indem sie statt der Waschungen +täglich zwei- bis dreimal ein nasses
Hemd+ anzogen, welches der spanische Mantel gut ersetzt hätte.
Nach einer Stunde wurde das Hemd abgenommen und erst wieder angelegt,
wenn Hitze und Bangigkeit groß waren. Die letzten Tage geschah dieses
höchstens noch ein- bis zweimal. Nach acht Tagen war die ganze Kur
vorüber, und von den schrecklichen Narben, die manches Antlitz fürs
ganze Leben entstellen, war keine, auch nicht die geringste Spur zu
sehen.
+Fritz+ kann nicht mehr gehen, er ist todmüde an allen Gliedern.
Sein Aussehen ist zum Erschrecken. Heftiges Kopfweh und lästige
Übelkeiten befallen ihn, und es drückt ihn gewaltig auf der Brust.
Man ruft den Arzt. Dieser erklärt, das seien sichere Anzeichen der
Blattern; es brauche indes zur Entwicklung derselben noch drei Tage.
Ein Abführmittel könne nicht schaden, sonst aber lasse sich nichts tun.
Fritz war damit nicht zufrieden, und da er vom Wasser gehört, ließ er
sich eine Wanne mit Wasser ins Zimmer bringen, unmittelbar neben das
Bett. +Jede Stunde steigt er ins Wasser+ und wäscht sich mit einem
rauhen Handtuche kräftig ab; in ganz kurzer Zeit, in kaum einer Minute,
ist jedesmal die Arbeit fertig. Innerhalb 18 Stunden hat sich der
Kranke achtzehnmal gewaschen.
Bevor der Arzt wieder kam, war Fritz gesund und von seinem
Blatternansatz gründlich geheilt. Gegessen hat er in dieser Zeit nichts
und getrunken nur das liebe Wasser.
Soeben höre ich von einem Freunde, daß er, meinem Rate folgend,
ganz auf diese Weise +4-5 Personen+, die plötzlich vom Fieber
befallen worden waren und bei denen mit Grund der Ausbruch der Blattern
befürchtet wurde, in wenigen Tagen heilte.
+Herrschen an irgend einem Orte die Blattern, Scharlach,
Ausschlagkrankheiten+ und zeigen sich Krankheits-Erscheinungen, so
beginne man möglichst bald mit der Anwendung. Ein +zuwartendes, rein
beobachtendes Verfahren+, „was da wohl sich entwickeln möge“, +ist
stets vom Übel+. Das Feuer greift weiter und verzehrt rasch die
Kräfte. Wer sofort löscht, löscht am leichtesten. Nach wenigen Tagen
schon kann die Rettung zu spät kommen.
Sobald ein Kind oder ein Erwachsener über +Kopfweh+,
+Beengung+, +schweren Atem+, +Husten+ klagt und sagt,
daß aller Mut gebrochen, alle Kraft gelähmt sei, so sind dieses ebenso
viele Fingerzeige, daß die Zeit der Anwendung gekommen. Selbst in
Fällen, in denen man sich täuschte, können letztere (die Anwendungen)
nie Schaden bringen.
Im allgemeinen wiederhole ich an dieser Stelle +folgende Regeln+:
+Die Waschungen seien so kurz als möglich+ und erstrecken sich
+auf den ganzen Körper+ des Patienten.
Das +Zudecken+ (Abschließen der äußeren Luft) nach der Anwendung
geschehe +sorgsam+, nicht zu übermäßig. Man sorge für stete
+Erneuerung der frischen Luft+ (gute Lüftung) und verhüte nur, daß
der Luftstrom dem Kranken direkt in das Gesicht wehe.
Die +Wiederholung des Waschens+ bei jedesmaligem Steigen der Hitze
und der Bangigkeit werde +genau eingehalten+.
+Niemals dränge man+ einen Kranken, insbesondere einen
Schwerkranken zum +Essen+. Der Magen kündigt durch Hunger an,
wann er zur Arbeit wieder aufgelegt ist. Aufgedrungene Speisen läßt er
unverändert liegen. Sie belästigen und sind zuweilen ein Haupthindernis
der Genesung, zuweilen die einzige Ursache eines Rückfalles.
+Welche Torheiten werden in dieser Beziehung oft+, sehr oft aus
Unwissenheit, +besonders auf dem Lande, begangen+! Alles kommt
zum Krankenbett und nötigt in übelverstandenem Eifer und in schlimm
wirkender Wohlmeinung das Essen, das Trinken auf. Man bringt dem
Kranken Süßigkeiten u. a., was in solchem Zustande die Wirkung des
Giftes tut. Man begeht, wie gesagt, unglaubliche Torheiten und sündigt
unwissend schwer gegen die Gesundheit.
+Meldet sich der Appetit+, bittet der Kranke um Festes, um
Flüssiges, so gebe man +ja recht wenige, einfache+ (nicht viel
gesalzene, nicht gewürzte), +milde, leicht verdauliche Speisen+,
niemals bis zur vollen Sättigung. Ich empfehle als Beigabe namentlich
+gut eingekochte Früchte+. +Wasser mit etwas Wein+, +Wasser
mit Milch+ und später +Milch allein+ sind das beste Labsal. Man
hüte sich, den Konditor, den Zuckerbäcker zum Krankenfütterer zu machen.
Man hat bereits mancherorts begonnen, bei +Blattern-Epidemien+
das Wasser als Heilmittel anzuwenden, in vielen Fällen leider viel zu
schroff und abschreckend. Es wäre nur zu wünschen, daß die Anwendung
noch viel allgemeiner und in der Praxis viel gelinder, leichter[29]
würde; zahlreiche Menschenleben könnten so gerettet werden. Nach meinen
bisherigen Erfahrungen wage ich die Behauptung: kein an Blattern
Erkrankter, der nicht außer den Blattern ein anderes schweres Leiden
hat, würde (wenige Fälle ausgenommen) dieser Krankheit unterliegen.
So oft ich lese, wie in einem Jahre Hunderte und Tausende von dieser
Seuche, vielmehr der ihr vorangehenden und sie begleitenden Fieberhitze
hinweggerafft werden, wandelt mich große Schwermut an. Das Löschmittel
steht parat, aber oftmals wird kein Tropfen zur Kühlung, zum Auslöschen
der Hitze verwendet. Wer versteht solches? Daß doch die Wirkung und
Heilkraft des Wassers endlich zur vollen Geltung käme!
+Die Heilung der Blattern durch Wasser+ hat noch den +speziellen
Vorteil+, daß der Giftstoff nie tief einfrißt und daß deshalb nach
solcher Behandlung +niemals die entstellenden Blatternnarben+ das
Gesicht fürs ganze Leben kennzeichnen.
Die +Waschungen+, welche wir in unseren obigen Fällen verordnet
haben, können +ersetzt+ werden durch den +spanischen Mantel+,
den man täglich zweimal, bei großen Hitzen dreimal umlegt je 1-1½
Stunden lang. Man +versäume es nie+, nach jeder Anwendung den
Mantel sorgfältig auswaschen zu lassen; er enthält jedesmal eine Menge
giftiger Stoffe.
Eine weitere Anwendung besteht darin, daß man, zu Bette liegend, ein
zweifach zusammengelegtes grobes Linnen ins Wasser taucht, es auf Brust
und Unterleib legt in Form des +Oberaufschlägers+ (s. Aufschläger)
und nachher in derselben Weise den +Unteraufschläger+ folgen läßt.
Bei großer Hitze kann dieses Verfahren in einem halben Tage zwei- bis
dreimal wiederholt werden.
Blutarmut (Bleichsucht).
Weil der ganze Körper aus Blut gebildet ist und der ganze Körper seine
Größe, seine Kraft und Ausdauer vom Blute hat, so darf ich den Satz
aufstellen: wer gesund bleiben und lang leben will, der muß gutes Blut
und hinlängliches Blut haben. Die Natur bereitet aus Speise und Getränk
das notwendige Blut, und man kann mit Recht sagen: wer gutes Blut
hat, ist gesund, und wer viel Blut hat, ist ausdauernd, und wo wenig
oder schlechtes Blut bereitet wird, werden alle möglichen Krankheiten
eintreten können.
Zu einer guten Blutbildung ist vor allem notwendig eine gute, gesunde
Luft, viel Licht, eine gute, entsprechende Nahrung, welche gutes Blut
geben kann, und die erforderliche Bewegung oder Tätigkeit des Körpers.
Gehen diese notwendigen Bedingungen ab, dann wird auch das Blut
abnehmen, und sind die Nährstoffe nicht gut, dann wird zur Blutabnahme
auch noch krankhaftes Blut bereitet werden.
Blutarmut kann auch eintreten, wenn man Blut verloren hat durch
Verwundungen, Aderlaß und andere Blutverluste.
Wer blutarm ist, der ist auch schwächlich oder krank.
Ein Bild der Blutarmut ist der Bleichsüchtige. Das Gesicht des
Bleichsüchtigen ist blaß, bleich, oft gelblich, bräunlich; besonders
sind die Lippen und das Zahnfleisch abgestanden; die Augenlider
sind matt, und so ist vorherrschend überall Schwäche, Magerkeit,
Mangel an Wärme, gebückte Haltung -- somit ein Bild der Krankheit.
-- Die weiteren Folgen sind: Herzklopfen, schwerer Atem, besonders
beim Treppensteigen, Kopfweh, Kreuzschmerzen, Ohnmacht, Krämpfe,
Magenkrampf, Verdauungsschwäche. Neigung bekommen solche Leute oft zu
Speisen, die weder der Natur zuträglich sind noch ein gutes Blut geben
können.
Als Heilmittel ist einzig sicher, daß der Kranke möglichst viel in
frischer Luft verweilt, wenig im Zimmer, und dieses sei nur spärlich
geheizt; die Kleidung sei ja nicht zu warm und +schließe sich nie
fest+ an den Körper an, damit überall die Luft eindringen kann.
Solche Kranke sollen womöglich vermeiden: dumpfe Luft, wie im Keller,
geschlossene Räume, rauchige Zimmer!
Solche Kranke sollen nur gute, leichtverdauliche Nahrung genießen:
Milch, gutes Brot, gekochte Brotsuppe und von ganz einfachem Mehl
bereitete Speisen; sie sollen recht wenig auf einmal essen; 2-4 Löffel
voll Milch, und dieses öfter, ist am besten; weil wenig Magensäfte
vorhanden, wird sie nicht schnell verdaut und darum schlecht im Magen.
Bewegung und Arbeit im Freien (aber nie über die Kräfte arbeiten!) ist
gut zur Vermehrung des Blutes, und die Gesundheit kommt dann von selber.
Die Anwendungen mit Wasser sind folgende: In der Woche drei- bis
viermal in der Nacht vom Bett aufstehen, sich ganz waschen und gleich
wieder ins Bett; ins Wasser stehen bis über die Waden, eine Minute
lang; gleich darauf kommen auch die Arme ins Wasser, in der Woche
ungefähr zwei- bis dreimal.
Ist der Bleichsüchtige recht schwach und hat er wenig Naturwärme,
so soll anfangs nur warmes Wasser genommen werden, sowohl für die
Waschungen als für die Bäder; in das Wasser kann auch Salz oder
Essig gemischt werden. Um den Appetit zu fördern, ist es recht gut,
täglich dreimal, jedesmal 2-3 Eßlöffel voll, Wermuttee einzunehmen.
Ein vorzügliches Mittel gegen Bleichsucht ist auch, täglich zweimal,
jedesmal eine Messerspitze voll, Kreidemehl in 4-6 Löffeln Wasser
einzunehmen.
Hat sich durch die bezeichneten Anwendungen der ganze Zustand
gebessert, dann können statt der Waschungen und Fußbäder Halbbäder
in der Woche zwei- bis dreimal genommen werden; dann werden Ober- und
Knieguß, nicht zu oft angewendet, ihre Dienste tun.
Ein armes Dienstmädchen wird nicht leicht bleichsüchtig.
+Blutarmut bei einem Kinde+: Eine Mutter bringt einen Knaben, 5
Jahre alt. Der Knabe ist wohlbeleibt, hat eine recht gute Haltung, ist
also recht gut gebaut, aber im Gesicht so bleich, daß die Farbe mehr
die eines Toten ist als die eines gesunden Kindes. Das Kind hat weder
Leben noch Mut, ist ohne Appetit, hat auch keine Kraft, kurz, das Kind
ist so blutarm und der ganze Organismus so untätig, daß es mehr einem
Greise ähnlich sieht. Mehrere Ärzte haben das Kind behandelt, geholfen
hat nichts. Zwei Ärzte haben recht viel Wein zu trinken befohlen; doch
der Zustand blieb der gleiche, und das Kind hatte gegen den Wein wie
gegen alle Kost die größte Abneigung. Was ist hier zu tun?
1) Jeden Tag dem Kinde ein Hemd anziehen, in warmes Wasser getaucht, in
welchem Heublumen gesotten wurden;
2) jeden Tag den ganzen Knaben waschen mit Wasser und Essig;
3) womöglich im Zimmer barfuß gehen lassen; auch ins Freie, in
die frische Luft gehen. Zu essen und zu trinken gebe man einfache
Hausmannskost: Wasser, Milch (aber immer nur kleine Portionen, 2-3
Löffel voll); so 14 Tage lang. Nach dieser Zeit:
1) Täglich in nicht zu kaltem Wasser gehen lassen bis über die Waden,
3-5 Minuten lang;
2) täglich einmal ganz waschen mit Wasser und Essig;
3) in der Woche ein- oder zweimal ein Hemd anziehen, in Salz- oder
Heublumenwasser getaucht.
Mit diesen Anwendungen 14 Tage fortmachen und dann dieselben höchstens
halb so oft gebrauchen.
=Blutbrechen= und =Blutsturz=.
Wenn sich eine Blutung einstellt, so fragt es sich, +ob das Blut aus
dem Magen oder aus der Lunge+ kommt. Auf +Lungenblutung+ kann man
schließen, wenn das Blut unter Husten entleert wird und hellrot und
schaumig aussieht; hingegen auf +Magenblutung+, wenn es durch Erbrechen
entleert worden und von dunkelbraun-roter, kaffeesatzartiger Farbe,
klumpig und geronnen ist. Blutbrechen ist stets erschreckend und
+erheischt Vorsicht+, da es immer größere oder geringere Gefahren in
sich schließt.
+Kommt das Blut aus dem Magen+, wer weiß, welches Äderchen
gelitten hat, ob und wann das Brechen sich wiederholen wird? Eine
Vernachlässigung könnte Blutarmut oder eine schwere Krankheit zur Folge
haben. Man suche darum die wunde Stelle schnell zu heilen, dann hat das
Blutbrechen aus dem Magen keine Bedeutung.
Von +größerer+, oft recht großer +Gefahr ist das Blutbrechen aus der
Lunge+. Man schaffe deshalb möglichst schnelle Abhilfe!
Bei beiden Arten des Blutbrechens ist +Tee von Zinnkraut immer+ ein
erstes Hauptmittel wegen seiner zusammenziehenden Kraft. Ergießt sich
das Blut aus der Nase, so ziehe man nach Können öfters solchen Tee
durch die Nase ein. Kommt es aus dem Munde, so nehme man alle 10-15
Minuten ein paar Löffel solchen Tees ein. -- In der Regel stillt
derselbe sehr schnell. Der Tee werde selbst nach vollständiger Stillung
noch eine gute Zeit genommen. Mir persönlich ist kein Fall bekannt, in
dem Zinnkraut nicht rasche Hilfe gebracht hätte.
Stellt sich das +Blutbrechen öfter+ ein, so müssen die +Ursachen+
erforscht werden. Es ist dann entweder die Lunge krank, und der
Patient gehört zu den Schwindsüchtigen; oder es findet ein zu
starker Blutandrang nach dem Kopfe statt, der gehoben werden muß (s.
„Kongestionen“), oder es rührt von Magengeschwüren her.
Der Blutsturz, den die Verletzung eines edleren Blutorganes zur Folge
hat, sei hier nur erwähnt. Da hat gewöhnlich alle Hilfe ein Ende.
Meistens tritt plötzlicher Tod ein.
Hier ein Wort über das +Nasenbluten+. Viele Menschen haben sehr
häufiges Nasenbluten und machen sich nichts daraus, weil es ihnen
darauf „wohl“ wird. Dennoch ist und bleibt dieser Zustand ein
ungesunder, dem sicher früher oder später eine schwere Krankheit folgen
wird. Abgesehen von allem andern muß notwendigerweise allmählich
Blutarmut, schwaches Blut usw. eintreten und damit die bekannten
Zustände: Angst, Furcht, Erschrecken, Ängstlichkeit, Skrupulantentum
der verschiedensten Art. Als +gute stillende Mittel+ beim Nasenbluten
werden häufig gepriesen: den Betreffenden ohne sein Wissen zu
erschrecken, ihm Wasser ins Genick zu gießen, ihn verschiedene
Haltungen des Kopfes einnehmen zu lassen.
Ich bin gegen all diese oft das Gegenteil bewirkenden Manöver.
Das einzig Richtige scheint mir zu sein, daß man den +Blutlauf in
geregelten Gang+ zu bringen sucht, das übermäßig zum Kopfe steigende
Blut in den Unterleib und in die Füße lenkt, die bei solchen Zuständen
regelmäßig blutarm sind, woraus sich dann später allerhand Schwächen
und Gebrechen ergeben.
Zu dieser +Ableitung des Blutes+ nach unten helfen vortrefflich:
anfangs ein warmes +Fußbad mit Asche und Salz+, 15 Minuten lang, in der
Woche zwei- bis dreimal; desgleichen wöchentlich 2-3maliges +Gehen auf
nassen Steinen+ und 2-3 +kurze Wickel+. Ist die Natur erst erstarkt, so
tun weiter vorzügliche Dienste der +Ober- und Unterguß+ und +Halbbäder+
mit Waschung des Oberkörpers, wöchentlich je eine Anwendung.
Ein +Nasenbluten+ gibt es, das nicht bloß bedenklich ist, sondern
leicht den Tod bringt. Ein Mädchen von 15 Jahren, das in der Zeit der
Entwicklung war, verblutete vollständig innerhalb 2 Stunden. Wie durch
eine Röhre strömte alles Blut aus der Nase, das Bluten endete mit dem
Tode (sog. Bluterkrankheit).
+Mir selbst kam der Fall vor+, daß ein Mädchen von 16 Jahren in
ungefähr 1½ Stunden durch die Nase drei Lavoirs reines Blut verlor.
Die zunehmende Totenblässe und die anrückende Schlafsucht ließen das
Ärgste befürchten. Nachts 2 Uhr wurde ich schleunigst gerufen, die
Verblutende zum Sterben vorzubereiten. Alle Hausmittel waren erschöpft,
ein Arzt nicht zur Stelle. Ungesäumt ließ ich ½ Gießer mit Wasser
auf den Kopf spielen, die andere Hälfte auf den oberen Rücken. Fast
augenblicklich hörte das Bluten auf. Das Mädchen lag mehrere Stunden
ruhig, aber in seiner Schwäche mehr oder weniger bewußtlos da. Kaum
hatte es sich etwas erholt, so meldete sich das Nasenbluten wieder.
Der Guß wurde wiederholt und erzielte dieselbe Wirkung. Zur Hebung der
Schwäche nahm die Kranke -- Appetit und Durst fehlten gänzlich -- jede
halbe Stunde 2-3 Löffel Milch; nach 2 Tagen konnten bereits Kraftsuppen
folgen, die, im Wechsel mit Milch und in überaus geringen Portionen
genommen, allmählich dem so arg geschwächten Körper etwas aufhalfen.
Der +Oberguß+ wurde +täglich pünktlichst+ vorgenommen. Die Blutungen
blieben aus, dagegen meldete sich binnen kurzem ein recht guter
Appetit. In 4-6 Wochen erholte sich die Kranke sichtlich, in einem
halben Jahre fühlte sie wohl im Innern noch Schwäche, im Äußern war das
Aussehen blühend wie früher. Die beginnende Entwicklung mag, wie im
ersten Fall, Ursache der Blutung gewesen sein.
Blutfluß.
Ein Hausvater kommt und erzählt folgendes:
„Meine Frau hat schon länger den Blutfluß und ist am Sterben; bis ich
heimkomme, ist sie vielleicht schon gestorben. Ärztliche Hilfe gibt es
keine mehr. Gibt’s denn gar kein Mittel?“
Ich gab dem Manne den Rat: Die Frau soll 1) anfangs nach je ¼ Stunde
2-3 Eßlöffel voll Zinnkrauttee nehmen, später täglich je 2 Löffel voll;
2) auf den Unterleib ein Tuch legen, in halb Wasser und halb Essig
getaucht, 2 Stunden lang, und innerhalb dieser zwei Stunden nach je 20
Minuten wieder frisch eintauchen. Die Blutung hörte rasch auf, und das
Weib hatte bloß noch zweimal, jedesmal eine halbe Stunde, einen solchen
Überschlag anzuwenden.
Um wieder Blut zu bekommen, hat die beste Wirkung hervorgebracht:
in jeder Stunde zwei Eßlöffel voll Milch zu der gewöhnlichen
Hausmannskost. Nach vier Wochen konnte dieses Weib ihren Hausgeschäften
wieder nachkommen.
Bemerkt sei hier, daß solche Anwendungen nur im Notfalle angezeigt
sind, bis ein Arzt zur Stelle ist.
Blutvergiftung.
Eine Hausmutter hatte sich an einem Finger ganz unbedeutend geritzt,
sie wußte nicht, ob an einem Nagel oder Holzsplitter, -- beachtete
diese Kleinigkeit gar nicht und ging am Abend ins Bett, ohne den
Schaden näher anzusehen; er schien ihr zu unbedeutend. In der Nacht
schon wacht sie auf, empfindet im Finger einen schmerzhaften Krampf,
große Übelkeit, Brechreiz bis zum Erbrechen. Der Schaden war an der
linken Hand, und sie empfindet auch Schmerz und Krampf am rechten
Fuß. Die Hand schwillt stark an bis an den Ellbogen, wird feuerrot,
und innerhalb 10 Stunden tritt am ganzen Arm ein fast unausstehlicher
Schmerz ein. Die Adern bis zu dem Ellenbogen treten stark hervor und
sind ganz dunkel. Arzt war keiner im Ort, und es war sichtbar die
höchste Gefahr im Verzug, es werde die Blutvergiftung die Herrschaft
bekommen. Die Röte war bereits über den Ellenbogen schon zur Hälfte auf
den Oberarm gekommen.
+Heublumen+ wurden mit siedendem Wasser übergossen, und die ganze
Hand wurde mit so heißen Heublumen, als sie dieselben nur ertragen
konnte, eingewunden. Der ganze Arm wurde mitsamt dem Verband in das
heiße Heublumenwasser gelegt, acht Stunden lang. Diese Heublumen
zogen wie ein Zugpflaster am ganzen Arm, und so ist es denselben
gelungen, die Giftstoffe aus dem Blut auszuziehen, mithin wieder ein
Beweis, wie schleunigst eingewirkt werden soll, wenn die Zeichen einer
Blutvergiftung sich zeigen. Vielleicht wäre nach 1-2 Stunden die
Hausfrau schon ein Opfer des Todes geworden. Bemerkt soll noch werden,
daß selbst die Zunge schon eine bläuliche Farbe bekommen hatte. Nach
36 Stunden war auf der flachen Hand die Haut von allem Fleisch so
abgelöst, daß sie hätte abgezogen werden können. Als die Krämpfe in dem
Finger nachließen, hörte auch natürlich alle Übelkeit auf.
Blutzersetzung.
Auf der Heimreise von einer Fastenpredigt besuchte ich einen
+Pfarrer+. Ich hatte auf dem Wege zufällig erfahren, daß man
sein baldiges Ende erwarte. Ich trat ein. Der geistliche Herr saß im
Lehnstuhle und erzählte: „Ich habe 25 Löcher und Wunden am Leibe. Sie
sehen hier im Gesicht 5 Pflästerchen. Deren habe ich 20 am Leibe.
Ganz schnell entstehen kleine Geschwüre mit brauner Flüssigkeit.
Setze ich ein Pflästerchen auf, so hält es einen Tag; beim Wegnehmen
bleibt gewöhnlich etwas abgestandenes, faules Fleisch hängen. So
leide und dulde ich schon seit Monaten, und Hilfe bekomme ich keine
mehr. Quälender noch als die Wunden am Körper empfinde ich den
entsetzlichen Ekel im Gaumen, den ich niemanden beschreiben kann.
Teurer geistlicher Mitbruder, wissen Sie einen guten Rat für einen
Armen, dann geben Sie ihn bald; -- mir scheint es höchste Zeit.“ Ich
riet dem Bedauernswerten, er solle +täglich alle 2 Stunden+ 4-6
Löffel +Tee von Salbei+ und +Wermut+ nehmen, daß ihm der Ekel
aus dem Gaumen schwinde. Dann verließ ich ihn auf Wiedersehen in der
Ewigkeit.
Nach fünf Tagen kam wirklich ein Bote, doch nicht mit der erwarteten
Todesnachricht, sondern mit der Freudenkunde, der +Ekel+ sei
aus dem Gaumen entfernt, und der Kranke spüre schon Verlangen nach
Speise. Der erste Rat habe so vortrefflich gewirkt, ich möchte bald
einen zweiten geben. Ich ließ ihm melden, er solle +während 14 Tagen
täglich+ mit frischem Wasser +Ganzwaschungen+ vornehmen oder
vornehmen lassen, die einzelnen Waschungen so kurz wie möglich. Von
neuem kam die Meldung, der Zustand mache sich, der Appetit sei im
Steigen. Ich verordnete als weitere Anwendungen durch einige Wochen
abwechselnd den einen Tag den +spanischen Mantel+, den andern
eine +Ganzwaschung+. Nach 14 Tagen las der Pfarrer wieder die
erste hl. Messe. Es folgten noch +wöchentlich je ein Kräuterbad+
zu 28° ~R.~ aus +Heublumen+ bereitet, am Schlusse mit kalter
Abwaschung, und +kalte Halbbäder+ (mit Waschen des Oberkörpers)
im Wechsel mit Ganzwaschungen, den einen Tag die erste, den andern die
zweite Anwendung. Der geistliche Mitbruder genas vollkommen und lebte
noch 24 Jahre berufsfreudig in seinem Amte als Pfarrer bis zum Ende
seines Lebens.
Ein Mann kommt und erzählt: „2½ Jahre bin ich krank, und niemand
kann mir helfen. Vor zwei Jahren sind mir beide Füße stark geschwollen
und wurden bis zu den Knien hinauf ganz blau. In jeden Fuß brachen zwei
Löcher, aus denen viel Blut und Eiter lief. Als die Füße etwas besser
wurden, schwoll der rechte Arm stark an, wurde ebenfalls ganz blau, und
auch in ihn brachen Löcher. Der Arm ist jetzt wieder besser; ich habe
aber eine Geschwulst und Schmerzen auf dem Rücken, auf dem obern Kreuz.
Manchmal ist mir der Leib stark aufgetrieben, und ich habe darin große
Schmerzen. Aber noch viel ärger als die erzählten körperlichen sind
meine geistigen Leiden. Ich soll oft schon ganz verwirrt geredet haben.
Wenn’s erlaubt wäre, hätte ich schon oft meinem Leben ein Ende gemacht.
Man hat oft gesagt, es sei mir angetan. Doch sei ihm, wie ihm wolle,
ich kann nicht mehr elender werden.“
Ich verordnete: „Sieden Sie Haberstroh, tauchen in solches
Haberstrohwasser einen Getreidesack und schlüpfen hinein wie in ein
Beinkleid bis unter die Schultern. So werden Sie eingewickelt in eine
Wolldecke, bleiben zwei Stunden darin und gehen dann, so gut Sie
können, Ihren Geschäften nach. Den zweiten Tag tauchen Sie ein grobes
Hemd ebenfalls in solches heißes Wasser, ziehen es ausgewunden an
und lassen sich in eine Wolldecke einwickeln. Am dritten Tag nehmen
Sie einen kurzen Wickel, getaucht in warmes Haberstrohwasser, 1½
Stunden lang. So wird 14 Tage fortgemacht.“ Nach 14 Tagen waren alle
Geschwülste beseitigt; ein Fuß war geheilt, der andere hatte noch eine
kleine Öffnung; der Appetit stellte sich ein, und der Bauer mußte jeden
dritten Tag eine von den drei Anwendungen im Wechsel vornehmen. Nach
drei Wochen war Körper und Geist in Ordnung.
Bruchleiden.
Ein +besonderes+ hervorragendes und +häufiges Leiden unserer
Zeit+ sind die Leibschäden, Brüche der verschiedensten Art. Oft
erscheinen sie plötzlich wie die Schwämme im Walde über Nacht, oft
künden sie sich am Körper durch besonders schmerzende Stellen an. Alle
damit Behafteten zählen unter die Bresthaften, d. h. unter diejenigen,
die nicht mehr zu allen Arbeiten fähig sind; denn jeder Bruch schließt
stets die +Gefahr+ nicht nur heftiger Leiden, sondern bei
Unvorsichtigkeit sogar die des Todes in sich.