ins Bett zu liegen und erst, nachdem der ganze Körper warm geworden,
die Waschung vorzunehmen.
~b~) Die Ganzwaschung für Kranke.
Gerade bei Kranken habe ich stets die Erfahrung gemacht, nicht nur
wie wenig die Reibungen, Frottierungen usw. nützen, sondern auch wie
sie vielmehr gar oft schaden durch ungleichmäßige Erwärmung, durch
Aufregung u. a.
Vor allem +dringe+ ich bei der Ganzwaschung der Kranken
+darauf+, einmal, +daß der ganze Körper+, die Fußsohlen sogar
inbegriffen, +gewaschen+ werde, und dann, daß er +gleichmäßig
gewaschen+ werde: gleichmäßig sowohl in Bezug auf das an alle
Stellen des Körpers verwendete Quantum Wasser, als auch in Bezug auf
die Reibung, die mit jedem, selbst dem gelindesten Waschen verbunden
ist. So nur wird die Naturwärme sich gleichsam natürlich, ungezwungen,
gleichmäßig bilden; bei den angedeuteten Unregelmäßigkeiten müßte
ihr Eintreten ebenfalls unregelmäßig, an den verschiedenen Stellen
verschieden und, wenn nicht gerade von schädlicher, doch weniger
günstiger Wirkung sein.
An +Kranken+ lasse ich die Waschungen +stets in folgender Weise+
vornehmen: Der Kranke setzt sich im Bette auf oder wird, wenn er allzu
schwach ist, aufgesetzt und gestützt. Man wasche ihm schnell den
Rücken, die ganze Wirbelsäule auf und ab. Das ist die Arbeit einer
halben Minute, und der Kranke legt sich nieder. Jetzt wäscht man Brust
und Unterleib; noch kräftige, nicht allzusehr geschwächte Personen tun
dieses in der Regel selbst. In längstens einer Minute ist auch dies
geschehen. Nun kommen die Arme an die Reihe und endlich die Beine. In
drei, längstens vier Minuten ist alles vorüber, und der Kranke fühlt
sich wohl, ja wie neugeboren.
Wie ich +jedem+, selbst +dem schwer Erkrankten+ täglich Gesicht und
Hände waschen kann, gerade so leicht kann ich mit gutem Willen und mit
liebevoller Sorgfalt diese Waschung vornehmen. Das zweite und dritte
Mal wird auch die Praxis schon eine bessere und größere sein.
Sollte einem Schwerkranken die Waschung des ganzen Körpers in der Tat
auf einmal zu viel sein, dann +teilt man die Ganzwaschung+ in zwei oder
+gar drei Teilwaschungen+. Man wäscht in der Frühe Brust, Unterleib
und Arme, nachmittags den Rücken und die Füße; oder man wäscht in den
Morgenstunden die Brust und den Unterleib, gegen Mittag den Rücken,
nachmittags die Arme und die Beine.
Eine vorsichtige, schnelle Waschung kann niemals schaden, selbst, wenn
sie mit dem frischesten Wasser, -- was das Beste ist -- vorgenommen
wird.
+Wann und wie oft+ bei Kranken die Ganzwaschung zu geschehen habe, ist
bei den einzelnen Krankheiten angegeben.
Ich bemerke hier nur noch, daß namentlich +bei heftigem Fieber+, dann
bei allen von heftigem Fieber begleiteten Krankheiten, besonders beim
+Typhus+ und den +Blattern+ die Ganzwaschungen eine Hauptrolle spielen
und stets an die Stelle der kalten Ganzbäder treten, wenn diese aus
irgend einem Grunde nicht genommen werden können.
Beim Fieber zeigen die sich steigernde Hitze und die damit verbundene
Bangigkeit stets selber die Zeit der jedesmaligen Wiederholung der
Waschung an, die unter Umständen jede halbe Stunde geschehen kann.
Viele Krankheiten, wie Katarrh, Schleimfieber, Blattern, Typhus und
andere, habe ich durch die Ganzwaschungen allein geheilt.
Bei +schwächlichen Naturen+ verwende ich zur Waschung statt des Wassers
sehr oft den +Essig+ (mit Wasser verdünnt). Abgesehen davon, daß er
gründlicher die Haut reinigt, die Poren öffnet, kräftigt, stählt er
auch.
Gar oft bekommt man zu hören, daß +Waschungen mit Wein, Spiritus+ (den
Essig nehme ich aus) usw. ganz außerordentliche Wirkung hervorbringen
sollen. Ich habe solche Waschungen recht oft probierend und forschend
vorgenommen, bin aber über das Niveau (Bereich) der ordentlichen,
manchmal der recht mittelmäßigen Wirkung nie hinausgekommen. Manchmal
hat mich ein Versuch ohne jeglichen Erfolg gelassen.
Vor Jahren galt der Franzbranntwein als unübertreffliches
Waschungsmittel; tausende von Flaschen wurden verkauft und gekauft. Die
Sache ruhte dann einige Jahre und erst seit den letzten Jahren macht
dieser Geist wieder in der ganzen Welt die Runde.
Derlei Mittel kamen und verschwanden zu verschiedenen Zeiten wie die
Kometen. Sie ziehen oft einen großen Schweif nach sich, dann aber
verschwinden sie für immer. Es sind nicht die regulären, die gewohnten
Sterne, die allnächtlich auftauchen und ruhig aber ohne Unterbrechung
und ohne Aufhören leuchten. Mit letzteren möchte ich das Wasser
vergleichen. Es wirkt, und seine Anwendungen werden bleiben, wenn
derlei „außerordentliche“ Strömungen längst aufgehört haben zu fließen,
zum Teil, weil sie die Probe nicht bestanden.
Ich wünschte nur recht lebhaft, daß das Wasser sich allgemein Bahn
bräche, besonders in die Kreise hinein, die zu seiner nutz- und
segensvollen Verbreitung und Anwendung alles tun könnten.
2. Die Teilwaschung
betrifft nicht den ganzen Körper, sondern einen Teil desselben.
Dieselbe +wird vorgenommen+ mit der Hand oder einem gröberen
Handtuch und frischem Wasser. Im weiteren gelten ganz die gleichen
Regeln wie oben.
Ob der Finger oder die Zehe, der Fuß oder die Hand oder was immer
entzündet sei, -- überall und stets lösche man, wo es und wann es
brennt.
Etwaige nähere Bestimmungen, wann solche Teilwaschungen notwendig
erscheinen, stehen bei den einzelnen Krankheitsfällen selbst.
~F.~ Wickelungen.
Unter den Wickelungen sei zuerst genannt
1. Der Kopfwickel.
Dieser Wickel kann auf +zweifache+ Art genommen werden.
Der ganze Kopf, Gesicht und Haare, werden gewaschen, ganz naß gemacht.
Das Wasser soll durchdringen bis auf die Haut; doch dürfen die Haare
nicht vom Wasser triefen. Das wäre des Guten zu viel.
Darüber (über den ganzen Kopf) bindet man ein trockenes Tuch, in der
Art, daß es gut anliegend, luftdicht abschließt und nur die halbe
Stirne mit den Augen sichtbar läßt.
Nach einer halben Stunde schon, selten erst nach einer Stunde, sind die
Haare trocken.
Es kann sodann die Waschung und der Umschlag ein-, zwei-, ja dreimal
erneuert werden. Man sehe nur darauf, daß das den nassen Kopf
bedeckende Tuch beim Wickeln recht trocken ist. Die zweite und dritte
Anwendung werden je eine halbe Stunde währen; man achte indessen genau
darauf, daß vor jeder neuen Anwendung die Haare stets vollständig
getrocknet seien.
Am Schlusse der letzten Anwendung gewöhne man es sich an, Hals und Kopf
leicht, kurz und kalt abzuwaschen und wie beim Waschen in der Frühe
abzutrocknen.
+Besser+ noch +geschieht+ die +Anwendung+ auf folgende
Art, besonders in Fällen, in denen man starke Ausscheidungen erzielen
will.
Man wäscht den Kopf, wie oben angegeben wurde. Das Wickeln geschieht
dieses Mal mit zwei Tüchern, mit dem luftabschließenden Tuche der
ersten Art der Anwendung, dann noch mit einem leichteren, ebenfalls gut
anliegenden und abschließenden Wolltuche.
Wäre die Hitze des Kopfes sehr groß, so könnte außer den Haaren die
unter dem Wolltuche liegende Umhüllung auch genäßt werden.
Soll die ganze Anwendung längere Zeit dauern, so säume man nicht mit
dem Wechsel; er wird im höchsten Falle 25 bis 30 Minuten aufgeschoben
werden können.
Die Anwendung wird beschlossen wie oben.
+Kopfleiden+, hauptsächlich +rheumatischer Art+, die durch Verkühlung,
Erkältung, raschen Temperaturwechsel entstanden sind, +zahlreiche
Schuppen+, trockene +Ausschläge+, +kleine Geschwüre auf dem Haarboden+,
werden mit Erfolg durch den Kopfwickel behandelt.
2. Der Halswickel.
Die +gelinde+ Form des Halswickels besteht darin, daß man mit
der Hand oder mit einem Handtuche den ganzen Hals naß macht und ihn
mit einer trockenen groben Linnenbinde in 3-4 Windungen („Umgängen“)
sorgfältig, aber nicht zu fest umwindet. Es soll eben der Zutritt der
frischen Luft zu der benetzten Stelle verhindert werden.
Die +zweite Art+ der Wickelung geschieht also, daß ein weiches
Handtuch in frisches Wasser getaucht und um den Hals gelegt wird.
Das nasse deckt ein trockenes Handtuch und beide eine Woll- oder
Flanellbinde. Wer diese nicht besitzt, kann jedweden trockenen
Wollstoff verwenden und soll nur stets für luftdichtes Abschließen
besorgt sein.
Nach meiner ganzen bisherigen Erfahrung muß ich +im Allgemeinen
gegen langwährende Anwendungen+ sprechen; sie bewirken sehr oft das
Gegenteil von dem, was sie bezwecken: Verschlimmerung statt Besserung.
Das ist denn sehr oft mit ein Hauptgrund, daß die Anwendungen überhaupt
den Kredit, das Vertrauen einbüßen. Ein derart abgeschreckter, weil
getäuschter Kranker bleibt stets schwer zu bekehren, alle Überredungs-
und Überzeugungkünste scheitern.
Diese allgemeine Bemerkung möchte ich jetzt insbesondere auf die
Wickelungen beziehen, den Halswickel nicht ausgenommen.
+Sämtliche Wickel wollen+ und +sollen+ vorzüglich +dahin
wirken+, übermäßiges, ungeordnetes Strömen des Blutes nach irgend
einer Stelle hin zu verhindern, das Blut abzulenken, wegzuziehen von
dieser Stelle, sodann sehr große Hitze aus- und abzuleiten.
Wenn ich den Wickel nun allzu lange, z. B. eine ganze Nacht an der
kranken Stelle belasse, so wird diese Stelle warm und immer wärmer, es
strömt mehr Blut zu, sie wird zuletzt oft fürchterlich heiß, und die
Entzündung, das Übel, muß verschlimmert werden.
Die Folgerungen, welche sich hieraus für den Halswickel ergeben, liegen
auf der Hand.
+Ich bin durchaus gegen vielstündige oder gar ganznächtige
Anwendungen.+ Eine vollständige Anwendung dauert bei mir 1,
höchstens 1½ Stunden, und es soll nach jeder halben Stunde, unter
Umständen nach je 20 Minuten, der nasse Umschlag erneuert, das ist
von neuem eingetaucht und nach obiger Weise umwunden werden. Dieses
Neueintauchen kann also innerhalb einer Anwendung 2-4 mal geschehen. Es
ist nicht bei jedem Patienten gleich und hängt ab von der geringeren
oder größeren Hitze, welche derselbe verspürt. Das Gefühl einer
gewissen Unlust und Bangigkeit darf als der beste Zeiger gelten, der
die Zeit zum Wechseln angibt.
Bei +Halsentzündungen+, +Schlingbeschwerden+, bei +manchen
Kopfleiden+ ist der Halswickel vorgeschrieben; zu gleicher Zeit wird
man suchen, durch Anwendungen auf andere Körperteile, z. B. die Füße
(nasse Socken), oder auf dem ganzen Körper ihm entgegenzuarbeiten.
=3. Der Shawl= (sprich: Schal).
Der Shawl ist eine +spezielle Anwendung für die Brust+ und
den +oberen Teil des Rückens+. Jede Frau und jedes Mädchen
kennt das unter diesem Namen besonders auf dem Lande gebräuchliche
Kleidungsstück. Es ist ein viereckiges, größeres Wolltuch, welches,
einmal und zwar im Dreieck zusammengefaltet, so über die Schultern
geworfen wird, daß der größere Winkel auf den Rücken, die beiden
kleinen spitzen Winkel auf die Brustseite zu liegen kommen.
[Illustration: Fig. 21.]
[Illustration: Fig. 22.]
Der +Shawl als Wickel+ ist ausgebreitet ein grobes quadratförmiges
Leinwandstück (Fig. 21), 1 bis 1½ m lang und ebenso breit. Als
gleichschenkeliges Dreieck zusammengelegt (Fig. 22) und nach der oben
angegebenen Art über die Schultern gebreitet, kommt der größere, der
rechte Winkel auf den Rücken zu liegen und reicht bis unter das Kreuz,
die beiden spitzen Winkel fallen über die Brust herab und schließen
gleich oben am Halse gut zusammen und kreuzen sich auf der Brust. (S.
Abbildung.)
[Illustration: Fig. 23.]
[Illustration: Fig. 24.]
Der Wickel wird in kaltes Wasser getaucht, ausgewunden, auf den bloßen
Körper gelegt und mit trockener Linnen- oder Wollhülle luftdicht
abgeschlossen.
Sehr bald fühlt man, wie eine angenehme Wärme sich entwickelt, wie das
nasse Tuch warm, ja allmählich heiß wird.
Die Anwendung des Shawles kann ½-1½, in seltenen Fällen bis 2
Stunden +dauern+; letzteres dann, wenn stärkere Ableitungen
gewünscht werden. Bei längerer Dauer darf man die +Erneuerung+, d.
i. Neueintauchung des Wickels nicht übersehen. Dieses geschieht nach
ungefähr ½-¾ Stunden, in der Regel dann, wenn die Hitze stark, der
Wickel warm, heiß wird.
Bei +Hitzen+, +Kongestionen+ und +beginnenden
Entzündungen+ an oder im Kopfe, bei +fieberhaften Katarrhen+
bei +Verschleimungen+ im Hals, in der Luftröhre, auf der Brust
wirkt unser ganz unschuldiger Wickel auflösend und ableitend.
Die größten und auffallendsten Dienste hat er stets +gemüts- oder
geisteskranken Personen des schwachen Geschlechtes+ erwiesen.
In Verbindung mit einer andern, ebenso leichten Anwendung reichte
der Shawl vollkommen aus, den Blutandrang zum Kopfe aufzuheben, den
überfüllten Kopf zu entbluten.
Diese zweite Anwendung bestand gewöhnlich in nassen Socken oder in
Fußwickeln oder in einem warmen Fußbade mit Asche und Salz.
4. Der Fußwickel.
Dieser Wickel ist stets eine wichtige Nebenanwendung, d. h. ein
Hilfsmittel, welches anderen Anwendungen helfend entgegenarbeitet. Wir
unterscheiden einen doppelten Fußwickel, nämlich:
~a~) Den eigentlichen Fußwickel.
Landleute, welche mehr beschränkt sind in Zeit und Mitteln, nehmen
diesen Wickel am einfachsten, indem sie +ein paar nasse Socken+
und darüber trockene Wollstrümpfe anziehen und sich dann während der
Anwendungszeit ins Bett legen unter eine gute Zudecke.
Wem dieses nicht behagt, der tauche +grobe leinene Lappen+ oder
+eine Linnenbinde in halb Wasser, halb Essig+, umwinde damit
die Füße bis über die Knöchel, bringe den trockenen Umschlag, am
besten eine Woll- oder Flanellbinde, darüber und decke sich im Bette
ordentlich zu.
Die Anwendung dauert 1-1½-2 Stunden und schreibt stets das Bett vor.
Entwickelt sich starke Hitze, und handelt es sich bei der betreffenden
Anwendung gerade um deren Ableitung wie z. B. bei der Lungen-, der
Brustfellentzündung, bei Entzündung im Unterleibe, so soll der Wickel
wiederholt, bei jeder größern Hitze neu eingetaucht werden.
In allen Fällen, in denen es sich darum handelt, +krankhafte Säfte
aus den Füßen+ auszuziehen, bei +Entzündungen+ die Hitze zu
nehmen, das Blut vom oberen Körper +nach unten zu ziehen+, leistet
dieser Fußwickel treffliche Dienste.
+Man verwechsle ihn nicht mit dem Fußbade+ und seinen Wirkungen!
Wie die Dauer des Fußbades eine bedeutend kürzere, so ist seine Wirkung
eine beschränktere. Wohl leitet auch es die Wärme, das Blut in die
Füße; aber eine Reinigung, eine Ausleitung verdorbener Säfte aus den
Füßen vermag kein kaltes und kein warmes Fußbad zustande zu bringen.
Eine Anwendung dieses Wickels darf ich nicht vergessen.
Wer diese Wasserübungen am Abend ertragen kann, der ziehe +nasse
Socken an beim Schlafengehen+, darüber natürlich stets trockene. So
verliert er absolut keine Zeit; er wird prächtig schlafen und braucht
auf keine bestimmte Zeitdauer acht zu haben. Nur das eine merke er
sich, daß er beim Aufwachen in der Nacht oder in der Morgenfrühe die
nassen Socken ungesäumt weggibt.
+Landleuten, die abends recht müde sind+, zieht dieser
Sockenwickel alle Müdigkeit aus den Füßen, noch gründlicher als das
kalte Fußbad.
Wer an +kalten+ Füßen leidet, probiere einmal diese Nachtwickel.
+Auch Fußschweißlern+ habe ich dieselben oft mit Erfolg angeraten,
jedoch erst nachdem mehrere Fußdämpfe vorangegangen waren.
~b~) Den Wickel über die Knie.
Kräftiger als der eigentliche Fußwickel in der unter ~a~)
beschriebenen Weise wirkt ein Wickel bis über die Knie.
Die nasse Linnenbinde, welche beim Fußwickel bis über die Fußknöchel
reicht, wird fortgesetzt, fortentwickelt bis über die Knie und gut mit
trockener, am besten wollener Umhüllung versehen.
+Die Dauer dieses Wickels+, auch das andere Verhalten ist dasselbe
wie beim Fußwickel a.
+Zur Ausleitung von Hitze im Oberkörper+, +zur Hebung
großer Müdigkeit+, speziell zur +Lösung quälender Winde+,
+versessener Gase+ empfehle ich den Wickel angelegentlich.
Man verwechsle ihn nicht mit dem bei den Halbbädern genannten „ins
Wasserstehen bis über die Knie“. Diese Anwendung ist rein stärkender,
nie ableitender Natur.
5. Der Unterwickel
führt seinen Namen aus dem Grunde, weil er +hauptsächlich gegen
Gebrechen des Unterleibes und der Füße+ gerichtet und deshalb
der speziell dem Unterleibe zugedachte Wickel ist. Er beginnt unter
den Armen und reicht bis über die Fußspitzen. Der oberste Teil des
Oberkörpers, die Schultern mit den Armen, die frei bleiben, sind
unberührt und müssen, wenn der Behandelte zu Bette liegt, gut mit dem
Hemde, besser noch mit wärmerer Bekleidung bedeckt werden, daß von oben
her nicht etwa Luft eindringe.
Der Unterwickel +wird also bereitet und genommen+: Auf das die
Matratze oder den Strohsack bedeckende Leintuch wird der Länge nach
eine möglichst breite Wolldecke ausgebreitet. Das zum Wickel bestimmte
Linnen soll so groß sein, daß es zum mindesten zweimal, in manchen
Fällen 3-4 mal um den Körper und bis über die Fußspitzen hinaus
reicht (2-3-4fache „Fätschung“). Man nimmt es am besten doppelt
gefaltet, taucht es in kaltes Wasser, windet es aus, so daß es nicht
mehr triefet, und legt es in Form eines Rechteckes auf den bereit
liegenden Wollteppich ins Bett. Auf der nassen Unterlage nun nimmt man
Platz, schlägt sie rechts und links ein, aber so, daß Naß über Naß
geht und keine Stelle des Unterleibes unbedeckt bleibt. Darüber wird
die unter dem nassen Linnen gebreitete Wolldecke als schützende und
luftabschließende Hülle zusammengezogen und das Ganze mit dem Federbett
sorgfältig zugedeckt. Die Füße werden meistens noch eine Extrazudecke
erfordern. (Siehe Abbildung.)
[Illustration: Fig. 25.]
Die Sache ist nicht so verwickelt, wie es beim Lesen erscheinen könnte,
der ganze Hergang kann dadurch erleichtert werden, daß der Behandelte
außer Bett, vielleicht mit Badehosen bekleidet, den nassen Wickel
vorschriftsmäßig um sich hüllt und sich derart eingehüllt auf die
ausgebreitete Wolldecke legt. Jetzt kann ihm, damit alles rasch ohne
Verzug geschieht, daß er möglichst geringe Zeit der Luft ausgesetzt
ist, leicht jemand behilflich sein, das ist den nassen Wickel etwas
glätten, zurecht legen, die Ränder anschließend machen, besser
übereinander legen, den Patienten endlich sorglich zudecken.
Freilich ist die Sache stets etwas umständlich, doch wie mir scheinen
will, einfacher und leichter als ein Umwickeln mit eigens dazu
bereiteten Binden, welche ich bei größeren und den größten Wickeln nie
verwende.
Bei einiger Praxis ergibt sich ein Vorteil nach dem andern. Ich kenne
viele, die ohne Mühe und in kürzester Zeit (das ist eine Hauptsache)
sämtliche größeren Wickel sich selbst allein zu bereiten und umzulegen
wissen.
Hier schon möge eine +Bemerkung+ Platz finden, die manchen das beim
Lesen empfundene Schauern oder Kaltüberrieseln nehmen wird.
+Wer die Furcht vor dem kalten Wasser+ nicht überwinden kann, wer wenig
Naturwärme, zartere Nerven usw. hat, tauche den Wickel ganz ruhig in
+heißes Wasser+ ein.
+Schwächlichen+, +gebrechlichen+, +blutarmen+, namentlich +älteren
Leuten+ mache ich diese Eintauchung nicht gerade zur strengen
Vorschrift, gebe ihr aber stets den Vorzug.
Die Anwendung des Unterwickels +dauert+ 1, 1½, manchmal 2 Stunden. Das
anfängliche Kältegefühl wird bald einer angenehmen Wärme weichen.
+Einfache, arme Land-+ und +Bauersleute+ können diese ganze
Geschichte viel einfacher haben. Sie suchen sich einen alten,
ziemlich abgenützten, deshalb weniger steifen +Getreidesack+ aus,
tauchen denselben ins Wasser, winden ihn ordentlich aus und schlüpfen
dann bis unter die Arme in den Sack, gleich als wenn sie die Hosen
anziehen würden. In dieser altmodischen Tracht legen sie sich auf
die ausgebreitete Wolldecke ins Bett und wickeln sich in diese und
das Federbett tüchtig ein. Hunderte haben diese Art von „Sackjucken“
probiert. Schäme dich nicht, der Sack wird auch dir recht wohl bekommen!
Die +Wirkung des Unterwickels+, welcher stets mit anderen Anwendungen
verbunden wird, ist verschieden: wärmend, auflösend und ausleitend.
Er übt diese Wirkung, wie bereits gesagt wurde, vornehmlich aus auf
den Unterleib. Bei +Fußgeschwülsten+, +rheumatischen und gichtischen
Zuständen+, +bei Nierenleiden+, +Blähungen+, +Krämpfen+ usw. wird er
regelmäßig zur Mithilfe beigezogen werden.
Anstatt des einfachen kalten oder warmen Wassers verwende ich sehr
häufig zum Eintauchen +die Absude von Heublumen+, +saurem Heu+,
+Haberstroh+, +Fichtenreisern+. Das saure Heu gilt als Ersatzmittel für
Heublumen. Beide dienen bei +Harnbeschwerden+ und in untergeordneter
Weise bei +Gries-+ und +Steinleiden+.
Absud von Haberstroh hat sich jederzeit bewährt bei der +Gicht+,
bei +Gries-+ und +Steinleiden+; Absud von Fichtenreisern bei
schwächlichen Naturen zur Ausleitung von Gasen und zur Beseitigung der
verschiedensten krampfhaften Zustände im Unterleib.
6. Der kurze Wickel
ist der am meisten genannte und gebrauchte. Er bildet für sich allein
eine +abgeschlossene Anwendung+, d. h. er wirkt, ohne daß andere
Wasserübungen beizuziehen sind, auf den ganzen Körper. Er steigert die
Naturwärme und zieht anderseits zu große Hitze aus, je nachdem seine
Anwendung längere oder kürzere Zeit dauert.
„Dieser Wickel ist alles wert,“ hat einmal einer gesagt; „was der
Sattelgaul am Fuhrwerke, das leistet er unter den Wickeln.“
Zu seiner Beliebtheit und allgemeinen Verbreitung hat sehr viel der
Umstand beigetragen, daß ihn +ein jeder selbst leicht und bequem nehmen
und umlegen kann+. Der kurze Wickel beginnt wie der Unterwickel seine
Wickelungen unter den Armen und beendet sie oberhalb der Knie. Ein
grobes Linnentuch wird 4-6fach in solcher Breite zusammengefaltet,
daß es den Körper in besagter Weise umhüllt, sodann naß gemacht,
ausgewunden und gut anschließend umgelegt. Eine Wolldecke schließt
luftdicht ab, und das Federbett gibt die notwendige Wärme. (S.
Abbildung.)
[Illustration: Fig. 26.]
+Schwächliche+ und +ältere Personen+, mit einem Worte die +Blutarmen+,
deren Blutwärme nicht viel über dem Gefrierpunkte steht, dürfen, ja
sollen auch diesen Wickel +warm+ nehmen.
+Arme und einfache Leute auf dem Lande+ können statt des 4-6fach
gefalteten Linnentuches wieder einen abgenützten, weicheren
+Getreidesack+ netzen und denselben der +Breite nach+ umlegen.
Die ganze Anwendung dauert je nach Vorschrift 1, 1½, zuweilen 2 Stunden.
Würden +gesunde Leute+ alle 8, auch nur alle 14 Tage einen kurzen
Wickel nehmen, so könnten sie einer großen Anzahl Krankheiten gründlich
vorbeugen. Auch er wirkt günstig und +reinigend auf Niere+ und +Leber+
und auf den +Unterleib+, den er von +versessenen Winden+, +quälenden
Gasen+, +verlegenen Stoffen+, +überflüssigem Wasser+ reinigt. Die
+Wassersucht+, +Herz-+ und +Magenleiden+, die sehr häufig vom Druck
der Gase nach oben herrühren und aufhören, sobald diese entfernt
werden, sind den Freunden des kurzen Wickels unbekannte Gäste. Und ich
kenne eine Zahl solcher treuen Freunde, welche manche Nacht in seiner
Umhüllung schlafen und bis zum Morgen überaus gut und sanft ruhen.
Bei +Verschleimungen+ des +Magens+, bei +Herz-+ und Lungenübeln, bei
den verschiedensten +Kopf-+ und +Halsleiden+ findet der kurze Wickel
die mannigfaltigste Verwendung. Das Nähere besagt im dritten Teile eine
Reihe von Krankheiten.
Wenn ich im +unklaren bin über ein Übel+, wenn ich den Sitz einer
Krankheit nicht genau erkenne, so ist stets der kurze Wickel der
treueste und beste Ratgeber. Auf nähere Ausführung kann ich mich nicht
einlassen.
+Patienten+, deren +Unterleib durch was immer geschwächt+ ist, rate ich
unmittelbar vor oder nach dem Wickel den Unterleib mit Schweinefett
oder Kampferöl einzureiben.
Bei +Krämpfen+ lasse ich auch manchmal ein in +Essig+ getauchtes
einfaches Tuch unter den Wickel auf den bloßen Leib legen. Bei Krämpfen
und Kältegefühl ist =warmer= Wickel am Platze.
7. Das nasse Hemd.
Diese Anwendung habe ich gewählt, weil sie auch von den einfachsten
Menschen mit geringer Fassungskraft nicht leicht mißverstanden werden
kann.