Ein +gewöhnliches Linnenhemd+ wird in Wasser getaucht, ordentlich

ausgewunden und wie üblich angezogen. Man legt sich ins Bett, auf

eine ausgebreitete Wolldecke, hüllt sich gut ein oder läßt sich gut

einhüllen und mit einem Federbett warm zudecken.

Ich kannte einen Herrn, welchem auch dieses Verfahren noch zu

umständlich war. Er stellte sich im Hemde in eine Badewanne und ließ

über das Hemd und seinen Körper eine Kanne mit Wasser gießen. Darauf

ließ er sich in eine Wolldecke hüllen und er konnte von dieser „ersten

und besten aller Anwendungen“ nicht genug rühmen, wie sie guten Schlaf

bringe, den Humor froh, den Geist geweckt und den Körper frisch mache.

In dem nassen Hemde +bleibt man+ 1, 1½, längstens 2 Stunden.

Bezüglich seiner Wirkung habe ich die Erfahrung gemacht, daß es die

+Poren öffnet+, und wie ein +gelindes Zugpflaster auszieht+,

+daß es beruhigt+, +Kongestionen und krampfhafte Zustände+

hebt, gleichmäßige Naturwärme hervorbringt und das Allgemeinbefinden

des Körpers hauptsächlich wegen seiner ausgezeichneten Wirkung auf die

Haut zu einem sehr guten macht. Mit sehr gutem Erfolge habe ich es bei

+Gemütsleiden+, bei Kindern, beim +Veitstanz+ und ähnlichen

Erscheinungen, besonders auch bei +Hautkrankheiten+ angewendet.

Sollten in letzteren Fällen starke Ausleitungen erzielt, Ausschläge,

wie Scharlach usw. hervorgelockt werden, so ließ ich das Hemd in

+Salzwasser+ oder in +mit Essig vermischtes Wasser+ tauchen.

8. Der spanische Mantel.

Diesen Namen habe ich nicht erfunden; ich habe auch keinen genügenden

Grund, den unter solcher Benennung bekannten und eingebürgerten Wickel

anders zu taufen, selbst auf die Gefahr hin, daß das fremdländische

Wort manchem schnüffelnden Leser spanisch vorkommen sollte. Das ist

und wäre mir alles eins. Auf die so bezeichnete +Sache+ kommt es

allein an.

Der spanische Mantel, auch +großer Wickel+ genannt, ist wie das

Vollbad und der kurze Wickel eine ganze, für sich allein genügende

+Anwendung+, welche auf den ganzen Organismus einwirkt. Das

hindert nicht, daß sie bei größeren und gefährlicheren Krankheiten

stets nur im Wechsel mit anderen Wasseranwendungen vorkommt.

+Worin besteht dieser größte Wickel?+

[Illustration: Fig. 27.]

[Illustration: Fig. 28.]

Aus grober Leinwand, dem beim Volke bekannten „Reisten“, wird eine

Art Linnenmantel gemacht. Derselbe gleicht einem weiten Hemde mit

Ärmeln, welches nach vorne zu ganz offen ist und bis über die

Zehen hinunterreicht, oder, wenn man will, einem weiten, langen

Linnen-Schlafrock. (S. Abbildung.) Dieser Mantel wird in kaltes oder

bei schwächeren, blutarmen, älteren, wasserscheuen Individuen in

heißes Wasser getaucht, ausgewunden, wie ein Hemd angezogen und vorne

gut übereinander geschlagen. Das Bett werde vorher so zubereitet, daß

die Wolldecken zur Aufnahme des Bemantelten bereit liegen. Am besten

breitet man eine recht breite, große Wolldecke aus, oder legt zwei

kleine Decken der Breite nach über die Matratze oder den Strohsack.

Darauf legt sich der Patient und wird durch die Wolldecken luftdicht

abgeschlossen und mit einem Plumeau (Federbett) warm zugedeckt.

(S. Abbildung.) Man sehe darauf, daß die nasse Einkleidung und die

Verpackung in die Wolle möglichst rasch vor sich gehe, daß das der

frischen Luft Ausgesetztsein ein Minimum, eine möglichst kleine Zeit

ausmacht.

Es kam einst ein Patient zu mir, der an allen möglichen Gebrechen

litt. Kongestionen, Blähungen, Hämorrhoiden plagten ihn, und eine

Herzverfettung brachte große Beängstigungen. Er gewöhnte sich daran,

in der Woche 1-2mal den spanischen Mantel umzulegen, und nach

längerem Gebrauche waren all die genannten Übel mit noch anderen wie

weggeblasen. Seitdem benützt der Geheilte bis zum heutigen Tag den

spanischen Mantel als Universalmittel, und da er nicht viel Zeit zu

versäumen hat, zieht er denselben an beim Schlafengehen und legt ihn

erst ab beim Aufwachen in der Nacht oder in der Morgenfrühe. Der Herr

ließ sich aus starkem Wollstoff einen zweiten spanischen Mantel machen,

der ihm statt der Wolldecken trefflich dient und jede Mithilfe bei

Anwendung dieses Wickels erspart.

Die +Zeitdauer+ einer Anwendung beträgt 1, 1½, längstens 2 Stunden.

Dieselbe +richtet+ und +bemißt+ sich nach der +Kraft+ des Individuums,

insbesondere +nach der Korpulenz+. Für einen schwächlichen Bauersmann

werden 1, 1½ Stunden genügen; einem Herrn Bräumeister kann man ohne

Zögern 2 Stunden verordnen.

Wer wissen will, wie und wie stark der spanische Mantel wirke, der

untersuche das +Wasser+, in welchem der Wickel +nach der Anwendung+

stets sorgfältig ausgewaschen werden soll. Er wird finden, daß es ganz

trüb ist; ja er wird staunen und es kaum glaublich finden, daß ein

spanischer Mantel solchen Unrat auszuziehen imstande ist.

Ich erinnere mich an Fälle, in denen der weiße Linnenwickel ganz gelb

wurde, welche Farbe keine Lauge, erst das Bleichen auf dem Grase wieder

vertreiben, aussaugen konnte.

In der gelindesten (nicht im mindesten schroffen) Form, aber gründlich

öffnet der spanische Mantel die +Hautporen+ am ganzen Körper und

zieht allen Unrat, Schleim usw. aus. Ich brauche nicht zu sagen,

wie wohltuend er deshalb auf die normale Körpertemperatur, auf das

Allgemeinbefinden wirken muß.

Im +besonderen+ wende ich diesen großen Wickel an bei ziemlich

+allgemeinen+ (den ganzen Körper mehr oder weniger angreifenden)

+Katarrhen+, bei +Schleimfieber+,+ Podagra+, +Gliedersucht+,

+Blattern+, +Typhus+, zur +Vorbeugung+ gegen +Schlaganfälle+ usw. Im

Krankheitsteile (s. dritter Teil) wird man ihm recht oft begegnen.

Wird der Mantel im +Absude+ von +Heublumen+, +Haberstroh+,

+Fichtenreiser+ getaucht, so wirkt er vortrefflich gegen jene Leiden

(Gicht-, Stein-, Gries-Leiden usw.), deren Heilung genannten Pflanzen

eigentümlich ist.

~G.~ Trinken des Wassers.

In diesem Stücke kann ich mich sehr kurz fassen. Ich +warne vor

zwei Extremen+, d. h. vor zwei das richtige Maß überschreitenden

Ansichten. Es sind einige Jahrzehnte her, da gab es förmliche

Wassertrinkturniere. Wer die meisten „Maßerl zwang,“ der war der

größte Held. Ein tägliches Quantum von 4, 6, 8, 10 Maß zählte durchaus

nicht zu den Seltenheiten. Noch heutzutage spukt in manchem Kopfe der

Gedanke, viel Wassertrinken müsse gesund machen. Besser noch diese

Grille als die andere, welche dem glühenden Hirn vorsingt, 3, 4, 5

Maßerl braunes Gerstenwasser sei nicht zuviel Flüssiges für die Menge

des täglich eingenommenen +Festen+.

Den +Leuten der zweiten Gattung+ scheint das Gegenteil von dem

Gesagten das Richtige sein, sie trinken Wochen, ja Monate lang gar kein

Wasser, denn das Wassertrinken ist nicht vom Guten, wie sie meinen.

Wie doch die Menschen zu Zeiten allen gesunden Sinn verlieren, sich

förmlich jedes vernünftige Urteil unterbinden, jedem instinktiven Trieb

und Gefühl, dem die Tiere blind Folge leisten, um es gemein zu sagen,

von vornherein den Hals abschneiden. Ist dieses vernünftig?

Einige Minuten, bevor die Uhr schlägt, kündigt sich’s an. Hat denn

der große Werkmeister, unser Schöpfer, etwas Halbes, ein Pfuschwerk

gemacht? Oder haben die Menschen in seine wunderbare Ordnung die

Unordnung gebracht? So ist es. Der unendlich weise Schöpfergott läßt

den +Hunger+ ein Zeichen geben, wann gegessen, den +Durst+

anklopfen, wann getrunken werden soll. Der Menschenkörper, diese

lebendige Uhr vom besten Gang und Schlag, liefe und schlüge

vortrefflich, wenn nicht der Menschentor Schmutz und Sand und anderen

Unrat zwischen die Räder werfen und so den geordneten Lauf stören,

vielleicht zerstören würde.

So oft die zahmen und wilden Tiere Hunger verspüren, suchen sie

Nahrung; so oft der Durst sich einstellt, eilen sie zum frischen Quell.

Nach erfolgter Sättigung hören sie sofort auf, ein Weiteres zu sich zu

nehmen.

Gerade so handelt der unverdorbene Mensch bei geregelter Lebensweise,

gleichviel, ob er gesund sei oder krank.

Demnach lautet unser +einziger+ und +oberster+, hieher

gehöriger +Grundsatz+, ein goldener Grundsatz, den ein jeder

befolgen sollte:

+Trinke, so oft es dich dürstet, und trinke nie viel!+

Ich kenne Personen, welche die ganze Woche hindurch vielleicht keinen

Tropfen Wasser trinken, andere, die sich beim Frühstück mit dem

herkömmlichen Glase für den ganzen Tag begnügen. Sie fühlen niemals

Durst und dieses erklärt sich also, daß bei unserer Zubereitung von

Speisen in letzteren dem Körper täglich eine Menge Wasser zugeführt

wird. Wenn wir von großen Erhitzungen des Sommers oder von den in der

Regel eine Krankheit anmeldenden Hitzen im Körper absehen, so ist der

eigentliche Durst vielen Menschen ein seltener Gast, und es bleibt mir

wenigstens stets ein Rätsel, wie gleichwohl so viele Menschen ohne

jedes Bedürfnis im armen Magen förmliche Überschwemmungen anrichten. So

etwas kann ja nicht ungerächt bleiben.[15]

Trinke, so oft es dich dürstet, und +trinke nie viel+!

Die Landleute lieben den Platzregen gar nicht; sie behaupten, daß er

unfruchtbar sei und mehr zerstöre als nütze. Dagegen versichern sie,

daß jene starken Morgennebel, welche den Bauern den Hut netzen, daß er

triefet, ihre lieben Freunde seien, weil sie die „beste Fruchtbarkeit“

bringen und befördern.

Der Körper, speziell der Magen, bedarf Flüssiges, um seinen Magensaft

zuweilen zu verdünnen, zu mehren und so über all die festen Insassen

Meister zu werden. Er meldet sich jedesmal, wenn die Not an ihn

herantritt, bald durch leises Anklopfen im geringen Verlangen nach

Wasser, bald durch lautes Pochen und Schreien im heftigen Durste. Da

soll man stets auf ihn hören, mag nun das Rufen von einem gesunden oder

kranken Magen ausgehen, aber ihm nie mehr geben, als ihm selbst gut

ist, kleine Mengen in gehörigen Zwischenräumen; in Erkrankungsfällen

zumal, wie in der Fieberglut, eher öfter, z. B. alle 5-10 Minuten ein

Eßlöffel, als auf einmal ein Glas. Letzteres würde den Durst nicht

stillen und zum bestehenden Übel eine neue Beschwerde hinzufügen.

+Ein Beispiel meines Vorgehens+ möge diesen Abschnitt schließen.

Es leidet jemand an hartem Stuhlgange, große Hitze quält den Unterleib,

heftiger Durst den armen Kranken; er könnte, wie er sagt, 2, 3, 4

Glas Wasser, Glas auf Glas trinken; es ist ihm, als ob es in einen

Glühofen geschüttet werde. Ich glaube das; die Wassermasse kommt

in den Magen und macht dann, ohne die leidende Stelle irgend zu

berühren und günstig zu beeinflussen, eine rasche Wanderung durch

den Leib, bis sie vollinhaltlich, ja noch eine ordentliche Menge des

unentbehrlichen Magensaftes mit sich schwemmend, ausgeschieden wird.

Man gebe dem Kranken statt der vielen Gläser mit Wasser während eines

Tages jede halbe Stunde einen Eßlöffel voll. Man wird ganz andere

Wirkung verspüren, eine Wirkung, welche das notwendige Ergebnis einer

vernünftigen Behandlung sein muß.

Die kleine Menge Wasser wird schnell vom Magensafte erfaßt und leicht

mit demselben vermischt. Die eine jede halbe Stunde erfolgende

Nachspeisung gibt reichlichere Säfte, die kühlend und in normalem Laufe

den Körper, die Eingeweide durchströmen und erweichend und lösend

binnen kurzer Zeit allen Stockungen und Verhärtungen ein Ende machen.

Unzählige haben in dieser Beziehung meinen Rat befolgt und schnell ward

ihnen geholfen. ~Probatum est!~

In der allerneuesten Zeit wurde viel gesprochen und geschrieben von den

+Wirkungen des Trinkens von heißem Wasser+ (30 bis 35° ~R.~

wie bei Kaffee und Tee), besonders bei chronischen Krankheiten. Ich

selbst habe vor Jahren bei manchem Patienten gute Erfolge erzielt.

Ehre, wem Ehre gebührt! Wer dem warmen Wasser vor dem kalten, frischen

Elemente den Vorzug gibt, wer wollte ihn tadeln oder gar verurteilen!

Das ist Geschmacksache. Ich habe indessen durch Erfahrung gefunden,

daß kaltes, lebendiges (nicht getötetes) Wasser dieselben, wenn nicht

bessere Dienste tut. Ich für meine Person ziehe es jedem lauwarmen oder

heißen Wasser vor. Jeder wähle, wozu ihn das Verlangen treibt!

[Illustration]

Zweiter Teil

Apotheke

„~Benedicite universa germinantia in terra Domino!~“

„Jedes Kräutchen der Erde preise den Herrn!“

[Illustration: Jegliches Kräutlein der Erde preise den Name des Herrn.]

Allgemeines und Einteilung.

Zu den Dingen, welche ich verabscheue und hasse, zählt als ein

gründlich und grundsätzlich gehaßtes das +Geheimmittel-Wesen+, die

Krämerei mit Heilmitteln, welche als Geheimnis des Erfinders gelten.

Diesen Vorwurf soll mir niemand machen können. Darum +öffne+ ich

in diesem zweiten Teil die Läden meiner Apotheke und lasse einen jeden

hineinschauen und hineinschmecken bis ins letzte Teeschächtelchen und

ins kleinste Ölfläschchen.[16]

In jeder Apotheke steckt ein teures Geld; +in der meinigen ist nicht

viel Rares+. Ich gestehe dieses sehr gerne zu und betrachte diesen

leicht möglichen Vorwurf als einen großen Vorzug meiner Apotheke.

+Fast sämtliche meiner Tee+ und +Extrakte+, +Öle+,

+Pulver+ rühren von früher geachteten jetzt vielleicht verachteten

+spottbilligen Heilkräutern+ her, welche der liebe Herrgott im

eigenen Garten, auf freiem Felde, manche ums Haus herum an abgelegenen

und unbesuchten Stellen wachsen läßt, Heilkräutern, die meistens keinen

Pfennig kosten.

Mein Büchlein ist ja in erster Linie für +arme+ Kranke

geschrieben, für welche ich auch, den Himmelslohn im Sinne habend,

dieses opfervolle Handwerk treibe oder, wenn man will, andern „ins

Handwerk pfusche“. Für sie suchte ich mit Absicht all die gleichfalls

armen alten Bekannten auf, vieles andere beiseite lassend. Lange Jahre

hindurch habe ich sondiert und geprüft, getrocknet und zerschnitten,

gesotten und gekostet. +Kein Kräutchen, kein Pulver, das ich nicht

selbst versucht+ und als bewährt befunden habe! Ich wünsche nur das

eine, daß die alten Bekannten zu neuen Ehren gelangen, bei +einer+

Klasse von Menschen wenigstens.

Ich habe mich lange besonnen, ehe ich mich entschloß, den für sich

allein ausreichenden und genügenden Wassermitteln diese Apotheke, d. i.

dieses Verzeichnis der dem Wasser von innen heilsam entgegenwirkenden

Hilfsmittel, anzufügen. Es könnte wie eine +Mißtrauens-Kundgebung

gegen die Wasserheilkraft+ aussehen.

Doch +es gibt Kranke, welche aus unüberwindlicher Wasserangst+

sich schwer zu einer oft notwendigen längeren Wasserkur entschließen

können. Diesen wollte ich es erleichtern, mit anderen Worten: die

Wasseranwendungen reduzieren, vereinfachen und die Zeit des Gebrauches

abkürzen. Solches aber kann und wird geschehen, wenn ich der äußeren

Kur (mit Wasser) durch eine innere Kur (die Heilmittel) in die Hand

arbeite.

Wer sämtliche Artikel dieser Apotheke überblickt, sieht sofort, daß sie

wie die gesamten Wasseranwendungen selbst +dreifachen Zweck haben+:

+ungesunde, kranke Stoffe im Innern aufzulösen+, +auszuleiten+, sodann

den Organismus zu +kräftigen+. Insofern glaube ich mit vollem Rechte

behaupten zu können, daß beide Verfahren, das innere und das äußere,

zusammenstimmen und einheitlich zusammenwirken. +Ich warne vor einer

Täuschung.+ Wer glaubt, er müsse die Wasserkur recht strenge und ernst

anwenden, irrt.

Wer meint, er müsse nach innen recht häufig und viel anwenden, irrt

ebenfalls. Immer und in allen Fällen gilt der goldene Grundsatz: die

gelindeste, ob äußere oder innere Anwendung ist die beste.[17]

+Pflanzen mit zweifelhafter Wirkung+, wie Eibisch, Süßholz usw.;

mit den geringsten ungünstigen Wirkungen, z. B. auf den Magen, wie

Senesblätter, Hopfen usw.; Giftpflanzen vollends habe ich grundsätzlich

übergangen.[18]

+Wie gut Gott ist!+ -- so drängt sich’s mir aus dem Herzen. Nicht bloß

was zur Erhaltung des Lebens, zu des Leibes täglichem Brot notwendig

ist, läßt er uns wachsen; er, der in unendlicher Weisheit alles nach

Maß, Zahl und Gewicht geschaffen, läßt in väterlicher Liebe +zahllos+

auch +diejenigen Kräutchen+ aus der Erde hervorschießen, welche den

Menschen in kranken Tagen Trost, seinem in Schmerzen sich windenden

Körper +Linderung+ und +Heilung+ verschaffen.

+Wie gut Gott ist! Daß wir Einsicht haben!+ Den Pflänzchen, welche

durch die ihnen vom Schöpfer angehängten Riechfläschchen, den würzigen

Heilduft, sich selbst uns ankündigen und freundlich und zuvorkommend

stellen, wollen wir fleißig nachgehen und beim Pflücken eines jeden mit

kindlichem Danke unsern unendlich liebevollen Vater preisen, der im

Himmel ist!

+Unsere Hausapotheke+ soll vier +Hauptabteilungen+ oder +Hauptfächer+

und +einige kleinere Nebenfächer+ enthalten.

+In die Hauptfächer+ stellen wir:

in das erste die +Tinkturen+,

in das zweite, größte, die +Teesorten+,

in das dritte die +Pulver+,

in das vierte die +Öle+.

In die +Nebenfächer+ kommt wieder gut geordnet +alles andere+, was

nicht unter obige vier Abteilungen fällt. Auch die +Leinwandabfälle+

zum +Überbinden+ und +Überlegen+ (stets rein und frisch), die

+Baumwolle+ usw. können eines der Nebenfächer einnehmen.

Die +Tinkturen+ und die +Öle+ müssen in Gläsern aufbewahrt werden, die

verschiedenen Tee und Pulver entweder in festen +Papierdüten+ oder

besser in +Schachteln+. (Wer neue machen läßt, soll sie länglichrund

und gleichmäßig, wenn auch in verschiedenen Größen, machen lassen, daß

sie dastehen wie Soldaten in Reih und Glied. Das macht einem jeden

Freude und gibt der Hausapotheke ein Ansehen -- und das gehört ihr

auch.) Alles an einem +kühlen+, jedoch nicht feuchten (daß sich nicht

Schimmel ansetze) +und nicht allzu abgelegenen Orte+ im Hause!

Auf einem jeden Glase oder Fläschchen, auf jeder Schachtel oder Düte

soll genau und für jedermann gut leserlich die +Aufschrift+ des

+Inhaltes+ stehen. Am besten werden sodann die verschiedenen Heilmittel

in jeder Abteilung +alphabetisch+, d. i. nach dem ABC geordnet. Was mit

A anfängt (z. B. Alaun), marschiert am Anfang auf, was mit Z beginnt

(z. B. Zinnkraut), bildet den Schluß der Reihe.

Vor allem soll in der Hausapotheke +große Ordnung+ sein. Jeder

Fremde, welcher dieselbe bisher nie gesehen, muß im Augenblick jedes

Fläschchen, jeden Tee usw. finden. Dann muß +große Reinlichkeit+

herrschen. Auf keiner Schachtel darf, ich will nicht sagen

liniendicker, es darf +gar kein+ Stäubchen liegen; an keiner Flasche,

selbst nicht an einer Ölflasche dürfen Schmutz- oder Ölflecke wie

nachlässig gekämmte Haare herunterhängen. Nichts entehrt ein Haus

mehr als Unreinlichkeit; merke wohl: nach zwei Dingen hauptsächlich

beurteilt man -- und zwar mit vollem Rechte und meistens sehr wahr --

das ganze Haus. Sind diese in Ordnung, so ist, schließt man, alles in

Ordnung. Sind sie unordentlich, so heißt’s: in diesem Hause, in dieser

Wohnung müssen die Einwohner recht unordentliche Leute sein. Willst du

die beiden Dinge wissen? Sie heißen:

Hausapotheke und Abort.

+Am besten wird es mit der Ordnung der Hausapotheke bestellt sein+,

wenn die Hausmutter oder ein fleißiger Sohn oder die reinlichste und

ordnungsliebendste Tochter die Sorge und Verantwortung übernimmt.

Sie wird die pünktlichste, gewissenhafteste Reinlichkeitspflege als

Ehrensache betrachten und den Staublumpen stets in einer Ecke bereit

liegen haben. Wenn sie ihr Amt gut verwaltet, das ja fürs ganze Haus,

für alle Glieder desselben von Segen ist, darf sie mit Freuden an jenes

Wort des göttlichen Heilandes denken: „Was ihr dem geringsten meiner

Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

+Was so eine kleine Hausapotheke+ annähernd enthalten soll, habe ich am

Ende dieses zweiten Teiles angegeben.[20] Ich rate ab von allem nicht

Notwendigen. Man kann gelegentlich das eine oder andere Mittel beifügen.

Hier soll nur noch ein Wort stehen über die +Bereitung der Tinkturen+,

+des Tees+, +der Pulver+.

Tinkturen oder Extrakte.

Die inneren Kräfte, die Heilsäfte können aus einer Pflanze in

verschiedener Weise ausgezogen werden. Den +besten, stärksten Auszug+

erhalten wir im eigentlichen, sogenannten +Extrakt+.

Der Extrakt wird +folgendermaßen bereitet+:

Man sucht unter den Kräutern, Beeren usw., aus denen man den Extrakt

gewinnen will, die besten aus: die reifsten, die untadelhaften; diese

trocknet man auf einem Brett an der frischen Luft, +stets+ (das merke

man sich gut,) jedoch im +Schatten+, +niemals an der Sonne+. Beim

Trocknen wird sich noch manches zeigen, was als untauglich verworfen

werden muß.

Nachdem die Kräuter, Beeren usw. gut getrocknet sind, +zerkleinere+,

+zerschneide+ man sie, wenn notwendig, und bringe sie in eine

+verschließbare Flasche+ (Weinflasche). Diese nun wird mit echtem

Kornbranntwein -- den ich allem andern vorziehe -- oder in dessen

Ermangelung mit reinem Spiritus oder Fruchtbranntwein aufgefüllt und

luftdicht verschlossen für einige Zeit an einen mäßig warmen Ort

gestellt.[21] Ich habe derart gefüllte Flaschen schon ein Jahr lang und

noch länger ruhig stehen lassen und dann erst den mit dem ausgezogenen

Saft des betreffenden Heilmittels durchtränkten Spiritus als Extrakt

abgegossen. Im +Not-+ und +Bedarfsfalle+ kann man denselben schon nach

wenigen Tagen des Ansatzes in Gebrauch nehmen.

Die Tinkturen nimmt man tropfenweise; in gewissen Fällen, (es ist

dieses jedesmal ausdrücklich angegeben) wird auf den Kaffeelöffel

(kleineres Maß) und auf den Eßlöffel (größeres Maß) hingewiesen.

Tee.

Bei trockener Witterung, vielleicht wenn du vom Felde heimkehrst,

oder wenn du hinausgehst, den Stand der Saaten zu betrachten, mache

einen Abstecher und sammle da diese, dort jene Heilkräuter. Was auf

+trockenem+ Grunde wächst, gar an +sonnigen Berghalden+ verdient den

Vorzug, und welche Pflanzen du in +der schönsten Blütezeit+ sammelst,

diese werden dir die herrlichste und in Leiden die gesegnetste Frucht

bringen. Manches der Kräuter und Kräutchen wächst in +deinem Gras-+

oder +Gemüsegarten+, am +Haus+ oder an der +Scheune+. Du brauchst nur

dem zehnjährigen Knaben oder deinem kleinen Mädchen es vorzumachen,

wie sie es anstellen sollen, und du verlierst beim Sammeln der

Kräuter keinen Augenblick und bereitest deinen Kindern eine Freude.

Die +Garten-+ und +Feldkräuter+ sollen +jedes Jahr erneuert+ d. h.

neugesammelt, die alten weggegeben werden.

+Jede Hausmutter versteht es+, jedweden +Tee+ zu bereiten. Von

den getrockneten Kräutern (über das Trocknen lies das auf der

vorhergehenden Seite Gesagte) nimmt sie zu einer Tasse, soviel sie mit

+drei Fingern+ fassen kann, gießt in das Pfännchen über die Teeblätter

oder Blüten sprudelndes Wasser und läßt es einige Minuten aufkochen,

dann schüttet sie den fertigen Tee ab.

In dieser Weise bereiteter Tee hat den feinsten Geschmack mit dem

besten, jeder Pflanze eigentümlichen Aroma, aber es ist nicht der

kräftigste Tee.

+Bei mir+ werden die Kräuter durch +längere Zeit förmlich abgekocht+,

+gründlich ausgesotten+, daß auch nicht ein Teilchen der Heilkraft

verloren geht, vielmehr alle im Wasser gefangen wird.

+Die Art des Einnehmens+, ob tassen-, ob löffelweise, ist bei jeder

einzelnen Krankheit genau angegeben.

Pulver.

Das Pulver +wird gewonnen+, indem die trockenen Wurzeln, Blätter,

Körner oder Beeren der Heilpflanzen zerrieben oder im Mörser zerstoßen

werden.

Manchen Kranken ist damit leichter beizukommen als mit Tee. Man streut

ihnen das vorgeschriebene Pulver wie Gewürz (Pfeffer, Zimmt usw.) an

eine Speise oder mischt es an einen Trank, daß sie desselben gar nicht

gewahr werden.

Die +Gefäße+, welche zur Aufbewahrung der verschiedensten Pulver

dienen, seien des Staubes wegen recht +sorgfältig verschlossen+.

Öle.

+Die Bereitung der Öle+, soweit dieselben nicht in der Apotheke gekauft

werden, ist bei jeder Krankheit, in der ein solches zur Verwendung

kommt, jedesmal besonders angegeben.

An der Reinhaltung der Ölfläschchen insbesondere wird man den Sinn für

Ordnungsliebe, Reinlichkeit usw. erkennen.

[Illustration]

[Illustration]

Heilmittel.

In alphabetischer Aufzählung sind die von mir verwendeten

Heilmittel[22] folgende:

=Agave.= (~Agave americana =L.=~) =[Aloë.]=

Meine Wasser-Kur Durch mehr als 40 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit · 第 10 / 36 段