Mancher kauft solche Sachen um sein teures Geld. Guter Bauersmann!

Mache selbst den Sammler und den Zubereiter und den Apotheker! Du

darfst dir keine Grillen machen. Eines weißt du: du hast echte Ware.

Mit gedörrten Spitzwegerichblättern kann zu Tee sehr gut +das

Lungenkraut+ (~Pulmonaria officinalis L.~) verbunden werden (halb und

halb).

=Tausendguldenkraut.= (~Erythraea centaurium L.~)

Welch merkwürdige Namen unsere Voreltern manchem Kräutchen beilegten!

Sie kannten eben noch deren Wert. Unser Kraut muß bei denselben in

hoher Geltung und Schätzung gestanden sein. Seine Verwendung kündigt

schon der sehr bittere Geschmack an, der es begleitet.

+Tee+ von Tausendguldenkraut leitet die +Magenwinde+ aus, verdrängt

unbrauchbare und ungesunde Säuren, unterstützt und +verbessert+ die

+Magensäfte+, wirkt vorteilhaft auf +Nieren+ und +Leber+. Er ist das

beste Mittel gegen +Sodbrennen+ oder, wie die Landleute sagen, gegen

den +Magensod+.

Wer an +Störungen+ im +Blut+, besonders an Blutmangel, Blutwallungen

usw. leidet, suche Rat und Hilfe beim Tausendguldenkraut.

Der Name lautet auf eine hohe Summe; die Hilfe spendet das Kräutchen

einem jeden umsonst.

=Veilchen.= (~Viola odorata L.~)

Dieses liebliche, wohlduftende Frühlingsblümchen soll mit seinem

Heildufte auch unsere Hausapotheke erfüllen.

Wenn zur beginnenden Frühlingszeit infolge des oftmaligen

Witterungswechsels die Kinder +starken Husten+ oder +Keuchhusten+

bekommen, koche die besorgte Mutter eine Handvoll grüner oder gedörrter

+Veilchenblätter+ (auch die Wurzeln des Blümchens können benützt,

müssen aber vor dem Absieden zerquetscht werden) in einem Viertelliter

siedenden Wasser ab und gebe dem Kinde nach je zwei bis drei Stunden

jedesmal zwei bis drei Löffel solchen Tees. Erwachsende heilen den

+alten+ Keuchhusten, wenn sie den Tee dreimal im Tage (je eine Tasse)

nehmen.

+Schwindsüchtigen+ lindert er ebenfalls den +Husten+ und unterstützt

die +Schleimauflösung+. Er dient wie eine Medizin, soll auch so

genommen werden, d. i. alle zwei bis drei Stunden drei bis fünf

Eßlöffel.

Der Tee dient ferner bei +Kopfweh+ und +großer Hitze im Kopf+. Man

befeuchte zugleich einen Lappen mit Veilchenblättertee und binde

denselben an die Stirne, oder, noch besser, man +wasche+ den Kopf,

besonders den Hinterkopf mit solchem Absud. Ich kenne Fälle, in denen

bald Ruhe und Schlaf eintraten.

Bei +geschwollenem Halse+ ist dieser Tee ein probates +Gurgelwasser+;

man tauche zugleich den anzuwendenden Halswickel statt in gewöhnliches

Wasser in den Absud.

Wer an +Atemnot+ leidet, die indessen mehr eine Folge ist von in Magen

und Gedärmen angesammelten Gasen und ungesunden Stoffen, mache eine

kleine Veilchenteekur, d. i. er trinke während einiger Zeit täglich

zwei größere oder drei kleinere Tassen unseres Tees.

Veilchenblätter, zerquetscht und überbunden, kühlen und verteilen

+erhitzte Geschwülste+; +in Essig abgekocht+ dient solcher Absud, wenn

man ihn zu Auflagen benützt, zur Heilung von +Podagra+.

Erfreue dich an dem Wohldufte und dem herrlichen Blau manches schönen

Veilchensträußchens! Verwahre aber auch einen kleinen Vorrat des

Heilkräutchens in deiner Hausapotheke, daß es dem Kranken dufte noch zu

einer Zeit, in der das Frühlingsblümchen längst verblüht hat!

=Wacholderbeere.= (~Juniperus communis L.~)

Die Wacholderbeere, wer kennt sie nicht? Als Räucherwerk verbreitet sie

in Zimmern und Gängen angenehmen Geruch und verbessert die Luft. Ich

bin kein Freund des sogenannten „Ausräucherns“ mit Zucker, Essig usw.,

da ich nicht begreife, wie man da von frischer Luft reden kann. Wenn

es aber gilt, einen Raum, worin ansteckende Kranke, Tote usw. lagen,

zu +desinfizieren+, d. i. ansteckungsunfähig zu machen oder zur Zeit

ansteckender Krankheiten durch große Räucherfeuer die Luft zu reinigen,

dann lobe ich mir stets solchen +Wacholderdampf+. Der räumt mit allen

Pilzen, und wie die fliegenden Anstecker und Krankheitserzeuger heißen,

gründlich auf.

+Ähnliche Wirkung+ übt der Wacholder im +Innern des menschlichen

Organismus aus+. Die +Beere+ räuchert gleichsam den Mund und den Magen

und feit gegen Ansteckung. Wer im Dienste Schwerkranker (Scharlach,

Blattern, Typhus, Cholera usw.) durch Heben, Tragen, Bedienen, Anhören

derselben der Ansteckungsgefahr bei Tag und Nacht preisgegeben ist,

kaue stets einige Wacholderbeeren (6-10 im Tag). Sie bereiten guten

Geschmack im Munde und tun gute Dienste bei der Verdauung. Sie

verbrennen gleichsam die schädlichen Miasmen, Ausdünstungen usw., wenn

diese durch Mund und Nase eindringen wollen.

Solche, die an +schwachem Magen+ leiden, mögen das folgende Verfahren

einhalten, gleichsam eine kleine +erprobte Kur+ mit Wacholderbeeren

machen:

Den ersten Tag sollen sie mit 4 Beeren beginnen,

den zweiten Tag mit 5 Beeren fortfahren,

den dritten Tag sollen sie 6, den vierten 7 Beeren kauen und so mit

Tagen und Beeren bis auf 12 (Tage) und 15 (Beeren) auf- und dann wieder

auf 5 Beeren heruntersteigen, beim Absteigen jeden Tag eine Beere

auslassend. Viele kenne ich, deren gasgefüllter und infolge dessen

geschwächter Magen durch diese einfache Beerenkur gelüftet und gestärkt

wurde.

Bei +Stein-+ und +Gries-+, bei +Nieren-+ und +Leberleiden+ haben die

Wacholderbeeren seit alten Zeiten guten Ruf, ebenso in all jenen

Fällen, wo es gilt, +faule Gase+, +faule+, +wässerige+ und +schleimige

Stoffe+ aus dem Körper zu entfernen.

Neben den Beeren benütze man +die jungen Sprossen+ des

Wacholderstrauches zu +Tee+ bei Anfängen der +Wassersucht+, desgleichen

zur Reinigung des Blutes.

Das +Öl+ kauft man am besten in der Apotheke.

Die +Tinktur+ kann man sich selbst ansetzen in Wein, Branntwein oder

Spiritus.

Den Hausvater und die Hausmutter würde ich nicht loben, welche zwar ihr

Fleisch, ihr Sauerkraut sorgfältig und fleißig mit Salz und Beeren vom

Wacholderstrauche einmachen, welche pünktlich und ängstlich ihr Haus,

ihre Wohnungen damit räuchern, die Hütte ihrer Seele aber, den Körper,

vielfach im Staube und Moraste liegen lassen. Auch für diese viel

wichtigere Hütte sollen sie des Jahres ein paarmal so ein Räucherfeuer,

das reinigt und das Atmen erleichtert, anzünden.

=Waldmeister= (~Asperula odorata L.~)

siehe oben Seite 127.

=Wegtritt, Vogelknöterich.= (~Polygonum aviculare L.~)

Es wächst ein Kräutlein ganz unbeachtet, gewöhnlich um die Häuser

herum, besonders in den Bauerngehöften, auch am Rande der Gassen, das

den Namen „Wegtritt“ führt. Auch Knöterich wird dasselbe genannt, weil

an jedem Glied ein kleiner Knoten ist. Man heißt dieses Kräutlein

Wegtritt, weil man gewöhnlich auf demselben geht. Dieses Kräutlein,

das von einem Stock viele Ausläufer hat, selbst einen halben Meter

lang oder noch länger, hat große Wirkung bei +Steinleiden+, wenn

täglich eine oder zwei kleine Tassen getrunken werden. So hatte ein

Herr Jahre hindurch viele Schmerzen in den Nieren, und es ging von

Zeit zu Zeit Sand und Gries ab. Er trank diesen Tee durch mehrere Tage

und erzählte, daß viele Hunderte größerer und kleinerer Steinchen

abgegangen seien und dadurch auch der Schmerz vergangen sei. Wie dieses

Kraut Nieren- und Blasensteine austreibt, so wirkt es auch reinigend

nach innen, wie auf Nieren, so auf Leber, Magen und Brust. Es kann dies

Kräutlein nicht genug empfohlen werden.

=Wegwart.= (~Cichorium intybus L.~)

Der Wegwart wartet auf den, der ihn in seine Hausapotheke einheimsen

will, auf jedem Wege. Er heißt auch +Sonnenwirbel+, da seine

Blätter sich stets der Sonne zukehren. Wenn man ihn ansieht, den guten

Wegwart mit seinem verkümmerten Stengel und den zerzausten Blättchen,

so kommt er einem vor wie ein Struwelpeter unter den Pflanzen. Nur die

blaue Blüte, etwas heller als die Kornblume, bringt ihn wieder etwas in

Kredit und Achtung.

Das Aussehen täuscht gar oft; auch beim Wegwart ist es so, denn sein

Inneres ist golden.

+Tee+ von Wegwartkraut hebt +Verschleimungen+ im +Magen+, nimmt die

überflüssige +Galle+, reinigt +Leber+, +Milz+ und +Nieren+ und führt

die kranken Stoffe durch den Urin aus. Man nehme zu diesem Zwecke

(es kann auch geschehen, um den durch irgendwelche Nahrung usw.

+verdorbenen+ Magen wieder instand zu setzen, um die +Verdauung+ zu

befördern) während drei bis vier Tagen täglich zwei Tassen, die eine

vor dem Frühstück, die andere abends.

Bei +Magendrücken+, auch bei +schmerzlichen Entzündungen am Körper+

lege man auf den Magen und auf die wehtuenden Stellen mit heißem Wasser

abgebrühte und in ein Tuch gehüllte Wegwart-Kräuter und -Blüten und

erneuere diese Auflagen täglich zwei- bis dreimal.

Die Kräuter werden +sehr oft in Spiritus angesetzt+. Dieser

Wegwartsprit hebt das +Schwinden+, wenn man die schwindenden Glieder

täglich ungefähr zweimal gut mit demselben einreibt.

Wie das Kraut und die Blüten, so sind auch die +Wurzeln+ zu den

genannten Heilzwecken dienlich. Man sticht dieselben am leichtesten bei

Regenwetter aus.

=Wermut.= (~Artemisia absinthium L.~)

Wermut zählt mit zu den bekanntesten +Magenmitteln+. Er leitet die

+Magenwinde+ aus, +verbessert+ und unterstützt die +Magensäfte+ und

hilft so guten Appetit und gute Verdauung bereiten, mag er als +Tee+

oder als +Pulver+ genommen werden.

Gegen +üblen Geruch aus dem Munde+, wenn derselbe vom Magen ausgeht,

wirkt Wermut vortrefflich.

Wer an der +Leber+ leidet (+Melancholie+), der greife statt nach

der Prise Tabak einmal oder zweimal im Tage nach dem +Döschen+ mit

Wermutpulver und streue den Inhalt der beiden Finger auf den ersten

Löffel +Suppe+ oder wie Pfeffer an eine Speise. Die abnehmende

+Gelbsucht+ wird bald die +Verbesserung+ der +Galle+ anzeigen, und der

Kranke, dem die verfangene faule Luft und die oft noch fauleren Säfte

-- wahre Düngerstätten des Magens -- gleichsam den Atem zuschnüren,

wird wieder freier aufschnaufen.

Wermut kann auch zu einer +Tinktur+ verwendet werden, die sehr lange

hält, ohne zu verderben. Wie ein einziges Körnchen Weihrauch, das auf

der Kohle glimmt, ein ganzes Zimmer mit Wohlgeruch erfüllt, so vermag

ein Blättchen Wermut den Inhalt einer ganzen Spiritusflasche mit

bitterem Geschmacke anzuhauchen -- ein Zeichen, wie stark die Tinktur

ist und wirkt.

+Reisende+, die viel von +Magenbeschwerden+ und +Uebelkeiten geplagt+

werden, sollen ihr Fläschchen mit Wermuttinktur als treuen Begleiter

nie vergessen.

Wermut-Tee hat manchen Augenleidenden auch schon als +Augenwasser+

gute, ja die besten Dienste geleistet.

=Wollkraut, Wetterkerze.= (~Verbascum Schraderi Meyer.~)

Die +Blüten+ des Wollkrautes oder der Wollblume werden von den

Landleuten fleißig gesammelt. Sie wissen, daß dieselben zur Winterszeit

wirksames +Gurgelwasser+ und noch wirksameren Tee abgeben bei

+Halsgebrechen+, +Katarrhen+, +Verschleimungen der Brust+, +Atemnot+.

Von neuem sei solcher Tee recht warm empfohlen. Ich mische unter die

Blüten des Wollkrautes in der Regel noch die der +schwarzen Malve+

(halb und halb); solcher Tee wirkt auf die Schleimauflösung noch

nachhaltiger und kräftiger.

=Wühlhuber I.=

Vor 40, 50 Jahren noch war es Mode, zu einer genau bestimmten Zeit Ader

zu lassen, zu einem anderen, im Kalender gewissenhaft notierten Termine

(ein gewisses Mondsviertel) die jährlichen oder halbjährlichen Laxiere

einzunehmen. Wie doch die Zeiten und die Ansichten und die Menschen,

welche die letzteren bilden, wechseln!

Noch heutzutage lassen sich viele Leute den Glauben nicht nehmen, daß

von Zeit zu Zeit der Magen einer gründlichen Musterung und Ausräumung

bedürfe.

Man möchte lächeln, wenn es nicht manchmal allen Ernstes zum Weinen

wäre. Fürwahr, wenn man normalen, einfachen, gesunden Sinnes ist und

zuweilen an die Lebensweise gewisser Menschen, fast fühle ich mich

versucht zu sagen ganzer Gesellschaftsklassen, denkt und an die Speisen

und Getränke, welche sie genießen, dann in der Tat ist obiger Glaube

nicht unbegründet.

Könnte der entsetzlich geplagte und sündhaft überanstrengte (weil

überfüllte) Magen einen Laut von sich geben, er würde aufschreien

und um Hilfe rufen gegen derlei unvernünftige und frevle Uebeltäter.

So aber muß er alles selbst „verschlucken“ und dabei freilich nicht

verdorben, sondern elendig zugrunde gerichtet werden.

+Fürs erste also bin ich für eine vernünftige Lebensweise+, für

menschenwürdige Behandlung des Arbeiters, der für alle weitere Arbeit

die unentbehrlichen Fundamente legt. So allein wird und kann dieser

treue und fleißige Arbeiter selbst, der Magen, gesund bleiben.

Sollte unversehens -- das kann ja passieren -- auch ihm ein Unfall

geschehen, so bin ich +durchaus gegen alles drastische+ (zu

starke) Laxieren und verwerfe alle heftig wirkenden Laxiermittel, sie

mögen heißen, wie sie wollen.

+Unter Laxieren+ versteht man doch wohl nichts anderes, als

unbeschadet der Gesundheit und Körperkraft reichlicheren, ergiebigeren

Stuhlgang hervorzubringen suchen. Dieses aber kann in ganz anderer, in

so einfacher und unschädlicher Weise geschehen, daß die verwendeten

unschuldigen Pflanzenmittel den Magen nicht gleichsam als Feind

angreifen, sondern als treue Freunde mit dem Freund Arm in Arm gehen,

ihn heben und stützen, zur selbsteigenen Tätigkeit, zur eigenen Kraft,

zu den eigenen Mitteln (Magensäften) ihm lediglich ihre Hilfe und

Hilfsmittel anbieten und leihen.

Recht lange Zeit habe ich unter den verschiedensten Pflanzen diejenigen

herausgesucht, die bei der trefflichsten Sonder- oder Einzelwirkung

doch nur ~viribus unitis~, mit vereinten Kräften, dem Magen

wirksam helfen, d. h. die zur selben Zeit, zu welcher sie ihn durch

gründliche Auflösung und Ausleitung alles verdorbenen Inhaltes

schwächen müssen, ihn zugleich so stärken, daß er nicht nur keine

Stunde die Arbeit einstellt, sondern nicht einmal mit Brummen und

Murren arbeitet.

Die Mittelchen und deren Mischung denke ich gefunden zu haben. Die

beiden +Tee-Arten+ sollen kein Geheimnis sein. Ich wünsche, daß im

Gegenteile recht viele zu ihrem Nutzen sie gebrauchen und zur Linderung

der Leiden anderer sie bereiten.

Das Kindlein wurde wiederum von fremder Seite, nicht von mir getauft.

Ein Herr, dem dieser Tee die Magenuhr wieder aufzog und regulierte,

benannte ihn „+Wühlhuber+“. Ich hatte an diesem Namen nichts

auszusetzen und zu ändern. Seitdem hat er vielen Hunderten wacker

beigestanden, und er könnte manches erzählen; denn in großen

Quantitäten ist er zu wiederholten Malen gewandert bis in die Schweiz,

bis nach Ungarn.

Die +zwei Rezepte+ für den Wühlhuber sind folgende:

Man nehme zwei Eßlöffel gemahlenen Fenchel, zwei Eßlöffel zerquetschte

Wacholderbeeren, einen Eßlöffel ~Foenum graecum~, einen Eßlöffel

Aloëpulver. Das Ganze werde gut gemischt und in einer Schachtel an

trockenem Orte aufbewahrt. Das +Mittel wirkt erst+ nach 12 bis

30 Stunden. Man nimmt den Tee, d. i. eine kleine Tasse desselben,

gewöhnlich abends vor dem Schlafengehen. Zur Tasse genügt ein

Kaffeelöffel der Mischung, welche während einer Viertelstunde gesotten,

dann abgegossen und kalt oder warm, mit oder ohne Zucker getrunken wird.

+Kräftige Naturen+ können zwei Tage nacheinander eine Tasse

Wühlhuber trinken.

+Schwächere Patienten+ tun besser, die eine Tasse auf zwei bis drei

Tage zu verteilen, so daß sie jeden Abend vier bis sechs Eßlöffel voll

wie Medizin einnehmen. Ohne Beschwerden zu verspüren, werden sie den

Suchenden im Innern forschen, untersuchen, zusammentreiben, „wühlen“

hören.

+Bei manchen+, die den Tee gebrauchen, wird derselbe absolut +keine

Resultate+ zutage fördern, obwohl sie im Innern seine emsige Arbeit

spüren. Die Polizei sucht, findet aber manchmal keine Diebe. Der

Wühlhuber sucht; wo aber nichts zu finden und zu entfernen ist, da

läßt er alles andere in Ruhe und erzeugt so nicht jene großen und

beklagenswerten Schwächen, die dem Abführen sonst stets auf dem Fuße

folgen.

Wie auf den Stuhlgang, so wirkt dieser Tee auf den +Urin+. Selbst große

Verschleimungen auf der Brust leitet er aus.

Mir kamen Fälle vor, in denen der Wühlhuber +nach langwierigen, schwer

zu stillenden Diarrhöen+ den letzten Rest der Unreinigkeiten entfernte

und auf die innere Revolution sofort der tiefste und dauerndste

Frieden folgte. Eine kleine Tasse, während des Tages in drei Portionen

getrunken, reicht vollkommen aus.

=Wühlhuber II.=

Das +zweite Rezept+ dieses Tees ist das nachfolgende:

zwei Eßlöffel gemahlenen Fenchel,

drei Eßlöffel zerquetschte Wacholderbeeren,

drei Eßlöffel Pulver von Attichwurzeln,

ein Eßlöffel ~Foenum graecum~,

ein Eßlöffel Aloëpulver.

Dieser Tee schließt die Wirkung auf den Stuhlgang nicht aus; doch sein

Revier sind (statt des Magens und des Darmkanals) mehr die +Nieren+ und

die +Blase+; die kranken Stoffe treibt er aus durch +Harnausscheidung+.

Wer +Unbehaglichkeit im Unterleibe+ (in der Blasengegend) fühlt oder

+Beschwerden im Urinieren+, Brennen in der +Blase+ und den +Nieren+,

die +Anfänge+ der +Wassersucht+ hat, wende ruhig diesen zweiten

Wühlhuber an.

In der Gebrauchsanweisung gelten dieselben Regeln wie beim Wühlhuber I.

=Zinnkraut= oder =Acker-Schachtelhalm=. (~Equisetum arvense L.~)

Die vielseitige und vorzügliche Wirkung dieses Heilkrautes kann nicht

genug hervorgehoben werden. Es reinigt nicht bloß die Geschirre,

weshalb es bei allen Hausfrauen als treffliches Putzmittel gilt, es

reinigt und heilt auch innere und äußere Gebrechen des menschlichen

Körpers.

Bei +alten Schäden+, +faulenden Wunden+, bei allen, selbst

+krebsartigen Geschwüren+, sogar bei Beinfraß dient Zinnkraut in

außerordentlicher Weise. Es wäscht aus, löst auf, brennt gleichsam das

Schadhafte weg. Das Kraut kommt entweder als +Absud+ bei Waschungen,

Wickeln, Auflagen, oder, indem es selbst in +nasse Tücher eingehüllt+

und auf die leidenden Stellen gelegt wird, dann besonders bei +gewissen

Dämpfen+ zur Verwendung.

Näheres enthält die Beschreibung der einzelnen Krankheiten.

Mannigfaltiger noch sind die Dienstleistungen des Zinnkrautes +nach

innen+.

Sein +Tee+, der nie schaden kann, +reinigt den Magen+. Man nehme von

Zeit zu Zeit (nicht täglich) eine Tasse. Er lindert die Schmerzen bei

+Gries- und Steinleiden+ und bringt vor allem +den+ Leidenden Hilfe,

die +Beschwerden+ haben im +Wassermachen+ (Urinieren). Da ist er

einzig, unersetzbar und unschätzbar. Die +Zinnkrautdämpfe+, speziell

für diese Uebel, sollen nur angedeutet werden. Gerade solche Leiden

sind entsetzlich schmerzhaft -- und so häufig! Man beobachte wohl das

einfache und ohne jede Mühe zu bekommende Schmerzstillkraut! Täglich

sollen solche Kranke neben der eventuellen äußeren Anwendung eine Tasse

Zinnkrauttee trinken.

Bei +Blutungen+, +Blutbrechen+ zählt er mit zu den ersten und besten

Teen. Wer Blut bricht, nehme ihn schleunigst. Ich kenne Fälle, in

denen nach vier Minuten schon völliger Stillstand eintrat.

Bei +starkem Nasenbluten+ ziehe man durch die Nase wiederholt solchen

Tee auf. Er wirkt zusammenziehend und hilft schnell.

Solchen, die von +Blutflüssen+ heimgesucht werden, empfehle ich,

täglich ein bis zwei Tassen dieses Tees zu trinken.

In jeder Hausapotheke sei Zinnkraut in genügender Menge vorhanden, daß

man es im Falle der Not, die oft plötzlich hereinbricht, sofort zur

Hand habe.

[Illustration]

Inhalt einer kleinen Hausapotheke.

=I. Tinkturen=

von

Arnika,

Enzian,

Heidelbeeren,

Rosmarin,

Wacholderbeeren,

Wegwart,

Wermut.

=II. Tee=

von

Angelika,

Anserine,

Attich,

Augentrost,

Baldrian,

Bitterklee,

Brennessel,

Dornschlehblüten,

Eibisch,

Eichenrinde,

Erdbeeren,

Hagebutten,

Hollunder,

Huflattich,

Johanniskraut,

Kamille,

Lindenblüten,

Lungenkraut,

Malve,

Minze,

Mistel,

Raute,

Rosmarin,

Salbei,

Schafgarbe,

Schlüsselblume,

Spitzwegerich,

Tausendguldenkraut,

Veilchen,

Wacholderbeeren,

Waldmeister,

Wegwart,

Wermut,

Wollkraut,

Wühlhuber,

Zinnkraut.

=III. Pulver=

von

Alaun,

Aloë,

Angelika,

Attich,

Augentrost,

Baldrian,

Fenchel,

Kampfer,

~Foenum graecum~,

Huflattich,

Leinsamen,

Minze,

Salbei,

Santala,

Wermut;

ferner

Knochenpulver,

Kohlenstaub,

Kreidemehl.

=IV. Öle=

von

Anis,

Fenchel,

Kampfer,

Raute,

Wacholderbeeren;

ferner

Mandelöl,

Nelkenöl,

Salatöl,

Spiköl.

[Illustration]

[Illustration]

Kraft-Nährmittel und Verwandtes.

Rezept zur Bereitung des Kleienbrotes.

Man läßt in der Mühle den Weizen mahlen mitsamt der Kleie. Die Müller

tun dieses nicht gerne aus naheliegenden Gründen;[27] man soll deshalb

die erhaltene Ware stets gut mustern.

Von dem Kleienmehle nimmt man 1, 2, 3 bis 4 Kilo (je nachdem man für

wenige oder mehrere Personen zu backen hat) in eine Schüssel und macht

mit heißem Wasser einen Teig an, der über die Nacht an einem mäßig

warmen Orte stehen bleibt. +Weder Sauerteig+, +noch Salz+,

+noch anderes Gewürz+ darf an den Teig kommen.

Am andern Tage formt man aus dem Teige kleinere, länglich runde

Laibchen oder Wecken, bringt sie in den wie zum Backen gewöhnlichen

Brotes geheizten Backofen und läßt sie 1¼-1½ Stunden in der Hitze.

Sogleich beim Herausnehmen stößt man das gebackene Brot auf 3-4

Sekunden in siedend heißes Wasser, dann kommt es gleich wieder zur

Trocknung in den Ofen.

Diese letztere Manipulation habe ich von einem Prior der Trappisten

erfahren, der sagte, er habe das Backen solchen Brotes lange und auf

verschiedene Weise probiert und gefunden, daß diese Art des Backens die

beste sei, indem so aus der Kleie aller Nähr-, insbesondere Zuckerstoff

ausgezogen werde.

Ich kenne viele Männer, die mit Vorliebe solches Brot gegessen haben,

jetzt noch essen und sagen, daß es bei Magen-, bei Verdauungs-,

insbesondere bei +Hämorrhoidal-Beschwerden+ vorzügliche, einzige

Dienste leiste.

Andere habe ich gekannt, die das geschmack- und gewürzlose Brot beim

ersten Verkosten sonderbar fad fanden, die aber später, ich kann sagen,

mit fast leidenschaftlicher Vorliebe darnach gegriffen haben.

Das gebackene Brot werde an einem kühlen Orte aufbewahrt und, sollte

die Kruste zu hart sein, mit einem feuchten Tuche umwunden.

Etwas über die „Kraftsuppe“.

Ich bin der Ueberzeugung: wenn die Kraftsuppe erkannt und benützt

wird, kann man eine große Anzahl unglücklicher Menschen beglücken.

Gerade die Kraftsuppe ist nicht bloß wegen ihrer außerordentlich guten

Nährstoffe zu empfehlen, sondern auch weil sie sehr wohlfeil und leicht

zu bereiten ist.

Ein Herr von Stand, der diese Kraftsuppe kennen gelernt hatte, kaufte

bei einem Bauern zwei große schwarze Laibe Brot. (Das schwarze Brot

ist bekanntlich nur von Roggenmehl bereitet und wird für die Landleute

genau eingemahlen, so daß nur wenig Kleie zurückbleibt und mithin aller

Nährstoff des Roggens ausgenutzt wird.) Diese zwei Laibe Brot ließ der

Herr in kleine Schnittchen schneiden und auf eine blecherne Platte

bringen, welche auf den heißen Herd gestellt wurde, um das Brot soviel

als möglich auszutrocknen. So recht hart getrocknet wurde es in einem

Mörser zu einem groben Pulver gestoßen. Wollte er eine Kraftsuppe, so

rührte er zwei bis drei Löffel voll von diesem Brotpulver in siedende

Fleischbrühe, tat ganz wenig oder gar kein Gewürz, ebenso nur wenig

Fleischbrühe daran. In zwei Minuten war die Suppe fertig. Sie schmeckt

vorzüglich, gibt sehr gute Nahrung und bewirkt keine oder doch nicht

viel Gase. -- Statt Fleischbrühe hat der Herr öfters Milch genommen

und, wenn diese im Sieden war, das Brotmehl eingerührt. Nach zwei

Minuten war auch diese Suppe fertig. Dieselbe hat noch einen großen

Vorzug vor der mit Fleischbrühe bereiteten, weil ja die Milch die

meisten Nährstoffe hat.

Hatte der Herr gerade keine Milch und keine Fleischbrühe, so ließ er

Wasser sieden und ins siedende Wasser dieses Brotmehl einrühren. Es kam

dann etwas Gewürze und Rindschmalz dazu, und auch diese Suppe verdient

den Namen Kraftsuppe.

Meine Wasser-Kur Durch mehr als 40 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit · 第 14 / 36 段