Oberschlesien

Zwei Zentren hat die Bewegung: Oberschlesien und München. Beide sind

intim verknüpft. So hat z. B. das Freikorps Oberland in beiden

»gekämpft«.

In Oberschlesien sollte nach dem Vertrag von Versailles eine

Volksabstimmung stattfinden. Die Entente verschob jedoch den Termin der

Abstimmung von Monat zu Monat. So entstand unerhörte politische

Spannung. Resultat waren drei Aufstände der Polen. Die polnische

Regierung lehnte zwar offiziell jede Beteiligung daran ab. Doch kann man

es als gesichert hinnehmen, daß sie die Bestrebungen, ein fait accompli

zu schaffen, wie etwa in Posen oder Wilna, insgeheim begünstigte. Den

ersten Aufstand schlugen deutsche Truppen nieder. Von beiden Seiten sind

dabei unerhörte Grausamkeiten vorgekommen. Beim zweiten Aufstand

sammelten sich die Deutschen in eigenen Organisationen, dem sogenannten

Selbstschutz, der ursprünglich nur aus geborenen Oberschlesiern bestehen

sollte, dann aber auch aus dem übrigen Reich regen Zuspruch erhielt.

Bald ging man dazu über, auch diejenigen Deutschen zu bekämpfen, denen

man mit Recht oder Unrecht internationale Neigungen zuschrieb. Auch

Angehörige der Besatzungstruppen wurden ermordet. Aus dem großen

diesbezüglichen Material mögen nur einige typische Fälle aufgeführt

werden: Dr. Milecki aus Kattowitz wurde am 17. August 1919 gelegentlich

der Hilfeleistung bei einem polnischen Verwundeten ermordet. In Hallimba

wurden am 17. August 1919 zwei Arbeiter »auf der Flucht« erschossen.

Ende Mai 1920 wurde der Besitzer des Hotels »Deutsches Haus« in

Krappitz, Valentzyk, aus dem Gefängnis geholt. Die Mannschaft bestand

aus dem Pferdewärter Eduard Seirer aus Pasing, dem Kriminalinspektor

Fischer aus Bernburg (alias Friedrich) und dem Kriminalwachtmeister

Josef Bump aus Carlskron. In Valentzyks Hotel war während der

Besatzungszeit die französische Intendantur untergebracht gewesen. Auf

Befehl des Freikorps Oberland wurde er an eine entlegene Stelle im Wald

geführt und dort von _Bump_ erschossen.

Am 30. Juli 1920 wurden drei Gefangene des Freikorps Oberland, Karl

Görlitz aus Görlitz, Stefan Stellmach aus Bismarckhütte und ein gewisser

Kauert, angeblich Kommunist, früher Freiwilliger des Bataillons

Oesterreicher, von der Straße nach Kasimir weg in den Wald geführt und

von Mußweiler (alias Weiland) erschossen. Die Leichen wurden

ausgeplündert. (Paul Fröhlich »Wider den weißen Mord«.) Am 30. Juni 1921

wurde der Betriebsrat der »Bismarckhütte«, Bruno Bochymek »auf der

Flucht« erschossen. Man erinnere sich ferner an den Ueberfall in

Petersdorf, wo u. a. der Spitzel Seichter ermordet wurde. (WTB., 18. Mai

1922.) Auch in allerneuester Zeit sind Lynchungen durch den Selbstschutz

vorgekommen. In Oppeln, Gleiwitz und anderen Orten Oberschlesiens wurden

Frauen, die sich während der Besatzungszeit mit Franzosen eingelassen

hatten, nackt ausgezogen, kahlgeschoren, mit Teer angestrichen und mit

Peitschen durch die Straßen gehetzt. (»Deutsche Zeitung«, 13. Juli

1922.)

Vier Jahre Politischer Mord · 第 122 / 146 题