zwei- bis dreimal gut auswaschen. Statt gesottenem ~Foenum graecum~
wird gut wirken Aloë, in heißem Wasser aufgelöst, zu einem Liter Wasser
ein Kaffeelöffel Aloë.
3. Zweimal in der Woche den spanischen Mantel. So vierzehn Tage lang
bis drei Wochen fortgemacht.
Weitere Anwendungen: in einer Woche oder innerhalb vierzehn Tagen ein
warmes Bad mit kaltem gewechselt. (Siehe im ersten Teil.) Gut wäre
während dieser Kur etwas Wermuttee, täglich zweimal je drei bis vier
Löffel voll.
Katarrh.
Die zahlreichsten Katarrhe +entstehen dadurch+, daß man vom Aufenthalte
in der Kälte und im Freien, vielleicht gar schwitzend, +schnell
in einen ziemlich geheizten+ und warmen +Raum+ kommt. Auch +kalte
Zugluft+, der man einige Zeit ausgesetzt war, kann schnell einen
Katarrh reifen. Gewöhnlich fühlt man fast sofort eine +Verengung auf
der Brust, im Halse, in der Nase+. Es ist, als stecke einem ein kleiner
Knödel im Halse. Übersieht man diesen im Anfange des Katarrhs, so setzt
er sich fest und breitet sich aus. +Empfänglicher+ ist, wer zu warme
Kleider trägt, wessen Körper und einzelne Organe infolge dessen sehr
verweichlicht sind. +Gar nicht schwer+ wäre es (ich sage es kühn),
+von jedem Katarrh frei zu bleiben+, wenn man seinen Körper nicht
„barbarisch“, sondern nur vernünftig abhärtete, wie dieses schon an so
manchen Stellen betont wurde.