+Ein Pfarrer+, in seiner Gemeinde hochgeschätzt und geliebt, kam

vom Ausland ganz entmutigt zu mir. Er könne, so meinte er, seiner

Pflicht gar nicht mehr nachkommen. Dieser Zustand, der sich in +großer

Traurigkeit+, +in Mißmut+, +in Unfähigkeit zum Studieren+ äußerte,

hatte früher schon einmal die Nachbarsgeistlichen veranlaßt, den Armen

in eine Anstalt zu bringen. Daselbst verblieb er mehrere Wochen und

kehrte ruhiger, aber ungeheilt in seine Heimat zurück. Er beriet mich,

was doch zu tun sei, ob er die Pfarrei verlassen oder was er anfangen

solle. Der Herr sah gesund, frisch und kräftig aus, was bei solchen

Kranken so leicht täuscht und so viele harte, ungerechte und lieblose

Urteile veranlaßt.[36] Wer näher zusah, konnte wohl bemerken, daß das

Auge trüb, die Farbe verbleicht, die Haare erstorben waren.

Die +Anwendungen+ waren +dreifacher Art+: der +Kopf-+ und +Fußdampf+,

+kalte Ober-+ und +Untergüsse+, +häufiges Gehen auf nassen Steinen oder

ins Wasser stehen+, drei bis vier Minuten lang. Nach einigen Tagen

folgten +warme Bäder+ im Wechsel mit +kalten Ober-+ und +Untergüssen+.

Am sechsten Tage der Wasserkur zeigte sich ein +bläulicher Ausschlag+

auf dem Rücken. Je mehr dieser heraustrat, um so besser fühlte sich

der Kranke. Als der Krankheitsstoff gänzlich ausgeleitet war, war der

Pfarrer gesund. Das ganze Heilverfahren +dauerte vierzehn Tage+. Mit

neuem Mut kehrte der seeleneifrige Priester heim in seine Gemeinde.

Gelbsucht.

Die Gallenblase liegt an der Leber und ist eine Art Sammelbehälter für

die aus den Lebergängen herausfließende Galle. In den innerhalb der

Leber gelegenen Gängen oder in der Gallenblase können sich Verhärtungen

der Galle bilden, Gallensteine genannt, die entweder in der Leber oder

bei der Weiterwanderung in dem Gallengange die Entleerung der Galle

hindern. Aber auch durch Druck, durch Stoßen und ähnliche Übelstände

können Zuschwellungen des Gallenganges eintreten, und dadurch kann

die Galle ins Blut geraten. Dann entsteht die Gelbsucht. Sie entsteht

auch gerne nach schweren Krankheiten, wie Typhus, starkem Fieber usw.

Es kann aber auch die Leber krank sein und infolgedessen das Blut

krankhaft oder gar nach und nach vergiftet werden. Kommt die Gelbsucht

nur von Störungen her oder auch von anderen Krankheiten, so hat dies

meistens wenig Bedeutung; kommt aber die Gelbsucht von einer Krankheit

der Leber her, so bringt sie gerne den Tod. Die ersten Zeichen der

Gelbsucht erblickt man im Weißen des Auges, dann in der Haut selber,

im Stuhlgang und Urin; der Appetit läßt gewöhnlich nach, und auch

der Geschmack ändert sich meistens. Ist die Leber gut, so hat diese

Krankheit im Heilen keine Schwierigkeit. Nach innen ist besonders zu

empfehlen: täglich drei- bis viermal, jedesmal drei bis vier Löffel

voll, Wermuttee oder dreimal eine Messerspitze voll Wermutpulver in

sechs bis zehn Löffeln voll warmen Wassers einnehmen. Salbei mit

Wermuttee tut treffliche Dienste.

Täglich sechs Pfefferkörner mit der Speise verschluckt ist ebenfalls

ein Mittel zu guter Verdauung. Im Essen und Trinken mäßig sein ist zu

empfehlen. Die Milch als Nahrungsmittel ist vorzüglich.

Die besten Anwendungen mit Wasser sind: In der Woche zwei- bis dreimal

ein kurzer Wickel und eine Waschung zur Nachtzeit vom Bett aus und

gleich wieder ins Bett. Die gelbe Farbe bleibt oft Wochen hindurch,

hat aber durchaus keine Gefahr. Wie man aus einem Stoffe nicht schnell

eine Farbe herausbringt, so geht es auch bei der Gelbsucht. Geht aber

die gelbe Farbe nach und nach über in braune und schwärzliche, nimmt

der Appetit stets ab, ist ein allgemeines Beißen und Brennen in der

Haut und steigert sich die Abmagerung mehr, dann ist aller Grund da,

zu fürchten, die Leber sei unheilbar, und es trete Leberverhärtung,

Leberkrebs oder eine ähnliche Krankheit ein.

Ganz besonders wirkt auf kranke Leber und Gelbsucht, jeden Morgen und

jeden Abend eine Tasse Milch trinken, mit welcher ein Löffel voll

Kohlenstaub mit Zucker vermischt ist.

Gelenkrheumatismus.

Es kommt +ein Herr+. Sein Aussehen ist krankhaft. Verschiedenes

und schweres Unbekannte hat seinen Zügen eine tiefe Wehmut eingedrückt.

Mir stieg beim ersten Anblick unwillkürlich der Gedanke im Kopfe

auf: Der Mann leidet viel oder hat viel gelitten. Die ungesunde

+Gesichtsfarbe+ zeigt ein unheimliches Gelb, +der Kopf+ nur

mehr wenig (kaum den zwanzigsten Teil von früher) Haare. Der Mann

selbst ist noch nicht vierzig Jahre; es ist ein Bild des Ernstes,

großer Ruhe, aber auch, wie gesagt, ein +Leidensbild+. +Sein

eigener Bericht+ lautet also: „Es stellten sich bei mir öfters

Unterleibsleiden mit heftigen Kolikanfällen und Diarrhöen ein. Später

bekam ich eine Nierenkrankheit, wie die Ärzte es nannten. Wenn die

unsäglichen Schmerzen kamen, drehte es mich um wie eine Spindel, wie

einen Kreisel. Nach Jahren verlor ich dieses Übel, dafür aber bekam

ich diesen Gelenkrheumatismus. Mir ist’s, als wenn die Summe alles

früher erlittenen Schmerzes in die Glieder gefahren wäre und jedes

Glied eigens gepeinigt werde. Ich gebrauchte viele ärztliche Mittel.

Das Ende war stets nicht die ersehnte Hilfe, sondern das alte Leiden.

Mit großer Überwindung und großen Opfern konnte ich meinem Berufe bis

zuletzt vorstehen; geklagt habe ich niemandem, es verstand mich ja

weder der Arzt noch sonst jemand. Derjenige, welcher den Leidenden

die Krone versprochen hat, weiß allein, was ich gelitten. Eines noch

wäre vielleicht meinen Worten beizufügen. Ich hatte Fußschweiß; die

angeratenen und angewendeten Mittel vertrieben ihn, aber mir war nicht

gut. Auch Mineralbäder habe ich auf Verlangen des Arztes gebraucht;

doch sie steigerten mein Übel. Peinlicher fast als aller Schmerz quälte

mich im Innersten die Wahrnehmung, daß mancher meinte, die Sache sei

doch nicht so arg; die Empfindsamkeit spiele bei mir eine große Rolle,

man müsse sich überwinden und über derlei Dinge hinwegsetzen. Leiden

tragen ohne Teilnahme heißt doppelt leiden.“

Die Erzählung hat lange gedauert, freundlicher Leser; aber sie war und

ist lehrreich. Daß wir +gegen Kranke doch nie hart und ungerecht+

werden! Ein sonst tüchtiger Mann wird ja nicht plötzlich und ohne Grund

wie eine feige Memme jammern.

Wer mag die +Wurzel all dieser Übel+ uns nennen, das Innere

dieses recht kranken Körpers uns erschließen? Das Geheimnis ist nicht

schwer zu erraten. Die Vordersätze hat uns der Kranke selbst in seinem

Berichte gegeben; wir brauchen nur den Schluß daraus zu ziehen. Die

gelbe Farbe, die häufigen Kolikanfälle, der zurückgedrängte Fußschweiß

lassen auf einen +giftigen Stoff+ schließen, der, wie die Schlange

im Versteck, im Körper lauerte, zuweilen züngelte und zischte, jetzt

aber, bei dem letzten Anfall auf seine Beute schießt, d. i. alle

Glieder erfaßt und sie mit seinem Biß bis hinein in die Gelenke und

in das Knochenmark selbst vergiftet. Auch die +Haare+ fallen von

einem sonst dichten und starken Haarboden nicht ohne Grund aus. Es muß

sie ein innerer Sturm ausschütteln, wie der Herbstwind die fahlen und

dürren Blätter von den Bäumen schüttelt. Oder ein giftiger Wurm, d. i.

ein Giftstoff, muß deren Wurzeln töten.

Eine solide Heilung wird nur möglich sein, wenn dieser Giftstoff,

der alles durchfressen hat, aufgelöst, ausgeleitet und der Körper

dergestalt gekräftigt ist, daß er solche fatale Säfte nicht mehr

aufkommen läßt. Mäuse vertilgt man mit Mausgift. Und das Gegengift für

+unser Gift+, in welcher Materialienhandlung ist es zu kaufen?

Mancher würde es gut bezahlen. Für künstliche Mittel ja, besonders wenn

sie noch neu und unbekannt sind, zahlt man sein teures Geld; für die

natürlichen und besten Mittel aber weiß man dem Geber alles Guten oft

kaum ein kaltes „Deo gratias“, „Gott sei Dank!“

Im klaren Quell, im Bache, im Brunnen fließt das vielvermögende

Heilmittel, das wir meinen. +Es ist das Wasser.+ Wie soll das Wasser

heilen? So höre! Wenn die Hausmutter ihre Leinwand bleichen, d. i.

ihr das blendende Weiße geben will, so taucht sie selbe ins Wasser,

begießt sie öfters und läßt dann die liebe Sonne darauf scheinen. Das

oftmalige Gießen weicht die sogenannten Rohstoffe auf, und die Sonne

zieht sie alle aus. Das Linnen ist gebleicht auf der einen Seite,

dasselbe Verfahren bleicht es auf der anderen. Durch und durch müssen

zu gründlicher Bleiche der Wasser- und der Sonnenstrahl dringen, dann

aber trübt das blendende Weiß, den Stolz der Hausfrau, auch nicht

+ein+ trüber Fleck. Das ist klar. Machen wir die Anwendung! Der Körper

unseres Kranken mit seinem gelben Hautüberzug gleicht wahrlich so

einem ungebleichten Linnenstück. Ein Teil der Wasseranwendung muß die

Feuchtigkeit, welche die Roh- d. i. die Giftstoffe auflöst, nach und

nach bis ins Innerste eindringen machen; der andere Teil muß Wärme

entwickeln, welche der Sonnenwärme gleich das Aufgelöste herauszieht.

Noch eines. +Auch der Lauge+ bedient sich zuweilen die Hausfrau,

welche nachhaltiger und schneller die Dienste des Wassers tut bei

ihrem Linnen. Laugen können als +stärkere Auflösungsmittel+ auch wir

bereiten. Wir kochen im Wasser verschiedene Vegetabilien, Pflanzen, und

die trefflichste Lauge für die Körperbleiche ist fertig.

Doch kehren wir zurück zu unserem Falle! +Der kranke Herr+ mußte

zuerst den +spanischen Mantel+ anlegen. Diesem folgte ein +Kopfdampf+

mit kräftiger Abwaschung, hernach ein +Fußdampf+. Beide Dämpfe

ersetzten die beste Lauge (man kann mir glauben) und durften erst nach

ordentlichen Zwischenräumen einander ablösen. Je schonender nämlich

der Körper behandelt wird, um so leichter kann die Natur es aushalten

und selbst mithelfen, die Krankheitsstoffe auszuleiten. Darauf nahm

der Kranke +einen kurzen Wickel+ und, um die Natur zu stärken, einen

+Ober-+ und +Unterguß+, von +sämtlichen Anwendungen abwechselnd täglich

eine+; dazu +jede Nacht vom Bette aus eine Ganzwaschung+. So wurde drei

Wochen fortgefahren. Die vierte und fünfte Woche erhielt er je +zwei

Halbbäder+, +einen Kopf-+ und +Fußdampf+ und +einen spanischen Mantel+;

die sechste Woche endlich zwei +warme Bäder+ im Wechsel mit kalten, ein

+Halbbad+ und einen +Ober-+ und +Unterguß+. Für die weitere Zukunft

empfahl ich dem Patienten wöchentlich +ein paar Ganzwaschungen+, +einen

Ober-+ und +Unterguß+, monatlich ein warmes Bad ohne Wechsel.

Das Wasser strafte auch in diesem heiklen Falle das Vertrauen nicht

Lügen. Das schwere Leiden, das ohne Zweifel einen frühen Tod gebracht

hätte, verschwand. Das frische Aussehen, die verlorenen Kräfte kehrten

wieder; an Stelle des gebrochenen Mutes trat neue Begeisterung zum

Berufsleben. Die Stimme tönte klangvoll wie früher. Oft wiederholte sie

mir das herzliche „Vergelt’s Gott!“ Demjenigen aber, von dem allein

alles Heil und Gelingen kommt, sang sie ein freudiges und dankbares

~Gloria~: die Ehre sei Gott!

Ein Mann von ungefähr 40 Jahren hatte im rechten Fuß solche

rheumatische Schmerzen, daß er nur mit Hilfe eines Stockes ganz kurze

Strecken gehen konnte. Zeitweilig hatte er auch Schmerzen in den Armen

und Schultern. Angewendet wurde schon verschiedenes, jedoch ohne

Erfolg. Er nahm die Zuflucht zum Wasser, und in sechs Tagen fühlte er

sich so ziemlich befreit, setzte die Anwendungen noch fort und wurde

vollständig geheilt.

Die Anwendungen waren folgende:

1) Sechs Tage hindurch täglich zwei Obergüsse und zwei Schenkelgüsse,

einmal in der Woche ein Wickel unter den Armen. Täglich zweimal im

Wasser gehen bis über die Waden 1-3 Minuten. Jeden Tag ein Rückenguß

und Grasgehen.

2) Nach diesen sechs Tagen Oberguß mit Knieguß im Wechsel mit Halbbad,

letzteres +eine Minute+ lang.

Ein Bursche von 28 Jahren erzählt: „Ich habe bereits zwei Jahre keinen

einzigen Tag, an welchem ich schmerzlos bin; der Anfang war auf dem

Rücken, wo ich ein heftiges Brennen und Stechen empfunden habe, bald

in schrecklicher Weise, dann erträglicher, nach und nach zog sich

der Schmerz mehr in den rechten Schenkel bis hinunter; ich kann oft

ganze Nächte nicht zwei Stunden ordentlich schlafen; bald peinigt

mich die Hitze, bald kommt ein Kältegefühl, daß es mich schüttelt.

Ich gebrauchte anfangs mehrere Ärzte ganz erfolglos; es wurden auch

Einspritzungen vorgenommen, worauf die Schmerzen eine kurze Zeit

gemildert wurden, aber gewöhnlich bald darauf viel ärger auftraten.

Weil mir die Ärzte nicht helfen konnten, habe ich Pfuscher gebraucht;

ich bekam Einreibungen, geistige Einwaschungen; aber alles, was ich

getan, half mir nichts. Jetzt möchte ich den Versuch mit Wasser machen.“

Die Anwendungen waren folgende:

1. jeden Morgen um 8 Uhr ein Oberguß mit 2-4 Gießern voll kaltem

Wasser,

2. um 10 Uhr ein Schenkelguß,

3. nachmittags 2 Uhr ein Schenkelguß und

4. abends im Wasser gehen.

So am ersten Tage. Am zweiten Tage: des Morgens Wassergehen, um 10 Uhr

Schenkelguß, nachmittags 2 Uhr Rückenguß, abends 5 Uhr Sitzbad.

Am 3. Tage: Am Morgen Halbbad, um 10 Uhr Oberguß, nachmittags 2 Uhr

Schenkelguß, um 5 Uhr Wassergehen.

Am 4. Tage: Am Morgen Schenkelguß, um 10 Uhr Halbbad, nachmittags

Rückenguß und abends Wassergehen.

So wurde 12 Tage lang fortgemacht, und der Kranke war gesund. Um aber

den Körper zu stärken, der durch die Schmerzen viel Kraft verloren

hatte, mußte der Geheilte noch längere Zeit in der Woche ein- bis

zweimal ein Halbbad nehmen und ein- bis zweimal im Wasser gehen.

Gelenkrheumatismus, chronischer.

Herr Graf N. leidet seit 35 Jahren an Rheumatismus. Im Jahre 1854

gebrauchte er die Bäder in Aachen, damals mit günstigem Erfolge. Im

Feldzuge 1870/71 bekam er durch das viele Lagern auf freiem Felde

wieder rheumatische Schmerzen am ganzen Körper in hohem Grade; auch

diesmal erwies sich eine Badekur in Aachen recht günstig. Bald jedoch

traten Rückfälle ein. Patient suchte berühmte Ärzte auf, aber ohne

Erfolg; er machte eine Badekur durch in Aibling, später wieder in

Aachen; diesmal wurde er indes durch die dortigen heißen, langdauernden

Bäder außerordentlich geschwächt und ganz elend. -- Zuletzt, nachdem

alles Angewandte fruchtlos gewesen war, entschloß er sich zur Wasserkur.

Am 20. Juni 1887 kam der Kranke nach unmittelbar vorausgegangenem

zweimonatlichen Krankenlager hier an mit Rheumatismus am ganzen Körper,

in den Fuß- und Kniegelenken, Hand- und Schultergelenken. Der rechte

Arm war von den Fingern bis über den Ellenbogen dick aufgeschwollen,

die Gelenke ganz unbeweglich; die Knie, ebenfalls geschwollen, konnten

nicht gebraucht werden. Den kräftig gebauten, stattlichen Herrn hatte

das lange schmerzhafte Leiden ziemlich stark angegriffen.

Die Behandlung bestand in folgendem:

1. Zweimal in der Woche +Wicklung+ von unter den Armen an bis

zu den Füßen ganz hinunter, 1½ Stunden lang, das Tuch in 30°

~R.~ warmes Wasser getaucht, in welchem Haferstroh, Heublumen

und Fichtennadeln gesotten wurden;

2. jeden Morgen und Abend den angeschwollenen Arm in solchem Absud

eine bis zwei Stunden lang einwickeln;

3. in der Woche 2 Kräutervollbäder mit dreimaligem Wechsel;

4. dreimal wöchentlich einen Schal umlegen, eine Stunde lang.

Nach 14 Tagen war bereits wesentliche Besserung bemerklich.

Fernerhin gebrauchte Patient zu Hause:

1. Einwicklung des Armes wie bisher;

2. wöchentlich ein Kräutervollbad mit Wechsel;

3. dreimal in der Woche ein kaltes Halbbad, eine halbe bis eine

Minute lang;

4. drei- bis fünfmal in der Woche ein Sitzbad von zwei Minuten

Dauer.

Durch Gebrauch dieser Anwendungen erfolgte eine gänzliche Abschwellung

des kranken Armes und der Knie und Wiederherstellung der Beweglichkeit.

Zur weiteren Ausheilung wurden im September 1887 angewendet:

1. ein warmes Handbad, Einwicklung der Hand in angeschwellte

Heublumen und gleich darauf kalte Abwaschung der Hand;

2. in der Woche drei- bis viermal ein Halbbad;

3. viermal wöchentlich ein Oberguß.

Der Erfolg dieser Kur gestaltete sich sehr günstig. Die Gelenke

wurden ganz frei von Schwellung und Schmerz und vollkommen beweglich;

das Gesamtbefinden und der Lebensmut des Herrn Grafen waren seitdem

ausgezeichnet. Derselbe befindet sich so wohl, daß er stundenlang ohne

Ermüdung zu marschieren vermag, und nachdem er -- ein passionierter

Weidmann -- Jahre lang krankheitshalber auf die Jagd hatte verzichten

müssen, konnte er im nämlichen Herbst wieder neun Tage lang eine Jagd

mitmachen zum Erstaunen der anderen hohen Herren.

Um gesund zu bleiben, ist täglich eine der Abhärtungsanwendungen

vorzunehmen: ein Halbbad oder Vollbad oder Wassergehen.

Gemütsleiden.

„Seit mehreren Jahren leide ich an Gemütsverstimmungen, Kopfweh,

krampfhaften Gesichtsschmerzen, viel Rheumatismus, viel Schwitzen am

ganzen Körper. Mehrere Ärzte wollten mir Hilfe bringen, aber umsonst.“

In vierzehn Tagen waren diese traurigen Zustände beseitigt; um den

Körper für die Zukunft zu stärken und abzuhärten, genügte in der Woche

ein Halbbad und eine Ganzwaschung. Die Anwendungen der ersten vierzehn

Tage waren: 1) In der Woche zweimal ein Hemd anziehen, in Salzwasser

getaucht, um die krankhaften Stoffe auszuleiten. 2) Zweimal in der

Woche ein Halbbad, um den Unterleib zu stärken. 3) Zweimal wöchentlich

eine Ganzwaschung, um den Körper zur Tätigkeit zu bringen.

„Ich komme, um mich bei Ihnen wegen einer gemütskranken Person zu

befragen. Ein Weib, 38 Jahre alt, mag nichts mehr tun und kann auch

nichts mehr tun. Sie lebt so traurig dahin, bekümmert sich nicht mehr

um ihren Mann und ihr ganzes Hauswesen. Sie flieht, wo möglich, alle

Leute und geht gar nicht mehr aus dem Hause. Sie ist schon ziemlich

abgemagert und was man ihr bisher eingegeben hatte, war ohne Wirkung.“

Anwendungen: 1) Jeden Abend, wenn die Kranke im Bett warm ist, den

ganzen Körper mit Wasser und etwas Essig ganz waschen. 2) Täglich

zweimal ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, vierzehn Minuten lang.

3) Täglich zweimal jedesmal zwanzig Wermuttropfen in Wasser einnehmen.

Nach drei Wochen war der Zustand ziemlich gut. Weitere Anwendungen:

1) In der Woche zwei kurze Wickel. 2) Zweimal wöchentlich eine

Ganzwaschung. Vierzehn Tage später bloß in der Woche einmal ganz

waschen und drei- bis fünfmal wöchentlich im Wasser gehen.

Geschwüre.[37]

Wie Entzündungen im Innern des Körpers entstehen können, so auch

außerhalb am Körper. Sie sind insbesondere die fast unzertrennlichen

Begleiter der verschiedenen Geschwüre. Wenn’s brennt, laufen die

Nachbarn zusammen. Wenn ein Fleck oder auch nur ein Fleckchen am

Körper brennt, so bleiben die benachbarten Stellen nicht gleichgültig.

Rasch meldet es ein Blutkügelchen dem andern, und die vorwitzigen,

die kommen, verbrennen sich dabei selbst die Finger und noch mehr.

Entzündet sich an einem Gliedchen, z. B. an der Zehe, ein Geschwürlein,

auch nur so groß wie ein Linsenkorn, so tut nicht bloß die ganze Zehe

weh, sondern oft schon ein Teil des Fußes; manchmal sticht der Schmerz

bis hinein in den Leib. Es kommt mir vor, wie wenn einer nachts nur ein

Zündhölzchen anzündet. So ein kleines Ding wirft seinen Lichtschein

weit hinaus in den Hof.

+Anna+ hat schreckliches Weh am +Daumen+. Man sieht nicht

viel. Der Finger ist nur ein klein wenig angelaufen und etwas roter als

die anderen Mitgenossen. Nicht allein am Daumen, auch unter der Achsel

schmerzt es heftig. Gib acht, in kurzer Zeit wird dein ganzer Körper

nicht mehr wohl sein! „Da muß etwas dahinter stecken,“ meint der Vater.

Ja freilich muß etwas dahinter und drinnen stecken. Das Mädchen bindet

natürlich seinen Finger gut[38] ein und wartet drei bis sechs Tage zu,

was das wohl abgeben möge. Der Finger wird dick, auch die Hand schwillt

an. Es entsteht ein großes Geschwür; im Finger, im Arm und im Leib

zuckt’s. Und es geht recht lange, bis aller Eiter heraus und der Finger

an der kranken Hand geheilt ist.

+Wie+ hätte das Mädchen den Finger +in die Kur nehmen+

sollen? Sobald es merkt, daß der Finger, ohne irgend verletzt worden zu

sein, schmerzt, so soll es +tun+, wie die Mutter tut, wenn sie auf

dem Herde ein kleines Feuerchen nicht groß haben will, es ausblasend

oder mit +etwas Wasserspritzen auslöschend+. Vielleicht mag’s so

gut werden.

Wenn nicht allein der Finger, sondern auch schon die +Hand+ wehe

tut, so ist das Feuer größer, es hat mit dem Finger die +Hand+

ergriffen. Darf nun das Mädchen die Hand unter das Brunnenrohr halten,

um den Brand zu kühlen und zu löschen? Durchaus nicht! Das Übel besteht

nicht allein im Brande, in der Hitze, die zu entfernen ist, sondern

vielmehr in giftigen Säften, die aufzulösen und auszuleiten sind.

Dem Mädchen werden in einem +kalten Armwickel+ Finger und Hand

umwunden, und dieser Wickel werde +so oft erneuert+, d. h. neu

eingetaucht, als er heiß zu werden beginnt. Der Finger muß zwar nach

dem Volksmunde „ein böser Finger“ werden, d. h. er muß und wird

aufbrechen; aber alles, was der Wickel auszieht, braucht nicht zu

vereitern, und es ist doch ein großer Unterschied, ob das Geschwür die

Größe einer Haselnuß oder einer Wallnuß oder noch größere Ausdehnung

erreicht.

Sollte das Gefühl der Unbehaglichkeit, des Unwohlseins sich +auf den

ganzen Körper ausdehnen+, so verordnen wir diesem eine Zeitlang

täglich +den spanischen Mantel+. Das Allgemeinbefinden wird in

Bälde wieder ein gutes sein.

Eine Art von Geschwür kennen die Landleute insbesondere unter dem

Namen „+Wurm am Finger+“. Die Behandlung vielmehr Mißhandlung

eines derart kranken Fingers gibt uns neue Beweise, wie verblendet und

töricht die Menschen sind. Es ist, als ob sie für Zeiten der Verstand

verlassen hätte, so gedankenlos benehmen sie sich. Mit so einem Wurm am

oder im Finger (es wäre interessant, zu wissen, wie sich manche diesen

Wurm vorstellen) wird aller mögliche Unsinn getrieben. Jedes Weib weiß

eine neue Salbe, und wenn das Salben ausgeht, dann geht die Sympathie,

wie sie’s nennen, an. Vorher noch suchen recht abergläubische Menschen

einen lebendigen Maulwurf zu bekommen. Denn wenn sie diesen lebendig in

der Hand oder nur zwischen dem Daumen und den anderen Fingern absterben

lassen, dann ist’s mit dem Wurm aus! Und wenn dann genug gesalbt und

geschmiert, geschwätzt und gelogen und sympathisiert und der Finger

nach mehreren Wochen, nach unsäglichen Schmerzen reif geworden ist

und aufbricht und der Eiter dicht und fest herausdringt, dann heißt’s:

„Seht, der Wurm ist getötet, der Wurm geht ab.“ Weiter kann man es in

der Torheit und Selbstverblendung nicht treiben.

Was ist denn so ein +Wurm am Finger+? Nichts anderes als ein größeres

Geschwür, das nach obiger Methode zu behandeln ist. Meistens bekommen

solche Leute diesen Wurm, die recht viele ungesunde Stoffe im Körper

haben. Deshalb muß, wie +auf Finger und Haut, so auch auf den ganzen

Körper eingewirkt werden+. Auf erstere geschieht die Einwirkung durch

die +Hand-+ und +Armwickel+. Den Finger umwinde man zwei- bis drei- bis

vierfach am besten mit Absud von Zinnkraut, um das Angefressenwerden

des Beinchens zu verhindern, Hand und Arme zweifach (statt einfachen

Wassers ist gut Absud von Heublumen oder Kraut), und man erneuere

das Eintauchen des Wickels, sobald die Hitze oder die Schmerzen sich

mehren. +Auf den ganzen Körper+ wirke man durch +ein bis zwei kurze

Wickel+ oder den +spanischen Mantel+, täglich je einen von einer

Stunde Dauer. Nach der ersten Woche geschehen die Wickelungen nur

jeden zweiten oder dritten Tag. Mit +Ober-+ und +Untergüssen+ sei +man

vorsichtig+ und wende sie erst später, wenn genügend aufgelöst und

abgeleitet ist, zur Kräftigung an. Sobald der Finger „reif“ ist, d. i.

sich bläulich färbt, und an einer Seite weich wird, dann soll man mit

dem Öffnen und Ausdrücken nicht zögern und sich nicht fürchten, wenn

mit dem Eiter Blut kommt. Dieses Blut müßte ja doch noch vereitern,

und so ist’s gut, wenn ihm dieser Prozeß erspart und dem Finger die

Sache erleichtert wird. Das +Bangen vor dem zu frühen Öffnen eines

Geschwüres+ ist bei Wasseranwendungen +ziemlich überflüssig+ (große

Reinlichkeit), bei Salbereien wohl begründet.

Meine Wasser-Kur Durch mehr als 40 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit · 第 22 / 36 段