Wilhelm Sült

_Sült_, Führer der Elektrizitätsarbeiter bei mehreren Streiks, wurde am

30. März 1921 durch die politische Polizei (Abt. 1 A) in Schutzhaft

genommen. Als er am 1. April zur Vernehmung ins Polizeipräsidium

gebracht wurde, soll er nach dem amtlichen Bericht (»Vossische Zeitung«,

1. April) dem Beamten einen Stoß versetzt haben und die Treppe

hinaufgesprungen sein, worauf der Beamte, _Janike_, zweimal auf ihn

schoß und ihn in die Leber und Nieren traf. Sült erklärte seinem

Rechtsanwalt Dr. Weinberg auf dem Totenbett, er habe weder den Beamten

gestoßen, noch sei er geflohen. Als Sült am Boden lag, wurde er von

einem Polizeioffizier mit dem Ruf: »Verrecke, Du Aas« (»Das Tagebuch«,

9. April), mit Füßen getreten. Zunächst wurde er einfach auf einer

Pritsche liegen gelassen. Um 1/2-5 Uhr kam Dr. Eylenburg, wurde aber

nicht vorgelassen mit der Begründung, Sült sei schon in der Charité.

Erst um 7 Uhr abends kam er dorthin. »Vor der Operation hatte er schon

1-1/2 Liter Blut verloren« (Prof. Lubarsch). Am 2. April, morgens 4 Uhr,

starb er. Gegen alle Vorschriften wurde die Leiche bereits am Vormittag

seziert. Dr. Klauber, der verabredungsgemäß an der Sektion teilnehmen

sollte, fand die Leiche bereits seziert vor. »Es fehlten sämtliche

Eingeweide, so daß über die Art der Verletzung durchaus nichts mehr

festgestellt werden konnte. Zu meiner großen Überraschung war die Stelle

der Einschußwunde herausgeschnitten.« Durch die voreilige Sektion war

die Möglichkeit einer weiteren Aufklärung beseitigt. Eine Bestrafung

wegen dieses Falles ist nicht erfolgt. (Vergl. Preußische

Landesversammlung vom 18. April, Berliner Stadtverordnetenversammlung

vom 23. April, »B.Z. am Mittag«, 8. April, Eingehende Darstellung im

»Tagebuch«, 9., 23., 30. April, 14. Mai.)

Vier Jahre Politischer Mord · 第 63 / 146 题