Die zwölf Perlacher Arbeiter

Am 4. Mai rückte das Freikorps Lützow in Perlach, wo niemals gekämpft

worden war, ein. Die Offiziere konferierten mit dem protestantischen

Pastor _Hell_. (Angeblich holten sie dort ein Wäschepaket ab.) Dann

requirierten sie ein Zimmer im Gasthof zur Post und verhafteten die

Arbeiter Johann _Licht_ und Georg _Koch_. Um 3 Uhr morgens wurden dann

auf Grund einer Liste u. a. folgende Perlacher Arbeiter, teils

Parteilose, teils Mitglieder der Mehrheitssozialdemokratie, aus ihren

Betten geholt: Adalbert _Dengler_, Georg _Eichner_, Sebastian

_Hufnagel_, Georg _Jacob_, Josef _Jakob_, Johann _Keil_, Albert _Krebs_,

Josef _Ludwig_, August _Stöber_, Konrad _Zeller_. Bei dem Hafnermeister

Ludwig waren drei ergebnislose Haussuchungen vorausgegangen. Keil und

Dengler hatten Waffen besessen, sie jedoch am 1. Mai laut Aufforderung

abgeliefert. Als der Wirt den Verhafteten Kaffee geben lassen wollte,

hieß es, »die brauchen nichts mehr«. Die Verhafteten mußten

Brieftaschen, Messer und Geldbörsen abgeben, wurden in der Früh um 5 Uhr

auf ein Lastauto verladen und nach dem Hofbräuhauskeller gebracht.

Ludwig wurde gleich hinter das Auto geführt und um 6 Uhr morgens

erschossen. Einige der Verhafteten wurden dann von Offizieren verhört.

Keiner war bei der Roten Armee gewesen. Keiner hatte sich an den Kämpfen

beteiligt, bei keinem waren Waffen gefunden worden, Zeugen schildern,

daß die Gefangenen einen niedergeschlagenen, ja geistesabwesenden

Eindruck machten und flehentlich um ihr Leben baten. Zwischen 11 und 1

Uhr wurden in Abständen erst zwei, dann drei Personen auf dem Hof auf

einem Kohlenhaufen erschossen. Zwei weitere Gefangene, zuerst

zurückgestellt, wurden später erschossen. Insgesamt wurden in Abständen

12 Gefangene ohne Urteil, ohne den Schatten eines Rechts erschossen.

Nach der Erschießung wurden den Toten ihre sämtlichen Wertgegenstände

und Papiere geraubt. Gegen keinen einzigen der Täter oder der

verantwortlichen Offiziere ist jemals auch nur verhandelt worden.

(Aussagen von 14 Augenzeugen sind in meinem Besitz.) 12 Frauen und 35

minderjährige Kinder waren der Ernährer beraubt. Die von den

Hinterbliebenen auf Grund des Aufruhrschadengesetzes erhobenen

Rentenansprüche wurden vom Reichswirtschaftsgericht am 14. August 1921

mit der Begründung abgewiesen, die Erschießung sei keine offene Gewalt

gewesen. (XVII, A.V. 747/21.)

Josef _Graf_, 18 Jahre, wurde am 3. Mai verhaftet. Ein Offizier teilte

dem Vater mit, der Fall werde am nächsten Tag ordnungsgemäß verhandelt.

Am 4. Mai, morgens 1/2-6 Uhr, wurde er auf offener Straße (Warngauer

Straße) erschossen und die Leiche liegen gelassen. (Kein Verfahren.)

Josef _Siegl_, Sanitätssoldat, Rheintaler Str. 64, tat während der

Räterepublik keinen Dienst und ging erst am 1. Mai wieder in Dienst. Auf

dem Weg nach Hause wurde er am 5. Mai wegen seiner Roten Kreuzbinde

erschossen. Die Leiche wurde ausgeraubt.

_Schäffer_, Josephine, Kaufmannsfrau, Hohenzollernstr. 72, wurde am 5.

Mai auf dem Transport nach dem Abteilungsstab des Freikorps Lützow in

der Nähe der Giselaschule erschossen. Nach der Erschießung wurde ihre

Wohnung durchsucht und Gegenstände im Werte von 3000 Mark entwendet. Ihr

Mann war in Haft. Ein Verfahren gegen die Täter ist nicht eingeleitet.

Vier Jahre Politischer Mord · 第 41 / 146 题