Vizewachtmeister Marcus

Vizewachtmeister Marcus vom Freikorps Lützow hatte am 12. März Befehl,

die Langestraße abzusperren. Er schritt mit 25 Mann die Straße ab und

rief laut »Straße frei, Fenster zu!« Angeblich ist dieser Befehl nicht

beachtet worden. Unter anderem sah er aus dem Fenster eines Hauses eine

weibliche Gestalt auf die Straße heruntersehen. Angeblich hat er darauf

auf ein daneben befindliches blindes Fenster geschossen, aber das offene

Fenster getroffen. Durch diesen Schuß wurde die zwölfjährige Schülerin

_Slovek_ getötet. Ein anderes Mädchen, Erwine _Dahle_, erhielt einen

Herzschuß, als es aus einem Schlächterladen trat. Der 73 jährige

Fliesenleger Karl _Becker_ ist durch einen Kopfschuß getötet worden. Auf

die gleiche Weise kamen dann noch drei Menschen um, die nicht die

geringste Beziehung zu den damaligen Unruhen hatten.

Ursprünglich war gegen Marcus ein Verfahren wegen sechsfachen Mordes

eingeleitet. Doch wurde dies eingestellt. Dagegen wurde er wegen

vorsätzlicher, nicht mit Ueberlegung begangener Tötung von zwei Menschen

vor dem Schwurgericht angeklagt. Bei der Verhandlung am 21. und 22.

Januar 1921 (Verhandlungsbericht im »Vorwärts« vom 25.) berief Marcus

sich auf die Befehle seiner Vorgesetzten und wurde von den als Zeugen

vernommenen Offizieren zum Teil gedeckt. Marcus wurde wegen Totschlags

freigesprochen, wegen einiger Unterschlagungen zu fünf Monaten Gefängnis

verurteilt. Gegen die Offiziere, die solche Befehle gegeben haben, wurde

kein Verfahren eingeleitet.

Der Eisenbahnarbeiter Alfred _Musick_ wurde am 12. März 1919 in seiner

Wohnung nach einer ergebnislosen Haussuchung durch Soldaten des

Freikorps Lüttwitz verhaftet und nach der Andreasschule transportiert.

Oberleutnant _Wecke_ ließ ihn mit vier anderen abtransportieren. Die

Fünf wurden beim Passieren der Schillingbrücke angeschossen und ins

Wasser geworfen. (Aussagen der Begleitmannschaft: »Die Fünf schwimmen

schon.«) Musick konnte sich schwerverletzt durch Schwimmen retten, wurde

entdeckt und wieder in die Andreasschule geführt. Vizewachtmeister

_Marcus_ führte ihn in die Revierstube, kam zurück und erzählte: »Oben

habe ich ihn vor die Wand gestellt und gesagt, gehen Sie nur herein;

darauf antwortete er, hier ist ja keine Tür, in dem Moment hatte ich ihn

schon in den Kopf geschossen«. Die Leiche wurde beraubt und als

unbekannt in die Sammelstelle in der Distelmeyerstr. eingeliefert.

Vier Jahre Politischer Mord · 第 24 / 146 题