+Ein Vater+ kommt und erzählt: „Mein Kind, 11 Jahre alt, kann gar

nicht mehr schlucken und schon volle drei Tage kaum mehr atmen. Es

ist voll Hitze und phantasiert. Wohl habe ich der Schwerleidenden ein

nasses Tuch um den Hals gebunden, aber es geht noch nicht besser.

Was soll ich tun, damit das Kind mir nicht ersticke?“ Der Jammer des

bekümmerten Vaters, noch mehr die mißglückte Anwendung bewog mich, ihn

zum Krankenlager zu begleiten. Da lag das Kind, ein Jammerbild, allem

Anscheine nach verloren. Denn schon waren Zeichen da, die kaum mehr

auf Rettung schließen ließen. Wagen wir es dennoch in Gottes Namen!

+Jede halbe Stunde+ wurde während eines Tages +Rücken+, +Brust+ und

+Unterleib+ mit +kaltem Wasser+ gut gewaschen. Da die entsetzliche

Fieberhitze nicht weichen wollte, +kam auf den Unterleib+ nichts weiter

als +ein in kaltes Wasser getauchtes Tuch+. Die Hitze mußte brechen.

Am folgenden Tage kommt der Vater wieder und erzählt: „Das Kind ist

bereits imstande, etwas zu schlucken, aber zu beiden Seiten des Kopfes

schwellen die Backen (Wangen) gegen die Kinnlade zu ziemlich stark an.

Das Reden ist kaum verständlich; doch freue ich mich namenlos, daß die

Kleine wieder reden kann.“ Der Vater wurde angewiesen, rechts und links

am Kopfe die Geschwülste mit Lappen einzubinden, die in Wasser, das

mit Essig vermischt war, eingetaucht worden, und diese Umschläge nach

jeder halben Stunde zu erneuern. Zudem soll er das Kind in der oben

angegebenen Weise so oft an Brust, Rücken und Unterleib waschen, als

sich dasselbe heiß und bange fühle. Am dritten Tage befand sich die

Kleine außer aller Gefahr. Man setzte die Waschungen noch kurze Zeit

fort, so oft die Hitze zu steigen begann.

+Gurgelungen+ mit +Tee+ von +~Foenum graecum~+ (ein Kaffeelöffel

~Foenum graecum~ in einem halben Schoppen Wasser gesotten und der im

Bette sitzenden Kleinen öfters löffelweise gereicht) hatten vorzügliche

Wirkung. +Tee der Malve+, +der Schafgarbe+, des +Wollkrautes+ würden

dieselben Dienste erfüllen. Sehr gut ist auch, täglich drei bis vier

Kaffeelöffel voll Baumöl (Salatöl) einzunehmen. Dieses nimmt die

innerliche Hitze auffallend schnell.

Das Kind wurde gerettet und erfreut sich bis heute der besten

Gesundheit.

Emphysem der Lungen.

Es kommt sehr häufig vor, daß Leute, welche noch im schönsten Alter

stehen, sehr an Atembeschwerden leiden und nicht selten in die

peinlichste Lage und Angst kommen, ersticken zu müssen.

Gewöhnlich sind solche Leute +ziemlich korpulent+, und die Lebensweise

hilft auch noch als Nebenursache dazu, den Zustand ärger zu machen.

+Hauptgrund des Übels+ ist gewöhnlich, daß der +Organismus an

allgemeiner Schwäche+ leidet, matt und schlaff ist, wenig Blut hat und

infolge der Untätigkeit und Schlaffheit die Blutvermehrung nicht so

stattfindet, wie sie für den Körper notwendig wäre. Ich möchte solche

Leute mit einer Maschine vergleichen, an der Rad zu Rad paßt, die

gut in Ordnung, aber zu schwach ist für die Forderungen, die an sie

gestellt werden. Ein +weiterer Grund+ sind fast regelmäßig die Gase,

welche sich im Unterleibe anhäufen und einen Druck auf die +Organe+

des Oberkörpers üben. Dadurch werden diese mehr angestrengt, als sonst

ihre Aufgabe es erheischt. Sie leiden unter diesem Drucke, und es tritt

allseitige Beengung ein. +Das Übel wird gehoben+ einmal dadurch, daß

die +Gase aus dem Körper verbannt+ werden, und dadurch, daß der +ganze

Körper abgehärtet+ und durch Auswahl einer einfachen, guten, nahrhaften

Kost gekräftigt wird. Meine mehr als 35jährige Erfahrung belehrte

mich, daß gerade bei diesem Leiden die Brightsche Krankheit leicht die

Oberhand gewinnt, d. i. daß der ohnehin schon geschwächte Körper durch

diese Krankheit vollends aufgelöst, aufgerieben wird.

+Ein Herr+, ziemlich korpulent, noch nicht 40 Jahre alt, bekommt von

Zeit zu Zeit solche Erstickungsanfälle, daß er der Überzeugung lebt --

der Arzt bestätigte ihm dieselbe --, er werde, wenn der Anfall noch

zweimal wiederkehre, unterliegen. Die Atemnot war so groß, daß der

Kranke, resp. sein Nach-Atem-Ringen, im unteren Stockwerke des Hauses

gehört wurde. Oft meinte er, wie er sagte, er müsse vor Schmerzen

und Todesangst an den Wänden hinauf. Diese Atemnot dauerte bei jedem

Anfalle ziemlich lange und erschöpfte den Körper also, daß er sich

jedesmal darnach ganz krank fühlte. Hatte er sich in kurzem wieder

erholt, so fühlte er sich gesund und frisch. Die Anfälle blieben oft

einige Tage aus, um so mehr aber steigerte sich ihre Heftigkeit.

Der genannte Herr besaß die größte Wasserscheu und konnte sich zur

Wasserkur erst dann entschließen, als ihm keine andere Hilfe mehr

blühte. Sechs Wochen hindurch gebrauchte er verschiedene Anwendungen.

Die Heilung war eine so vollständige, daß die Anfälle niemals

wiederkehrten und der Herr sich stets - es sind heute ungefähr 21 Jahre

her -- der besten Gesundheit erfreute.

Der Patient nahm +mehrere Tage hindurch einen Tee von

Dornschlehblüten+, der einen recht gelinden, aber ergiebigen Stuhlgang

beförderte; dann gebrauchte er den +kurzen Wickel+, +Ober-+ und

+Unteraufschläger+ und zuletzt +Halb-+, auch +Ganzbäder+ von der Dauer

einer Minute. Unter den Anwendungen tat auch der +spanische Mantel+

gute Dienste. Am wirksamsten erwiesen sie sich in folgender Ordnung:

Erst der +kurze Wickel+; er beginnt die Gase auszutreiben und die

Ursache der Gase zu lösen;

sodann der +Ober-+ und +Unteraufschläger+, eine Fortsetzung der ersten

Anwendung, zugleich auf Kräftigung abzielend;

im weiteren der +spanische Mantel+; dieser leitet die verlegenen Stoffe

aus der Haut;

endlich +Halbbäder+, welche den Organismus stärken.

Ein anderer Herr litt dermaßen an Atemnot, daß die Ärzte erklärten,

es habe sich die +Herzwassersucht+ angesetzt. Dieser Herr war, wenn

auch gut genährt, nicht besonders korpulent; gleichwohl konnte er

nur mit größter Anstrengung eine Stiege steigen. Appetit war fast

gar nicht vorhanden, der Schlaf recht unruhig; niemals war der Herr

ohne Angst und Furcht. In seinem Berufe hatte der Patient früher

reichliche Bewegung gehabt; später kam er in eine Kanzlei, und dieses

sitzende, untätige Leben brachte ihn nach und nach in den eben

beschriebenen peinlichen Zustand. Zur Heilung reichten ganz wenige und

leichte Anwendungen von Wasser aus. Dieselben helfen auch jetzt noch,

sobald das Übel sich von neuem zeigen will. Es hat sich seit zwölf

Jahren öfters gemeldet, ist aber jedesmal schnell wieder beseitigt

worden. Zu den Wasseranwendungen gebrauchte der Herr noch +Tee+,

den er wegen seiner trefflichen Wirkung lieb gewonnen hat. Dieser

Tee besorgt lediglich einen geregelten Stuhlgang und die Ausleitung

der Gase aus dem Magen, erspart zugleich zahlreichere und stärkere

Wasseranwendungen, die der Herr fürchtet, und zu denen manchmal die

Zeit fehlt. Der Tee ist der +gelinde Wühlhuber+, und die Anwendungen

sind folgende: Erschien das Leiden in einem +niedrigen Grade+, so

reichte aus, +dreimal in der Woche einen Unteraufschläger+ zu nehmen,

+jeden Morgen+ beim Aufstehen +Rücken+, +Brust+ und +Unterleib kräftig

zu waschen+. Trat das +Übel+ etwas +stärker+ auf, so gebrauchte der

Herr den +kurzen Wickel+ oder auch ein +Halbbad+. Mit diesen Übungen

wurden verbunden +Waschungen+ zur +Nachtzeit+, die stets gute Dienste

taten.

Es ist +sonderbar+, und oft +staune+ ich, wenn man +gegen solche

Zustände die stärksten Mittel+ gebraucht, Mittel, welche für die

Gesundheit niemals gute Folgen haben können; selbst mit Giften

traktiert man leider nur allzu oft die armen Geplagten.[32] Letzteres

insbesondere blieb und bleibt mir ein bis heute ungelöstes Rätsel. Ich

muß mir stets Gewalt antun, um die innere Ruhe zu bewahren.

Ein anderer Fall von Emphysem.

Ein Pfarrer bekam Lungenentzündung in hohem Grade, nach dieser

Lungenemphysem (Lungenerweiterung, Lungenblähung) und kam mit solchem

Husten, daß er kaum anzuhören war. Das Aussehen war recht krank,

Appetit wenig, die Kräfte im Abnehmen. Die Lunge wurde von den Ärzten

noch als heilbar erklärt.

Die Anwendungen waren folgende: Vierzehn Tage hindurch 1) jeden Tag

zwei Obergüsse; 2) jeden Tag zweimal im Wasser gehen drei bis fünf

Minuten lang; 3) dreimal wöchentlich ein Schal; 4) jeden zweiten Tag

ein Sitzbad eine Minute lang.

Einzunehmen bekam der Kranke Absud von ~Foenum graecum~ mit Honig

gekocht, womöglich jede Stunde einen Löffel voll.

Die Wirkung war: die Aufgüsse kräftigten den oberen Körper. Der Husten

war anfangs noch stärker, Schleim ging jedoch sehr viel heraus. Nach

drei Tagen verminderte sich Husten und Auswurf, und in zwölf Tagen war

nur mehr ein kleiner Rest von Verschleimung übrig. -- Dieser wurde

beseitiget durch weitere Anwendungen von Oberguß, Knieguß und Tee von

Brennnesseln und Spitzwegerich. Nach etwa drei Wochen trat vollkommene

Besserung ein.

Entkräftung.

Ein Schmiedmeister, 46 Jahre alt, kommt und klagt: „Meine Hände haben

seit etwa zwei Jahren so an Kraft abgenommen, daß ich mit dem Hammer

nicht mehr zurechtzukommen weiß. Wie meine Arme zwei Drittel der

Kraft verloren haben, so sind dieselben auch um mehr als die Hälfte

dünner geworden; sonst wäre ich ziemlich gesund. Nur fühle ich seit

einem halben Jahre auch meine Füße viel schwächer werden, und daß sie

besonders gegen Abend wehe tun. Der Appetit ist ziemlich gut, jedoch

nicht wie früher. Auf meinem Rücken, am oberen Kreuz merke ich oft eine

gewaltige Spannung.“

An den mageren Händen sieht man nur mit Mühe, wo die Adern sind; man

erkennt leicht, die Arme werden nicht genährt, daher die Schwäche,

Steifheit und Kälte. Blutanstauungen im Nacken und in dessen Umgebung

mögen die Ursache sein, daß das Blut nicht nach allen Richtungen hin

gelangen kann.

Der Schmied hielt vierzehn Tage hindurch täglich einmal die ganzen

Arme in ein Heublumenbad eine halbe Stunde lang und einmal zu anderer

Tageszeit zwei Minuten in kaltes Wasser; dazu kam wöchentlich dreimal

der Schal. Schon während dieser Kur wurden die Arme fester, die Adern

schwollen an, die Anstauungen wurden aufgelöst. Nach 14 Tagen wurde

täglich ein Ober- und Unterguß, in der Woche zweimal ein warmes

Heublumenbad und zweimal ein Kaltwasserbad für die Arme genommen. Der

Mann fuhr damit fort und wurde wieder fähig zu seinem Beruf. Innerlich

gebrauchte er während der Kur täglich zwanzig Wermuttropfen in warmem

Wasser.

=Entzündung.= (+Allgemeines.+)

Ein Knabe, der kaum recht gehen konnte, sieht, wie die Mutter Licht

gemacht hat. Er gibt sich alle Mühe, so ein Hölzchen zu erwischen; er

will auch Feuer machen. Es gelingt ihm, und der kleine Übeltäter zündet

mit dem Streichhölzchen ein mächtiges Feuer an. Das ganze Haus brennt

ab und alles, was darinnen ist.

Wie viele tausend Menschen liegen auf den Gottesäckern, bei denen

sich gleichsam so ein +kleiner Funken krankhaften Stoffes im Körper

entzündet hat+; der Funken wurde zur Flamme. Von allen Seiten

drang das Blut zur entzündeten Stelle und gab neuen Zündstoff. Es

goß Öl in die Flamme, und die Flamme wurde zum großen Feuer. Es

waren vielleicht nicht die richtigen Anstalten zum Löschen getroffen

worden, und die armselige Hütte der menschlichen Seele brannte

elendiglich zusammen. Tausende von Tieren gehen so jährlich zugrunde.

Abertausende von Menschen ereilt ein gleiches Schicksal. +Wie schnell

geht das oft?+ Dein Hals hat an einer Stelle Feuer gefangen,

er ist entzündet. Es kommt zufällig ein rauhes Lüftchen und tut

Blasbalgdienste; es bläßt das Feuerchen an, die Adern liefern neuen

Brandstoff, und in wenigen Stunden steht +der Hals in Brand+.

Ist’s nicht so? Was tun? +Was tun die Leute, wenn’s brennt?+ Sie

schreien Feurio und suchen zuerst zu retten, was zu retten ist. Dann

entfernen sie, wenn es Zeit ist, von der Brandstelle in aller Eile

alles, was dem Feuer nur Futter sein kann, und spritzen dann darauf

los, bis der Feuersnot oft die Wassernot folgt. Diesen Wink wollen wir

verstehen und ausnützen.

Wenn irgend eine Entzündung eintritt, so suche man möglichst bald das

auf diese Stelle zuströmende Blut zurückzuleiten. Man rette das noch

nicht entzündete Blut. Ebenso wirke man auf die entzündete Stelle ein,

damit das zusammengeströmte Blut möglichst verteilt und abgeleitet

werde.

Unlängst ging nachts, als ich eben einschlafen wollte, das Holz im

Ofen an. „Fatale Geschichte!“ dachte ich; „bis dieser Scheiterhaufen

abgebrannt ist und ausgeknistert und ausgeprasselt hat, geht die halbe

Nachtruhe hin.“ Mein Nachbar war gescheiter. „Nicht das Knistern, meine

Ruhe will ich haben,“ murmelte er. Und was tat er? Er nahm Scheit für

Scheit, ob’s flammte, ob’s schon knisterte, heraus. Und aus war alles

Feuer. Das ist doch klar.

Doch nun zurück zur +Halsentzündung+! Greif einmal die Füße an und

fühle, ob sie nicht vielleicht eiskalt sind! Manchmal trifft dieses

zu. Wo mehr Wärme ist, entstehe sie, wo sie wolle, strömt mehr Blut

zu. Das Blut in den Füßen ist gleichsam davon- und dem Brande im Halse

zugeeilt. Wickle die +Füße+ ein +in linnene Lappen, die in mit

etwas Essig vermischtes Wasser+ eingetaucht sind! Bald schon wirst

du große Wärme verspüren. Der Fußwickel zieht das Blut nach unten, und

+etwas Brennstoff ist dem Feuer schon genommen+. Suche sodann

+das Blut weiter abzuleiten in den Unterleib+! Dieses geschieht

durch +Auflegen+ eines größeren, in derselben Weise durchnetzten

+Tuches auf den Unterleib+. Sollte es recht heiß werden, so

tauche es von neuem in ein kaltes Wasser, und zwar so oft, als die

Hitze groß und das Tuch warm wird! Mehr Brennstoff als durch die erste

Anwendung wird durch diese zweite dem gefährdeten Halse entzogen.

Und nun kannst du +den Hals selbst angreifen+, den eigentlichen

Feuerherd. Tauche ein Tuch ins kälteste Wasser und binde es um; laß

das Tuch aber nicht zu heiß werden;[33] erneuere vielmehr dessen

Eintauchen, so oft es recht warm wird!

Lässest du es heiß werden, so entwickelt sich auch am und im Halse

wieder mehr Wärme, und das Blut, das zum Teil abgeleitet ist oder noch

vollends abgeleitet werden soll, strömt von neuem dem Halse zu und

droht die Entzündung frisch anzufachen. Wer diesen letzten Punkt, über

den schon soviel gestritten wurde, mit mir also auffaßt, wird nach

kurzer Praxis bald sein eigener bester Wärter. Er fühlt am besten, wo

Hitze weggetrieben, wann der Aufschlag oder Wickel erneuert werden

soll. Darnach appliziert und wiederholt er die Wasseranwendungen. Der

Hitzegrad wird ihm der Zeiger an der Uhr: zeigt jener auf Null, d. h.

ist das Feuer gedämpft, so läßt er den Körper in Ruhe; zeigt er auf

geringere oder höhere Zahlen, d. h. nimmt das Feuer zu, so eilt er ohne

Säumen neuerdings zur Feuerspritze.

Entzündung edler Körperteile: Lungen-, Brustfell-, Zwerchfell- und

Unterleibs-Entzündung.

+Margareta+ liegt zu Bett. Sie hat heftigen, trockenen Husten,

verbunden mit viel Brechreiz, und von Stunde zu Stunde nimmt die Hitze

zu. Gewaltiges Stechen und Brennen peinigt die Brust und die eine

Seite. Der Arzt erklärt, es sei eine +Lungen-Entzündung+ im Anzug. Wie

kann der Kranken geholfen werden? Jedes Kind weiß, daß ein Schwamm

ungemein viel Wasser einsaugen und behalten kann. Sollte es nicht

auch Mittel geben, welche, wie der Schwamm das Wasser, die Hitze an

sich ziehen, gleichsam einsaugen und behalten? Ja, es gibt solche

Mittel, und sie liegen nicht ferne. Jede Bauersfrau bei uns auf dem

Lande kennt den +Topfenkäs+. Anderwärts nennt man ihn Zieger; er wird

gewonnen aus der geronnenen (gestockten) Milch.[34] Solchen Topfenkäs

rührt man mit Topfenwasser zu einer feinen Salbe an, streicht ihn

etwas mehr als messerdick auf Leinwand und legt das Pflaster auf die

stechende oder brennende Stelle, an der das Feuer der Lungenentzündung

um sich greifen will. Ich kenne kein Mittel, welches mehr Hitze an- und

einzuziehen imstande ist. Die stärksten Hitzen habe ich so dämmen und

ganz auslöschen sehen, wenn man +täglich+ zwei- bis viermal, je nach

dem Grade der Hitze, so ein Pflaster auflegte. Viele kenne ich, die

hauptsächlich bei Lungenentzündung ihr Leben allein dieser so einfachen

Auflage verdanken.

+Innerlich+ soll der Kranke jeden halben Tag zur Kühlung einen +Löffel

voll Salatöl+ einnehmen.

+Reichen diese zwei Mittel nicht aus+, d. h. sollte die Hitze noch groß

bleiben, so können +Wasseranwendungen+ folgen. Man wickle den ganzen

Körper des Kranken von unter den Armen an in ein naßkaltes Tuch ein

(Unterwickel) und wiederhole dieses täglich zweimal. Von der jedesmal

notwendigen Umhüllung spreche ich nicht mehr. Man sehe vorn nach bei

der Beschreibung der Anwendungen. Oder man +umbinde beide Füße bis über

die Knöchel+ mit in Wasser (eine kleine Beimischung von Essig kann nur

gut sein) getauchten Tüchern und erneuere das Eintauchen so oft, als

die Tücher recht heiß werden. Statt der Tücher kann man auch +nasse+

Socken anziehen, darüber als Umhüllung trockene.

Wendet die kranke Margareta 3-5 Tage das Pflaster an, gleich beim

Beginn der Krankheit, so kann sie in 6-7 Tagen, längstens in 9-10 Tagen

wieder gesund sein.

Wie die Lungen sich entzünden, ebenso können auch andere edle Teile

des Körpers entzündet werden. Wir sprechen von Brustfell-, Bauchfell-,

Unterleibs- und anderen Entzündungen. Bei allen gelten dieselben

eben berührten, allgemeinen Grundsätze und dasselbe Heilverfahren:

Verteilung, d. i. Ableitung des Blutes, Kühlung der entzündeten Stelle,

d. h. Entziehung der Hitze durch Einwirken von Kälte.

Mitternachts wurde ich einst zu einem Kranken gerufen. Er wußte nicht

mehr zu atmen. +Husten+ und Brechreiz waren groß. In der Brust,

besonders auf der einen Seite -- so klagte er -- gehe es zu, wie wenn

man sie mit Messern durchsteche; der ganze Körper glühe schrecklich.

Ich providierte den Kranken nicht, wie die Angehörigen baten, und

bereitete ihn nicht zum Tode vor. Aber ich ließ ihn von unter den Armen

an in nasse Tücher einwickeln (Unterwickel) und auf die schmerzende

Stelle ein Topfenpflaster auflegen. Zum Einnehmen erhielt er einen

Löffel Salatöl. Das tat wohl. Sechs Tage wurde so fortgefahren, und der

Todkranke war außer Gefahr.

+Stirbt jemand an der Lungen-+ oder an einer anderen inneren

Entzündung, was ist da im Inneren vor sich gegangen, wie haben wir

uns dieses vorzustellen? Im Äußeren spiegelt sich das Innere. Du hast

sicherlich schon hie und da bei anderen kleine Geschwüre gesehen --

man nennt sie Karbunkel -- oder solche an einem Arm, Fuß, einer Hand

oder auf deinem Rücken, Magen, deiner Brust usw. vielleicht schon

selbst empfunden. Wie entwickeln sich diese? Wenn sich so ein Geschwür

irgendwo bildet, entsteht an der Stelle erst eine Röte, und man fühlt

im Innern ein Brennen. Die Geschwulst nimmt zu, und nach einiger Zeit

bemerkt man an jedem dieser spitzen Kegel, seien sie groß oder klein,

einen +erhöhten weißen Punkt+. Man sagt: das Geschwür ist reif, zeitig,

und schneidet es auf oder drückt es aus. Es kommt Eiter heraus und mit

und nach dem Eiter in Fäulnis geratenes Blut. Gut ist’s!

So ein kleines „Blutschwär“ (Blutgeschwür), wie es die Landleute

nennen, verursacht meistens große Schmerzen, nicht allein an der Hand,

am Fuß usw., wo es sich ansetzt. Man „spürt’s in allen Gliedern“,

der „ganze Körper tut weh“. Das ist der deutlichste Beweis, daß der

ganze Körper selbst bei solchen unscheinbaren Übeln in Mitleidenschaft

gezogen wird, so daß folgerichtig es dem ganzen Körper zugut kommt,

wenn derlei Dinge gut ausheilen, und daß er leidet, und daß es sich

rächt, wenn sie vernachlässiget werden.

Kommt ein derartiges größeres Geschwür nicht zur Entwicklung, zum

Aufbrechen, „wills“ nach dem Volksmund „nicht heraus“, so färbt sich

nach und nach die kranke Stelle blau und rotbraun. Das Blut steht ab,

und das abgestandene Blut wird und wirkt giftartig. +Ein Biß+ der

unheimlichen Klapperschlange, ein Tropfen Schlangengift ins Blut, und

nach einigen Minuten tritt der Tod ein. Solches Blut ist Gift. Mischt

es sich mit dem gesunden Blute, so vergiftet es auch dieses, es beginnt

eine Blutvergiftung. Kann sie nicht aufgehalten werden, so endet sie

stets mit dem Tod. +Nicht anders haben wir uns den Prozeß im Inneren

zu denken.+ Die Vergiftung vollzieht an edlen Organen ihr Werk nur

schneller und wütet unheilvoller und schrecklicher. „Er unterlag einer

Blutvergiftung,“ wie die heutige Sprache sich ausdrückt, oder: „Er ist

am Brand gestorben,“ wie die alten und gemeinen Leute sagen -- das sind

beides nur verschiedene Ausdrücke für dieselbe Sache.

Martin, ein schöner, starker Mann, bekommt heftiges Fieber. Zuerst

schüttelt ihn entsetzlicher Frost. Dann quält ihn brennende Hitze. Der

Kopf ist so heiß, daß der Arzt auf eine Gehirnentzündung schließt.

Das ganze Innere steht in Flammen; diese schlagen durch den glühenden

Atem gleichsam zum Munde heraus, oder besser: wie die innere Glut

den Holzhaufen verbrennt, so arbeitet die Glühhitze schrecklich, die

inneren Organe in raschem Tempo zu verkohlen. Die Vorboten des Übels

waren Kopfweh, Abgeschlagenheit, Mattigkeit und Frost. Außer dem Fieber

aber fühlt der Kranke jetzt an keiner einzelnen Stelle besonderen

Schmerz. Nach 10 Tagen war der Mann eine Leiche, und beim Sezieren

stellte es sich heraus, daß das Gehirn intakt, unverletzt, daß der Arme

vielmehr an einer Lungenentzündung gestorben war.

„+Wie hätten Sie diesen Fall behandelt?+“ fragte man mich. Zuerst eine

+Vorbemerkung+. Dieser Fall zeigt sonnenklar, wie leicht die Diagnose

(die Kunst, nach den Erscheinungen die Krankheit zu unterscheiden und

zu finden) täuschen kann. Bei Lungenentzündung ist fast regelmäßig

Stechen, Brennen in der Lungengegend, Husten und Brechreiz vorhanden.

Unser Kranker fühlte davon nichts. Wie hart tut in derlei Fällen --

vielleicht komme ich später einmal in die Lage, davon mehreres zu sagen

-- der Allopath! Und wohlgemerkt, es ist oft die höchste Zeit, die

Feuersbrunst hat schon große Dimensionen (Ausdehnungen) angenommen. Die

Feuerspritze darf das Feuer nicht verfehlen, sonst ist’s geschehen.

Auch tropfen- und löffelweise kann ich da nicht mehr zu Werke gehen,

die Tropfen zehrt das Feuer augenblicklich auf. +Mein einfacher

Grundsatz+ in solchen verzweifelten Fällen -- und es wird ihn wohl

niemand anfechten -- heißt: Wenn’s brennt, so lösche; lösche zuerst,

wo es am meisten brennt; ist der ganze Körper +ein+ Brand, so lösche

auch am ganzen Körper! Vielleicht wirst du Herr des ganzen Feuers;

jedenfalls schwächst du es und hast zu weiterer Überlegung Ruhe und ein

freies Ausschnaufen.

Dem Kranken hätte ich +während 3-4 Stunden jede halbe Stunde Rücken,

Brust+ und +Unterleib+ waschen lassen. Die Wut des Feuers wäre so um

vieles gedämpft worden. Dann hätte ich weiter gelöscht mit +Ober- und

Unteraufschlägern+ -- Unteraufschläger zum Daraufliegen recht dick

(mehrfach zusammengelegt) -- und mit +nassen Socken+ oder Tüchern bis

über die Knöchel, letztere nach jeder Stunde neu eintauchend. Hatte der

Kranke sonst gesunde Lungen, -- und mir scheint solches der Fall zu

sein, wenn er im höchsten Stadium der Lungenentzündung keine Schmerzen

fühlt, -- so sollte er menschlich gesprochen, d. h. wenn Gott in seinen

ewigen Ratschlüssen nicht anders bestimmt hat, gerettet werden.

Epilepsie.

+Derart Heimgesuchte+ lasse ich nie berichten. Ich +frage sie nur+, wie

lange sie dieses Übel schon haben, ob sie den Anfall, die Vorzeichen

desselben jedesmal bemerken, wie alt sie seien, ob die Geisteskräfte

noch frisch oder schon tief heruntergekommen seien.

Nach meiner Überzeugung hat auch diese Krankheit ihren +Hauptsitz

im Blut+, sei es nun Blutarmut, krankhaftes, verdorbenes Blut oder

ungeregelter Blutlauf. Meine Ansicht wird unterstützt durch die

+oft+ sich wiederholende Tatsache, daß hervorgelockte Ausschläge,

gleichsam die Niederschläge, die Ausdünstungen des Blutes, solchen

Kranken stets dauernde und sichere Hilfe gebracht haben, daß ferner

sogenannte Unheilbare stets durch Aufgedunsenheit, blaue Farbe (das

sind Anstauungen von verdorbenem Blute) sich kenntlich machen.

Lauten die Antworten auf sämtliche Fragen günstig, was in der Regel bei

jungen Leuten im Alter von 8-20 Jahren bei mir zutraf, so betrachte ich

das sogenannte hinfällige oder fallende Weh als +krampfhafte Zustände+,

anschließend an den Veitstanz, und als +heilbar+. Recht vielen konnte

ich Hilfe bringen, selbst solchen, welche das +Übel von ihren Eltern

geerbt hatten+.

Meine Wasser-Kur Durch mehr als 40 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit · 第 19 / 36 段