VII.

Ein Kirchenvorstand.

Die Aufregung vom vorigen Abend lag mir in allen Nerven. Ich hätte

weinen mögen. Hinaus in's Freie wagte ich anfangs nicht zu gehen. Ich

dachte, man würde mit Fingern auf mich deuten. Auch die Unterredung

mit den Eltern Babettens, die ich mir auf diesen Morgen festgesetzt

hatte, gab ich auf. Wäre mir noch einmal so Etwas gesagt worden, wie

die Balzerswäs mir gesagt hatte, ich hätte nicht gewußt, ob ich so

gleichmüthig geblieben wäre. Es wogte noch gar jugendliches Blut in

meinen Adern. Ich war noch nicht lange von der Universität heimgekommen.

So war es Mittag geworden. Ich konnte es nicht mehr in den engen Wänden

aushalten. Ich mußte hinaus. Man hätte mich anders ja am Ende gar noch

für schuldig halten können. Auch schämte ich mich meiner Feigheit.

Als ich kaum aus der Hausthüre getreten war, kam der Schneider

Heimerdinger mit seinem Hunde daher. Ich hielt es für eine passende

Gelegenheit, um über Babette mit ihm zu reden und rief ihn deshalb

an. Er kam auch eiligst herbei. Aber nun merkte ich, daß er total

betrunken war. Er legte mir ganz vertraulich die Hand auf die Schulter

und fragte: »Nun, Herr Pfarrer, wollen Sie einen Spaziergang machen?«

Ich schüttelte ihn von mir ab und sagte ihm, ich liebte solche

Vertraulichkeiten nicht. Ob er sich denn gar nicht schäme, am hellen

Tage betrunken durch die Straße zu wanken. Er solle heimgehen und

seinen Rausch ausschlafen. Da wandte er sich hinweg und sagte zu

seinem Hund: »Bello, beiße einmal den Hochwürden! Er hat deinen Herrn

beleidigt.«

Das war diesen Tag mein erster Empfang auf der Straße. Als ich

weiter das Dorf entlang ging, sah ich, wie Alles stehen blieb, was

mir begegnete, und mir nachsah. Niemand grüßte. Am Wirthshaus fuhren

plötzlich eine Menge Gesichter zum Fenster heraus und glotzten mich

an. Als ich vorüber war, brachen sie in ein schallendes Gelächter aus

und Etliche riefen: »Vivat! unser Pfarrer lebe hoch!« und die Andern

wieherten Beifall über den äußerst gelungenen Witz. -- Als ich heimkam,

war mein erster Gedanke: ich kann hier nicht mehr bleiben. Mein zweiter

Gedanke: Du mußt bleiben. Du bist nicht umsonst an diesen schwierigen

Posten berufen worden. Willst Du schon beim ersten Anstoß fliehen, wie

ein Miethling? Wer glaubt, fleucht nicht. Aber Du mußt ernster und

entschiedener werden! Du mußt einmal die Seelenverkäuferei geradezu

zum Gegenstand Deiner Predigt machen und statt einzelner Hindeutungen

auf dieses gottwidrige Treiben der Gemeinde unverhüllt das Verderben

zeigen, wohin sie schon gerathen ist und wohin sie noch gerathen

wird. Das kann nächsten Sonntag schon geschehen. Und so geschah es.

Ich predigte mit glühendem Herzen und glühenden Worten über den Text:

Matth. 24. V. 12: »Dieweil die Ungerechtigkeit wird überhand nehmen,

wird die Liebe in Vielen erkalten.« -- Obgleich es durchaus keine

Musterpredigt war und sein sollte, so muß ich doch einige der stärksten

Stellen ausziehen, um sie so am besten in der Kürze zu charakterisiren:

»O wie selig sind die Seelen,

Die mit Jesu sich vermählen,

Die sein Lebenshauch durchweht;

Daß ihr Herz mit heißem Triebe

Stündlich nur auf seine Liebe

Und auf seine Nähe geht.«

»Solche Seligkeit liegt hinter Euch, wie das verlorene Paradies.

Nicht einmal die Ahnung derselben lebt in Eurer Brust. Es will Nacht

in Euch werden, volle Nacht. Viel eher als den Lebensweg werdet Ihr

den Verzweiflungsweg wandeln, den Judas ging, als er das Blutgeld

den Hohenpriestern vor die Füße geworfen hatte. Denn Judasväter

und Judasmütter seid Ihr, die Ihr Eure Kinder für elenden Mammon

verschachert und verkauft! Wenn der Geiz die Liebe tödtete in des

Judas Brust, daß er seinen Meister und Heiland für dreißig Silberlinge

verrathen konnte -- steht Ihr vielleicht höher? Ist nicht auch Eure

Liebe todt? Auch Eure Liebe zu Gott und Christus? Vernichtet und

veranstaltet Ihr nicht in Folge dieses schamlosen Handels das Ebenbild

Gottes in Euren Kindern? Werfet Ihr sie nicht dem Satan in den Rachen,

statt der rührenden Bitte des göttlichen Kinderfreundes zu gehorchen?

»Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht!« Gibt es

irgend Heiden in der Welt, die so unnatürlich wie Ihr die angebornen

Gefühle eines Vater- und Mutterherzens unterdrückten? --

Abels Blut schrie zum Himmel hinauf. Kains Fuß war unstät und flüchtig

auf Erden; auf seiner Stirne brannte das Brandmal des Mörders.

Auch auf Eurer Stirn ist das Kainszeichen eingebrannt. Die gemordete

Unschuld Eurer Kinder schreiet zum Himmel hinauf. Wenn sie aus dem

Ausland zurückkehren, ist ihr Leib zerrüttet und ihre Seele gemordet.

Ihr seid die Mörder! Und das Feuer, das nicht erlischt, brennt auch

Euch, und der Wurm, der nicht stirbt, nagt auch an Euch, daß Ihr nicht

Ruhe findet, hier nicht und dort nicht. Euch wäre besser, Ihr wäret nie

geboren!

Und könnte es nicht auch hier schön und sonnig sein, wie draußen der

helle Sommermorgen? Könnte nicht auch hier der Geist der Liebe und des

Friedens walten? Ist es nicht Gottes Himmel, der sich über uns wölbt?

Ist es nicht Gottes Erde, auf der unser Dorf steht, und wohnet nicht

auch bei uns die Fülle seiner Liebe und Gnade? Ist des Sohnes Blut

nicht auch für Euch geflossen? Hat es nicht Kraft, selbst Euch von

Euren Sünden zu waschen? Ruft er nicht dort auf Golgatha mit seinen

ausgebreiteten Armen auch Euch: »Kommet her zu mir Alle, die Ihr

mühselig und beladen seid, ich will Euch erquicken!«« --

Das sind so etliche Stellen aus dieser Predigt. Sie war scharf und

schneidend, aber von dem heiligen Zorn des Augenblicks eingegeben. Und

mußte sie nicht schneidend und scharf sein, wenn die Eiterbeule, die an

dem Leben der Gemeinde fraß, aufbrechen sollte?

Den Nachmittag hatte ich Kirchenvorstandssitzung ansagen lassen, nicht

etwa in der Absicht, große Berathungen mit den Kirchenvorstehern

zu pflegen, oder ihre Unterstützung zu verlangen; sie sollten blos

unterschreiben. Denn auf das Unterschreiben und Jasagen beschränkte

sich nach ihrer eigenen Wahl lediglich ihre Amtsthätigkeit. Ich hatte

diesmal ihre Unterschriften nöthig, weil ich ein gewichtiges Gesuch an

das Amt wollte abgehen lassen, worin ich um gründliche und ernstliche

Untersuchung der obwaltenden Zustände und um schleunige Abhülfe bat, da

dadurch vielleicht noch manchem schwebenden Unheil vorgebeugt werden

könne.

Das war mein letztes Rettungsmittel für die Mädchen. Man sollte

denken, es sei mein erstes gewesen; aber frühere Erfahrungen hatten

mich nicht besonders ermuthigt und auch der Erfolg des vorliegenden

Schriftstücks widerlegte meine Ahnungen nicht. Um die bestimmte Zeit

kamen die »Kirchenherrn«, wie man dort den Kirchenvorstand bezeichnet.

Voran schritt der Bürgermeister. Schon an seinem Gruße merkte ich, daß

er betrunken war. Dieses wurde aber noch deutlicher, als er in das

Zimmer trat; denn da fing er so an zu taumeln, daß ich alle Augenblicke

glaubte, er würde hinstürzen, und es wäre auch geschehen, wenn er sich

nicht krampfhaft an meinem Kanapee festgehalten hätte. Als er kaum

diesen sicheren Hafen erreicht hatte, ließ er sich auch hineinsinken.

Wie er aber nun festen Grund unter sich spürte, holte er auch sofort

seine bürgermeisterliche Würde wieder hervor, indem er die große

Brille, die sich etwas verschoben hatte, zurecht setzte, die dünnen

Haare an den Schläfen glatt strich und den Hemdkragen hervorzupfte.

»Herr Bürgermeister, Sie sind betrunken und wagen es in diese Sitzung

zu kommen?« sagte ich.

»Das will ich erst bewiesen haben, daß ich betrunken bin!«

»Sie können ja nicht gehen und stammeln nur die Worte hervor und das

ganze Zimmer ist voll Schnapsgeruch.«

»Ich will's bewiesen haben, daß ich betrunken bin. So was lasse ich mir

nicht sagen, dafür bin ich Bürgermeister.«

»Sie verlassen jetzt augenblicklich die Sitzung und ich werde über Ihr

Betragen berichten.«

»Ich bleibe hier und will den einmal sehen, der den Bürgermeister von

F. hinausthut!«

»Den werden Sie gleich sehen.« Mit diesen Worten faßte ich ihn am Arm

und führte ihn trotz seines Sträubens zur Thüre hinaus, die ich hinter

ihm zuschloß. Eine Weile murmelte es draußen und man verstand deutlich

Worte wie: »Schlechter Pfaff, ich komme Dir auch!«

Dann auf einmal gab es ein furchtbares Gepolter. Der Herr Bürgermeister

war die Treppe hinuntergefallen. Wir liefen schnell herbei, um zu

sehen, ob er sich keinen Schaden gethan habe; aber er hatte sich schon

wieder erhoben und spazierte nun die Straße hinauf, indem er von einer

Seite derselben auf die andere taumelte. Als wir wieder in das Zimmer

traten, sagte der Kirchenvorsteher Mauser: »Es ist eine Schande, Herr

Pfarrer! Ich sage weiter Nichts -- es ist eine Schande. -- Ich bin

vierzehn Tage vor Johanni sechzig Jahre alt geworden, aber ich muß

sagen, So etwas habe ich noch nicht erlebt.«

Mauser war der Wortführer in den Kirchenvorstandssitzungen. Er besaß

die eigenthümliche Gabe, meine Gedanken, wenn sie kaum ausgesprochen

waren, zu seinen eigenen zu machen und sie weiter auszuspinnen. Er

war desto erpichter darauf, für einen Ehrenmann und guten Christen zu

gelten, je deutlicher er fühlte, daß er eigentlich ein Schurke war.

»Ich habe keinen Feind,« pflegte er zu sagen »und wenn der Herr will,

werde ich es noch erleben, daß meine Gesinnung Anerkennung findet. Die

Lieb' und die Freundschaft, die ich im Herzen trage, ist gar nicht zu

sagen. So bin ich auch gegen Sie gesinnt. Ich habe mit allen Pfarrern

gar gut gestanden. Wir waren immer wie Brüder.« Und in der That, er

war der Allerweltsfreund und Allerweltsgevattersmann. Er war bei allen

Viehhändeln, bei allen Krankenbetten, Leichenschmäusen, Taufen und

Hochzeiten. Ohne seinen Zuspruch und seine beruhigenden Worte geschah

Nichts. Das Volk liebt es, bei seinen Festlichkeiten einen Mann zu

haben, der das nöthige Ansehen und genügende Redegewandtheit besitzt,

um die Mittelsperson bei vornehmen und fremden Gästen zu machen, den

allgemeinen Gefühlen einen würdigen Ausdruck zu verleihen und, wenn

das Gespräch stockt, wieder ein neues anzuspinnen oder, wie man sich

ausdrückt -- »Jemanden für die Ansprache.« Dafür war nun unser Mauser

wie geschaffen. Er that hierin den kühnsten Anforderungen Genüge.

Aber auch sich vergaß er nicht. Seine Leidenschaft für den Branntwein

war eine selbst in dem Landgängerdorfe nicht ganz gewöhnliche. Doch

fehlte es ihm an Mitteln, dieselbe nach Lust zu befriedigen; denn seine

Frau, die den Schlüssel zum Geldschrank immer mit sich führte, hielt

ihn äußerst knapp. So mußte er sich denn bei andern Gelegenheiten

entschädigen und es war fast als hätte er dabei noch eine feinere

Witterung, als ein Jagdhund, so sicher war er dabei, wo Branntwein

umsonst gegeben wurde. Gar zu gern wäre er Bürgermeister geworden und

hatte es wahrhaftig nicht an Umtrieben fehlen lassen, aber man wollte

den Freund und Gevatter Mauser nicht zum Bürgermeister, denn man

fürchtete für das Gemeindevermögen.

Als ich Nichts erwiderte, sondern vielleicht sehr niedergeschlagen

aussah, fuhr er fort: »Es muß aber auch in letzter Zeit Alles

zusammenkommen, um unsern lieben Herrn Pfarrer zu beleidigen und zu

kränken.« Dabei wischte er mit seinem Schnupftuch in den Augenwinkeln,

als wenn er ein paar Thränen wegzuwischen hätte. »Wissen Sie, daß

ich und mein Kathrein in der letzten Zeit als ein Stückchen geflennt

haben, daß sie es unserm Herrn Pfarrer so machen im Ort. O, es sind

gar boshafte, neidische Menschen hier im Ort. Wir haben es gleich

gesagt, daß an der ganzen Geschichte kein wahres Wort wäre. Es war

am Donnerstag Abend, da saß ich und las in der Bibel. Ich lese jeden

Abend in der Bibel und da kann ich mich so vergessen, daß mein Kathrein

als sagt: Jakob, weißt Du auch, wie viel Uhr es ist? Es hat eben elf

geschlagen. So leg' Dich doch in's Bett! Es kostet so genug Oel; man

kann es gar nicht mehr aufbringen. Kathrein, sage ich dann: was hier

an irdischem Oel verloren geht, das gewinne ich an himmlischem Oel

für meine Seele. So saß ich am Donnerstag Abend und las in der Bibel,

da kömmt mein Hannesche hereingestürmt und erzählt in aller Hast die

Geschichte von Ihnen. Das ganze Dorf spräche davon. Da ging ich hin,

ohne ein Wort zu sprechen, und gab ihm eine Ohrfeige, daß es klatschte.

So, sagte ich, wenn schlechte Menschen solche Sachen erzählen, dann

mußt Du so viel Respekt vor unserm lieben Herrn Pfarrer haben, daß Du

so etwas gar nicht nacherzählst. Und nun gehst Du in Dein Bett und

legst Dich schlafen. Ich habe aber noch lange mit meiner Kathrein Rath

gehalten. Kathrein, habe ich gesagt, Weißt Du, wer schuld ist an dem

Allen? Das ist der Bürgermeister, habe ich gesagt. Es muß ein anderes

Oberhaupt in's Dorf, der alle Strenge anwendet, um die Landgängerei zu

unterdrücken und nicht überall noch mit Rath und That zur Hand geht,

und wenn wir keinen andern Bürgermeister bekommen, geht noch Alles zu

Grunde.«

»Sie mögen Recht haben, Mauser, daß viel Schuld am Bürgermeister liegt;

aber es muß Jeder seine Schuldigkeit thun nach dem Maß seiner Kräfte

und Gaben. Ich habe hier eine Schrift an's Amt aufgesetzt, worin ich um

strenge Untersuchung des Treibens der Seelenverkäuferei und um baldige

Abhülfe bitte. Das mögen Sie unterschreiben.« »Von ganzem Herzen, Herr

Pfarrer! Es ist dieses der einzige Weg, der noch helfen kann. Das habe

ich schon lange gesagt.«

Nun wandte ich mich an den andern Kirchenvorsteher, Namens Schwalb, der

ein redlicher Mann war, aber zum Unglück fast ganz taub. Er saß während

der Sitzung gewöhnlich so da, daß er die hohle Hand an das am besten

hörende Ohr legte, den Mund weit aufsperrte und die Augenbrauen in die

Höhe zog. Sobald ich nach ihm hinsah, nickte er freundlich mit dem

Kopf und machte eine Bemerkung über den jedesmaligen Wetterstand, oder

sagte: »Sie haben heute gar schön gepredigt,« obwohl er kein Wort recht

verstehen konnte. Auch jetzt machte er mir das Compliment. Ich gab ihm

stillschweigend die Schrift zum Durchlesen, aber er unterzeichnete,

ohne einen Blick hineingeworfen zu haben. Damit entließ ich die

würdigen Kirchenherrn.

Am folgenden Mittwoch Morgen erhielt ich zwei Dienstbriefe. Der eine

trug das Amtssiegel, der andere das Decanatssiegel.

Ich öffnete zuerst das Schreiben vom Amt. Da wurde ich denn ersucht,

erst spezielle Thatsachen aufzuführen und Zeugen zu nennen, dann wolle

man sich bewogen finden, die Zeugen abzuhören und, je nachdem der

Thatbestand sich ergebe, einzuschreiten. Ich legte den Brief ziemlich

unbefriedigt bei Seite und öffnete den andern, in welchem noch ein

zweites Schriftstück lag. Das Schreiben des Decans lautete: »Sie

empfangen hier eine Anklage Ihres Kirchenvorstandes, worüber ich Sie

ersuche, sich alsbald zu verantworten.« Die Anklage war folgende:

Hochwürdiger Herr Decan!

Wenn es erlaubt ist mit Ihne zu rede, bitte wir Ihne um

Entschuldigung, daß wir Ihne lästig falle müsse, aber mit uns

Herrn Pfarrer ist gar kein Auskomme meh. Er ist mit eim Wort

wüthend und gleicht gar keim Mensch meh. Am Sonntag kam er in

die Kirch und hat so die Thür hinter sich zugeschlage, daß

nervenschwache Weiber und Greise fast ohnmächtig geworde wärn

und hat sich geberdt auf der Kanzel, als wenn er besoff wär und

geschimft und räsonnirt, daß uns Gemein ein ganz schlechte Nam

kriegt von dene fremde Leut, die auch drin warn. Er kümmert

sich um alle Angelegenheiten, die ihn nix angehn und stift

Streit unter die Familien und hetzt die Leut hintereinander.

Wenn er einmal ein Buckel voll Schläg bekäm, dafür könnt mir

nix. Wenn uns Dorf in Unzucht und Schlechtigkeit fällt, daran

ist er allein schuld. Im ganze Dorf schwätzt man davon, daß

ers mit eim schlechte Mädche hätt. Wie soll denn nun die

Jugend sein, wenn der Pfarrer so ist. Uns ganz Dorf kömmt noch

durch so ein Pfarrer in Verruf. Wir möchte Herrn hochwürdigste

Decan unterthänigst gebeten habe, ihn gerad wegzusetze. Es

könnt möglich sein, daß er sich in einer andern Gemeine besser

aufführt. Wir wolle an seim Unglück nicht schuld sein, darum

solle Sie ihn nicht absetze. In großer Unterthänigkeit grüßt

der Kirchenvorstand:

+Adam Koch+, Bürgermeister,

+Jakob Mauser+, Kirchenvorsteher,

+Philipp Schwalb+, "

Ich hatte kaum das Schreiben gelesen, da kam der Anton Scheppler zur

Thüre hereingestürzt:

»Sie sind fort, Herr Pfarrer!« --

»Wer ist fort?«

»Der alte Fink und die Mädchen.«

»Auch die Babette Heimerdinger?«

»Auch die Babette Heimerdinger.«

Hurdy-Gurdy: Bilder aus einem Landgängerdorfe · 第 10 / 15 题