Der Arbeiter _Piontek_ wurde am 12. März 1919, angeblich weil er sich
geweigert hatte einem Soldaten Feuer zu geben, verhaftet, und in der
Normannenstraße von dem Gefreiten _Ritter_ vom Infanterieregiment Nr. 50
und dem Unteroffizier _Wendler_ erschossen. Wendler behauptete, ihm nur
einen Gnadenschuß gegeben zu haben. Am 31. Januar 1922 verurteilte das
Schwurgericht des Landgerichts III (Landgerichtsdirektor Mehlberg,
Staatsanwaltschaftrat Weyermann) Ritter wegen versuchten Totschlags mit
mildernden Umständen zu 3 Jahren Gefängnis, Wendler wurde
freigesprochen. (Berliner Tageblatt, 1. Februar 1922.)
Am 12. März 1919 wurde der Schneider Otto _Hauschild_, Fruchtstraße 26,
am Ostbahnhof erschossen, weil er ein Gewehr in seiner Wohnung hatte;
er besaß einen Ausweis der Republikanischen Soldatenwehr vom 10. März.
Am 13. März wurden Paul _Biedermann_ und Hans _Gottschalk_ auf dem Wege
zur Arbeit in der Friedrich-Karl-Straße auf Grund einer Denunziation
verhaftet, in ein Lokal eingesperrt und vom Posten durch das Fenster
erschossen. (»Freiheit«, 18., 20. u. 22. März 1919.)
Berthold _Peters_ (geboren 28. März 1888), Klempner, seit Kriegsausbruch
Matrose, wurde am 13. März 1919, vormittags 9-1/2 Uhr von einem Trupp
Soldaten unter Führung eines Offiziers in seiner Wohnung, Tilsiter Str.
49, verhaftet, zum Hauptmann _Poll_ in die Patzenhoferbrauerei, von dort
in die Bötzowbrauerei geführt und vor 1 Uhr erschossen. Die Leiche wurde
ausgeplündert: Uhr, Kette, Ring, Brieftasche, Börse und Stiefel wurden
geraubt. Er war von Nachbarn als Spartakist denunziert worden. Ein
Strafverfahren fand nicht statt. Die Hinterbliebenen bekamen im
Zivilprozeß gegen den Fiskus eine Rente von 500 M. monatlich
zugebilligt.