Tierarzt Neubert

In der Stadt Sömmerda waren die Arbeiter wegen des Kappputsches in den

Generalstreik getreten, hatten die Einwohnerwehr entwaffnet und einige

der Führer festgesetzt. Am 24. März 1920 rückte die Reichswehr an und

beschoß die Stadt. Die Streikleitung schickte den Tierarzt _Neubert_ zu

den Truppen, um zu verhandeln.

Fest steht, daß Neubert von der Truppe vor der Stadt Sömmerda

festgenommen wurde, als er als Parlamentär zum Kommandeur sich begeben

hatte. Später wurde er in die Stadt geführt und dort im Rathauskeller

untergebracht. Nach einiger Zeit wurde er auf Befehl des

Truppenkommandeurs von Reichswehrsoldaten wieder vor die Stadt gebracht.

Dieser Befehl wurde vom Kommandeur deshalb erteilt, weil Neubert in der

Stadt vor der Wut der gegen ihn äußerst aufgebrachten Bevölkerung nicht

sicher genug untergebracht war. Vor der Stadt lief Neubert weg, und es

wurde hinter ihm hergeschossen. Schließlich wurde er von einem Soldaten

auf kurze Entfernung getroffen, der dann noch mit dem Gewehrkolben auf

ihn einschlug und einen zweiten Schuß auf ihn abgab. (Brief des

Oberstaatsanwaltes in Erfurt N 6 I 1195/20 vom 20. August 1920, auf die

Anzeige der Frau Neubert.)

Wegen der Erschießung des Neubert schwebte ein Verfahren beim Gericht

der Reichswehrbrigade 11. Infolge der Aufhebung der

Militärgerichtsbarkeit wurde das Verfahren von der Staatsanwaltschaft

Erfurt übernommen. Am 9. Oktober 1920 stellte der Oberstaatsanwalt in

Erfurt den Antrag auf Eröffnung der Voruntersuchung gegen vier

Angehörige des Reichswehr-Inftr.-Reg. 21. Das Verfahren schwebt noch.

(Aktenabschrift in meinem Besitz.)

Vier Jahre Politischer Mord · 第 56 / 146 题