Ein Kirchenvorstand.
Die Aufregung vom vorigen Abend lag mir in allen Nerven. Ich hätte
weinen mögen. Hinaus in's Freie wagte ich anfangs nicht zu gehen. Ich
dachte, man würde mit Fingern auf mich deuten. Auch die Unterredung
mit den Eltern Babettens, die ich mir auf diesen Morgen festgesetzt
hatte, gab ich auf. Wäre mir noch einmal so Etwas gesagt worden, wie
die Balzerswäs mir gesagt hatte, ich hätte nicht gewußt, ob ich so
gleichmüthig geblieben wäre. Es wogte noch gar jugendliches Blut in
meinen Adern. Ich war noch nicht lange von der Universität heimgekommen.
So war es Mittag geworden. Ich konnte es nicht mehr in den engen Wänden
aushalten. Ich mußte hinaus. Man hätte mich anders ja am Ende gar noch
für schuldig halten können. Auch schämte ich mich meiner Feigheit.
Als ich kaum aus der Hausthüre getreten war, kam der Schneider
Heimerdinger mit seinem Hunde daher. Ich hielt es für eine passende
Gelegenheit, um über Babette mit ihm zu reden und rief ihn deshalb
an. Er kam auch eiligst herbei. Aber nun merkte ich, daß er total
betrunken war. Er legte mir ganz vertraulich die Hand auf die Schulter
und fragte: »Nun, Herr Pfarrer, wollen Sie einen Spaziergang machen?«
Ich schüttelte ihn von mir ab und sagte ihm, ich liebte solche
Vertraulichkeiten nicht. Ob er sich denn gar nicht schäme, am hellen
Tage betrunken durch die Straße zu wanken. Er solle heimgehen und
seinen Rausch ausschlafen. Da wandte er sich hinweg und sagte zu
seinem Hund: »Bello, beiße einmal den Hochwürden! Er hat deinen Herrn
beleidigt.«
Das war diesen Tag mein erster Empfang auf der Straße. Als ich
weiter das Dorf entlang ging, sah ich, wie Alles stehen blieb, was
mir begegnete, und mir nachsah. Niemand grüßte. Am Wirthshaus fuhren
plötzlich eine Menge Gesichter zum Fenster heraus und glotzten mich
an. Als ich vorüber war, brachen sie in ein schallendes Gelächter aus
und Etliche riefen: »Vivat! unser Pfarrer lebe hoch!« und die Andern
wieherten Beifall über den äußerst gelungenen Witz. -- Als ich heimkam,
war mein erster Gedanke: ich kann hier nicht mehr bleiben. Mein zweiter
Gedanke: Du mußt bleiben. Du bist nicht umsonst an diesen schwierigen
Posten berufen worden. Willst Du schon beim ersten Anstoß fliehen, wie
ein Miethling? Wer glaubt, fleucht nicht. Aber Du mußt ernster und
entschiedener werden! Du mußt einmal die Seelenverkäuferei geradezu
zum Gegenstand Deiner Predigt machen und statt einzelner Hindeutungen
auf dieses gottwidrige Treiben der Gemeinde unverhüllt das Verderben
zeigen, wohin sie schon gerathen ist und wohin sie noch gerathen
wird. Das kann nächsten Sonntag schon geschehen. Und so geschah es.
Ich predigte mit glühendem Herzen und glühenden Worten über den Text:
Matth. 24. V. 12: »Dieweil die Ungerechtigkeit wird überhand nehmen,
wird die Liebe in Vielen erkalten.« -- Obgleich es durchaus keine
Musterpredigt war und sein sollte, so muß ich doch einige der stärksten
Stellen ausziehen, um sie so am besten in der Kürze zu charakterisiren:
»O wie selig sind die Seelen,
Die mit Jesu sich vermählen,
Die sein Lebenshauch durchweht;
Daß ihr Herz mit heißem Triebe
Stündlich nur auf seine Liebe
Und auf seine Nähe geht.«
»Solche Seligkeit liegt hinter Euch, wie das verlorene Paradies.
Nicht einmal die Ahnung derselben lebt in Eurer Brust. Es will Nacht
in Euch werden, volle Nacht. Viel eher als den Lebensweg werdet Ihr
den Verzweiflungsweg wandeln, den Judas ging, als er das Blutgeld
den Hohenpriestern vor die Füße geworfen hatte. Denn Judasväter
und Judasmütter seid Ihr, die Ihr Eure Kinder für elenden Mammon
verschachert und verkauft! Wenn der Geiz die Liebe tödtete in des
Judas Brust, daß er seinen Meister und Heiland für dreißig Silberlinge
verrathen konnte -- steht Ihr vielleicht höher? Ist nicht auch Eure
Liebe todt? Auch Eure Liebe zu Gott und Christus? Vernichtet und
veranstaltet Ihr nicht in Folge dieses schamlosen Handels das Ebenbild
Gottes in Euren Kindern? Werfet Ihr sie nicht dem Satan in den Rachen,
statt der rührenden Bitte des göttlichen Kinderfreundes zu gehorchen?
»Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht!« Gibt es
irgend Heiden in der Welt, die so unnatürlich wie Ihr die angebornen
Gefühle eines Vater- und Mutterherzens unterdrückten? --
Abels Blut schrie zum Himmel hinauf. Kains Fuß war unstät und flüchtig
auf Erden; auf seiner Stirne brannte das Brandmal des Mörders.
Auch auf Eurer Stirn ist das Kainszeichen eingebrannt. Die gemordete
Unschuld Eurer Kinder schreiet zum Himmel hinauf. Wenn sie aus dem
Ausland zurückkehren, ist ihr Leib zerrüttet und ihre Seele gemordet.
Ihr seid die Mörder! Und das Feuer, das nicht erlischt, brennt auch
Euch, und der Wurm, der nicht stirbt, nagt auch an Euch, daß Ihr nicht
Ruhe findet, hier nicht und dort nicht. Euch wäre besser, Ihr wäret nie
geboren!
Und könnte es nicht auch hier schön und sonnig sein, wie draußen der
helle Sommermorgen? Könnte nicht auch hier der Geist der Liebe und des
Friedens walten? Ist es nicht Gottes Himmel, der sich über uns wölbt?
Ist es nicht Gottes Erde, auf der unser Dorf steht, und wohnet nicht
auch bei uns die Fülle seiner Liebe und Gnade? Ist des Sohnes Blut
nicht auch für Euch geflossen? Hat es nicht Kraft, selbst Euch von
Euren Sünden zu waschen? Ruft er nicht dort auf Golgatha mit seinen
ausgebreiteten Armen auch Euch: »Kommet her zu mir Alle, die Ihr
mühselig und beladen seid, ich will Euch erquicken!«« --
Das sind so etliche Stellen aus dieser Predigt. Sie war scharf und
schneidend, aber von dem heiligen Zorn des Augenblicks eingegeben. Und
mußte sie nicht schneidend und scharf sein, wenn die Eiterbeule, die an
dem Leben der Gemeinde fraß, aufbrechen sollte?
Den Nachmittag hatte ich Kirchenvorstandssitzung ansagen lassen, nicht
etwa in der Absicht, große Berathungen mit den Kirchenvorstehern
zu pflegen, oder ihre Unterstützung zu verlangen; sie sollten blos
unterschreiben. Denn auf das Unterschreiben und Jasagen beschränkte
sich nach ihrer eigenen Wahl lediglich ihre Amtsthätigkeit. Ich hatte
diesmal ihre Unterschriften nöthig, weil ich ein gewichtiges Gesuch an
das Amt wollte abgehen lassen, worin ich um gründliche und ernstliche
Untersuchung der obwaltenden Zustände und um schleunige Abhülfe bat, da
dadurch vielleicht noch manchem schwebenden Unheil vorgebeugt werden
könne.
Das war mein letztes Rettungsmittel für die Mädchen. Man sollte
denken, es sei mein erstes gewesen; aber frühere Erfahrungen hatten
mich nicht besonders ermuthigt und auch der Erfolg des vorliegenden
Schriftstücks widerlegte meine Ahnungen nicht. Um die bestimmte Zeit
kamen die »Kirchenherrn«, wie man dort den Kirchenvorstand bezeichnet.
Voran schritt der Bürgermeister. Schon an seinem Gruße merkte ich, daß
er betrunken war. Dieses wurde aber noch deutlicher, als er in das
Zimmer trat; denn da fing er so an zu taumeln, daß ich alle Augenblicke
glaubte, er würde hinstürzen, und es wäre auch geschehen, wenn er sich
nicht krampfhaft an meinem Kanapee festgehalten hätte. Als er kaum
diesen sicheren Hafen erreicht hatte, ließ er sich auch hineinsinken.
Wie er aber nun festen Grund unter sich spürte, holte er auch sofort
seine bürgermeisterliche Würde wieder hervor, indem er die große
Brille, die sich etwas verschoben hatte, zurecht setzte, die dünnen
Haare an den Schläfen glatt strich und den Hemdkragen hervorzupfte.
»Herr Bürgermeister, Sie sind betrunken und wagen es in diese Sitzung
zu kommen?« sagte ich.
»Das will ich erst bewiesen haben, daß ich betrunken bin!«
»Sie können ja nicht gehen und stammeln nur die Worte hervor und das
ganze Zimmer ist voll Schnapsgeruch.«
»Ich will's bewiesen haben, daß ich betrunken bin. So was lasse ich mir
nicht sagen, dafür bin ich Bürgermeister.«
»Sie verlassen jetzt augenblicklich die Sitzung und ich werde über Ihr
Betragen berichten.«
»Ich bleibe hier und will den einmal sehen, der den Bürgermeister von
F. hinausthut!«
»Den werden Sie gleich sehen.« Mit diesen Worten faßte ich ihn am Arm
und führte ihn trotz seines Sträubens zur Thüre hinaus, die ich hinter
ihm zuschloß. Eine Weile murmelte es draußen und man verstand deutlich
Worte wie: »Schlechter Pfaff, ich komme Dir auch!«
Dann auf einmal gab es ein furchtbares Gepolter. Der Herr Bürgermeister
war die Treppe hinuntergefallen. Wir liefen schnell herbei, um zu
sehen, ob er sich keinen Schaden gethan habe; aber er hatte sich schon
wieder erhoben und spazierte nun die Straße hinauf, indem er von einer
Seite derselben auf die andere taumelte. Als wir wieder in das Zimmer
traten, sagte der Kirchenvorsteher Mauser: »Es ist eine Schande, Herr
Pfarrer! Ich sage weiter Nichts -- es ist eine Schande. -- Ich bin
vierzehn Tage vor Johanni sechzig Jahre alt geworden, aber ich muß
sagen, So etwas habe ich noch nicht erlebt.«
Mauser war der Wortführer in den Kirchenvorstandssitzungen. Er besaß
die eigenthümliche Gabe, meine Gedanken, wenn sie kaum ausgesprochen
waren, zu seinen eigenen zu machen und sie weiter auszuspinnen. Er
war desto erpichter darauf, für einen Ehrenmann und guten Christen zu
gelten, je deutlicher er fühlte, daß er eigentlich ein Schurke war.
»Ich habe keinen Feind,« pflegte er zu sagen »und wenn der Herr will,
werde ich es noch erleben, daß meine Gesinnung Anerkennung findet. Die
Lieb' und die Freundschaft, die ich im Herzen trage, ist gar nicht zu
sagen. So bin ich auch gegen Sie gesinnt. Ich habe mit allen Pfarrern
gar gut gestanden. Wir waren immer wie Brüder.« Und in der That, er
war der Allerweltsfreund und Allerweltsgevattersmann. Er war bei allen
Viehhändeln, bei allen Krankenbetten, Leichenschmäusen, Taufen und
Hochzeiten. Ohne seinen Zuspruch und seine beruhigenden Worte geschah
Nichts. Das Volk liebt es, bei seinen Festlichkeiten einen Mann zu
haben, der das nöthige Ansehen und genügende Redegewandtheit besitzt,
um die Mittelsperson bei vornehmen und fremden Gästen zu machen, den
allgemeinen Gefühlen einen würdigen Ausdruck zu verleihen und, wenn
das Gespräch stockt, wieder ein neues anzuspinnen oder, wie man sich
ausdrückt -- »Jemanden für die Ansprache.« Dafür war nun unser Mauser
wie geschaffen. Er that hierin den kühnsten Anforderungen Genüge.
Aber auch sich vergaß er nicht. Seine Leidenschaft für den Branntwein
war eine selbst in dem Landgängerdorfe nicht ganz gewöhnliche. Doch
fehlte es ihm an Mitteln, dieselbe nach Lust zu befriedigen; denn seine
Frau, die den Schlüssel zum Geldschrank immer mit sich führte, hielt
ihn äußerst knapp. So mußte er sich denn bei andern Gelegenheiten
entschädigen und es war fast als hätte er dabei noch eine feinere
Witterung, als ein Jagdhund, so sicher war er dabei, wo Branntwein
umsonst gegeben wurde. Gar zu gern wäre er Bürgermeister geworden und
hatte es wahrhaftig nicht an Umtrieben fehlen lassen, aber man wollte
den Freund und Gevatter Mauser nicht zum Bürgermeister, denn man
fürchtete für das Gemeindevermögen.
Als ich Nichts erwiderte, sondern vielleicht sehr niedergeschlagen
aussah, fuhr er fort: »Es muß aber auch in letzter Zeit Alles
zusammenkommen, um unsern lieben Herrn Pfarrer zu beleidigen und zu
kränken.« Dabei wischte er mit seinem Schnupftuch in den Augenwinkeln,
als wenn er ein paar Thränen wegzuwischen hätte. »Wissen Sie, daß
ich und mein Kathrein in der letzten Zeit als ein Stückchen geflennt
haben, daß sie es unserm Herrn Pfarrer so machen im Ort. O, es sind
gar boshafte, neidische Menschen hier im Ort. Wir haben es gleich
gesagt, daß an der ganzen Geschichte kein wahres Wort wäre. Es war
am Donnerstag Abend, da saß ich und las in der Bibel. Ich lese jeden
Abend in der Bibel und da kann ich mich so vergessen, daß mein Kathrein
als sagt: Jakob, weißt Du auch, wie viel Uhr es ist? Es hat eben elf
geschlagen. So leg' Dich doch in's Bett! Es kostet so genug Oel; man
kann es gar nicht mehr aufbringen. Kathrein, sage ich dann: was hier
an irdischem Oel verloren geht, das gewinne ich an himmlischem Oel
für meine Seele. So saß ich am Donnerstag Abend und las in der Bibel,
da kömmt mein Hannesche hereingestürmt und erzählt in aller Hast die
Geschichte von Ihnen. Das ganze Dorf spräche davon. Da ging ich hin,
ohne ein Wort zu sprechen, und gab ihm eine Ohrfeige, daß es klatschte.
So, sagte ich, wenn schlechte Menschen solche Sachen erzählen, dann
mußt Du so viel Respekt vor unserm lieben Herrn Pfarrer haben, daß Du
so etwas gar nicht nacherzählst. Und nun gehst Du in Dein Bett und
legst Dich schlafen. Ich habe aber noch lange mit meiner Kathrein Rath
gehalten. Kathrein, habe ich gesagt, Weißt Du, wer schuld ist an dem
Allen? Das ist der Bürgermeister, habe ich gesagt. Es muß ein anderes
Oberhaupt in's Dorf, der alle Strenge anwendet, um die Landgängerei zu
unterdrücken und nicht überall noch mit Rath und That zur Hand geht,
und wenn wir keinen andern Bürgermeister bekommen, geht noch Alles zu
Grunde.«
»Sie mögen Recht haben, Mauser, daß viel Schuld am Bürgermeister liegt;
aber es muß Jeder seine Schuldigkeit thun nach dem Maß seiner Kräfte
und Gaben. Ich habe hier eine Schrift an's Amt aufgesetzt, worin ich um
strenge Untersuchung des Treibens der Seelenverkäuferei und um baldige
Abhülfe bitte. Das mögen Sie unterschreiben.« »Von ganzem Herzen, Herr
Pfarrer! Es ist dieses der einzige Weg, der noch helfen kann. Das habe
ich schon lange gesagt.«
Nun wandte ich mich an den andern Kirchenvorsteher, Namens Schwalb, der
ein redlicher Mann war, aber zum Unglück fast ganz taub. Er saß während
der Sitzung gewöhnlich so da, daß er die hohle Hand an das am besten
hörende Ohr legte, den Mund weit aufsperrte und die Augenbrauen in die
Höhe zog. Sobald ich nach ihm hinsah, nickte er freundlich mit dem
Kopf und machte eine Bemerkung über den jedesmaligen Wetterstand, oder
sagte: »Sie haben heute gar schön gepredigt,« obwohl er kein Wort recht
verstehen konnte. Auch jetzt machte er mir das Compliment. Ich gab ihm
stillschweigend die Schrift zum Durchlesen, aber er unterzeichnete,
ohne einen Blick hineingeworfen zu haben. Damit entließ ich die
würdigen Kirchenherrn.
Am folgenden Mittwoch Morgen erhielt ich zwei Dienstbriefe. Der eine
trug das Amtssiegel, der andere das Decanatssiegel.
Ich öffnete zuerst das Schreiben vom Amt. Da wurde ich denn ersucht,
erst spezielle Thatsachen aufzuführen und Zeugen zu nennen, dann wolle
man sich bewogen finden, die Zeugen abzuhören und, je nachdem der
Thatbestand sich ergebe, einzuschreiten. Ich legte den Brief ziemlich
unbefriedigt bei Seite und öffnete den andern, in welchem noch ein
zweites Schriftstück lag. Das Schreiben des Decans lautete: »Sie
empfangen hier eine Anklage Ihres Kirchenvorstandes, worüber ich Sie
ersuche, sich alsbald zu verantworten.« Die Anklage war folgende:
Hochwürdiger Herr Decan!
Wenn es erlaubt ist mit Ihne zu rede, bitte wir Ihne um
Entschuldigung, daß wir Ihne lästig falle müsse, aber mit uns
Herrn Pfarrer ist gar kein Auskomme meh. Er ist mit eim Wort
wüthend und gleicht gar keim Mensch meh. Am Sonntag kam er in
die Kirch und hat so die Thür hinter sich zugeschlage, daß
nervenschwache Weiber und Greise fast ohnmächtig geworde wärn
und hat sich geberdt auf der Kanzel, als wenn er besoff wär und
geschimft und räsonnirt, daß uns Gemein ein ganz schlechte Nam
kriegt von dene fremde Leut, die auch drin warn. Er kümmert
sich um alle Angelegenheiten, die ihn nix angehn und stift
Streit unter die Familien und hetzt die Leut hintereinander.
Wenn er einmal ein Buckel voll Schläg bekäm, dafür könnt mir
nix. Wenn uns Dorf in Unzucht und Schlechtigkeit fällt, daran
ist er allein schuld. Im ganze Dorf schwätzt man davon, daß
ers mit eim schlechte Mädche hätt. Wie soll denn nun die
Jugend sein, wenn der Pfarrer so ist. Uns ganz Dorf kömmt noch
durch so ein Pfarrer in Verruf. Wir möchte Herrn hochwürdigste
Decan unterthänigst gebeten habe, ihn gerad wegzusetze. Es
könnt möglich sein, daß er sich in einer andern Gemeine besser
aufführt. Wir wolle an seim Unglück nicht schuld sein, darum
solle Sie ihn nicht absetze. In großer Unterthänigkeit grüßt
der Kirchenvorstand:
+Adam Koch+, Bürgermeister,
+Jakob Mauser+, Kirchenvorsteher,
+Philipp Schwalb+, "
Ich hatte kaum das Schreiben gelesen, da kam der Anton Scheppler zur
Thüre hereingestürzt:
»Sie sind fort, Herr Pfarrer!« --
»Wer ist fort?«
»Der alte Fink und die Mädchen.«
»Auch die Babette Heimerdinger?«
»Auch die Babette Heimerdinger.«