Da entsetzte sich die Mörderin, schlug ein Kreuz über das andere und
lief so geschwind sie konnte. Auch er erstaunte und erschrak vor dem
lauten Worte seines Geheimnisses. Es jagte ihn auf, und er floh vor
sich selbst. Schweres Rollen erschütterte den Grund, als öffne er
sich, ihn zu verschlingen. Von senkrechter Wand herab schlug ein
mächtiger Block vor ihm nieder und sprang mit einem zweiten Satz in
die aufspritzende Flut.
Der Himmel schwieg eine Weile, und Wulfrin tappte in dunkler Nacht.
Da erhellte sich wiederum die Schlucht, und auf einer über den Abgrund
gestürzten Tanne sah er die Schwester mit nackten und sichern Füßen
gegen sich wandeln, und jetzt lag sie vor ihm und berührte seine Knie.
"Was habe ich dir getan", weinte sie, "warum fliehst, warum
verwünschest du mich? Bruder, Bruder, was habe ich an dir gesündigt?
Ich kann es nicht finden! Siehe, ich muß dir folgen, es ist stärker
als ich! Ich lief drüben, da sah ich den Steg. Töte mich lieber! Ich
kann nicht leben, wenn du mich hassest! Tue, wie du gedroht hast!"
Er stieß einen Schrei aus, ergriff, schleuderte sie, sah sie im
Gewitterlicht gegen den Felsen fahren, taumeln, tasten und ihre Knie
unter ihr weichen. Er neigte sich über die Zusammengesunkene. Sie
regte sich nicht, und an der Stirn klebte Blut. Da hob er sie auf
mächtigen Armen an seine Brust und schritt, ohne zu wissen wohin, das
Liebe umfangend, dem Tale zu.
Er hatte die Klus hinter sich, da sauste es an ihm vorüber, und er
erblickte einen Knaben, der ein scheues Roß zu bändigen suchte. "He,
Gabriel", rief er ihm nach, "sage der Richterin, sie rüste den Saal
und richte das Mahl! Tausend Fackeln entzündet! Malmort strahle!
Ich halte Hochzeit mit der Schwester!" Der Sturm verschlang die
rasenden Worte. Malmort mit seinen Türmen stand schwarz auf dem noch
wetterleuchtenden Nachthimmel.
Mit seiner Last den Burgpfad emporsteigend, sah er oben Lichter hin-
und herrennen. Dann begegnete er der geängstigten Mutter, die ihm
halben Weges entgegengeeilt war. "Wulfrin", flehte sie mit
ausgestreckten Armen, "wo hast du Palma?" "Da nimm sie", sagte er und
bot ihr die Leblose.