+Ich bin der festen Überzeugung+: die arg verkümmerten Augen waren nur

ein Bild, eine Folge des noch ärger verkümmerten Körpers. Und wie vom

welk werdenden Stamme die Blätter und der Blütenschmuck abfallen, so

müssen im siechen Körper auch krank angelegte Augen vorkommen. Treibt

der Stamm von neuem, dann treiben und grünen und blühen auch frisch und

neu Blätter und Blüten.

Ausschläge.

Darunter verstehen wir +alle jene unnennbaren+ und unbezeichenbaren

+Haut-Unreinigkeiten+, die oft in einer Nacht, in einem Tag kommen und

vergehen. Man schenkt denselben wenig oder gar keine Acht. Zuweilen

indessen können sie recht lästig werden und plagen dann die Brust,

den Rücken, die Arme, die Beine oder andere Stellen des Körpers.

+Jahrelang+ kann man die Last tragen, ohne daß sie den Träger krank

macht oder auch nur in auffallender Weise in den Berufsarbeiten stört.

Doch kenne ich Personen, bei denen stets Geistesstörungen eintraten, so

oft der Ausschlag verschwand. Selbst zwei Fälle von Tobsucht sind mir

bekannt, welche ausbrach infolge schnell zurückgetretenen Ausschlages.

Anwendungen, wie sie bei Flechten und Geschwüren angegeben sind,

lockten den Ausschlag von neuem hervor, wodurch die Störungen gehoben

waren. +Diese Kleinigkeiten sind also doch nicht so kleinlich+; sie

können, vernachlässigt, insbesondere in der Reinlichkeitspflege,

+große+ und +schwere Folgen+ haben. Neben +Geistesstörungen+ entwickeln

sich insbesondere gerne +Abzehrung+, +Schwindsucht+, +Leber-+,

+Nierenleiden+ und anderes mehr. Wo der fressende Gesell und seine

Giftstoffe sich einnisten, da verwüsten, zerfressen und zerstören sie.

+Jedem derart Geplagten+ möchte ich raten, er solle früh genug, jetzt,

wo er noch keine der genannten Folgen spürt, +wöchentlich+ (jeden

dritten Tag z. B. eine) +ein paar leichte Anwendungen mit Wasser+

vornehmen. Solche sind der Reihe nach: die +kalten Ganzwaschungen+, der

+spanische Mantel+ und der +kurze Wickel+. +Man erschrecke nicht, wenn+

nach der einen oder nach der anderen Anwendung +der Ausschlag stärker+

auftritt. Das ist ja ein trefflicher Beweis ihrer Wirkung. Man stelle

die Anwendungen nur nicht ein, sondern fahre um so entschiedener damit

fort!

Wer den Rat befolgt, wird an sich erfahren: Das Ende jeder Anwendung

gut, aller Ausschlag gut. +Jeder Unparteiische+ urteile selbst, ob es

besser sei, zu derartigen Reinigungen die häßlichen und abscheulichen

Salben, heißen sie nun Schönheitsmilch, Wunderbalsam usf., zu

gebrauchen oder das reine, kristallklare Wasser. Was mögen derlei

ausgeschriene und jetzt bald in jedem Zeitungsblatte ausgehängte

Salbereien für Zeug enthalten! Mancher und manche würden rot werden vor

Scham, wenn seine Herren Kollegen, wenn seine hohen Verwandten wüßten,

daß auch er oder sie unter die Quacksalber gegangen. Doch das hilft

alles nichts, ich weiß es wohl. Die Welt hat gesalbt, und die Welt

salbt. ~Mundus vult decipi~, d. h. die Welt wird weiter schmieren und

salben. ~Habeat sibi!~

Ein Landwirt erzählt: „Ich habe schon mehr als zwei Jahre einen

Ausschlag im Gesicht und am ganzen Körper. Manchmal sieht man wenig,

dann kommt er aber stellenweise recht stark heraus. Ich bin sonst

gesund; aber wenn sich dieser Ausschlag noch mehr verbreitet, wie

es den Anschein hat, dann weiß ich nicht, welches Schicksal mich

noch treffen wird. Ich habe schon vieles und verschiedenes dagegen

gebraucht, doch alles umsonst.“

Anwendungen: 1) In der Woche zwei warme Haberstrohbäder mit zwei

Wechseln, jedesmal 15 Minuten ins warme, eine Minute ins kalte Wasser,

oder sich kräftig abwaschen. 2) Dreimal in der Woche in der Nacht

vom Bett aus oder beim Aufstehen den ganzen Körper mit kaltem Wasser

waschen. 3) Täglich eine Messerspitze voll weißes Pulver, wie in der

Apotheke beschrieben. So 3-4 Wochen fortmachen, dann jede Woche ein-

bis zweimal den ganzen Körper waschen oder, statt zu waschen, ein

Halbbad nehmen.

Auszehrung.

Wir kennen viele Menschen, die außerordentlich schnell beleibt werden.

Man fürchtet dieses im allgemeinen, weil die oftmals begründete Meinung

herrscht, daß solche Leute meistens nicht lange leben. Desgleichen

sind uns +viele+, Männer, Frauen und Kinder, +bekannt+, bei

denen gerade das Gegenteil stattfindet, +deren Kräfte auffallend

rasch abnehmen+. Sie gleichen dem Gras auf dem Feld, das heute grünt

und morgen dörrt, und das Merkwürdige an der Sache ist, daß solche

Kranke sehr häufig gar kein besonderes Leiden fühlen. Sie klagen meist

nur über Mattigkeit, wenig guten Humor und entweder sehr großen oder

gar keinen Appetit. Kommt man da nicht bald mit der Hilfe, so welken

solche schon halbdürre Pflanzen nach und nach ganz ab; sie löschen aus

wie ein schwachbrennendes Nachtlichtlein. Vielleicht kommt noch eine

akute Krankheit dazu, die dem glimmenden Dochte rasch ein Ende macht.

Kranke dieser Art kommen mir, um ein Bild aus dem alltäglichen Leben

zu gebrauchen, vor wie ein Haus, das gebaut wurde aus schlechtem Kalk

und Mörtel, das bald baufällig wird und bei dem in kurzem alles aus den

Fugen geht. Er ist an der Brightschen Krankheit gestorben, hört man

oft sagen. Das war so ein Zusammenbrechen eines morschen, baufälligen

Körpers. Verschiedene Bezeichnungen für eine und dieselbe Sache! Gut

essen und trinken hilft da nichts mehr. Wirf an ein zerfallendes

Haus an diesen oder jenen Fleck noch einige Kübel Mörtel -- jeder

Vernünftige wird lächeln! +Die Auszehrung unterscheidet sich von der

Schwindsucht+ dadurch, daß bei dieser die Krankheit von einem Organe

ausgeht, sei es von der Lunge, der Brust, dem Kehlkopf usw., und von

diesem Punkte weitere Kreise zieht, bei jener aber mehr eine allgemeine

Auflösung, ein Ruin des ganzen Körpers stattfindet. +Oft sucht+

man den +Hauptsitz+ oder den +Ausgangspunkt+ der Auszehrung

in den +Nieren+, im +Unterleibe+; vielfach ist jede genaue

Bestimmung vor der Sektion unmöglich; gar oft täuschen die scheinbar

bestimmtesten und sichersten Zeichen.

1. +Ein ziemlich korpulenter Herr+ erfreute sich stets der besten

und ausdauerndsten Gesundheit. Seine Lebensweise und Diät waren wohl

geordnet. Plötzlich merkte er, daß seine Kräfte und seine Korpulenz

schwinden. Er fühlte Schwindel im Kopf und getraute sich nicht mehr

zu stehen, ohne sich festzuhalten. Peinlich vor allem war ihm der

Gedanke, auf dem Boden ausschreiten, gehen zu sollen, ohne daß die

Füße einen besonderen Halt hätten. Kaum sechs Wochen waren vergangen,

und der Patient hatte 72 Pfund am Körpergewicht abgenommen. Der große

und selten schöne Mann von ehedem wankte und schwankte daher wie ein

geknicktes Rohr, leblos und tot wie ein Dürrling (dürrer Baum) im

Walde. Alle ärztlichen Mittel wollten nichts helfen; der Kranke sah

seiner baldigen Auflösung mit sicherem, aber wehmütigem Auge entgegen.

In diesem Zustande und in dieser Stimmung kam er zu mir; ich erkannte

ihn nicht wieder, obwohl er mir sonst ein lieber Bekannter war. Ich

selbst zweifelte an der Möglichkeit eines Wiederaufkommens. Doch riet

ich, +einen letzten Versuch mit Wasser+ zu machen.

Die +Natur+, die in ihrer Selbstvernichtung begriffen war, +mußte

gestärkt+ und dem selbstmörderischen Treiben gesteuert werden.

Täglich zwei- bis dreimal ging der Kranke +barfuß im nassen Gras+

oder +auf nassen Steinen+. +Jeden weitern Tag+ nahm er einen +Ober-+

und +Unteraufschläger+, in der Woche einmal den +spanischen Mantel+.

Diesen Anwendungen folgten +wöchentlich zwei Halbbäder+, ein +kurzer

Wickel+ und +ein Ober- und Unteraufschläger+. Die Halbbäder lösten

sodann +Ganzbäder+ ab, und zwar +kalte+ von je einer Minute Dauer und

+warme mit zweimaligem Wechsel+, von beiden Arten +je eines+ in der

Woche; ebenfalls +wöchentlich eine Ganzwaschung+. Zur +Ausheilung+ und

zur Bewahrung vor einem Rückfall verordnete ich wöchentlich ein kaltes

Ganzbad, einen Oberguß mit Knieguß und hin und wieder den spanischen

Mantel. Das Bier wurde von vier bis fünf Glas auf zwei reduziert; die

Kost mußte einfach und nahrhaft sein.

Schon nach +Schluß der ersten acht Tage+ war +Besserung+ eingetreten:

+Stillstand der Kräfte-Abnahme+ und +Erstarkung+. Nach acht Wochen

konnte der Genesene wieder seinen Berufspflichten vorstehen. Er nahm

zu wie an Kraft, so auch wieder an Korpulenz und ist heute noch ein

gesunder, stattlicher und kräftiger Mann.

2. +Eine Mutter+, blühend wie das Leben, verlor in wenigen Wochen die

Frische des Aussehens und alle Kraft. Allgemein war über sie schon das

Todesurteil gefällt worden, zumal die ärztlichen Mittel ohne Wirkung

blieben. In ihrer Not flüchtete sie zum Wasser.

+Zweimal in der Woche+ zog sie +ein nasses Hemd+ an und wickelte sich

in die trockene Wollumhüllung, in der sie je eine Stunde blieb. Dann

nahm sie ebenfalls +wöchentlich zwei Halbbäder+ und setzte beide

Übungen +14 Tage lang fort+. Der Zustand besserte sich. An Stelle der

früheren Anwendungen traten jetzt +wöchentlich ein kurzer Wickel+

und +einmalige kalte Ganzwaschung+ vom Bette aus. Die vollständige

Gesundheit ward der Mutter, die gesunde Mutter den erfreuten Kindern

wieder geschenkt.

Bei +derartig Leidenden+ kann man (wie oben bei den

Krankheits-Erscheinungen schon gesagt wurde) die +Bemerkung+ machen,

daß sie bald zu viel Nahrung einnehmen, so daß die geschwächte Natur

dieselbe nicht in der rechten Ordnung zu Säften, Blut, Knochen, Fleisch

usf. verarbeiten kann. Es müssen schlimme Folgen eintreten, wie

anormale Fettbildung, Anstauungen von Blut, von Säften usw. Die gut

verteilten Wasseranwendungen lösen auf, leiten Unbrauchbares ab, regeln

und ordnen den Blutumlauf, kräftigen und stärken den Organismus.

+Noch ein Fall ist möglich.+ Die Nahrung wurde eingenommen, geht

aber ohne die gehörige Ausnützung wieder ab. Die Organe sind schwach

und matt, untätig und arbeitsunfähig; sie sind in ihren Funktionen

ganz geschwächt. Auch da müssen große Störungen im Körper entstehen,

die Gesundheit muß untergraben werden. Schneide, welcher Pflanze du

willst, die Saugwurzeln ab, sie muß zugrunde gehen. Den Saugwurzeln

gleichen die Organe. Das Wasser kräftigt, erfrischt sie. Du kennst das

oberschlächtige Wasserrad. Es kommt der Sturzbach, die ganze Maschine

gerät in Bewegung und Tätigkeit, alle Schaufeln drehen sich. So rüttelt

das Wasser, das in geordneter Weise den untätigen Körper trifft, alle

Organe aus ihrer Schläfrigkeit und Schlaffheit. Sie arbeiten wieder,

und neues Leben pulsiert im neu auflebenden Körper.

+Wie viele junge Leute+ tragen heutzutage derlei sieche Leiber,

wahrhaft schon halbe Leichname, mit sich herum! Ich wünsche allen

von Herzen, daß sie zur rechten Stunde noch die rechte Hilfs- und

Heilquelle auffinden mögen!

Beinfraß.

Ein Herr von Stand bekam eine +kranke Zehe+; er glaubte, der

Nagel sei etwas beschädigt worden, und hielt die Sache keiner weiteren

Beachtung wert. Die Zehe indessen entzündete sich und machte es

notwendig, den Arzt herbeizuziehen. Dieser verordnete während mehrerer

Wochen verschiedene Mittel. Die Zehe sei gut, meinte er, obschon die

Entzündung an Ausdehnung gewonnen hatte und der ganze Fuß mächtig

angeschwollen und zum Gehen und Stehen durchaus unbrauchbar war. Der

Kranke ahnte nicht, was eingetreten war, bis sich eines Tages +zwei

kleine Beinchen aus- und ablösten+. Daraufhin bekam er Mißtrauen

zu seinem Fuße und zu all denen, die denselben bislang für ganz

ausgezeichnet gehalten und erklärt hatten. Der Herr kannte mich und bat

mich, nachzusehen. Es war +Beinfraß+ eingetreten. Alsbald ließ

ich +Zinnkraut+ in Wasser sieden und den kranken Fuß, soweit die

Geschwulst reichte, mit in den Absud getauchten Tüchern überschlagen.

Innerhalb ganz kurzer Zeit war die Geschwulst und der noch junge

Beinfraß gehoben; der Fuß heilte wieder zu, und sein Herr gebrauchte

ihn wie früher.

+Nach ungefähr einem Jahre meldete sich das fatale Leiden von

neuem+, diesmal +an dem anderen Fuße+, und zwar genau wieder

an der großen Zehe. Der Arzt durchschnitt die Zehe und wendete scharfe

Mittel an, welche die Zehe zuheilten. Während des Heilens spürte der

Patient am anderen Fuße einen ähnlichen anhaltenden Schmerz wie früher

vor dem Auftreten des ersten Leidens. Die Heilung der Zehe schritt

indessen weiter und wurde schließlich als fertig und gelungen erklärt,

wenn auch die durchschnittene und geheilte Zehe um die Hälfte dicker

und immer etwas gerötet blieb. Der berufseifrige Herr konnte gehen und

arbeiten, und was wollte er auch mehr? Als einer, der mit der Wahrheit

nicht hinter dem Berge hält, sondern immer gerade herausrückt, wurde

ich gemieden und nicht weiter gefragt. Mir war das lieb; denn meine

Antwort hätte lauten müssen: Die Krankheit ist teilweise gehoben,

aber nicht entfernt. Die Folge wird sein, daß früher oder später der

Beinfraß weiterfrißt. Ich hatte mich nicht getäuscht; so kam es. +Wie

mußte dieser Fuß behandelt werden?+ Notwendig müssen +beide Füße

zugleich+ in Behandlung kommen, so lange, bis kein Fleckchen von

besonderer Röte mehr zu sehen und keine Spur von Schmerz mehr zu fühlen

ist. Sie sind zu behandeln mit in +Haberstrohabsud+ eingetauchten

+Fußwickeln+, in der Art, daß die Füße täglich einige Male

umwickelt werden und die Wickel über die kranken und schmerzhaften

Stellen etwas hinausreichen. Die vollständige und wirkliche Heilung

wird nicht allzulange währen.

+Wie kommt es wohl+, daß in unserem Falle +gerade in den Füßen

der Beinfraß sich festsetzte+? Weshalb nicht z. B. in den Händen

oder Armen? -- Dieser Herr hatte früher eine schwere, langwierige

Krankheit durchgemacht, als deren Folge eine große Schwäche, besonders

in den Füßen, zurückblieb. Möglich, daß darin kranker, giftiger Stoff

liegenblieb. Sicher ist, daß bei dem dermaligen Rekonvaleszenten die

Füße wegen ihrer schweren Arbeit (sie allein tragen stets den Körper,

und oft was für einen!) sich nie gehörig erholen konnten und so als der

schwächere Teil den Angriffen des Giftstoffes leicht erlagen.

Der Herr lebt noch. Er darf recht achthaben, wenn er vom Beinfraß nicht

mehr will heimgesucht werden. +Bei den geringsten Anzeichen+

möge er alsbald meinen freundlichen und gutgemeinten Rat befolgen und

mit den Umschlägen von Zinnkraut- oder Haberstrohabsud nicht zögern.

~Sero venientibus ossa!~ Der Herr ist Lateiner, er lächelt und

versteht mich. Wer nicht Latein kennt, soll nicht grübeln und sich kein

graues Haar wachsen lassen, wenn ich diesmal gegen meine Gewohnheit die

Fremdwörter nicht verdeutsche.

Andere Fälle mit geheiltem Beinfraß übergehe ich, da sie jüngere

Personen betreffen, bei denen im Beginn des Leidens die Heilung leicht

und schnell zustande kommt.

Bettnässen.

Dieses Übel kommt bei der heranwachsenden Jugend beiderlei Geschlechtes

häufig vor. Auch gibt es viele Erwachsene, die bis in die 20er Jahre

und noch länger daran leiden. Man findet in Zeitungen allerlei Mittel

ausgeschrieben und angepriesen; gewöhnlich ist’s nur Schwindel.

Leider, daß diese oft sehr schädlichen Mittel angewendet und solche

unglückliche Kinder noch mit Rute und Stock gezüchtigt und verhöhnt

werden, was doch gewiß nicht helfen, sondern das Übel nur ärger machen

kann. Mir wurde von einer Anstalt erzählt, daß die betreffenden Kinder

jedesmal vor dem Schlafengehen bestraft wurden. Die armen Geschöpfe

können vor Angst und Furcht nicht sogleich einschlafen, geraten dann

um so tiefer in Schlaf, und um so sicherer behauptet das Übel die

Herrschaft. Der Grund des Leidens liegt in der Schwäche der Natur; wird

diese gekräftigt, so muß jenes in Bälde weichen.

Sechs Kindern von 8 bis 13 Jahren riet ich, sie sollen täglich in einer

Badewanne mit so viel Wasser, daß es bis an die Waden reicht, hin

und her gehen 3-5 Minuten lang, dann im Zimmer oder im Freien rasche

Bewegung machen, damit die Naturwärme schnell wiederkehre. Nach fünf

Tagen passierte nur noch zwei Kindern das Unglück; in wenigen weiteren

Tagen waren auch diese geheilt.

Eine zweite Anwendung bestand darin, daß sie nach dem Gehen im Wasser

auch die Arme zwei Minuten in kaltes Wasser hielten, was sichtlich

nicht bloß gegen fraglichen Fehler wirkte, sondern den zuvor krank

aussehenden Kindern eine gesunde Gesichtsfarbe verlieh.

Auch bei Erwachsenen kann das angegebene Mittel ausreichen. Nur wenn

durch Schwäche auch die Säfte mit dem Blute sehr heruntergekommen sind,

empfiehlt es sich, täglich eine Tasse Schafgarbentee zu trinken, die

eine Hälfte am Morgen, die andere am Abend.

Bemerkt sei hier, daß das kälteste Wasser am wirksamsten ist. Ich

machte bei solchen Kindern den Versuch mit warmen Bädern und erreichte

das Gegenteil

Blasenkatarrh.

Ein Herr berichtet: „Ich bin 30 Jahre alt, leide nun schon drei Jahre

an Blasenkatarrh und habe mir dieses Leiden infolge von Überanstrengung

im Beruf und besonders durch allzu langes Aufhalten des Harns

zugezogen. Im Anfange verrichtete ich noch zwei Monate lang die mir

obliegenden Arbeiten unter großen Schmerzen, bis ich bei Tische

plötzlich einmal vor Schwäche und Schmerz zusammenbrach. Vier Monate

lang bin ich krank im Bette gelegen und so elend geworden, daß mein

Körper einem Totengerippe gleich war, -- mein Körpergewicht betrug

bloß mehr 82 Pfund. Der Arzt verordnete mir nun Wildunger-Wasser,

wovon ich etwa 100 Flaschen getrunken habe, und warme Sitzbäder. Ich

bekam zudem noch einen sehr heftigen Magen- und Darmkatarrh. Nach vier

Monaten, als es Frühling wurde, ging es besser. Im Sommer sodann ging

es mir erträglich, wiewohl ich immer noch zeitweise große Schmerzen

verspürte und der Urin sehr oft, ja beinahe täglich noch trübe war.

Der Winter aber brachte mir wieder ein ganzes Heer von Schmerzen; erst

der folgende Frühling und besonders der Sommer halfen mir wieder auf

die Beine. Aber im Winter 1887 steigerten sich die Blasenschmerzen

wiederum mit jedem Tage; der Urin floß immer spärlicher, ward trüber,

und ich mußte drei Wochen das Bett hüten. Meine körperlichen Kräfte

schwanden immer mehr, so daß man glaubte, eine Art Abzehrung habe sich

eingestellt. Am Unterkörper war ich zumeist kalt und konnte mich trotz

des geheizten Zimmers, der fünf Unterbeinkleider und der drei Paar

Strümpfe nicht erwärmen; es ging abwärts mit mir. Der Arzt sagte, ich

solle mich nur recht warm halten, und gegen das Blasenleiden verordnete

er teils Wildunger-, teils Kronenquell-Wasser, wovon ich etwa 150

Flaschen leerte. Auf vielseitges Anraten entschloß ich mich, sobald die

Witterung es erlaubte, nach Wörishofen zu gehen.“

Der Patient sah sehr abgemagert und elend aus, hustete aber nicht. Ich

gab ihm gute Hoffnung auf Wiederherstellung. Schon am dritten Tage

bekam er eine bessere Gesichtsfarbe, die Schmerzen nahmen von Tag zu

Tag ab, der Urin floß reichlicher und heller, und nach vier Wochen

erklärte er: „Nun bin ich wieder der frohe, heitere, gesunde Mensch wie

ehedem, -- dies hat das Wasser getan.“

Der Erfolg war ein außerordentlich günstiger. Ein Arzt, der sich

speziell mit Blasenleiden beschäftigt, erklärte den Herrn für

vollständig hergestellt und war ganz erstaunt über den Heilerfolg.

Die Anwendungen waren: Anfangs einigemal Leibstuhldampf mit

Zinnkrautabsud; ferner drei Wochen lang vor- und nachmittags Oberguß

und Wassertreten; später Sitzbäder und Oberguß, täglich abwechselnd;

außerdem anfangs Tee von Zinnkraut und Wacholderbeeren.

Blasenleiden, nervöses.

Ein Lehrer berichtet: „Meine Krankheit wird von den Ärzten bezeichnet

als „nervöser Reizzustand der Blase und des Unterleibes“. Seit ungefähr

15 Jahren leide ich an Urinbeschwerden, bald mehr, bald weniger. Mit

Beginn dieses Frühjahres stellte sich das Leiden wieder in besonders

hohem Grade ein. Oft mußte ich in einer Nacht 15-20mal unter heftigem

Drang den Harn lassen. In dem reichlichen Niederschlage fanden

sich viele Salzkristalle, später auch Schleim. Dabei litt ich an

hartnäckiger Stuhlverstopfung, Blähungen, oftmals, besonders nachts,

an heftigem Erzittern des Körpers, hauptsächlich des Unterleibes,

verbunden mit Kältegefühl, zuweilen auch an nervösen Zuckungen in den

Beinen. Vollständige Appetitlosigkeit und Schlaflosigkeit haben mich

sehr geschwächt.“

Die Anwendungen waren folgende:

1) in jeder Nacht Ganzwaschung;

2) den einen Tag einen kurzen Wickel, den andern ein in warmes

Salzwasser getauchtes Hemd anziehen;

3) täglich eine Tasse Zinnkrauttee, worin 20 zerstoßene

Wacholderbeeren mit abgesotten waren, trinken; so drei Wochen lang.

In kurzer Zeit stellten sich Schlaf und Appetit ein, und +eine+

Krankheitserscheinung schwand nach der anderen. Nur blieb noch

Mattigkeit und Schmerz in den Beinen zurück. Dagegen folgendes:

1) früh ein Oberguß;

2) nachmittags ein Knieguß;

3) manchmal ein Halbbad.

Die letzten Reste der Krankheit waren bald verschwunden.

Blasenstein.

Ein Herr in den schönsten Jahren erkrankte. Er bekam heftige Schmerzen

in den Nieren, und es wollte durchaus kein Wasser mehr abgehen.

Herbeigerufene Ärzte erklärten, es sei ein Stein in der Blase, der aber

nur durch Operation entfernt werden könne. Der Kranke wollte sich dazu

durchaus nicht verstehen.

Den kranken Herrn besuchte ein Bekannter, um sich über sein Leiden

zu erkundigen. Diesem klagte der Patient seine Not und erhielt den

Rat: mittags, abends und morgens ein warmes Sitzbad von Zinnkraut zu

nehmen und vor jedem Bad eine Tasse Tee von Zinnkraut zu trinken. In 36

Stunden ging ein Stein ab in beinahe Haselnußgröße. Plötzlich war aller

Schmerz weg und der Mann gesund.

Blattern.

Was Scharlach im kleinen, das sind die Blattern im großen. Giftig

ist schon der Scharlach, giftiger sind die Blattern, seien es die

weißen oder die schwarzen. Die Behandlung bleibt für alle Fälle

dieselbe. Man sagt gewöhnlich, wenn die Blattern nicht hervortreten,

so müsse der Kranke daran sterben. Darum kann nichts Besseres getan

und sorgfältiger getan werden, als +so schnell wie möglich den

Blatternstoff an die Oberfläche der Haut zu leiten+, um so im

Inneren die ärgste Vergiftung zu verhüten und eine rasche Ableitung

vorzunehmen.

+Sechs Personen+, die an den +weißen Blattern+ erkrankten,

wurden geheilt, indem dieselben +so oft gewaschen wurden, als die

Hitze recht groß+, die Bangigkeit fast nicht auszuhalten war.

+Anfangs+ war es +jede Stunde+ notwendig, später alle zwei

Stunden, nach längerem Verlauf im Tage nur noch zwei- bis dreimal.

Am siebenten Tage waren die sechs Kranken vollständig gesund.

+Gegessen+ haben sie fast nichts, was am besten ist, getrunken

ziemlich viel, was nicht schadet, wenn nur in kleinen Portionen

getrunken wird. Daß alle Patienten dies beachteten! Viel Trinken auf

einmal löscht den Durst nicht nachhaltig und vermehrt die Bangigkeit.

Ich selbst mußte oft staunen, wie durch obige Behandlungsweise, durch

die einfachen Waschungen, die Blattern +stets auf der Oberfläche der

Haut+ erschienen. Sie zeigen sich als kleine, spitzige Erhöhungen,

aus der Haut hervortretend, ähnlich den Fröschen, die über das Wasser

hervorschauen. +Man wasche ohne die geringste Scheu!+ Je bälder

und pünktlicher solches geschieht, desto schneller entwickeln sich

die Bläschen, desto rascher wird der Giftstoff ausgeleitet. Ehe er zu

den Geschwüren sich entwickeln kann, wird er, wenn ich so sagen darf,

gleichsam weggewaschen.

+Noch eines+: Man gönne den Kranken auch die +frische Luft+,

die ehedem so sehr mißgönnte und gefürchtete. Immer sei eine, wenn auch

kleine Stelle geöffnet, bei der sie eindringen kann.

Das Waschen geschehe so schnell, +daß höchstens eine Minute zu

einer Waschung gebraucht werde+. Auf diese Weise können +bei

Erwachsenen+ ebenso leicht die +Blattern+ wie bei den Kindern

der +Scharlach+ geheilt werden. Bemerkt sei noch, +daß die

gelindeste Anwendung die beste ist+.

Meine Wasser-Kur Durch mehr als 40 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit · 第 16 / 36 段