Kriminalwachtmeister Buchholz

Die »Hundertschaft zur besonderen Verwendung« unterstützte die

aufrührerischen Truppen im Baltikum, indem sie durch Bestechungen von

Eisenbahnbeamten den Transport von Geld dorthin ermöglichte. Beim

Kapp-Putsch stellte sie sich sofort auf die Seite der einrückenden

Marinebrigade. Trotzdem blieb sie unangefochten. Im Sommer 1920 wurde in

ihr der geheime »Bund der Ringmannen« unter Hauptmann Stennes gebildet,

der zahlreiche Waffen vor der Ablieferung versteckte. Eine Durchsuchung

verlief ergebnislos, da die Hundertschaft vorher gewarnt worden war.

Ueber die vermutlichen Verräter der Waffenschiebung wurde nachts ein

Geheimgericht gehalten. (Vergl. Berliner Tageblatt, 10. September 1921.)

_Buchholz_ bezahlte auf Geheiß seiner Vorgesetzten bis in die Tausende

gehende Beträge an Zivilangestellte, d. h. Spitzel.

Man befürchtete von Buchholz eine Aufdeckung dieser Vorgänge. Am 13.

Juni 1921 wurde er in der Schloßkaserne Charlottenburg tot aufgefunden.

Angeblich hat er wegen Unterschlagung Selbstmord begangen. Doch konnte

eine Unterschlagung nicht nachgewiesen werden. Nach dem Gutachten des

Gerichtssachverständigen, Medizinalrat Dr. Störmer (»Frankfurter

Zeitung«, 18. August 1921), handelte es sich »bestimmt um Tötung durch

dritte Hand.« Die Untersuchung gegen die Hundertschaft wurde zunächst

niedergeschlagen, »da von Zeugen, die unter ständiger Bedrohung seitens

der Hundertschaft stehen, wahrheitsgemäße Angaben nicht zu erwarten

seien.« (Mitteilung des Polizeiwachtmeisters Asmus, »Berliner

Tageblatt«, 24. Juli 1921.)

Am 2. Dezember 1921 wurden die Wachtmeister _Erren_ und _Meyer_ von der

Anklage des Mordes freigesprochen. (Prozeßberichte in allen Berliner

Zeitungen.) Erren war im Zimmer gewesen, »zum telephonieren«, als der

zum fortgehen angezogene Buchholz aus einer Entfernung von über 30 cm

von hinten die Kugel durch den Kopf, angeblich von eigener Hand,

empfing.

Vier Jahre Politischer Mord · 第 68 / 146 题