Zehn Offiziere gegen einen Geisteskranken

Der geisteskranke Lokomotivführer _Weigelt_ aus der Alvenslebener Straße

11, ein streng patriotischer Mann, versuchte am 24. März 1920 in die

Kadettenanstalt Lichterfelde einzudringen, wo eine hauptsächlich aus

Offizieren bestehende Freiwilligenabteilung lag, angeblich um sich »für

den Schützengraben zu melden.« Er wurde vom Torposten festgenommen, in

der Wachstube mit einem von ihm mitgebrachten Gummiknüppel so

geschlagen, daß er am Kopf blutete, die Treppe heraufgeschleppt, so daß

am andern Tag noch dort Blut lag und in das Zimmer des Leutnant _Schütz_

(Regierungsbaumeister) gebracht. Dort waren 10 Offiziere, über die er

angeblich herfiel. Obwohl er schrie: »Meine Herren Offiziere, lassen Sie

mich doch laufen, ich bin doch krank«, wurde er durch einen Schuß des

Leutnant _Jansen_ und 3 Schüsse des Leutnant _Schütz_ getötet. Die

Schüsse gingen von oben durch die Schädeldecke, so daß anzunehmen ist,

daß er am Boden lag. Schütz kam im Juli 1920 vor das Gericht der

Zeitfreiwilligenabteilung, nach Aufhebung der Militärgerichtsbarkeit am

24. Februar 1921 vor das Landgericht II (Landgerichtsdirektor Steltzer,

Staatsanwaltschaftsrat Dr. Ortmann). Schütz wurde freigesprochen, da er

angab in Notwehr gehandelt zu haben. (Prozeßbericht in allen Berliner

Zeitungen.)

Vier Jahre Politischer Mord · 第 47 / 146 题