Linksmorde beim Kapp-Putsch

In der Gemeinde Kleinkugel bei Halle existierte eine Einwohnerwehr mit

14 Gewehren und einem Maschinengewehr. Während des Kapp-Putsches

forderten die Arbeiter von den Gutsbesitzern Herausgabe der Waffen. Auf

Anraten der Reichswehr versteckte der Gutsbesitzer _Walter_ die

Gewehrschlösser. Am 18. März holte die Reichswehr die Gewehre ab. Am 19.

März fuhr sein Sohn per Rad nach Halle, um Geld dorthin zu bringen. Er

nahm dabei die Gewehrschlösser mit. In Kanena wurde er von den Arbeitern

aufgehalten, die Gewehrschlösser wurden gefunden. Walter wurde zur Grube

Alwiner Verein als Gefangener geführt. Dort wurde ihm vorgeworfen, daß

die Reichswehr auf sein Anraten Leute erschossen habe. Die Arbeiter

beschlossen darauf ihn zu töten und teilten ihm dies mit. Er wurde von

zwei Arbeitern zu einem Trockenschuppen geführt und dort um 3/4-10 Uhr

durch einen Kopfschuß getötet. Der Arbeiter Rasch wurde bei der

Verhandlung freigesprochen, da Zeugen beschworen, daß er nicht der

Mörder sei.

Am 21. März 1920 kamen einige Kaliarbeiter aus Staßfurt zu dem

Rittergutsbesitzer _Henze_ in Trebitz und verlangten Wagen, um nach

Halle fahren zu können. Die Bahn ging nämlich nur bis Wallwitz. Henze

weigerte sich zunächst. Bald darauf kamen 40 weitere Arbeiter mit

Handgranaten und entsicherten Gewehren. Henze und seine Schwester wurden

umringt. Es kam zu einem heftigen Wortwechsel und Tätlichkeiten. Henze

erhielt einen Lungenschuß und einen Kolbenschlag auf den Schädel, seine

Schwester einen Herzschuß. Als Mörder des Henze wurde der Arbeiter Karl

_Felix_ aus Hechlingen, der den tödlichen Schlag getan, unter

Zubilligung mildernder Umstände zu fünf Jahren Gefängnis und der

Kesselschmied Erich _Rolle_ aus Hechlingen zu 12 Jahren Zuchthaus, der

Mörder von Fräulein Henze, der Arbeiter Karl _Steinbach_ aus Wallwitz,

ebenfalls zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Der Reichswehrsoldat _Sametz_ wurde am 28. März 1920 von der roten Armee

bei Dorsten gefangen genommen. Er wurde dem Maschinisten Gottfried

_Karuseit_ aus Gelsenkirchen als Abschnittskommandeur und Leiter der

Kämpfe in Dorsten vorgeführt. Dieser ließ ein Kriegsgericht, bestehend

aus den Kompagnieführern, die zunächst erreichbar waren, bilden. Die

Kompagnieführer verurteilten den Sametz (einen früheren Baltikumer)

wegen Spionage zum Tode. Karuseit, der sich später selber als

Militärspitzel entpuppte, suchte die Leute zur Vollstreckung des Urteils

aus und ließ Sametz noch in derselben Nacht erschießen. Ein Verfahren

gegen Karuseit wegen Mordes schwebt vor dem Schwurgericht Essen. (16.

aJ. 597/20.)

Ernst _Langensiepen_ aus Barmen wurde während der Herrschaft der roten

Armee im Gerichtsgefängnis in Essen eingeliefert. In der Nacht des 3.

April 20 wurde er von 4 Rotgardisten aus der Zelle geholt und im

sogenannten Leichenkeller erschossen. Die Täter sind geflüchtet, die

Untersuchung schwebt noch. Langensiepen soll Militärspitzel gewesen und

deshalb zum Tode verurteilt worden sein.

Vier Jahre Politischer Mord · 第 58 / 146 题