Andere Ermordungen während der bayrischen Räterepublik

Max _Weinberger_ war während der Räterepublik Stadtkommandant von

München. Er wurde beschuldigt, an Bürgerliche, insbesondere an die

Thulegesellschaft, Waffen und Passierscheine ausgegeben zu haben.

(Aussage im Geiselmordprozeß, 8. September.) Er wurde abgesetzt und in

der Polizeidirektion eingesperrt. Eines Nachts wurde er in einem Auto

fortgeführt. Das Auto wurde von einem Unbekannten zum Halten gebracht.

Weinberger wurde erschossen. Seine Leiche wurde erst Ende Mai im

Englischen Garten gefunden. Der Fall blieb völlig unaufgeklärt.

In Miesbach tagte während der bayrischen Räterepublik ein

Revolutionsgericht, um gegen Diebe und Plünderer vorzugehen.

Vorsitzender war der Werkführer Richard Käs aus Mochenwangen. Beisitzer

waren die Mitglieder des dortigen Aktionsausschusses, der Heizer Josef

Mühlbauer aus Hofleiten, der Bergmann Michael Vogl aus Prien;

Anklagevertreter der Stadtkommandant Radl. Da Käs sich in

Gerichtssachen als Laie fühlte, erbat er sich Aufschluß bei dem dortigen

Oberamtsrichter Dollacker, der sich auch bei einer Verhandlung

beteiligte. Als Protokollführer im Falle Lacher diente der

Oberamtsgerichtssekretär Bruckmeyer.

In der Nacht vom 24. auf den 25. April 1919 kam der Rotgardist Ernst

_Lacher_ aus München, der schon vorher bei der roten Armee in Miesbach

als stellvertretender Kommandant tätig war, mit Mannschaften,

Maschinengewehren und Minenwerfern in einem Sonderzug nach Miesbach, um

angeblich mit Ermächtigung des Oberkommandanten Eglhofer die in Miesbach

stehenden Truppen wegen andauernder Ausschreitungen abzulösen und die

Stelle eines Stadtkommandanten zu übernehmen. Das Unternehmen Lachers

mißglückte und er wurde festgenommen.

Der Prokurist Georg _Graf_ aus Zigelbarden, der beim Oberkommando der

Münchener Räteregierung Chef der geheimen Militärpolizei war, war

während dieser Zeit in Miesbach und forderte in den nach dem mißlungenen

Unternehmen gehaltenen Sitzungen des Exekutivkomitees, daß Lacher

erschossen werde und beantwortete auch nach seiner Rückkehr nach München

die an ihn gerichteten Anfragen in diesem Sinne. Graf war im Felde

verschüttet gewesen, hatte sich in einer Nervenheilanstalt befunden und

war Morphinist. Am 27. April 1919 wurde Lacher unter dem Druck der

wütenden Rotgardisten zum Tode verurteilt und das Urteil vollstreckt.

Am 13. Januar 1920 begann vor dem Volksgericht in München 2 der Prozeß

gegen Graf und Genossen. Das Urteil für Graf lautete wegen Verbrechens

der Beihilfe zum Hochverrat auf zwölf Jahre Zuchthaus und zehn Jahre

Ehrverlust, Käs, Mühlbauer und Vogl wurden wegen je eines Verbrechens

der Beihilfe zum Mord in Tateinheit mit Beihilfe zum Hochverrat zu je

sechs, bzw. 3-1/2 bzw. vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Dollacker und

Bruckmeyer, die behaupteten unter dem Druck der Rotgardisten gehandelt

zu haben, wurden überhaupt nicht angeklagt. (»Münchener Neueste

Nachrichten«, 14., 15., 16. Januar 1920.) Acht Mitglieder des

Aktionsausschusses waren schon früher zu Festungsstrafen von einem Jahr

drei Monate bis zu zwei Jahren verurteilt worden.

Der Stadtkommandant und Anklagevertreter _Radl_ wurde nach dem Sturz der

Räterepublik standrechtlich erschossen.

Den weiteren Nachforschungen der Polizei gelang es dann, die Namen der

neun an der Erschießung beteiligten Rotgardisten zu ermitteln. Davon

sind zwei tot, zwei unauffindbar. Gegen die übrigen fünf hat am 21.

Februar 1922 der Prozeß stattgefunden. Sie behaupteten, sie seien von

ihren dienstlichen Vorgesetzten zur Vollstreckung aufgefordert worden

und seien von der Rechtmäßigkeit des Urteils überzeugt gewesen. Dies ist

nicht unglaubwürdig. Denn man wußte damals in Südbayern nichts von der

Existenz der Gegenregierung Hoffmanns, sondern hielt die Räteregierung

für den einzigen Inhaber der tatsächlichen Gewalt in Bayern. Trotzdem

beantragte der Staatsanwalt die Todesstrafe gegen sie. Die angeklagten

früheren Rotgardisten Ebert, Blechinger und Essig wurden wegen Beihilfe

zum Totschlag zu je 3 Jahren Gefängnis, Anzenberger zu 1 Jahr 6 Monate

Gefängnis verurteilt. Der fünfte, Heuser wurde freigesprochen.

(»Münchener Neueste Nachrichten«, 22. 2. 22.)

Die zwölf Ermordeten waren die einzigen Opfer der Räterepublik. Dagegen

hat der Einzug der Regierungstruppen in München Hunderten von

Unschuldigen das Leben gekostet.

Vier Jahre Politischer Mord · 第 34 / 146 题