Am 10. März kamen zu dem jungen Kurt _Friedrich_ (16 Jahre) seine beiden
Freunde Hans _Galuska_ (16 Jahre) und Otto _Werner_ (18 Jahre) in die
Wohnung der Mutter des Friedrich, am Schlesischen Bahnhof 3, zu Besuch.
Die drei jungen Menschen hatten sich nie mit Politik beschäftigt. Sie
waren kaum beisammen, als 8 Regierungssoldaten auf Grund einer
Denunziation ankamen. Sie durchsuchten die Wohnung, ohne daß ihnen auch
nur ein einziges belastendes Stück in die Hände gefallen wäre. Darauf
erklärten sie die drei jungen Menschen für verhaftet und führten sie ab.
Die letzten Worte, die Kurt Friedrich sagen konnte, waren: »Mutter,
meine Papiere sind in Ordnung, ich habe nichts auf dem Gewissen«.
Die Mutter begab sich in die Schule in der Andreasstraße, wo
Reinhardttruppen lagen, und sah, wie die Drei abgeführt wurden und
schrecklich heulten. Der befehlshabende Offizier ließ die Frau nicht zu
Worte kommen. Am 12. März, nach zwei schrecklichen Tagen des Wartens,
erhielt Frau Friedrich von Bekannten die Nachricht, Hans Galuska läge im
Leichenschauhaus. Sie fand dort die drei jungen Freunde als Tote wieder.
Sie waren am 11. März als »unbekannt« eingeliefert worden. Kurt
Friedrich hatte einen Kopf- und Hüftschuß. Die neuen Stiefel waren ihm
gestohlen. Hans Galuska hatte ebenfalls zwei Schußwunden, darunter eine
an der Stirn, und mehrere Verletzungen durch Schläge. Es fehlten ihm:
Hut, Kragen, Kravatte, Ulster, Jackett und Stiefel. Otto Werners Gesicht
war beinahe unkenntlich, außerdem war der eine Arm völlig zerschossen,
so daß anzunehmen ist, daß er ihn vors Gesicht gehalten hat. Die Sache
wurde der Staatsanwaltschaft mitgeteilt. (»Freiheit«, 26. März 1919.) Es
erfolgte jedoch weder gegen die beteiligten Mannschaften noch gegen die
verantwortlichen Offiziere ein Verfahren.
Dagegen haben nach einem Schreiben des Heeresabwicklungsamtes Preußen an
den Anwalt der Frau Friedrich (Abschrift in meinem Besitz), »die
umfangreichen Ermittelungen ergeben, daß Friedrich wegen Verdachts der
Beteiligung an spartakistischen Umtrieben verhaftet und aus Anlaß eines
Fluchtversuches erschossen wurde«. Zeugenaussagen für diese Behauptungen
sind nicht aufgeführt.