»Ich habe meine Natur unterdrückt und habe geforscht, wo es nur zu
forschen gab. Du brauchst nicht zu fragen, ob es mir sauer wurde. Und
ich erfuhr, daß es eine arge Szene zwischen Vater und Sohn gegeben
habe.«
»Und Laurenz ließ sich beschwatzen?«
»Er war es selbst, der den Vorschlag machte. Die Verlobung mit der
Tochter eines reichen Geschäftsfreundes.«
»Ah — —. Und Carmen ist orientiert?«
»Sie lachte mich aus. Es kommt ihr gar nicht in den Sinn, daß ein
Mensch von ihr ablassen könnte.«
»Und du?«
»Ich ging zu Laurenz Terbroich. Verzeih, Joseph, daß deine Frau den
Schritt unternahm. Aber ich wollte Klarheit um jeden Preis, und es war
sonst keiner da, der sie mir hätte beschaffen können.«
»Arme Frau,« sagte Joseph Otten und sah sie lange an.
»Er hat seine eigene Wohnung. Du kennst das Haus in der Komödienstraße,
es gehört Terbroich. Ich traf Laurenz und fragte ihn: Was habt ihr
vor? Und er ging mir mit seiner glattesten Liebenswürdigkeit aus dem
Wege. ݆berlassen Sie das nur ruhig uns, Frau Doktor, wir sind ja noch
so jung, weshalb uns jetzt schon binden und unter unsere Jugend einen
Strich machen!‹ Da befragte ich ihn wegen des Verlobungsprojektes. Er
war zuerst bestürzt, dann wich er aus. ›Vielleicht ein kaufmännischer
Schachzug meines Vaters. Die Zeiten sind etwas schwierig. Aber Carmen
und ich lassen uns selbst durch solche Projekte nicht irritieren.‹
Ich ging, wie ich gekommen war, nur beschämter, beschämt, kein Mann zu
sein. Ich konnte ihn nicht bezwingen.«
Ottens Gesicht war dunkelrot geworden. »Der Bursche — —! Ich erkenne
seinen Vater in ihm!«
»Joseph — —«
»Sie sind zu vorsichtig, sich eine Blöße zu geben. Danken wir Gott,
wenn Carmen von der Gesellschaft befreit ist.«
»Und wenn sie — zu spät davon frei wird? Das ist ja meine jagende
Angst. Ob es nicht schon — zu spät ist?«