Taten der Demminer Ulanen

In Gnoien zogen am 18. März 1920 die Demminer Ulanen unter dem

Rittmeister _Obernitz_ ein, weil die Arbeiter dort die Herrschaft Kapps

nicht anerkannten. Der Maurer _Gräbler_, Vorsitzender der dortigen

U.S.P., wurde morgens früh aus dem Bett geholt und trotz allen Bittens

seiner Frau und seiner sechs Kinder auf Befehl eines Offiziers ohne

Verhör, 100 Meter von seinem eigenen Haus entfernt, auf offener Straße

erschossen. Die Truppen verhafteten dann 96 Arbeiter und brachten sie

nach Demmin. Dabei wurde der 63 jährige _Puffpoff_ derartig mißhandelt,

daß er zusammenbrach und nach kurzer Zeit starb. Kurz vor Demmin

schossen dort aufgestellte Soldaten in den Gefangenentrupp hinein,

töteten vier und verletzten sehr viele. (»Das freie Wort«, 4. April

1920, und persönliche Mitteilung des Redakteurs Kühn auf Grund der

Verhandlungen im Mecklenburgischen Ministerium.) Das

Ermittlungsverfahren wegen Gräbler schwebt beim Landgericht Rostock seit

Juni 1920; das Verfahren wegen der Gefangenenerschießung beim

Oberstaatsanwalt in Greifswald.

Am 19. März 1920 rückte die Reichswehr aus Demmin, unter Führung des

Leutnants _Meinecke_, Bataillon »Jarmen« in Stavenhagen ein, wo alles

ruhig war. Sie gaben Befehl: »Straße frei!« und als dies nicht sogleich

erfolgen konnte, schossen sie in die Menge. Um zu vermitteln, ging der

60 jährige Stadtrat _Seidel_ mit erhobenen Händen auf die Straße und

wurde nach wenigen Worten sofort erschossen. Das Verfahren gegen

Meinecke wurde eingestellt, »da er in Notwehr gehandelt habe.« (»Das

freie Wort«, Schwerin, 24.3.1920.)

Vier Jahre Politischer Mord · 第 51 / 146 题