Die auffallendsten und erstaunlichsten Erfolge habe ich erzielt mit

Dämpfen von +Zinnkrautabsud+ in all’ den höchst peinlichen Fällen,

in welchen das +Urinieren+ (Wassermachen) +unmöglich+ wurde und

infolgedessen die entsetzlichsten, wahnsinnigsten Schmerzen den armen

Patienten quälten und fast zur Verzweiflung brachten. Die meist durch

Erkältung und Entzündung entstandenen krampfhaften Zustände der Blase

wurden durch den heißen Zinnkrautdampf in verhältnismäßig kurzer Zeit

gehoben, und das Organ tat wie früher seine reinigenden Dienste.

4. Besondere Dämpfe auf einzelne kranke Stellen.

Im Wechsel mit anderen Wasseranwendungen dienen in vielen Fällen die

Dämpfe sehr gut bei +Leiden an den Augen, in den Ohren, im Mund, an

den Fingern, an der Hand, am Arme, an den Zehen, am Fuß+ usw. Einige

Beispiele mögen dieses klar machen.

Ein giftiges +Insekt sticht in die Hand+, in den Arm, das Glied

schwillt an und schmerzt heftig, die Entzündung droht um sich zu

greifen usw. Im Vereine mit Hand- und Armwickeln werden Dämpfe auf die

leidende Stelle bald Linderung der Schmerzen und Hilfe bringen. Zu

dem Zwecke hält man die Hand oder den Arm über ein Gefäß, welches das

strudelnde, dampfende Wasser enthält.

Wegen irgend einer durch +Giftstoffe verunreinigten Wunde droht

Blutvergiftung+; es ist Gefahr im Verzuge. Rasch soll ein auflösender

und ausleitender Hand- oder Fußdampf bereitet werden.

Es wird jemand von einem +wutverdächtigen+ Hunde gebissen. Bevor ein

Arzt und andere Hilfe zur Hand sind, kann rascher durch Dampf dem

Gefährdeten wenigstens vorläufige Hilfe gebracht werden.

+Heftige Krämpfe+ quälen ganz bestimmte Stellen an Händen und Füßen.

Man säume nicht, sie bedampfen zu lassen.

Zu äußeren Anwendungen der genannten Arten verwende ich +in der Regel

Absude von Heublumen+.

+Für Augendämpfe+ dient sehr gut +Absud von Fenchelpulver oder

Augentrost+ oder +Schafgarbe+;

+für Ohrendämpfe Absud+ von +Taubnesseln+ oder +Brennesseln+ oder

+Schafgarbe+;

+für Verschleimung im Halse Absud von Schafgarben+ oder +Spitzwegerich+

oder +Brennesseln+.

Bezüglich der +Anwendungszeit+ überschreite man +20 Minuten nie+; die

+kürzeste+ Dauer umfaßt +10 Minuten+.

Jene +Dämpfe+, welche zum +Einatmen+ dienen, nach innen wirken oder die

Augen und Ohren betreffen, sollen vorsichtigerweise +niemals übermäßig

warm oder gar heiß+ genommen werden.

~D.~ Gießungen.

Die bei mir zur Anwendung kommenden Gießungen (Güsse) sind folgende:

1. Der Knieguß.

Die Füße werden bis über die Knie entblößt, die Beinkleider möglichst

weit zurückgeschlagen und, um sie vor Nässe zu schützen, gegen die zu

begießenden Stellen zu mit einem Tuche (Handtuche) bedeckt. Man setzt

sich sodann auf einen Stuhl und stellt beide Füße ähnlich wie beim

Fußbade in ein bereitstehendes Gefäß. (S. Abbildung.) Wer sich aber

stehend den Guß geben läßt, handelt nicht schlechter. Der Guß geschieht

mit einer kleinen Gießkanne, am besten mit einer Treibhausgießkanne,

die mit einer Hand leicht dirigiert wird. Die erste Kanne, die

schneller und voller strahlend ausgegossen werde, benetzt beide Füße,

von den Zehen bis über die Knie. Die folgenden Kannen bespülen in

schwachem Strahle, der bald höher, bald tiefer auffällt, einzelne

Fußstellen, besonders die Kniescheiben (in der Mitte, rechts und links

davon) und die Waden in einer Art, daß das Wasser über die Beine

ziemlich gleichmäßig hinunterläuft. Der Inhalt der letzten Kanne wird

nicht gegossen, sondern aus der größeren Öffnung in zwei oder drei

Malen über die Füße wie zur Abspülung hingeschüttet. Zu einem Kniegusse

können 2-10 Gießkannen verwendet werden, wovon eine 13-15 Liter hält.

[Illustration: Fig. 12].

+Kranke+, +Schwächlinge+ halten den Guß beim ersten Anprall sehr schwer

aus. Kein Anfänger tut sich ganz leicht. Schon Männer, welche zuerst

über das Bagatellverfahren witzelten, dann die elektrischen Schlägen

gleichende bis ins Innerste hinein erschütternde Wirkung verbeißen

wollten, habe ich wie Espenlaub zittern und vor Schmerz weinen sehen.

Es ist das der beste Beweis für die elektrisierende, auffrischende,

stärkende Kraft dieses Gusses.

+Rekonvaleszenten+, +blut-+ und +säftearmen Personen+, -- +allen, deren

Fußknochen+ nicht kernige Muskeln, sondern nur +dünne, armselige+

Fleischmäntelchen tragen, rate ich die erste Zeit +nie mehr als 2-3

Gießkannen+; auch +bei jedem Anfänger+ soll das erste Mal die Zweizahl

nicht überschritten werden. Sie können in den folgenden Tagen auf 4-6

und noch später auf 8-10 Kannen steigen. Nach 8-10 Kniegüssen ist

jedes Schmerzgefühl verschwunden. Mit Behagen, mit einem gewissen

Sehnen erwartet man den nächsten Strahl, der in so kurzer Zeit die

verweichlichten Füße so bedeutend gestärkt hat.

Der +Knieguß+ kommt +regelmäßig+ nur in +Verbindung+ mit dem +Oberguß+

vor. Man +lese+ deshalb nur das vom +Oberguß+ Gesagte. Jedoch ist dies

nicht so gemeint und auch nicht so zu verstehen, daß nach dem Obergusse

+unmittelbar+ der Knieguß genommen werden müßte.

2. Der Schenkelguß

bildet die +Fortsetzung des Kniegusses+, gegen den Unterleib zu,

schließt jedoch als eigentlichen Schenkelguß dessen Begießung aus. Er

besteht darin, daß außer den beim Knieguß begossenen Fußstellen die

Schenkel mit in Behandlung gezogen werden. Die erste Kanne Wassers

benetzt ziemlich rasch die ganze Länge der Beine von den Zehen bis

zum Unterleib; die folgenden mögen nahezu gleichmäßig verteilt auf

dieselben spülen. Patienten, welche noch das Stehvermögen haben,

nehmen diesen Guß (und wohl jeden andern) besser in stehender

Haltung; sie haben dabei den Vorteil, daß das aus der Kannenröhre

ausfließende Wasser beim Hinablaufen Wade und Schienbein +gleichmäßiger

und gleichzeitiger+ benetzt; und gleichmäßiges und gleichzeitiges

Übergießen zähle ich stets zu den guten Eigenschaften eines Gusses.

[Illustration: Fig. 13.]

[Illustration: Fig. 14.]

Die Wirkung des Schenkelgusses ist die erhöhte Wirkung eines

Kniegusses; daher könnte er jederzeit diesen letzteren vertreten

und ersetzen. Als Vertreter aber geht es ihm wie den Ersatzmännern

bei öffentlichen Ämtern: es kommt in meinem Wasseramte selten zur

Verwendung. Er bildet die natürlichste Brücke, den natürlichsten

Übergang vom Knieguß zum Unterguß, erhöhtem, verstärktem Schenkelguß,

Schenkelguß im weiteren Sinne des Wortes. So oft im folgenden und

in allen meinen Schriften der Name Schenkelguß erscheint, habe ich

(+immer+ möchte ich sagen) den +verstärkten+ Schenkelguß im Auge.

3. Der Unterguß

(erhöhter, verstärkter Schenkelguß) besteht darin, daß mit der ersten

Gießkanne rückwärts unten am Fuße beginnend der Körper bis über +die

Hüfte+ benetzt wird und die folgenden drei bis vier, ja sechs Kannen

Wasser gleichmäßig den ganzen Unterkörper (auch von vorne), vorzüglich

aber Kreuz- und Lendengegend gut bespülen. Weil er sich auf den ganzen

Unterleib erstreckt, so ist sein Name „Unterguß“ auch gerechtfertigt;

am vorteilhaftesten wird er gleich dem Schenkelguß stehend genommen.

(Siehe Abbildung.)

[Illustration: Fig. 15.]

Dieser Guß muß +regelmäßig nach dem Fußdampfe erfolgen+, wenn nicht

etwa das Halbbad oder das Knien in die Badewanne vorgezogen wird. Seine

Wirkung ist um so stärker, je mehr Wasser dazu verwendet wird, und je

höher der Strahl auffällt. +In der Regel+ soll derselbe nicht höher als

etwa spannehoch fallen.

4. Der Rückenguß

bildet die Fortsetzung des vorher beschriebenen Gusses nach oben

in der Weise, daß mit der ersten Gießkanne voll Wasser die ganze

Rückseite des zu Begießenden von der Ferse bis zum Nacken benetzt

wird; der Inhalt weiterer 3-5 Kannen, dessen Strahl höher oder tiefer,

stärker oder schwächer auffallen kann, wird vom Halse bis hinunter zum

Steißbein einerseits und von dem linken bis zum rechten Schulterblatte

anderseits gleichmäßig ausgegossen. Ziemlich reichlich wird dabei

die Rückensäule bedacht, aber nicht überflüssig ist nebstbei die

Bemerkung, daß bei sehr empfindsamen, erregbaren Personen, besonders

anfangs, die Wirbelsäule +selbst+ möglichst geschont werden möge.

+Rasches Abwaschen+ der Brust, des Unterleibs und der Arme soll den

Rückenguß stets begleiten oder beschließen. Ich sage +begleiten+ oder

+beschließen+: ersteres kann dadurch bewerkstelligt werden, daß das

Wasser, welches, während der Nacken begossen wird, nach vorne abfließt,

zur Abwaschung verwendet wird; letzteres geschieht unmittelbar nach dem

Gusse, so oft ersteres unterlassen wurde. Bei den Beinen kann man das

Abwaschen ersparen, indem man in stehender Körperhaltung den Guß nimmt,

in welchem Falle das Wasser beim Ablaufen von oben eine volle Abspülung

vornimmt.

[Illustration: Fig. 16.]

Der Rückenguß wirkt besonders +stärkend+ auf das +Rückgrat+ ein und

+fördert+ den +Blutumlauf+ günstiger und stärker als die vorigen

Gußarten.

5. Der Ganz- oder Vollguß

erstreckt sich, wie der Name besagt, auf den ganzen Körper, vom Halse

bis zu den Fußspitzen. Derselbe wird folgendermaßen erteilt:

Der Patient sitzt in der Badewanne oder in einem weiten Holz- oder

Blechgefäß auf einem schmalen Brettchen, bekleidet mit Badehosen oder

dem Badehemde. Wer ihn kniend oder stehend nehmen will, trifft auch

keine schlechte Wahl. Der Guß geschieht zum Teil von der Rückseite, zum

Teil von der Vorderseite mit ungefähr 4 Gießkannen Wasser. Die erste

Kanne netzt den ganzen Körper an. Die weiteren drei und mehr Kannen

werden in der Art verwendet, daß der Strahl nach allen Körperteilen

hinzielt, vorzüglich nach dem Rückenmark und den Hauptnervengeflechten,

also ins Genick und zu beiden Seiten desselben, sodann in die

Magengegend (Magengrube, Sympatikus in der Magengegend).

[Illustration: Fig. 17.]

+Gesunden+, besonders +korpulenten Personen+, ist dieser Guß

sehr zu empfehlen. Er härtet ab, steigert die Zirkulation des Blutes,

kräftigt und hebt diese blutarmen und wasserscheuen Individuen aus

ihrer übergroßen Empfindsamkeit und Empfindlichkeit heraus.

+Wer sich kalt+ fühlt und +wem fröstelt+, der darf den Guß

nicht nehmen, er stelle denn zuerst die richtige Naturwärme her, sei es

durch Bewegung, sei es durch künstliche Nachhilfe, etwa den Fuß- oder

Kopfdampf. Sonst aber kann er Sommers und Winters vorgenommen werden,

im Winter selbstverständlich in einem gewärmten Lokale.

Bei +Kränklichen+ und +Schwächlichen+ darf, ja soll das

Wasser etwas temperiert („abgeschreckt“) werden und wenigstens die

Temperatur haben, welche das Wasser in Badeanstalten zur Sommerszeit

hat (15-18°~R.~).

Die Berichte der einzelnen Krankheiten enthalten, in welchen Fällen

und wie oft der Ganzguß anzuwenden sei. Ich ziehe denselben vielfach

dem Vollbade vor und verwende ihn statt desselben da, wo ich durch

Aufgießen auf eine besonders leidende Stelle in nachhaltiger Weise

einwirken will. Bei +Rheumatismen+ geschieht dieses ziemlich oft.

+Kranken+, bei denen ich +besonders starke Auflösungen+

und Ausleitungen erzielen möchte, gebe ich nach dem Vollgusse noch

folgende Anwendung. Das durch den Guß naß gewordene Hemd wird rasch so

ausgewunden, daß es nicht mehr träufelt, und dann als Wickel benützt

(s. Wickelungen), in welchem der Patient 1 bis 1½ Stunden bleibt.

Andernfalls muß es selbstverständlich ausgezogen und durch trockene

Wäsche ersetzt werden. Der Patient selbst macht sich Bewegung, bis er

völlig warm und trocken ist.

Hier nur eine +flüchtige Bemerkung+. Die an manchen Orten

üblichen, hoch und deshalb sehr +stark auffallenden Güsse+ und

+heftigen Duschen+ habe und billige ich nicht. Ich sehe absolut

nicht ein, was so gewaltige Wasserschläge bei Gesunden und erst bei

Kranken erzielen sollen. Zum Waschen des Körpers braucht man keine

Feuerspritze; wem würde solches einfallen?

Zum Begießen sind diese förmlichen Wasserstürme nicht notwendig; denn

entweder ist die Krankheit heilbar und so durch geringere Anwendung

ihr beizukommen, oder sie ist nicht heilbar; dann würde diese schroffe

Behandlung auch nichts nützen, eher schaden.

6. Der Oberguß

ist das Gegenstück zum Unterguß.

Der zu Behandelnde entkleidet sich bis auf die Beinkleider. Das

Einfließen des Wassers in letztere hindert ein übergelegtes,

abschließendes Tuch. Das Gefäß, in welches das Wasser abfließt,

dann statt auf der Erde auf einem Stühlchen stehen. Das Bücken wird

stärkeren Personen dadurch leichter gemacht; auch der Kopf wird

geschont, d. i. durch dessen mehr gehobene Haltung der Blutandrang zu

demselben gemindert. Der Patient stützt beide Hände auf den Boden des

Gefäßes, so daß der Oberkörper eine horizontale Lage annimmt und das

Wasser beim Gießen ins Gefäß abfließt. (S. Abbildung.)

[Illustration: Fig. 18.]

+Die erste Kanne+ verbreitet sich, ausgehend vom rechten Arm und

der rechten Schulter, über den ganzen Rücken bis zur linken Schulter

und dem linken Oberarm (~a~). Sie dient in erster Linie zur

Anfeuchtung der ganzen Gußstelle. Die zweite (~b~), ebenso die

dritte Kanne (~c~) bewegen sich hauptsächlich über das große

sympatische Nervengeflecht zu beiden Seiten des 7. Halswirbels, sodann

über den ganzen Rücken und das Rückgrat, stets abschließend mit einem

der beiden Oberarme. +Die ganze Gußstelle+ soll drei- bis viermal

+gleichmäßig übergossen+ werden, der Begossene gleichsam +drei

Wasserauflagen+ bekommen, welche über den Oberkörper, über die Brust

in das Gefäß abfließen. Wer aber nicht geübter, erprobter Begießer

ist, dem gebe ich den guten Rat, einfach so zu gießen, daß das Wasser

auf den Rücken des zu Begießenden recht gleichmäßig verteilt wird, so

daß dasselbe eine förmliche Decke bildet und der Rücken wie etwa mit

einem Tuche überlegt erscheint. Der +Kopf+ werde +möglichst

geschont+, der Hals dagegen tüchtig begossen. Wer lange Haare hat,

dessen Kopf greife ich gar nicht an; wer kurze Haare hat, den begieße

ich zart und wenig. Bei +nervösen Personen+ sei man achtsam, daß

der +Rückgrat+ oder auch nur eine Stelle desselben zu stark oder

zu lange begossen werde. Der Strahl würde fast wie ein stechendes

Messer empfunden und nicht ertragen werden, wenn auch durchaus keine

Gefahr ist. Je nach Bedarf und Absicht läßt der Begießende den Strahl

voller oder geteilter, höher oder tiefer, d. i. stärker oder schwächer

auffallen. Zugleich habe er ein +Ohr+, ob der Patient über

besondere Schmerzen an irgend einer einzelnen Stelle klagt, und ein

+Auge+, ob er vielleicht Symptome von Ausschlägen, Geschwüren,

Blutanstauungen (blaue Flecken), Blutwülsten usw. gewahr wird.

[Illustration: Fig. 19.]

+Je gleichmäßiger+ das Wasser über die begossenen Teile läuft, um

so leichter ist der Guß auszuhalten, und um so schneller tritt an allen

Stellen gleichmäßige Wärme ein.

Es gibt Personen (darunter zählen insbesondere diejenigen, welche

entweder schon stark beleibt sind oder zum Starkwerden Anlage haben),

bei denen man lange auf +Reaktion+ warten kann. Man sieht dieses

daran, daß die Haut weiß, farblos bleibt, wie vor dem Gusse, nicht rot

wie vom aufgescheuchten, geweckten, den begossenen Stellen zuströmenden

Blute. Da +helfe+ ich dadurch +nach+, daß ich nach der ersten

Kanne den nassen Rücken leicht mit der Hand abwasche und durch diese

kleine Reibung die Haut zur Tätigkeit reize. Beim dritten und vierten

Gusse schon ist in der Regel vollständige Reaktion vorhanden.

Bei +schwächlichen+ Personen reicht zum Gusse eine Kanne aus.

+Anfänger+ traktiere man mit 1 oder 2, +Fortgeschrittene+

mit 2 oder 3, +Gesunde+ und +Kräftige+ mit 5 bis 6 Kannen.

Übertreiben soll man bei vorhandenem Wohlbehagen in keinem Falle.

Vor und nach dem Gusse wasche man sich schnell die Brust, trockne nach

demselben die Hände und das Gesicht, ziehe rasch, ohne sonst irgend

abzutrocknen, die Kleider an und begebe sich in Bewegung oder an die

Arbeit.

Der +Oberguß+ ist (wenn nicht eine Abwaschung stattfindet)

+stets notwendig+ nach dem Kopfdampf.

Sonst kommt er +regelmäßig+ vor in Verbindung mit dem Knieguß,

und zwar in der Reihenfolge, daß zuerst er und nach vollständiger

Bekleidung des Oberkörpers der Knieguß vorgenommen wird. Betont sei

aber nochmals, daß eine +Notwendigkeit+ nicht vorliegt, daß dem

Oberguß der Knieguß folgen +müsse+.

+Beide Güsse zählen+ mit zu den +Abhärtungsmitteln+; sie

wirken erwärmend, (gleichmäßige Zirkulation des Blutes), stärkend,

förmlich elektrisierend und können von Personen beiderlei Geschlechts

ohne allen Nachteil angewendet werden.

Ich kenne solche, welche jeden Morgen beim Aufstehen sich selbst beide

Güsse applizieren. Sie nehmen zuerst den Oberguß vor, indem sie durch

geschickte Handhabung der kleinen Kanne sich das Wasser über den Rücken

laufen lassen, noch besser, indem sie sich in der Waschküche oder in

einem Badelokal den Wasserhahn klein drehen und den mäßigen Strahl auf

den Rücken spielen lassen. Sie wandern unter dem Strahl einher, wie es

ihnen selbst beliebt und wohltut. Hernach richten sie den Hahn oder die

Kanne ebenso auf die Knie. In fünf Minuten ist alles vorüber und dem

ganzen Körper eine große Wohltat erwiesen.

[Illustration: Fig. 20.]

+Wer sich scheut, den Guß von einem andern zu erbitten+, und dazu

selbst die Gewandtheit nicht besitzt, wasche sich den Oberkörper mit

recht kaltem Wasser. Dann stelle er die bis über die Knie entblößten

Füße in ein zum Teil mit Wasser gefülltes Gefäß, schöpfe mit was immer

von dem Wasser und schütte dieses langsam über die Knie und den untern

Fuß. Selbst bei dieser primitiven Selbstverabreichung der beiden Güsse

wird die Wirkung nicht fehlen.

7. Der Armguß.

Wie die Beine bei Knie- und Schenkelguß für sich allein in Behandlung

kommen, so kann es öfters auch sehr zweckdienlich sein, die Arme

speziell zu begießen.

Der Guß beginnt vorne an den Händen und nimmt seinen Lauf hinauf bis

gegen die Achseln; er wird stets beiderseits vorgenommen und für

gewöhnlich reicht eine Kanne zu 15 Liter für +einen+ Arm aus. Bald

wird dieser Guß verordnet und genommen als +einfaches Abhärtungsmittel

der Arme+, bald ist er sehr +nützlich zur Auflösung der Stauungen+

in denselben, bald +um Entzündungen zu dämpfen und deren Schmerz

zu lindern+, und bald um Gicht und Rheumatismus aus den Armen zu

verscheuchen. Für Blutarme und Bleichsüchtige ist er eine große

Wohltat. Wer einen sprudelnden Brunnen zur Verfügung hat, der halte

beide Arme eine Minute unter denselben und ich werde ihm gewiß nicht

den Vorwurf machen, daß sein Armguß kein richtiger ist.

8. Der Kopfguß.

Wollte ich diesen Guß ganz verschweigen, so würde ich einer Anwendung

in meinem Heilverfahren nicht gerecht werden, der ich doch bei Augen-

und Ohren-Gebrechen große Dienste und Erfolge zu verdanken habe. Dabei

gießt man das +Wasser über den Kopf+ und läßt +den Strahl+ =um= +die

Ohren+, +auf die Backen+ und selbst +zwei Sekunden auf das geschlossene

Auge+ spielen. Zuerst verwendet man hiezu +eine+, später +zwei+ Kannen

voll Wasser. Wieder ist es nicht überflüssig, die Mahnung beizufügen,

daß nach dem Kopfgusse das Haupthaar +sorgfältig+ abgetrocknet werden

muß.

~E.~ Waschungen.

Die Waschungen teilen sich in +Ganzwaschungen+ und in +Teilwaschungen+.

Von beidem wird im folgenden die Rede sein. Im +allgemeinen+ kann

vorausgeschickt werden, daß die Grundsätze bezüglich des Frottierens,

des Nichtabtrocknens auch hier gelten. +Bei einer jeden Waschung+ liegt

die +Hauptsache+ (der +Schwerpunkt+) darin, daß der ganze Körper oder

der einzelne zu waschende Teil +gleichmäßig naß+ werde. Vom Gerieben-,

Geknetetwerden ist nirgends die Rede. Wenn zuweilen bei den Krankheiten

von kräftiger Abwaschung gesprochen wird, so verstehe ich darunter

stets eine schnelle Handlung, bei der man nicht zögert und zaudert.

+Diejenige Ganz-+ oder +Teilwaschung+ wird die +beste sein+, +die am

gleichmäßigsten geschieht+ und am +kürzesten dauert+; über 1, längstens

2 Minuten darf keine währen. Darnach mag man beurteilen, wie sehr mein

Verfahren von den in gewissen Anstalten geübten verschieden ist, und

man verschone mich mit dem Vorwurfe, daß ich die Patienten unmäßig

lange im kalten Wasser belasse, was den also Mißhandelten Rheumatismen,

Gelenkrheumatismen u. a. notwendigerweise zuziehen müsse. Ich sündige

wahrlich nicht durch ein Übermaß.

Noch sei bemerkt und +eingeschärft+ wie beim kalten Vollbade: +wessen

Körper kalt ist+, +wen fröstelt+ oder +friert+, der nehme +nie eine

Waschung+, vor allem nie eine Ganzwaschung vor. Die ohnedies geringe

Naturwärme würde so noch bedeutend geschwächt und nur schwer und

lange nicht ersetzt werden. Fieber, Katarrh und anderes müßten die

unausbleiblichen Folgen sein.

1. Die Ganzwaschung.

~a~) Die Ganzwaschung für Gesunde.

Die Ganzwaschung erstreckt sich, wie der Name besagt, auf den ganzen

Körper (den Kopf ausgenommen), welcher von oben bis unten in einem Zuge

gewaschen wird.

+Am leichtesten geschieht sie in folgender Weise+:

Man nimmt ein rauhes, grobes Handtuch (mit dem kleinen Badeschwamm geht

es zu langsam), taucht es ins kalte Wasser und beginnt die Waschung an

Brust und Unterleib. Dann kommt die Reihe an den schwerer zugänglichen

Rücken. Eine Regel über das „Wie“ der Rückenwaschung läßt sich nicht

geben. Ein jeder wird bald selbst den Vorteil finden, wie er dem ganzen

Rücken schnell und leicht beikommt. Den Abschluß bildet die Waschung

der Arme und Beine (Füße). Alles muß in einer, längstens in zwei

Minuten fertig sein. Jede Waschung, die darüber währt, kann vom Übel

sein. Zudem hüte man sich, die Waschung an einem Orte vorzunehmen,

an dem der Körper der freien Luft ausgesetzt ist. Das hieße sich

absichtlich verderben wollen.

Ohne abzutrocknen zieht man möglichst rasch die Kleider an und sucht

Arbeit oder Bewegung bis zur völligen Erwärmung und Trocknung der Haut.

+Wann und wie oft können Gesunde die Ganzwaschung vornehmen?+

Einmal, in der Frühe nämlich, wäscht sich jedermann Gesicht und Hände.

Auch die Ganzwaschung wäre in der +Morgenfrühe+ gleich beim Aufstehen

vortrefflich angebracht. Da ist die Naturwärme, weil durch die

Bettwärme gesteigert, am stärksten; die Waschung wäre eine angenehme

Abkühlung, Auffrischung, die sofort den Halbschlaf vertreiben und schon

beim Beginne des Tagewerkes tüchtig, lebendig und frisch machen würde.

Von Zeitverlust kann da nicht die Rede sein, denn in einer Minute ist

die Ganzwaschung geschehen und es kann sofort zur Arbeit geschritten

werden.

Wie mancher in der Stadt macht im Frühjahr und im Sommer seinen

+Morgenspaziergang+! Er probiere +vor demselben+ die Ganzwaschung. Ich

bin überzeugt, ich brauche ihn zum zweiten Male +nicht+ aufzumuntern.

Solche, welche nach dem Ganzbade weder Bewegung machen noch an eine

Arbeit gehen können und darin eine Entschuldigung suchen, tun unklug.

Sie sollen die Ganzwaschung ruhig vornehmen und sich nach derselben

noch ein Viertel- oder ein halbes Stündchen zu Bette legen. Auch dieses

geht an.

Wer es über sich bringt, -- es ist eine so kleine Überwindung! -- eine

Zeit lang täglich oder wenigstens alle 2-3 Tage seinem Körper diesen

Dienst zu erweisen, der dient demselben in Wahrheit gut und erwirbt

sich selbst den besten Lohn.

Hat jemand in der Morgenfrühe keine Zeit, so ist +jede Tagesstunde+

eine gute Stunde zur Waschung. Man ziehe sich zwei, drei Minuten in

seine Schlafkammer, in die Waschküche usw. zurück, und die wohltuende

Arbeit ist vorüber. Daß wir doch nicht so überaus bequem und

wasserscheu wären!

Wenn der Schmied und Schlosser seine Werkstatt schließt, so wäscht er

sich den Ruß und den Kohlenstaub vom Gesichte; wenn der Landmann, der

auf Reinlichkeit was hält, vom Felde heimkehrt, so wäscht er sich die

Hände und nimmt zur heißen Sommerszeit vor jeder andern Erfrischung

einen Schluck Wasser, um sich Mund und Gaumen auszuspülen. Wie gut wäre

es erst, wenn beide nach +dem ermüdenden Tagewerke+ den letzten

Schweiß sich in einer Ganzwaschung abwischen würden! Ich wünschte,

diese erquickende und stärkende Übung wäre vielmehr bekannt.

+Nachts vor dem Schlafengehen+ kann nicht jeder eine

Wasseranwendung vornehmen, da diese manche Personen aufregt. Wer sie

ertragen mag, verliert gerade da die wenigste Zeit und wird fester und

ruhiger schlafen, als er sonst gewöhnt ist.

Gar +vielen, welche nachts nicht einschlafen konnten+, habe ich

statt der Ganzbäder die leichtere Ganzwaschung und meistens mit gutem

Erfolge empfohlen.

Meine Wasser-Kur Durch mehr als 40 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit · 第 8 / 36 段