Diese Zustände kommen +hauptsächlich bei schwächlichen Naturen+

vor. Deshalb kann das Zeitalter der Verweichlichung viele solche

Früchte aufweisen. Ich bin der vollsten und festen Überzeugung: wenn

eine +vernünftige Abhärtung+ gepflegt würde von Jugend an, wenn

nur reelle, nahrhafte, vernünftige Kost genossen würde und keine

verkünstelte, verfeinerte und so vielfach verdorbene, so träten alle

diese Übel höchst selten auf und meistens nur in Fällen, in denen

gewaltsame Einwirkungen auf den Körper geschehen durch Schlag oder Stoß.

Vor 50 Jahren kannte man wenig „gebrochene Leute“ in einem Dorfe; in

einem Städtchen konnte man die Zahl an den Fingern zählen. Heutzutage

kommen vielleicht zwanzig Personen zusammen, und 3-4 derselben haben

einen Leibschaden. Gewöhnlich suchen die Betroffenen zu allem Unglück

hin ihr Übel soviel wie möglich +verborgen zu halten+. Man hört’s

nicht gern, wenn es heißt: Der hat einen Bruch. Bei manchen klingt

dieses fast wie eine Ehrenbeleidigung, die ihn rot macht bis über die

Ohren. Torheiten! Es unterbleibt so die notwendige Pflege, und das

kleinere Übel wird zum größeren. Bruchleiden triffst du nicht bloß

bei solchen, die Tag für Tag mit schwerer Arbeit sich abmühen müssen;

Bruchleiden genug findest du auch in den besseren und höheren Ständen.

Wie leicht und schnell ist’s geschehen! A. bekam seinen Leibschaden

auf dem Abort. B. hüpfte über einen kleinen Graben, er war gebrochen.

E. litt viel durch übermäßige Gasbildung. Ein Unbedeutendes, eine

Kleinigkeit, und das Bauchfell hatte einen Riß. D., ein Priester,

predigte soeben begeistert; mit einem Bruch stieg er von der Kanzel.

+Mich schmerzt es jedesmal tief+ (gerade weil großenteils so

leicht vorgebeugt werden könnte), wenn ich höre, daß ein sonst

gesunder, kräftiger Körper diesen Schaden gelitten, daß wieder ein

Mann im schönsten, kräftigsten Alter zu den Invaliden gehöre. Fast

muß ich es so heißen; denn eine große Anzahl Bruchleidender muß das

Berufsleben vor der Zeit verlassen, oft schon mit 40, mit 50 Jahren,

und selten ist solchen eine Woche gegönnt, in welcher die Beschwerden

des Bruches nicht den Hauptbalken am täglichen Kreuze ausmachen. Wer es

erfahren hat, weiß, daß ich nicht fasele, nicht übertreibe. Man sollte

sich wahrlich mehr Mühe geben, nach den +Ursachen+ des gewaltigen

Überhandnehmens gerade dieses Übels zu forschen, mit anderen Worten:

man sollte der verweichlichten, geschwächten Menschheit aushelfen.

Wohin sollen wir denn kommen?

Ich habe schon von einer +vernünftigen, gemäßigten Wasserkur+

gesprochen. Es lohnt sich wahrlich der kleinen Mühe und der geringen

damit verbundenen Opfer, wenn durch sie nur diesem einzigen Übel

gesteuert wird.

Der Bruch ist ja (Ausnahmen abgerechnet; siehe unten, wo wir von

Kindern reden) doch nicht angeboren oder angeschaffen, sondern erst

eingetreten in +Folge von angeborener oder später eingetretener

Schwäche+. Gar leicht hätte diese durch Abhärtung, speziell durch

Abhärtung mit Wasser, ferngehalten oder beseitigt werden können. Ob

die sogenannte „bessere Welt“ endlich klug wird? Ich zweifle daran.

Dir aber, braver und wackerer Landmann, wenn du diese Zeilen gläubig

liesest, rate ich: Nimm +in der Woche ein- oder zweimal ein Halbbad

oder ein paar kalte Sitzbäder+ (jedes Schaff ist gut genug)! Bald

wirst du deren kräftige Wirkung erfahren. Zu derlei Bädern brauchst

du keine bestimmte Zeit abzuwarten. Jede Stunde ist gut, und alles in

allem: Ausziehen, Baden, Wiederanziehen dauert nicht länger als 4,

höchstens 6 Minuten. Von der Arbeit weg kannst du das Bad nehmen, und

unmittelbar darauf kannst du wieder an deine Arbeit gehen. -- Doch ich

bin +im größten Schweiße+! Auch das hindert nicht; bade ruhig,

du hast nichts zu fürchten! Über diesen Punkt habe ich mich bei den

Halb- und Ganzbädern des nähern ausgesprochen. Jedes Wort bei dieser

verantwortungsvollen Sache ist reiflich erwogen, und erst ward lange

Jahre versucht und praktiziert (gehandelt), bevor gesprochen und

geschrieben wurde. Gehe bis zur Brust ins Wasser und wasche rasch und

kräftig den Oberkörper ab; dann kleide dich, ohne abzutrocknen, an und

gehe rüstig wieder an deine Arbeit! Nach 3-4 solchen Bädern brauchst du

keine Aneiferung und keinen herzhaften Vorsatz mehr; das Bad oder die

Waschung wird dir fast Bedürfnis, und du erweisest deinem Körper diesen

Liebesdienst mit Freuden. Und das Werk (der Erstarkung, Feiung) wird

seinen Meister loben.

Ein +Bauer klagte+ mir einmal über arge +Schmerzen etwas

oberhalb der Weichen+. Der Arzt habe erklärt, es sei ein

Leibschaden im Anzuge. Ich riet ihm, fleißig +Ober-+ und

+Unteraufschläger+ zu nehmen. Bald ließ der Schmerz nach. Der

Bauer enthielt sich kurze Zeit der schwersten Arbeit und blieb von dem

angekündigten Übel frei. Diese Warnung hat ihn zur Besinnung gebracht

und klug gemacht, er wurde von nun an ein eifriger Wassermann.

Zum Schluß noch die Frage: +Können Leibschäden gar nie geheilt

werden?+ Mehrere neue Leibschäden habe ich, selbst bei Erwachsenen,

dadurch geheilt, daß die gebrochene Stelle mit +Kampferöl+

kräftig eingerieben und darüber ein +Pechpflaster+, das Pech auf

Wachsleinwand gestrichen, aufgelegt wurde. +Fuchsfett+ sodann ist

und galt zu jeder Zeit als eines der allerbesten Mittel zur Heilung

eines jungen Bruches. Man reibe alle zwei bis drei Tage die Bruchstelle

mit solchem Fett ein und lege stets das Pechpflaster darüber. Auf

solche Weise heilte ich einmal einen Bruch, der bereits sieben Wochen

alt war.

+Bei Kindern kommen Bruchschäden verhältnismäßig häufig+ vor. Die

Ursache ist meistens, daß sie durch die Kost stark aufgetrieben werden,

und daß so das Bauchfell an einer Stelle springt. Einem solchen Kinde

bereite man +täglich ein Haberstrohbad+, ebenso +täglich einen

Ober-+ und +Unteraufschläger+, klein natürlich, wie sie für das

kleine Geschöpf passen, und so lange, bis die Heilung eingetreten ist.

Man reibe nebenbei sachte die leidende Stelle mit Kampferöl oder noch

besser mit Fuchsfett. Solche Leibschäden heilen in kurzer Zeit, wenn

sie nicht allzu große Ausdehnungen haben, in welchen Fällen kaum an

Heilung zu denken ist. Für solche Leidende bleibt kein anderer Ausweg

übrig, als daß ihnen ein +Bruchband+ beschafft werde, das sie nach

Anweisung des Chirurgen tragen.

Gerade die +Mütter+ sollten alles aufbieten, -- auch das nenne

ich in diesem Punkte allein die wahre Mutterliebe, -- +derlei

Gebrechen von Anfang an und von Grund aus vorzubeugen+. Es hängt

viel davon ab, oft das ganze spätere glückliche oder unglückliche

Leben ihres Kindes, der Schmerz oder der Trost der Eltern. Wenn Gott

mir das Leben gibt, werde ich den Müttern einmal einige Winke und

Ratschläge aufschreiben, wie sie ihre Kleinen von Geburt an vernünftig

abhärten und pflegen sollen. Sie mögen nicht erschrecken vor dem kalten

Wassermann; er hat für die Erziehung und für alle, die dabei beteiligt

sind, ein recht warmes Herz. An solche Mütter, die schwache Nerven

haben und ihren „Engeln“ vor lauter Einmummung und Einbauschung in Samt

und Seide und Wolle nicht einmal die frische Luft gönnen, werde ich

mich nicht wenden. Nur solchen gilt’s, denen daran gelegen ist, zur

Heranbildung einer wieder lebensfähigen, starken Generation das Ihrige

beizutragen. Auch alten Kindern dürfte die Lektüre der betreffenden

Ratschläge nicht schaden. Doch wie gesagt, kommt Zeit, kommt Rat.

Vielleicht macht der Herr des Lebens mir einen Strich durch die

Rechnung. Und dann -- ist’s auch so recht und gut, und ich bin damit

zufrieden.

Brustfell-Entzündung

siehe unten Seite 210.

Cholera.

Wie gefürchtet ist die Cholera! Vor einigen Jahren trat sie in mehreren

Ländern als schreckliche Heimsuchung auf, und sie überlieferte dem

Sensenmann zahllose Opfer. Um gegen Überschwemmungen sicher zu sein,

wirft man Dämme auf, man reguliert die Flüsse. Bei einem Waldbrande

zieht man Gräben, daß das verheerende Element nicht weiterfresse. Ein

solcher Damm und Graben gegen die Cholera, diesen entsetzlichsten Feind

des Menschenlebens, ist +das Wasser+. Es rettet aus der Gefahr und

umgibt den oder die, so es richtig anwenden, mit einem Damm oder Graben.

Bei der Cholera herrscht der +Grundsatz+: Wer bald in Schweiß

kommt, der ist gerettet. Wer nicht in starken Schweiß gerät, der ist

verloren.

Einmal wurde ich nachts elf Uhr zu einer armen Magd gerufen. Schon

zwanzigmal hatte sie Erbrechen gehabt, zwanzigmal schon an starkem

Durchfall gelitten. Der Arzt war zwei Stunden weit entfernt. Die Magd

wollte zum Tode vorbereitet werden; denn, sagte sie, sie fühle nur zu

gut, daß sie dieser schrecklichen Krankheit erliegen müsse. Hände und

Füße waren einer Eismasse gleich, das Gesicht blaß, die Gesichtszüge

eingefallen, die Zeichen der Auflösung waren da. Sofort versuchte ich

die Sterbenskranke in Schweiß zu bringen, von dessen Zustandekommen

nach meinem Urteile alles abhing, Leben oder Tod. Schleunigst brachte

die Hausfrau zwei große, grobe Leintücher. Ich ließ dieselben in

heißes Wasser eintauchen, mehrfach zusammenlegen, auswinden und die

fast +heiße, dicke Überlage auf Brust und Unterleib+ decken.

Unter dieselbe, +auf den bloßen Leib+, kam zuvor ein +einfaches

Tuch+, das in +heißen Essig getaucht+ war, zu liegen. Die

nasse, heiße Auflage umhüllte und schloß nach außen ab ein Federbett,

alles so warm und schwer, wie es die Kranke nur ertragen konnte.

Schneidend drang die Hitze in den Choleraleib, und in 15 Minuten war

der ganze Körper durchwärmt. Nach weiteren 20 Minuten perlten schon

Schweißtropfen vom Gesichte. Ich ließ die heiße Decke nochmals in

heißes Wasser tauchen. In ganz kurzer Zeit hörten alle Krämpfe auf, das

Erbrechen und der Brechreiz verloren sich. Um der von außen wirkenden

Wärme nach innen entgegenzukommen, bekam die Kranke eine +Tasse Milch

mit Fenchel+ (ein Löffel voll gemahlener Fenchel wird drei Minuten

in Milch gesotten) so warm als möglich zu trinken.[30] Die Kranke kam

in reichlichen Schweiß, und sie war gerettet.

Es durfte und darf in solchen Fällen nicht vernachlässigt werden

die Ausheilung, die nicht schwierig ist, aber wichtig. Es soll der

+Rekonvaleszent+ (der Genesende) +täglich einen Unteraufschläger+ (ein

mehrfach zusammengelegtes Tuch unter der ganzen Rückenlänge) nehmen,

ein Stunde lang; gleichfalls +täglich+ einmal eine Stunde lang +einen

Oberaufschläger+ (dasselbe Tuch auf Brust und Unterleib), jedesmal

gut zugedeckt. Auch unsere Kranke tat so, und in 10-12 Tagen war sie

hergestellt. Ein zweiter Fall wurde ebenso und mit demselben Erfolge

behandelt.

+Zwei Bemerkungen+ will ich hier nicht unterdrücken.

Wenn die oben angeführten Symptome (Kennzeichen) der Krankheit wie

heftiges Abführen, Erbrechen, Krämpfe usw. erscheinen, so soll man

nicht säumen, solche Kranke +alsbald ins Bett+ zu bringen. Landleute

sind in dieser Beziehung gegen sich oft zu hart und deshalb unklug.

+Nach innen+ gebe man +einen warmen Trunk+. Drohen +krampfhafte

Zustände+ einzutreten, oder wollen die +Füße eiskalt+ werden, so bringe

man alsbald eine +warme Überlage auf den Leib+, nicht länger als zirka

drei Viertelstunden. Ebenso lange lege man sich auf eine ebenfalls

warme Unterlage. Wiederholen sich die Krämpfe, so können die Überlage

und die Unterlage wiederholt werden. Treten Wärme und Schweiß ein, so

hat man’s gewonnen.

+Vorsichtig sei+ man, bis alles wieder in Ordnung ist, mit +Essen+ und

+Trinken+. Von der gewohnten einfachen Kost wähle man das Leichtere

aus. Als Getränk diene am besten warme Milch, die Heil- und Nährmittel

zugleich ist.

+Wütet die Cholera an einem Orte+, so vertraue auf Gott und sei

unverzagt! Wasche zur Vorsicht jeden Morgen und jeden Abend kräftig die

Brust und den Unterleib; kaue täglich zehn bis zwölf Wacholderbeeren,

und sollten diese dir abgehen, so kaufe dir Pfefferkügelchen! Für 20

Pfennig erhältst du eine große Anzahl. Täglich zweimal je fünf solcher

Pfefferkügelchen erwärmen den Magen, unterstützen die Verdauung und

leiten die Gase aus.

Cholerine.

Fast in jedem Orte zählt man jedes Jahr einige Fälle von Cholerine; mir

selbst sind jährlich solche Kranke genug vorgekommen. Die Cholerine ist

die +Cholera im Kleinen+, ein recht unlieber, wenn auch weniger

gefürchteter Gast. +In ihrem Gefolge+ sind heftiges Abführen,

starkes Erbrechen, zuweilen stärkere oder schwächere Krämpfe.

Meine Anwendungen bei Cholerine sind genau dieselben wie bei der

Cholera, an Zahl und Stärke klug und verständig geregelt, je nach

dem Heftigkeitsgrade der Krankheit. Auf einmal wurden so vierzig mit

Cholerine Behaftete mit gleich gutem Erfolge behandelt und geheilt.

Congestionen.

Ein Beamter klagt folgendes:

„Ich leide an schwerem Atem, Krämpfen im Halse und sehr großen

Kopfschmerzen. Oft ganze Nächte ist es mir wegen Congestionen und

Schmerzen im Kopfe nicht möglich, zu schlafen. Stuhl erfolgt seit

Jahren nur durch Medikamente. Außerdem besteht viel Krampf auf der

Brust, und wenn dieser in den Unterleib kommt, empfinde ich sehr große

Schmerzen. Gegen Kälte weiß ich mich gar nicht mehr zu schützen,

Hände und Füße sind gewöhnlich kalt. Meine Lebensstellung wäre eine

angenehme, wenn ich nicht fortwährend von Leiden gequält wäre. Ich

besuchte schon mehrere Bäder, fand aber keine Hilfe. Statt der früheren

Korpulenz ist nun Abmagerung eingetreten. Wenn nun Wasser keine Hilfe

bringt, klagte er wehmütig, so bin ich verloren.“

Die Behandlung war folgende:

1) täglich morgens und abends längere Zeit im Gras und auf Fußwegen

barfuß gehen, -- was ihm eine unbeschreibliche Erquickung brachte

und sein Kopfleiden ableitete;

2) in der Woche zwei kurze Wickel;

3) einmal den spanischen Mantel.

Um Stuhlgang zu befördern, mehrere Tage hindurch jede halbe Stunde

einen Eßlöffel voll Wasser und bei größeren Beschwerden: Aloë, eine

Erbse groß, mit einem halben Löffel voll Zucker, das Ganze in warmem

Wasser aufgelöst, und auch dieses jede Stunde löffelweise genommen.

Darm-Entzündung.

Ein Verwalter erzählt: „Ich habe Jahre lang heftige, mitunter fast

unausstehliche Schmerzen, viel Bauchweh und Grimmen. Ich kann schon

längere Zeit gar nichts mehr essen ohne heftige Schmerzen und habe

regelmäßig Abweichen darauf. Ich habe recht viel eingenommen, Hilfe

wenig oder höchstens auf kurze Zeit bekommen.“ Das Aussehen dieses

Mannes in den schönsten Jahren ist recht krankhaft. Er ist abgemagert,

hat blasse Farbe und trübe Augen. Was mag helfen?

Dieser Mann hat in jeder Woche 1) drei Sitzbäder genommen, 2) jeden

Morgen und Abend Brust und Unterleib mit Essig und Wasser kräftig

eingewaschen, 3) in der Woche ein Halbbad genommen, eine Minute lang.

In vier Wochen war der arme Mann von seinem Magenleiden befreit.

Eingenommen hat er bloß täglich zweimal jedesmal zwölf Wermut-Tropfen

im warmen Wasser.

Darmkatarrh (Abweichen, Diarrhöe).

Es gibt Leute, welche ohne besondere Veranlassung Diarrhöe bekommen.

Die Wiederholung kann +regelmäßig+, z. B. zu gewissen Zeiten,

ein- bis zweimal im Jahre, oder +unregelmäßig+ stattfinden. Die

Betroffenen fühlen sich vor und nach den Anfällen wohl und gut. Die

regelmäßigen Diarrhöen rühren daher, daß die kräftige Natur all die

gesammelten überflüssigen Stoffe auswirft. Wie ruhig arbeitet man, wenn

an einem Dampfkessel ein Sicherheitsventil angebracht ist! Wie ruhig

darf man sein, wenn die Natur gleich diesem Kessel das „Zuviel und

Ungesund“ ausspeit!

Gegen derlei Diarrhöe habe ich durchaus nichts zu verordnen; ich

warne sogar, dagegen etwas zu tun. +Meistens+ kommen diese

Ausscheidungen im +Herbst oder Frühjahr+ vor, und uns scheint, daß

die Luft, die Temperatur gut einwirken und mithelfen.[31]

+Beachtenswerter+ sind die +unregelmäßigen Diarrhöen+,

die +mit oder ohne Schmerzen+ stattfinden können. Es sind

Mahnungen für solche Leute, daß in ihrem Körper sich krankhafte

Stoffe angesammelt haben, die, wenn sie nicht entfernt werden, häufig

Verderben anrichten. Man macht in der Tat die Erfahrungen, daß bei

derart Heimgesuchten meistens das eine oder andere Organ krank ist,

und daß solche Kranke sehr oft früh sterben oder wenigstens nicht

besonders alt werden. Oft sind die Diarrhöen +Vorboten von schweren

Krankheiten+. +Bei der Heilung muß vor allem auf den Unterleib

gewirkt+ werden, doch stets +im Wechsel mit Anwendungen auf den

ganzen Körper+. +Plötzliche Stillung+ der Diarrhöe ist +nie

zu empfehlen+; es sollen die faulen Stoffe allmählich entfernt und

die inneren Organe so gekräftigt werden, daß die Natur solch faule

Stoffe gar nicht aufkommen läßt oder sie zur rechten Zeit ausscheidet.

+Nach innen+ wende man +Tee an von Wermut+ mit +Salbei+,

von +Tausendguldenkraut+ mit Salbei, von +Schafgarbe+ mit

+Johanniskraut+, täglich ein bis zwei kleine Tassen; oder man

nehme täglich sechs bis zehn +Wacholderbeeren+. Alle die genannten

Mittel befördern die Verdauung, unterstützen die Magensäfte und

enthalten zugleich Nährstoffe.

Sollte die Diarrhöe +stark+ sein und schon länger dauern, so werde

+zweimal täglich ein halber Löffel voll Heidelbeergeist+ (in

warmem Wasser) eingenommen.

Als +äußerliche Anwendungen+ genügen im Anfange wöchentlich

+drei bis vier Aufschläger auf den Unterleib+ von je 1½ Stunden

(ein vierfach zusammengelegtes Tuch werde zu diesem Zweck in Wasser

mit Essig oder in einen Absud von Fichtenreisern getaucht und auf den

Unterleib gelegt oder gebunden), ebenfalls wöchentlich +ein kurzer

Wickel+. So fahre man +vierzehn Tage+ fort. Nach vierzehn Tagen

können zur Kräftigung in der Woche ein bis zwei +Halbbäder+ folgen

mit Waschung des Oberkörpers und gleichfalls wöchentlich ein bis zwei

+Ganzwaschungen+ nachts vom Bette aus. Dieses für die folgenden

drei bis vier Wochen. Wenn es +dann+ zur Regel würde, +keine

Woche ohne+ wenigstens eine +Ganzwaschung+ oder ein +kaltes

Halbbad+ mit Waschung des Oberkörpers vorübergehen zu lassen, müßte

der ganze Organismus kräftiger und gesünder werden und der berührte

Ausnahmezustand (wenn er nicht tieferliegende Ursachen hat) aufhören.

Ein Herr, 48 Jahre alt, erzählt: „Seit vielen Jahren habe ich mit wenig

Unterbrechung +Abweichen+, ich mag essen, was ich will; habe von

den Ärzten recht viel eingenommen, auch manches Hausmittel gebraucht,

wurde in mehrere Bäder geschickt, doch -- alles vergebens. Besonders

stark ist das Abweichen, wenn ich trinke, sei es Wasser, Bier oder

Wein. Recht trockene Kost ist mir am zuträglichsten. Weil mir alles zu

rasch und zu wenig verdaut abgeht, bin ich nie bei Kraft, und bin ich

auch nicht ganz abgemagert, so sind doch meine Muskeln nur welk.“

Die Anwendungen waren folgende:

1. täglich zweimal Oberguß,

2. täglich einmal im Wasser gehen und

3. einmal Knieguß.

In der zweiten Woche:

den einen Tag Oberguß und im Wasser gehen,

den anderen Tag Halbbad.

Nach diesen zwei Wochen fühlte sich der Kranke frischer, kräftiger und

wohler, aber das Abweichen blieb.

In der dritten Woche bekam er:

1. täglich ein vierfach zusammengelegtes Tuch, in Wasser und etwas

Essig getaucht, auf den Unterleib, 1½ bis 2 Stunden lang,

2. den einen Tag Oberguß und Schenkelguß,

3. den andern Tag Halbbad und Oberguß.

Nach dieser Woche hatte sich der Stuhlgang vollständig geändert.

Eine weitere Woche:

1. jeden Tag ein Halbbad,

2. jeden zweiten Tag ein Tuch auf den Unterleib wie oben.

Zur weiteren Erhaltung der Kraft und Gesundheit reichten aus:

in der Woche zwei Halbbäder und

ein- bis zweimal ein wie oben beschriebener nasser Umschlag auf den

Unterleib.

Zum innerlichen Gebrauch wurden verwendet:

~a.~ Wermuttropfen,

~b.~ Wacholderbeeren, im Wechsel.

Es könnte mancher fragen, warum gerade diese Reihenfolge in den

Anwendungen eingehalten wurde.

Darauf ist zu erwidern:

Die Anwendungen in der ersten Woche suchen den Körper, oben und unten

angefangen, zu kräftigen;

die der zweiten Woche stärkten, wie den Körper im allgemeinen, so die

Organe im Innern;

die der dritten Woche wirkten hauptsächlich auf die Kräftigung des

Magens und der Gedärme.

Auf diese Weise wurde der +ganze+ Körper ausgebessert. Die

Anwendungen der vierten Woche umfaßten den ganzen Organismus in allen

seinen Teilen, und so ist die Ausheilung auch bei diesem Körper

gelungen. -- Was innerlich gebraucht wurde, ist teils zur Aufbesserung

der Verdauung, teils zur Kräftigung der inneren Organe geschehen.

Darmleiden.

Ein Priester, 45 Jahre alt, gibt an:

„Seit mehr als 25 Jahren leide ich an hartnäckiger Stuhlverstopfung

und einige Jahre auch an Magenbeschwerden. Vor zirka acht Jahren

machte ich eine Kaltwasserkur durch. Dieselbe besserte wohl meinen

Magen, aber die Verstopfung blieb. Im Jahre 1885 trat auch Nierenleiden

mit überschüssiger Harnsäurebildung und Grießbildung ein, wogegen

mir der Arzt eine Traubenkur und nach dieser eine zehntägige Kur mit

Glaubersalz verordnete, welche Kuren jedoch einen recht heftigen

Dickdarmkatarrh zur Folge hatten. Nachdem ich mich allen möglichen

Kuren vergeblich unterzogen hatte, wurde mir erklärt, mein Leiden sei

unheilbar und könne wohl gelindert, aber nicht geheilt werden. Es

quälten mich Schlaflosigkeit, Mangel an Appetit, Müdigkeit, Schwere in

den Beinen, Unlust zur Arbeit, Schmerz und Druck in der Nierengegend

und hochgradige Stuhlverhaltung mit Aufblähungen und Spannung des

Unterleibes; die Füße waren stets kalt, der Kopf heiß, der übrige

Körper leicht und stark schwitzend. -- In diesem Zustande entschloß ich

mich nun doch zum kalten Wasser, vor welchem man mich so sehr gewarnt

hatte.“

Dem Herrn wurde folgendes verordnet:

Täglich ein Oberguß, ein Rückenguß, ein Sitzbad; dazu je nach Bedarf

ein Halbbad, Knieguß, im Wasser gehen. Am durchgreifendsten aber hat

der spanische Mantel gewirkt, der ihm ein lieber Freund geworden ist.

Nach 12wöchentlichem Kurgebrauche kam die Verdauung vollkommen in

Ordnung ohne besondere Diät; der Ernährungszustand wurde vorzüglich,

das Körpergewicht hatte um 13 Pfund zugenommen.

Diphtheritis.

Wer überfallen wird von Diphtheritis, muß bemüht sein:

1. die angehäuften Krankheitsstoffe sobald wie möglich zu lösen,

2. auf die ganze Natur einzuwirken, daß die ungeregelte Strömung des

Blutes und der Säfte, welche der Barometer des Fiebers anzeigt, zur

Ordnung komme. Man lasse einen solchen Kranken zuerst einen +Kopfdampf+

nehmen und nach je 20-24 Minuten den +ganzen Körper waschen+. Nach 6-8

Stunden soll er einen +Schal+ überlegen, 1½ Stunden lang, nach jeder

halben Stunde denselben von neuem in frisches Wasser eintauchend. Dann

nehme der Kranke einen +Fußdampf+, gleich darauf ein +Halbbad+ (ganz

kalt) mit Waschung des Oberkörpers. In höchstens einer Minute kann

das Halbbad und die Waschung vollendet sein. Es folgt von neuem der

+Schal+, 1½ Stunden lang anzulegen, wie oben angegeben. Sind diese

Anwendungen vorgenommen, so wiederhole man sie von vorne, auf jeden

halben Tag +eine+ derselben verteilend. Der Kranke +gurgle+ nebenher

fleißig mit +Zinnkrauttee+, täglich zum mindesten vier- bis fünfmal.

Das garstige Übel wird sich in Bälde heben.

Alle die genannten Anwendungen sind so +schuldlos+, daß sie nie schaden

können.

Hat der Kranke (es ist dies eine allgemeine Regel) +zur Nachtzeit+

Ruhe, tritt Schlaf ein, so soll man denselben +ja nicht stören+. Denn

eingetretener Schlaf ist ja ein Beweis, daß die Natur in Ordnung (zur

Ruhe) kommt, und seine stärkende Wirkung macht, daß die Anwendungen

selbst um so bessere Erfolge erzielen.

Bei dieser Gelegenheit sei noch bemerkt, daß, wenn während irgend einer

Anwendung, die das Bett vorschreibt, +ein Kranker in Schlaf+ kommt, man

denselben +nie wecken soll+. Hat das Mittel, die Anwendung ihre Wirkung

getan, so wacht der Kranke regelmäßig von selber auf.

Meine Wasser-Kur Durch mehr als 40 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit · 第 18 / 36 段