Daß es auch kommunistische Geheimorganisationen gab, ist nicht zu
bestreiten. Nach der Mentalität dieser Partei, die z. B. den
Märzaufstand 1921 verursacht hat, ist an deren Existenz kaum zu
zweifeln. Aber die Nachrichten hierüber haben sich in allen Fällen als
maßlos übertrieben herausgestellt. Wo solche Organisationen tatsächlich
bestanden, haben stets Spitzel und Provokateure von Rechtsparteien eine
große Rolle gespielt. Das liegt daran, daß die Partei überhaupt mit
Spitzeln stark durchsetzt ist. In München hat man sogar Bezirksführer,
also Funktionäre, als Angehörige der Polizei entlarvt.
In vielen Fällen waren auch die Nachrichten über kommunistische
Geheimorganisationen nach der bewährten Methode »Haltet den Dieb«
einfach aus der Luft gegriffen. Zur Verbreitung der Berichte dienten
eigene deutschnationale Nachrichtenstellen.
Auch ein Mann, dem man dies eigentlich nicht zutrauen sollte, General
Ludendorff, hat sich neuerdings diesem Verfahren angeschlossen. In
einem Interview mit dem Berliner Korrespondenten der »Daily Expreß«
(»Vossische Zeitung«, 25. Juli 1922) sagte er: »Die Erklärung der
Ermordung Dr. Rathenaus liegt in der Tatsache, daß die Ermordung
deutscher Minister vor mehr als einem Jahr von kommunistischen
Organisationen beschlossen worden ist. In ernsten politischen Kreisen
gibt es keine Mörderorganisation.« Einen Beweis für diese Behauptung hat
Ludendorff nicht angetreten.
Ich will natürlich die Möglichkeit kommunistischer Geheimorganisationen
nicht leugnen. Wahrscheinlich haben sie auch politische Schäden
angerichtet. Sicher aber ist, daß sie für keinen einzigen politischen
Mord verantwortlich zu machen sind.