Auch ich ließ mir einen solchen Schwitzkasten fabrizieren, d. i. einen

Kasten mit einer schließbaren Eingangstüre und einer Öffnung dem Himmel

zu, durch welche man bequem den Kopf stecken konnte. Die Zufuhr des

Dampfes geschah von außen; der Patient oder Schwitzlustige saß oder

stand im Innern des Kastens und betrachtete mit stiller Resignation

(Ergebung in sein Schicksal) das vor ihm angebrachte Thermometer.

Ein trockenes Tuch umhüllte den Hals, um das Entweichen des Dampfes

zu verhindern; nasse Kompressen oder Umschläge bedeckten den Kopf,

um ihn, während der ganze Körper schon nach 10-15 Minuten in größtem

Schweiße war, kühl zu erhalten. Das Dampfbad beschloß ein Vollguß (eine

Gießkanne Wasser) oder ein Vollbad. So oft größere Schweiße erwünscht

waren, ließ ich zweimal, je 15 Minuten lang, in dem Kasten Aufenthalt

nehmen mit jedesmaliger rascher, eine halbe Minute währender Abwaschung.

Die Art und Weise der Bereitung dieser Ganzdampfbäder schien mir

unübertrefflich, mir war nur unbegreiflich, daß die Erfolge nicht

ebenfalls vorzügliche waren. Zur Winterszeit insbesondere hatte die

Sache große Schwierigkeiten. Innerhalb weniger Minuten brachte der

heißeste Dampf, welcher den ganzen Körper gleichmäßig einhüllte, von

allen Seiten ihn gleich heftig angriff, auch den ganzen Körper in

starken Schweiß und damit in große Empfindsamkeit der Kälte gegenüber.

Mir wenigstens war es stets sehr schwer, nach dem Bade die ganze

Hautfläche gegen die frische kalte Winterluft so zu schützen, daß

nicht irgend ein Fleck der Haut Schaden gelitten und längere Zeit

Beschwerden, zuweilen heftige Schmerzen bereitet hätte.

Ich probierte viel, wie diesem Übelstande abzuhelfen sei, und dachte

noch mehr darüber nach.

Da führte mich gerade zur Winterszeit einmal der Weg nach München; ich

litt an ziemlich heftigem Katarrh. Der Zufall spielte mir ein Blatt in

die Hand, welches auf der letzten Seite die ans Wunderbare grenzenden

Wirkungen der russischen Dampfbäder in einem überschwenglichen

Lobeshymnus pries. Unter anderem hieß es: Man probiere es nur; ein

einziges Dampfbad ist imstande, den heftigsten Katarrh zu heilen. „Das

muß ich doch mal sehen,“ dachte ich, und -- gedacht, getan. Ich suchte

die Anstalt auf, nahm ein solches Bad und in der Tat, ich fühlte nach

der allerdings russischen Dampfkur keine Spur mehr von meinem Katarrh.

Aber nur langsam! Kaum waren 5-6 Stunden verflossen, da saß im ganzen

Körper ein neuer Katarrh, doppelt so heftig als der alte, den ich im

russischen Bade zurückgelassen.

„Ah so!“ dachte ich und sagte mir leise ins Ohr: „Diese Art Dampfbäder

zu nehmen kann nicht die richtige sein. Ich sehe ganz ab von mir

selbst; wie aber soll ein Geschwächter, ein Kranker, vollends ein

Schwerkranker etwas anwenden, was selbst einen kräftigen, gesunden Mann

erschaudern macht? Fürwahr, ein solcher muß anders bedient werden.“

All die weiteren Forschungen und Versuche brachten mich zu der

Überzeugung, daß derselbe Grundsatz, welcher für sämtliche

Wasseranwendungen gilt, auch bei den Dämpfen Geltung hat, daß

nämlich +die gelindeste Anwendung auch stets die beste ist+.

Die gelindeste Anwendung nenne ich die +einfachste+ und die

+den Körper am meisten schonende+. Niemals werde ich (z. B.

zur Vermehrung der Naturwärme) irgend einen Dampf gebrauchen, wo

eine kleine Wasseranwendung, ein Guß oder ein Halbbad ausreicht;

niemals werde ich den ganzen Körper durch ein Ganzdampfbad quälen und

ausmergeln in Fällen, in denen Dämpfe auf einzelne Körperteile genügen.

~Ne quid nimis~, d. h. ich bleibe auch beim Dampfverfahren auf

der goldenen Mittelstraße: nichts der Natur abzwingen wollen, sondern

ihr an die Hand gehen, sie freundschaftlich stützen und durch kleine

Hilfsmittel einladen, daß sie selbst und allein und freiwillig den

Dienst tue.

Meine +sämtlichen Dämpfe+ sind eigentlich nur +Teildämpfe+, d. h. sie

berühren direkt nur Teile des Körpers; dennoch bleibt keiner derselben

ohne Einwirkung auf den ganzen Körper. Gerade +darin+ scheint mir der

+große Vorteil+ zu liegen. Die Dämpfe berühren oder, wenn man will,

schwächen nur die leidende Körperstelle und lassen den übrigen gesunden

Körper intakt, unberührt, ungeschwächt. Dieser behält seine volle Kraft

und ruht, während der leidende, vom Dampf angegriffene Teil in voller

Arbeit ist, unterdessen gleichsam eine Weile aus, um dem geschwächten

Mitgenossen alsbald von seiner Kraft mitzuteilen.

Viele meiner Dampfanwendungen dienen lediglich dazu, +den

Wasseranwendungen vorzuarbeiten+, +dieselben+, z. B. durch Steigerung

der Körperwärme, +zu ermöglichen+, vielleicht +wirksamer zu machen+

oder +im Innern des Körpers+ (z. B. durch Auflösung in Luftröhre

und Lunge) den von außen tätigen Wasseranwendungen +in die Hand zu

arbeiten+. +Ganz selten+ nur kommt einer der Dämpfe für sich allein als

abgeschlossene +ganze Anwendung+ vor.

Die notwendigen +Vorsichtsmaßregeln+ bezüglich der Abkühlung,

Bekleidung, Bewegung enthält die spezielle Beschreibung der einzelnen

Dämpfe.

Noch muß ich warnen vor einer +Täuschung+.

Sehr oft kommt es vor, daß einer der verschiedenen Dämpfe, insbesondere

der Kopf- und Fußdampf, in besonderer Weise günstig wirkt. Sie machen,

weil sie stark auflösen und ausscheiden, sehr leicht, ungemein

behaglich, viele Patienten überaus froh und glücklich. Die Gefahr liegt

nahe, daß sie +das Gute mißbrauchen+, den betreffenden Dampf +zu häufig

vornehmen+ und so unüberlegterweise ihrer Gesundheit großen Schaden

zufügen. ~Modus est in rebus!~ Nur immer weise Maßhaltung sich zur

Regel und Pflicht machen!

Zur +Belehrung+ will ich einige +besondere+ Fälle anführen.

Ein +Rekonvaleszent nach Typhus+ oder einer anderen schweren

Krankheit hat noch bedeutende Anstauungen am oder im Kopfe oder

anderswo. Dämpfe täten da treffliche Dienste. Ganz gewiß, aber sehr

sparsame und leichtere Kopf- oder Fußdämpfe; denn wir haben es mit

einem blut- und säftearmen Individuum zu tun. Um ein Zündhölzchen

auslöschen, brauche ich keinen Schmiedeblasbalg, der leise Atem reicht

aus.

Dasselbe gilt von allen +blutarmen Personen+. Die wärmenden Dämpfe

bereiten ihnen Wohlbehagen; zu viele Dämpfe aber wären ebenso viele

Blut-Wärme- und Lebenssauger.

Aber +starke, korpulente Leute+ können sicherlich viele Dämpfe,

vieles Schwitzen ertragen?

Diese sehr oft am allerwenigsten, aus dem einfachen Grunde, weil

sie blutarm sind. Gerade bei solchen Individuen bin ich mit Dämpfen

überaus sparsam und greife mit Vorliebe nach den Wickeln, um auf gute

Transpiration (Ausdünstungen) der Haut hinzuwirken. Wo diese in Ordnung

ist, ist Vielschwitzen nicht notwendig.

Ein Patient klagt über heftige +Schmerzen in den Füßen+. Er

wünscht Fußdämpfe auf die ausgemergelten, spindeldürren Beine. Wie

töricht, wollte man seinem Wunsche willfahren! Ein solcher in der Tat

armer „Häuter“, wie die Tiroler bezeichnend sagen, hat nichts Weiters

auszuschwitzen und herzugeben. Man appliziere ihm statt der Dämpfe

Halbbäder und öftere Kniegüsse.

Die von mir angewendeten +Dämpfe+ sind der Reihe nach folgende:

1. Der Kopfdampf.

Die Anwendung des Kopfdampfes erheischt einige +kleinere

Vorbereitungen+. Zu dessen Vornahme nämlich sind notwendig ein

+kleines Holzgefäß+ (s. Fig. 7), mehr tief als weit, mit

+Öhren+, auf welche man bequem die Hände stützen kann, und einem

gut abschließenden +Deckel+; sodann zwei +Stühle+ und zum

Zudecken des Behandelten eine +größere Wolldecke+. Von den

Stühlen dient der eine höhere zum Sitzen, der zweite niedrigere als

Untergestell des Holzgefäßes (Schaff, Schafferl, Kübel, Gelte).

[Illustration: Fig. 7.]

[Illustration: Fig. 8.]

Wenn all die genannten Gegenstände bereitstehen, wird das auf den

niedrigeren Stuhl gestellte Holzgefäß bis zu Dreiviertteilen angefüllt

mit +strudelndem Wasser+ und mit dem Deckel und einem feuchten

Tuche gut verschlossen, damit bis zum Gebrauche möglichst wenig

Dampf entweiche. Der Patient hat den ganzen Oberkörper bis zu den

Beinkleidern entblößt und über diese als abschließende Binde ein

trockenes Tuch gelegt, um den niederrinnenden Schweiß aufzuhalten

und das Naßwerden der Beinkleider zu verhindern. Er setzt sich auf

den größeren Stuhl und stützt die flachen Hände auf die Öhren des

Holzgefäßes, den Oberkörper über das Gefäß hinneigend (s. Figur 8).

Oberkörper und Gefäß werden sodann mit der großen Wolldecke locker,

aber nach allen Seiten hin derart eingehüllt, daß auch nicht durch die

kleinste Öffnung Dampf entweicht. Jetzt erst entfernt der Behandelnde,

dem Behandelten gerade gegenüberbefindlich und von unten her die

Wolldecke etwas lüftend, in die Höhe hebend, den abschließenden Deckel

mit dem angefeuchteten Tuche; der Dampf dringt ungehindert wie ein

glühender Strom auf Kopf, Brust, Rücken, auf den ganzen Oberkörper ein

und beginnt seine auflösende Arbeit.

Wer zur Aufsicht und Bedienung beigegeben ist, sorge wohl dafür, daß

schwächere Patienten, denen der Rücken leicht wehe tut, bequem sitzen,

eine gute Stütze im Rücken haben usw. Dagegen achte er nicht auf Klagen

und die verschiedenartigsten Ausrufe wie: Ich halte es nicht ferner

aus, mich muß der Schlag treffen u. a.

Im ersten Augenblicke mag mancher ob der ungewohnten Glühtemperatur

erschrecken, doch bald hat er sich an das tropische, das heiße Klima

gewöhnt und schnell einige +kleinere Vorteile+ gefunden. Beim

ersten Ansturme der hitzigen Wolken suche er eine mehr aufrechte

Stellung einzunehmen, den Kopf zu heben, nach verschiedenen Richtungen

zu wenden usw. Mit dem Angewöhnen und dem Nachlassen der Hitze kehrt

der Oberkörper in die vorgeschriebene, gebückte Stellung zurück.

+Zu befürchten hat man absolut nichts.+ Ich kenne nicht

+einen+ Fall, in welchem der Kopfdampf, genau nach Vorschrift

angewendet, im geringsten geschadet hätte. Ich habe denselben den

verschiedensten Personen in den verschiedensten Krankheiten appliziert

und stets gute Erfolge erzielt. Schaden zugefügt haben nie die Dämpfe,

wohl aber jene Selbstklugen sich selbst, welche ohne alle Vorsicht

und Regel taten, wie es ihnen gut dünkte, nicht wie die Ordnung es

vorschrieb. Eine Anwendung +dauert 20-24 Minuten+. Der Patient

soll während der ganzen Dauer nicht nur willig mit seinem Kopf

herhalten, er soll auch nach Vermögen +Augen, Nase, Mund öffnen+

und an Dampf einströmen lassen, was und wieviel er nur ertragen kann.

Nach Umlauf der Zeit von 20-24 Minuten wird die Wolldecke entfernt

und der ganze Oberkörper mit frischem Wasser kräftig abgewaschen. Der

Patient macht sich zur Winterszeit im Zimmer, zur Sommerszeit im Freien

Bewegung, bis die gehörige Trocknung und die normale Wärmetemperatur

der Haut eingetreten ist.

Ich schulde an dieser Stelle noch +einige wichtige+ und nicht zu

übersehende +Bemerkungen+.

Der +reine+ Wasserdampf wirkt auf manche Augen, ebenso beim Einatmen

auf den Magen zuweilen nicht ganz günstig. Deshalb +mische+ ich dem

heißen Wasser stets +Kräuter+ bei. Zunächst empfehle ich +Fenchel+, der

sich vortrefflich bewährte. Ein Löffel gemahlener Fenchel reicht aus

für eine Anwendung. Auch Kräuter von +Salbei+, +Schafgarbe+, +Minze+,

+Hollunder+, +Spitzwegerich+, +Lindenblüten+ tun treffliche Dienste.

Und wenn dir auch diese abgehen, so nimm eine Handvoll +Brennesseln+

oder +Heublumen+ und mische sie bei; das Kräutchen mag verachtet sein,

sein Dienst ist dennoch gut.

+Bei gewöhnlichen Menschen+ tut der Dampf bald seine Wirkung; den

meisten derselben rinnen schon nach den ersten fünf Minuten die

Schweißtropfen von der Stirne, nach 8-10 Minuten perlen sie hervor aus

allen Poren.

Es gibt jedoch +Patienten+ -- es sind in der Regel +blutarme

Individuen+ mit wenig Naturwärme -- bei denen der Dampf nicht so

leichte Arbeit hat. Man hilft nach, indem man im Herde ungefähr den

sechsten Teil eines Ziegelsteines glühend macht und denselben ca. 10

Minuten nach Beginn der Anwendung in das Dampfbad bringt. Es braust

gewaltig, und die Wolken steigen von neuem dichter und lebhafter auf.

Unmittelbar nach beendigtem Kopfdampf, der wie die folgende Abkühlung

im Winter stets in +erwärmten Räumen+ vorzunehmen ist, soll man

es +nie wagen, ins Freie zu gehen ohne vorherigen kalten Abguß+,

wodurch die durch den Dampf geöffneten Poren wieder geschlossen

werden. Zur Winterszeit verbleibe man vor solchem Austritt ins Freie

noch ungefähr eine halbe Stunde im gewärmten Zimmer, in demselben

auf- und abgehend. Ohne diese Vorsicht könnte man sich leicht nicht

nur einen Katarrh, sondern unter Umständen eine schwere, tödliche

Krankheit zuziehen. Der genannte +kalte Abguß ist auf mehrfache Weise

möglich+. Die einfachste Art, welche ich besonders bei schwächeren,

fremder Hilfe bedürfenden Personen empfehle, besteht darin, daß

man mit einem Handtuche und frischem Wasser den Patienten +rasch

abwäscht+. Bei +Kopfgeschwülsten+, +Ausschlägen+ am Kopf,

+Ohrenfließen+, überhaupt bei Leiden, welche große Ausscheidungen

aus dem Kopfe verlangen, muß beim ersten und zweiten Kopfdampfe diese

Art des Abgusses, vielmehr Abwaschens stattfinden. Die Folgen des

Versäumnisses, wie heftiges Ohrensausen usw., wären wenn auch nicht

gerade gefährlich, doch unangenehm. Bei den folgenden Anwendungen,

nach bereits erfolgten größeren Ausscheidungen aus dem Kopfe, kann die

zweite Art des Abgusses, der eigentliche +Abguß+ an die Stelle der

Waschung treten. In +Form des Obergusses+ werden 1-2 Gießkannen

kalten Wassers über die bedampften Stellen +langsam+ gegossen, den

Kopf, d. i. die Haare ausgenommen; die Brust wird kräftig gewaschen.

Das +weitere+ Verhalten ist dasselbe wie nach den Güssen, d. i.

nach sorgfältiger Abtrocknung des Gesichtes und der Haare zieht man,

ohne den übrigen Körper abzutrocknen, rasch die Kleider an und gibt

sich in Bewegung oder in Handarbeit bis zur völligen Trocknung und

normalen Erwärmung des Körpers.

Wer nach dem Kopfdampf Gelegenheit hat, +rasch ein kaltes Vollbad+ von

höchstens einer Minute zu nehmen, macht seine Sache gleichfalls gut

durch Benützung solcher Gelegenheit.

Die Wirkungen dieser Anwendung sind +bedeutende+; sie erstrecken sich

auf die ganze Hautfläche des Oberkörpers, deren Poren sie öffnen,

sodann auf das Innere des Körpers, indem sie in der Nase, in den

Luftröhren, in der Lunge usw. auflösen und ausleiten. Bei +Erkältungen+

durch Nässe oder raschen Temperaturwechsel, bei +Kopfleiden+,

Ohrensausen, +rheumatischen+ und +krampfhaften Zuständen+ im Genick

und auf den Schultern, bei +Enge auf der Brust+, bei noch nicht

vorgerücktem +Schleimfieber+, lauter Begleiter und Begleiterinnen der

verschiedenen Katarrhe, tut der Kopfdampf vorzügliche Dienste. Zwei

Anwendungen innerhalb drei Tagen bringen in der Regel vollständige

Heilung. +Beginnende Katarrhe+ hebt gewöhnlich ein einziger Kopfdampf

auf und aus, sie mögen sitzen, wo sie wollen.

Wer einen +aufgedunsenen Kopf+, einen +unverhältnismäßig vollen

Hals+, +angeschwollene Halsdrüsen+ hat, nehme wöchentlich zwei bis

drei solcher Dämpfe. Bei +Augenentzündungen+, welche von Kälte,

Erkältungen usw. herrühren, und bei +Triefungen+ tue man ebenso. Der

letztere Patient darf noch größeren Erfolg hoffen, wenn er am Abende

des Tages, an welchem er dem Kopfe den Dampf gibt, seinen Füßen ein

viertelstündiges warmes Fußbad mit Asche und Salz verabreicht.

Bei +Kongestionen+, selbst nach Schlaganfällen, habe ich den Kopfdampf

mit den günstigsten Erfolgen angewendet. Man läßt sich bei diesen

freilich heikeln Fällen von der Meinung täuschen und beängstigen, als

ziehe so ein Dampf noch vollends alles Blut in den Kopf. Die Furcht

ist unbegründet. Indessen habe ich selbst die Praxis -- und ich rate

dieselbe in den genannten zwei Fällen einem jeden an --, die Anwendung

stets auf 15-20 Minuten zu beschränken und dem Dampfe auf den Kopf

tunlichst bald einen Dampf auf die Füße folgen zu lassen.

Da der Kopfdampf stark auflösend wirkt und allzu reichliche

Schweißbildung leicht allzusehr schwächen könnte, so darf diese

Anwendung +nicht zu oft+ vorgenommen werden. Als +Regel+ soll gelten,

daß man die Zahl 2 in der Woche nicht überschreite. +In seltenen

Fällen+, in welchen +ganz besondere Auflösungen+ und +Ausscheidungen+

notwendig sind, kann eine Woche hindurch der Kopfdampf jeden zweiten

Tag zur Anwendung kommen, jedoch mit verkürzter Dauer (Minimum

[geringste Zeit] 15 Minuten, Maximum [längste Zeit] 20 Minuten).

2. Der Fußdampf.

Die Arbeit welche der Kopfdampf am Oberkörper vornimmt, leistet der

Fußdampf dem Unterkörper, in erster Linie den Füßen.

Die +Anwendung+ geschieht +folgendermaßen+:

[Illustration: Fig. 9.]

[Illustration: Fig. 10.]

Über den zum Sitzen bereit gehaltenen Stuhl wird der Länge nach eine

ziemlich breite und dichte Wolldecke ausgebreitet. Darauf setzt sich

der zu Behandelnde mit bekleidetem Oberkörper, mit entkleideten Füßen

(Beinen). Vor ihn kommt wie zum Fußbade das mit heißem Wasser etwas

über die Hälfte gefüllte Holzgefäß zu stehen. Es ist das auch zum

Kopfdampf benützte Gefäß (~a~, Fig. 9). Auf dem oberen Rande desselben,

zu beiden Seiten der Öhren liegen zwei schmale Holzstäbe, auf welche

der zu Behandelnde die Füße bequem aufstellen kann. Man suche dieselben

durch irgend eine kleine Vorrichtung zu befestigen, daß die Gefahr

des Nachgebens und des Verbrühens der Füße den Patienten nicht

ängstigt.[13] Hat dieser sodann seine Stellung eingenommen und steht

das dampfende Wasser vor ihm, so wird die dichte Wolldecke derart um

die Beine und das Holzgefäß gelegt, daß kein Dampf unbenützt verloren

geht und durch eine große Wollröhre das warme Element von unten nach

oben, zu den Füßen, zu dem Unterleibe und weiter aufsteigt.[14]

(S. Fig. 11.) Zu den Fußdämpfen benütze ich in der Regel leichtere

strudelnde +Absude von Heublumen+. Wie beim Kopfdampfbade, so kann ich

bei dieser Anwendung den Dampf und damit die Wirkung steigern, indem

ich nach je 5 oder 10 Minuten das glühende Stück eines Ziegelsteines in

das heiße Wasser sachte und vorsichtig einsenke. Man lasse die Steine

ja nicht ins Wasser fallen; dieses müßte ein Spritzen und Brandwunden

absetzen. Die Zahl der glühenden Ziegelstücke, sowie die +Dauer des

Fußdampfes+ richten sich genau nach dem höheren oder geringeren Grade

der Wirkung, welche man erzielen will. Oft soll +lediglich der untere

Teil der Füße+ in Schweiß gebracht werden, wie z. B. bei Fußschwitzern;

manchmal aber sucht man die +ganzen Füße, die Schenkel inbegriffen+,

+öfters den ganzen Unterleib+, zuweilen den +ganzen Körper+ durch einen

Fußdampf in Schweiß zu bringen. Viele habe ich gesehen, denen bei

dieser höchst einfachen und primitiven Anwendung der Schweiß von der

Stirne rann wie bei der forciertesten (angestrengtesten) Schwitztour

unter 2-3 Federbetten. Bei den +leichtesten Anwendungen+ wird ein

glühendes Ziegelstück und eine Zeitdauer von 15-20 Minuten genügen; um

die +größte Wirkung+ eines eigentlichen Schwitzdampfbades zu erzielen,

wird es notwendig werden, die glühende Masse alle 5-10 Minuten zu

erneuern und die Anwendung +bis zu 25 und 30 Minuten+ auszudehnen.

[Illustration: Fig. 11.]

* * * * *

Dem Dampfbade folgt +stets+ die +kalte Abkühlung+, welche sich ganz

richtet nach der Ausdehnung der schwitzenden oder in Schweiß gebadeten

Stellen. Füßen, welche nur bis an die Knie schwitzen, genügt eine

rasche kalte Abwaschung mit einem Linnentuche, kräftigeren Naturen ein

Knieguß. Bei mitschwitzenden Schenkeln und Unterleib reicht ein Halbbad

aus. Ist der ganze Körper in Mitleidenschaft gezogen, so muß auch der

ganze Körper entweder durch ein Halbbad mit Waschung des Oberkörpers

oder durch ein Ganzbad oder durch eine Ganzwaschung abgekühlt werden.

Die Regeln über die Vornahme dieser Anwendung lese man an den

betreffenden Stellen (bei den Bädern und Waschungen), die Regeln über

das Verhalten nach dem Fußdampfe beim Kopfdampfe nach. Sie gelten auch

hier ohne allen Unterschied.

Die +Anwendung+ des Fußdampfes +geschieht+ vornehmlich bei den

+verschiedenartigsten Fußleiden+, so bei +starken übelriechenden

Fußschweißen+, wo es gilt, die faulen Säfte aufzulösen und auszuleiten;

bei +angeschwollenen Füßen+, die auf Säfte und Blutstauungen schließen

lassen; bei +kalten Füßen+, in denen die Transpiration auf Nullgrad

steht und zu denen das Blut sozusagen den Weg nicht mehr findet.

Diese Dämpfe wecken neue Tätigkeit und bringen frisches Leben,

sind zuweilen auch nur, wie bei den einzelnen Krankheiten gesagt

werden wird, notwendige vorbereitende Übungen, welche anderweitigen

Wasseranwendungen die Wege ebnen und deren Erfolg sichern.

Wer an +Nagelgeschwüren+, +eingewachsenen Nägeln+ usw. leidet, wer

+Blutvergiftung+ befürchten muß, z. B. wegen unglücklicher Behandlung

von Hühneraugen, Ausreißen von Nagelwurzeln usw., lasse sich baldigst

diesen Dampf bereiten.

+Gesteigerte Anwendungen+, welche mehr oder weniger auf den ganzen

Körper wirken sollen, kommen vor bei +krampfartigen+, besonders +durch

Erkältung+ entstandenen Leiden des +Unterleibes+; bei +Kopfleiden+,

deren Ursache auf Kongestionen, zu heftigen Blutandrang nach dem Kopfe

zurückzuführen ist.

Bei +blutarmen Individuen+, denen vor dem Beginne irgend einer

Kaltwasseranwendung mehr Wärme einzupumpen ist, haben mir leichtere

Fußdämpfe sehr oft große Dienste erwiesen.

Als +Regel bezüglich der Wiederholung+ dieser Anwendung gilt wie beim

Kopfdampfe, daß man damit recht sparsam sei. Einmal, zweimal in der

Woche wird man öfters, dreimal nur selten lesen, letzteres nur bei

Einzelfällen, welche stets diese Notiz ausdrücklich enthalten müssen.

Nun noch eine Bemerkung!

Oft schon sind mir +Klagen+ zugekommen +wegen der zu großen

Umständlichkeit+ der von mir verordneten Dämpfe. Ich frage jeden

Wohlmeinenden: Was ist einfacher, mein Fußdampf oder ein Schwitzbad

nach so und so vielen Tassen heißen Thees, nach so und so vielstündiger

Tortur, unter so und so vielen Federbetten, ein Schwitzbad, welches

selten, fast nie vorübergeht ohne die heftigsten Kopfschmerzen und

anderes Weh!

3. Der Leibstuhldampf.

Dieser Dampf tut seiner leichten Bereitung, bequemen Applizierung und

überaus schuldlosen, d. i. ungefährlichen Wirkung wegen besonders in

+Krankheiten große Dienste+. Selbst Schwerkranke, bei denen wegen

Schwäche oft sehr schwer der erwünschte Schweiß zu erzielen ist, können

auf diese Weise recht leicht zum Schwitzen gebracht werden.

In den irdenen oder blechernen Topf des Leibstuhles wird die strudelnde

Mischung geschüttet. Der Patient setzt sich, die Bedienung sorgt, daß

kein Wölkchen des wohltuenden Rauches unnütz entweicht. Rasch steigt

der heiße Qualm zum Körper auf und erzeugt in Bälde schwächeren oder

stärkeren Schweiß, der sich manchmal zu einem förmlichen Schwitzbade,

d. h. zu einem allgemeinen Schwitzen des ganzen Körpers steigert. Die

Anwendung +dauert 15-20 Minuten+. Erscheint es notwendig, den Kranken

in länger dauerndem Schwitzen zu erhalten, so bringt man (da das

Sitzen beschwerlich und der Dampf vielleicht für längere Dauer nicht

wirksam wäre) ihn zu Bette; es wird ohne jede besondere Auflage die

Schweißkur, d. i. das Schwitzen, fortdauern. +Nach dem Dampfe+ soll

eine Ganzwaschung, ein Halbbad mit Abwaschung des Oberkörpers oder ein

Vollbad je nach Können des Patienten die ganze Anwendung beschließen.

Bei +Schwerkranken+ wird stets die Ganzwaschung am leichtesten und

ungefährlichsten vorgenommen werden können.

Die +Wirkung des Leibstuhldampfes+ ist, wie von selbst einleuchtet,

auflösender und ausleitender Natur. Die Ausscheidungen geschehen in

Form und durch Abgang des Schweißes. +Niemals+ benütze ich für diese

Dämpfe das +Wasser allein+; +stets+ mische ich +Kräuter+ bei und zwar

wieder die bekannten Kräuter von Heublumen, von Haberstroh, vor allen

andern indessen von Zinnkraut.

Bei +Nieren-+ und +Steinleiden+ wende ich Dämpfe an von

+Haberstrohabsud+;

bei +krampfhaften+ oder +rheumatischen Zuständen+ des +Unterleibes+,

bei +Blasengeschwüren+, bei +beginnender Wassersucht+ solche von

+Heublumenabsud+.

Wie die Dämpfe mit Anwendung von Kaltwasser wechseln, lese man nach im

dritten Teile bei den einzelnen Krankheiten.

Meine Wasser-Kur Durch mehr als 40 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit · 第 7 / 36 段