leichtverdauliche Speisen. Was die schwächste Natur noch verarbeiten
kann, ist ein +Absud der Kleie+, gleichsam der Extrakt der Frucht
selbst.[24]
Man nehme +Weizen-+ oder +Kornkleie+ und koche sie drei Viertelstunden
in heißem Wasser. Dann presse man die Kleie aus, +mische in den Absud
Honig+ und lasse die Mischung nochmals eine Viertelstunde aufkochen.
Von dem fertigen Kleientrunke nehme der Patient zweimal im Tage je
einen Viertelliter. Semmelbrot, das er in den süßen Saft taucht, wird
ihm sehr gut schmecken.
Für +Kinder+ und +alte Leute+ weiß ich kaum einen besseren Trank; mit
Dank werden dieselben stets dieses Labsal begrüßen.
Daß wir alle doch wieder einfacher, genügsamer, natürlicher zu werden
strebten! Gott gebe es; viel hängt davon ab!
=Knochenmehl.=[25]
Von diesem +Knochenkohlenpulver+ bereite ich mir stets drei
Sorten. Die +erste Sorte+ ist das sogenannte
=~a~) Schwarze Pulver.=
Ich nehme gesunde Knochen eines gesunden, geschlachteten Stückes
Vieh und setze dieselben so lange der Glühhitze aus, bis die Knochen
zu Kohle verbrannt sind. Diese schwarzen Knochenkohlen werden fein
zerstoßen, und das überaus einfache und unschädliche schwarze Pulver
ist fertig.
Als +zweite Sorte+ verwahre ich das sogenannte
=~b~) Weiße Pulver.=
Ich brenne die Knochen wie Kalk, d. h. so lange, bis sie das Aussehen
haben wie frischgebrannter Kalk. In der Tat habe ich ja auch der
Hauptsache nach Kalk vor mir; denn die beigemengten Salze oder anderen
Stoffe bilden bei weitem den kleinsten Teil. Die verkalkten Stoffe
werden wieder pulverisiert, d. h. zu Pulver zermalmt, und ich habe ein
Pulver, welches das Ansehen hat wie Kreidemehl, das sogenannte weiße
Pulver.
Eine +dritte Sorte+ nenne ich das
=~c~) Graue Pulver.=
Ein Teil weißes Pulver, ein Teil schwarzes Pulver, ein Teil zerstoßener
weißer Weihrauchkörner dürften in der Farbenmischung ungefähr auf grau
herauskommen. Daher der Name.
Wer meine Bemerkungen zu der Rubrik „Kreidemehl“ gelesen hat, wird
verstehen, weshalb das Knochenkohlenpulver in meiner Hausapotheke eine
Rolle, und zwar eine sehr +wichtige Rolle+ spielt.
Nach +schweren Krankheiten+ und +bei Patienten, die recht
geschwächt, an Kräften tief heruntergekommen sind+, ist die Wirkung
am auffallendsten. Ich selbst konnte manchmal mein Staunen nicht
unterdrücken.
Unklar könnte erscheinen, weshalb ich +drei verschiedene Pulver+ von
denselben Knochen bereite. Die drei Arten des Knochenkohlenpulvers
entsprechen verschiedenen Arten der Schwäche, an welcher die Patienten
leiden.
+Rekonvaleszenten+, die eine +Kräftigung des Gesamtorganismus+
notwendig haben, selbst +Kinder+, die wie verkümmerte Waldbäumlein ein
+elendes Dasein+ fristen und, man weiß nicht warum, mit den Jahren
doch nicht an Kraft zunehmen (hieher zählen besonders die +Kinder+,
welche an der sogenannten +Englischen Krankheit+ leiden), bekommen das
+schwarze Pulver+ täglich in Wasser oder in der Speise, ein bis zwei
Messerspitzen.
+Patienten+, bei denen ich sehe, daß die Maschine nur langsam und träge
arbeitet, daß es mit der Verdauung und Blutbildung schlecht bestellt
ist, daß manche Bestandteile des Körpers nur karg und unregelmäßig
das bekommen, was sie zum Wachstum, zum Ansatze notwendig brauchen,
daß insbesondere das +Knochengerüste+ wie ein baufälliges Mauergerüst
wackelt und am Zusammenbrechen ist, solche bekommen das +weiße
Kalkpulver+. Wie die Mutter dem ganz Kleinen Mehlbrei gibt, der dem
noch zahnlosen Milchkindlein mund- und magengerecht ist, so bediene ich
sozusagen die armen, hungrigen Knochen mit Knochenmehl, auf daß sie
einzeln und im Ganzen wieder zusammenhalten.
Wie die Beimischung des Weihrauches besagt, wird das +graue
Pulver+ insbesondere denjenigen Patienten oder Rekonvaleszenten
verabreicht werden, bei denen die +inneren Gefäße in großem
Schwächezustande+ sind.
Nun hast du, lieber Leser, das Geheimnis vom schwarzen, weißen und
grauen Pulver, von dem viele, sehr viele Patienten zu erzählen wissen,
und worüber schon so viel geraten und disputiert worden ist. Glaube
mir, durch diese Pulver allein hätte ich ein reicher Mann werden
können! Ich verabscheue und verurteile im Prinzip die Geheimmittelei
und stimme vollkommen jenen bei, welche dieselbe als Pfuscherei und
Quacksalberei brandmarken und verdammen. Meine Mittel brauchen das
hellste Tageslicht nicht zu scheuen. Jeder prüfe und wähle das Beste!
=Kohlenstaub.=
Kohlenstaub wird stets aus Holzkohle bereitet. Den feinsten und besten
liefert das +Lindenholz+, den selbst manche Apotheker bereiten.
In Ermangelung von Lindenholzkohlen reicht jede +Holzkohle+ aus.
Je +frischer+ sie ist, desto +bessere Dienste+ tut sie. Die
frischeste Kohle ist die soeben aus dem Feuer geholte. Zerdrücke sie
fein und du hast den oben genannten Kohlenstaub!
Nach Krankheiten, in denen die +Verdauungsorgane+ schwer gelitten
haben, erleichtert diese unsere Kohle die Arbeit um ein gutes Stück.
Es klingt vielleicht sonderbar, aber es ist so. Am leichtesten nehmen
solche Rekonvaleszenten den Kohlenstaub in Milch mit etwas Zucker. Das
Quantum darf täglich +einen mittleren Eßlöffel+ ausmachen und auf
einmal oder in zwei Malen genommen werden.
+Auszehrende+ dürfen täglich im ganzen zu verschiedenen Zeiten
zwei Schoppen Milch trinken und in jeden Schoppen (Glas) einen Löffel
Kohlenstaub mischen.
Besondere Wirkung erzielt man bei +Leberkrankheiten+. Das Pulver
werde wieder in Milch genommen.
Auf +alle eiternden, netzenden Geschwüre+ gepudert, täglich ein-
bis zweimal, saugt der Kohlenstaub auf und befördert und beschleunigt
durch diese Auftrocknung die +Neubildung der Haut+.
=Kreidemehl.=[26]
Wer hat nicht schon gesehen, wie nicht allein die Hühner, sondern auch
andere Haustiere Körnchen von Kalk oder Mörtel verschlucken? Und wer
hat nicht schon gehört, wie es notwendig geworden ist, vor manchem
Kinde die Schulkreide zu verstecken, weil es sonst dieselbe entwendet
und mit leidenschaftlichem Behagen das Stück wie Zucker zerbeißt und
ißt?
+Sollte die Kreide bei manchen Zuständen dem Menschen in der Tat
dienlich sein?+ Obige Vorkommnisse mahnen zu reiflichem Nachdenken.
Ich habe Kreidemehl in großen Quantitäten selbst angewendet und viele
es anwenden lassen. Die Erfolge waren ganz merkwürdige, d. i. überaus
günstige.
Die Kreide enthält Kalk, Schwefel und andere Stoffe oder sagen wir
lieber Baumaterialien, welche der menschliche Körper notwendig braucht,
insbesondere zum Bau des Knochengerüstes, dieses herrlichen und
kunstfertigen Baues des tüchtigsten Baumeisters.
Bei +Schwächlingen+ könnte der Bau mißraten oder an Festigkeit
einbüßen; es fehlt ihnen gleichsam der gute Kalk, der alles andere,
Sand und Steine, bindet.
Diesen, selbst +Kindern+, die +recht schwach+ sind, gebe ich
Kreidemehl, täglich eine Messerspitze in Wasser oder in der Speise. Da
das Mehl geschmack- und geruchlos ist, nimmt man es sehr leicht.
Wer an +schwacher Verdauung+ leidet, wer überhaupt bei aller
Pflege nicht recht wachsen oder gedeihen will, probiere einmal täglich
das oben angegebene Quantum Kreidemehl.
„Hier ist gegypst,“ ließ Franklin mit solchem oder wenigstens ähnlichem
Kreidestaub auf ein herrlich prangendes Kleefeld in großen Lettern
schreiben. „Bei diesem oder jenem wurde gekreidet,“ könnte ich von
vielen Patienten sagen, die mir unter die Hände geraten sind.
Vor allen anderen Kranken empfehle ich diesen weißen Staub
+Bleichsüchtigen+, die jeden Tag nicht eine, sondern zwei
Messerspitzen -- die eine in der Frühe, die andere abends --
nehmen sollen. Ihr Weiß wird dieses Weiß bald wieder ins gesunde,
lebensfrische Rot verwandeln.
Wirksamer noch als Kreidemehl ist Knochenmehl.
=Kümmel= (~Carum Carvi L.~)
siehe oben unter „Fenchel“ S. 128.
=Lavendel=, =Spike= (~Lavandula vera DC.~)
siehe unten S. 147 bei „Spiköl“.
=Lebertran.=
Ein tüchtiger Militärarzt tat mir gegenüber einst den Ausspruch: „Mit
Lebertran wird großer Unfug getrieben, und schlechter Lebertran hat
oft schon recht bittere Folgen nach sich gezogen. Es gibt Inseln, dort
wirkt er bei skrofulösen Zuständen. Sonst aber verachte ich ihn.“
Niemand ist an dieses Urteil gebunden. Ich für meine Person verwende
denselben nie. Als Heilmittel gilt er mir nicht, und da ich schlechten
Lebertran als Nährmittel fürchte, gebe ich zur Nahrung anderes, welches
das reichlich ersetzt und bringt, was Lebertran bringen soll.
=Leinsamen.= (~Linum usitatissimum L.~)
Die Leinsamenumschläge oder Aufleger sind allbekannt und allgemein
in Übung. Mit denselben erzielt man ähnliche Wirkung (kühlend,
aufweichend, lösend, ausziehend) wie mit ~Foenum graecum~. Ich
gebe letzterem den Vorzug, da es mit mehr Kraft und Energie den Feind
angreift.
=Lindenblüten.= (~Tilia grandifolia~ und ~parvifolia
Ehrh.~)
Fast nur noch ältere Leute der alten Schule sammeln die einst so
beliebten Lindenblüten. Sie haben ganz recht und mögen nur treu und
konservativ bleiben.
Der Lindenblütentee ist neben dem Holunderblütentee der bekannteste
+Schwitztee+. Über das Schwitzen, wie es in der Regel betrieben,
vielmehr dem mißhandelten Körper ausgepreßt wird, habe ich meine für
dasselbe nicht günstigen Sonderansichten. Dagegen verwende ich die
Blüten sehr gerne für die den Schweiß erzeugenden und das Schwitzen
ersetzenden Dämpfe.
Trefflich wirkt solcher Tee bei +altem Husten+,
bei +Verschleimungen+ der Lunge und Luftröhre, bei
+Unterleibsbeschwerden+, die ihren Ursprung in der Verschleimung
der Nieren haben.
Statt der Lindenblüten verwende ich vielfach das Johanniskraut mit oder
ohne Mischung von Schafgarbe; siehe Johanniskraut oben Seite 136.
=Lungenkraut=
siehe unten S. 148.
=Malve oder Stockrose.= (~Althaea rosea L.~)
Unter den Blumen im Garten dürfen die Malven nicht fehlen. Als der gute
Schöpfer ihre uns erfreuende Blüte malte, hat er mit der Farbe in jedes
Blättchen einen Tropfen Heilsaft gegossen.
Die Malvenblüten, besonders die der schwarzen Malve, als +Tee+
bereitet, heilen +Halsgebrechen+ und lösen +Verschleimungen+
auf der Brust. Gewöhnlich mischt man diese Blüten mit jenen des
Wollkrautes.
Zu +Dämpfen+, mögen dieselben zum +Einatmen+ oder
insbesondere als Ohrendämpfe dienen, erweist sich die Malve als sehr
nützlich.
=Mandelöl.=
Das süße Mandelöl soll unter den Ölen der Hausapotheke einen der
ersten Plätze einnehmen. Dasselbe wirkt bei verschiedenen Leiden und
Gebrechen, innerlichen wie äußerlichen, lindernd, kühlend, lösend.
Bei +Verschleimungen+ in der +Luftröhre+, im +Magen+ löst es auf und
stellt in letzterem Falle den Appetit und die Verdauung wieder her.
Bei +Entzündungen+, besonders bei der gefürchteten +Lungenentzündung+,
kühlt es. Solche Kranke sollen täglich drei- bis viermal je einen
Kaffeelöffel Mandelöl einnehmen.
Äußerlich angewendet dient dieses Öl vorzüglich bei den verschiedenen
+Ohrenleiden+. Bei +Ohrensausen+, +Ohrenreißen+, +Ohrenkrampf+,
bei +verhärtetem Ohrenfett+ ist Mandelöl das beste mir bekannte
schmerzstillende, eventuell auflösende Mittel. Man gieße sechs bis acht
Tropfen in das leidende Ohr und verstopfe dieses mit Baumwolle.
Wer durch +Erkältung+, +Zugluft+, +rheumatische Zustände+ am Gehör
gelitten hat, gieße den einen Tag in das eine Ohr sieben bis acht
Tropfen, den andern Tag in das andere ebensoviel und verstopfe jedesmal
die Öffnung. Nach einigen Tagen kann er, mit lauwarmem Wasser das
innere Ohr ausspülend, nach dem Erfolge forschen. Besser noch ist +der+
Patient daran, welcher sich durch einen Sachverständigen sachte mit
einem Ohrenspritzchen behandeln läßt.
+Geschwülste mit großen Hitzen+ (Entzündungen) sollen mit Mandelöl zart
eingerieben werden; es lindert den stechenden Schmerz und kühlt die
brennende Hitze.
Die sogenannten „+Schrunden+“ der Landleute, die manchmal recht
wehe tun, die +durch Sitzen+, +Liegen+, +Reiten+ usw. +entstandenen
Wunden+, mögen diese was immer für einen Körperteil peinigen, werden
durch Anwendung (gelindes Einreiben) mit süßem Mandelöl vortrefflich
behandelt.
Wer unser Öl nicht besitzt, nehme statt dessen Salatöl; siehe unten
Seite 146.
=Minze, Pfeffer- und Wasser-Minze.= (~Mentha piperita L.~ und ~Mentha
aquatica L.~)
Pfeffer- (im Garten) und Wasser-Minze sind verwendbar und in ihren
Wirkungen wenig verschieden. Der Wasserminze, die stärker wirkt,
gebe ich den Vorzug. Die Minze zählt zu den +Hauptmitteln+, welche
den +Magen stärken+ und die +Verdauung befördern+. Schon der würzige
Geruch zeigt an, daß dieses Kräutchen bezüglich seiner Heilkraft einen
vornehmen Platz einnehmen müsse.
Wer Minzenkräuter bei +heftigem Kopfweh+ auf die Stirne bindet, wird
bald schon ein Nachlassen und eine Beruhigung fühlen.
+Minzentee+, jeden Morgen und jeden Abend eine Tasse, befördert die
+Verdauung+ und macht das +Aussehen+ gesund und frisch.
Denselben Dienst tut das +Pulver+, wenn ich täglich ein bis zwei
Messerspitzen desselben in Speisen oder in Wasser nehme.
Durch +Krankheit+ sehr +Geschwächte+, bei jeder Kleinigkeit vom
+Herzklopfen+ Befallene, viel an +Übelkeiten+ und +häufigem Erbrechen+
Leidende sollen den Tee und das Pulver der Minze recht oft gebrauchen.
Minzen-+Tee+, in +halb Wasser+ und +halb Wein+ bereitet, mehrere
Tage hindurch täglich eine Tasse genommen, nimmt den +übel-+ und
+faulriechenden Atem+.
Minzenabsud, +mit Essig+ bereitet, von Zeit zu Zeit löffelweise (ein
bis zwei Kaffeelöffel) genommen, stillt das +Blutbrechen+.
Minzen, in +Milch+ wie Tee bereitet und warm getrunken, benehmen die
+Unterleibsschmerzen+.
Daß doch jede Hausfrau diesen wohledlen Pflänzchen neben der Raute ein
Eckchen im Garten anweisen möchte! Sie lohnen die Mühe allein schon
durch den ungemein erfrischenden Wohlduft, den sie bei jeder Berührung
freigebigst in unsere Hand legen.
=Mistel.= (~Viscum album L.~)
Diese Schmarotzerpflanze, die insbesondere auf alten Bäumen gut
gedeiht, ist gleichwohl eine treffliche Heilpflanze. Ihre Heilwirkungen
erstrecken sich in erster Linie aufs Blut, und ich kann den Müttern
nicht genug ans Herz legen, recht gute Bekanntschaft mit diesem Kraute
zu machen.
+Tee+ von Mistel stillt +Blutflüsse+. Ich könnte eine Reihe
von Fällen aufzählen, bei denen eine einzige Tasse zur Stillung genügt
hat.
Auch bei anderen +Störungen im Blutumlaufe+ kann diese Pflanze und
ihr durchaus unschädlicher Tee zu Rate gezogen werden.
Mit Misteln kann man (zur Hälfte) +Zinnkraut mischen+; auch
+Santala+, ein rotes Pulver, dient gut zur Beimengung; siehe
„Santala“ unten S. 146.
=Nelkenöl.=
Das Nelkenöl wirkt ähnlich wie das Mandel- und das Salatöl, mit denen
es auch häufig vermischt wird.
Als besonders dienlich hat es sich mir erwiesen gegen +faule Gase+
und +verdorbene, faule Säfte+ und +Stoffe+ im Magen.
In der Regel nimmt man das Nelkenöl auf Zucker, täglich ein- bis
zweimal, je 4 bis 6 Tropfen.
=Raute, Garten- oder Wein-Raute=. (~Ruta graveolens L.~)
Diese edle, heilkräftige Pflanze ist leider noch allzu wenig bekannt,
das heißt in ihren vorzüglichen Wirkungen anerkannt. Die Pflanzen reden
zu uns durch ihren Geruch. Wie klar und durchdringend meldet die Raute
ihren guten Willen, uns Menschen, für die sie geschaffen, zu helfen,
verschiedenes Leid zu lindern, als wenn jedes der kleinen Blättchen
gleichsam ein Zünglein wäre. Daß wir dieses Sprechen stets verstünden!
Die Raute wirkt, wie und wo immer sie angewendet wird, stärkend und
kräftigend.
Wer nur ein Blättchen kaut, kann diese Wirkung alsbald auf der Zunge
verspüren. Dazu erquickt sein Geschmack die ganze Mundhöhle; er tut
wohl und hält an wie Weihrauchduft, der ein Haus erfüllt.
Bei +Kongestionen+, das ist +Blutandrang+ zum Kopfe +bei
Eingenommenheit des Kopfes+, +bei Schwindel+ bewährt sich +Tee
von Raute+ vortrefflich; nicht minder bei +Atmungsbeschwerden+,
+Herzklopfen+ und allen +Unterleibs- Beschwerden+ und +-Zuständen+
(Krämpfen usw.), die in Schwäche des Gesamtkörpers oder einzelner
Organe ihren Grund haben. Ich empfehle diesen Tee insbesondere allen
jenen Personen, die zu den genannten +Schwächen+, zu +Krämpfen+,
+Hysterie+ usw. Anlage verraten.
Wer Raute in +Spiritus+ ansetzt, kann statt des Tees bei den
bezeichneten Übeln täglich (höchstens) zweimal 10 bis 12 Tropfen auf
Zucker nehmen.
+Rautenöl+ wird ebenso genommen. Die +Bereitung+ des letzteren
geschieht folgendermaßen: Gedörrte Rautenblättchen werden zerquetscht
und in ein Glas gebracht. Daran gießt man feineres Salatöl und stellt
das Glas längere Zeit an die Wärme. Später gießt man den Inhalt ab und
nimmt ihn, wie angegeben, tropfenweise.
=Rosmarin.= (~Rosmarinus officinalis L.~)
Ein Sträußchen von Rosmarin darf am Hochzeitstage keinem Gaste, bei
solennen Festlichkeiten keinem rechten Teilnehmer fehlen. Eine Schande
aber wäre es nicht minder, wenn dem Sammler für die Hausapotheke dieses
würzige Kraut entginge.
Rosmarin ist ein vorzügliches +Magenmittel+. Als
+Tee+ zubereitet und getrunken reinigt er den Magen von
+Verschleimungen+, bewirkt guten Appetit und gute Verdauung. Wer
gerne das Medizinglas auf seinem Tisch oder Stuhl prangen sieht, diesen
Tröster in Krankheiten, der fülle ein solches mit Rosmarintee und nehme
morgens und abends je zwei bis vier Eßlöffel voll. Der Magen wird bald
Raison annehmen, d. i. nicht mehr lange in der Verschleimung stecken
bleiben.
+Rosmarinwein+ sodann, in kleinen Portionen getrunken, hat sich
als treffliches Mittel gegen +Herzgebrechen+ bewährt. Er wirkt
beruhigend und bei +Herzwassersucht+ stark auf Ausscheidung durch
den Urin.
Dieselben Dienste leistet solcher Wein bei der +Wassersucht+
überhaupt.
In beiden Leiden nehme man täglich morgens und abends 3 bis 4 Eßlöffel
oder ein kleines Weingläschen von dem angenehmen Tranke, an den man
sich bald gewöhnen wird.
Zur überaus einfachen +Bereitung+ schneide man eine Handvoll
Rosmarin möglichst klein, bringe das Zerschnittene in eine Flasche und
gieße diese mit gutem, gelagertem (am besten Weiß-) Weine auf. Nach
einem halben Tage schon ist der Abguß als Rosmarinwein verwendbar.
Dieselben Blättchen können zu einem neuen Ansatze nochmals verwendet
werden.
=Salatöl.=
Salatöl ist jede Sorte (Art) von Öl, die zur Bereitung der Speisen,
besonders des Salates verwendet wird. Im Handel nennt man es gewöhnlich
Tafelöl, Tischöl oder Speiseöl. Die edelste, vorzüglichste dieser
Sorten bildet das reine, feine Olivenöl.
Man lese das über das Mandelöl Gesagte nach; wenn dieses abgeht, kommt
Salatöl in Verwendung. Bei geringem Vorrate von Mandelöl kann ihm
Salatöl beigemischt werden.
Das hier genannte Salatöl soll reines +Provenceröl+ oder
wenigstens reines +Repsöl+ sein.
Die Art der Verwendung (das Wie und Wo) ist dieselbe wie jene des
Mandelöles.
=Salbei, Garten-Salbei.= (~Salvia officinalis L.~)
Wer ein Gärtchen beim Hause hat, wird, wenn er es neu anlegt, den
Salbeistock nicht vergessen; er ist eine hübsche Zierpflanze. Oft
habe ich’s gesehen, daß Vorübergehende ein Blatt nahmen und damit
die schwarzen Zähne rieben. Dieses besagt, daß Salbei +reinigende
Kraft+ besitzt.
+Alte, eiternde Schäden+ (Wunden), mit Absud von Salbei
ausgewaschen oder überbunden, heilen sicher und schnell.
+Verschleimungen in Gaumen, Hals und Magen+ entfernt Tee von
Salbei.
Salbei, den man wie +Tee in Wasser+ und Wein absiedet und trinkt,
reinigt +Leber und Nieren+.
Kräftiger sind die genannten Wirkungen, wenn mit +Salbei Wermut+
(halb und halb) vermengt und die Mischung als Tee zubereitet wird.
+Pulver+ dieser Heilpflanze, wie Pfeffer, Zucker oder Zimmt auf Speisen
gestreut, leistet bei den verzeichneten Leiden dieselben Dienste wie
Tee.
=Santala.=
Santala ist ein rotes Pulver vom Santelholzbaum, eigentlich zum
Rotfärben dienend; es kann in jeder Apotheke gekauft werden.
Ich +mische+ dieses ganz harmlose Heilmittel +stets mit dem Tee von
Misteln+, indem ich zu einem Eßlöffel Mistelblätter zwei Messerspitzen
Santala nehme und so die Wirkung besagten Tees verstärke; s. oben unter
„Mistel“ S. 144.
=Sauerkraut.=
Auch dieses bekannte Heilmittel möge hier seine wohlverdiente Stelle
finden.
Bei +Verwundungen+, +Verbrennungen+ und anderen derartigen Zufällen,
bei +großen Hitzen+, zur +Auflösung+ und +Ausleitung alter Schäden+
usw. tun Auflagen frischen (der Krautstande eben entnommenen)
Sauerkrautes ausgezeichnete Dienste.
Man sehe bei den betreffenden Krankheiten selbst nach.
Das Heilmittel ist für Landleute zumal um so beachtenswerter, je
leichter und schneller sie dasselbe zur Hand haben.
=Schafgarbe= (~Achillea millefolium L.~)
siehe oben Seite 136.
=Schlüsselblume.= (+Primula officinalis L.+)
Nur die +dunkelgelbe+ Schlüsselblume hat Wert für die
Hausapotheke. Schon der Geruch verrät, daß in all diesen Blütenkelchen
eine besondere Heilflüssigkeit stecken müsse. Kaut man zwei bis drei
dieser gelben Trichterchen, so fühlt man recht gut, welch medizinischen
Gehalt sie bergen.
Wer Anlage hat zur +Gliedersucht+, +zur Gliederkrankheit+
oder schon an diesen Gebresten leidet, trinke längere Zeit hindurch
täglich eine Tasse Schlüsselblumentee. Die heftigen Schmerzen werden
sich lösen und allmählich ganz verschwinden.
=Spiköl.=
Spiköl oder Lavendelöl ist in jeder Apotheke leicht zu kaufen. Es darf
unter den Hausmitteln nicht fehlen.
Täglich zu zwei Malen, je zu fünf Tropfen auf Zucker eingenommen,
befördert es die +Verdauung+ und macht guten +Appetit+.
Wer an +Blähungen+ leidet, an +Kopfweh+ infolge von aufsteigenden
Gasen, an +Uebelkeiten+, nehme Spiköl wie oben angegeben.
Bei +Gemütsleidenden+ habe ich dasselbe sehr oft mit bestem Erfolge
verwendet, und ich behaupte, daß die Heilung in sehr vielen Fällen mit
der Entfernung der namentlich auf das Gehirn schlimm einwirkenden Gase
zusammenhängt. Nach meinem Dafürhalten schenkt man in der Behandlung
Kranker diesen Gasen viel zu wenig Aufmerksamkeit. Wer je an Blähungen
gelitten hat, weiß zu erzählen, welch’ fatale Rolle diese im Körper
wütenden Winde und Stürme spielen.
Bei +Appetitlosigkeit+, +Kongestionen+, +Schwindel+ und all den
+mannigfaltigen Kopfleiden+ mag man sich an die anfangs gegebene
Verordnung halten.
=Spitzwegerich.= (~Plantago lanceolata L.~)
Wenn die Landleute sich bei ihren Arbeiten verwunden, so suchen sie
rasch Blätter von Spitzwegerich und ruhen nicht mit Drücken und
Kneten, bis das etwas störrige Blatt sich einige Tropfen auszwingen
läßt. Diese bringen sie entweder direkt in die +frische Wunde+, oder
sie befeuchten damit ein Läppchen, das sie an den wunden Teil bringen.
Verweigert das Blatt seinen Heilsaft, läßt es sich bloß mürbe und etwas
feucht reiben, so legen die Leute die +mürben Blätter selbst auf+. Ist
dabei Gefahr der Blutvergiftung? Das kennt der Spitzwegerich nicht.
Ein solcher Verband ist der erste, aber manchmal der beste Notverband;
denn die Heilung solcher Wunden geht rasch vor sich. Wie mit Goldfäden
näht der Wegerichsaft den klaffenden Riß zu, und wie an Gold sich nie
Rost ansetzt, so flieht den Spitzwegerich jede Fäulnis und faules
Fleisch. -- Die +Wirkung+ dieser Pflanze +nach innen+ ist nicht minder
vorteilhaft. Daß doch Hunderte von Menschen im Frühjahr oder Sommer
diese Heilblätter sammelten, zerquetschten, die Säfte auspreßten und
+tränken+! Zahllose innere Gebrechen, die aus dem unreinen Blute
und den unreinen Säften wie Giftpilze hervorschießen, würden nicht
eintreten. Das sind Wunden, die freilich nicht bluten, aber vielfach
noch gefährlicher sind.
Die +gedörrten Blätter+ von Spitzwegerich geben gleichfalls eine
prächtige +Teepflanze ab gegen innere Verschleimung+. Die Zeitungen
bringen oft lange Anpreisungen der vortrefflichen Wirkungen von
Spitzwegerich, noch längere über die da oder dort bereiteten
Spitzwegerichsäfte.