Morde in Breslau

Am 13. März 1920 wurde in Breslau der Redakteur der »Schlesischen

Arbeiterzeitung«, Bernhard _Schottländer_, Mitglied der U.S.P.D., von

Soldaten des Freikorps Aulock zusammen mit über 30 anderen Personen

verhaftet. Die Verhafteten wurden zunächst im Generalkommando mit Wissen

der Offiziere gefoltert. »In der Nacht des 16. wurde er aus dem

Gefängnis Kletschkaustr. von drei Soldaten zu einer Vernehmung nach dem

Generalkommando abgeholt. Die Soldaten zeigten einen vom

Militärbefehlshaber unterzeichneten Auslieferungsbefehl vor. Seitdem ist

Schottländer spurlos verschwunden. Das Generalkommando und die

zuständige Kommandantur wissen von nichts. Der Befehl soll gefälscht

sein.« (Aufruf des Breslauer Polizeipräsidenten, März 1920.) Bei Oswitz

hat die Oder seine Leiche ans Land gespült. (Vgl. Aulock-Prozeß, März

1921.) Der »Münchener Volkswille«, 5. Jan. 1921, meldete, die Ermordung

sei auf Befehl des Oberleutnants _Schmitz_, z. Z.

Linienschiffsstamm-Division Ostsee in Pillau, erfolgt. Dagegen ist nach

der Meinung des Staatsanwalts (»Voss. Ztg.«, 16. Januar 1921) die

Ermordung durch zwei Offiziere und zwei Soldaten, die alle vier bisher

unauffindbar waren, erfolgt.

Der Maschinenschlosser Alfred _Schramm_, Siebenhufnerstr. 72, der

Bankbeamte Karl _Boronow_, Gräbschenerstr. 3, der Kohlenarbeiter

Heinrich _Romane_, Gräbschenerstr. 77 und der Redakteur _Demmig_ wurden

in der Nacht zum 14. März durch Soldaten der Regierung Kapp unter

Führung von Offizieren verhaftet. Seither sind sie spurlos verschwunden.

Der Führer der Patrouille, die Boronow verhaftete, war Leutnant

_Kaufmann_ von der zweiten Marinebrigade. Der Schlosser Max _Hoffmann_

wurde am 15. März wegen Verteilung sozialdemokratischer Flugblätter, der

Eisenbahnschlosser Wilhelm _Böhm_, Herdainstr. 38, am 16. März als

Streikposten, der Koch Heinz _Herkenrat_ vom Hotel Riegner am 19. März

auf Grund einer Denunziation einer Frau Neumann aus Skarsine durch

Soldaten der Regierung Kapp verhaftet und »auf der Flucht« erschossen.

Der Führer der Patrouille, die Herkenrat verhaftete, war Oberleutnant

_Müller_. Herkenrats Leiche wurde ausgeplündert. (»Breslauer

Volkswacht«, vom 31., 24., 22., 19. März 1920.)

Eine Bestrafung der Täter ist in keinem Fall erfolgt, im Gegenteil: Das

Reichsgericht hat die über die Soldaten Walter, Biskup und Brefka wegen

der Folterungen gefällten Urteile auf Grund der politischen Amnestie

aufgehoben (18. Juni 1921). Sie wurden dann als Hilfsaufseher im

Gefängnis Schweidnitz angestellt. (Preuß. Landtag, 14. Sept. 1921.)

Vier Jahre Politischer Mord · 第 54 / 146 题