uns herüber gebracht; man sieht sie jetzt nicht selten an den Fenstern
der Blumenfreunde zwischen anderen Blumenstöcken hervorragen. Sie
fällt auf und ist erkenntlich durch ihre recht dicken, fleischigen,
ziemlich langen Blätter, die seegrün sind und viele Stacheln tragen.
Blüten bringt sie selten; wenn man aber die Wirkung der fleischigen
Blätter kennen würde, dann würde sicher jeder Blumenfreund auch diese
ausländische Pflanze in einem Topfe unter seinen Blumen haben.
Die Wirkungen sind folgende:
Wenn man ein solches Blatt nimmt, es in Wasser siedet und trinkt, so
reinigt eine solche Tasse Magen wie Gedärme. Auch auf kranke Leber und
Gelbsucht wirkt diese Pflanze, wenn sie zu Pulver gemacht, und täglich
zweimal eine Messerspitze voll davon eingenommen wird.
Wenn man von derselben so ein Blatt mit einem Kaffeelöffel voll Honig
in einem Schoppen Wasser siedet und in kleinen Portionen einnimmt,
dann nimmt dieser Absud die innere Hitze aus den Augen, wenn dieselben
damit gut ausgewaschen werden. Wermut, mit Aloë gesotten, treibt die
wässerigen, schlechten Stoffe, aus denen leicht Wassersucht entstehen
kann, aus und macht einen recht guten Magen.
Dieses wenige Angeführte veranlaßt mich, jedem Blumenfreunde den Rat zu
geben, diese Pflanze auch in einem Topfe unter seinen Blumenstöcken zu
pflegen.
=Alaun.=
Alaun ätzt, er eignet sich demnach für +faule+, +bösartige
Schäden+. Ich habe gesehen, wie er selbst den noch +nicht zu weit
vorgeschrittenen Krebs+ am Weiterfressen hinderte.
+Schwärende+, +eingewachsene+ Nägel sollen stets mit Alaun
behandelt werden.
Die +Anwendung+ ist folgende:
Alaun wird entweder +gepulvert+, d. i. zu feinem Staub
zerrieben und direkt auf die Wunde aufgestreut, oder er wird +in
Wasser aufgelöst+ und die Auflösung in Form von Waschungen oder
eingetauchten kleinen Linnenauflagen benützt.
Sind die Wunden von Eiter, Faulfleisch usw. ganz gereinigt, so wirkt
Alaun +zusammenziehend+, +trocknend+ und +rasch heilend+.
Für +Zähne+, an denen sich +ungesundes Fleisch mit unterlaufenem
Blute+ ansetzt, ist +verdünntes Alaunwasser+ ein erprobtes
Mittel.
Als +Mundwasser+ zum Ausspülen des Mundes und der Zähne, sowie als
+Gurgelwasser+ dient Alaunwasser längst.
=Aloë.= (~Aloë vulgaris Lam.~)
Aloë (man kauft das Pulver in der Apotheke) ist sowohl innerlich
als äußerlich verwendet von guter Wirkung. Siedet man eine bis zwei
Messerspitzen +Aloëpulver+ mit einem Kaffeelöffel voll Honig, so
reinigt diese Mixtur den +Magen+ gründlich ohne die geringste
Belästigung.
Wird Aloë mit anderen Kräutern vermengt und als +Tee bereitet+,
so ist obige Wirkung noch nachhaltiger. Die Mischung hat gewöhnlich
+folgende Zusammensetzung+: eine Messerspitze Aloë, Holunderblüten
für zwei Tassen Tee, ein paar Messerspitzen Foenum grecum, ein
Kaffeelöffel Fenchel. Die zwei Tassen Tee sind innerhalb zwei Tagen zu
nehmen. Die Wirkung, die nicht in heftigem Abführen, sondern lediglich
in reichlichem Stuhlgang besteht, tritt erst nach 12-30 Stunden ein.
Eine Anwendung von Aloë mit Johanniskraut und Schafgarbe wird an
anderer Stelle erwähnt werden.
Dieselbe reinigende Kraft, welche Aloë innerlich angewendet zeigt,
hat sie auch bei +äußerlichem Gebrauche+. Wer kranke, trübe, rot
unterlaufene, +triefende Augen+ hat, aus denen Eiter und anderer
Unrat sich ausscheiden, bereitet sich aus Aloë ein vorzügliches
+Augenwasser+. Eine kräftige Messerspitze Aloë wird in ein
Medizin-Glas geschüttet, mit heißem Wasser übergossen, gerüttelt --
das Augenwasser ist zum sofortigen Gebrauche fertig. Drei- bis viermal
täglich wasche man die Augen äußerlich ab und innerlich aus. Das
anfängliche Jucken und leichte Brennen darf einen nicht stören.
+Alte Schäden+, +faulendes Fleisch+, +tiefe Narben mit viel
Eiter+ werden vorzüglich gereinigt durch solches Wasser, das sie
heilt. Es werde zu dem Zwecke ein Lappen in Aloëwasser getaucht und auf
die leidende Stelle gelegt.
Sollte an irgend einer Körperstelle die +Neubildung der Haut+
durch Geschwüre oder vielmehr durch die aus derselben ausströmende
scharfe Flüssigkeit gehindert werden, so streue man Aloëpulver auf die
Geschwürstelle, so dicht, daß der ganze offene Schaden bedeckt ist.
Das Ganze werde trocken überbunden. Dieses täglich einmal. Das Pulver
bildet, die schlechten Stoffe aufsaugend, eine harte Kruste, unter
welcher bald die neue Haut sich zeigt.
+Wunden+, frische wie alte, heilt Aloë sehr schnell zu. Bei alldem
kann das reinliche und reinigende Heilmittel, wohin es immer komme (in
das Auge oder in die Wunde), niemals schaden.
=Angelika=, wilde oder Wald-=Engelwurz=. (~Angelica
silvestris L.~)
Es wächst auf feuchten Wiesen und an nassen Waldstellen eine Pflanze
mit einem Stengel, der einen halben bis ganzen Meter hoch ist. Der
Stengel ist hohl und die Buben machen gerne Pfeifen daraus. Diese
Pflanze führt den Namen Angelika, Wald- oder wilde Angelika; sie heißt
+Waldangelika+, weil sie meist im Walde zu finden ist; sie heißt
auch wilde Angelika, weil sie wild, ohne menschliches Zutun wächst
und sich so von einer anderen Art (~Angelica archangelica L.~,
+edle+ Engelwurz) unterscheidet, die einer eigenen Pflege bedarf.
Beide sind Heilpflanzen im gleichen Sinne und mit gleicher Wirkung; ich
ziehe erstere aber vor, weil man sie ohne Mühe haben kann. Hat jemand
ungesunde oder halbgiftige Speisen bekommen, so ist ein Tee, von ihren
Wurzeln, Samen und Blättern gesotten, ein vorzügliches Mittel, diese
schlechten Stoffe wieder zu entfernen.
Weil das Blut aus den verschiedenen Nährstoffen bereitet wird und die
Nährstoffe nicht alle gut und gesund sind für die Natur, so leitet
dieser Tee die schlechten Stoffe wieder aus dem Blut. Wie oft kommt es
vor, daß im Magen eine unbehagliche Kälte herrscht! Eine Tasse Tee von
solchen Wurzeln bringt dem Magen wieder mehr Wärme. Am besten ist es,
wenn man eine solche Tasse Tee in drei Portionen teilt und die erste am
Morgen, die zweite am Mittag, die dritte am Abend nimmt.
Wenn ungesunde Stoffe im Magen und in den Gedärmen sind, oder wenn
versteckte Gase Grimmen verursachen, so ist wieder dieser Tee ein
Hauptmittel, das Übel zu heben, besonders wenn man zum Tee halb Wein
und halb Wasser nimmt.
Starke Verschleimungen in der Lunge und Brust, Magenbrennen,
Verschleimungen in der Luftröhre werden gerade durch diesen Tee am
leichtesten beseitigt.
Man kann mit Recht die Angelika als ein vorzügliches Hausmittel
empfehlen, und die Landleute sollten fleißig auf ihren Wiesen und in
ihren Wäldern eine ziemliche Portion für das ganze Jahr sammeln, an der
Luft trocknen und an einem trockenen Orte aufbewahren. Diese Wurzeln,
Samen und Blätter, gut getrocknet, können auch zu Pulver gemacht
werden, und wenn man täglich zwei- oder dreimal eine Messerspitze voll
solchen Pulvers einnimmt, so ersetzt dieses den Tee.
Dem Pflanzenunkundigen gebe ich notgedrungen den guten Rat, nicht
Angelika zu sammeln, er möchte sonst aus der Wiese Roßkümmel oder aus
dem Walde gar Schierling (Giftpflanze) zu seinem Verderben nach Hause
tragen. Ich setze diese Worte her, weil beides sich ereignet hat.
=Anis.= (~Pimpinella anisum L.~)
Anis ist wie Fenchel sehr zu empfehlen. Seine Wirkung auf Gase
(Winde) übertrifft jene des Fenchel bei weitem. Meistens werden beide
Heilmittel miteinander gemengt und verbunden.
Die Öle von Anis und Fenchel kauft man am leichtesten in der Apotheke.
Gegen obiges Leiden genügen 4-7 Tropfen auf Zucker täglich ein- bis
zweimal zu nehmen.
=Anserine= oder =Gänsefingerkraut=. (~Potentilla anserina
L.~)
Das Gänsefingerkraut wächst, wie sein Name besagt, da am besten, wo
Gänse sich am liebsten aufhalten. Man trifft es besonders zahlreich in
der Nähe der Häuser, ferner auf Triften, an Weg- und Grabenrändern.
Viele Leute haben ihm nach seiner Wirkungsweise den Namen
+Krampfkraut+ gegeben.
Tee von Anserinenkraut ist ein vortreffliches Mittel bei
+Krampfanfällen+, seien dieselben im Magen, im Unterleib oder wo
immer. Bei +Starrkrampf+ selbst -- soweit überhaupt eingewirkt
werden kann -- tut dieses Kräutchen sehr gute Dienste. Beim Beginne der
Anfälle, besser noch bei den sich zeigenden Symptomen (Vorzeichen) der
Krämpfe, gebe man dem Kranken täglich dreimal recht warme Milch (so
warm sie der Kranke ertragen kann), in welcher solche Heilkräuter (so
viel mit drei Fingern zu fassen sind) wie zu Tee abgebrüht wurden.
Doppelte Wirkung erzielt der, welcher solchen Tee einnimmt und
zugleich auf die krampfhaften Stellen Überschläge mit dem im Wasser
angeschwellten oder abgebrühten Kraute macht.
+Keine Familienmutter+ soll es unterlassen, einen hinlänglichen
Vorrat solchen Krautes zu sammeln und zu trocknen. Sie weiß selbst zu
beurteilen, wie schmerzhaft solche häufig vorkommenden Krampfanfälle
sind, und wie es noch größeren Schmerz bereitet, Angehörige leiden zu
sehen, ohne helfen zu können.
=Arnika= oder =Bergwohlverleih=. (~Arnica montana L.~)
Arnika besitzt in der ganzen Welt den Ruf einer vorzüglichen
Heilpflanze. Weshalb gerade viele von denen, die solches wissen könnten
und sollten, dieses bestreiten, begreife +ich+ wenigstens nicht.
Die +Arnika-Tinktur+ ist so allgemein bekannt und bei Wunden zu
deren Auswaschen, zu Kompressen (Aufschlägen) usw. so allgemein in
Übung, daß es mir nicht notwendig erscheint, darüber auch nur ein Wort
zu verlieren.
Man kauft diese Tinktur billig; ein jeder kann sie aber auch leicht
selbst bereiten. Die Blüten werden Ende Juni und Anfang Juli gesammelt
und in Branntwein oder Spiritus angesetzt. Nach ungefähr drei Tagen
schon kann die fertige Tinktur in Gebrauch genommen werden.
=Attich= oder =Zwergholunder=. (~Sambucus ebulus L.~)
Am Rande der Wälder, besonders abgetriebener (ausgehauener), sieht
man Stauden, einen Meter und darüber hoch, die im Juli weiße große
Doldenblüten, im Herbste prächtige, schwere, glänzende Doldentrauben
tragen. Das ist Attich oder Zwergholunder.
+Der Tee, aus solchen Wurzeln+ bereitet, treibt mit
außerordentlicher Wirkung das Wasser ab in der +Wassersucht+ und
reinigt die +Nieren+. Mir sind mehrere Fälle bekannt, in denen
solcher Tee die ziemlich vorangeschrittene Wassersucht vollständig
heilte und ausheilte.
Auch bei +anderen Zufällen im Unterleib+, die von schlechten
Säften herrühren, wirkt er gut; er scheidet die Säfte durch den Urin
aus.
+Attichtee+, den man +aus dem Pulver bereitet+, tut dieselben
Dienste. Zu einer Tasse, die auf zweimal zu verschiedenen Zeiten des
Tages genommen wird, reichen zwei Messerspitzen des Pulvers aus.
Im Spätherbste sammelt man die Wurzeln, trocknet sie gut an der Luft
und bewahrt die gedörrten +Wurzeln+ oder das aus den zerstoßenen
Wurzeln gewonnene Pulver in der Hausapotheke auf.
=Augentrost.= (~Euphrasia officinalis L.~)
Zum Lohn und aus Dankbarkeit für treue Dienste haben unsere Voreltern
diesem kleinen Kräutchen den schönen Namen „Augentrost“ gegeben. Wenn
oft kein Mittel mehr helfen wollte, spendete dieses Blümchen den
+Augen+ den letzten Trost. Ich habe dasselbe schon recht häufig geraten
und mit guten Erfolgen.
Wenn die Öhmd- (Grummet-) Ernte zur Hälfte reif ist, im August etwa,
findest du dieses Heilkräutlein fast auf jeder Wiese. Oft wächst es so
zahlreich, das eigentliche Futter verdrängend, daß die Bauersleute ihm
gram werden.
Sowohl die getrockneten als die zerriebenen Blätter kommen als +Tee+
und als +Pulver+ zur Anwendung. Mit dem Tee wäscht man täglich zwei-
bis dreimal die Augen gut aus, oder man taucht in denselben kleine
Fleckchen, die man über Nacht aufs Auge legt und mit einer Binde
befestigt. Das Auge wird so gereinigt, geklärt, die Sehkraft gestärkt.
Nach meiner Praxis lasse ich +zu gleicher Zeit+ die Patienten +das
Pulver nach innen+ anwenden, und zwar täglich eine Messerspitze in
einem Löffel Suppe oder Wasser. Damit ist die Heilkraft des Kräutchens
nicht erschöpft. Auch +Magentrost+ könnte man es nennen. Wegen seiner
angeborenen Bitterkeit gilt sein Tee als +Magenbitter+ zu regerer
Verdauung und zur Verbesserung der Magensäfte. Probiere es einmal,
lieber Leser; das Kräutchen wird auch bei dir mit seinem Trost nicht
kargen!
=Ausscheidungsöl= (im Volksmund „+Malefizöl+“).
Es gibt Fälle, wo in Körpern sich so viele kranke Stoffe angesammelt
haben, daß es ungemein schwer ist, dieselben gänzlich aufzulösen und
auszuleiten. Die Schwierigkeit besteht nicht in der zweifelhaften
Leistungsfähigkeit des Wassers oder der verschiedenen Anwendungen
vielmehr in der Frage: Wird ein solcher Patient, werden insbesondere
schwächliche Naturen vor den notwendig anzuwendenden Übungen und der
Langwierigkeit einer solchen Kur nicht zurückschrecken und so alle
Bemühungen vereiteln? Dieser Gedanke hat mich viel beschäftigt und
manche Erfahrung hat zu neuem ernstem Nachdenken angespornt.
Da fiel mir ein, daß +ja manches innere Leiden plötzlich verschwand,
sobald nach außen hin ein Ausschlag zu Tage trat+.
Könnte man, so frage ich mich, nicht auf künstliche Weise solchen
Ausschlag bewirken, mit andern Worten, durch irgendein Mittel den im
inneren Körper verborgenen kranken Stoffen zum Durchbruch verhelfen,
dieselben herauslocken an die Oberfläche der Haut und so der Wasserkur
ihre Arbeit um ein gutes Stück erleichtern?[23]
Nach langem Suchen traf ich auf ein Öl, welches diese Dienste in
vortrefflicher Weise leistet, bei manchen Fällen geradezu mit
auffallenden Erfolgen. Dasselbe ist, wie gesagt, zur Heilung nicht
absolut notwendig, keine ~conditio sine qua non~; das Wasser allein
kann wohl die Arbeit tun. Aber es unterstützt und fördert das oft
sehr schwere Werk der Auflösung und Ausleitung um ein Bedeutendes.
Das Öl wird +nur äußerlich+ angewendet und allein in solchen Fällen,
in denen so auf die leichteste Weise eine vorteilhafte Ausleitung
des kranken Stoffes erzielt werden kann. Die Wirkung ist +ganz und
gar unschädlich+, aber gründlich, tiefgehend bis ins Innerste. Weil
es die Rebellen im Körper und im Blut mit scharfer Spürnase wittert
und sicher ans Tageslicht bringt, hat ein Herr, bei dem es prächtig
und erfolgreich diente, ihm den Namen „Malefizöl“ gegeben, den es bis
heute behalten. Ich hatte keinen Grund, den originellen Namen irgendwie
anzufechten.
Die +Art der Verwendung+ mögen einige Beispiele veranschaulichen.
Jemand klagt über +Augenleiden+: die Augen sind gerötet, jede Helle
tut weh. Sie triefen sehr stark und schmerzen aufs empfindlichste. In
diesem Falle reibe ich die Hautfläche hinter den Ohren (an Ohrmuschel
und Hinterhaupt) leise, um sie etwas zu erwärmen, und trage dann sachte
drei bis vier Tropfen solchen Öles auf die erwärmte Stelle auf. Schon
nach einer halben Stunde spürt der Patient die Wirkung, ein leichtes
Spannen und Brennen; nach ungefähr 24 Stunden erscheinen unzählige, mit
Eiter angefüllte Bläschen, die je nach der Masse des auszuziehenden
kranken Stoffes wachsen, später vertrocknen und als verdorrte Krusten
abfallen. Sollte der erste Versuch nicht gelingen, d. h. sollte das
Öl nach circa 30 Stunden nicht wirken, so bringe man am zweiten Tage
nochmals ein paar Tropfen auf die geröteten Stellen. Die Wirkung
wird sicherlich nicht ausbleiben und der Giftstoff, der im Auge die
Entzündung verursacht hat, in Bälde ausgegangen sein. Bei einer Reihe
derartiger Augenleiden ließ bei Anwendung besagten Öles schon nach 1-2
Stunden der Schmerz nach, und binnen kurzer Zeit waren die Augen rein
und gesund.
+Heftiges Zahnweh+ plagt einen anderen Patienten; das Zahnfleisch ist
angeschwollen, der Kiefer schmerzt, als ob er zerrissen werde; den
ganzen Kopf peinigt die schmerzlichste Aufregung. Wie beim ersten
Falle bringe man einige Tropfen unseres Öles hinter die Ohren oder ins
Genick. Der Erfolg muß ein günstiger sein.
Eine +Eigentümlichkeit des Öles+ besteht noch darin, daß es bei der
ersten und vornehmeren Arbeit des Ausziehens die bestrichene Stelle
verwundet, dann aber, sobald es seine Pflicht getan, in zweiter Arbeit
dieselbe schnell und gut zuheilt.
Das Öl betrachte ich +nicht im mindesten als ein Geheimmittel+; ich
habe dessen Zusammensetzung manchem vertrauten Freunde mitgeteilt.
Um indessen Mißbräuchen und wohl auch Mißgriffen verschiedener Art
vorzubeugen, sehe ich mich veranlaßt, das Rezept der Öffentlichkeit
nicht kundzugeben. (Siehe Anmerkung auf Seite 111.)
=Baldrian=, +gebräuchlicher+. (~Valeriana officinalis L.~)
Daß im Baldrian etwas besonderes stecken muß, darüber belehren uns die
Katzen, die er durch seinen Geruch so anzieht, daß sie sich auf seinem
Kraute wälzen.
Wir benützen allein die +Wurzel+, die entweder zur +Tee+bereitung
zugeschnitten oder zu +Pulver+ zerrieben und stets nur (als Tee und als
Pulver) in kleinen Portionen genommen wird.
Baldrianwurzel lindert +Kopfbeschwerden+ und hebt +krampfhafte
Zustände+, ähnlich wie die Raute; sie wirkt auf beide Leiden gut
ein, weil sie deren hauptsächlichste Ursachen, die +Gase+ nämlich,
ausscheidet.
=Bitter- oder Sumpfklee= (~Menyanthes trifoliata L.~)
ist eine Pflanze, welche auf Moorgrund und gewöhnlich in der Nähe von
laufendem Wasser steht. Da, wo das Wasser im Fließen keinen Ausweg mehr
gefunden hat und eine kleinere oder größere Pfütze bildet, wächst unter
sauerem Grase auch diese Sumpfflanze. Sie hat drei Blätter und ist sehr
bitter, daher der Name Bitterklee. Dieses Kraut gibt vorzüglichen Tee
für den +Magen+; er wirkt gut auf die Verdauung und hilft gut die
Magensäfte bereiten.
Bitterklee in Branntwein angesetzt gibt den sogenannten „+bitteren
Geist+“, der demselben guten Zwecke dient.
=Bockshornklee= (~Trigonella foenum graecum~)
s. unten Seite 129.
=Brennessel=, +große+. (~Urtica dioica L.~)
Die Brennessel ist die verachtetste unter den Pflanzen. Manche
zartbenervte Seele sticht und brennt es schon, wenn sie nur
diesen Namen hören. Ob wohl mit Recht? Jüngst hörte ich, daß ein
Wanderlehrer, ich glaube in Böhmen, über die Brennesseln und deren
Bedeutung eine ganze Broschüre geschrieben habe. Der fängt’s wieder
einmal gut an, das lobe ich mir! Die Brennessel hat in der Tat für
Kenner den größten Wert.
+Frische Brennesseln+, vom Standorte gerade weggenommen, gedörrt
und zu Tee verwendet, lösen die +Verschleimungen in Brust und
Lunge+, reinigen den +Magen+ von verlegenen Stoffen, die sie
hauptsächlich beim Urinieren entfernen.
Kräftiger als die Blätter wirken die +Brennesselwurzeln+, ob man
sie im Sommer grün ausgegraben oder im Winter gedörrt verwendet. Eine
beginnende +Wassersucht+ kann durch Tee von Brennesselwurzeln
gehoben werden. Derselbe räumt überhaupt mit +faulen Säften im
Innern+ gründlich auf.
Wer +unreines Blut+ hat, soll zur Sommerszeit recht oft
Brennesseln, +wie Spinat gekocht+, essen. Man liebt besonders in
Italien die Kräutersuppen. +Kräuterknödel+ aus Brennesseln sind
nicht bloß ein Nähr-, sondern auch ein Gesundheitsmittel.
Wer an +Rheumatismus+ leidet und kein Mittel mehr findet,
denselben auszutreiben, bestreiche oder schlage die schmerzenden
Stellen täglich ein paar Minuten lang mit frischen Brennesseln.
Die Furcht vor der ungewohnten Rute wird bald der Freude über deren
vorzügliche Heilwirksamkeit weichen.
=Dornschlehblüte.= (~Prunus spinosa L.~)
Dornschlehblüten sind das schuldloseste +Abführmittel+ und sollten
in jeder Hausapotheke in vorderster, leicht zugänglicher Reihe zu
finden sein.
Wie oft fühlt man im Magen und im Unterleib, im ganzen Befinden, daß
eine schnelle Purgierung gut, ja notwendig wäre; man sucht ein leichtes
Mittel und sucht und -- könnte es so leicht bei der Hand haben!
Nimm solche Dornschlehblüten, siede dieselben 1 Minute lang und trinke
3-4 Tage lang solchen Tee, täglich 1 Tasse! Der Tee wirkt leicht ohne
alle Unannehmlichkeiten und Beschwerden, dazu dennoch gründlich.
Als +Magenmittel+, als reinigendes und stärkendes, kann ich diesen
Tee gleichfalls bestens empfehlen.
=Eibisch.= (~Althaea officinalis L.~)
Eibischtee wird sehr viel gebraucht bei +Erkältungen+. Ich bin
für denselben nicht besonders eingenommen, da er meinen Erwartungen
zu wenig oder nicht entsprochen hat. Schon beim Sieden erhält man
eine schlütterige (zähe) Masse, die nach verhältnismäßig kurzer
Zeit schleimig wird und so -- was in der Tat oft vorkommt -- den
Appetit nehmen oder verderben muß. Derlei Medizinen empfehle ich nie.
Gelinde gesagt ist mir +Eibischkraut+ und +Eibischwurzel etwas
verdächtig+. Ich wähle deshalb stets Heilkräuter, welche dieselben
Dienste zweifellos sicher tun.
=Eichenrinde.=
Heißt er uns gar die Eichenrinde als Medizin gebrauchen! Ja freilich,
sie mag frisch vom Baume weg oder getrocknet sein.
+Junge Eichenrinde+, längere Zeit (eine halbe Stunde) abgebrüht,
gibt einen +heilkräftigen Absud+. Man tauche nur ein Handtüchlein
in denselben und winde es als Wickel um den Hals. Solche Wickel lösen
auf und verdrängen +dicke Hälse+, und wenn ein Kropf noch nicht
zu groß und zu fest ist, sind sie selbst die wirksamsten und zugleich
schuldlosesten +Kropfmittel+. Mit den Drüsen räumen diese Wickel
nicht weniger gründlich auf.
Wer an +Mastdarmvorfall+ leidet, nehme fleißig Sitzbäder mit Absud
von Eichenrinden, dazu zuweilen kleine Klistiere mit verdünntem Absud.
Die lästigen und oft gefährlichen +Mastdarmfisteln+ löst der Absud
und heilt sie aus.
Auch +harte Geschwülste+, die nicht entzündet sind, können ebenso
behandelt und aufgelöst werden.
+Tee+ von Eichenrinde wirkt wie Harz stärkend auf die inneren
Gefäße.
=Enzian=, gelber. (~Gentiana lutea L.~)
Der gelbe Enzian wächst besonders auf den Bergen. Durch zuverlässige
Leute kann man leicht und billig dieses prächtige Heilkraut sich
sammeln lassen. Vor allem rate ich +Extrakte+ von Enzian zu
bereiten. Die Enzianwurzeln werden zu diesem Zwecke gut getrocknet,
klein geschnitten und so mit Branntwein oder Spiritus in Glasflaschen
angesetzt.
Dieser Extrakt ist eines der ersten +Magenmittel+. Man gieße 20-30
Tropfen desselben an 6-8 Eßlöffel Wasser in ein Glas und nehme diese
Mischung längere Zeit hindurch täglich. Die gute Verdauung wird ein
nicht minder guter Appetit recht bald anzeigen. Spürt man, daß eine
Speise schwer im Magen liegt und belästigt, das Magentränklein von
einem Kaffeelöffel Extrakt in einem halben Glas warmen Wassers wird die
Störung bald beendigen.
Für +Magendrücken+ ist Enzian ebenfalls sehr gut.
Auf größeren Reisen, wenn man tagelang oft schlecht ißt, noch
schlechter trinkt und todmüde und halbkrank am Ziele ankommt, leistet
ein winziges Fläschchen Enziantinktur, tropfenweise auf Zucker zu Rate
gezogen, treffliche, unbezahlbare Dienste.
+Übelkeiten und Anfälle von Ohnmachten+ entfernt ein Kaffeelöffel
Tinktur in Wasser genommen; sie erwärmt, weckt auf, bringt Körper und
Geist wieder in Frieden.
Enzian, zu +Tee+ verwertet, tut ähnliche Dienste. Man siedet dann
entweder die geschnittenen Wurzeln oder selbst das Enzianpulver und
trinkt den Absud als Tee.
=Erdbeere.= (~Fragaria vesca L.~)
Welche Freude, wenn Kinder das erste Erdbeersträußchen den Eltern, dem
Lehrer, dem Pfarrer bringen! Welcher Genuß, wenn als Nachspeise (mit
oder ohne Wein) der erste Teller kühlender Erdbeeren auf den Tisch
gebracht wird!
Nicht allein die +Früchte+ dieses kleinen, so überaus fruchtbaren
Pflänzchens sind gerne gesehen; auch die +Blätter+ sammelt und trocknet
manche, für ihre schwachen Kleinen besorgte, von schwerer Arbeit
heimkehrende Mutter, denn Erdbeerblätter, das weiß sie, sind ein gutes,
gesundes und so ein +überaus billiges Nährmittel+.
Wie +bereitet sie diesen Tee+? Sie nimmt Erdbeerblätter, soviel sie
mit drei bis vier Fingern fassen kann, schüttet ungefähr einen halben
Schoppen (ein Viertelliter) siedendes Wasser daran und deckt beides
gut zu. Nach 15 Minuten gießt sie den Tee ab und sie hat reinen
+Erdbeerblättertee+. Dann mischt sie daran heiße Milch, etwas Zucker
und das Tränklein ist fertig.