Wurde insbesondere die Frage nach dem Wahrnehmen der Vorzeichen

verneint (Zeichen der geschwundenen Geisteskräfte), war das Übel

alt und mehr oder weniger schon Blödsinn eingetreten, so hatten die

bemitleidenswerten Kranken, die zum Glück ihr Unglück nie tief fühlen,

von mir nie etwas zu erwarten.

+Nach diesen Grundsätzen+ richtete ich jederzeit die +Behandlungsweise+

ein, die stets auf Verbesserung des Blutes und Regelung des

Blutumlaufes abzielte. Ich suchte die Kranken vor +allem zur Abhärtung+

anzuleiten, besonders zu recht fleißigem +Barfußgehen+. Zur Sommerszeit

ließ ich dieselben zuweilen ein +kaltes Bad+ nehmen, nie länger als

eine Minute; zur Winterszeit wurde dieses Bad (ein bis zwei Minuten

dauernd) etwas erwärmt. Dazu kam in der Woche zweimal ein +nasses

Hemd+, in +Salzwasser+ getaucht.

Die durch letztere Anwendung oft zutage geförderten +Ausschläge+ werden

behandelt nach den an eigener Stelle (siehe Ausschläge) angegebenen

Regeln. Junge Leute ermahne ich jedesmal, sich doch an einfache,

vernünftige, nicht verweichlichende +Kleidung+ zu gewöhnen, die

Mädchen insbesondere, das verwerfliche, unnatürliche, krankhafte und

krankmachende Einschnüren aufzugeben. Das tägliche Brot, das Essen sei

einfach. Alle geistigen Getränke, wie Wein, Bier, Kaffee usw. müssen

sorgfältigst gemieden werden. Die Arbeiten seien nie Kunststücke oder

Kraftleistungen, sondern stets so, daß sie dem Vermögen und der Kraft

angepaßt sind.

Fieber.

Anton kommt ins Zimmer und erzählt: „Ich bin nur mit Mühe noch über

diese Stiege heraufgekommen. Meine Kraft ist ganz gebrochen; ich bin

schon zweimal umgefallen. Auch habe ich schreckliches Kopfweh und bin

bald wie eiskalt, dann folgt eine arge Hitze. Bisweilen fühlte ich ein

Stechen, das wie der Blitz im Körper herumfährt. Ich merkte es schon

einige Zeit; aber seit fünf bis sechs Tagen steigert es sich so, daß

ich nichts mehr tun kann.“

Anwendung: Gehen Sie, Anton, nach Hause; legen Sie sich sogleich ins

Bett, und wenn Sie ganz warm sind, waschen Sie sich mit kaltem Wasser

den ganzen Körper, und ohne abzutrocknen legen Sie sich wieder ins

Bett! So waschen Sie sich alle zwei Stunden, und wenn Sie stark in

Schweiß kommen und der Schweiß eine halbe Stunde gedauert hat, waschen

Sie sich wieder!

Anton kommt am dritten Tage und berichtet: „Mir ist’s schon ziemlich

leicht; ich habe einigemal recht stark geschwitzt. Kälte und Hitze

sind geschwunden; das Kopfweh hat aufgehört. Der Appetit will sich

wieder einstellen. Ich fühle mich wohl, aber müde.“ Anton hat fernerhin

ungefähr zehnmal innerhalb vierzehn Tagen sich gewaschen und erfreute

sich dann voller Gesundheit. Er ist zirka 40 Jahre alt.

Flechten.

Viele Tausende von Menschen werden von Flechten gequält, ob sie es

eingestehen oder nicht. Diese überaus lästigen Schmarotzer und Vampire

verkriechen sich +sehr gerne unter die Haare+, auf den Rücken, die

Brust usw. Sie scheuen aber auch das Tageslicht nicht und hängen sich

wie Blutegel an die Arme, die Füße, und besonders gern zwischen die

Finger fest. Diese Ausschläge können ein +Erbteil+ sein, aber auch die

+Folgen schlechter Kost+ und +schlechter Getränke+, welche die Säfte

ruinieren, nicht weniger die +Folgen ungeordneter Lebensweise+.

Sehr +bedenklich+ und +gefährlich ist’s+, diesen unsauberen Gast

mit +scharfen Mitteln+, seien dieselben zum Waschen oder Einreiben

(grüne Seife usw.) oder zum Einnehmen (Quecksilber, Arsenik u. a.),

anzugreifen. Gar leicht können die Flechten verdrängt werden; aber bei

zurückgedrängten Flechten sind die letzten Dinge viel ärger als die

ersten, ganz abgesehen von Zerstörungen, welche scharfe, ätzende Mittel

an und in der Haut anrichten.

Als +Regeln für die Heilung+ stelle ich folgende auf:

+Äußerlich+ darf +gar nichts+ angewendet werden als +lauwarmes Wasser+,

um den Schmutz wegzuwaschen. Alles übrige ist vom und zum Übel.

+Speise+ und +Trank+ für solche Kranke seien leicht verdaulich,

einfach, nicht wählerisch, aber so, daß sie gute Säfte abgeben

und die vorhandenen verbessern. Alles Saure, scharf Gesalzene und

Gewürzte, alle geistigen Getränke werden soviel wie möglich vermieden.

Es sind wahrlich der Schärfen genug im Blute. Die +eigentliche

Wasserbehandlung+ sei folgende: Man lasse den Kranken am ersten Tage

einen +Kopfdampf+ nehmen und den +spanischen Mantel+ anziehen, am

zweiten Tage den +Fußdampf+ und einen +Unterwickel+, am dritten Tage

früh neuerdings den +spanischen Mantel+, nachmittags den +kurzen

Wickel+. Am vierten Tag sei Ruhetag! Den fünften Tag hüte er das

Bett und +wasche nach je zwei Stunden den ganzen Körper schnell kalt

ab+! Im Verhinderungsfalle soll er außer Bett die Waschung morgens,

mittags und abends vornehmen und sich darauf Bewegung machen oder an

eine Handarbeit schreiten. +Die Anwendungen lassen in dem Grade und

in der Zahl nach+, als die Flechtenbildung d. i. das Ausschwitzen und

Ausströmen der unreinen Säfte von innen nach außen aufhört und die

Neubildung der Haut fortschreitet.

+Noch eine Bemerkung+ finde hier ihre Stelle:

Die Unterscheidung der +Flechten+ in +nasse+ und +trockene+ hat

auf deren Behandlung, beziehungsweise auf das Heilverfahren keinen

Einfluß. Ich denke mir: beide Bezeichnungen werden ein und dasselbe

Ding ausdrücken. Die trockenen Flechten sind jene, die weniger stark

fließen, so daß die Flüssigkeit auf der Oberfläche der Haut sofort

als Kruste vertrocknet. Die nassen Flechten sind die stark fließenden;

deshalb lästiger, gefährlicher und schwerer zu heilen.

+Die Folgen von zurückgedrängten Flechten+ (überhaupt kranker, giftiger

Säfte) sind +unberechenbar+. Schwere Krankheiten, die nächsten Folgen,

bereiten ein langsames Siechtum vor, das den Tod bringt oder, was noch

schlimmer ist, sehr oft, wie die Erfahrung zeigt, zum Wahnsinn führt.

Ein +Theologe+ hatte eine wie mit dem Zirkel gezogene +runde Platte+ an

der linken Wange. Die Platte bestand aus einer Kruste, welche gleich

dem Deckel das rohe Fleisch zudeckte und sich öfters in einer Stunde

öffnete, nur um zwei bis drei Tropfen Eiter ausfließen zu lassen. Das

Gesicht des Herrn war voll; am Kopfe konnte man mehrere kleine Pusteln

wahrnehmen. Der Patient hatte mehrere Ärzte befragt und verschiedenes

angewendet, aber ohne Erfolg.

Meine Frage, ob er sich vielleicht verwundet habe, verneinte er; +die

Sache sei von selbst gekommen+. Jetzt schien alles klar zu sein. Die

blasse, kranke Gesichtsfarbe, noch mehr der Massenausfluß von Unrat

benahmen den letzten Zweifel. Der +Giftstoff kam aus dem Körper+.

Noch vor 20-25 Jahren machten sich viele Menschen künstlich sogenannte

Fontanellen, d. h. sie gruben sich an einem Arme oder an einem Fuße

eine Quelle, richtiger Kloake (einen wunden Fleck, den sie nie zuheilen

ließen), in welchen der Körper allen Abschaum, alle schlechten Säfte

abführte, weshalb die Stelle auch immer eiterte. In unserem Falle hat

die kräftige Natur sich selbst eine solche Öffnung gebohrt und mit dem

passenden Deckel versehen.

+Vierzehn Tage+ hindurch mußte der Kranke +jeden zweiten Tag+ einen

+Kopfdampf+ nehmen, ebenso oft einen +Fußdampf+. Sodann kamen der

+kurze Wickel+ und der +spanische Mantel+ zur Anwendung, so daß auf

jeden Tag zwei, oft drei Anwendungen fielen. +Tee von Salbei+, +Wermut+

und +Minzen+ halfen innerlich zu raschem Erfolge mit. Unter der Kruste

bildete sich schon bald ein zartes Häutchen, das sicherste Zeichen der

vollendeten Auflösung und Ausleitung, d. i. der Heilung. Nach drei

Wochen konnte man kaum mehr unterscheiden, auf welcher Wange die Kruste

gesessen hatte.

Ein Mädchen, 25 Jahre alt, erzählt: „Ich habe am ganzen Kopfe einen

starken Ausschlag, viele kleine Geschwüre unter den Haaren; meine Ohren

sind voll großer Schuppen, und wenn sie von Zeit zu Zeit wegfallen,

dann hat das Ohr keine Haut mehr. Kopfweh habe ich von Zeit zu Zeit

stark, manchmal gar nicht. Die Augen brennen wie Feuer, und meistens

läuft schmieriges Wasser heraus. Durch die Nase kann ich schon längere

Zeit gar nicht mehr atmen. An meinem ganzen Körper habe ich ein so

heftiges Beißen und Brennen, daß es mich im Schlafe oft aufweckt.“

+Anwendung+: 1) In der Woche zwei warme Bäder von gesottenem

Haberstroh, 30 Grad, mit zweimaligem Wechsel; zuerst fünfzehn Minuten

ins warme Bad, dann eine Minute ins kalte oder doch ganz mit kaltem

Wasser waschen. 2) In der Woche zwei Kopfdämpfe, 20 bis 25 Minuten.

3) Zweimal in der Woche ganz waschen. 4) Täglich zweimal jedesmal 25

Wermuttropfen in acht bis zehn Löffel voll Wasser einnehmen.

In vier Wochen waren die Flechten und die ungesunden Stoffe im ganzen

Körper so ziemlich beseitigt, und zur weiteren Ausscheidung und

Kräftigung reichte aus, noch vierzehn Tage lang dieselben Anwendungen

halb so oft vorzunehmen. (Siehe Kopfflechten.)

Ein ziemlich gut beleibter Gewerbsmann, zirka 40 Jahre alt, erzählt:

„Ich habe an den Vorderarmen und Händen, die Finger ausgenommen, seit

zwei Jahren starke Flechten, auch an den Schenkeln, sowie Flecken auf

Rücken und Brust und kann deshalb oft Nächte hindurch höchstens ein bis

zwei Stunden schlafen. Sonst habe ich guten Appetit und Kraft.“

Die Anwendungen sind folgende: 1) In jeder Nacht ganz waschen. 2) In

der Woche zwei warme Bäder von Haberstrohabsud, eine halbe Stunde lang,

28° ~R.~, nach je vierzehn Minuten ganz waschen und auch am Schluß des

Bades. 3) Jeden Tag ein Oberguß und unmittelbar darauf ein Knieguß;

dazu täglich zwei Messerspitzen voll weißes Pulver.

Nach vier Wochen kam der Mann vollkommen gesund zurück; um aber

vorzubeugen, daß das Übel nicht mit der Zeit wiederkehren würde,

mußte derselbe in jeder Woche sich zweimal in der Nacht ganz waschen

und in jedem Monate ein oben genanntes Bad nehmen. Dazu erklärte er:

„Wenn diese Anwendungen auch nicht notwendig sind, so werde ich sie

doch vornehmen, um bei meiner dadurch gewonnenen Kraft und Frische zu

bleiben.“

Fußgeschwüre.

Ein armer Taglöhner hatte viele Monate hindurch einen offenen Fuß,

an welchem eine Öffnung war, so lang wie ein Finger und drei Finger

breit. Dieser Mann, noch in den schönsten Jahren, hatte fast immer

große Schmerzen und konnte nur selten einige Stunden schlafen. Sein

Aussehen war recht krank und aller Mut verschwunden. Dem Patienten

gab ich den Rat, er solle auf die wunden Stellen gekochtes ~Foenum

graecum~, auf Flecken aufgestrichen, wie ein Pflaster auflegen,

darüberher den ganzen Fuß von ober dem Knöchel bis über die Waden

mit frischen Huflattichblättern umlegen und darüber die Strümpfe

anziehen. Jeden Morgen und jeden Abend mußte er Pflaster und Blätter

frisch umwinden und vom ~Foenum graecum~, zu Tee gesotten, nach

je zwei Stunden zwei Löffel voll einnehmen. Dabei konnte er seinen

Geschäften ohne Unterbrechung nachgehen. In vierzehn Tagen nach diesen

Anwendungen waren zwei Dritteile dieser Wunde schon geheilt. Der Mann

sah ganz gesund und frisch aus, hatte keine Schmerzen mehr und konnte

gut schlafen. Drei Wochen später war der Fuß vollkommen geheilt. Zum

Einnehmen des ~Foenum graecum~ wird ein kleiner Löffel voll

in ungefähr einem Schoppen Wasser eine Minute lang gesotten, dann

abgegossen und so löffelweise, wie bemerkt, eingenommen. Es nimmt die

innere Hitze und wirkt heilend von innen heraus.

Fußleiden.

Ein +Beamter+ klagt über einen lange schon +offenen Fuß+, der ihm im

Berufe recht hinderlich sei. „Die Wunde unten an der Wade,“ so erzählt

er, „ist bedeutend, und es fließt täglich viel Unrat aus derselben;

schrecklicher noch als die Wunde und Entzündung kommt mir vor die

Farbe des Fußes. Derselbe ist um und um schwarzblau. Ärzte befragte

ich mehrere. Neben anderem ließen sie mich viel Mineralwasser trinken.

Alles vergebens!“

Der Mann, gegen 45 Jahre zählend, zeigt kräftigen Körperbau, etwas

Anlage zur Korpulenz. Das Aussehen ist ziemlich gerötet; ich erkannte

sofort den Bierfreund. Die Augenwinkel waren trüb, die Augen selbst

etwas gelb, die Ohren hochrot. Auf die Frage, ob er sich sonst gesund

fühle, entgegnete er: „Mir fehlt gar nichts, ich habe den besten

Appetit, ein Trinker bin ich nicht; es schmecken mir täglich meine zwei

bis drei Glas Bier recht gut. Mein Leiden ist ein rein lokales, eines

der so häufigen Fußleiden.“

+Alle derartigen Kranken+ -- eine Ausnahme ist so selten wie ein

weißer Rabe -- +klagen stets nur über die wehtuende oder fließende

Stelle+ und +halten dafür, diese müsse zuheilen+ und so gesunden. Das

+umgekehrte Verfahren+ indessen +ist das richtige+. Erst muß man den

Körper heilen, erst alle unreinen Säfte aus ihm entfernen, und die

Mündung der Kloake, die Fußwunde heilt dann von selbst zu. In der Tat

existiert nach meinem Dafürhalten keine verderblichere Blindheit und

keine schädlichere Torheit, als einen Fleck, eine Öffnung heilen, eine

Pforte verschließen zu wollen, durch welche der kranke Körper sich oft

allein noch retten kann. In den Bergen sammeln sich die Wasser; sie

brechen durch, und es fließt ein kristallheller Quell. Ähnlich geht es

in manchem Körper zu; es strömen die ungesunden Säfte nach einer Stelle

hin und drängen und treiben, bis ein Durchbruch geschehen ist.

Die Natur selbst zeigt an, wie sie sich helfen kann und will. Wir

binden ihr sozusagen Hände und Füße, verstopfen und versalben ihr die

Rettungswege. Wenn da das Ende Untergang und Verderben der Natur, des

Körpers ist, wer will sich wundern?

Dem Beamten riet ich, er solle +vierzehn Tage lang täglich+ einen

+Unterwickel+ nehmen, je 1½ Stunden lang, und zweimal im +Tage den

Oberkörper kräftig waschen+; dazu +wöchentlich einen Kopfdampf+ von

20 Minuten. Diese Anwendungen sollten den Körper reinigen, zugleich

zur Ausscheidung der kranken Säfte kräftigen. Nach vierzehn Tagen kam

der Kranke wieder; seine ersten Worte waren: „Ich habe das letztemal

gesagt, ich sei nicht krank; jetzt aber weiß ich, daß ich recht krank

war. Ich konnte nurmehr mit Mühe die Treppen steigen, so hart ging der

Atem. Stets war ich ungewöhnlich aufgetrieben. Als ich dieses voll

Angst dem Arzte sagte, meinte er, ich möge doch nur bedenken, daß ich

allmählich älter werde. Jetzt aber,“ fuhr der Mann fort, „fühle ich

mich ganz anders, wie neugeboren. Das Atmen geht leicht, und mir ist

so wohl. Die Launenhaftigkeit hat mich früher fast zugrunde gerichtet;

jetzt aber habe ich den heitersten Humor, und Essen und Trinken

schmeckt mir wie nie zuvor. Daß man mir aber dieses früher nie gesagt

hat! In diesen vierzehn Tagen,“ so schloß der Patient, „ging ungemein

viel Urin ab; im Körper, besonders im Unterleib fühle ich mich viel

leichter; schon lassen auch die Schmerzen im Fuße etwas nach, und der

Schaden scheint gleichfalls zu heilen. Was muß ich weiter tun, damit

der Fuß vollends heil werde wie der Körper?“

Der Beamte nahm +wöchentlich noch zwei Unterwickel+ auf je eine halbe

Stunde und +täglich+ einen kräftigen +Oberguß+. +Auf den Fuß+ legte

er täglich ein drei- bis viermal in lauem Wasser neu angefeuchtetes

leinenes Läppchen. Sonst durfte am Fuße absolut nichts geschehen. Wenn

die Quelle nicht mehr gespeist wird, hört das Fließen von selbst

auf, und sie versiegt. Nach weiteren 14 Tagen kam der erfreute Beamte

wieder; am gesunden Körper hatte er auch wieder einen gesunden Fuß.

Seitdem hat er nie aufgehört, die Heilkraft des Wassers zu loben. +Ein

so Geheilter soll+ (und dieses ist sehr wichtig), um die Ansammlung

neuer Krankheitsstoffe zu verhüten, +die eine oder andere+ der

erprobten +Anwendungen+ noch +längere Zeit+ hindurch +vornehmen+. Er

wähle unter den Übungen jene, deren Wirkung er als die wohltätigste

verspürte.

+Agatha+ litt seit Jahren an einem kranken Fuße, der von Zeit zu

Zeit aufbrach, dann wieder von Zeit zu Zeit zuheilte. Über die

unvermeidlichen Salbereien verliere ich kein Wort mehr, es würde mich

nur aufregen. Der Arzt versprach der Kranken Heilung, wenn sie längere

Zeit hindurch getreulich tun wolle, was er bestimme. Der Fuß wurde

in ziemlich hohe Lage gebracht, so daß er im Bette etwas höher zu

liegen kam als der Unterleib. Fast augenblicklich ließen die Schmerzen

nach. Man brachte an die Wunde eine Kleinigkeit, ich weiß nicht was,

und band sie gut ein. Der Kranken ging es vortrefflich; sie war ohne

alle Schmerzen in dem kranken Gliede, und die Heilung machte große

Fortschritte. Die Fußwunde war geschlossen. Plötzlich fühlte Agatha

einen schweren Kopf und etwas Schwindel; doch sie machte sich nicht

viel daraus. Nachts indessen überfiel sie eine solche Schwäche und

Ohnmacht, daß der herbeigerufene Arzt erklärte, es trete schneller

Marasmus ein, mit Agatha nehme es ein baldiges Ende. Nachts 12 Uhr noch

mußte die Kranke versehen werden; fünf Tage lang lag sie regungslos da.

Sie atmete mühsam und war geistesabwesend, wie betäubt. Am sechsten

Tage kehrte die Besinnung wieder, mühsam brachte sie auch einige Worte

zusammen. +Ohne Geheiß+ legte sie selbst +nasse Wickel um den Leib und

den kranken Fuß+. Den zweiten Tag schwoll der Fuß bedeutend an und

begann heftiger zu schmerzen. Der Kopf aber und die Besinnung wurden

besser. Agatha wickelte den Unterleib und den Fuß mutig weiter ein. Der

halbe Fuß entzündete sich heftig, und nach fünf Tagen brach er auf.

Die Heilung, wie oben angegeben, war ein leichtes. Agatha erhielt ihre

frühere Gesundheit wieder.

+Was aber hatte wohl der Anfall zu bedeuten?+ Am allerwenigsten einen

Marasmus. Dem Knaben, der sich auf den Kopf stellt, muß das Blut zum

Kopf strömen. Die vom Fuße gewaltsam (durch die erhöhte Lage) zurück

und nach oben getriebenen Säfte stiegen der Brust und dem Kopfe zu und

bewirkten die fatalen Erscheinungen. Die Wickel leiteten sie wieder

nach unten, das Wasser öffnete die Wunde, und die kranken Stoffe, die

ihre früheren Wege und Ausgänge offen fanden, ließen die Brust frei

atmen und den Kopf frisch und leicht denken.

Daß jeder dieses recht beherzigte, der mit solchen „Bresten“ behaftet

ist! Ich weiß gut: viele Ärzte der neuen Schule denken da ganz anders.

Bei vielen Ärzten indessen, auch bei mir bleibt in dieser Beziehung

alles beim alten. Ich halte und nenne +jede offene Stelle+, welche die

Natur selbst sich gräbt, um das Ungesunde auszuwerfen, solange dieselbe

fließt, eine +Gesundheits-+ und +Lebensversicherung+. +Wer kennt nicht

Fälle genug+, daß Leute nach zugeheilten Füßen schnell gestorben

sind? Und wer weiß nicht, daß, wenn solche offene Füße im Alter sich

schließen, der Sensemann kein ferner Gast mehr ist?

+In einem mir vorliegenden Briefe+ steht wörtlich: „Mein Fußleiden ist

wieder im Beginne. Das rheumatische Kopf- und Zahnleiden, an welchem

ich vor vierzehn Tagen zum Rasendwerden litt, hat mich, seitdem ich am

Fuße leide, gänzlich verlassen. Der eine oder andere Teil an meinem

Körper ist immer leidend. Es herrscht bei mir ein +doppeltes Leiden+;

entweder habe ich heftige Schmerzen im Körper, besonders in den Zähnen,

oder wenn mich diese verlassen, arge Fußschmerzen, so daß ich nicht

sagen kann, welches Übel ärger ist. Und ist eines von diesen zwei

Leiden nicht in besonderer Stärke und Größe da, so bin ich am +ganzen+

Leibe nicht gesund.“ Soweit der Bericht.

Wie das Quecksilber im Barometer steigt und fällt, so gibt es Leiden,

die von einer Stelle im Körper zur andern eilen. Die Gicht, der

wandelnde Rotlauf sind solche fahrende Schüler. Als Dritter im Bunde

gesellt sich ihnen unser Übel bei mit dem Unterschiede, daß es nicht

wie Gicht und Rotlauf sich äußerlich verrät, sondern seine Kreuz- und

Querzüge stets auf verborgenen Wegen, im Innern, antritt.

+Dreigeteilt+ muß stets der Angreifer gegen diese Wandergesellen

vorrücken.

In unserem Falle greift +der kurze Wickel+ die Plänkler an, d. h. er

räumt mit all den Stoffen auf, die noch auf der Wanderung vom Kopf zu

den Füßen oder von den Füßen zum Kopf begriffen sind. Öfter angewandt

verleidet er ihnen durch Ausleitung alle Wanderlust. Sekundär wirkt er

schon auf die leidende Stelle ein, indem Stoffe, die von ihr Reißaus

genommen, unterwegs aufgefangen und so an der Rückkehr verhindert

werden. Der +Fußdampf+ mit dem abschließenden Unterguß richtet sich

gegen den einen Flügel, die leidende Fußstelle. Er löst die kranken

Stoffe auf und leitet sie aus.

+Die kalten Waschungen+, statt deren auch der +spanische Mantel+,

rücken gegen das Zentrum, gegen den ganzen Körper vor, freilich zu

freundschaftlichen Diensten. Sie kräftigen und stärken den Körper, daß

er zu schneller Ausheilung mithelfe.

Sämtliche Angriffe wären somit der Reihe nach zu machen: der kurze

Wickel, zwei Ganzwaschungen in einer Nacht, nochmals der kurze Wickel,

der Fußdampf und zuletzt der spanische Mantel.

Als Hilfstruppen von innen könnte entgegenkommen +Tee+ von

+Tausendguldenkraut+, +Salbei+ und +Minze+. Die ersten zwei wirken

reinigend, die Minze mit ihrem Bitterstoff unterstützt die Magensäfte.

Noch +zwei Arten von Heilung offener Füße+ will ich hier angeben;

die erste kann manchem Bauern und einfachem Manne vielleicht Dienste

leisten, der die Vorrichtung zum Baden nicht so leicht hat; die andere

dürfte selbst Herrenleuten nicht übel anstehen.

Ein ziemlich wohlgenährtes Bäuerlein blinzelte, ob ernst, ob spöttelnd,

ich weiß es nicht, gar klug mit seinen Augen und sagte: „Hochwürden,

ich hab’ so einen offenen Fuß. Haben Sie nicht auch ein Wässerlein für

mich?“ „O ja, guter Freund!“ sagte ich. „Jetzt machen Sie ’s so, Bauer:

Sie gehen heim und breiten auf Ihrer Liegerstatt, auf dem Bett, einen

wollenen Teppich oder ein recht grobes Tuch aus! Dann suchen Sie sich

unter ihren Säcken einen recht alten, abgenutzten und deshalb nicht

steifen aus! Den tauchen Sie herzhaft in kaltes Wasser, winden ihn

etwas aus und schlüpfen dann in Adams Kostüm hinein! Oder wenn Ihnen

das besser gefällt, können Sie den Sack wie elegante Hosen anziehen;

darauf schnell einen Satz ins Bett und ein warmes Zudecken mit der

Woll- oder rauhen Decke und dem gansfedrigen Oberbett.“ Die früher

blinzelnden Augen wurden wie Pflugrädchen so groß und vor Wasserangst

jetzt schon naß; dem Bauer kam’s schaurig vor. „Und dieses,“ so lautete

der gestrenge Spruch weiter, „zum ersten Versuch täglich einmal, eine

Woche lang; jeder Sackschlupf soll dauern zwei Stunden lang.“ Der Bauer

schwitzte bereits beim Weggehen; dennoch tat er, wie ihm geheißen.

+Innerhalb fünfzig Tagen hat er fünfundzwanzigmal dies eigentümliche

Sackschlupfen und Sackjucken probiert+, und der Fuß war geheilt. Vor

Freude hüpfte er auf, mehr noch als über den Fuß darüber, daß er in

dem Sacke auch einen so trefflichen Humor bekommen. Ich riet ihm, die

Übung noch zuweilen einmal vorzunehmen. Ich brauchte dieses nicht

zweimal zu sagen. „Zum Dank und aus Freude,“ rief er mir zu, „will

ich die Sackgeschichte ein ganzes Jahr lang treiben.“ Und er hat Wort

gehalten.

So schauerlich diese Kur in manchem Ohre geklungen haben mag (in der

Tat ist sie es nicht), +so kurz und vornehm lautet die andere+:

Man nehme: ~a~) +in der Woche zweimal ein warmes Bad mit dreimaligem

Wechsel+, am besten ein Haberstrohbad; desgleichen ~b~) +zweimal

wöchentlich einen Unterwickel+ von 1½ Stunden +oder+ statt dessen den

+spanischen Mantel+ in derselben Dauer.

+Zur Warnung+ führe ich folgenden Fall an.

Meine Wasser-Kur Durch mehr als 40 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit · 第 20 / 36 段