wo die Bäuerin Brot aus Spelz gebacken hatte, der dem Weizen ähnlich
ist. (Auch dieses Getreide wird bei den Landleuten möglichst genau
eingemahlen.) Er kaufte sich zwei solcher Brote und verfuhr wie
beim schwarzen Brot. Er mischte dann das gewonnene Brotmehl mit dem
früher genannten durcheinander und ließ sich von dieser Mischung die
Kraftsuppe machen, wie vorhin beschrieben ist. So bekam er sechserlei
verschiedene Suppen, die auch selbst in ihrer Kraft verschieden sind.
Der Wechsel mit denselben ist sehr gut, damit die Suppe nicht so leicht
widersteht.
Diese Kraftsuppe ist ganz vorzüglich für recht +schwache Kinder+,
weil sie leicht verdaulich und recht nahrhaft ist und keine Gase
bewirkt. Sie ist auch der schwachen, +heranwachsenden Jugend+ zu
empfehlen, um die Blutarmut zu heben, durch welche der Körper sehr
leidet.
Diese Kraftsuppe ist ferner gut +für die Kranken+, weil sie
der heruntergekommenen Natur viel Nährstoff bringt. Endlich ist sie
besonders dem +hohen Alter+ zu empfehlen. Wenn die Zähne fehlen,
um die festen Speisen gut zerkauen zu können, so soll man sich an diese
Suppe halten. Es sollte keine Familie geben, wo die Kraftsuppe nicht
eingeführt ist. Ich habe sie einst einem hohen Beamten geraten, der mir
später versicherte, er kenne keine gesündere und nahrhaftere Suppe.
Bereitung des Honigweins.
(Sehr empfehlenswert für Gesunde und Kranke.)
Die alten Deutschen hatten wenig oder auch keinen Wein. Das braune
Bier kannten sie nicht, weil es noch keines gab. Ihre Speise war sehr
einfach, und dennoch waren sie ein mächtiger Volksstamm; sie erreichten
ein hohes Alter und erfreuten sich einer außerordentlichen Gesundheit.
Dieses hohe Alter und diese außerordentliche Gesundheit schrieben sie
dem Met (Honigweine) zu. Es ist nur schade, daß dieses edle Getränk so
wenig bekannt und an dessen Stelle das allgemein verbreitete Braunbier
als Getränk gekommen ist, das durch die vielen Verkünstelungen oft
nicht mehr als gesundes Getränk betrachtet werden kann. Es sind in
den größeren Werken über Bienenzucht gewöhnlich auch Rezepte, wie der
Honigwein bereitet werden könne. Man hört aber auch oft die Klage, daß
man Versuche gemacht habe, diese Rezepte nachzumachen, aber nie zu
einem glücklichen Resultate gekommen sei.
Ich lasse ihn gewöhnlich bereiten, wie folgt: Ich lasse in einen
recht reinlichen kupfernen Kessel 60-65 Liter weiches Wasser bringen.
Ist dasselbe ziemlich warm geworden, so werden zirka 6 Liter Honig
darangerührt. Nun läßt man Wasser und Honig recht gelinde 1½
Stunden sieden. Zeitweilig wird der schmutzige Schleim, der sich oben
ansetzt, weggeschöpft. Ist die Zeit des Siedens vorbei, dann wird
dieses Honigwasser ausgeschöpft in blecherne oder irdene Geschirre.
Ist dann selbes so abgekühlt, daß es noch mehr Wärme hat als das
Wasser, das an der starken Sonnenhitze erwärmt wurde, dann wird es in
ein sorgfältig gereinigtes Faß gebracht. Der Spund wird daraufgelegt,
aber nicht befestigt. Ist der Keller ziemlich warm, dann beginnt nach
5-10 Tagen die Gärung. Nach ungefähr 14 Tagen Gärungszeit wird dieser
junge gegorene Honigwein in ein anderes Faß abgezogen. Die Hefe bleibt
natürlich weg. Im zweiten Faß dauert die Gärung ungefähr 10-14 Tage,
und wenn der Honigwein ganz ruhig wird, daß man im Fasse nichts mehr
hört, dann wird das Spundloch geschlossen. Nach 3-4 Wochen wird er hell
und ist trinkbar. Wird er dann in Flaschen abgezogen, gut verstöpselt
und in kalten Sand gebracht, so moussiert er in einigen Tagen ziemlich
stark. Dieses Getränk ist sehr kühlend; deshalb trinken es die
Fieberkranken recht gerne. Wenn Kranke weder Wein noch Bier trinken
können, so ist ihnen ein solcher Honigwein ein Labsal. Er ist aber auch
den Gesunden ein gutes Getränk; er soll jedoch nur in kleinen Portionen
getrunken werden, sonst widersteht er.
[Illustration]
Dritter Teil.
Krankheiten.
[Illustration]
[Illustration:
Jegliches Kräutlein der Erde
preise den Namen des Herrn.
]
Einleitung.
Die folgenden Krankheitsfälle beruhen nicht auf Einbildung und
Erdichtung. Es sind lauter aus dem Leben gegriffene +Tatsachen+,
und für jede in denselben genannte oder angedeutete Persönlichkeit
stehe ich jederzeit ein. Sie wollen nicht Lärm schlagen oder groß tun,
sondern unterrichten und im Leben dienen.
Nur zu gut weiß ich selbst, welch +mangel-+ und +lückenhaftes
Stückwerk+ dieser dritte Teil bildet, wie wenig er die Krankheiten
erschöpft, d. i. vollständig aufzählt. Zum Teil hat die Zeit solches
nicht erlaubt; in der Hauptsache aber wollte ich es gar nicht anders
haben. Ich wollte nämlich nicht trocken die einzelnen Übel und deren
Heilmittel herbuchstabieren; ich wollte mit Absicht und mit Rücksicht
auf den mir zunächst vor Augen schwebenden Leserkreis die gewählten
Fälle mehr in +Unterhaltungsform+ beschreiben, doch so, daß jeder
Einzelfall zugleich Winke und Lehren gibt über die Zeichen (Symptome)
der betreffenden Krankheit, über die gute Auswahl der Anwendungen usw.
Wie der im Garten einen Strauß windende Gärtner nicht von allen
Blumen pflückt und nicht von jeder Sorte die gleiche Anzahl, so
suchte ich auch auf dem Krankheitsfelde die am häufigsten unter uns
vorkommenden Krankheiten und unter diesen diejenigen Fälle aus, welche
mir besonders lehrreich zu sein schienen. Ob und inwieweit ich’s
getroffen -- der Wille war gut! Und ich denke, wer mit gutem Willen
ohne Voreingenommenheit liest, kann auch im Sande manches Goldkörnchen
finden.
Über die +Schreibform+ im allgemeinen habe ich in der Vorrede
gesprochen; ich bemerke hier nur, daß kleine Wiederholungen, vorzüglich
in der Art der Anwendungen, der Klarheit wegen geschahen. Bezüglich der
letzteren wolle man stets den ersten Teil zu Rate ziehen.
+Krankheiten+ sind +Kreuze+, lieber Leser! Jeder von uns
wird früher oder später zum mindesten ein solches Kreuz zu tragen
bekommen, vielleicht bis zum Absterben. Wir dürfen uns diese Kreuze
zu erleichtern suchen. Schon zu Naaman, dem aussätzigen Syrerfürsten,
sprach der Prophet Elisäus: „Geh’ hin und wasche dich siebenmal im
Jordan, und dein Fleisch wird wieder gesund und du rein werden!“
Möge der Herr die gute Absicht, manchem recht schwer schleppenden
Kreuzträger unter die Arme zu greifen, segnen!
[Illustration]
Alphabetisches Verzeichnis der Krankheiten.
Abweichen.
Ein Mann von 48 Jahren kommt und erzählt: „Ich habe beständig
Abweichen, heute schon siebenmal, weil ich gereist bin, zu Hause
täglich ein- bis sechsmal. An diesem Übel leide ich bereits seit ¾
Jahren.“ Das Aussehen dieses Mannes war sehr gut, weder mager noch zu
stark, die Farbe frisch. -- Dieser Kranke bekam: 1. jeden Morgen und
jeden Nachmittag einen Oberguß, 2. jeden Morgen im Wasser gehen und
jeden Nachmittag einen Knieguß.
Die Wirkung dieser Anwendungen war, daß nach fünf Tagen der Mann den
ersten Stuhlgang bekam. Eingenommen hatte er nichts außer täglich sechs
bis acht Wacholderbeeren.
Warum wohl hier diese Anwendungen gegeben wurden, die doch ganz
verschieden sind von den sonst üblichen, so könnte mancher Leser
fragen. Antwort: Weil dieser Mann gesund und kräftig aussah, auch das
Auge frisch und gut, so war dies ein Beweis, daß noch gute Naturkraft
vorhanden war; wird dieselbe nun unterstützt und noch mehr Wärme durch
die Wasseranwendungen hervorgebracht, dann ist der innere Schaden bald
durch die Naturkraft verdrängt, und somit findet hier das Sprichwort
seine Anwendung: Ein guter Wirt wirft seine Lumpen selbst hinaus.
Als weitere Anwendungen würde ich empfehlen: in der Woche entweder
2-3mal ein Halbbad oder ebenso oft einen Oberguß mit Knieguß.
Asthma.
Ein Herr erzählt: „Ich bin 46 Jahre alt. Seit zwanzig Jahren leide
ich an Asthma. Ich wandte mich an verschiedene Ärzte: allein sie
erklärten meine Krankheit für unheilbar und verordneten mir nur
Beruhigungsmittel, die alle erfolglos waren. So blieb mir nichts
anderes übrig, als mein Kreuz zu tragen, bis mich Gott davon befreien
wird. Dieses Kreuz war oft recht schmerzlich. Recht oft traten die
Atembeschwerden, besonders zur Nachtzeit, in einem so heftigen
Grade ein, daß ich ganze Nächte, auch bei der größten Winterkälte,
an dem offenen Fenster stehen mußte, um nicht zu ersticken. --
Solch ein Anfall konnte mehrere Tage nacheinander fortdauern. Alle
gebrauchten Mittel waren ohne Wirkung. Zu diesem langen Leiden kam noch
Appetitlosigkeit, große Abnahme der Kräfte, so daß ich einsehen mußte,
daß es so nicht mehr lange gehen könne. Endlich erbarmte sich der
Himmel. Das Buch „Meine Wasserkur“ kam in meine Hände, und es kam mir
als Helfer in der größten Not. In acht Tagen wurde ich geheilt. Es ist
kaum glaublich, wie das Wasser eine Natur in kurzer Zeit so umwandeln
kann. Die Anwendungen waren: 1) Oberguß, darauf Knieguß -- Wassergehen;
2) Rückenguß -- Schenkelguß; 3) Sitzbad --- Oberguß -- Halbbad; 4)
Oberguß -- Rückenguß -- Wassergehen; 5) Halbbad -- Oberguß -- Sitzbad;
6) Vollbad -- Oberguß; 7) Schenkelguß -- Oberguß. Dazu täglich eine bis
zwei Stunden im Gras barfußgehen. Es war Sommer, und meine Lage wurde
von Stunde zu Stunde leichter.“
Atmungsbeschwerden.
Ein Priester macht folgende Angaben: „Ich bin gut gebaut, war stets
gesund und kräftig; doch seit ¾ Jahren bin ich so verschleimt, daß
ich recht viel Atemnot habe, und wenn der Husten kommt und die Atemnot,
glaube ich, ich müsse ersticken. Ich hatte früher eine vorzügliche,
klangvolle Stimme, und jetzt kann ich mich kaum mehr verständlich
machen; auch werde ich so müde, daß ich fast nicht zu gehen vermag.
Mehrere konsultierte Ärzte erklären es teils als Luftröhrenkatarrh,
teils als Brustkatarrh.“
Anwendungen:[28] Täglich dreimal, auch viermal einen Oberguß und
täglich zweimal im Wasser gehen bis über die Waden; so vier Tage lang.
Nach diesen vier Tagen täglich zwei Obergüsse, einen Rückenguß und
ein Halbbad. Zudem täglich noch im Wasser gehen; so fünf Tage lang;
dreimal wöchentlich einen Shawl. Nach diesen fünf Tagen täglich ein
Halbbad, einen Rückenguß, einen Oberguß und einen Knieguß. Nach kurzer
Zeit war die ganze Kur vorbei. Es hat sich bei diesem Herrn eine ganz
unglaubliche Masse Schleim abgesondert. Tag für Tag wurde das Aussehen
besser, der Atem leichter, die Stimme reiner, die Gemütsstimmung
heiterer. Nachteilig war für ihn früher die zu warme Bekleidung und
Mangel an Bewegung.
Augen (-Katarrh).
Ein berühmter Militärarzt sagte mir vor zirka 35 Jahren: +Der Katarrh
ist ein Übel, aus dem sich alle möglichen Krankheiten entwickeln
können+, wie Schleimfieber, Nervenfieber, Typhus, Ruhr, Abzehrung,
Schwindsucht usw. Darum härte man seine Natur gut ab, damit man bei
all den unzähligen Anlässen und Gelegenheiten, die ganz dazu angetan
sind, einem einen Katarrh anzuhängen, gesichert und gefeit sei. -- Hat
man einen Katarrh, so soll man nicht eher ruhen, bis er vollständig
ausgeheilt ist.
Bedeutet gänzliche Erblindung soviel als Elend, so sind die
verschiedenen Augenleiden immer Führer zum Elend. Die Augen gleichen
kostbaren Perlen in der Schädelschale. Aber es sind ihrer nur +zwei+.
Ein unersetzlicher Verlust ist’s schon, wenn eines verloren geht. Sei
darum wohl auf der Hut und hüte beide gut! Augenleiden kommen häufig
schon bei +kleinen Kindern+ vor, die wenige Wochen alt sind, bei
+Schulkindern+ noch häufiger. Wir können sagen, in jedem Alter und
Geschlecht trifft man Augenleidende genug.
+Meistens+ stammt das Leiden +aus dem Körper+. Bei gesunden
Menschen werden alle überzähligen Flüssigkeiten im Körper durch die
Transpiration (Ausdünstung), durch das Atmen und anderes ausgeschieden.
Wunderbar ist das Arbeiten dieser wunderbarsten aller Maschinen.
+Anders+ kommt es, +wenn der Mensch krank wird+. Die Flüssigkeiten,
welche der schwache Körper nicht mehr ausscheiden kann, sammeln sich
an im Leibe, im Kopfe usw. +Was im Kopfe+ sich ansammelt, +wählt so
gerne den Ausgang durch die Augen+. Die austretenden Flüssigkeiten sind
scharf und ätzend, das Auge dagegen und alle Teile, die es bilden,
überaus zart. Daher erklärt sich das +heftige Brennen+, welches der
Ausgang der Flüssigkeit regelmäßig erzeugt. Das Brennen ist zugleich
ein Zeichen, daß das Auge und die Gefäße im Auge +von der scharfen
Jauche angegriffen werden+. Wird ihr Austreten gehindert, so +entzünden
sich+ die Augen; sie werden oft +blutrot+, und das schmerzhafte
und geschwächte Auge kann keine Helle, kein Licht mehr ertragen.
+Heilung ist nur möglich+, wenn die Flüssigkeit so schnell als möglich
ausgeleitet wird. Das Auge an und für sich und alle seine Teile sind
gesund, die Jauche allein und ihre ätzenden Stoffe machen es krank.
+Die einen Augenleidenden sehen schon fast nicht mehr+ oder nur wie
durch einen Schleier oder Nebel; andere glauben, es schwirren +Mücken+
und +Fliegen+ vor den Augen; andere sehen +Feuerbündel+, wieder andere
anderes. +Alle+ diese +Übel+ quellen aus derselben Giftquelle, sind
Blüten derselben Giftpflanze, rühren +von demselben Giftstoffe+ her.
Entferne diesen Giftstoff, stärke das verwundete Auge, und es ist
geheilt! +Ein Beispiel+ möge das Gesagte klarmachen.
+Das kleine Mädchen Antonia+, 5 Jahre alt, sieht recht blaß aus. Das
Gesicht ist aufgedunsen, das ganze Aussehen krankhaft. Das Kind hat
+entzündete+ Augen und kann die Helle nicht mehr ertragen. Auch der
Appetit ist nicht gut; in der Nacht schläft es nicht, es weint nur
viel. Was tun? Das Kind soll +täglich in ein Handtuch eingewickelt+
werden von unter den Armen an. Das Tuch werde zuvor in +lauwarmes
Wasser+ eingetaucht, in dem +Haberstroh+ gesotten wurde. Das nasse
wird mit einem trockenen gut umwunden. Wenn das Einwickeln zu einer
Zeit geschieht, in der das Kind sonst zu schlafen pflegt, wird es bald
einschlafen. Schläft es, so lasse man es ruhig bis zum Selbstaufwachen
in der Umhüllung ruhen. Schläft es nicht ein, oder wacht es bald wieder
auf, so soll es eine Stunde lang die Einfetschung tragen. Dieses
Verfahren dauert +eine Woche lang+. In der +zweiten Woche+ bereite man
dem Kinde ein +warmes Bad mit Absud von Haberstroh+ (zirka 24-26°), in
dem es 15-20 Minuten bleibt. In der letzten Minute werde es mittels
einer kleinen Gießkanne mit gewöhnlichem, nicht zu kaltem Wasser
schnell +übergossen+ und sofort angezogen. Auch bei Kindern ist diese
erfrischende Übergießung nach einem warmen Bade höchst wichtig. Die
kranken Stoffe werden durch das warme Bad aufgelöst und ausgeleitet;
durch den kalten Guß tritt Stärkung und Schließung der Poren ein. Das
Kind wird das erstemal jammern und weinen, wie Kinder tun; hat es aber
die Sache einige Male durchgemacht, so wird ihm unter Ermutigungen
der Mutter das Besteigen der Wanne später ein leichtes sein. +Jeden
zweiten+ oder +dritten Tag+ werde das Bad +wiederholt+. Das Kind wird
sich bald frischer, kräftiger, gesunder fühlen; auch das Auge wird
reiner werden. Wünscht die sorgende Mutter noch ein Mittel direkt
für das Auge, so nehme sie ein Stückchen +Alaun+, so groß wie vier
Gerstenkörner, löse ihn in einem halben Schoppen Wasser auf und wasche
täglich drei- bis viermal die Augen der Kleinen. Alles wird recht
werden. Auch +nach Entfernung+ des Übels versäume die Mutter es nicht,
in der einen Woche das genesene Kind wenigstens einmal nach obiger Art
zu waschen, in der anderen demselben so ein Bad zu richten.
Ist der kleine Patient nicht fünf Jahre, sondern erst +fünf Wochen+
alt, so darf die besorgte Mutter nicht erschrecken, wenn ich denselben
Wickel und dasselbe Bad auch diesem Kleinsten anempfehle.
+Der kleine Anton+ mit vier Jahren ist +skrophulös+, hat Ausschlag am
Kopfe, in den Haaren; auch um den Mund herum ist es nicht rein, die
Augen sind entzündet. Die Mutter hat immer gemeint, das Kind sterbe;
indessen es leidet, stirbt aber nicht. Die Mutter soll dem Kinde
+täglich+ vor dem Schlafengehen ein +Hemdchen+ anziehen, das in Wasser,
mit etwas Salz gemischt, eingetaucht wurde. Hernach soll sie das Kind
schlafen legen und mit einer Decke gut umhüllen. Tut die Mutter dieses
+in der ersten Woche+ alle Tage, +in der zweiten Woche+ jeden zweiten,
in der +dritten+ jeden dritten, +in der vierten+ jeden vierten Tag, und
gibt sie dem kleinen Anton noch täglich an die Kost oder in das Getränk
eine kleine Messerspitze +Kreidemehl+, so wird der Bube gesund werden,
und die Mutter wird sich ihres gesunden Kleinen freuen.
+Berta+ geht in die Schule, sieht aber recht leidend aus, hat fast jede
Woche oder doch recht oft „+böse Augen+“, so daß sie nicht lesen kann.
Die Augen sind ganz rot und brennen heftig. Die Mutter soll dem Kinde
+innerhalb zehn Tagen sechsmal+ ein nasses +Hemd anziehen+, und reicht
dieses Mittel nicht aus, so soll sie dem Kinde noch Bäder bereiten
mit ungefähr 24° und zugegossenem Absud von Fichtenreisern, stets
abschließend mit raschem kaltem Abguß. Nebenher kann als +Augenwasser+
dienen das +Aloë-Wasser+ (eine Messerspitze Aloë wird in ein
Medizinglas gebracht und mit heißem Wasser aufgegossen), womit täglich
dreimal die Augen ausgewaschen werden. Letzteres heilt das entzündete
Auge und stärkt es.
+Wilhelm+, eine Knabe von neun Jahren, hatte Augenleiden. Er konnte
nicht mehr lesen, kaum mehr ordentlich die Menschen unterscheiden; der
Kleine war mehr als halb blind. Gegen 400 Mark hatten die Eltern schon
für diese Augen verwendet. Nichts wollte helfen, nicht Doktor, nicht
Apotheker. So verkümmert die Augen waren, so verkümmert war auch das
ganze Kind: die Hände und Füße stets kalt, der Magen ohne Appetit, der
Körper abgemagert, die ganze Gestalt traurig und gedrückt. Im Elende
steckten nicht nur die Augen, im Elende steckte das ganze Menschlein.
Blaue Brille und Führer bestätigten dieses auch nach außen hin.
In vier Monaten war Wilhelm völlig gesund am Körper sowohl wie an und
in den Augen. Der Kleine mußte +in der Woche zwei warme Bäder+ nehmen.
Viermal wöchentlich ließ ich ihn +ein Hemd+ anziehen, das in kaltes,
mit etwas Salz gemischtes Wasser getaucht war. In der Umhüllung blieb
er 1-1½ Stunden lang. Dazu hieß ich den Kleinen recht fleißig im nassen
Grase oder bei Regen barfuß gehen. Nach Verlauf der ersten vier Wochen
nahm Wilhelm in jeder +weiteren Woche drei bis vier Bäder+, nur mit
15 Grad und nie länger als eine Minute mit stets folgender Bewegung.
Auch dieses währte einige Wochen. Dazu wusch der Knabe täglich zweimal
seine Augen mit +Alaunwasser+ (eine Messerspitze Alaun zu einem halben
Schoppen Wasser). Gleichen Schritt mit dem gesundwerdenden, neu
auflebenden Körper hielten die wieder erwachenden Augen. Sie öffneten
sich endlich ganz und leuchteten und strahlten zuletzt im gesunden und
frischen Gesichte des Knaben, als wenn ihnen nie auch nur das geringste
gefehlt hätte.
+Christine+, 24 Jahre alt, sieht aus wie die Blüte des Lebens, hat aber
immer mit Augenleiden zu tun. Sie hat zu viel Blut im Kopfe, zu wenig
Blut in den Füßen, deshalb auch stets kalte Füße.
Patientin nimmt +jeden zweiten Tag ein lauwarmes Fußbad+ mit Asche
und Salz untermischt. Dieses zieht ihr das Blut vom Kopfe nach unten.
+Dreimal in der Woche+ geht sie bis unter die Arme ins kalte Wasser
(+Halbbad+), eine halbe Minute lang. Bei der Arbeit ist sie viel
barfuß. Der Blutandrang zum Kopfe nimmt ab, hört allmählich ganz auf,
und das Augenleiden verschwindet.
Augenleiden.
Agatha kommt und klagt: „Drei Jahre lang war ich von heftigen
Kopfschmerzen geplagt, so daß ich oft ganze Nächte hindurch nicht
schlafen konnte. Meine Füße sind beständig kalt; läßt der Kopfschmerz
etwas nach, dann habe ich solche Schmerzen auf dem Rücken, daß ich oft
ganz steif bin. Auf viele Stunden weit habe ich alle Ärzte aufgesucht;
helfen konnte keiner. Seit einem halben Jahre wird mein Augenlicht so
schwach, daß ich kaum mehr die Häuser sehe, und wenn’s noch einige Zeit
so fortgeht, werde ich stockblind.“
Agatha mußte
1. in jeder Woche zweimal ein Hemd anziehen, in Salzwasser
getaucht, und in eine Decke eingewickelt 1½ Stunden lang bleiben;
2. in der Woche zweimal einen kurzen Wickel, in Wasser getaucht,
worin Heublumen gesotten worden, warm 1½ Stunden lang nehmen;
3. täglich eine Minute lang Wasser auf die Knie gießen und darauf
Bewegung machen; so zwei Wochen lang.
In der dritten Woche mußte sie täglich einen Oberguß und Knieguß des
Morgens nehmen und nachmittags ein Halbbad, außerdem täglich drei
Minuten im Wasser gehen; so auch in der vierten Woche. Nach vier Wochen
war der heftige Blutandrang zum Kopf verschwunden; das Augenlicht war
wieder hergestellt, weil die Ursache (der Blutandrang) gehoben war; die
Füße waren warm, und die Kranke war geheilt.
Als weitere Anwendung mußte Agatha in der Woche drei Halbbäder nehmen
zur Kräftigung des Körpers.
Augen-Star.
Ein Beamter brachte einen Knaben von neun Jahren, der augenleidend war.
Beide Augensterne gaben so spärliches Licht, daß der arme Kleine nur
mit Mühe allein gehen konnte. „Wie kommen Sie zu mir?“ „Ja, mein Kind“,
sagte der Vater, „war längere Zeit in einer Augenheilanstalt; es wurde
aber entlassen mit der Erklärung, das Leiden sei der unheilbare +graue
Star+. Das ist schrecklich: Neun Jahre alt und blind!“ Das eine Auge
erschien schon derart getrübt, daß man den Stern nur mit recht gutem
Auge noch teilweise unterscheiden konnte; eine totale Finsternis war
es für den Kleinen. Auf dem anderen Auge lag eine Wolke, und wie der
äußere Sonnenrand, ehe der Ball hinter den Wolkenbergen verschwindet,
nochmals aufleuchtet, so glänzte noch ein letztes Streifchen des ehedem
lichtvollen Auges vor seinem gänzlichen, elendiglichen Untergange.
Der bedauernswerte Knabe +litt nicht allein an den Augen+, das sagte
mir sein erster Anblick. Der ganze kleine Organismus war aufs tiefste
heruntergekommen, elendiglich zugerichtet, so verkümmert, daß jedermann
der Gedanke kommen mußte, dieses Kind ist durch und durch krank,
fast, so scheint es wenigstens, abzehrend; kein Appetit, kein Leben,
abgemagert, die Haut ganz trocken; rasch gestrichen stäubt diese
förmlich. Also nicht die Augen allein, der ganze Körper ist krank,
recht krank. Suchen wir zuerst diesen zu heilen, vielleicht öffnen sich
dann auch die Augen wieder.
Wir begannen, nachdem wir zuerst die bislang getragene Brille entfernt.
Der Knabe mußte +täglich soviel wie möglich im nassen Grase oder auf
nassen Steinen+ barfuß gehen, und täglich wurden im Anfang +Rücken,
Brust und Unterleib+ ein- bis zweimal kräftig gewaschen. Nach einiger
Zeit traten an Stelle der Waschungen +Halbbäder+, endlich +Ganzbäder+,
nie länger als eine Minute. Dazwischen hinein fiel +abwechslungsweise
der Wickel+ oder +das nasse Hemd+, in Salzwasser getaucht, auf 1½
Stunden. Alle diese Anwendungen bezweckten, neue Tätigkeit, neues Leben
in den Körper zu bringen, mit anderen Worten, den Körper zu heilen und
zu kräftigen.
+Speziell für die Augen+, d. i. zu deren Reinigung und Stärkung,
verwendete ich +mehrere Augenwasser+: zuerst das +Aloëwasser+ (man
nimmt eine Messerspitze Aloëpulver und kocht dasselbe ein paar Minuten
in einem Schoppen = ¼ Liter Wasser). Drei- bis fünfmal täglich wurden
damit die Augen gut ausgewaschen, besonders im Innern. Aloë löst
auf, reinigt und heilt. Später folgte diesem +Alaunwasser+ (zwei
Messerspitzen Alaun werden in einem Schoppen Wasser gemischt), zu
täglich drei- bis viermaligem kräftigem Auswaschen. Alaun ätzt und
reinigt. Noch später nahm ich +Honig-Augenwasser+ (ein halber Löffel
Honig wird in einem Schoppen Wasser fünf Minuten lang gesotten) zu
täglich drei- bis fünfmaliger Waschung namentlich des inneren Auges.
Der Knabe gedieh körperlich so kräftig, daß von Woche zu Woche seine
Kräfte zunahmen, sein Aussehen frischer, gesünder, blühender wurde und
Geist und Körper allmählich in die richtige Verfassung zurückkehrten.
In dem blühenden Kopfe +erblühen auch wieder die so lange geschlossenen
Augen+; sie leuchten zur Freude der Eltern hell und klar. Der Knabe
sieht so gut wie seine Schulkameraden. Niemand würde glauben, daß das
Kind je so armselig gewesen.