im Beginne und oft Jahre, ja das ganze Leben hindurch +ungefährliches
Übel+. Schon das +Jucken+ und +Brennen+ ist recht unangenehm, manchmal
sehr peinlich, peinlicher noch die +drückende Einwirkung auf das
Gemüt+; sie machen mißmutig, launenhaft, gereizt. Es gibt Fälle, in
denen sie das Leben schrecklich verbittern und die Gereiztheit bis zum
Wahnsinn steigern.
Daraus wird schon klar, daß Gleichgültigkeit und Mißachtung dieses
Leidens schlecht am Platze ist. Man soll sorgen, daß sich das Übel
nicht zu stark vermehrt, daß es mit der Zeit nicht einen bösartigen
Charakter annimmt.
+Doch was sind+ denn eigentlich +Hämorrhoiden+, +wie entstehen sie+?
Sicherlich hat jeder Leser schon einen Truthahn gesehen, auch die
häutigen Säcke, die ihm vorn am Halse hängen, bisweilen wie leere
Taschen ohne jeden Inhalt. Wenn aber so ein Welscher zornig wird, dann
füllen sich diese Säcke mit Blut, und die Taschen werden wie rote
Kugeln. Solche Kugeln, +blut-+ oder +schleimgefüllte Taschen+ sind die
Hämorrhoiden, mögen sie im oder am Körper auftreten, wo sie wollen,
+blinde+ oder +sehende+ (fließende, blutende) Hämorrhoiden sein.
+Die Adern+ sind elastische, dehnbare Röhren. Je mehr das Blut
ungeregelt an eine Stelle dringt, desto mehr dehnen sich die Adern
aus, am meisten da, wo das Blut sich sammelt, staut, gleichsam kleine
Blutteiche bildet. Es entstehen kleine Knoten wie Warzen an der Hand
oder im Gesicht, und diese Knoten sind mit Blut gefüllt. Treten
dieselben innerhalb des Körpers im Mastdarm usw. auf, so heißen sie
die blinden Hämorrhoiden; dagegen nennt man sie die sehenden, wenn die
Knoten außerhalb am After erscheinen.[40]
Von Zeit zu Zeit brechen solche Knoten auf, und ihr Inhalt ist brauner
Schleim, häufig jedoch reines Blut. Beim Aufbrechen der Knoten wird
dem Leidenden leichter und wohler; gefüllt und in großer Zahl bereiten
sie ihm viel Leid und manche Schwierigkeiten. Nicht bloß am After und
im Mastdarm bilden sich diese Aderauswüchse. Bei großer Entartung
kommen sie selbst im Innern des Körpers an den Blutgefäßen vor. Wie die
Plünderer sich den regulären Truppen anschließen, so verfolgen diese
Blutsauger die Adern, besonders die Hauptadern.
+Je zahlreicher+ die Knoten auftreten, und +je öfter sie
aufbrechen, um so schadhafter+ müssen die von ihnen besetzten Teile
werden. Daher kommt es nicht selten vor, daß an den betreffenden
Stellen bösartige, unheilbare Geschwüre entstehen, wie Mastdarm-Krebs,
-Fisteln, -Geschwüre usw.
+Überaus peinliche Mehrung+ des Leidens können die sogenannten
+Madenwürmer+ bringen, kleine Würmchen im Innern des Mastdarmes. Wie
die Zacken in die Haut, so bohren sich diese in den Mastdarm ein. Bei
großer Anzahl zerfressen sie den Mastdarm, und die Folgen davon sind
leicht bösartige Geschwüre.
+Die Behandlung der Hämorrhoiden mit Wasser ist leicht+ und erzielt in
den meisten Fällen sicheren Erfolg.[41] Die Zahl derer, denen so Hilfe
ward, kann ich als sehr groß bezeichnen und beifügen, daß alle Fälle
glücklich verliefen.
Greifen wir +zuerst die Madenwürmer+ an, diese Afterblutegelchen, wenn
solche vorhanden sind! Sie verraten sich meist durch ein Zwicken,
Beißen, Nagen, Krabbeln in der Aftergegend (obgleich ein solches auch
jedesmal die Neufüllung der Knoten begleitet). Man nehme ein, zwei
oder drei +kalte Klistiere schnell nacheinander+ und lasse dieselben
gleich wieder abgehen. Kommt das kalte Wasser in den Mastdarm, so
hängen sich die Madenwürmer vom After gleichsam aus, wie der Blutegel
von der Blutstelle, wenn ich selbe mit Salz bestreue. Geht das Klistier
gleich wieder ab, so schwemmt es die losgelösten Peiniger mit hinaus.
Wiederholt man dieses zwei- bis dreimal, so gehen (das ganze Verfahren
kann wöchentlich zwei- bis dreimal stattfinden) recht viele, zuweilen
alle ab.
Haben wir es mit +Hämorrhoidalknoten+ allein zu tun, so merke man sich
folgendes: +von Stellen+, wo +zu viel Blut+ hinströmt, muß dasselbe
+abgeleitet+ werden; Gefäße, die +zu sehr ausgedehnt wurden+ und eben
deshalb zu weit auseinandergehen, +sind zu verengen, Unreinigkeiten und
verlegene Ware auszuscheiden+.
+Für alle diese Zustände+ dient folgende Anwendung gut: Man bereite
sich im Bette einen +Unteraufschläger+, d. i. in unserem Falle ein
recht dickes, vielfach zusammengelegtes, ins kälteste Wasser getauchtes
Linnen, so lang, daß es den ganzen Rücken bedeckt und am untern
Ende bis über den After hinausreicht, +so breit+, daß es den Rücken
deckt. Darauf lege man sich drei Viertelstunden lang und wiederhole
die Anwendung wöchentlich drei- bis viermal. Sollte das Tuch vor den
verflossenen drei Viertelstunden warm sein, so werde es entfernt und
besser nochmals eingetaucht.
Als +fernere Anwendung+ tut es sehr gute Dienste, wenn solche Leidende
in der Woche drei- bis viermal +ein Sitzbad+ nehmen, kalt und kurz.
Man kann dasselbe an einem halben Tage oder auch +nachts+ vom Bette aus
zwei- bis dreimal wiederholen, nie länger als ein bis zwei Minuten.
Auch diese Anwendung wirkt wie die obige zugleich auf die vorhandenen
Hämorrhoiden und deren Entstehungsursachen im Unterleibe.
Wer bei vorhandenen Hämorrhoiden in +jedem Vierteljahr innerhalb ein
bis zwei Wochen eine der beschriebenen Kuren+ durchmacht, darf sicher
sein, daß das Übel ohne alle erheblichen Folgen bleibt und, wenn es
nicht ganz verschwinden sollte, gewiß nie lästig wird. Wem solches
zu anstrengend erscheint und zu schwer, dem weiß ich in Gottes Namen
keinen Rat.
Bezüglich der +Nahrung+ mache ich nur auf +einen Punkt+ aufmerksam,
der nach meinem Dafürhalten nicht genug gewürdigt wird. Viele der
Hämorrhoidarier haben angefangen, statt des modernen Hausbrotes
+Kleienbrot+ zu essen, und sie behaupten, seit dieser Zeit verspüren
sie von dem Leiden durchaus keine erhebliche Belästigung mehr, wenn
dasselbe auch nicht vollständig gehoben sei. Dieses +Kleienbrot+ möchte
ich +sehr empfehlen+, es sollte eine Zukunft haben. Nicht bloß bei
einzelnen, allgemeine Verbreitung sollte es finden (auch aus anderen
Gründen) als gesundes, kräftiges Nahrungsmittel. Aber wohl gemerkt,
nur das echte Kleienbrot, nicht das verfälschte oder nachgeäffte! Die
strafbare Verfälschungssucht hat sich leider auch schon dieses Artikels
bemächtigt. In einer Großstadt des Auslandes fand ich einst Kleienbrot
(dasselbe ist bekanntlich sehr schwer) so leicht wie anderes Brot. Ich
durchschnitt den Wecken. Inwendig war es Brot wie anderes Brot; nur
über die Rinde her hatte der kluge Bäcker die Kleie gestreut, wie man
sonst Kümmel oder Anis streut. Ich fügte meiner Apotheke zum Schlusse
das Rezept für Kleienbrotbereitung bei; s. oben S. 159.
Halsbräune.
Ein Vater kommt und klagt, seine Tochter, vier Jahre alt, habe die
Halsbräune. „Das Kind hat es,“ sagt er, „gerade wie die drei anderen
Kinder, welche alle gestorben sind. Sie starben sehr schnell; auch
dieses Kind wird schnell sterben. Schon kann es fast nicht mehr atmen
und nicht mehr husten. Kopf und Leib sind ganz aufgetrieben. Was soll
ich tun? Vier Stunden brauche ich, um den Arzt zu holen, und bis dahin
ist mein Kind tot.“ Die +Antwort+ lautete: „Hausvater, gehe gleich
heim, mache etwas +Wasser+, das mit Essig gemischt ist, +heiß+, tauche
ein +Handtuch+ ein, winde dieses aus und +wickle+ damit den +ganzen
Hals+ des Kindes gut ein! Darüber bringe noch ein trockenes Tuch und
lasse den also übergelegten Wickel drei Viertelstunden lang liegen!
Dann tauche das Tuch von neuem in Wasser und Essig! So fahre sechs
Stunden lang fort, aber alle drei Viertelstunden den Umschlag von neuem
naß machend! Nach Verlauf der sechs Stunden mache den Hals frei, ihn
leicht bedeckend! Sodann appliziere dem Kinde mit demselben Handtuch,
das du zu diesem Behufe wieder in Wasser und Essig eintauchst, einen
+kurzen Wickel+! Darüber lege eine trockene Hülle und decke das kranke
Kind gut zu, sorgfältig, aber nie zu stark! So soll die Kleine eine
Stunde lang ruhen bleiben. Nach einer Stunde entferne die Hülle und
lasse das Kind, nicht mehr als gewöhnlich bedeckt, im Bette liegen!
Sollte nach sechs bis acht Stunden noch schweres Atmen und Husten
vorhanden sein, so kannst du den Umschlag um den Hals nochmals, wie
oben gesagt, erneuern und denselben ein bis zwei Stunden lang umlegen.
Wenn er nach Verlauf einer Stunde recht heiß ist und dem Kinde recht
bange werden sollte, so tauche das Tuch von neuem ein! Du wirst die
Wirkung erfahren.“
Der Vater tat, wie ihm befohlen, und nach 30 Stunden war das verloren
geglaubte Kind wieder gesund, frisch und munter.
+Heilung+ wäre +auch dann+ erfolgt, wenn man das Tuch in +recht kaltes
Wasser+ (mit halb Essig) eingetaucht und das Eintauchen alle drei
Viertelstunden erneuert hätte. Bei Nichtabnahme der Hitze hätten +noch
die Füße bis über die Waden mit eingewickelt+ werden können.
Halsleiden.
Andreas fängt zu erzählen an, wie folgt: „Ich kann fast nicht mehr
reden, manchmal will’s gar nicht mehr gehen. Ich hatte so einen arg
bösen Finger. Damals habe ich’s das erstemal bekommen, daß ich nicht
mehr reden konnte; jetzt wird mein Finger wieder bös. Sonst habe ich
den besten Appetit, und es fehlt mir gar nichts. Der Arzt hat gesagt,
das Halszäpfchen sei zu lang und müsse abgeschnitten werden. Das will
ich aber nicht tun lassen.“
+Das Aussehen des Mannes+ zeigt einen etwas gefüllten, aufgedunsenen
Kopf; die linke Seite desselben, vom Ohre abwärts, zeigt eine kleine
Anschwellung. Man sieht recht gut, daß das Normalgesicht etwas gestört
ist, und Kopf und Hals sind mehr noch als im Äußeren im Inneren
angelaufen, aufgedunsen, daher im allgemeinen Verengung in diesen
Organen, daher die Halsbeschwerden. Unstreitig ist der +kranke Finger
das erstemal nicht gehörig geheilt, der Giftstoff nicht ganz entfernt+
worden. Wer den Krankheitsstoff jetzt völlig ausleitet, den Körper
säubert, der hat auch dem Halse geholfen. Zu dem Zwecke wirke man
+ableitend+ zuerst +auf den ganzen Körper ein+, sodann im +besonderen
auf die Kopfteile+. Ersteres geschieht durch die Anwendung des
+Sackes+ und die +Umlegung des Schals+. Der Sack steht dem Bauersmann
am ehesten zu Gebote. Er schlüpfe in denselben, nachdem er ihn
zuvor in +Haberstrohabsud+ eingetaucht hat. Dieses tue er drei Tage
nacheinander, je 1½ Stunden. Vom vierten Tage an beziehe er die nicht
mehr ungewohnte Wohnung jeden dritten Tag. Den Schal trage er täglich
eine Stunde lang. +Nach vierzehn Tagen+ kann er +Ganzwaschungen+
vornehmen zweimal in der Woche, und +einmal in der Woche+ soll er den
+spanischen Mantel+ tragen. Wenn das +Halszäpfchen+ noch Beschwerden
macht, kann er ein +paar Kopfdämpfe+ vornehmen, natürlich an
verschiedenen Tagen. Dem Übel wurde gründlich gesteuert.
Ein Priester erzählt: „Im Laufe des Sommers 1887 verspürte ich
zeitweilig ein leichtes Schmerzgefühl im Hals, das vorübergehend und
mit leichtem Hustenreiz verbunden war. Bei längerem Reden in der
Katechese, auf der Kanzel und im Beichtstuhl wurde die Stimme nach und
nach kraft- und klanglos und drohte zu versagen. Das Übel steigerte
sich in den Monaten September und Oktober; es entstand ein heftiger
Rachenkatarrh, und der Arzt fand auch die obere rechte Lungenspitze
affiziert. Ein drei monatlicher Aufenthalt in Meran, Pinseln und
Gurgeln und Bergsteigen, nichts vermochte das Leiden zu entfernen. Um
Neujahr herum war ein Arzt sogar in Versuchung, eine kleine Operation
vorzunehmen, doch unterblieb sie. Endlich entschloß ich mich am 25.
Januar, da mein Urlaub dem Ende zuneigte, in sehr gedrückter Stimmung
Meran zu verlassen und Wörishofen aufzusuchen. Die Wasseranwendungen,
täglich zweimaliger Oberguß und Wassergehen, brachten mir alsbald
Erleichterung im Hals; der Schmerz nahm ab, die Stimme wurde kräftiger
und bekam wieder Klang, und an Lichtmeß vermochte ich schon in D. eine
kurze Homilie und ein Amt zu halten. Aber die Stimme war noch heiser,
und ich hatte nachher auch eine ganz leichte Schmerzempfindung im Hals,
die aber bald wieder aufhörte. Von acht Tagen zu acht Tagen verspürte
ich Besserung. Nach drei Wochen war meine Stimme so kräftig und rein
wie früher; ich konnte wieder in die Seelsorge eintreten und meinen
Pflichten voll und ganz nachkommen.“
Harnbeschwerden.
Eiligst wurde ich einst zu einem 70jährigen Zimmermann gerufen, um
ihn möglichst schnell für die Ewigkeit vorzubereiten. Er habe, hieß
es, entsetzliche Schmerzen, er könne nicht mehr Wasser machen. Bald
stand ich im Hause des Kranken. Allein als Seelsorger konnte ich
nichts machen; denn der Mann lief in seinem Zimmer umher und schrie
vor Schmerzen; keinen Augenblick konnte er ruhig bleiben. Mit ihm
jammerte und weinte seine Frau, die ratlos dasaß. Ich gab ihr an,
+eiligst strudelndes Wasser zu machen+ und zugleich +einen Leibstuhl
herzurichten+. In den Topf solle sie +eine Handvoll Zinnkraut+ bringen.
Ich bemerke, daß der Arzt zwei Stunden weit entfernt wohnte, und gewiß
hätte derselbe den Mann nicht mehr unter den Lebenden getroffen. Das
Wasser sprudelte, die Frau goß es in den Topf über das Zinnkraut.
Der Kranke ging auf den Stuhl und ließ den heißen Zinnkrautdampf die
schmerzenden Stellen beräuchern. So solle er, befahl ich, 20-30 Minuten
sitzen bleiben und darauf ins Bett gehen. In einer Stunde, fügte ich
bei, werde ich wieder kommen und ihn zum Sterben vorbereiten. Nach
einer Stunde kam ich, fand den Mann aber ganz ruhig im Bette in großem
Schweiße. Freudigst erzählte er mir, es seien schon +zwei Liter Wasser
abgegangen+, und er fühle nicht mehr die geringsten Schmerzen. Die
Vorbereitung zum Sterben konnte unterbleiben. Tags darauf nahm der Mann
nochmals so einen Dampf zwanzig Minuten lang; am dritten Tag hielt er
Rasttag, und am vierten ging er wieder an sein gewohntes Handwerk.
+Der Mann hatte sich erkältet+ und so das Übel sich zugezogen.
Unglaublich ist es, was so ein einfaches Kräutlein, schnell und richtig
angewendet, in den bittersten Leidensstunden an Hilfe bringt.
+Ein Bauer+ bekam ein +ähnliches Leiden+. Beim größten Drang und
unter namenlosen Schmerzen wurde ihm vom Arzte mit dem Katheter
Wasser abgezogen. Der Katheter brach, und zu dem alten Leiden kam ein
neues, fast noch furchtbareres. Es war ein Martyrium, bis endlich
das abgebrochene Stück aus dem Leibe war herausgebracht worden. Eine
schreckliche Entzündung bildete sich, so daß an einen Katheter nicht
mehr zu denken war. Der Arzt suchte durch ein Instrument in die Blase
einzudringen. Doch der zweimalige Stich mißlang, und der Arzt ordnete
an, der Kranke solle schleunigst auf den Tod vorbereitet werden,
Rettung sei keine mehr möglich. Der betreffende Priester kam bald.
Zufällig hatte dieser von dem Mittel gehört, mit dem ich den ersten
Fall geheilt. Rasch wurde es auch hier angewendet, und die Wirkung
blieb nicht aus. Die Blase entleerte sich, alle Entzündung hob sich,
und der Kranke wurde vollständig gesund. +Täglich+ nahm er +zwei
solcher Dämpfe+.
+Noch kann empfohlen werden+, neben der äußerlichen Anwendung +aus
Zinnkraut einen Tee zu machen+ und diesen Tee (täglich eine Tasse auf
zwei bis drei Portionen verteilt) zu trinken.
+Ein armer Taglöhner+ hatte mehrere Wochen hindurch große +Beschwerden
der angegebenen Art+. Das Übel steigerte sich von Tag zu Tag. Er
wendete +Zinnkraut-Dämpfe+ an; doch sie wollten dieses Mal so gute
Wirkung nicht hervorbringen. +Die Dämpfe allein+ waren +zu schwach+,
ihre Wirkung mußte durch eine weitere Anwendung verstärkt werden. So
wurde Zinnkraut ausgesotten, ein +vierfach zusammengelegtes Linnen in
den heißen Absud getaucht+, dieses etwas ausgewunden und so auf die
leidende Stelle gelegt. Täglich ein Zinnkrautdampf und täglich eine
solche Auflage während zwei Stunden, das genügte. In wenigen Tagen war
das Übel geheilt. +Erkältung+, wie beim ersten Fall, war auch hier die
Ursache des Leidens, wenn auch nicht die einzige Ursache; Nebenumstände
traten hinzu. Der freigewordene Urin ließ erkennen, daß viel „Krankes“
im Innern gelöst wurde.
Bei einem ähnlichen Falle habe ich statt des Zinnkrautes +warmes
Wasser, mit Essig gemischt+, angewendet. Die also genetzten und
übergelegten Tücher taten dieselbe gute Wirkung.
+Eine Hausmutter+ lag schon neunzehn Wochen zu Bette und gebrauchte
immer ärztliche Hilfe. Die Ärzte erklärten das Übel als +Blasenkrebs+.
Die Schmerzen waren oft so groß, daß die Nachbarn die arme Frau
schreien hörten. An ein Aufkommen wurde längst nicht mehr gedacht.
Ich riet dem armen Weibe, es solle +Zinnkraut+ sieden, ein Tuch in
den Absud tauchen, in das etwas ausgewundene Tuch das +ausgekochte
Zinnkraut selbst+ legen, einbinden und so vorne auf die schmerzhafte
Stelle legen oder binden. Nach der ersten Anwendung fühlte die Kranke
Linderung. Sie tat so fünf Tage lang, drei- bis viermal täglich,
jedesmal gut gemessene zwei Stunden. Dreimal +täglich+ nahm die Frau
auch innerlich +Zinnkrauttee+. Am fünften Tage ging ein Salzstein ab
unter unsäglichen Schmerzen. An dem ausgeschiedenen Steine konnte man
recht deutlich sehen, daß sich Teile davon abgelöst hatten. Das Übel
war gründlich kuriert, der fatale Krebs mitsamt den Scheren richtig
gefangen.
Ein 64 Jahre zählender Mann, sonst kräftig und gesund, konnte nicht
mehr das Wasser lassen. Er ließ den Arzt rufen. Dieser gebrauchte den
Katheter und erklärte, daß es für dieses Übel keine Medizin mehr gebe.
In der Tat mußte er alle 24 Stunden zu der unliebsamen Operation geholt
werden. Nach vier Tagen stellte sich im ganzen Körper des Mannes große
Fieberhitze ein, und, was ganz fatal war, er sollte nichts trinken.
Zwei Übel quälten so den armen Körper. Der Arzt hatte wenig, fast
keine Hoffnung mehr. Ich wurde befragt und gab den Rat, der Kranke
solle mit dem Rücken auf ein mehrfach zusammengelegtes, in warmes
Wasser getauchtes Linnen sich legen, drei Viertelstunden lang, dasselbe
Tuch sodann neu eingetaucht dem Unterleibe applizieren (+Unter-+
und +Oberaufschläger+) in der Dauer einer Stunde. Schon nach der
ersten Anwendung gingen 1½ Liter Wasser ab. Dieselbe wurde im Anfange
täglich zweimal, nach einiger Zeit nur einmal erneuert. +Nach innen+
nahm der Patient täglich in drei Portionen oder Absätzen +eine Tasse
Tee+ von +Zinnkraut+, +Wacholderbeeren+ oder +Attichwurzeln+ (fünf
Minuten in Wasser gesotten). +Rosmarin+, in Wein angesetzt, selbst
+Wacholderbeeren+ allein, in Wasser gesotten und als Tee getrunken,
hätten gleichfalls gute Dienste getan. Das erste Übel mit seinen
Schmerzen ließ nach, auch die Hitze verschwand gänzlich. Der Mann fühlt
sich seit dieser Kur gesünder als früher.
Ein Bauer, ungefähr 42 Jahre alt, erzählt:
„Ich bin seit vier Jahren leidend, und mein Leiden steigert sich von
Monat zu Monat; ich habe Beschwerden beim Wassermachen. Über eine halbe
Stunde auszuhalten ist mir unmöglich, und wenn es länger andauert, so
steigert sich das Leiden derart, daß ich heftige Krämpfe bekomme, und
erst wenn diese Krämpfe ausgetobt, geht nur wenig Wasser ab. Ich habe
schon viele Ärzte gehabt, geholfen hat gar nichts; habe 80 Flaschen
Mineralwasser getrunken auf Empfehlung eines Münchener Arztes; ein
klein wenig half es, aber das Übel ist nicht im geringsten gehoben. Ich
muß jede halbe Stunde die Nacht hindurch aufstehen, und dann geht ein
wenig Wasser ab, und geschieht dies nicht, so mache ich das Leiden
immer noch bitterer. Ich bin sonst ganz gesund, habe, wie jedermann
sagt, ein gutes Aussehen, trinke selten Bier; es wird darauf nur noch
schlimmer, und ich war nie besonders daran gewöhnt. Was ist zu tun?“
Anwendung: 1) In der Woche zwei warme Bäder von gesottenem Haberstroh,
30-32°; zehn Minuten ins warme, dann eine halbe Minute ins kalte, dann
wieder zehn Minuten ins warme Bad, so dreimal. 2) Die übrigen Tage,
an jedem Tag ein kurzer Wickel von unter den Armen bis an die Knie,
ebenfalls in Haberstrohwasser getaucht, wenn’s geht, eine Stunde lang;
so 12-14 Tage fortmachen. 3) Täglich drei kleine Tassen Tee trinken von
Zinnkraut und Wacholderbeeren, zehn Minuten lang gesotten.
Ein Knecht bekam große Beschwerden im Urinieren. Es ging nur wenig und
langsam Harn ab und unter heftigen Schmerzen.
Der Arzt erklärte, nicht anders helfen zu können als durch Entleerung
mit Katheter einige Zeit hindurch jeden zweiten Tag. Das Übel nahm
indes immer mehr zu, die Schmerzen steigerten sich.
Der Knecht nahm nun täglich zweimal je 25-30 Tropfen von Wacholder-
und Hagebutten-Geist in einem Weinglas voll Wasser. Schon in einem
halben Tage merkte er Besserung, nach zehn Tagen war das Übel
ziemlich gehoben. Zur Abwechslung nahm er noch weiter den einen Tag
Wermuttropfen statt der obigen und wurde so in kurzer Zeit befreit.
Recht empfehlenswert ist für solche Zustände, für Blasenleiden,
überhaupt für Grieß, einen Absud zu trinken von +Blättern des schwarzen
Johannisbeerstrauches+. -- Solcher Tee hat selbst in ganz schwierigen
Fällen schon vorzügliche Dienste getan.
Heiserkeit.
Ein Mädchen mit elf Jahren hatte die Stimme seit mehreren Monaten
so verloren, daß sie nur mit größter Mühe auf krächzende Weise
sich verständlich machen konnte. Die Farbe war ganz weiß, die
Augen bläulich, und dabei bemerkte man hochgradige Abmagerung und
Entkräftigung. Die Naturwärme war wie verschwunden, auch kein Appetit
war mehr da außer zu etwas Bier und Wein.
Innerhalb zwei Monaten war das Mädchen gänzlich geheilt und gekräftigt,
und zwar durch folgende Anwendungen: 1) Täglich zwei- bis viermal
barfuß im Gras gehen. 2) In der Woche drei- bis viermal einen Schal
umlegen. 3) In jeder Woche viermal ein Sitzbad. 4) Bei warmer
Temperatur während der letzten drei Wochen im Sonnenwasser baden,
dreimal wöchentlich.
Die Kost bestand in einfacher Hausmannskost, besonders in Milch,
halbtageweise einen Eßlöffel voll jede Stunde.
Nach eingetroffener Nachricht ist das Mädchen jetzt ganz wohl und
gesund.
Ein geistlicher Herr litt an Heiserkeit, und zwar stets vom Oktober bis
Mai. Er versuchte alles, zog mehrere Ärzte zu Rate, aber umsonst. Das
Leiden blieb das alte vierzehn Jahre hindurch. Endlich suchte er bei
mir Hilfe, und in auffallend kurzer Zeit bekam er sie.
Der Herr mußte täglich bis an die Knie ins Wasser stehen und zugleich
beide Hände in dasselbe halten. Außerdem mußte er Ganzwaschungen
vornehmen, meistens beim Aufstehen oder während der Nacht beim
Aufwachen.
Schon nach zwölf Tagen war das jahrelange Leiden gänzlich verschwunden,
und seit 16 Jahren hat es sich nie wieder eingestellt.
Ein Beweis, wie gründlich das Wasser heilt.
Herzleiden.