Bei mir war dieses oft das kürzere Verfahren. Man +bade+ Finger und
Vorderarm täglich zwei- bis dreimal in einem warmen (ja nicht heißen)
+Heublumenbad+ von einer halben Stunde Dauer. Die +Finger-+, +Arm-+ und
+Körperwickel+ bleiben dieselben wie oben.
Andreas, einem Gärtner, war der Daumen der rechten Hand entsetzlich
zugerichtet. Furchtbar angeschwollen zeigte der ganze Finger keine
Haut mehr; er war rein wie eine abgestandene, mit Eiter überzogene
Fleischmasse. Das Bein blinkte an mehreren Stellen durch. Der Arzt
hatte schon erklärt, es müsse die Hand, um das Leben zu retten,
abgenommen werden. Ich schaute mir die Hand an und dachte: „Gott,
könnte ich dem armen Mann die Hand retten!“ Dann legte ich mir den
Fall also zurecht: Das sichtbare Bein (das war die Hauptsache) sieht
recht frisch aus, es ist also noch nicht angegriffen. Der schrecklich
angeschwollene, ekelhafte Daumen ist wie eine Jauchengrube, in
welche der Körper seine nichtsnutzigen Säfte ausschüttet. Diese
scharfen Stoffe mehren die Geschwulst, zerfressen das Fleisch und
vergiften alles, was sie angreifen. Somit muß ich einwirken auf den
halbabgefaulten Daumen, noch kräftiger aber auf den Körper, daß er
aufhöre, sein eigenes Glied zu morden. Der Überlegung folgte das
Handeln.
Der +Daumen+ und die +ganze Hand+ bekam +Wickel+ von +Heublumen-+ und
+Zinnkrautabsud+ (beide Kräuter wurden zusammen abgebrüht), im Tage
vier- bis fünfmal erneuert. Der +kranke Leib+ erhielt +täglich einen
kurzen Wickel+ und +wöchentlich dreimal den spanischen Mantel+. An
den +wunden Finger+ ließ ich jeden Tag +recht verdünntes Alaunwasser+
gießen, welches den Unrat wegwusch. Noch nicht vier Wochen waren
vergangen, und alles, Finger und Hand, war wieder gewonnen. Um das in
der Tat nicht angefressene Bein bildete sich eine neue Fleischmasse zu
einem +neuen Daumen+, der, den Nagel ausgenommen, wie früher in den
gesündesten Tagen aussah. Der Mann konnte als Gärtner seinem Beruf wie
zuvor nachkommen. Er lebte nachher noch viele Jahre.
Gesichtsrose.
„Mein Mann bekommt die Gesichtsrose; das ganze Gesicht ist
angeschwollen, sieht feuerrot aus; er hat ein heftiges Fieber; es
verbreitet sich die Röte über das ganze Gesicht; es zeigen sich
an allen Stellen viele kleine Bläschen, und der Jammer ist nicht
anzuhören,“ -- so klagte mir eine Gattin. „Schleunigst soll ein
Schal umgelegt werden, in warmes Wasser getaucht,“ -- verordnete
ich; „drei Viertelstunden lang soll es dauern; dann soll das Tuch
hinweggenommen, in frisches Wasser getaucht und wieder übergelegt
werden; so dreimal wiederholt -- macht ungefähr drei Stunden aus. Drei
bis vier Stunden später soll ein vierfaches Tuch in frisches Wasser
getaucht, ordentlich ausgewunden, auf den Unterleib gelegt werden,
drei Stunden lang; aber nach jeder Stunde soll das Tuch weggenommen,
in frisches Wasser getaucht und wieder aufgelegt werden. Drei Stunden
später, nachdem die Wickel entfernt sind, läßt man den Kranken auf ein
mehrfach zusammengelegtes Tuch, in kaltes Wasser getaucht, ganz gut
ausgewunden, eine Stunde lang liegen. Diese drei Anwendungen können
so der Reihe nach vorgenommen werden, bis die ganze Hitze gebrochen
und der Krankheitsstoff ausgeleitet ist. Auf der leidenden Stelle im
Gesichte wird nichts angewendet als von Zeit zu Zeit, wenn die Spannung
der Haut gar zu empfindlich ist, Abwaschungen mit lauwarmem Wasser.
Ist der Durst recht groß, so bleibt Wasser oder Zuckerwasser das beste
Getränk, aber immer nur in recht kleinen Portionen.“
+Gesichtsrose auf eine andere Art zu heilen+:
Dem Kranken soll täglich zweimal ein Schal umgelegt werden, drei
Stunden lang jedesmal, nach jeder Stunde wieder frisch eintauchen; in
der übrigen Tageszeit, nach je drei Viertelstunden, Rücken, Brust und
Unterleib, am besten den ganzen Körper mit Wasser und etwas Essig daran
waschen; darf aber nicht länger als eine Minute lang dauern. Wenn das
Fieber bedeutend abnimmt, so reicht es aus, nach zwei bis drei Stunden
zu waschen, später nur mehr alle Tage; soll anfangs das Wasser, mit
Essig vermischt, warm genommen werden, so gebraucht man später frisches
Wasser. Den Schaden im Gesicht darf man immer nur mit lauwarmem Wasser
von Zeit zu Zeit waschen. Auf diese zwei Arten sind schon mehrere
geheilt worden, ohne daß irgend ein Nachteil zurückblieb.
+Josepha+, 22 Jahre alt, gesund und kräftig, bekommt nach schnell
eingetretener Müdigkeit ein heftiges Fieber. Nach außen ist sie voll
Hitze, im Innern voll Frost und Kälte; sie leidet großen Durst und
ist ganz ohne Appetit. So oft die Hitze groß war, wurde sie anfangs
mit warmem, dann mit kaltem Wasser am ganzen Körper gewaschen, und
zwar drei Tage hindurch. Dann ließ der Frost nach, der ganze Kopf war
angeschwollen, und die Gesichtsrose trat ungewöhnlich stark hervor; im
Gesichte zeigten sich große Blasen, und der Mund besonders war stark
geschwollen. Vier Tage hindurch, an jedem Tage sechs- bis zehnmal,
wurden die Waschungen vorgenommen; auch legte man noch zweimal im
Tage den Schal um, zweimal warm, dann kalt. Nach drei Tagen stellte
sich großer Schweiß ein, der zwei Tage dauerte, und dann war Josepha
geheilt; zweimal wurde im Tage während der Schwitzzeit die Waschung
vorgenommen. Der Schweiß kam von selbst, und das Abwaschen beförderte
denselben um vieles. Die ganze Kurzeit dauerte acht Tage; eingenommen
hat sie gar nichts. Am Kopfe wurde nichts angewendet; nur an den
letzten drei Tagen wurde das Gesicht täglich zweimal mit lauem Wasser
gewaschen.
Gicht.
Wer zur Herbstzeit ins Allgäu kommt, sieht da und dort die Leute
ihren Dünger ausbreiten. In neuerer und neuester Zeit haben sie auch
eine neue Methode angenommen, die jedem wahren Landwirt die Galle
kitzelt, das Blut aufrührt und in Wallung bringt. Sie verteilen dem
hungrigen Boden die Nahrung nicht mehr gleichmäßig wie früher, sondern
mit einem nie gesehenen Schlendrian werfen sie aufs Geratewohl der
einen Scholle zwei bis drei Portionen hin, die andere lassen sie
für ein neues, ganzes Jahr fasten. Die ganze Arbeit gleicht dem
leidigen Spiele von Maulwürfen. Das muß ja im Frühjahr faule Moräste
abgeben, auf denen die Wucherstellen die übelangebrachte Verschwendung
zeigen, daneben armselige und verkümmerte Habenichtse, die infolge
der stiefmütterlichen und ungerechten Behandlung auch nichts in die
Scheunen tragen.
Dieses Bild paßt mir vortrefflich für die Gichtkrankheit.
Was dem Acker und der Wiese der Dünger, das ist dem Menschen die
Nahrung. Ob da in all den verschiedenen Ständen und Lebenslagen
Ungleichheit herrscht? Dem einen wird’s täglich und stündlich
im Überflusse zugeworfen; ein anderer hat jahraus jahrein
Quadragesimalzeit. „Was für eine Mahlzeit?“ fragte einmal einer. Nicht
40-, sondern 365tägiges Fasten! Wenn nun jemand täglich und stündlich
seinem Felde (seinem Körper) zu viel, so viel zuführt, daß die Natur
es nicht bewältigen, die Organe es nicht verarbeiten und verwerten
können, was muß die Folge sein? Die Knochen z. B. brauchen zu ihrem
Bau Schwefel und Kalk. Nun aber wird in kräftigen und starken Speisen
vielleicht soviel Baumaterial eingeführt, daß es zu zwei, zu drei
Körper-Neubauten ausreichte. Was wird, was muß geschehen? Da bilden
sich Moräste (dickes Blut), dort Sümpfe (schlechte Säfte), um die
Knochen herum Sand- und Schutt- und Kalk- und Steinhaufen.
Die Knöchel schwellen an, entzünden sich, und es ist eine langdauernde,
entsetzliche Qual, bis diese verknorpelten und verknöcherten
Gichtknoten durch den Schmerz selbst gleichsam verbrannt und anders
entfernt sind. Und so arg das Leiden, so gering oft das Mitleiden
mit so wohlbehäbigen Podagranern. Es ist nicht ganz christlich, aber
manchmal sehr erklärlich. Die Leute sagen: „Er hat das Genießen gehabt;
er habe nun auch die Schmerzen, die Folgen des übermäßigen Genusses.“
Indessen können +auch arme Leute+ von der Gicht heimgesucht
werden, +ja selbst die Ärmsten+.
Einmal stellte sich mir ein armer und überaus fleißiger Dienstbote vor;
er bekam die Gicht im höchsten Grade. Ursache war bei ihm, daß er aus
lauter Diensteifer die +Pflege des Körpers vernachlässigt+ hatte.
Ein windbrüchiger Blasbalg arbeitet den Blas, die Luft, nicht in die
Orgelpfeifen, sondern zu den Löchern hinaus. Geschwächte, halbkranke
Organe schaffen, arbeiten oftmals statt am Fleisch an der Geschwulst,
statt am Bein am Überbein.
+Weitere Ursachen+ können sein: +allzu große Anstrengung+,
+Vernässung+, +Erkältung+ u. a. +Gicht im hohen Grade+ quält viele,
+Gicht+ im geringeren Grade unzählige Menschen. Sie quält die einen an
den +Zehen+, die andern im Kopf, viele am +Äußern+, viele im +Innern
des Körpers+.
+Einfache, noch nicht allzusehr geschwächte Leutchen+, die gerne folgen
und nicht den Flohstich spüren, heile ich recht gerne und meistens sehr
leicht. +Bei den Podagranern+ der ersteren und vornehmeren Gattung gebe
ich mich nie Täuschungen hin. Sie sind mir ein Kreuz und mit Wasser
meistens nicht zu heilen; denn sie folgen nicht, weil sie bereits
unter dem Doppeljoche der Verweichlichung und der Wasserscheu seufzen;
heilbar wären sonst auch sie wie die anderen Gichtkranken.
+Ein Herr von Stand+ litt seit vier Wochen an heftigen Fußschmerzen.
Seine Bekannten nannten ihn scherzhaft ein weiteres Mitglied der
Bruderschaft der Podagraner. +Schwitzen+ kurierte ihn dieses Mal. Doch
nach einem Jahre kehrte das Leiden wieder und fesselte ihn zwölf Wochen
ans Bett. Es brannte tüchtig, und er schwitzte tüchtig; aber dieses
Wasser allein heilte das zweite Mal nicht. Er ließ mich befragen und
erklärte, er werde alles tun, was immer verlangt werde, wenn nur diese
fürchterliche Krankheit nicht noch einmal wiederkehre. In wenigen
Wochen war die Hauptkur vorüber. Wie wenn Wasser auf ungelöschten
Kalk kommt und dieser aufschwellt und zerbröckelt, so vergingen die
Gichtbeulen unter den verschiedenen Anwendungen. Später wiederholte
der Patient von Zeit zu Zeit die eine oder die andere Wasserübung,
und soviel ich weiß, hat das Übel seit den letzten Jahren ihn nicht
weiter belästigt. Die Anwendungen selbst lerne der geneigte Leser beim
folgenden Falle kennen.
Ein +Priester+ sandte zu mir mit der Nachricht, seine Füße brennen
ihn wie lebendiges Feuer, er müsse fast verzweifeln, was er doch tun
könne? Ich riet, er solle in heißem Wasser +angeschwellte+ und hernach
+ausgepreßte Heublumen auf ein Linnen bringen+, die +schmerzenden Füße
mitten drein legen+ und den +warmen Heublumenwickel+ gut zubinden.
+Nach zwei Stunden+ solle er die aufgelegten Heublumen von neuem in
den Heublumenabsud +eintauchen+, auspressen und nochmals umbinden. Ob
die Heublumen das zweite Mal lau oder ziemlich kalt oder ganz kalt
umgebunden werden, bleibt sich ganz gleich. Der kranke Priester tat
so die folgenden Tage. Nach dem ersten halben Tage schon waren die
Hauptschmerzen entfernt, nach zwei bis drei Tagen war der Kranke ganz
frei von Schmerzen.
Fehlen einem Kranken die Heublumen, so siede man +Haberstroh+ und
tauche die zu umwindenden +Fußwickel+ in den Absud. Auch dieses ist
bei unserem Übel von vorzüglicher Wirkung. +Man beachte+, wie ich bei
diesem Leiden +mit Vorzug erwärmend einwirke, vielmehr auflöse+.
+Vor einer Täuschung+ muß ich +hier warnen+. Sobald den Kranken die
Füße nicht mehr schmerzen, so meint er natürlich, er sei schon völlig
kuriert. Man beginge einen großen Fehler, wenn man jetzt nachgiebig
wäre. Den Fußwickeln müssen wenigstens +einige Anwendungen auf den
ganzen Körper+ folgen, um wo möglich allen krankhaften Stoff daraus zu
entfernen. Am besten dienen während der drei ersten Wochen +wöchentlich
zwei bis dreimal der spanische Mantel+ (je 1½-2 Stunden), im folgenden
Monat +einige Warmbäder mit Absud+ von +Heublumen+ oder +Haberstroh+
und +dreimaligem Wechsel+.
Ein +Taglöhner+ hatte sich ein schweres Gichtleiden zugezogen.
Er ging +wöchentlich dreimal in den Sack+, den man in +heißen
Haberstrohabsud+ eingetaucht hatte; dann wurden ihm +in der Woche
zwei Fichtenreis-Bäder+ bereitet von 33 bis 35° ~R.~ mit dreimaligem
Wechsel. +Jede zweite Nacht wusch er sich vom Bett aus kalt.+ Nach
drei Wochen war er ziemlich geheilt, benützte jedoch noch für einige
Zeit +in der einen Woche zweimal den Sack+, in der +anderen+ das
beschriebene +warme Bad+. Bald trat er neugekräftigt seinen Dienst an,
den er bis heute gut versieht.
Ein +Brunnenmacher+ zeigte mir die +Gichtknoten+ an +seinen Fingern+
und +an seinen Zehen+, die ihn bisweilen, wie er sagte, unausstehlich
brannten, -- +Gicht durch Vernässung+.
+Jeden zweiten Tag+ ein eben beschriebenes +warmes Bad+, jeden
+dritten+ oder +vierten Tag+ die Anwendung mit dem +Sack+ haben den
Mann in kurzer Zeit gänzlich von seinem Übel befreit. Die +Hände+ hat
er sich +über die Nacht in angeschwellte Heublumen+ eingebunden.
Ein +armer Hausvater+ bekam heftiges Gliederreißen. Ob es von der Gicht
oder von einem anderen Übel herrührte, wußte er nicht; er fühlte nur
entsetzliche Schmerzen, die ihn berufsunfähig machten.
Es war gerade die +Heuernte+. Ich riet ihm, er solle +auf seinen
Heustock gehen+, der eben in +Gärung sei+, dort eine Art Grube in das
heiße Heu machen und sich in das +heiße Heugrab+ legen, mit heißem Heu
auch sich zudecken, so daß nur mehr der Kopf herausschaue. Er tat’s und
schwitzte in einer Viertelstunde schon dergestalt, daß der ganze Körper
wie im Wasser schwamm. +Sechsmal innerhalb zehn Tagen+ stieg der Bauer
+in so ein Heubad+, und es hat ihn gründlich kuriert.
Nicht einem jeden würde ich solches raten. Aber nur derjenige, der
es selbst probiert, kennt die +große+ und +auflösende Kraft solchen
Heudampfes+. Recht alte, tief eingewurzelte Übel können oft durch
solchen unschädlichen Dampf ausgeleitet werden. Nach meiner Praxis
würde +derjenige+ diesen Heudampf +am wirksamsten+ brauchen, der
+unmittelbar vom Dampfbade weg ganz rasch ein kaltes Halbbad+ nähme mit
Waschung des Oberkörpers. Letzteres kräftigt zugleich ungemein.
Das ist +nicht so dumm+ und +überspannt+, wie manchem dünken
möchte. Das bewiesen neben vielen anderen einmal besonders zwei
hohe Praktikanten. Zwei Herren aus hohem Stande haben sich durch
ungefähr fünfzehn solcher Heudampfbäder dermaßen erholt, daß es ihnen
unbegreiflich vorkam, wie durch so einfache Mittel, in so einfacher
Weise eine Um-, gleichsam Neuschaffung im Organismus zustande gebracht
werden könne.
Ich stehe nicht an, zu behaupten, daß +schwächere Rheumatismen+,
+Krämpfe+, gewöhnlich Überreste und Überbleibsel nach schweren
Krankheiten, leicht durch zwei bis vier solche Heudampfbäder
vollständig zu entfernen wären.
Du siehst, mein lieber +Landmann+, was für Schätze du im Hause hast!
Probier’s einmal! Im Sommer, im Heuet, wenn du recht müde bist, wirf
ein paar Handvoll Heu oder Heublumen in heißes Wasser und laß es lau
werden! So ein Fußbad von fünfzehn Minuten wird dir die Müdigkeit aus
allen Gliedern ziehen.
Und wenn du einmal so ein Reißen oder Brennen verspürst, sei
vernünftig! Du gönnst das Heilkraut jeden Tag deinen Vierfüßlern. Laß
dessen Heilkraft auch mal deinen eigenen Körper kosten!
Ein Wirt erzählt:
„Ich habe oft so reißende Schmerzen im Kopfe, besonders wenn das Wetter
anders wird, daß ich unfähig bin, meinem Berufe nachzukommen. Es kommen
die Schmerzen in den Rücken, besonders auch in die Oberschenkel; wenn
sie aber in die Füße kommen, kann ich nicht mehr gehen. Trinke ich ein
Glas Bier, so kommt der Schmerz ganz schnell in den Kopf. Weil ich es
schon Monate hindurch so stark habe, ist mir jede ordentliche Arbeit
unmöglich, und das Leben wurde mir schon oft recht entleidet.“
Die Anwendungen waren folgende: 1) In der Woche zwei warme
Haberstrohbäder, 30° ~R.~, von einer halben Stunde; darauf kräftig
abwaschen oder ein kurzes kaltes Bad. 2) Jeden Tag einen Oberguß mit
Knieguß. 3) In der Woche dreimal ganz waschen, so rasch als möglich,
im Schweiß oder im Bette nachts. 4) Täglich am Morgen und am Abend
eine Tasse Tee von fünf bis sechs frischen Holderblättern, fein
zerschnitten, fünf Minuten lang gekocht.
In vier Wochen war dieser Wirt vollständig gesund, so daß seine
Bekannten sein Aussehen als geradezu verjüngt erklärten.
Damit weiterhin diese Krankheit sich nicht wieder einniste, kann er
alle Monate ein solches Bad nehmen und jede Woche ein- bis zweimal sich
ganz waschen im Schweiß oder in der Nacht vom Bett aus.
Ein Gewerbsmann kommt und erzählt: „Bei mir sind beide Füße stark
angeschwollen, ganz steif, und ich bin nie ohne Schmerzen, kann oft
nicht eine Stunde in der Nacht schlafen; besonders in den Gliedern
ist der Schmerz am heftigsten; meine Arme sind auch ganz steif und
tun mir recht wehe; Appetit hätte ich; aber wenn ich esse, treibt es
mich auf, so daß ich kaum mehr zu atmen vermag; ich kann fast gar
nicht mehr gehen und bin so voll Schwindel, besonders beim Aufstehen,
daß ich kaum mehr weiß, wo ich bin. Ärzte habe ich viele gehabt, habe
recht viel eingenommen, aber soweit ich urteilen kann, hat sich meine
Lage bei allem, was ich versucht habe, nur verschlimmert; ich habe mir
schon oft den Tod gewünscht.“ Der Betreffende war ziemlich stark und
sah mehr einem wohlgenährten Bräumeister gleich als einem Gewerbsmann,
obwohl er nur einfache Kost hatte und nicht besonders viel Bier trank.
Er war ungefähr fünfzig Jahre alt. Nach Aussage der Ärzte sollte
Herzverfettung die erste Ursache zu diesem Elende sein.
In fünf Wochen war dieser Kranke von seinen vielen Übeln befreit,
und er freute sich, seine Gesundheit wieder vollständig erlangt zu
haben. Was hat ihm geholfen? 1) Die Füße wurden zuerst jeden Tag, dann
jeden zweiten und später jeden dritten Tag mit Heublumen eingebunden,
nämlich die Heublumen kamen auf die bloße Haut, ein Tuch wurde
darüber gewunden, und zwar warm, zwei bis drei Stunden lang. 2) Jeden
zweiten und später jeden vierten Tag mußte er ein Hemd anziehen, in
Heublumen-Absud getaucht. Als die Geschwulst an den Füßen großenteils
verschwunden war, bekam der Kranke jeden Tag einen Oberguß und Knieguß
und auch Halbbäder. Dies wurde fünf Wochen fortgesetzt.
=Grieß-= und =Steinleiden=.
Gar oft kommt es vor, daß Grieß und Stein sich bilden in der +Blase+
und in den +Nieren+. Wer je einen solchen Leidenden gesehen oder solche
Leiden selbst erduldet hat, kennt +diese fürchterlichen Schmerzen+. Die
Heilung mit Wasser ist sicher und schmerzlos, somit die leichteste und
beste.
+Obenan+ stehen hier die +Haberstrohbäder+. Es wird Haberstroh (wer
dieses nicht zur Hand hat, nehme +Zinnkraut+ oder +saures Pferdeheu+)
gesotten, gegen eine halbe Stunde lang, und der Absud zu einem warmen
Bad bereitet mit ungefähr 30° ~R.~ In dem Bade bleibt der Kranke
eine Stunde und wäscht sich, damit das warme Bad ihn nicht zu welk
mache, unmittelbar nach dem Aussteigen aus der Wanne mit frischem
Wasser kräftig ab. Solche Bäder können +in der Woche+ drei genommen
werden. Nebenbei dienen vortrefflich in der Woche +zwei bis drei kurze
Wickel oder+ statt derselben +nasse Auflagen über die schmerzlichen
Teile+ (ein Linnentuch vier- bis sechsfach zusammengelegt, darüber
die gewöhnliche, luftabschließende Umhüllung). Beide Anwendungen sind
selbstverständlich stets nur +im Bette+ vorzunehmen. Sie lösen die
Grießsteine in Blase und Nieren auf und leiten dieselben aus. Doch soll
gerade bei diesen Leiden +der Tee+ nicht vergessen werden. Obenan steht
der +Hafertee+.[39] +Hafer+ wird eine halbe Stunde lang gesotten, und
von dem Absud werden täglich zwei Tassen getrunken. Stärker noch als
Hafertee wirkt Tee von +Haberstroh+, der auf dieselbe Weise bereitet
wird. +Zinnkrauttee+ ist kaum von einem anderen übertroffen. Noch nenne
ich die +Hagebutten+, die gesotten gleichfalls einen recht heilsam
wirkenden Tee abgeben; nur muß er längere Zeit hindurch genommen
werden. Die Erfahrung lehrte mich, daß er besonders vor weiterer
Ausbildung solcher Steine schütze. Die oben genannten +Anwendungen
sollen zwei bis drei Wochen+ zur Hälfte vorgenommen werden. Das Leiden
wird sich unter dem Segen des Arztes aller Ärzte sicher verlieren.
+Ein Herr+, der nach meiner Weisung verfuhr, erzählte mir, es seien
bei ihm innerhalb einiger Wochen +viele hundert Steinchen+ abgetrieben
worden.
+Ein anderer Herr+ litt dermaßen an Grieß und Steinen, daß die
Salzschärfe von innen selbst in die Füße drang, an denen sich eine
Unzahl kleiner Geschwüre bildete. Mitunter quälte den ganzen Körper ein
höchst unangenehmes Kitzeln und Beißen und Brennen. +Dreißig Bäder+
innerhalb eines Jahres, der +spanische Mantel+, wöchentlich ein paarmal
angezogen, Tee von obigen Sorten entfernten das Leiden und seine
peinlichen Folgen vollständig.
Zum Schlusse noch +ein Wort an die jüngere Generation+, die so gerne
das Alte verwirft, weil es eben alt ist und auf Vorurteilen oder
Ungewißheit oder Bigotterie beruht, wie sie meint, und die stets und
mit Hast nach Neuem strebt und greift.
+Für alle Leiden, die zahlreicher+ und +schmerzhafter+ auftreten, --
und dazu gehört das eben besprochene; denn die Zahl der Leidenden
ist Legion, und die Schmerzen sind oft zum Rasendwerden, -- +hat der
Schöpfer liebevoll und weise vorgesorgt+. Auf der ganze Erde läßt
er die verschiedensten Pflanzen und Pflänzchen wachsen, welche die
Schmerzen lindern, das Übel bessern und heilen. Die Menschen zwar
haben -- und das hat der Fortschritt gebracht (ob das Fortschritt
ist?!) -- diese Heilpflanzen vielfach, ja meistens aus den sogenannten
Pharmakopöen, d. i. den Büchern, welche sämtliche Heilmittel enthalten,
als „unwissenschaftlich“ und als „veraltet“ ausgestrichen; der allweise
Schöpfer aber führt alle, jedes mit Namen, jährlich im großen Buche
der Natur wieder auf. Keines noch hat er gestrichen, keinen Strauch
und kein Blatt am Strauch; des Menschen wegen sind sie da, zu seiner
Freude, zu seiner Wohlfahrt. Wer hat recht? Merkwürdig! Jedes Tier,
besonders jedes wilde Tier, entspricht, wenn auch naturnotwendig, den
weisen Absichten seines Herrn und Schöpfers. Vom Instinkt, vom inneren
Naturdrang getrieben weiß es bei jedem Schmerz, bei jeder Wunde das
heilende Kraut aufzufinden. Unsere Altvordern und mancher, der bald in
die Grube steigt, dessen Ansichten mit ihm selbst längst aus der Mode
gekommen, taten ebenso.
Ich lobe den Fortschritt in vielen Wissenschaften und freue mich
desselben. Aber nicht alles ist auch in Wahrheit Fortschritt, was diese
modern klingende Aufschrift trägt.
Mein Büchlein ist in erster Linie für Arme und für Kranke auf dem Lande
geschrieben, und ihnen sage ich: „Danket eurem Schöpfer auch für diese
guten, ja oft besten Gaben und beneidet die anderen, die Reichen,
nicht!“
„Bleibt ruhig bei euren unschuldigen Pflanzenmitteln! Ob dieselben
innerlich oder äußerlich angewendet werden, ihr habt (selbst wenn sie
in +einem+ Falle nicht richtig gewählt werden) die Versicherung, daß
sie euch nichts schaden können. Lasset den Reichen ihre Mineral- und
Giftstoffe, mögen sie was immer für Namen führen und in der weiten Welt
wo immer zu finden sein!“
„+Das würde mich schmerzen+, wenn auch ihr +Gottes+ Gabe, die
Heilpflänzchen, die der Herr vor eurem Hause, auf dem Acker, auf der
Wiese wachsen läßt, mit Füßen treten würdet. Da könnte und möchte auch
ich, der ich es sonst so gut mit euch meine, euch nicht mehr helfen!“
Hämorrhoiden.
Die Hämorrhoiden (+Goldadern+ nennen sie die gewöhnlichen Leute)
können teils mit zum +Erbteil+ der Eltern gehören, teils +in Folge der
Lebensweise+ entstehen. +Stubensitzer+, +Aktenmenschen+, +Studierte+,
+Feinschmecker+ usw. werden viel von dieser Blindschleiche geplagt.
Der Landmann, der jahraus jahrein Kartoffeln und einfache Mehlkost ißt
und das Fleisch nur an den Sonn- und höheren Festtagen sieht, bei dem
an Stelle des Bieres und starker Weine die Milch und der Apostelwein
(Wasser) tritt, der täglich draußen und daheim schwere Arbeit tut,
kennt diese Blutsauger oft kaum dem Namen nach.