Als wegen der Märzunruhen 1921 eine Abteilung der Düsseldorfer
Schutzpolizei sich Klostermansfeld näherte, ging ihr der
stellvertretende Gemeindevorsteher Paul _Müller_ (Kommunist) entgegen,
erklärte, im Orte sei alles ruhig, und zog an der Spitze der Polizisten,
zusammen mit dem Hauptmann, der das Kommando führte, in den Ort ein.
Obwohl er die Arbeiter ausdrücklich gewarnt hatte, wurde aus dem Ort
geschossen, wobei Müller natürlich ebenfalls bedroht war. Am Nachmittag
wurde Müller aufgefordert, sich bei dem Hauptmann der Schutzpolizei zu
melden, was er tat. Um 9 Uhr abends wurde er in Einzelhaft genommen. Am
Morgen des 27. März wurde er auf der Chaussee nach Leinbach, etwa 150
Meter vom Orte entfernt, erschossen aufgefunden. Das Gefängnis, in das
er angeblich gebracht werden sollte, lag in einer ganz andern Richtung.
Die Leiche zeigte am Kopfe Spuren von Mißhandlungen.
Das Verfahren wurde am 21. April 1921 eingestellt, da »Müller
wahrscheinlich auf der Flucht erschossen worden sei«, später jedoch
wieder aufgenommen. (Aktenabschrift in meinem Besitz.)
Die im folgenden dargestellten Fälle beruhen auf den Verhandlungen des
Untersuchungsausschusses der preußischen Landesversammlung betr. die
Unruhen in Mitteldeutschland vom November 1921. Dabei hat sich u. a.
herausgestellt, daß in keinem dieser Fälle ein Verfahren durch den
Staatsanwalt eingeleitet worden war.
In Querfurt wurden am Ostermontag, 28. März, nach entsetzlichen
Mißhandlungen die Gefangenen _Peter_, der Lagerhalter des Konsumvereins
_Straube_ (Kommunist) und ein Dritter erschossen.
Die Täter gehörten zur Düsseldorfer Schupo unter dem Grafen _Poninski_.
Der Konsumverein wurde ausgeplündert.
In Besenstedt wurden der Sanitäter Kurt _Herzau_ und der Arbeiter Gustav
_Thieleke_, in Bischofsrode am 1. Ostertag acht Gefangene, darunter der
Knecht _Pawlack_ aus Helbra und der Bergmann _Weiner_ und ein gewisser
_Dietrich_ durch Düsseldorfer Polizisten, in Schraplau am 2. Ostertag
sechs Gefangene, darunter Martin _Deutsch_, _Müller_, _Poblentz_ und
_Trautmann_, in einem Kalkofen erschossen.
Bei der Einnahme des Leunawerkes sahen die Offiziere bei den
Mißhandlungen durch Oberwachtmeister Heim und andere Sipoleute zu: Einem
Gefangenen, bei dem eine Pistole gefunden worden war, wurde der Schädel
eingeschlagen, sodaß das Gehirn an die Wand spritzte. Ein anderer mußte
sich selbst erschießen. Insgesamt wurden 9 Leute umgebracht, darunter
_Lederer_, _Isecke_ und _Zillmann_. In Mitteldeutschland war kein
Standrecht verhängt worden. In keinem Fall hat eine Bestrafung
stattgefunden.