Der bayrische Partikularismus

Der Brennpunkt der ganzen Bewegung ist in München zu suchen. Der

Ausnahmezustand, der dort jahrelang aufrecht erhalten wurde und die

Sondergerichte, beides Organisationen, die sich ausschließlich gegen

Links wandten, begünstigten in hohem Maß die Bildung und verbrecherische

Tätigkeit der Geheimorganisationen.

Der andauernde Kampf gegen das Reich hat zum großen Teil den Sinn, die

Geheimbünde zu schützen. Denn sie sind die Hauptträger der

monarchistischen Propaganda und sind daher bei den im Grunde genommen

monarchistischen Regierungen Kahr und Lerchenfeld beliebt. Die angeblich

altbayrische Tradition der bayrischen Regierung ist eine reine Fiktion;

denn Bayern war früher keineswegs ausgesprochen monarchistisch. Dazu

kommt, daß die Hauptträger dieser bayrischen Fronde tatsächlich

Ludendorff und die ihn umgebenden Teilnehmer der früheren obersten

Heeresleitung, also gar keine Bayern sind.

Seit dem Reichenhaller Kongreß der russischen Monarchisten beginnen auch

diese in Bayern eine Rolle zu spielen. In der Oeffentlichkeit treten sie

natürlich nicht hervor.

Die augenblicklich in Bayern herrschende Stimmung wird wohl am besten

durch die Tatsache beleuchtet, daß ein anerkannter katholischer

Gelehrter, Domdekan Kiefel aus Regensburg, im Vorwort seines Buchs

»Katholizismus und modernes Denken« vom Grafen Arco, dem Mörder Eisners,

schreiben konnte: »Unser jugendlicher Nationalheld dessen selbstloser

Idealismus allein in unserem Volk neues Leben entzünden könnte«. Das

Bild Arcos ist in vielen Schaufenstern zu sehen. Seine Heimatgemeinde

gab sogar Notgeld mit seinem Bild heraus, das allerdings bald aus dem

Verkehr gezogen wurde.

Vier Jahre Politischer Mord · 第 123 / 146 题